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	<title>Sacra.Wiki - Benutzerbeiträge [de-at]</title>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Klosterneuburg&amp;diff=10714</id>
		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<updated>2023-03-07T08:09:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* 19. und 20 . Jahrhundert */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Blick auf Klosterneubuurg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Klosterneuburg, Aquarell von Jakob von Alt (1834)&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Salzburger Reformkreis ger.jpg|right|350px]] &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste.  Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vincenz Seback|Vincenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an.  Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rückkehr der Chorherren 1945.jpg|right|250px]]&lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall. Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet. Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 11 (1979), S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln / Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14 (1939), S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 3 (1963), S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1 (1975), S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4 (1912), S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich Neue Folge 36 (1964), S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich Neue Folge 37 (1976), S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4 (1964), S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41 (1990), S. 14–42.&lt;br /&gt;
* Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684. [https://books.google.at/books?id=rW1gAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S. 95–218.&lt;br /&gt;
* Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42 (1909), S. 3–22.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker / Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien Neue Folge 7 (1933), S. 229–248.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 11 (1979), S. 7ff.&lt;br /&gt;
* Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2 (1909), S. 155ff.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
* Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 2 (1962), S. 101ff.&lt;br /&gt;
* Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 8 (1973), S. 57ff.&lt;br /&gt;
* Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien / Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
* Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien / Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien / Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg (1985), S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 14 (1991), S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 15 (1994), S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2 (1916).&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 1 (1961), S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 4 (1964), S. 111ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: Archiv für Österreichische Geschichte 5 (1850), S. 261–316.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg 1 (1908), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S.57–94.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5 (1913), S. 97–176.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6 (1914), S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Alphons Lhotsky: Studia Neuburgensia. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg Neue Folge 1 (1961), S. 69–103.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992 S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch / Edith Fischer / Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 2 (1962), S. 163–173.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 3 (1963), S. 137–179.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 6 (1966), S. 135–216.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47 (1993/94), S. 595–603.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2 (1909), S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Gertraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 1 (1961), S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 5 (1965), S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 11 (1979), S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archivalien===&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: In Unum Congregati (1985), Heft 3 / 4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===weiterführende Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 5 (1965), S. 115ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Vincenz_Seback&amp;diff=10705</id>
		<title>Vincenz Seback</title>
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		<updated>2022-11-04T18:29:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Weitere Publikationen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Vinzenz Seback&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Geburtsdatum=1805-12-28&lt;br /&gt;
|Geburtsort=Brünn (Mähren)&lt;br /&gt;
|Einkleidung=1827-10-23&lt;br /&gt;
|Profess=1832-01-20&lt;br /&gt;
|Primiz=1830-08-01&lt;br /&gt;
|Sterbedatum=1890-01-13&lt;br /&gt;
|Sterbeort=Klosterneuburg (Niederösterreich)&lt;br /&gt;
|Institution=Stift Klosterneuburg&lt;br /&gt;
|Funktion=Chorherr&lt;br /&gt;
|GND=http://d-nb.info/gnd/138395845&lt;br /&gt;
|Quelle=[[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905, S. 246–250. [https://archive.org/details/dieschriftstell00mittgoog/page/n267/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Vinzenz Seback.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Vincenz Seback&amp;lt;br /&amp;gt;Archiv der Universität Wien, Bildarchiv (Signatur: 106.I.2696)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Dr. Vincenz Seback, * 28. Dezember 1805 in Brünn (Mähren), † 13. Jänner 1890 in Klosterneuburg (Niederösterreich), Theologieprofessor an der Universität Wien und Chorherr des [[Stift Klosterneuburg|Stiftes Klosterneuburg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Ausbildung und Klostereintritt===&lt;br /&gt;
Seine Eltern, die in auf den Namen Alois getauft hatten, übersiedelten in Sebacks frühen Jugendjahren nach Wien, wo er das Akademische Gymnasium und die philosophische Fakultät der Universität Wien besuchte. Nachdem er sein Studium erfolgreich absolviert hatte, widmete er sich dem Weltpriesterstand. Nach zwei Jahren entsagte er diesem bereits wieder, weil ihm, wie er schreibt&amp;lt;ref&amp;gt;Gemäß eines Briefs, den Seback am 25. Jänner 1831 an seinen Ordensbruder [[Franz Xaver Schwoy]] sandte.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das nicht ganz von der Welt geschiedene Leben eitel schien, und verließ die glänzende Laufbahn, die er in jenem Stand betreten hatte und die ihm seine Freunde schon vorgezeichnet hatten. Er empfing im Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg am 23. Oktober 1827 das Ordenskleid und den Ordensnamen Vinzenz von Paul. Am 20. Jänner 1832 legte Seback die feierliche Profess ab, und am 20. Juli 1830 wurde er zum Priester geweiht. Der Priesterweihe folgte am 1. August 1830 die Primiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Akademische Karriere===&lt;br /&gt;
Propst [[Jakob Ruttenstock]] setzte den jungen Priester in der Lehre ein: Von September 1832 bis 1834 übernahm er interemistisch den Lehrstuhl für Dogmatik an der Universität Wien, welche der zum Referenten der Studienhofkommission ernannte Professor Dr. Josef Pletz innegehabt hatte, und von 1834 bis 1836 die infolge der Ernennung des Professors Dr. Anton Klein zum Domherrn von St. Stephan verwaiste Kanzel der Kirchengeschichte. Im Jahr 1836 kehrte Seback in sein Stift zurück und übernahm das Amt eines Novizenmeisters sowie den Lehrstuhl des Bibelstudiums N. F. an der theologischen Hauslehranstalt. Zwei Jahre später wurde er auf der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert. 1842 supplierte er an dieser abermals Dogmatik. Als durch Allerhöchste Entschließung vom 20. Dezember 1850 für die Studierenden der Theologie eine eigene Lehrkanzel für kanonisches Recht errichtet worden war, wurde Dr. Seback zum Dozenten des Kirchenrechtes an der theologischen Fakultät in Wien ernannt, das er seit 1853 als außerordentlicher und seit 1859 als ordentlicher Professor vortrug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1844, 1860 und 1868 amtierte Seback als Dekan der theologischen Fakultät sowie 1870 bis 1871 als Rektor der Wiener Universität. Der Bischof von Brünn zeichnete ihn 1852 mit dem Titel eines Konsistorialrates aus. Im Jahr 1853 wurde Seback Prosynodalexaminator für die Kuratbenefizien der Wiener Erzdiözese, 1854 Prüfungskommissär bei den rechtshistorischen Prüfungen, 1855 Rat des fürsterzbischöflichen Ehegerichtes und fürsterzbischöflicher geistlicher Rat, 1871 k. k. Regierungsrat. Im Alter von 70 Jahren trat er in den Ruhestand und am 13. Jänner 1890 starb Seback im Klosterneuburger Stiftshof bei Wien. Er hinterließ dem Stift eine mehr als 10.000 Bände zählende wertvolle Bibliothek und eine Sammlung von 13.000 Porträten historischer Personen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literarische Tätigkeiten===&lt;br /&gt;
Sebacks literarische Tätigkeit begann früh. Schon als Novize schrieb er, von seinem väterlichen Freund, dem Chorherrn [[Petrus Fourerius Ackermann]], aufgefordert, für den ersten Band von Pletz' ''Neue theologische Zeitschrift'' eine zwanzig Seiten lange Besprechung des von Nikolaus Wiseman 1828 gedruckten Werkes &amp;quot;Horae Syriacae&amp;quot;. Der Erfolg des &amp;quot;ersten literarischen Versuches&amp;quot; Sebacks bewog Ackermann, ihm die Ausarbeitung der &amp;quot;Biographien katholischer Gelehrten&amp;quot; zu übertragen, für die er selbst bereits mehrere Jahre lang Material gesammelt hatte. Seback schuf damit die Grundlage der &amp;quot;Biographien katholischer Gelehrten&amp;quot;, welche in der ''Neuen theologischen Zeitschrift'' erschienen. Überdies sind in der Stiftsbibliothek mehrere von Seback verfasste Kollegienhefte erhalten. Als Josef Pletz am 30. Mai 1840 unerwartet starb, noch ehe der erste Band des Jahrganges 1840 der von ihm gegründeten ''Neuen theologischen Zeitschrift'' vollendet war, übernahm Seback die Redaktion derselben und brachte den Jahrgang zum Abschluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werke==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beiträge in der ''Neue Theologische Zeitschrift''===&lt;br /&gt;
* Band 1/2 (1828):&lt;br /&gt;
** Cardinal Ximenes, S. 18–61, 174–189; [https://books.google.at/books?id=2DtSQgatbB4C&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA18#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
** Ignaz von Rossi, S. 189–209. [https://books.google.at/books?id=2DtSQgatbB4C&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA189#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Band 2/1 (1829):&lt;br /&gt;
** Georgius Michael Amira, S. 20–26. &lt;br /&gt;
** Stephan Borgia, S. 179–206.&lt;br /&gt;
* Band 2/2 (1829):&lt;br /&gt;
** Stephan Borgia, S. 38–55;&lt;br /&gt;
** Johann Albert von Widmanstadt, S. 184–217.&lt;br /&gt;
* Band 3/1 (1830):&lt;br /&gt;
** Erasmus Fröhlich, S. 26–65;&lt;br /&gt;
** Eduard Corsini, S. 198–221.&lt;br /&gt;
* Band 3/2 (1830):&lt;br /&gt;
** Eduard Corsini, S. 11–37.&lt;br /&gt;
** Rezension zu: Karl Eggers &amp;quot;Predigten bey verschiedenen Veranlassungen, meistens dogmatischen Inhalts, nach den Bedürfnissen der Zeit&amp;quot;. Augsburg 1829, S. 8–89. &lt;br /&gt;
* Band 4/1 (1831):&lt;br /&gt;
** Nikolaus Claudius Fabri, Herr von Peiresk, Senator von Aix, S. 24–68 und 213–218.&lt;br /&gt;
** Einiges über das Collegium der Chinesen zu Neapel, S. 366–379. &lt;br /&gt;
* Band 4/2 (1831):&lt;br /&gt;
** Alexius Sym. Mazocchi, Canonikus von Neapel, S. 46–82. &lt;br /&gt;
** Johann Mabillon aus dem Orden des heiligen Benedict, S. 190–211;&lt;br /&gt;
** Petrus Fourerius Ackermann, eine biographische Skizze, S. 329–373.&lt;br /&gt;
** Rezension zu: Vitus Anton Winters &amp;quot;Katholisches Ritual. Frankfurt am Main 1830, S. 123–129.&lt;br /&gt;
** Rezension zu: &amp;quot;Religions-Geschichte für Volksschulen und ihre Lehren, auch als Lesebuch für den gebildeten Bürger und Landsmann zu gebrauchen.&amp;quot; Landshut 1830, S. 310–317.&lt;br /&gt;
** Rezension zu: &amp;quot;Zwölf Homilien von dem ehrwürdigen Cardinal Bellarmin. Aus dem Lateinischen frey übersetzt und für unsere Zeit bearbeitet von Wilhelm Frank.&amp;quot; Frankfurt am Main 1830, S. 146–147.  &lt;br /&gt;
* Band 5/1 (1832):&lt;br /&gt;
** Johann Mabillon aus dem Orden des heiligen Benedict, S. 24–53, 145–176 und 278–300.&lt;br /&gt;
** Rezension zu: Grazer &amp;quot;Bibliothek katholischer Kanzelberedsamkeit aus dem achtzehnten Jahrhunderte&amp;quot;. Graz 1832, S. 74–82.  &lt;br /&gt;
* Band 5/2 (1832):&lt;br /&gt;
** Mathias Casimir Sarbiewsky aus der Gesellschaft Jesu, S. 165–200.&lt;br /&gt;
** Rezension zu: Alois Adalbert Waibels &amp;quot;Dogmatik der Religion Jesu Christi&amp;quot; Augsburg 1831, S. 60–62. &lt;br /&gt;
** Rezension zu: J. N. Müllers &amp;quot;Handbuch bey seelsorglichen Functionen&amp;quot;, S. 62–66.&lt;br /&gt;
** Rezension zu: &amp;quot;Herrn von Boulognes, weiland Bischofs von Troyes, ernannten Erzbischofs von Vienne, sämmtliche Predigten. Aus dem Französischen übersetzt von Dr. Räß und Dr. Weis.&amp;quot; Frankfurt am Main 1830, S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Band 6/1 (1833):&lt;br /&gt;
** Rezension über Dr. J. C. Sattlers &amp;quot;Monita ad Parochos aliosque Sacerdotes animorum curam habentes&amp;quot;, herausgegeben von Dr. Joannes Jacobus Blattau. Trier 1831, S. 212–218.&lt;br /&gt;
* Band 6/2 (1833):&lt;br /&gt;
** Rezension von Ruttenstocks &amp;quot;Institutiones Historiae Ecclesiasticae&amp;quot;. Viennae 1832, S. 71–87.&lt;br /&gt;
** Rezension von J. Alois Haßls &amp;quot;Allerheilsamstes Hausbuch für alle christlichen Familien&amp;quot; (Ellwangen 1827, Schönbrod.) und Haßls Jugendschriften, S. 317–319.&lt;br /&gt;
* Band 7/2 (1834):&lt;br /&gt;
** Rezension von Josef Ambros Stapfs &amp;quot;Erziehungslehre im Geiste der katholischen Kirche&amp;quot;. Innsbruck 1832, S. 225–233. &lt;br /&gt;
** Rezension über Dr. Ignaz Wildners &amp;quot;Über die moralische Erziehung der höheren Stände&amp;quot;. Wien 1834, S. 233–237. &lt;br /&gt;
* Band 9/1 (1836):&lt;br /&gt;
** Rezension über &amp;quot;Franz Josef Mosers weiland Dompredigers und Professors zu Straßburg, gesammelte Kanzelreden.&amp;quot; Herausgegeben von Dr. Räß und Dr. Weis. Frankfurt am Main 1831, S. 72–74 und 280–282.&lt;br /&gt;
* Band 10/1 (1837):&lt;br /&gt;
**  Rezension über Kardinal Sforza Pallavicinos &amp;quot;Geschichte des Tridentinischen Conciliums&amp;quot;, aus dem Italienischen übersetzt von Theodor Friedrich Klitsche. Augsburg 1835, S. 275–280 und S. 91–92.&lt;br /&gt;
** Rezension über &amp;quot;Doctoris Petri Canisii Soc. Jesu Theologi Summa Doctrinae Christianae&amp;quot;, S. 92–93. &lt;br /&gt;
** Rezension von Dr. lgnaz Schumanns von Mannsegg &amp;quot;Geschichte des Lebens weiland des Hochwürdigsten und Hochgeborenen Herrn H. Augustin Gruber, Erzbischofs von Salzburg.&amp;quot; Salzburg 1836, S. 409–412.&lt;br /&gt;
* Band 10/2 (1837):&lt;br /&gt;
** Die feyerliche Übertragung der Gebeine des hlg. Markgrafen Leopold im Stifte Klosterneuburg, S. 286–295.&lt;br /&gt;
** Rezension von Dr. Gratz' &amp;quot;Euchologium graeco-latinum, complectens pias preces, meditationes hymnosque sacros&amp;quot;. Campoduni 1837, Koesel, S. 390–392.  &lt;br /&gt;
* Band 12/2 (1839):&lt;br /&gt;
** Erinnerungen an das alte Nordafrika und seine Kirche, S. 37–64.&lt;br /&gt;
* Band 13/1 (1840):&lt;br /&gt;
** Erinnerungen an das alte Nordafrika und seine Kirche, S. 137–158.&lt;br /&gt;
* Band 13/2 (1840):&lt;br /&gt;
** Dr. Josef Pletz, eine biographische Skizze, S. 257–294. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Biographien Ackermanns (1832) und Pletz' (1841) erschienen auch selbständig bei Franz Wimmer in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weitere Publikationen===&lt;br /&gt;
* Klosterneuburgs Belagerung im Jahre 1683. In: Österreichisches Archiv für Geschichte 1831, Nr. 21–23. &lt;br /&gt;
* Echte und ausgewählte Acten der ersten Martyrer nach den ältesten Handschriften gesammelt und kritisch beleuchtet von Theodorich Ruinart. Band 2, 3, 4 und 5. Wien 1831–1834. – Den ersten Band dieser Übersetzung der &amp;quot;Acta Martyrum Ruinarti&amp;quot; gab der Mitbruder Sebacks [[Franz Xaver Schwoy]] heraus. &lt;br /&gt;
* Predigt, gehalten von der Terasse zu Nussdorf, als die Arbeiter der löblichen k. k. Wasserbau-Direction das hohe Geburtsfest Sr. Majestät des Kaisers Franz I. feyerten, am 11. Februar 1832. Wien 1832.&lt;br /&gt;
* Ist die Theologie eine Wissenschaft? In: Reden gehalten bei der feierlichen Inauguration des Rectors der k. k. Universität Dr. Vincenz Seback am 1. October 1870. Wien 1871.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lexikonartikel in Wetzers und Weltes ''Kirchenlexkion''===&lt;br /&gt;
* Band 2 (1847):&lt;br /&gt;
** Canisius, Peteturs, der erste teutsche Jesuit, S. 298–300;&lt;br /&gt;
** Carpzov, berühmte sächsische Gelehrtenfamilie, S. 368–372;&lt;br /&gt;
** Chrodegang von Metz, der heilige, S. 524–526.&lt;br /&gt;
* Band 3 (1849):&lt;br /&gt;
** Damasus I., der heilige (reg. 366–384), S. 13–15;&lt;br /&gt;
** Du Fresne, Charles, Herr von Cange, der gelehrte, S. 331–332; &lt;br /&gt;
** Erasmus von Rotterdam, S. 638–649;&lt;br /&gt;
** Eusebius von Vercelli, Freund des Athanasius III., S. 765–767; &lt;br /&gt;
** Evagrius Scholasticus, der Kirchenhistoriker, S. 778–779.&lt;br /&gt;
* Band 5 (1850):&lt;br /&gt;
** Jahn, Johann, der Orientalist, S. 484–485.&lt;br /&gt;
* Band 6 (1850): &lt;br /&gt;
** Le Long, Jacques, der Oratorianer, S. 434–435;&lt;br /&gt;
** Martène, Edmund, der Mauriner, 897–898.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überdies verwahrt die Stiftsbibliothek mehrere von Seback verfasste Kollegienhefte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Heinrich Reusch, Art. Seback, Vincenz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 33 (1891), S. 502f. [https://www.deutsche-biographie.de/sfz79833.html (Digitialisat)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren in Mähren]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Dekan (Theologische Fakultät)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rektor]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universität Wien]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Novizenmeister]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Doktor (Theologie)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Professor (Theologie)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Professor (Dogmatik)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Professor (Kirchengeschichte)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Professor (Kirchenrecht)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hauslehranstalt Stift Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Konsistorialrat]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Fürsterzbischöflicher Rat]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geistlicher Rat]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
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		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-10-02T13:08:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Archiv */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift Vorau.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Vorau, Kupfertisch (1681)&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre. 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche 11 (1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Anton L. Schuller: Das Dekanat Vorau. Die Entwicklung seiner Pfarren von ihren Anfängen. Diss. Univ. Graz. Graz 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. Diss. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 34–39, 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg zum 65. Geburtstag. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation 38/ Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. Dipl.arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau. Vorau 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Siedlung, Wirtschaft und Kultur im Ostalpenraum. Festschrift zum 70. Geburtstag von Fritz Popelka. Hg. von Fritz Posch. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Vorauer Landschaft aus dem Blickfeld des Stiftes. In: Blätter für Heimatkunde 43 (1969). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner 1980, S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Universität für Bodenkultur Wien. Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad anno MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC Heft 3/4 (1988), S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau. Vorau 1959 &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Stift Vorau. Werden und Wirken (Stiftsführer). Vorau 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark (1992), S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. und 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau. In: Der Kirchenschmuck 33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Seckau 1935 (Seckauer Geschichtliche Studien, 4). &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regulierten Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1/ 1 (1986), S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation 35/ 3/4 (1988), S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. Diss. Univ. Graz. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 182 (1992), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter. In: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945. In: Geschichts­forschung in Graz. Festschrift 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz. Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10640</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-10-02T13:07:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift Vorau.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Vorau, Kupfertisch (1681)&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre. 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche 11 (1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Anton L. Schuller: Das Dekanat Vorau. Die Entwicklung seiner Pfarren von ihren Anfängen. Diss. Univ. Graz. Graz 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. Diss. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 34–39, 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg zum 65. Geburtstag. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation 38/ Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. Dipl.arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau. Vorau 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Siedlung, Wirtschaft und Kultur im Ostalpenraum. Festschrift zum 70. Geburtstag von Fritz Popelka. Hg. von Fritz Posch. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Vorauer Landschaft aus dem Blickfeld des Stiftes. In: Blätter für Heimatkunde 43 (1969). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner 1980, S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Universität für Bodenkultur Wien. Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad anno MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC Heft 3/4 (1988), S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau. Vorau 1959 &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Stift Vorau. Werden und Wirken (Stiftsführer). Vorau 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark (1992), S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. und 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau. In: Der Kirchenschmuck 33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Seckau 1935 (Seckauer Geschichtliche Studien, 4). &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regulierten Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1/ 1 (1986), S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation 35/ 3/4 (1988), S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. Diss. Univ. Graz. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 182 (1992), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter. In: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945. In: Geschichts­forschung in Graz. Festschrift 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz. Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10639</id>
		<title>Stift Vorau</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10639"/>
		<updated>2022-10-02T13:04:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Bau- und Kunstgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift Vorau.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Vorau, Kupfertisch (1681)&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre. 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche 11 (1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Anton L. Schuller: Das Dekanat Vorau. Die Entwicklung seiner Pfarren von ihren Anfängen. Diss. Univ. Graz. Graz 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. Diss. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 34–39, 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg zum 65. Geburtstag. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation 38/ Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. Dipl.arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau. Vorau 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Siedlung, Wirtschaft und Kultur im Ostalpenraum. Festschrift zum 70. Geburtstag von Fritz Popelka. Hg. von Fritz Posch. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Vorauer Landschaft aus dem Blickfeld des Stiftes. In: Blätter für Heimatkunde 43 (1969). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner 1980, S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Universität für Bodenkultur Wien. Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad anno MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC Heft 3/4 (1988), S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau. Vorau 1959 &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Stift Vorau. Werden und Wirken (Stiftsführer). Vorau 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark (1992), S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. und 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau. In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Seckau 1935 (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regulierten Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. Diss. Univ. Graz. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrgang), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter. In: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945. In: Geschichts­forschung in Graz. Festschrift 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz. Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10638</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-10-02T13:00:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Soziale Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift Vorau.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Vorau, Kupfertisch (1681)&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre. 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche 11 (1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Anton L. Schuller: Das Dekanat Vorau. Die Entwicklung seiner Pfarren von ihren Anfängen. Diss. Univ. Graz. Graz 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. Diss. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 34–39, 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg zum 65. Geburtstag. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation 38/ Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. Dipl.arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau. Vorau 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Siedlung, Wirtschaft und Kultur im Ostalpenraum. Festschrift zum 70. Geburtstag von Fritz Popelka. Hg. von Fritz Posch. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Vorauer Landschaft aus dem Blickfeld des Stiftes. In: Blätter für Heimatkunde 43 (1969). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner 1980, S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Universität für Bodenkultur Wien. Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad anno MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC Heft 3/4 (1988), S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. 2 Bände. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark (1992), S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. und 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau. In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Seckau 1935 (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regulierten Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. Diss. Univ. Graz. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrgang), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter. In: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945. In: Geschichts­forschung in Graz. Festschrift 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz. Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10637</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-10-02T12:59:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Wirtschaftsverhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift Vorau.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Vorau, Kupfertisch (1681)&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre. 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche 11 (1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Anton L. Schuller: Das Dekanat Vorau. Die Entwicklung seiner Pfarren von ihren Anfängen. Diss. Univ. Graz. Graz 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. Diss. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 34–39, 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg zum 65. Geburtstag. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation 38/ Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. Dipl.arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau. Vorau 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Siedlung, Wirtschaft und Kultur im Ostalpenraum. Festschrift zum 70. Geburtstag von Fritz Popelka. Hg. von Fritz Posch. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Vorauer Landschaft aus dem Blickfeld des Stiftes. In: Blätter für Heimatkunde 43 (1969). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner 1980, S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Universität für Bodenkultur Wien. Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad anno MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. 2 Bände. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark (1992), S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. und 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau. In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Seckau 1935 (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regulierten Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. Diss. Univ. Graz. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrgang), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter. In: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945. In: Geschichts­forschung in Graz. Festschrift 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz. Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10636</id>
		<title>Stift Vorau</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10636"/>
		<updated>2022-10-02T12:53:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift Vorau.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Vorau, Kupfertisch (1681)&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre. 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche 11 (1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Anton L. Schuller: Das Dekanat Vorau. Die Entwicklung seiner Pfarren von ihren Anfängen. Diss. Univ. Graz. Graz 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. Diss. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 34–39, 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg zum 65. Geburtstag. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation 38/ Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. Dipl.arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad anno MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. 2 Bände. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark (1992), S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. und 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau. In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Seckau 1935 (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regulierten Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. Diss. Univ. Graz. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrgang), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter. In: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945. In: Geschichts­forschung in Graz. Festschrift 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz. Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10635</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-10-02T12:51:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift Vorau.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Vorau, Kupfertisch (1681)&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre. 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche 11 (1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Anton L. Schuller: Das Dekanat Vorau. Die Entwicklung seiner Pfarren von ihren Anfängen. Diss. Univ. Graz. Graz 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. Diss. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Und neues Leben blüht. Festschrift Rupert Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 34–39, 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation 38/ Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. Dipl.arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad anno MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. 2 Bände. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark (1992), S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. und 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau. In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Seckau 1935 (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regulierten Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. Diss. Univ. Graz. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrgang), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter. In: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945. In: Geschichts­forschung in Graz. Festschrift 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz. Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Suben&amp;diff=10634</id>
		<title>Stift Suben</title>
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		<updated>2022-10-02T12:30:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Subana; Subuna&lt;br /&gt;
|Benannt nach=''Aenus fiumen'' oder ''Enus fiumen'' (Fluss Inn): Aus &amp;quot;Sub&amp;quot; und &amp;quot;en&amp;quot; ergibt sich &amp;quot;Unter-Inn&amp;quot;  oder &amp;quot;am unteren Inn gelegen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Suben.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Suben, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie== &lt;br /&gt;
Das Innviertel gehörte bis 1779 politisch zu Bayern, kam im Friedensvertrag von Teschen an Österreich , dem es nach einem kurzen Intermezzo unter Napoleon 1816 endgültig eingegliedert wurde. 1850 erfolgte die Errichtung der Gemeinde Suben mit 296 Einwohnern. Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Schärding, Gemeinde Suben. Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es 1783/ 85 zur neugegründeten Diözese Linz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Patrozinien== &lt;br /&gt;
Bereits die erste Kirche der von den Formbacher Grafen erbauten Burg war dem hl. Märtyrerbischof Lambert von Maastricht geweiht. Dieses Patrozinium blieb der Stiftung immer erhalten. Die vor dem Stiftstor gelegene und 1785 profanierte Pfarrkirche war der hl. Jungfrau Maria geweiht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
Suben liegt hoch auf der Schotterterrasse am Ostufer des Inn auf einer natürlich geschützten Landzunge, die vom tief eingeschnittenen Subenbach und vom Inn gebildet wird. Hier war vermutlich schon eine keltische, vorgermanische Niederlassung. Später stand auf der Landzunge eine römische Befestigungsanlage zum Schutz der Innschiffahrt. Im 11. Jahrhundert waren große Teile des Gebietes am unteren Inn im Besitz der Grafen von Formbach (Vornbach), die an der Stelle der Römerbefestigung in Suben eine Burg mit einer Kirche zum hl. Lambert errichteten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Kollegiatstift=== &lt;br /&gt;
Als Gründungszeit des Stiftes wird seit jeher 1050 angegeben, doch ist dieses Datum keineswegs gesichert. Die Sage erzählt, Tuta sei mit ihrer älteren Schwester Himiltrud - beide Töchter des Grafen Heinrich von Formbach - bei einer Bootsfahrt auf dem Inn während eines Sturmes in arge Bedrängnis gekommen. Menschliche Hilfe war nicht in Sicht und so wandte sich Tuta in ihrer Todesnot zum Himmel und gelobte, dort ein Kloster zu bauen, wo ihr Schiff sicher an Land gelangen würde. Tatsächlich erreichten sie oberhalb von Schärding, bei der Mündung des Subenerbaches, das rettende Ufer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tuta wird in frühen Zeugnissen als Regina (&amp;quot;Königin&amp;quot;) bezeichnet. Nach heutigen Erkenntnissen war sie wenige Jahre mit König Bela I. von Ungarn (t 1063) verheiratet. Einer zweiten Ehe mit Graf Engelbrecht III. von Kärnten entsprossen zwei Kinder: Koloman und Adelheid. Koloman wurde Kleriker und soll später Vorsteher des Kollegiatkapitels Suben gewesen sein. Adelheid vermählte sich mit Graf Udalschalk vom Lungau (Oberkärnten). Tutas Todesjahr ist unbekannt, denn das Datum auf ihrer aus gotischer Zeit stammenden Grabplatte - 1136 - hält einer genauen Überprüfung nicht stand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im sogenannten Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst gehörten die Grafen von Formbach zur päpstlichen Partei. Aus diesem Grunde wurden im Jahr 1078 die Burgen von Formbach und Suben von kaiserlichen Verbündeten zerstört. In den erhaltenen Berichten wird aber kein Stift in Suben erwähnt. Die tatsächliche Gründung des Kollegiatstiftes dürfte demnach zwischen 1080 und 1100 erfolgt sein. Tuta stattete das ''monasterium Subene'' mit Gütern am rechten Innufer aus. Auch im Schärdinger Wasserzoll - nach 1095, aber vor 1100 - hat Tuta den ihr zufallenden Zollerträgnisanteil ihrer Stiftung vermacht. Auch Tutas Tochter Adelheid und ihr Ehemann Graf Udalschalk erwiesen sich als Wohltäter des Stiftes.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Diplom, das um 1120 ausgestellt wurde, heißt es: &amp;quot;Allen Gläubigen sei kundgetan, daß Graf Udalschalk und seine Gattin Adelheid ihrem Sohn Altmann Suben übergeben haben und den Altar des heiligen Lambert, des Blutzeugen Christi, mit allem, was dazugehört, damit er dies den Klerikern überlasse, die dort nach dem Willen der Vorfahren Gott dienen. Zeugen dafür sind ...&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Der hier genannte Alhnann, also ein Enkel der Tuta, war zu dieser Zeit Kanonikus in Passau und wurde später Bischof von Trient. In einer anderen Urkunde bezeugen Gräfin Adelheid und ihr Sohn Altmann, Cholomunzi (heute Kolbnitz a. d. Möll, Kärnten) mit allem, was dazugehört , mit einer einzigen Ausnahme , an Suben zu übergeben. In diesem Zusammenhang ist ein Diplom aus dem Jahr 1125 oder 1126 von Bedeutung, in dem Altmann, diesmal schon als Bischof ausgewiesen, der Kirche in Suben, &amp;quot;... in der auch seine Eltern ruhen ...&amp;quot;, eine ziemlich große Anzahl von Schenkungen vermacht und sie den dort in Gemeinschaft lebenden Klerikern als Eigentum übergibt. Bischof Altmann hat also das bereits bestehende weltpriesterliche Kollegiatstift, das bisher ein eher kümmerliches Dasein führte, kräftig unter stützt und gilt als zweiter Stifter von Suben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Augustiner-Chorherrenstift=== &lt;br /&gt;
Die Reformidee, die Kirche aus ihrer weltlichen Umklammerung zu befreien, hatte in Bischof Altmann von Passau, Erzbischof Gebhard von Salzburg und dessen Nachfolger Thiemo zähe Vertreter gefunden und sie mit König Heinrich IV. (1056–1106) in schwere Auseinandersetzungen verwickelt. Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106–1147), der seit 1112 im Exil in Sachsen lebte, konnte 1121/22 in seine Diözese zurückkehren und nahm nun sein bereits vorher begonnenes Reformwerk in Angriff. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er führte im Domstift die Augustinusregel ein und schuf einen Verband von 14 regulierten Stiften; dazu kamen noch andere Stifte, die die gemeinsame Observanz und teilweise auch persönliche Beziehungen mit Salzburg verbanden. In den Bannkreis dieser kraftvollen Persönlichkeit geriet auch Altmann, dem Konrad I. half, auf den Bischofsitz von Trient zu gelangen. Auch die Tatsache, dass die Besitzungen Altmanns in Kärnten und in der Steiermark in der Erzdiözese Salzburg lagen, dürfte ein Grund dafür gewesen sein, dass Altmann 1142 im Stift Suben die Augustinusregel einführte und es dem Domstift Salzburg unterstellte. Der feierliche Akt fand in Salzburg statt, und zwar in Anwesenheit des Erzbischofs, des Propstes des Domstiftes, des Abtes von St. Peter, des Propstes von Berchtesgaden, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, aller Domherren sowie vieler Kleriker und Adeliger. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bestimmung, dass der jeweilige Propst von Suben von Salzburg zu bestellen sei, mag für den Konvent nicht immer angenehm gewesen sein, war aber nicht unüblich. Auch die Pröpste von Weyarn und Högelwörth wurden von Salzburg eingesetzt. Als erster Propst des Chorherrenstiftes wird bereits 1142 Johann I. erwähnt. Der Propst des Kollegiatstiftes, Otto, starb am 8. Februar 1143. Möglicherweise hat er nach Umwandlung in ein reguliertes Stift resigniert. Bereits 1145 bezog eine kleine Gruppe von Subener Chorherren das an der Burg des Grafen Ulrich von Epp an errichtete Stift St. Michael a. d. Etsch, das bis 1807 bestand. Bischof Altmann von Trient, der große Wohltäter und Reformator von Suben, starb 1149. Sein Leichnam wurde nach Suben überführt und in der Stiftskirche beigesetzt. Leider ist sein Grab verschollen. Der zweite Propst Chuno (1153–1167) kam aus dem Stift Chiemsee. Unter ihm erfuhr das kleine Suben einen personellen und materiellen Zuwachs. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Herzog Heinrich Jasomirgott das Kloster Metten im Jahr 1157 den Benediktinern übergeben hatte, über siedelten die Chorherren von dort nach Suben. Durch Güterteilung kamen auch Weingärten in Rossatz in der Wachau an das Stift. Ebenso wichtig wie die liegenden Güter waren Privilegien, mit denen dem Stift die Mautfreiheit für Salz und Wein und Käse verbrieft wurden. Die Reihe dieser häufig erneuerten Urkunden beginnt mit dem Jahr 1207 durch die Erzbischöfe von Salzburg, die Bischöfe von Passau, die Herzöge von Bayern und die Babenberger. Nicht minder wichtig waren auch die Privilegien der Grafen von Schaunberg bei ihrer Aschacher Maut für Wein und Korn ab 1301. Daraus kann auch entnommen werden, dass die Schaunberger die Vogtei über das Subener Stift innehatten. Die Maut selbst stammte aus dem Erbe der Formbacher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Subens Entwicklung war, verglichen mit anderen Klöstern des Innviertels, durch zwei Faktoren behindert. Zum einen durch die Stiftsverfassung, welche die Bestellung des Propstes durch das Salzburger Domkapitel vorsah, zum anderen durch den völligen Mangel an inkorporierten Pfarreien in der Umgebung. Bis ins 15. Jahrhundert sind nur spärliche Nachrichten auf wirtschaftlichem Gebiet überliefert. Wohl sind die Namen der Pröpste überliefert, auch einige Chorherren sind bekannt, aber über die inneren Verhältnisse findet sich kein Wort. Aus einer Urkunde des Erzbischofs Ortolf von Salzburg vom Jahr 1356 erfährt man allerdings, dass sich in Suben auch ein Nonnenkloster befunden hat. Vielleicht war die Marienkirche vor dem Stiftstor für die Nonnen bestimmt, ähnlich war es auch in Reichersberg und Ranshofen. Die Chorfrauen lebten in geringer Zahl sehr zurückgezogen und ihre Konvente starben fast überall im 15. Jahrhundert aus. Die Frauenkirche muss damals schon sehr baufällig gewesen sein, denn Propst [[Matthäus Meermoser]] (1422–1456) ließ sie neu erbauen. Sie diente später als Pfarrkirche für die Bewohner der Hofmark. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Propst, der aus dem Stift Berchtesgaden kam, erlebte Suben einen gewissen Aufschwung. 1431 schickte er den Chorherrn [[Johann Furtner]] in das von den Pauliner Mönchen verlassene Kloster St. Oswald im Bayerischen Wald. Gemeinsam mit Chorherren aus St. Nikola versuchten die Subener, St. Oswald wieder zu beleben, doch war ihnen kein bleibender Erfolg beschieden. Die Ursachen lagen an der geringen Dotierung, den Übergriffen und Plünderungen durch die Böhmen und der fehlenden Klosterdisziplin in der Reformationszeit. 1563 gaben die Subener St. Oswald endgültig auf. Einige Jahre später übernahm es die Benediktinerabtei Niederaltaich als Filiale (Propstei). Eine Reihe von Gebetsverbrüderungen im 15. Jahrhundert lassen auf ein intensives religiöses Leben schließen: [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] 1416, Michaelbeuern 1421, [[Stift St. Florian|St. Florian]] 1426, [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] 1426, [[Stift Vorau|Vorau]] 1444, Rottenbuch 1449, Rohr 1449, [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] 1475, Kremsmünster 1497, Mondsee 1500. Ob die von Kardinal Nikolaus von Cusa bestellten Visitatoren 1451 mit der Einführung der strengen Raudnitzer Statuten Erfolg hatten, ist nicht bekannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem benachbarten Stift Reichersberg gelang es jedenfalls, durch Appellation an den Papst diese Verfügung rückgängig zu machen. Für den guten Geist des Hauses spricht aber, dass damals sogar Subener Chorherren als Pröpste in andere Stifte berufen wurden: [[Georg Fabri]] 1458 nach Paring bei Regensburg, [[Johannes von Röth]] am 1465 nach Schlehdorf und [[Wolfgang Gladiatoris]] aus Schärding 1465 nach Herzogenburg. Die bereits 1236 von Papst Gregor IX. beurkundete freie Propstwahl konnte erstmals 1474 gegenüber Salzburg durchgesetzt werden. Leonhard Hutter (1474–1493) hatte sich bereits als Ökonom große Verdienste erworben und stand auch wegen seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit in großem Ansehen. Die Grafen von Schaunburg bestätigten im Jahr 1490 die Mautfreiheiten für &amp;quot;das Gotteshaus zu Sübn daz von unsern Vordern, den Gott genade, gestiftet ist, und dez wir Vogt und Herren sein.&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 17. April 1504 begann der Landshuter Erbfolgekrieg, der für den Landstrich am Inn große Bedrängnis, Brandschatzung und Raub brachte. Am 23. Juni 1505 erhob sich ein fürchterliches von Hagelschlag begleitetes Gewitter, das ganze Scheunen umwarf, die größten Bäume entwurzelte, viel Vieh tötete und alle Feldfrüchte und Saaten vernichtete. Im Kloster Suben warf es das ganze Dachwerk herunter und schlug alle Fenster ein. Eine wesentliche Erweiterung seines Wirkungskreises erfuhr das Stift durch die Inkorporierung der großen Weltpriesterpfarre Raab mit dem Vikariat Zell an der Pram und den Filialen Enzenkirchen und St. Willibald sowie der Pfarre Taufkirchen mit den Filialen Diersbach und Rainbach. Dort wirkten die Subener Chorherren bis zur Auflösung des Stiftes. Anfang des 16. Jahrunderts ging die Epoche spätgotischer Frömmigkeit zu Ende. Noch wurden Kirchen gebaut, Jahrtage gestiftet und Gebetsverbrüderungen eingegangen. Dann aber drangen allmählich und unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein und führten zu Unruhen und Aufständen in der Bevölkerung. Die bayerischen Herzöge traten dem Protestantismus energisch entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformationszeit=== &lt;br /&gt;
​&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Zu den ersten Opfern der neuen Lehre&amp;lt;/span&amp;gt; gehörte der Priester [[Leonhard Käser]]. Er stammte aus der nunmehrigen Stiftspfarre Raab und verbreitete als Hilfspriester schon vor dem Bauernaufstand von 1525 lutherische Ideen. Vor dem bischöflichen Gericht in Passau widerrief er, floh aber dann nach Wittenberg, wo ihn bald eine persönliche Freundschaft mit Luther verband. Als ihn Nachrichten vom baldigen Ende seines Vaters erreichten, reiste er heimlich in die Heimat zurück, wurde hier aber verhaftet und nachdem er zu keinem Widerruf bereit war, zum Tode verurteilt. Bei der Verhandlung in Passau saß auch der Subener Propst [[Petrus Dörffl]] am Richtertisch. Leonhard Käser wurde am 16. August 1527 in Schärding öffentlich verbrannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Hinrichtungen folgten. Das Eindringen der neuen Lehre ließ sich aber nicht verhindern, besonders auch weil viele Adelige heimlich oder offen dem Protestantismus anhingen. So führten die Grafen von Ortenburg in ihrem Gebiet die Augsburger Konfession ein und beriefen sich dabei auf ihre Reichsunmittelbarkeit. Sie konnten alle Angriffe der bayerischen Herzöge abwehren und schufen so eine protestantische Enklave. Auch Graf Georg III. von Schaunburg, der Vogt von Suben, stellte einen evangelischen Lehrer an. In der benachbarten Stadt Schärding gaben sich die drei Priester zwar offiziell als katholisch, predigten aber nach Schriften der Reformatoren, kümmerten sich nicht um die Erziehung der Jugend und lebten im Konkubinat. Bei der am 13. Oktober 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. begonnenen Visitation gehörten dem Stift Suben nur mehr neun Professen und drei Novizen an. Es gab naturgemäß einige Beanstandungen, im Großen und Ganzen aber war alles wohl vorgesehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahren ging es mit der Disziplin rasch bergab. Propst Johann VII. Müller und einige Konventualen mussten sich beim Landrichter wegen Konkubinats verantworten, in Raab musste der Vikar Adam Tiner aus eben diesem Grunde die Pfarre verlassen. Im Konvent herrschten Uneinigkeit und Ungehorsam gegen den Propst, der schließlich im Jahr 1585 resignierte. Der nächste Propst [[Paul Fixinger]] kam aus dem [[Stift Ranshofen]], wo noch ein besserer Geist herrschte. Er konnte aber gegen die Zustände in Suben nichts ausrichten und starb schon nach einigen Monaten. Nach seinem Tod sah sich die Regierung in Burghausen genötigt, den Chorherren ihre schlechte Lebensweise vorzuwerfen und sie aufzufordern &amp;quot;dem Dechant [[Johannes Ponner]] in geistlichen und weltlichen zu gehorchen und von jedem Widerstand und hochstrafbaren Handlungen abzulassen, sich wie Religiosen zu benehmen; im übrigen habe der Landrichter den Auftrag, alle Widerspenstigen dem Bischof oder anderen Klöstern, so weit genueg von dannen entlegen auf einem Karren geschwind zu geschicken.&amp;quot; Bald darauf wurde der Stiftsdechant Ponner Propst - ob durch Wahl oder Ernennung ist nicht bekannt. Er leitete das Stift nur fünf Jahre. Da in Suben kein geeigneter Kandidat vorhanden war, entschied sich der Konvent für [[Michael Hererig]] vom Stift Baumburg (1591–1599). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm gelang es, wieder Ordnung zu schaffen und so ging er als Restaurator und Reformator in die Hausgeschichte ein. Er machte sich auch als Komponist einen Namen. Sein &amp;quot;Hortus musicalis ...&amp;quot; erschien 1606 und 1609 in vier Teilen. Nach acht Jahren segensreicher Tätigkeit wählten ihn die Chorherren von St. Nikola zu ihrem Vorsteher. Die beiden nächsten Prälaten regierten nur ganz kurz. 1602 wurde der Pfarrvikar von Taufkirchen [[Leonhard Lilius]] zum Administrator bestellt. Erst 1604 erfolgte seine Wahl zum Propst. Er stammte aus Ulm, war dort protestantisch getauft worden, studierte in Dillingen und trat vermutlich 1591 in Suben ein. Zum Nachweis seiner ehelichen Geburt legte er eine Bestätigung seiner Heimatstadt vor, dass &amp;quot;Lienhart Lilien, des Becken Son, so ain Studiosus sein solle, die begerte Kuntschaft eelicher geburt&amp;quot; erteilt wird. Unter dem nächsten Propst [[Georg Reichenstorfer]] (1610–1622), der das Bräuhaus in Suben erbaute, bewilligte Herzog Maximilian im Jahr 1614 dem Kloster die Bierbräuergerechtigkeit zur &amp;quot;Hausnotdurft&amp;quot;, versagte aber die Ausdehnung auf die zum Stift gehörenden Wirte. Einen schweren wirtschaftlichen Schaden erlitt das Stift unter Propst [[Markus Peckh]] (1622–1628). Ein Brand vernichtete den Hof in Rossatz. Die Aufbauarbeiten gingen durch die Notzeit des Dreißigjährigen Krieges nur mühsam voran. 1620 war Herzog Maximilian von Bayern von Kaiser Ferdinand II. beauftragt worden, die Unruhen unter der weithin protestantischen Bevölkerung Oberösterreichs niederzuschlagen. Seine Heerführer gingen mit äußerster Härte vor, und so kam es zum großen Bauernaufstand des Jahres 1626. Wenn auch das Gebiet am Inn nicht direkt davon betroffen war, so litt es doch unter dem Durchzug der verschiedenen Heere, es entstand eine große Teuerung und eine unvorstellbare Hungersnot. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klöster des Landes erhielten 1632 den Auftrag: &amp;quot;Bei der noch continuirenden Pauernrebellion im Landt ob der Ennß alles entbehrl iche Getreide auf die Festungen Burghausen, Braunau und Schärding der Armada, Land und Leuten, auch gemeinen Wesen zum Besten, abzuführen.&amp;quot; Auf der Flucht vor den Schweden kamen Chorherren aus anderen Klöstern nach Suben. 1634 übernahm [[Ambrosius Faber]] aus dem [[Stift Rohr]] die Pfarre Taufkirchen. Der seit 1628 regierende Propst [[Matthias Froschhammer]], ein Müllerssohn aus Suben, begann 1635 mit der Einführung der Tauf-, Trauungs- und Sterbematriken von Suben. An ihn erinnert auch noch ein dreiteiliger roter Ornat aus Damast mit dem Propstwappen und der Jahreszahl 1628. Nach seinem im Jahr 1640 erfolgten Tod ging [[Georg Gugler]] als neu er Propst aus der Wahl her vor. Der Dreißigjährige Krieg neigte sich dem Ende zu. Wenn auch die Schweden nie über den Inn kamen, so waren doch weite Landstriche verwüstet und entvölkert. Zudem trat 1648 noch die Pest auf und raffte unzählige Menschen dahin. Auch Propst Georg erlag am 4. August 1649 der Seuche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Äußere und innere Erneuerung=== &lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begann eine größere Bautätigkeit, weil die desolaten Gebäude kaum mehr bewohnbar waren. Propst [[Aquilin Sattelpogner]] (1672–1678) errichtete die Propstei an der Innseite. Weitere Vorhaben verhinderte sein frühzeitiger Tod. Mit [[Ernest Theophil Scharrer]] (1679–1696) gelangte eine echte Barockpersönlichkeit zur Führung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er erhielt 1684 das Recht der Pontifikalien. Sein Stab mit dem Namen des Papstes Innozenz XI gehört heute zum Linzer Domschatz. Große Bauten erlaubte die Notzeit der Türkenkriege nicht. Doch tat Propst Ernest viel für die Verschönerung der Kirche. Er ließ den an den Stufen zum Presbyterium stehenden Kreuzaltar entfernen und ein neues Chorgestühl aufstellen. Durch Verlegung der Bibliothek entstand ein Aufenthaltsraum für die Chorherren. Das kirchliche Leben erfuhr einen mächtigen Auftrieb durch die Errichtung einer Erzbruderschaft Maria Hilf, die über zahlreiche Ablässe verfügte. Was Ernest Theophil zögernd begann, führte nach ihm [[Gregor II. Raiffauer]] (1696–1720) zügig durch, freilich nicht ohne Auftrag und Nachdruck des Diözesanbischofs Johann Philipp von Lamberg. Er ließ die alten baufälligen Konventgebäude abbrechen und sie durch einen Neubau ersetzen. Durch Vermittlung des Geistlichen Rates in München wurde die Aufnahme eines zinsenlosen Kredites in der Höhe von 20.731 Gulden bei den Kirchen des Rentamtes Burghausen bereits 1697 bewilligt und 1701 noch einmal ein Nachtragskredit von 10.000 Gulden gewährt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zwischenzeit ließ der Propst das nötige Baumaterial zusammenholen. Auch hier half die Hofkammer in München, indem sie 175 gut zubehauene große Granitsteine, die bei der Ausbesserung der Festungswerke in Schärding übrig geblieben waren, dem Stift schenkte. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) war Kurfürst Max Emmanuel auf die Seite Frankreichs getreten. Bayerische und österreichische Truppen lösten einander als Besetzer ab, requirierten rücksichtslos und hoben Rekruten aus, wobei besonders die Bevölkerung der Stiftspfarren betroffen wurde. Das halbfertige Kloster war mit Flüchtlingen überfüllt, wurde fast täglich bedrängt und mit Brandschatzung bedroht, um riesige Summen Geldes zu erpressen. Allen Schwierigkeiten zum Trotz sah Propst Gregor auf Ordnung und Disziplin. In seiner Bescheidenheit schob er die lnfulierung immer wieder hinaus, bis ihm schließlich im Jahr 1709 der Passauer Weihbischof Johann Raimund von Lamberg in der bischöflichen Hauskapelle Mitra und Stab überreichen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der wenigen schriftlichen Zeugnisse, die aus dieser Zeit erhalten sind, ist das &amp;quot;Diarium Subense&amp;quot;, das Gregor noch als Dechant 1681 anlegte und das bis 1780 reicht. Es beschränkt sich allerdings groß teils auf personelle Veränderungen (Eintritte, Professen, Weihen, Versetzungen, Todesfälle). Nur gelegentlich gewährt es einen Einblick in die inneren Verhältnisse der Gemeinschaft und das Tagewerk der Chorherren. Dieses war jedenfalls sehr stark vom ''officium divinum'' bestimmt. Propst Gregor änderte die Ordnung der Tagzeiten geringfügig, &amp;quot;damit die Herren mehr Zeit haben zum Studium&amp;quot;. Die Prim begann um 6 Uhr früh, anschließend war Zeit für die Privatmessen. Den liturgischen Höhepunkt des Tages bildeten die Terz um 9 Uhr und das Kapitelamt. Das Mittagessen war an Werktagen immer um 11 Uhr. Die Vesper wurde um 14 Uhr (früher um 15 Uhr) gebetet, die Komplet schon um 16.45 Uhr vor dem Abendessen. Bezüglich Matutin und Laudes finden sich keine Hinweise, wahrscheinlich werden sie wie im benachbarten Stift Reichersberg schon um 4 Uhr morgens gewesen sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkleidungen fanden nach der Prim vor der Privatmesse des Propstes in seinem Oratorium oder in der Marienkapelle statt. Dort legten die jungen Ordensleute bereits nach dem Noviziatsjahr ihre ewigen Gelübde ab. Dabei erhielten sie auch einen Ordensnamen und wurden bis zur Priesterweihe mit &amp;quot;Frater&amp;quot; angesprochen. Die Studien absolvierten sie zum Teil im Haus - einem Chorherrn war das Amt des &amp;quot;Repetitors&amp;quot; anvertraut - aber auch in Ingolstadt, Dillingen, Passau, Salzburg, Graz oder Linz. Da die meisten Kandidaten schon Vorstudien nachweisen konnten, dauerte die Zeit bis zur Priesterweihe gewöhnlich nur zwei bis vier Jahre. Die Weihen erhielten sie vom Diözesanbischof in Passau. Seit Propst Ernest war es Brauch, dass an hohen Festtagen, wenn der Propst in der Kirche Pontifikalfunktionen hielt, er von den Chorherren in Zweierreihen von der Prälatur abgeholt und auch wieder zurückbegleitet wurde. Gregors Nachfolger [[Patritius Egerbacher]] (1720–1748) wandte seine Aufmerksamkeit mehr den Stiftspfarren zu. Er ließ in Taufkirchen, Zell an der Pram und Raab großzügige Pfarrhöfe errichten. Propst [[Finnin Geibinger]] (1748–1763) baute den Stiftsmeierhof ganz neu auf und begann auf Drängen des Pfarrers Ildefons Schalkhammer den Umbau der gotischen zweischiffigen Kirche in Raab zu einem dreischiffigen Gotteshaus mit reicher Stuckverzierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schalkhammer stammte aus Rotthalmünster, war 1720 in Suben eingetreten, wurde 1724 in Passau zum Priester geweiht, war anschließend Kooperator in Raab, 1740 bis 1742 Pfarrer in Zell, 1742 bis 1748 Pfarrer in Taufkirchen und seither Pfarrer in Raab. 1763 ging er aus der Wahl als Propst hervor. Er leitete das Stift nur vier Jahre. 1764 kamen der Direktor der Historischen Klasse der Kurbayerischen Akademie der Wissenschaften, Christian Friedrich Pfeffel und der Akademiesekretär P. Ildefons Kennedy OSB nach Suben, um für den IV. Band der &amp;quot;Monumenta boica&amp;quot; Urkunden einzusehen. Aus unbekannten Gründen wurde ihnen aber das Stiftsarchiv nicht zugänglich gemacht, und so musste dieser Band in Bezug auf Suben im Jahr 1765 nach der Fassung von 1620 erscheinen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1766 legte Dechant [[Wilhelm Weber]] einen Musikalienkatalog an und schrieb die Taufbücher (seit 1635) in ein einziges Buch zusammen. Nach dem Tod des Propstes Ildefons 1767 fiel die Wahl auf ihn. Er begann nun mit Energie den Neubau der Stiftskirche, deren Pläne noch von seinem Vorgänger erstellt worden waren. Er ordnete auch den Umbau der vor dem Tor liegenden Pfarrkirche und die Anlage eines neuen Friedhofes für die Pfarrgemeinde an. Die neue Stiftskirche erhielt am 6. Oktober 1771 durch Kardinal Leopold Ernst von Firmian die Weihe. Die großen Feierlichkeiten , mit denen die Kirchweihe und die Übertragung der Reliquien der hl. Märtyrer Benignus und Illuminatus vor sich gingen, bilden den Höhepunkt in der neueren Geschichte des Stiftes. Für die innere Ausstattung ließ Propst Wilhelm eine Reihe von Bildern malen, so von der Gründerin Tuta, von Bischof Altmann und vom neuen Stiftsbau. Auch die Bilderreihe der Prälaten seit Matthias Froschhammer ließ er anfertigen. Sieben von ihnen befinden sich heute im Konventgang des Stiftes Reichersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 21. Juni 1775 kam der Diözesanbischof Kardinal Leopold Ernst Firmian mit großem Gefolge, darunter sein Weihbischof Franciscus Carl Firmian, zur Visitation, die für vier Tage anberaumt war. Dazu waren auch die auswärts stationierten Vikare ins Stift gekommen und mussten sich mit den übrigen Chorherren einer Befragung bzw. einem Examen durch Geistliche Räte des Bischofs stellen. Am 24. Juni vollzog der Weihbischof auch die Weihe der neuerbauten Pfarrkirche. Insgesamt empfingen 569 Personen das Sakrament der Firmung. Einen nicht alltäglichen Besuch erlebte der Konvent am 4. Juli 1776. Äbtissin Scholastika von Niedernburg kam mit 21 Nonnen auf neun Wagen angereist. Die Schwestern speisten zusammen mit den Chorherren im &amp;quot;Mittleren Saal&amp;quot;, bei Tischmusik ''plaudentibus monialibus''. Nach der Vesper besichtigten die Nonnen die Kirchen und mit ausdrücklicher Erlaubnis des Propstes auch die Räume der Klausur. Um 6 Uhr abends traten sie wieder die Heimreise an. Während die ersten zehn Regierungsjahre des Propstes Wilhelm Weber recht positiv verliefen, traten bald darauf innere und äußere Ereignisse ein, die zu einem raschen Abstieg und schließlich zur Aufhebung führten.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Das Ende=== &lt;br /&gt;
Durch den Friedensvertrag von Teschen am 13. Mai 1779 war der Landstrich am rechten Innufer zu Österreich gekommen. 700 Jahre hatte das Stift unter bayerischer Herrschaft gestanden. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam zugleich die Zeit, in der die kirchlichen Reformen Kaiser Josephs II. die Klöster in arge Bedrängnis brachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klosterreduktion stand in einem ursächlichen Zusammenhang mit der geplanten Errichtung neuer Pfarren. Und hier dürfte Propst Wilhelm den entscheidenden Fehler begangen haben. Als er 1781 den Auftrag zur Erhebung der Filiale St. Willibald zur selbständigen Pfarre erhielt, antwortete er der Landesregierung in Linz, er wolle sich in dieser Frage ''ad summam sedem'' wenden. Das wurde als direkte Appellation an den päpstlichen Stuhl verstanden und er wurde deswegen zu einer Geldstrafe von 100 Golddukaten verurteilt. Kurz darauf überprüfte eine Kommission das Stift auf seine Notwendigkeit. Leider gab es auch im Konvent Missstimmung und Uneinigkeit, und so wurde Suben als erstes Kloster in Oberösterreich als entbehrlich befunden und zur Aufhebung bestimmt. Am 6. März 1784 wurde das Stift aufgehoben und die Verwaltung dem Propst [[Ambras Kreuzmayr]] von Reichersberg übertragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die jüngeren Konventualen begrüßten zum Teil die Aufhebung des Ordenszwanges, die älteren ertrugen das Schicksal mit Schmerz und baten den Kaiser, weiterhin im Stift leben zu dürfen. Der Personalstand betrug mit den auswärtigen Pfarrern 25 Priester. Soweit die Chorherren nicht auf die neu errichteten Pfarren Diersbach, Rainbach, Enzenkirchen und St. Willibald kamen, konnten sie vorerst noch im Stift verbleiben. Vom Angebot, nach Reichersberg überzutreten, wollte keiner Gebrauch machen. Für den Propst bestimmte die Regierung eine tägliche Pension von 4 Gulden, für die Kapitularen im Stift monatlich 16 Gulden und für die Seelsorgsgeistlichen jährlich 364 Gulden. Die Administration von Suben brachte für den Propst von Reichersberg eine Fülle nicht endenwollender Verdrießlichkeiten. Allein die Verwaltung der verstreuten Besitzungen, die Umbauten und Neubauten von Pfarrhöfen und Schulen, sowie die Besoldung der Chorherren und Lehrer, ließen ihn bei der Regierung vorstellig werden, dass Reichersberg dieser Belastung auf Dauer nicht gewachsen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Jahresabrechnung ergab zwar einen kleinen Kassarest, der aber nur durch die verminderte Auszahlung an die Stiftsherren erzielt wurde. So erhielt Propst Wilhelm statt der vorgesehenen 4 Gulden nur 2 Gulden täglich. Er wohnte weiterhin im Stiftsgebäude, das leer und ohne Gebrauch war, konnte noch sein goldenes Priesterjubiläum feiern und starb am 14. Dezember 1789. Am dortigen Friedhof erinnert nichts mehr, weder ein Grab noch ein Denkmal, an den letzten Propst von Suben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die weiteren Schicksale=== &lt;br /&gt;
Nachdem Propst Ambros von Reichersberg als Administrator entbunden worden war, wuchsen die Schwierigkeiten in Suben immer mehr an. Schließlich blieb kein anderer Ausweg, als große Teile des stiftlichen Besitzes zu verkaufen, so den Meierhof mit seinen Grundstücken und den Hof in Rossatz mit den Weingärten. Auch die zu den Pfarrhöfen gehörigen Wirtschaften erfuhren das gleiche Schicksal. 1792 wurde die &amp;quot;Herrschaft Suben&amp;quot; dem Generalvikar des Bistums Linz als Realdotation übergeben. Nach dessen Tod 1802 zog der Staat Suben ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1809 beherbergten die leerstehenden Gebäude ein französisches Militärlazarett. 1810 fiel das Innviertel bis 1816 wieder an Bayern, das sich mit Frankreich gegen Österreich verbündet hatte. Napoleon schenkte nunmehr Suben mit Mondsee und Engelszell dem bayerischen General Fürst Wrede, dessen Nachkommen es bis 1855 besaßen. Unter deren Verwaltung trat ein starker Verfall an den Stiftsgebäuden ein, zahlreiche Kunstgegenstände wurden verkauft oder verschleppt. Endlich gelangte Suben durch Kauf an den k.k. Strafhausfonds, der die &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Weiber-Strafanstalt&amp;lt;/span&amp;gt;  von Garsten hierher verlegte. Die Leitung hatten &amp;quot;Schwestern vom Guten Hirten&amp;quot;. Diese Verfügung war naturgemäß mit größeren Umbauten, vor allem in den Innenräumen , verbunden. Die Prälatur wurde für die Strafgefangenen, der Gasttrakt für die Krankensäle, das anschließende Brauhaus für Arbeitsräume bestimmt. Küche und Speiseräume befanden sich im Erdgeschoss. Der große Hof vor der Stiftskirche wurde nunmehr durch einen ebenerdigen, neu aufgeführten Trakt in zwei Hälften geteilt; der Neubau diente als Klausur für die Nonnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber errichtete man einen einstöckigen Bau als Konvent für die Franziskaner, welche die Pfarre und die seelsorgliche Betreuung der Strafanstalt übernahmen. Ein drittes Gebäude wurde neben dem Stiftstor für die Unterbringung der Schule, der Militärwache und des Hausarztes errichtet. Nach nur zehnjährigem Bestehen wurde die weibliche Haftanstalt aufgelassen. Die &amp;quot;Frauen vom Guten Hirten&amp;quot; übersiedelten in das ehemalige Zisterzienserstift Baumgartenberg. Seit 1865 sind in Suben männliche Sträflinge inhaftiert. Bis 1932 lautete die offizielle Bezeichnung: &amp;quot;Männerstrafanstalt&amp;quot;, von da an bis 1974 &amp;quot;Arbeitshaus&amp;quot; und seither &amp;quot;Strafvollzugsanstalt&amp;quot;. Unter der Leitung von Oberst Erich Zanzinger (1955–1983) erfolgte der längst notwendige Umbau und Ausbau. Zwar fiel ihm die alte Propstei zum Opfer, es gelang aber, den darunter liegenden gotischen Keller zu erhalten. Mit der Segnung und Inbetriebnahme der neuen Gebäude fand die Generalsanierung am 21. November 1982 ihren Abschluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schule== &lt;br /&gt;
Von der Schule, die naturgemäß vorhanden war, gibt es nur spärliche Berichte. Bei der Visitation von 1558 gab der Ludimoderator Leopold Reuter an, er unterrichte zehn Präbendisten und sieben andere Schüler. Erstere wohnten im Stift und wurden besonders für den Chorgesang ausgebildet, aus ihnen gewann man auch einen Teil des klösterlichen Nachwuchses. Der Lehrer klagte, die Schüler würden &amp;quot;übel gehalten mit der Speisung&amp;quot;. Für die Unterweisung der Junioren in den theologischen Disziplinen war ein Chorherr als Repetitor aufgestellt. Weltliche und kirchliche Vorgesetzte drängten des öfteren darauf, die Junioren zur besseren Ausbildung an Universitäten zu schicken, speziell an solche der Jesuiten, etwa Ingolstadt, aber die Prälaten auch anderer Klöster zögerten. Zum einen entstanden dadurch höhere Kosten, zum anderen gab es auch die Befürchtung, durch das Miteinander verschiedener Orden könnte die eigene Spiritualität leiden. Es erhielten zwar auch immer einige Junioren ihre Ausbildung an höheren Schulen, aber noch 1711 ließ Propst Gregor Raiffauer seine sieben Kleriker von einem gelehrten Ranshofener Chorherrn unterrichten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Seit der Gründungszeit besaß das Stift zwei weit auseinander liegende Besitzkomplexe. Von der Gräfin Tuta stammten im wesentlichen Wälder, Güter und Zinspflichtige zu beiden Seiten des Inn, sowie im Pram- und Antiesental. Bischof Altmann bzw. seine Eltern vermehrten die Ausstattung durch Güter in Oberkärnten und der Untersteiermark, so Kolbnitz auf dem Lurnfeld bei Obervellach und Malentein (Malta) in Kärnten. Aber schon 1126 vertauschte Bischof Altmann mit Erzbischof Konrad von Salzburg die Kirche von Kolbnitz gegen Verleihung gewisser Rechte (Tauf- und Begräbnisrecht) an die Kirche zu St. Margarethen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese weit entfernten Besitzungen waren schwer zu beaufsichtigen und so versuchte man des öfteren, wenigstens Teile davon zu veräußern. So wird aus dem Jahr 1534 berichtet, dass das Stift Güter in der Steiermark verkaufte. Auch mit den auswärtigen Verwaltern hatte man nicht immer Glück. Diese hatten die Abgaben der Untertanen einzufordern, Nachlässe oder Befreiungen kund zumachen und die Verrechnung mit dem Grundherrn zu besorgen. Im Jahr 1537 schreibt Propst Lambert Bogner an den bayerischen Herzog, dass er den Verwalter der Stiftsgüter in Kärnten absetzen musste. 1699 schloss das Stift einen Vertrag mit dem Stift Rein. Dieses erhielt vier in seiner Nähe liegende Subener Untertanen und übernahm dafür die auf der Pfarre St. Margarethen liegenden Lasten und Forderungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Dauer war hingegen der Besitz des Hofes in Rossatz in der Wachau gegenüber Dürnstein mit den Weingärten. Wenn es sich auch nicht um hervorragende Lagen handelte, so lieferten diese Weingärten doch eine genügende Menge für den Eigenbedarf und einen bescheidenen Vertrieb. Im Spanischen Erbfolgekrieg, als die Bayern in Österreich eindrangen, verkündete der Kaiser 1704, er wolle alle &amp;quot;baierischen, geistlichen und weltlichen Güter, Gülten und Effekten, die in Österreich liegen, confisciren und sequestrieren&amp;quot; lassen. Nach mühevollen Verhandlungen gelang es dem Chorherrn und Lesemeister [[Quarin Piesenberger]], die Aufhebung der Beschlagnahme zu erwirken, nachdem er 97 Gulden für &amp;quot;Präsente, Taxen und Reisegelder&amp;quot; ausgegeben hatte. Für den Transport des Weines, aber auch anderer lebenswichtiger Güter sicherten sich die Klöster verschiedene Privilegien. Seit dem 13. Jahrhundert erhielt Suben Befreiungen von allen bayerischen Mauten zwischen Salzburg und Passau und von der zu Aschach an der Donau. Diese alten Privilegien ließ sich das Stift des öfteren erneuern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch von den inkorporierten Pfarren bezog das Stift Einkünfte. Die Vikare mussten einen Teil des ihnen zustehenden Zehents abliefern. Die &amp;quot;Pensiones ad mensam ex Parochiis&amp;quot; betrugen 1696: von Raab 300, von Taufkirchen 150, von Zell 100 und von St. Margarethen 50 Gulden. Das Einkommen des Stiftes war nicht unbedeutend, blieb aber weit hinter den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Nachbarstifte Formbach und Reichersberg zurück. Eine arge Störung des wirtschaftlichen Gleichgewichtes verursachten die immer wiederkehrenden Sonderabgaben, speziell in Kriegszeiten. So forderte der kaiserliche General Thürheim im Spanischen Erbfolgekrieg am 26. Juni 1704 binnen sechs Tagen 4.000 Gulden Kontribution, sonst würde mit dem Stift sehr arg verfahren. Nur durch Vermittlung des Bischofs von Passau und verschiedener Protektoren konnte die Summe auf 1.500 Gulden herabgemindert werden. Dazu kamen auch noch gewaltige Naturallieferungen. Bald darauf musste das Stift zur Entlohnung der rebellierenden Garnisonen von Schärding und Braunau 1.500 Gulden vorstrecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn auch genauere Nachrichten fehlen, so liegt doch auf der Hand, dass der tüchtige Propst Gregor Raiffauer das Kloster durch gute Wirtschaft hochgebracht hat, denn sonst wäre es nie möglich gewesen, in dieser Zeit sämtliche Schulden (6.000 Gulden), die er bei seiner Amtsübernahme vorgefunden hatte, zu tilgen und dazu noch die 30.000 Gulden Baudarlehen bis auf 3.000 Gulden zurückzuzahlen. Bei der Aufhebung des Stiftes erscheinen 112.000 Gulden ausgewiesen, ein ansehnlicher Betrag, von dem rund 92.000 Gulden auf den Besitz von Gütern aller Art entfielen. Mit je 1.000 Gulden wurde der Körner- bzw. Weinvorrat bewertet, der Viehbestand mit 1.250 Gulden. Von dem sehr schön und gut gebauten Meierhof aus wurden 35 Tagwerk Ackerland bebaut, wozu noch 29 Tagwerk Wiesen und 52 Tagwerk Wald kamen. An Weingärten in der Wachau sind 94 Viertel (23,5 Joch) ausgewiesen. Geringen oder keinen Ertrag warfen das Bräuhaus, die Mühle sowie zwei Weiher und drei Hausgärten ab. Von den Untertanen im Inn viertel wurden 6.333 Gulden von denen in Bayern 491 Gulden an Abgaben verzeichnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Nur aus einigen Urkunden geht hervor, dass die Grafen von Schaunburg bei Eferding die Vogtei über Suben innehatten. Sie leiteten dieses Recht von einer Seitenverwandtschaft mit der Gründerin Tuta ab. Nach dem Aussterben der Formbacher 1158 erhielten die Herren von Julbach bei Braunau neben den Haupterben Graf Berthold III. von Andechs und Markgraf Ottokar von Steyr Gebietsanteile ostwärts von der Pram bis ins Donautal mit der Maut zu Aschach. 1161 errichteten sie auf steiler Höhe über der Donau die Schaunburg, nach der sie sich später benannten. Aufgabe der Vögte war es, die ihnen anvertrauten Klöster zu beschützen und die Rechtsprechung über die Untertanen auszuüben. So trug im Jahr 1306 Herzog Stephan von Bayern dem Heinrich von Schaunburg als Vogt von Suben auf, keine Klagen von Untertanen gegen das Stift anzuhören, wenn sie das Erbrecht nicht zahlen wollten. Am 12. Juni 1559 erlosch mit dem Tod des Grafen Wolfgang II. das Geschlecht der Schaunburger. Sein Erbe fiel an seinen Schwiegersohn Erasmus von Starhemberg. Seine Nachkommen wollten zwar die Vogtei über Suben beibehalten, doch dürften sie damit keinen Erfolg gehabt haben, denn bereits 1559 wurde Suben Hofmark und bekam einen eigenen Hofrichter in der Person des Friedrich Peer. Doch erstreckte sich die niedere Gerichtsbarkeit nur über die 30 Häuser der Hofmark, für die übrigen Untertanen war das Landgericht Schärding zuständig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Suben gehörte immer zu den kleineren Klöstern. Die Zahl der Stiftsmitglieder bewegte sich gewöhnlich zwischen 18 und 20. In der Reformationszeit sank die Zahl der Priester auf neun ab, dazu kamen im Jahr 1558 noch zwei Novizen. Bis 1622 war ein leichter Aufstieg zu verzeichnen: sieben Priester und vier Junioren. 1698 zählte die Gemeinschaft 14 Priester und vier Junioren. Bei der Aufhebung hatte das Stift seinen Höchststand mit 25 Chorherren. Die letzten Eintritte erfolgten 1778: [[Gregor Hobezeder]], ein Bauernsohn aus St. Marien in Bayern, und [[Ambros Traunbauer]], ein Musikerssohn aus Raab. Diese beiden waren auch die letzten Pfarrseelsorger von Suben aus dem Konvent. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, kamen die Chorherren aus dem bayerischen Raum und waren meist Söhne von Handwerkern und Bauern. Im Stift lebten neben etwaigen Senioren folgende Offizialen - wobei nicht jedes Amt mit einem eigenen Chorherrn besetzt war: Propst, Dechant, Novizenmeister, Kastner, Ökonom, Keller- und Küchenmeister, Chorregent, Repetitor der Junioren, Katechet, Vestiar und Sakristan. Auf den Pfarren waren gewöhnlich sechs bis acht Priester stationiert, an den Feiertagen erhielten sie Aushilfen von excurrierenden Mitbrüdern. Ein einziges Mal wird im Diarium ein Laienbruder angeführt: Im Jahr 1669 starb Frater [[Paulus Dieterich]], Conversus und Schneider, 69 Jahre alt und 33 Jahre im Orden. Sonst waren für die vielfältigen Aufgaben und Arbeiten weltliche Kräfte vorhanden, angefangen vom Hofrichter über den Amtmann und Schullehrer bis zu den Beschäftigten im Haus und Meierhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archivalien== &lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung des Stiftes ging der größte Teil des Archiv- und Bibliotheksbestandes verloren. Über Auftrag der Aufhebungskommission wurden die Archivalien und Teile der Bibliothek in 62 Kisten verpackt und nach Linz gebracht. Unterwegs ging einiges verloren. Ein verlässlicher Katalog fand sich nicht. Wohl hatte Propst [[Gregor Raiffauer]] die Bestände katalogisieren und neue Schränke anfertigen lassen, aber im Zuge der Turbulenzen um die Aufhebung geriet vieles durcheinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Bericht der Landesregierung schienen unter diesen Büchern nicht nur literarische, sondern auch Provinzial-Dokumente, uralte Manuskripte und kostbare Werke zu sein, &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;die selbst zu allerhöchstem Dienstgebrauch sein könnten&amp;lt;/span&amp;gt;. Für die Hofbibliothek wurde daraus aber nichts ausgewählt. 22 Handschriften und an die 30 Inkunabeln gelangten in die Oberösterreichische Landesbibliothek. Sie sind durch ihre Rückennummern oder den Besitzvermerk ''Coenobii Subensis'' bestimmbar. Aus den Einbänden kann auf eine eigene Buchbinderei geschlossen werden. Einzelne Handschriften befinden sich auch im Linzer Diözesanarchiv und im Stift St. Florian. Das Oberösterreichische Landesarchiv in Linz besitzt noch Archivalien aus der Zeit von 1589 bis 1800. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere Bestände kamen nach München, später unter der Herrschaft des Fürsten Wrede wieder zurück nach Suben und sind seither spurlos verschwunden. Eine Anzahl von Archivalien herzoglich-bayerischer, bzw. kurbayerischer Provenienz ist im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München erhalten (Kloster Suben, Literalien): l. Fundations-, Privilegien und Freiheitsbriefe von 1142 bis 1659, 2. Sammelband: Konfirmationen der Privilegien und Freiheiten von 1508 bis 1580 und Prälatenwahlen 1598 bis 1604 u.a., 3. Visitationen und Prälatenwahlen 1598 bis 1672 (2 Bde.). Im Staatsarchiv Landshut liegen Archivalien betreffend die Untertanen (1591f, 1690f), das Bräuhaus (1660f) u.a.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
Auf den Bau der alten Klosteranlage gibt es keinerlei Hinweise. Der Epitaph der Gründerin Tuta aus dem 15. Jahrhundert zeigt eine der romanischen Kirche vermutlich nachgebildete Anlage, eine dreischiffige Basilika mit drei halbkreisförmigen Apsiden und einem über dem Mittelschiff aufragenden Westturm mit steilem Zeltdach und gekoppelten Schallfenstern. Auch der Stich von Johann Franck (1687) rechtfertigt diese Annahme. Einzig und allein nach weisbar für diese Anlage ist die durch eine Grabung um 1970 freigelegte romanische Stiege mit Resten eines Türgewändes, mannstief unter dem heutigen Kirchenpflaster gelegen. Auch einige Spolien, sowie ein Konsolstein mit einem Löwenkopf haben sich in den Grundmauerresten südwestlich des Turmes erhalten. Dieser wurde nach 1200 aus behauenem Konglomeratstein errichtet. Die über der gotisch gewölbten Vorhalle liegende ehemalige Westempore gehört dem 13. Jahrhundert an, wurde aber in der Barockzeit umgestaltet. Dieser Raum dürfte mit einem Doppelfenster gegen die Kirche hin geöffnet gewesen sein. Eine Granitsäule mit Kapitell und Basis ist noch erhalten. Unter der ehemaligen Propstei, die 1979 abgebrochen und durch einen Neubau (Einzelzellentrakt) ersetzt wurde, konnte nach äußerst schwierigen Fundamentierungsarbeiten der gotische Keller gerettet werden. Er stellt heute ein baulich es Kleinod dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 15. Jahrhundert weist sich mit einigen bedeutenden Grabsteinen von Pröpsten aus, die heute großteils verschwunden sind, von denen aber literarische Nachrichten vorliegen. Ob sich die Spätgotik auch baulich manifestierte, lässt sich nicht mehr feststellen. Als kostbarer Schatz hat sich bis heute ein dreifaches Geläute aus 1425, 1534 und 1538 gegossenen Glocken erhalten. Aus der Zeit um 1425 stammt auch der Grabstein der Stifterin Tuta. Der Stein aus rotem Marmor ist 230 cm hoch und 118 cm breit. Heute ist er an der Kirchenwand befestigt, ursprünglich war er aber wohl liegend gedacht, wie die Anordnung der Umschrift beweist.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese lautet in gotischen Minuskeln: &amp;quot;Hye leyt die hochgeporen / chünichleychis geschlechtes czu ungern genant Tuta / stifterin decz gegenwertigen / gotshaus hie czu Suben gestorben MCXXXVI Kls May&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; 1636 erbaute Propst [[Matthias Froschhammer]] einen eigenen Krankentrakt, woran noch ein Gedenkstein erinnert. Außerhalb des Klosterbereiches, im Ort, entstand das Hofrichterhaus. Damals dürfte auch das Oratorium im Westturm mit Stuck geometrisch dekoriert worden sein. Für vier von acht ovalen Feldern sind die dazugehörigen Reliefs bekannt - sie stellen Nonnen, vielleicht Chorfrauen dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Friedensschluss von Münster 1648 setzte ein ungeheurer wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung in Deutschland ein, von dem auch die Stifte und Klöster am Inn erfasst wurden. Nun begann auch die Erneuerung des Stiftes Suben, dessen Gebäude schon sehr renovierungsbedürftig waren. Propst [[Hieronymus Landl]] errichtete zwischen 1650 und 1660 die Kapelle der hl. Katharina, die nach den älteren Stichen südseitig an die Kirche angebaut war, wo auch der Friedhof lag. Nur karge Reste bezeichnen ihren ehemaligen Standort. Noch am Ausgang des 17. Jahrhunderts waren im Stift zwölf Epitaphien von Pröpsten und eine große Anzahl von Grabsteinen adeliger Familien vorhanden, die meisten davon mit lebensgroßen Darstellungen der Stiftsvorstände. Beim Bau des neuen Konventgebäudes (1698–1702) und der Stiftskirche (1766–1770) sind wahrscheinlich schon viele der alten Denkmäler zugrunde gegangen. Ganz sicher aber wurden viele der alten Grabplatten bei der Adaptierung zur Strafanstalt zerstört oder auch verschleppt. Konrad Meindl, der verdienstvolle Historiker des Stiftes Reichersberg, hat 1889 die wenigen noch vorhandenen Epitaphien beschrieben und aus dem Diarium Grabinschriften von verlorenen Monumenten veröffentlicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeichen der nach den Türkenkriegen verstärkt einsetzenden Marienverehrung begann Propst [[Ernest Theophil Scharrer]] zwischen Kirchturm und Propstei mit dem Bau einer Marienkapelle und ließ 1687 nach dem Vorbild von München und Wien eine Mariensäule aufstellen. Die Inschrift gedenkt der Befreiung Wiens und Budapests, der Heldentaten Max Emmanuels in den Türkenkriegen und nennt Maria die &amp;quot;Patrona Bavariae&amp;quot;. Die Säule wurde 1932 von der Innleiten an die Hauptstraße im Ort versetzt. Propst Scharrer begann auch mit der Umgestaltung der Kirche. So ließ er den erst vor etwa 50 Jahren vor dem Presbyterium aufgestellten Kreuzaltar entfernen, um Platz für ein neues Chorgestühl zu bekommen. In seine Regierungszeit fällt auch die Verschönerung der &lt;br /&gt;
Kirche durch Statuen und Bilder. In den Höfen wurden Springbrunnen errichtet und die Stiftspforte vollständig erneuert. Durch die Verlegung der Bibliothek in den Krankentrakt erhielten die Chorherren einen Aufenthaltsraum. Dabei war die finanzielle Situation keineswegs glänzend. Selbst für die Tilgung kleiner alter Schulden mussten Darlehen aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größere Aufgabe fiel seinem Nachfolger [[Gregor Raiffauer]] zu. Das alte Kloster war bereits derart baufällig, dass nur mehr ein Abbruch und Neubau in Frage kam. 1698 begann man mit dem Abriss eines Teiles der alten Gebäude, und am 24. September des gleichen Jahres legte der Propst in einer feierlichen Zeremonie den Grundstein für den Neubau. Mitte November 1699 konnte dieser Teil mit der Küche und dem Refektorium unter Dach gebracht werden. Dann ging es an den Abbruch des restlichen Altbestandes und bis 1703 war der ganze Konventtrakt mit der Dechantei, der Bibliothek und den Gastzimmern vollendet. Damit waren gerade noch die Wohntrakte fertig geworden, denn nun griff der Spanische Erbfolgekrieg auch ins Innviertel über und verzögerte immer wieder die Arbeiten am Bau. Die Innenausstattung konnte nur mehr in bescheidenem Maße erfolgen. Die Gänge und die Zimmer haben durchwegs flache Decken, nur der erste Stock und zwei Räume im Erdgeschoss weisen Stuckverzierungen auf. Sie stammen von Pietro Camuzzi, einem Mitarbeiter Carlo Antonio Carlones. Obwohl keinerlei archivalische Belege vorhanden sind, spricht manches dafür, dass Carlone auch am Neubau in Suben beteiligt war, vielleicht nur als Berater. Er lebte zu dieser Zeit in Passau, wo er auch 1708 im Kloster St. Nikola starb.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Die Stiftskirche=== &lt;br /&gt;
Sofort nach seiner Wahl ging Propst [[Ildefons Schalkhammer]] daran, Pläne für den Neubau der Stiftskirche ausarbeiten zu lassen. Den Auftrag erhielt Baumeister Simon Frey aus Pullach bei München. Ab Mai 1767 wurde die alte Kirche abgetragen und sofort mit dem Neubau begonnen, dessen Fundamentierung Schalkhammer noch erleben konnte. Sein Nachfolger, [[Wilhelm Weber]], förderte den Bau tatkräftig, holte zum Architekten kongeniale Künstler, wie den Stuckateur Joh. Baptist Modler, den Freskanten und Ölmaler Joh. Jakob Zeiller aus Reutte in Tirol, für Altarbilder Joh. Georg Unrueh und den Bildhauer Josef Deutschmarul, sowie den Kunsttischler Martin Haller, alle drei aus Passau. Die Kirche ist nicht auf den Fundamenten des romanischen Vorgängerbaues, sondern wie Ausgrabungen 1969/70 zeigten, nach freiem Plan mit breiteren Abmessungen errichtet worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Innenraum ist ein einschiffiger längsgerichteter Saal, der durch drei aufeinander folgende Hängekuppeln, von denen die mittlere größer ausgebildet ist, zwischen achsialem und zentralem Baugedanken ideal ausgewogen erscheint. Die Wände bilden je drei Seitenaltarnischen, von denen die mittlere höher und tiefer ist, wodurch ein leicht kreuzförmiger Grundriss erzielt wird. Über den Nischen verlaufen Oratorien, die die Gliederung der Wände noch verstärken. Die Deckenfresken zeigen im Presbyterium die Darstellung des Lammes nach der Offenbarung des Johannes, im Hauptschiff die Verherrlichung des hl. Augustinus mit den Ordensgemeinschaften, die nach seiner Regel leben und über dem Betchor die Bekehrung des hl. Augustinus. Unter der Empore sieht man die Vertreibung der Wechsler aus dem Tempel, im Barock ein beliebtes Thema in den Vorhallen. Dieses Fresko ist noch in seiner Ursprünglichkeit erhalten, während die übrigen zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem in Suben inhaftierten Banknotenfälscher restauriert und verdorben wurden. 1952/53 konnten sie dem Originalzustand wieder nahe gebracht werden. Die sparsame, aber meisterhafte Stuckierung in leichten, zum Teil vergoldeten Rocailleformen, stammt laut Signatur unter der Orgelempore von &amp;quot;Johann Baptist Modler, Stukhatorer in Kößlam&amp;quot;, besonders reich sind die beiden Kartuschen am Chor- und Emporenbogen mit den Stifts- und Propstwappen und einer lateinischen Inschrift. &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot; Was Ildefons 1766 zu bauen begonnen hat, vollendete Wilhelm 1770 mit Pracht.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Die bemerkenswerte Kanzel mit den Evangelistensymbolen und dem Sämannrelief stammt von Deutschmann. Der Schalldeckel zeigt in einer bewegten Gruppe die Vernichtung der Irrlehrer durch Augustinus. Der Hauptaltar und die Seitenaltäre sind typische Rokokobauten, die Altarblätter des Hoch altars (hl. Lambert) und der beiden großen Seitenaltäre (Kreuzigung bzw. hl. Familie) sind Werke des Joh. Georg Unrueh, die Bilder der übrigen Seitenaltäre (Augustinus, Antonius, Maria mit dem Jesuskind und Leonhard) stammen von Joh. Jakob Zeiller. Von Bedeutung ist auch das von Martin Haller verfertigte Orgelgehäuse und das Chorgestühl. Da der Platz im Presbyterium dafür nicht ausreichte, hat man es auf der Empore im Halbkreis hinter dem Spieltisch aufgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur== &lt;br /&gt;
* Franz Berger: Die kirchlichen Verhältnisse des Innviertels in der Mitte des XVI. Jahrhunderts, in: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz, LT. Jg., Linz 1905, S. 61f. &lt;br /&gt;
* Diarium Subense: 1680-1780, ergänzt von Konrad Meindl 1873, Stiftsarchiv Reichersberg. &lt;br /&gt;
* Fritz Dworschak: 900 Jahre Stift Suben am Inn. In: Oberösterreichische Heimatblätter 6/3 (1952). S. 296-318. &lt;br /&gt;
* Franz Eengl: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Suben am Inn. In: Kat. Ausst. 900 Jahre Stift Reichersberg. Linz 1984, S. 67-79.&lt;br /&gt;
* Dagobert Frey: Österreichische Kunsttopographie. Die Denkmale des politischen Bezirkes Schärding XXI. Wien 1927, S. 213-231. &lt;br /&gt;
* Alois Haberl: Zell an der Pram. Ried 1929. &lt;br /&gt;
* Haus der Geschichte, Die Bestände des Oberösterreichischen Landesarchivs. Linz 1958, S. 105. &lt;br /&gt;
* Max Heuwieser: Suben. In: Alte Klöster in Passau und Umgebung. Hg. von Josef Oswald. Passau 1954. &lt;br /&gt;
* Rudolf Hiitmair: Der Josefinische Klostersturm im Land ob der Enns. Freiburg im Breisgau 1907, S. 147f. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: Kat. Ausst. 900 Jahre Stift Reichersberg. Linz 1984, S. 215f. &lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 38/2 (1984), S. 172-200. &lt;br /&gt;
* Koch-Sternfeld: Die weiland Chorherren-Probstei Suben am Inn mit ihren erlauchten Stiftern und Herrlichkeiten diess- und jenseits der Alpen. In: Abhandlungen der III. Klasse der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften V/ II.&lt;br /&gt;
* Johann Evangelist Lamprecht: Beiträge zur Geschichte des aufgelassenen Stiftes Suben. handschr. 1856. (Kopie im Pfarramt Suben) &lt;br /&gt;
* Johann Evangelist Lamprecht: Beschreibung des Ortes Raab und dessen Umgebung. Linz 1877. &lt;br /&gt;
* Johann Evangelist Lamprecht: Historisch-topographische und statistische Beschreibung der k.k. Landesfürstl. Gräntzstadt Schärding am Inn. Schärding 1887, S. 288-296. &lt;br /&gt;
* Johann Evangelist Lamprecht: Die Altpfarre Taufkirchen an der Pram. Schärding 1891. &lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Einige Grabmonumente des ehemaligen Stiftes Suben. In: Mitteilungen der Central-Commission XV (1889), S. 78f. &lt;br /&gt;
* Franz X. Pritz: Beiträge zur Geschichte des aufgelassenen Chorherrenstiftes Suben. In: 16. Jahresbericht des Museums Francisco Carolinum. Linz 1856, S. 1-66. &lt;br /&gt;
* Hans Rödhammer: Die Reise des Propstes Wilhelm III. von Suben nach St. Margarethen am Hengist. In: Oberösterreichische Heimatblätter 29/ 1/2 (1975), S. 52-57. &lt;br /&gt;
* Hans Rödhammer: Die Pröpste des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Suben, in: Oberösterreichische Heimatblätter 32/ 3/4 (1978), S. 224-248. &lt;br /&gt;
* Hans Rödhammer: Die Chorfrauenklöster am unteren Inn. In: Oberösterreichische Heimatblätter 42/3 (1988), S. 145-158. &lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Historisches Ortsnamen-Lexikon des Landes Oberösterreich 1. 1935, S. 524. &lt;br /&gt;
* Bernhard Schütz: Suben am Inn. Schnell Kunstführer, Nr. 953. München 1984 &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Peter Wiesinger / Richard Reutner: Ortsnamenbuch des Landes Oberösterreich 3. Die Ortsnamen des politischen Bezirkes Schärding. Wien 1994. &lt;br /&gt;
* August Wurzinger: Suben. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der Österreichischen Chorherrencongregation 1964, S. 42-48, S. 60-67. &lt;br /&gt;
* Erich Zanzinger: Die Geschichte der Strafvollzugsanstalt Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 38/2 (1984), S. 146-171. &lt;br /&gt;
* Erich Zanzinger: Heimatbuch der Gemeinde Suben. Ein Ort im Wandel der Zeiten. Suben 1987. &lt;br /&gt;
* Ignaz Zibermayr: Das Oberösterreichische Landesarchiv in Linz. Linz 1950, S. 149, S. 232, S. 306.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
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		<title>Stift Stainz</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=46.89633, 15.26365&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen== &lt;br /&gt;
Bereits 1160 wird der &amp;quot;riuus Stauwenz&amp;quot;, der Stainzbach, urkundlich erwähnt. 1177 stellte Papst Alexander III. in Venedig eine Bulle an den Salzburger Erzbischof aus, in der er ihn zum Schutz der Güter des Nonnenklosters St. Georgen am Längsee in Kärnten aufforderte, dem von den Leuten des Markgrafen von Steiermark H. und R. (die Brüder Herrand und Richer von Wildon) und anderen ein &amp;quot;predium apud stawiz&amp;quot; entfremdet worden war. Die Bezeichnung &amp;quot;stawiz&amp;quot; wird einerseits aus dem Slawischen &amp;quot;stava&amp;quot; abgeleitet und soll &amp;quot;Sauergraus&amp;quot; bzw. &amp;quot;Sauerbrunn&amp;quot; bedeuten. Tatsächlich existiert bei Stainz eine Mineralquelle, die teilweise den Stainzbach speist. Der Slawist Simon Pirchegger hingegen erklärte den slawischen Namen mit dem &amp;quot;Ort, wo der Gerber seine Felle wäscht&amp;quot;, denn östlich hinter Ettendorf fließt der Zirknjtzbach, wobei Ettendorf (früher &amp;quot;Eppendorf&amp;quot;) von R. Fitter als (spätere) deutsche Bezeichnung des 1177 genannten slawischen Ortsnamens &amp;quot;stawiz&amp;quot; angesprochen wurde. Die herzogliche Bestätigung von 1233 nennt die &amp;quot;prepositura(m) in honorem sancte Catharine ... apud fluuium Stanz&amp;quot; und die päpstliche Bulle von 1248 spricht von der &amp;quot;ecclesie de Stanz ordinis sancti Augustini&amp;quot;. Dass der Ort schon 1249 &amp;quot;Steinz&amp;quot; geschrieben worden wäre, klingt unglaublich, weshalb sich die Urkunden dieses Jahres (1249 III 23 Stainz A, B) - neben anderen inhaltlichen Kriterien - als Fälschungen erweisen, weil für das Kloster noch bis etwa 1500 die Bezeichnungen &amp;quot;Steunze&amp;quot;, &amp;quot;Stanz&amp;quot;, &amp;quot;Staentz&amp;quot; oder &amp;quot;Stencz&amp;quot; üblich waren. Weitere historische Namensformen: conventus canonicorum regularum eccl(es)ie St. Katharine in Stevntz (1319); choerherns. Gatrein goetshaus datz Stevntz (1343); das würdige Gottshaus zu Stäncz (1627); Stainz, ein Styfft Canonicorum Regularium (1681). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie== &lt;br /&gt;
Herzogtum Steiermark, seit 1462 Viertel zwischen Mur und Drau, seit 1748 Kreis Graz, Markt (seit 1372), politischer Bezirk Deutschlandsberg, Bundesland Steiermark. In kirchlich-organisatorischer Hinsicht gehörte Stainz vor der Stiftsgründung zum Gebiet des Erzbistums Salzburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort lag in der Pfarre St. Stefan in Lemsitz, die sich noch im 12. Jahrhundert von der Mutterpfarre St. Laurentius in Hengsberg als Filialkirche abgetrennt hatte. Im Bereich der Pfarre St. Stefan lagen die Messkapellen St. Katharina auf dem Hügel, der später das Kloster trug, und St. Georg in Ettendorf. An die Pfarre St. Laurentius grenzte im Süden die Mutterpfarre (Groß-) St. Florian, wobei der Stainzbach die Grenze bildete. St. Laurentius wurde bei der Gründung des Bistums Seckau 1218 diesem zugeteilt, St. Florian hingegen dem 1225 neu errichteten Bistum Lavant eingegliedert. Dadurch wurde der Stainzbach Diözesangrenze. Um 1500 galt die kirchliche Einteilung: Metropolitansprengel Salzburg, Bistum Seckau, Archidiakonat des Domstiftes Seckau, zuletzt (bis 1783) Archidiakonat Hengsberg. Pfarrkirche war bis 1600 die in diesem Jahr abgebrochene Kirche St. Jakob im Markt Stainz, dann die Kanonikalkirche St. Katharina im Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Patrozinium== &lt;br /&gt;
1249 erklärte Leutold von Wildon, die Stiftung des Klosters zu Ehren der Gottesmutter Maria und der Jungfrau und Märtyrerin Katharina (von Alexandrien) errichtet zu haben. Von Maria als Patronin ist später nicht mehr die Rede. Schon die Bestätigungsurkunde Herzog Friedrichs II. von 1233 spricht nur von der Propstei zu Ehren der hl. Katharina. Ihr soll bereits jene Kapelle geweiht gewesen sein, die sich, als Eigen der Herren von Wildon, angeblich um 1200 an der Stelle des späteren Kloster befunden hat und die 1232 als zur Pfarre St. Stefan in Lemsitz gehörig erwähnt wird. Die hl. Katharina blieb durch alle folgenden Zeiten alleinige Patronin von Kirche und Kloster. Deren historische Persönlichkeit ist zwar nicht fassbar, doch war ihre Verehrung im Mittelalter weit verbreitet, denn sie galt als Fürsprecherin bei Krankheiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte=== &lt;br /&gt;
Stainz ist das dritte Stift, das in der Steiermark für Augustiner-Chorherren gegründet wurde. Ihm gingen die 1140 bzw. 1163 gegründeten Stifte [[Stift Seckau|Seckau]] und [[Stift Vorau|Vorau]] zeitlich voran, zwei weitere - Rottenmann und Pöllau - folgten im 15. Jahrhundert. Während im Früh- und Hochmittelalter die Stifte von fürstlichen oder hoch freien Familien gegründet wurden, ist Stainz bezüglich seines Gründers eine Ausnahme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Stifter war Leutold von Wildon, dessen Geschlecht zu den bedeutendsten landesfürstlichen Ministerialen in der Steiermark zählte. Leutolds Urgroßvater, Richer von Eferding, war ursprünglich hochfrei, 1120 aber schon Ministeriale von Passau. Sein Sohn und Enkel heirateten, ungeachtet ihres Status als Ministerialen der Markgrafen von Steiermark, in die Sippe der Aribonen bzw. der Freien von Gutenberg-Waldstein, sodass zu den Stammlehen, die die Familie in und um die Burg Wildon bereits besaß und wonach sie sich ab 1173 nannte, weitere ausgedehnte Besitzungen kamen, unter denen vor allem die oststeirische Herrschaft Riegersburg zu nennen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während andere bekannte Stifte nur mit einer Gründungssage dienen können, hat Stainz deren drei. Nach der ältesten Legende, die ein Zisterziensermönch des 13./14. Jahrhunderts berichtet, hätte Leutold von Wildon in Regensburg ein Mädchen kennengelernt, aber, als er ihren Namen - Katharina - erfuhr, aus Verehrung der Patronin auf eine Heirat verzichtet. Als er lange Zeit danach an einem Fuß erkrankte, der amputiert werden sollte, sei ihm in der Nacht vor der Operation die hl. Katharina erschienen, die ihn zum Dank für sein Verhalten geheilt habe. Nach der zweiten Gründungslegende stand um 1200 auf dem Hügel, auf dem dann das Stift errichtet wurde, eine Kapelle &amp;quot;St. Katharina in der Birken&amp;quot;, in deren Nähe Leutold unglücklicherweise ein Kind getötet haben soll. Aus Reue habe er später dort ein Kloster gestiftet. Eine dritte Version, 1895 in die Stainzer Pfarrchronik als aus dem Munde der letzten Chorherren gehörte Sage aufgenommen, berichtet, Leutolds Frau Agnes habe nachts im Traum eine Stimme gehört, ihr Mann könne wegen seiner allzu strengen Gerichtsbarkeit und einiger von ihm verübter Ungerechtigkeiten nicht selig werden, wenn er nicht zu &amp;quot;Katharina an der Pirka&amp;quot; eine schöne Kirche baue. Zu jener Zeit sei an der Stelle, an der sich jetzt die Kirche von Stainz erhebe, eine der hl. Katharina geweihte kleine Kapelle gestanden, mitten in einem &amp;quot;anmuthigen Pirkenhaine&amp;quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A. Kogler stellte zwischen der vom Volksmund als &amp;quot;Katharina in der Birken&amp;quot; bezeichneten Kirche und der von Herzog Friedrich II. in seiner Bestätigungsurkunde für Leutolds Gründung 1233 gebrauchten Formulierung,&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;cum Leutoldus de Wildonia ... in honore sancte Catharine virginis preposituram de nouo erexerit apud fluuium Stanz&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; einen Zusammenhang in der Weise her, dass Leutold diese Kirche (Katharina in der Birken) neu herrichtete und durch die Klostergründung von (der Pfarre) St. Stephan loslöste. Doch spricht die Urkunde nicht von einer &amp;quot;ecclesia&amp;quot; sondern nur von einer neu errichteten Propstei. R. Baravalle (1936, 1961) nahm aufgrund der Formulierung &amp;quot;in der Birken &amp;quot; an, dass die Kapelle eine ehemalige Burgkapelle gewesen sein könnte, denn &amp;quot;in der Birken&amp;quot; als Singular sei unsinnig, &amp;quot;in der Pirk&amp;quot;, also in der Burg, hingegen die einzig vernünftige Erklärung und die ethymologische Wandlung von Burg zu Birk längst bekannt und erwiesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser Burg der Wildonier werde aber in den Urkunden Leutolds, die seine Stiftung betreffen, deshalb kein Wort erwähnt, um eventuellen späteren Ansprüchen seiner Verwandten jede Grundlage zu entziehen. R. Pitter wies die Erklärungen Koglers und Baravalles 1936 als sowohl historisch als auch etymologisch unzutreffend zurück. J. Grüblinger konnte sich 1954 Pitters Ansicht nicht anschließen und lehnte - nach H. Pirchegger - die Gleichsetzung des 1177 genannten &amp;quot;predium apud Stawiz&amp;quot; mit St. Georg in Ettendorf (&amp;quot;Eppendorf&amp;quot;) ab. H. Wilfinger plädierte 1979 wieder für eine Hauptburg auf dem Stainzer Schlossberg und der darin befindlichen Burgkapelle St. Katharina, ebenso F. O. Roth. Zuletzt ließ H. Ebner (1981) die Möglichkeit einer abgekommenen Wehranlage an der Stelle des Stiftes wieder offen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Uneinigkeit in dieser Frage hängt mit der heute schlechten urkundlichen Dokumentation der Gründung zusammen, denn etliche Urkunden fehlen, andere werden bei unverdächtigem Inhalt - als Fälschungen verdächtigt. Leutold selbst sagt, er habe die Stiftung zur Sühne seiner und seiner Vorfahren Sünden errichtet, die, bei aller Vorsicht gegenüber dieser auch bei anderen Klosterstiftungen vorkommenden Begründung, so etwas wie ein Motiv anklingen lässt, das auch historisch begründbar ist: Die Wildonier hatten wieder holt kirchlichen Besitz wider alles Recht an sich gerissen oder geschädigt, wie aus der päpstlichen Bulle von 1177 und anderen Urkunden hervorgeht. Dass Leutold mit seiner Frau Agnes von Traberg (Unterdrauburg/ Dravograd) nur zwei Töchter, aber keinen Sohn hatte, mag zum Entschluss für eine Klostergründung sicher mitbestimmend gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er begann also vor 1229 in Stainz mit dem Bau eines Klosters für Augustiner-Chorherren, für das er Mönche aus dem Stift Seckau und Gerold als ersten Propst berief. Erst im Laufe der folgenden Jahre vermochte er es mit jenen Pfarren, Gütern und Einkünften auszustatten, die die Gründungsdotation bildeten. Sollte es je einen Stiftungsbrief für Stainz gegeben haben, so ist er verloren gegangen. Auch ein noch im 19. Jahrhundert bezeugtes Salbuch des Stiftes ist schon lange nicht mehr vorhanden, nur Abschriften davon gibt es. Immerhin ist eine undatierte &amp;quot;cartula&amp;quot; aus der Zeit um 1230 (nach anderen vom Jahre 1240) erhalten. In Form einer Traditionsnotiz, oder besser eines Gedächtnisprotokolls Leutolds, ist sie Ausdruck der Sorge des Stifters um die Ordnung der Besitzverhältnisse seiner Gründung, weil aus Antrieb böser Geister und Schlauheit verschlagener Menschen oft Zwistigkeiten und Betrügereien entspringen, wodurch die Güter der Guten, Gott arglos dargebracht, zerstückelt oder gar zerstört werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb ordnete Leutold mit Zustimmung seines Bruders Ulrich die Beziehungen seiner Untertanen, die auf Klostergrund lebten, zur Kirche der hl. Katharina in Stainz hinsichtlich Kirchgang, Maut, &amp;quot;Vürvanch&amp;quot; und anderer Belange. Er bestimmte, dass die Abgaben an den Kirchweihfesten der Pfarrkirchen St. Stefan in Lemsitz und St. Georg in Ettendorf an den Beauftragten des Stiftes zu entrichten, das Gerichtsgeld (genannt &amp;quot;Vürvanch&amp;quot;) aber dem Propst oder seinem Marktrichter zu leisten seien. 1232 überließ der Salzburger Erzbischof, dessen Zustimmung zur Gründung damit indirekt ausgedrückt wird, Leutold allen Grund der Kirche von Stainz und gab ihm den dafür abgetretenen Ort Gschwend (bei Kumberg) als Lehen wieder zurück. Erst 1245 genehmigte Erzbischof Eberhard II. den Tausch der salzburgischen Pfarre St. Stefan gegen Leutolds Pfarre St. Johann a. d. Feistritz (bei Herberstein), wodurch St. Stefan dem Kloster inkorporiert werden konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1247 schenkte Leutold seiner Gründung noch das Dorf Wald am Stainzbach mit 31 Huben. Zwei weitere Urkunden, die beide dasselbe Datum &amp;quot;Stainz 23. März 1249&amp;quot; (A, B) tragen und von Leutold ausgestellt worden sein sollen, wurden als Fälschungen, aber mit unverdächtigem Inhalt, angesprochen, weil gewisse in ihnen genannte Güter angeblich erst Jahre später an das Kloster gekommen sein sollen. Es handelt sich dabei um die Dörfer Stallhof, Graggerer und Grafendorf bei Stainz. Stallhof und Grafendorf werden in der Bestätigung Papst Bonifaz' VIII. (1294–1303), die nur als Transsumpt von 1473 und ohne Datum erhalten ist, nicht genannt. Es ist daher durchaus wahrscheinlich, dass diese päpstliche Güterbestätigung für Stainz vor dem 30. &lt;br /&gt;
September 1298 ergangen ist, zu welchem Datum Albert von Horneck den Hof Stallhof an Stainz verkaufte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erwähnte päpstliche Bestätigung nennt folgende Güter: Den Ort, wo die Kirche (der hl. Katharina) steht samt Zugehörungen, die Kirche St. Stefan, ein Drittel Zehent mit 53 Hofstätten in der Pfarre St. Stefan, den Markt und den Bach genannt Stainz, das Dorf Graggerer, Weingärten zu &amp;quot;Edelitz&amp;quot; (Edelz bei Stainz?), Sierling, Marhof, Eichegg (alle bei Stainz) und Vochera (bei Bad Gams), Güter in Gersdorf (bei Bad Gams), Rutzendorf, Neudorf (beide GB Stainz), &amp;quot;Reinmonstuel&amp;quot; (abgekommen?), Schwarzenschachen, Gschwend (bei Kumberg), Pichling (bei Stainz) und Maxendorf (bei Kirchbach, Oststmk.). In der Aufzählung fehlt das von Leutold geschenkte Dorf Wald (bei Stainz) und die Pfarrkirche St. Georg in Ettendorf. Mit wenigen Ausnahmen lagen alle genannten Besitzungen in der näheren oder weiteren Umgebung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dotation durch Leutold wird in der Literatur von &amp;quot;dürftig&amp;quot; bis &amp;quot;reichlichst&amp;quot; gewertet, je nachdem, mit welchem anderen Stift im Land man Stainz verglichen hat. Bedeutsam für die junge Gründung war natürlich der Besitz des unter dem Kloster gelegenen Marktes Stainz (1230 forum). Um für ihn einen Marktplatz anlegen zu können, musste auf der rechten Seite des Stainzbaches vom Bistum Lavant - der Bach war die Grenze zwischen den Bistümern Seckau und Lavant - Grund erworben werden, dessen Ausmaße aber nicht allzu groß gewesen sein können. Der erste Propst Gerold soll - nach dem Visitationsprotokoll von 1545 - aus den eigenen Reihen, drei Mönche aber, zur Verrichtung des Gottesdienstes, aus Seckau gekommen sein, das damit für die Neugründung zum Mutterkloster wurde. Der Vorauer Chorherr und Geschichtsschreiber [[Aquilinus Julius Caesar]] wusste 1777 allerdings zu berichten, dass auch Propst Gerold aus Seckau gestammt habe.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Herimannus Schachner ex religiosa palaestra sua Geroldum cum primis sociis exurgenti Canonic Stainzensium Collegia inclyto an. 1229.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Und der Autor fügt hinzu, dass das Stift in diesem oder dem vorangegangenen Jahr gegründet worden sei, wie die ihm zugänglich gemachten Urkunden gezeigt hätten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1233 erhielt die Stiftung die erste landesfürstliche Bestätigung durch Herzog Friedrich II., der gleichzeitig seinen Ministerialen erlaubte, dem Kloster Güter bis zu einem Wert von 10 Mark Friesacher Münze zuzuwenden. Die Urkunde führt die Namen der ersten Konventmitglieder an: Propst Gerold, Dechant Gerung, Kellermeister Herman sowie die Chorherren Johannes, Igno, Heimich der Jud, Richer und Hugo. 1247 bestätigte Bischof Ulrich von Seckau die in seiner Diözese gelegene Stiftung und im darauffolgenden Jahr erfolgte die Konfirmation durch Papst Innozenz IV., jedoch ohne den Besitzstand des Klosters zu nennen. Leutold von Wildon starb am 13. April 1248, nach Kogler aber erst am 29. März 1250. Er erhielt sein Begräbnis in der Stiftskirche, wo 1272 auch seine Witwe Agnes bestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
In den folgenden zwei Jahrhunderten gelang es dem Kloster, seinen Grundbesitz durch zahlreiche Schenkungen, Jahrtags-und Seelgerätstiftungen oder Ankäufe von privater Seite zu vergrößern. Von 1298 bis 1480 lassen sich etwa 80 derartige Erwerbungen nachweisen. 1365 werden im Zuge einer Stiftung die Altäre der hl. Dorothea und des hl. Johannes in der Stiftskirche erwähnt, etwa zur selben Zeit erfährt man von der Existenz des stiftischen Siechenhauses, für das der Pfarrer von St. Stefan ob Stainz dem Kloster einen Weinzehent übertrug, &amp;quot;zu ainen Trost den khrankhen herren&amp;quot;. 1400 errichtete eine fromme Frau einen Jahrtag auf dem St-Magdalena-Altar, und 1429 überließen Dechant und Kapitel dem Propst auf Lebenszeit ein Sechstel ihres Weinzehents zu St. Stefan für die Restaurierung der Kirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Pröpsten des Mittelalters ragt Sighard (1296–1298) hervor, angeblich aus der ritterlichen Familie Lemsitz stammend, die in der näheren Umgebung des Stiftes begütert war. Die Regierung des Propstes [[Peter von Eppendorf]] (1345–1362), der einem zu Ettendorf ansässigen ritterlichen Geschlecht angehörte, bedeutete die Glanzzeit des mittelalterlichen Stiftes. Ende des 14. Jahrhunderts traten im Konvent erste schwere Unstimmigkeiten auf. Ein Teil der Chorherren scheint mit Propst Berthold (1377–1397) unzufrieden gewesen zu sein, weshalb 1398 der Seckauer Bischof die &amp;quot;Stöss, krieg vnd misshelligkeit&amp;quot; zwischen dem neuen Propst [[Konrad Torseuler]] und dem früheren Propst Berthold schlichten musste. Propst Konrad entsagte seiner Würde, wofür er die Pfarre St. Stefan samt den Einkünften erhielt. Neuer Propst wurde der bisherige Pfarrer von St. Stefan, Gebhart, während Bertold die Pfarre &amp;quot;dats sand Joergen zu Stenz&amp;quot; (St. Georg in Ettendorf) erhielt, aber nicht mehr nach der Propstei streben, vielmehr Propst und Kapitel gehorsam sein sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1438 gelangte in [[Sigmund von Lemsitz]] ein sehr um sichtiger Mann zur Regierung des Stiftes. Ihm verlieh Papst Nikolaus IV. am 1. Jänner 1453 das Recht der Pontifikalien sowie die Erlaubnis, in den stiftischen Kirchen Altäre und Paramente zu weihen. Die wirtschaftliche Situation des Klosters hatte sich aber dermaßen verschlechtert, dass sich das Stift in Rom um die Inkorporierung der Pfarren Mooskirchen und Hengsberg bei Wildon bemühte. Da in dieser Zeit fünfmal der Papst wechselte, war dem Ansuchen kein Erfolg beschieden, und die Angelegenheit wurde schließlich vom Stift nicht weiter verfolgt. 1480 brachte ein verheerender Türkeneinfall erstmals den &amp;quot;Erzfeind christlichen Glaubens&amp;quot; in die Weststeiermark und damit auch vor die Mauern des Stiftes. Ob die Türken Stainz geplündert haben, ist fraglich. Schwierig gestaltete sich die Regierungszeit des Propstes [[Johannes Macher]] (1518–1533). Der „Quart&amp;quot; von 1529 fiel ein Viertel des geistlichen Grundbesitzes zum Opfer. Anlässlich der 1528 erfolgten landesfürstlichen Visitation der Klöster und Pfarren in der Steiermark konnte die Visitationskommission über den Propst und die sieben Mitglieder des Kapitels nur lapidar feststellen&amp;lt;ref&amp;gt; &amp;quot;Haben in gelauben und sunst gegeneinander khain beschwär. Innen ist guet ordnung und geystlich leben zu haldten bevolchen.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Als 1532 der schwerste Türkeneinfall in die Steiermark erfolgte, hatte Stainz das Glück, davon nicht berührt zu werden, weil es völlig abseits der Marschroute des Feindes lag, der an Graz vorbei über Leibnitz Richtung Pettau zog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformationszeit=== &lt;br /&gt;
Die folgenden Jahrzehnte brachten das Stift in arge Bedrängnis. Die Gründe dafür sind dieselben wie bei anderen Stiften und Klöstern des Landes. Die Türkenabwehr erforderte größte finanzielle Anstrengungen, die der Landesfürst auch von den geistlichen Grundherrschaften kompromisslos verlangte. 1540 tätigte König Ferdinand I. bei den Stiften des Landes eine Zwangsanleihe, die das reiche Benediktinerstift Admont mit 5.000 Gulden belastete, das &amp;quot;arme&amp;quot; Stift Stainz aber immerhin noch mit 500 Gulden betraf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reformation Martin Luthers, dessen Lehre um die Mitte des 16. Jahrhunderts neben dem Landeshauptmann Hans Ungnad weite Kreise des Adels und Bürgertums, weniger die Bauern, anhingen, wirkte sich in Stainz vorerst noch nicht so dramatisch aus wie in anderen Klöstern der Steiermark. Noch 1545 stellte eine Visitationskommission fest, Propst [[Bernhardin Ambring]] (1533–1553) und die fünf Chorherren &amp;quot;sein einess erbaren geistlichen wandels, gebrauchen sich ihrer regel Augustiner Ordenss, in Habith schwarzer Rökh, darob Sie weiss leynen Sarrokh antragen.&amp;quot; Der Gottesdienst werde nach altem Herkommen Tag und Nacht verrichtet, &amp;quot;nemblich allmorgen ein fruemess und taglich ein Hochambt sambt etlichen gesprochenen messen, auch Prim, Terz, Sechst, Non, Vesper, Complet und Mötten sambt einen Salve, so man all Sambstag und aller Unser Frawen Abendt singet.&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die unter der Herrschaft des Stiftes lebende Bevölkerung war noch ziemlich geschlossen katholisch, denn man zählte damals 1.500 Kommunikanten. Die danach eingetretene Krise des Stiftes war weitgehend durch die Zerrüttung seiner Wirtschaft bedingt. 1556 hatte König Ferdinand abermals eine sehr hohe Summe zur Finanzierung der Türkenabwehr verlangt, wovon Stainz mit 2.000 Gulden betroffen war, die das Stift nicht mehr aufzubringen vermochte, weshalb die Ämter Stallhof und Wald samt Einkünften verpfändet werden mussten. Während die landesfürstliche Klostervisitation von 1575 in Stainz neben fünf Chorherren auch zwei Konkubinen und vier Kinder vorfand, scheinen sich wenigstens die finanziellen und personellen Verhältnisse unter den Pröpsten [[Joharules Buchfink]] (1553–1563) und [[Leonhard Grasmair]] (1563–1585) soweit stabilisiert zu haben, dass 1583 noch die &amp;quot;Bruggenrnühl&amp;quot; im Markt Stainz gebaut werden konnte und Grasmair bei seinem Tode einen Konvent von neun Mitgliedern hinterließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuntius Germanico Malaspina stellte 1581 allerdings fest, dass der Propst - wie alle Chorherren - eine Konkubine hatte, jedoch froh war, sich von ihr trennen zu können, weshalb er im Amt bleiben konnte, während ein Chorherr und ein Pfarrer abgesetzt und eingekerkert wurden. Erst durch die Regierung des gänzlich unfähigen Propstes [[Sebastian Fuchs]] (1585–1596) schlitterte die Kanonie in einen völligen Niedergang, an dem weniger die &amp;quot;lutherische Häresie&amp;quot; als die lockere Lebensführung des Propstes und seine schlampige Wirtschaftsführung schuld waren. Fuchs machte bei anderen Stiften Schulden, die er nicht zurückzahlen konnte und trug dadurch zum finanziellen Ruin des Klosters bei. Der zur Visitation 1586 ins Stift geeilte Grazer Nuntius berichtete Erzherzog Karl, dass der Propst unwissend, bar jeder Kirchen- und Ordenszucht und für kirchliche Ämter ganz unwürdig, ja als Propst, Administrator oder Prokurator des Klosters untauglich sei. Der Nuntius suspendierte den Propst seines Amtes, doch da man einen geeigneten Nachfolger weder unter den Konventualen noch anderwärts fand, blieb Propst Fuchs weiter in Amt und Würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erneuerung unter Propst Rosolenz=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Fuch war es dem Konvent unmöglich, in seinen Reihen einen Nachfolger zu finden. Man wählte daher am 21. Mai 1596 den Pfarrer von Leibnitz [[Jakob Rosolenz]], der bald darauf vom Seckauer Bischof Martin Brenner bestätigt, aber erst nach einjähriger Probezeit im Juni 1597 infuliert wurde, denn er war Weltpriester. Rosolenz stammte aus dem Kurfürstentum Köln, hatte aber an der Grazer Jesuitenuniversität Philosophie und Theologie studiert und sich in der Steiermark zum Priester weihen lassen. Er wurde nicht nur zum großen geistigen und wirtschaftlichen Erneuerer seines Stiftes, sondern ist auch einer der führenden Köpfe der katholischen Gegenreformation in der Steiermark geworden, die er mit Publikationen aus seiner Feder verteidigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1598 visitierte der päpstliche Nuntius in Graz Hieronymus Graf Portia das Stift und erließ Konstitutionen und Dekrete, die als Richtlinien für die Reform durch Rosolenz dienen konnten. Dieser ging aber darüber weit hinaus, sodass sich die Konventualen über die strenge Disziplin beklagten, ohne bei Bischof Brenner etwas zu erreichen. Rosolenz brachte die stiftische Wirtschaft in kürzester Zeit wieder in Ordnung, indem er rigorose Sparmaßnahmen ergriff, Außenstände eintrieb und das Privatvermögen einzelner Chorherren einzog. Mit den erwirtschafteten Mitteln vermehrte er zum einen das Stiftsvermögen durch den Ankauf von Herrschaften, Höfen und Weingärten um ein Vielfaches. Andererseits verwendete er einen großen Teil der Einnahmen für den Umbau der Stiftskirche und Stiftsgebäude, was auf heftigen Widerstand der Chorherren stieß, die sich bei Bischof Brenner über den Propst beschwerten, er habe &amp;quot;vil Kindische Gepey&amp;quot; im Gotteshaus und in der Kirchen errichten lassen. Darüber hinaus unterstützte Rosolenz nicht nur den Landesfürsten, sondern auch die Grazer Jesuitenuniversität und die Jesuiten in Leoben mit namhaften Summen. In Radkersburg baute er sogar ein Kloster für Kapuziner. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Grazer Bistumsplan=== &lt;br /&gt;
Der Plan des Grazer Hofes, die Landeshauptstadt zum Sitz eines zweiten steirischen Bistums zu machen, dazu das Stift als Dotation zu verwenden und Rosolenz als Bischof zu installieren, führte zu einem lang andauernden und bisweilen mit Erbitterung aus getragenen Kampf des Stainzer Kapitels mit Rosolenz und dessen Nachfolger. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bistumsprojekt war am Grazer erzherzoglichen Hof schon länger ventiliert worden und sollte der katholischen Erneuerung in Innerösterreich dienen. 1611 ließ Erzherzog Ferdinand dem Erzbischof von Salzburg seinen Plan der Errichtung eines Bistums mit Sitz in Graz vortragen. Diesem sollte das Stift Stainz inkorporiert und Rosolenz erster Bischof werden. Obwohl Salzburg und der Bischof von Seckau mit der Errichtung des Bistums einverstanden waren und auch die päpstliche Zustimmung nicht ausblieb, hat Rosolenz die Rechnung doch ohne den Wirt gemacht. Denn inzwischen hatte der Inhaber des Seckauer Stuhls gewechselt, und der neue Bischof hatte große Bedenken, dass die von Rosolenz erworbenen Stiftsgüter Stainz entzogen und ohne Einwilligung der Chorherren als Dotation für das Bistum verwendet würden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den größten Widerstand aber leistete der Stainzer Konvent selbst. Er lehnte jede Umwandlung und Entfremdung der Stiftsgüter als dem Willen des Stifters, wie auch dem Gelübde der ''stabilitas loci'' eines Chorherren zuwiderlaufend ab, denn die Verwirklichung des Projektes hätte für die Konventualen die Übersiedelung nach Graz bedeutet. Kaiser Ferdinand II. ließ sich durch diese Schwierigkeiten nicht beirren, und die Verhandlungen gingen allseits weiter. Je mehr Zeit verstrich und je konkreter die Pläne wurden, desto zäher stellte sich das Stainzer Kapitel dagegen. Zuletzt appellierte es in einem Schreiben an den Apostolischen Stuhl, in dem es alle Schuld an den Auseinandersetzungen dem unbeliebten Propst zuschrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber starb Rosolenz 1629. Als Mitglied des Prälatenstandes im steirischen Landtag hat Rosolenz seine Person ganz in den Dienst der Gegenreformation gestellt. Seine politischen Funktionen als Landtagsmitglied, Beauftragter und Verordneter der Landschaft, erzherzoglicher Rat sowie von 1612 bis 1615 als Hofkammerpräsident für Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain und Görz) vervielfachten seinen Einfluss auf das öffentliche Geschehen und bedeuteten eine kaum noch zu überbietende Anerkennung seiner Fähigkeiten und das unbedingte Vertrauen in seine Person durch Erzherzog Ferdinand. Aus diesen Tätigkeiten raffte ihn am 3. März 1629 ein plötzlicher Tod. Bischof Brenner selbst führte die Leiche des Verstorbenen nach Stainz, wo er in der Stiftskirche bestattet wurde. Einen bedeutenderen Propst hat Stainz weder vorher noch nachher gehabt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod von Rosolenz war das Bistumsprojekt aber noch nicht gefallen, der Streit vielmehr prolongiert. Ein päpstliches Dekret verfügte die Übereignung der drei Stiftsherrschaften Horneck, Rohrbach und Ettendorf und von 50.000 Gulden Bargeld an die Mensa des zu errichtenden Bistums, auch gegen den Willen der Kanoniker und des Diözesanbischofs. 1631 wurde der neue Propst Dr. phil. [[Simon Eberhard]] vom Kaiser nach Wien gerufen und zum Bischof von Graz designiert. Als Dechant des Stainzer Kapitels war Eberhard ein entschiedener Gegner des Bistumsplanes gewesen, als designierter Bischof aber nahm er diese Würde ohne Widerstreben an. Ein in Rom geäußerter Einwand, dass dem neuen Bistum die ganze Propstei einverleibt werden müsse und außerdem die Zustimmung des Propstes und des Stiftskapitels erforderlich sei, brachte das Projekt schließlich doch noch zu Fall. Dass diese Ereignisse das Zusammenleben zwischen Propst und Kapitel schwer belasteten und den Frieden im Haus jahrelang nachhaltig störten, war eine nicht zu vermeidende Folge des Streites.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift in der Barockzeit=== &lt;br /&gt;
Von den Pröpsten des 17. Jahrhunderts machte sich [[Georg Seyfried Freiherr Jöchlinger]] (1666–1684) dadurch unsterblich, dass er den Neubau des Stiftes und die Barockisierung der Stiftskirche in Angriff nahm. 1669 wurde das Stift auf sein Ansuchen in die &amp;quot;Lateranensische Kongregation&amp;quot; aufgenommen, sodass sich der Propst als &amp;quot;I. Abbas Lateranensis&amp;quot; bezeichnen konnte. Dies löste sofort Befürchtungen der kirchlichen Behörden aus, das Stift könnte sich der Jurisdiktion des Ordinarius entziehen und als exemt betrachten. Propst Jöchlinger starb 1683 im Grazer Stainzerhof, ihm folgte bis 1704 [[Johann Bernhard Freiherr von Paumgarten]]. Dieser setzte die Ausgestaltung von Kirche und Kloster fort, und 1695 konnte der neue Hochaltar der Stiftskirche geweiht werden. Die Vollendung der Innenausstattung des Gotteshauses fiel bereits in die Zeit seines Nachfolgers [[Christoph Horatius Carminelli]] (1705–1724).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Aufhebung des Stiftes und Versuche zur Wiedererrichtung=== &lt;br /&gt;
Auf Amand Joseph Freiherr von Paumgarten (1724–1748) folgte schon der letzte Propst, [[Johann Anton de Angelis]] (1748–1782). Er hieß eigentlich Engel und war der Sohn eines aus Italien stammenden Leinenwebermeisters im Markt Stainz, der als &amp;quot;Engelwirt&amp;quot; auch ein Gasthaus betrieb und ein Wappen führte. Angelis dürfte der einzige gebürtige Stainzer als Stiftsvorsteher gewesen sein. Unter ihm wurden noch mehrere Seitenaltäre sowie neue Kirchenbänke aufgestellt und die Kanzel errichtet. Nicht nur der disziplinäre Niedergang im Konvent, sondern auch wirtschaftliche Fehlentscheidungen des Propstes und die ersten Anzeichen josephinischer Klosterfeindlichkeit verdüsterten de Angelis' Amtszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schlaganfälle hatten ihn zuletzt fast völlig gelähmt, weshalb 1781 der Dechant die geistliche und weltliche Verwaltung des Stiftes übernahm. De Angelis, posthum als &amp;quot;Engel der Armen&amp;quot; gelobt, starb am 28. Juli 1782, worauf die Wahl eines Nachfolgers behördlicherseits nicht mehr in die Wege geleitet wurde. Das Stift administrierte vorerst der Stiftsdechant, der aber schon nach kurzer Zeit durch einen Chorherrn ersetzt wurde. Führungsqualitäten scheinen beide nicht besessen zu haben, denn die Disziplin im Konvent sank rapide ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb trat im Februar 1785 der Vizedechant [[Georg Anton Beck]] mit dem Titel und der Würde eines Stiftsdechant an die Spitze des Stiftes, konnte aber auch nichts mehr retten. Die Aufhebung von Stainz und Pöllau war schon längst beschlossen, um dem Religionsfonds weitere Geldmittel zuzuführen. Allerdings trug der skandalöse Lebenswandel der letzten Kanoniker viel dazu bei, den Seckauer Ordinarius ebenso wie den Salzburger Erzbischof für die Aufhebung geneigt zu machen, während die staatliche Regierung die rasche Auflösung des Stiftes aus Furcht vor einem weiteren Ruin des Stiftsvermögens betrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 18. Mai 1785 erschien Kreishauptmann Wolf Graf von Stubenberg in Stainz mit dem Auftrag, das Vermögen zu revidieren, die Stiftsbeamten in Eid und Pflicht zu nehmen, die Chorherren von der Verwaltung zu entfernen und das ganze Stift mit Sequestration zu belegen. Von diesem Tag an erhielt jeder Geistliche 40 Kreuzer, der Dechant 1 Gulden zum täglichen Unterhalt. Nachdem die Vermögensaufnahme abgeschlossen war, wurde den 27 Chorherren am 16. oder 17. August 1785 die Aufhebung des Stiftes verkündet. Mitte Jänner 1786 hatten alle Chorherren das Stift verlassen, mit Ausnahme der in der Pfarre Stainz als Seelsorger tätigen. Damit hörte die Kanonie nach 550 Jahren wechselvoller Geschichte zu existieren auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schätzung des gesamten Stiftsvermögens 1785 ergab den Betrag von 784.385 Gulden 34 Kreuzern. Am wertvollsten waren die Herrschaften und Grundstücke, deren Wert über 690.000 Gulden betrug. Das Stift besaß neben fünf Weingärten bei Stainz weitere 22 Weingärten in der Untersteiermark, wovon die 14 Weingärten bei Marburg allein 38.000 Liter Wein erbrachten. Durch die Aufhebung wurde das ehemalige Stift samt seinen Besitzungen Staatsherrschaft und von Beamten zugunsten des Religionsfonds verwaltet. In der Folge dienten die Stiftsgebäude für Verwaltungszwecke, später als Kaserne, Kriegsgefangenenlager für französische Soldaten und Heereslazarett, wobei die Gebäude zusehends verwahrlosten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1802 trat eine Gruppe von Exchorherren mit einer Eingabe an das Gubernium heran, die den Wunsch nach Wiedererrichtung des Stiftes beinhaltete. Die darüber gepflogenen Erhebungen waren 1807 abgeschlossen und ergaben, dass elf Exkanoniker zur Rückkehr in ihr früheres Stift bereit waren, doch ordnete das Gubernium weitere Untersuchungen an, die im folgenden Jahr mit der Abweisung des Begehrens endeten. F. Röhrig vertrat 1979 die Meinung, dass die Wiedererrichtung des Stiftes hauptsächlich am Fehlen eines Expropstes gescheitert sei, der die Wiedererrichtung mit größerem Rechtstitel und Nachdruck hätte betreiben können. Der Hauptgrund für die definitive Ablehnung war aber doch der, dass bei einer Wiedererrichtung des Stiftes Stainz diesem der Religionsfonds den größten Teil des ehemaligen Vermögens hätte refundieren müssen, was eine Schmälerung der Fondsmittel bedeutet hätte, die der Staat nicht zulassen wollte. Im frühen 19. Jahrhundert wurde die Staatsherrschaft Stainz an einen Privaten veräußert und 1840 gelang es Erzherzog Johann, die ehemaligen Stiftsgebäude samt dem noch vorhandenen Grundbesitz anzukaufen. Seither blieben Schloss und Gut im Besitz seiner Nachkommen, der Grafen von Meran. Überregionale Bedeutung erlangte Stainz in der Gegenwart durch die im Rahmen der &amp;quot;Styriarte&amp;quot; unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt in der Pfarrkirche dargebotenen musikalischen Aufführungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konföderationen==&lt;br /&gt;
Schon früh hat sich Stainz mit anderen Klöstern gebetsverbrüdert: 1296 (nach einer anderen Quelle erst 1311) mit dem Mutterkloster Seckau, 1319 mit Rein (erneuert 1407), 1328 mit Eberndorf und 1366 mit dem Domstift Gurk. 1382 verpflichtete sich Stainz gegenüber Vorau, das in Vorau besonders gefeierte Fest des hl. Eustachius auch in Stainz zu begehen, während Vorau die Oktav der hl. Katharina besonders feiern wollte. Die eigentliche Konföderierung mit Vorau datiert aber erst von 1495, vom selben Jahr auch die Konfraternität mit Admont. Propst Jöchlinger bekannte 1675, mit zahlreichen Klöstern in der Steiermark, Kärnten, Tirol (Neustift 1467), Ober -und Niederösterreich (Herzogenburg 1401) sowie in Bayern gebetsverbrüdert zu sein. Die alte Konfraternität mit Klosterneuburg wurde 1739 erneuert.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Schule==&lt;br /&gt;
In Stainz wurde bereits im Zuge der Gründung eine Knabenschule eröffnet, wohl um den Klosternachwuchs sicherzustellen. 1247 wird ein Wildung ''scolaris'', also Schulmeister, urkundlich genannt. Interessant ist die Urkunde von 1352, mit der Otto und Diemut Vreynberger zum Dank für die liebevolle Erziehung, den vorzüglichen Unterricht und die väterliche Behandlung ihres Sohnes, die zehn Jahre gedauert hatte, dem Propst etliche Güter widmeten. 1755 wurde an allen nicht verhinderten Sonntägen durch einen Chorherrn im Beisein des Schulmeisters den Schulkindern und auch einigen Erwachsenen von der Kanzel die gewöhnliche christliche Lehr gehalten. Einen Schulmeister gab es auch in St. Stephan ob Stainz.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Karitative Tätigkeit== &lt;br /&gt;
1271 wird ein ''hospitalarius'' der hl. Katharina in Stainz erwähnt, dem der Vizedom von Leibnitz die Einkünfte von 18 Mark jährlich zur Verwendung zuwies. 1363 stiftete der Pfarrer Martin von St. Stephan dem Kloster einen Weingarten, dessen Ertrag u.a. dem Konvent-Krankenhaus dienen sollte. 1365 werden in einer Urkunde der Kuster, das Siechenhaus und die &amp;quot;sichen herren&amp;quot; erwähnt. Das Siechenhaus wurde noch 1438 von Propst Sigmund bestiftet. Auch der Armen hat man in Stainz nicht vergessen. Das Visitationsprotokoll von 1545 sagt, dass man vor Jahren jedem armen Menschen ein &amp;quot;mäßl Wein, ein laibel Brot&amp;quot; und einen Pfennig gegeben habe. Da aber so viele Arme gekommen seien, habe man sich diese Großzügigkeit nicht mehr leisten können , weshalb diese Spende jetzt nur noch an die Hausarmen, und zwar jeden Freitag, verteilt werde.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der Stifter des Klosters, Leutold von Wildon, war als Angehöriger eines im Lande hochangesehenen und vermögenden Geschlechtes durchaus in der Lage, ein Stift zu gründen und zu dotieren. 1249 nannte er folgende, von ihm selbst getätigte Schenkungen an seine Gründung: den Baugrund der Kirche, den Markt Stainz mit seinen Gründen, Äckern, Wiesen und Wäldern, die Dörfer Grafendorf und Graggerer bei Stainz, Höfe in Stallhof und Gschwendt, Huben in Schwarzenschachen und Herbersdorf und das Fischrecht im Stainzbach. Dem Salzburger Erzbischof hatte er sein Patronatsrecht über die Pfarre St. Johann in Feistritz abgetreten, damit dieser dem Stift die Mutterpfarre St. Stefan bei Stainz überlasse. Ebenso gehörte die Pfarre St. Georgen bei Ettendorf zum Stiftungsgut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich ist auch die Verfügung Leutolds, mit der er kurz vor seinem Tod dem Propst die Gerichtsbarkeit über seine und seines Bruders Ulrich Vasallen übertrug, unter diesem Aspekt zu sehen. Trotzdem wird die Dotierung durch Leutold als bescheiden bezeichnet. In der Folge kamen zwar viele Besitzungen unter verschiedensten Rechtstiteln an das Stift, zumeist in der näheren oder weiteren Umgebung gelegene Höfe, Hofstätten, Huben, Wiesen, Äcker, Weingärten, Wälder und Zehente, doch es waren meist kleine, verstreute Stücke, von denen einige noch dazu mit Seelgerätstiftungen zu Altären in der Stiftskirche belastet waren. Wirklich große Schenkungen durch die Landesfürsten, den Hochadel oder einzelne Bischöfe, wie sie andere Klöster erfahren durften, waren bei Stainz die Ausnahme, weshalb das Stift lange Zeit das kleine Kloster von Stainz blieb, wie es in einer Urkunde von 1328 heißt. Unter den namhaften Güterspenden sind die Seelgerätstiftung des Bischofs Friedrich von Seckau von 1309 über eine Mark Gülten für ein Ewiges Licht und 30 Messen, die Abtretung des Eigentumsrechtes am Schwaighof zu Ettendorf durch den Graf von Pfannberg 1323 und die Seelgerätstiftung des Pfarrers Heinrich von St. Peter im Sulmtal von 1365 hervorzuheben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint, dass die Lasten aus diesen Stiftungen für die Kanonie mitunter größer waren als der wirtschaftliche Nutzen davon. Unter Propst Wildung (1285–1296) wurde in der Steiermark der auf dem 14. allgemeinen Konzil von Lyon (1274) beschlossene Kreuzzugszehent gesammelt, der aus einem sechsjährigen Zehent aller geistlichen Einkünfte bestand. Die Kirche von Stainz und ihre Filialen St. Stefan, St. Georg in Ettendorf und die Laienkirche St. Jakob im Ort Stainz, mussten dafür ungefähr 20 1/2 Mark Grazer Münze aufbringen. Die angespannte Lage des Stiftes während des ganzen Mittelalters vermochte die Marktfreiheit des Ortes Stainz, die dieser seit der Zeit der Gründung besaß, nur wenig zu lindern. Herzog Albrecht III. räumte 1372 dem Markt Stainz dieselben Rechte ein, wie sie die landesfürstlichen Städte besaßen, worunter die Abhaltung von Märkten verstanden wurde. 1443 bestimmte Friedrich III. den Sonntag nach Pfingsten als weiteren Markttag für Stainz. Das Privileg erlaubte jedermann, 14 Tage vorher und 14 Tage nachher freien Handel zu treiben, was der ganzen Region und letztlich auch dem Stift wirtschaftlich zugute kam, die Situation des Klosters aber trotzdem nicht entscheidend verbessern konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Sigmund von Lemsitz]] (1438–1461) sah sich angeblich außerstande, mit den geringen Einkünften 50 Personen versorgen zu können, worunter neben den Konventualen auch die Stiftsangestellten zu verstehen sind. Sein Nachfolger war sogar gezwungen, einige Stiftsgüter zu veräußern. Das Stift bemühte sich daher in Rom um die Inkorporierung der reichen Pfarren Mooskirchen und Hengsberg. Obwohl Kaiser Friedrich III. und König Maximilian I. sich sehr für Stainz und sein Anliegen einsetzten und mehrere Päpste hintereinander damit befasst waren, 1489 sogar eine Bulle Innozenz' VIII. mit der Verfügung der Inkorporation erging, wurde diese dennoch nicht durchgeführt. Das Rennen machte zuletzt das Bistum Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem schon König Maximilian I. allen Klosterbesitz zu seinem Kammergut erklärt hatte, scheute sich König Ferdinand I. nicht, den Klöstern und der Pfarrgeistlichkeit über Jahrzehnte hinweg schwere Finanzlasten zur Bekämpfung der Türken aufzubürden. Infolge der &amp;quot;Quart&amp;quot; verlor Stainz 1530 das &amp;quot;Rainbach-Amt &amp;quot; in der Gemeinde Sierling (26 Untertanen mit ihren Gütern) und Grafendorf an kauflustige Adelige, ein wirtschaftlicher Schock für das wenig begüterte Stift, auch wenn Grafendorf 1553 wieder zurückgelöst werden konnte. 1537 nahm der König bei der Geistlichkeit ein Darlehen auf, wozu der Erzbischof von Salzburg in zwei Raten 6.000 Gulden, Admont 600 Gulden, Seckau 500 Gulden, St. Lambrecht 400 Gulden und das kleine Stainz 100 Gulden zahlte. Zwei Jahre später streckte Stainz wieder 100 Gulden vor, es folgte ein Zwangsdarlehen bei der innerösterreichischen Geistlichkeit, von dem Stainz mit 500 Gulden betroffen war. Schon diese Summen konnten offenbar nur durch Anleihen bei reichen Adeligen der Umgebung aufgebracht werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Ungunst der Zeit sank die Gült des Stiftes von 567 auf 428 und zuletzt auf 403 Pfund, wie die Gültschätzung des Jahres 1542 ergab. Außerdem hatte Stainz vier gerüstete Pferde für das Landesaufgebot gegen die Türken zu stellen, ebensoviel wie der Ritter Falbenhaupt, während Admont 35 gerüstete Pferde stellte. Eine weitere Forderung des Königs 1556 über 50.000 Gulden, für die die Kirche alle Güter zum Pfand setzen und Stainz 2.000 Gulden beitragen sollte, vermochte das Stift, nach Erschöpfung der Barmittel, nur durch die Verpfändung zweier Ämter an Sigmund von Wildenslein aufzubringen. Die elfjährige Regierung des Propstes Sebastian Fuchs (1585–1596) bedeutete einen Tiefststand in der wirtschaftlichen Gebarung des Stiftes. Umso deutlicher fiel der Aufstieg des Klosters zur wohlhabenden Grundherrschaft und einem der reichsten Klöster des Landes unter Propst Jakob Rosolenz (1596–1629) aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosolenz muss ein Finanzgenie gewesen sein. Seine ausgezeichneten Beziehungen zu den Seckauer Bischöfen [[Martin Brenner]] und [[Jakob Eberlein]] wie zum Landesherrn Erzherzog Ferdinand, dem späteren Kaiser Ferdinand II., dürften ihn in die Lage versetzt haben, aus seiner politischen Stellung im Hof-und Landesdienst Kapital für das herunter gewirtschaftete Stift zu schlagen. Dieser Propst hat das Stift bereichert wie keiner seiner Vorgänger. Hatte er zu Beginn seiner Regierung noch das Amt Rottenmann in der Obersteiermark veräußern müssen, kaufte er schon 1602 die Herrschaft Rohrbach (heute St. Josef) und 1604 den Edelsitz Lichtenberg, auch Stainzhofen genannt. 1612 schenkte ihm der Erzherzog den ihm gehörenden &amp;quot;Haimberhof&amp;quot; in der Stadt Graz, der zum Stadthaus des Stiftes wurde und seither &amp;quot;Stainzerhof&amp;quot; hieß. 1613 erhielt der Propst für ein Darlehen von 40.000 Gulden die Herrschaft Pettau/ Ptuj zum Pfand, 1614 wurden der Edelsitz Ettendorf, im Jahr darauf etliche Weingärten vom Freiherrn von Herberstein käuflich erworben, und 1620 schließlich kaufte Rosolenz die Herrschaft Horneck in der Südweststeiermark. Die Stiftskirche hat er im Stil der Renaissance erneuert, wovon heute fast nichts mehr zu sehen ist. Daneben hat er viel gebaut und sogar noch andere Ordensgemeinschaften und Institutionen finanziell großzügigst unterstützt. Das Geld scheint ihm nie ausgegangen zu sein, denn bei seinem Tode hinterließ er seinem Nachfolger nicht nur eine blühende Wirtschaft, sondern auch 50.000 Gulden in bar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Simon Eberhard]] (1629–1649) konnte mit den vorhandenen Geldern die Güterkäufe noch einige Jahre fortsetzen. Zu diesen Erwerbungen gehörten auch Herrschaften, die Adelige nur deshalb verkauften, weil sie als Evangelische das Land verlassen mussten: 1629 Schloss und Herrschaft Leonrod als Lehen des Stiftes St. Lambrecht, im Jahr darauf die Herrschaft Vasoldsberg, die nur vier Jahre beim Stift blieb, 1634 Schloss und Herrschaft Lankowitz und zuletzt 1648 die kleine Herrschaft Herbersdorf. Dann erfolgten keine größeren Erwerbungen mehr. Alle genannten Herrschaften, mit Ausnahme des wieder abgestoßenen Vasoldsberg, blieben bis zur Aufhebung in Stiftsbesitz. Dementsprechend betrug 1640 die Gült des Klosters 1.392 Pfund. Die Einkünfte daraus ermöglichten es den Pröpsten des 17. und 18. Jahrhunderts, Stainz in barocker Pracht erstehen zu lassen. Dies geschah mitunter auf Kosten der Untertanen, von denen das Stift zeitweise erhöhte Robot und Abgaben verlangte. 1768 reichten die Bauern ihre neun Punkte umfassenden Beschwerden direkt bei Hofe ein, wo ihnen teilweise recht gegeben wurde, während die Grazer Kreisamtsbehörde als Erstinstanz den Beschwerdeführern strengstens untersagte, sich nochmals direkt nach Wien zu wenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits verschuldete sich das Kloster im 18. Jahrhundert wieder. Verschiedene Gründe können dafür genannt werden. Die Stiftsherrschaften warfen keine Gewinne mehr ab, da ihre Bewirtschaftung durch Beamte teuer war, weshalb zuerst Kanoniker die Wirtschaft führten, bis man die Herrschaften verpachtete. Als schwerer Fehler des Propstes de Angelis erwies sich die Gewährung eines unbesicherten Darlehens an den Grafen von Plettenberg in Wien, das über 43.000 Gulden betrug, die das Stift wegen des Konkurses des Grafen nur zum kleineren Teil zurückerhielt. Außerdem war der Aufwand für Propst und Kanoniker sowie andere Ausgaben viel zu hoch. Nach dem Tod des letzten Propstes tat sich der Inventurskommissär mit der Vermögensaufnahme des Stiftes sehr schwer, da der Stiftsanwalt dazu unbrauchbar, der Hofmeister - ein Kanoniker - verreist und auch keine ordentliche Kanzlei oder Registratur vorhanden war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Aktivstand ergab über 450.000, die Passiva dagegen betrugen schon mehr als 253.000 Gulden. Der jährliche Ertrag des stiftischen Gesamtvermögens belief sich auf fast 7.900 Gulden und sollte nach Meinung des Kommissärs nicht nur ausreichen, Propst und Kapitel zu erhalten, sondern auch die Schulden allmählich zu tilgen und einige Rücklagen zu bilden. Die genannten Zahlen sind aber teilweise zu niedrig angesetzt. Die Aufhebungskommission fand Stainz als reiches Stift vor. Allein die Herrschaften Horneck, Rohrbach (St. Josef), Lankowitz und Herbersdorf samt liegenden Gütern wurden auf über 690.000 Gulden geschätzt, der Grazer Stainzerhof, renovierungsbedürftig, war 5.000 Gulden wert, genau so viel wie alle Stiftsgebäude. Dazu kamen Weingärten in Radkersburg, Marburg/ Maribor und Luttenberg/ Ljutomer, Untertanenausstände, Bargeld, Silber, Preziosen, etc. Die Aktiva betrugen über 784.000 Gulden, die Passiva 74.600 Gulden. Das Reinvermögen belief sich daher auf fast 710.000 Gulden und der jährliche Ertrag der liegenden Güter auf 27.557 Gulden, womit sich Stainz als großer Gewinn für den Religionsfonds erwies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Stift Stainz war, zumindest anfangs, gleichsam das &amp;quot;Familienkloster&amp;quot; der Wildonier. Da der Stifter keine Söhne hinterließ, nahm sich nach dem Tode Leutolds dessen Bruder, Ulrich von Wildon, der Stiftung an, deren Errichtung er seinerzeit zugestimmt hatte. Leutold bemühte sich noch zu Lebzeiten erfolgreich, seine Gründung durch die landesfürstliche und kirchliche Obrigkeit absichern zu lassen, indem er 1233 die Bestätigung durch Herzog Friedrich II., 1247 die des Seckauer Bischofs und 1249 die Papst Innozenz IV. erreichen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Genehmigung des Salzburger Erzbischofs setzt der 1232 erfolgte Eintausch des Salzburg gehörenden Baugrundes, auf dem die Katharinenkirche des Klosters gerade errichtet worden war, voraus. Nach der ersten Urkunde vom 23. März 1249, die angeblich gefälscht ist und von Pitter nach 1343 angesetzt wird, hat Leutold von Wildon dem Kloster das Privileg der Vogtfreiheit und Immunität gewährt, wozu wohl die Erlaubnis des Landesfürsten Voraussetzung war. Später erfolgten zahlreiche weitere Bestätigungen der Stiftsprivilegien, so z.B. durch Herzog Stephan von Slawonien, Statthalter König Belas IV. von Ungarn in der Steiermark (1257), König Ottokar von Böhmen (1276), König Rudolf (1277) und andere habsburgische Landesfürsten. Von diesen waren jene des Herzogs Stephan und König Ottokars von größerer Bedeutung, denn ersterer bestätigte die Vogtfreiheit und Exemtion des Stiftes und Marktes, während der böhmische König erklärte, auf freiwilliges Verlangen des Konventes den Landeshauptmann von Steiermark als Vogt für das Kloster bestellen zu wollen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die landesfürstliche Privilegienbestätigung 1356 erklärte das Kloster als unmittelbar unter des Kaisers und Reiches Schutz stehend. Vogt des Klosters war dessen Diözese das Kloster lag. Konfirmationsurkunden der Bischöfe von Seckau sind aber erst von 1494 und 1518 erhalten. Die freie Propstwahl wurde dem Stainzer Kapitel 1268 vom Bischof von Lavant ausdrücklich bestätigt. Papst Bonifaz VIII. (1294–1303) sicherte dieses Recht dem Stift neuerlich zu, unter gleichzeitiger Bestätigung des Besitzstandes. 1455 behielt sich Papst Nikolaus V. die Besetzung mehrer Abteien und Propsteien in Steiermark und Kärnten vor, darunter auch Stainz, allerdings nach den Vorschlägen des Kaisers, was gegen das freie Wahlrecht des Kapitels verstieß. Später hat das Kloster das Wahl- bzw. Postulationsrecht des Propstes stets wahren können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist als Glücksfall zu betrachten, dass die in Stainz zuletzt benützte Wahlurne von ca. 1700 erhalten geblieben ist. R. Pitter übergab sie 1935 dem Diözesanmuseum Graz. Sie ist aus Buchenholz, hat die Form eines Speisekelches und ist schwarz poliert. Aus den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts gibt es wiederholt Nachrichten über die Funktion des Propstes als Kommisär Salzburgs bei der Einführung neuer Pfarrer in ihre Pfarren. 1480 wird Propst Augustin anlässlich einer solchen Einsetzung sogar als Archidiakon von Ober- und Untersteiermark bezeichnet. Das Recht der Pontifikalien wurde dem Stainzer Propst 1453 von Papst Nikolaus V. erteilt. Das Privileg gestattete dem Propst auch, Altäre und Paramente in den eigenen Kirchen zu weihen. Als Vertreter des geistlichen Großgrundbesitzes gehörten die Pröpste zum Prälatenstand der steirischen Stände und übten als seine Mitglieder wiederholt öffentliche Funktionen aus. Schon für Mitte Februar 1457 ist die Teilnahme des Stainzer Propstes am Landtag verbürgt. Rosolenz war 1628 als erster Stainzer Prälat Mitglied des Verordnetenkollegiums des Landtages. Nach ihm auch die Pröpste Johann Bernhard und Christoph Horatius. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Auszeichnung für die Stiftsvorstände bedeutete ihre Ernennung zum landesfürstlichen Rat, welche Ehre zuerst Propst Rosolenz als Günstling Erzherzog Ferdinands zuteil wurde, später trugen die Pröpste Jöchlinger, beide Paumgarten und Carminelli den Titel &amp;quot;kaiserlicher Rat&amp;quot;. Propst Johann Bernhard von Paumgarten und seine beiden Nachfolger nannten sich zudem lateranensische Äbte, weshalb Stainz auch als Abtei bezeichnet wurde. Der Chorherr [[Joseph Maria Kreuzer]] erlangte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sogar die Würde eines Apostolischen Protonotars, die auch einer der letzten Chorherren bekleidete. Der Ort Stainz, 1230 Markt genannt, hatte schon zu diesem Zeitpunkt auch einen Marktrichter, der 1245 namentlich genannt wird. 1249 trat Leutold von Wildon mit dem Markt auch das Recht der Gerichtsausübung an das neugegründete Stift ab. Die Bestellung des Marktrichters erfolgte jedoch auf Grund freier Wahl, der Propst hatte nur ein beschränktes Mitspracherecht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aus der Zeit des Propstes [[Leonhard Grasmayr]] stammende Stainzer Marktrichterstab ist noch heute vorhanden. Die bisherige Forschung war sich nicht im klaren, ob das Stift bei seiner Gründung auch die hohe Gerichtsbarkeit über den Marktbereich erlangt habe. Denn 1597 wird von einem Landgericht und Burgfried des Marktes Stainz gesprochen, der sich etwa eine Quadratmeile ausdehnte. Der flächenmäßig viel ausgedehntere Burgfried des Stiftes hin gegen unter stand dem Landgericht Wildon, an das Schwerverbrecher nur mit dem Gürtel umfangen ausgeliefert wer den mussten, während leichtere Vergehen in Stainz abgeurteilt werden konnten. Der schon lange erhobenen Forderung der Stainzer Bürger nach Rückgabe der Gerichtsbarkeit entsprach Propst Rosolenz 1597 dadurch, dass der Stainzer Marktburgfried die Landgerichtsfreiheit haben sollte, das Stift sich aber im Marktburgfried und im Stiftsburgfried des eigenen Landgerichtes zu betragen habe. Es war also eine Delegation des Landgerichtes, das eigentlich dem Kloster als Herrn des Markt es zustand. 1694 und 1760 wurden in Stainz zwei Hinrichtungen mit dem Schwert vorgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Persönliche Zusammensetzung und zahlenmäßige Stärke eines Klosterkonventes sind Kriterien seines Gedeihens. 1332 bestand der Konvent aus dem Propst und vier Chorherren. Mitglieder des niederen Adels und wahrscheinlich auch des Bürgertums füllten damals die Reihen der Chorherren. 1358 befand sich ein Sohn des Ulrich Hagen im Kloster, 1334 werden Friedrich und [[Ulrich die Winterhofer]], 1371 [[Gottschalk der Chröczer]] als Mitglieder des Konventes genannt. Zahlreiche Stainzer Chorherren erscheinen in den Weiheregistem der Seckauer Bischöfe von 1425 bis 1507. Bis in das 17. Jahrhundert dürfte die Anzahl der Konventualen nie über zehn hinausgekommen sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die landesfürstliche Visitation 1528 fand im Stift außer dem Propst sieben Chorherren, die friedlich zusammenlebten. Auch 1545 waren Propst und Konvent &amp;quot;aineß erbaren geistlichen wandelß und wesenß&amp;quot;, lebten nach der Regel und trugen ihre schwarzen Röcke mit dem &amp;quot;weißleynen sarrokh&amp;quot; darüber. 1553 wählten fünf Chorherren, von denen einer des Schreibens unkundig war, den neuen Propst. Einige Jahrzehnte später hatte sich die Situation insofern verändert, als neben fünf Mönchen auch zwei Konkubinen und vier Kinder im Stift lebten. Das war zur Zeit der Hochblüte des Protestantismus in der Steiermark. Alle Konventualen dieser Zeit waren bürgerlicher Herkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem allgemeinen Tiefstand Ende des 16. Jahrhunderts erholte sich unter Propst Rosolenz das Stift in jeder Hinsicht ungemein rasch. 1601 schrieb Nuntius Portia den Chorherrenstiften der Steiermark ein einheitliches Ordenskleid vor, denn er hatte bemerkt, dass dieses nach Farbe und Schnitt verschieden war. Kurz bevor Rosolenz starb, lebten außer ihm bereits wieder zehn Kanoniker im Kloster, die aus der Mark Brandenburg, aus Köln, aus Linz sowie aus Krems in Niederösterreich stammten. Die Zahl der Kanoniker stieg in der Folge aber nur langsam, wenn auch stetig an. Noch 1639 betrug sie nur 13, und alle Chorherren waren bürgerlichen Standes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1666 wählten 14 Priester, zwei Diakone und ein Subdiakon den neuen Propst. Dessen Nachfolger, [[Johann Bernhard von Paumgarten]], hatte sich in den letzten Jahren seiner Regierung mit den Exzessen zweier Konventualen zu befassen, die er eigentlich wegen Untauglichkeit zum Klosterleben hätte entlassen müssen. Der eine hatte das Siegel des Propstes gefälscht und damit in Graz 2.300 Gulden ergaunert, war dann auf der Flucht gefasst und vom Stift interniert worden. Der andere hatte homophile Neigungen, denen zahlreiche junge Männer zum Opfer fielen. Er wurde im stiftischen Schloss Lankowitz eingesperrt, setzte aber auch dort sein Treiben fort. Er dürfte in der Haft gestorben sein. Schließlich verfiel der Propst selbst der Suspendierung durch den Bischof von Seckau aus Gründen der Insubordination, doch scheint diese nicht strikt exekutiert worden zu sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man 1705 zur Wahl eines neuen Propstes schritt, befand sich der Konvent in einem personellen Höchststand: Der Dechant war 40 Jahre alt und stammte aus Graz. Weitere 19 Chorherren waren Priester und alle, bis auf drei, zwischen 25 und 44 Jahre alt. Zwei Herren waren noch Diakone, einer erst Subdiakon. Dazu kam der in Lankowitz inhaftierte Chorherr, der sein Stimmrecht verloren hatte. Neun Chorherren waren von Adel, der Rest der Konventualen gutbürgerlicher Herkunft, aus dem Bauernstand stammte keiner. Elf Konventualen nannten Graz als Heimatstadt, acht kamen aus der Steiermark, jedoch keiner aus Stainz selbst, der Rest nannte Kärnten, Salzburg, Wien, Niederösterreich und Böhmen als Heimat. Das Durchschnittsalter der 24 Chorherren betrug 37 Jahre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert traten wiederholt Mitglieder landständischer Familien in das Stift ein. Darunter [[Leopold Wilhelm Graf Galler]] von Schloss Lannach, ein Graf Saurau, zwei Freiherren Jöchlinger, der eine, Georg Seyfried, wurde Propst, der andere war dessen Neffe, zwei Freiherren von Paumgarten, die beide zur Propstwürde kamen, zwei Brüder Freiherren Ottenfels aus Kärnten, ein Graf Morelli aus Graz sowie mehrere Angehörige des niederen steirischen (Beamten-) Adels. 1775 starb im Chor bei der Komplet, vom Schlag getroffen, [[Maria Karl Graf von Hainrichsperg]], letzter hochadeliger Chorherr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klagen über die damals ziemlich gesunkene Disziplin der meisten Konventualen drangen nicht nur dem Ordinarius zu Ohren, auch die staatlichen Regierungsbehörden waren hellhörig geworden. Manche Chorherren unternahmen in Begleitung von Damen aus Stainz Fahrten im Wagen oder Schlitten auf die Stiftsherrschaften und bis nach Marburg/ Maribor, besuchten Faschingveranstaltungen, frequentierten in Stainz und Graz Gasthäuser und kamen oft erst spät in der Nacht oder tagelang überhaupt nicht ins Stift. Die Konventualen trugen bis auf einen keinen Habit mehr. Trotz vieler Priester wurden an den Sonn- und Feiertagen so wenig Messen in der Stiftskirche gelesen, dass sich die Bürger von Stainz darüber beschwerten. Propst de Angelis konnte diesem Sittenverfall, trotz häufiger Ermahnungen an die Konventualen und wiederholter bischöflicher Visitationen, nicht mehr wehren, denn seine guten Absichten wurden vom Dechant durchkreuzt. Aus diesen Gründen war sowohl der Bischof von Seckau wie auch die Regierung der Ansicht, dass es besser sei, Stainz aufzuheben. Das Stift ist also auch an der Dekadenz seiner eigenen Mitglieder zugrunde gegangen. Am Tage der Aufhebung befanden sich 24 Chorherren im Stift, die bis auf drei bürgerlicher Herkunft waren und fast alle aus der Steiermark stammten. Jene, die körperlich in der Lage waren, wurden zur Ausübung der Seelsorge im Bereich des Bistums Seckau verpflichtet, unter Androhung des Verlustes ihrer staatlichen Pension im Weigerungsfalle. Als einziger von ihnen machte [[Ludwig Maximilian von Jacomini]] eine kirchliche Karriere, er wurde Domherr des Seckauer Kapitels in Graz, 1816 sogar Dompropst und saß in dieser Eigenschaft als Repräsentant des Domkapitels im Landtag. Der letzte Stainzer Exchorherr starb 1831 in Graz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Propst Johann Bernhard von Paumgarten hinterließ bei seinem Tod 1704 auch eine Bibliothek, die auf zwölf Stellagen untergebracht war. 1782 zählte man 2.520 Bände, unter denen sich die meisten &amp;quot;Hl. Vätter&amp;quot; vorfanden, aber auch die &amp;quot;Acta sanctorum&amp;quot; des Johannes Bollandus. Drei Jahre später, bei der Aufhebung, wurde festgestellt, dass sich die Bibliothek in gänzlicher Unordnung befand und kein Katalog der Bestände vorhanden war, nur ein unverlässliches Repertorium. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb konnten die Bücher auch nicht einzeln aufgenommen werden, doch gab es Werke verschiedener Disziplinen (Theologie, Jus, Geschichte etc.). Zusätzlich standen bei den Büchern noch zwei Globen. Der vernachlässigte Zustand der Bibliothek wird auf den Lebensstil der letzten Chorherren zurückgeführt, die für wissenschaftliche Betätigung wenig Interesse zeigten. Das Stift muss als Gründung des frühen 13. Jahrhunderts sicher zahlreiche Handschriften besessen haben, von denen nur ein kleiner Rest erhalten ist. Die Grazer Universitätsbibliothek besitzt fünf Handschriften aus Stainz. Eine Bibelhandschrift aus dem 13. Jahrhundert zeichnet sich durch die Qualität des Pergaments und die schöne Schrift aus. Das interessanteste Stück ist jedoch ein ''Antiphonarium Salisburgense'' vom Ende des 15. Jahrhunderts (Hs. 2 der UB Graz), das wegen seiner Größe (55 x 38 cm), seines Einbandes (brauner Lederband mit Blindpressung und Messingbeschlägen) und Buchmalerei auffällt. Es trägt auf Blatt 1 die Darstellung des hl. Augustinus und der hl. Katharina zwischen zwei Chorherren in der Tracht des 15. Jahrhunderts. Bei der Aufhebung wurden im Zimmer Nr. 35 des Stiftes neben altem Holz Graffelwerch auch alte Bücher gefunden, die nur zu verbrennen gehören. Ähnlich rigoros entschied man über die Correspondenz, wodurch viel Archivalisches zugrunde ging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bücher der Bibliothek, die Manuskripte, das (restliche) Archiv und die mathematischen Instrumente wurden 1803 der k. k. öffentlichen Bibliothek in Graz übergeben. Außer den fünf Handschriften befinden sich heute auch viele Bücher in der Grazer Universitätsbibliothek. Letztere tragen am Rücken Schildchen mit Nummern, deren höchste Zahl 3.054 ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Pfarrkirche Stainz=== &lt;br /&gt;
Über die von einigen Forschern angenommene Existenz einer ersten Kapelle zur hl. Katharina &amp;quot;in der Birken&amp;quot; vor der Gründung des Stiftes wurde schon früher gesprochen. R. Kohlbach vermutete, diese &amp;quot;Urkapelle&amp;quot; sei in ihren Grundmauern noch in einem Nebenraum des Presbyteriums der heutigen Kirche vorhanden. 1978/79 im Erdgeschoss des Nordturmes durchgeführte Restaurierungsarbeiten haben an dessen nordöstlicher Innenwand ein steingemauertes Spitzbogenportal freigelegt, das vielleicht mit der von Kohlbach an dieser Stelle vermuteten gotischen (!) Katharinenkapelle in Beziehung gebracht werden könnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wann die erste Kanonikalkirche fertiggestellt war, ist schwer zu sagen. 1232 (nicht wie behauptet 1244) wurde dem Leutold von Wildon vom Salzburger Erzbischof aller Grund und Boden um die Kirche der hl. Katharina in Stainz überlassen, womit die Existenz des Gotteshauses eigentlich feststeht. Seine Errichtung bzw. Fertigstellung hat wohl etliche Jahre gedauert, der Zeitraum dafür wird mit 1230 / 50 angegeben. Die ehemals romanische und geostete Kirche ist durch spätere Umbauten nur noch gebrochen erkennbar. Sie wurde in enger stilistischer Anlehnung an das Mutterkloster Seckau errichtet. Es wird in diesem Zusammenhang von &amp;quot;sächsischen&amp;quot; Bauformen gesprochen, die durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg in seiner Diözese verbreitet worden seien. Analog der Seckauer Maßverhältnisse wurde die romanische Kirche von Stainz rekonstruiert: An das westliche Turmpaar mit der dazwischen gelegenen Vorhalle schlossen sich sechs Langhausjoche und zwei Chorjoche mit den angefügten Apsiden an. Damit ergibt sich die Länge der romanischen Kirche, ihre Breite stand mit den beiden Westtürmen seit der Erbauung fest, wobei die Seitenschiffe die halbe Mittelschiffsbreite besaßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zwei quadratischen Westtürme und Teile des aufgehenden Mauerwerks im Schiff werden als in ihrem Kern frühgotisch bezeichnet. 1363/65 werden zwei Altäre der alten Kirche erwähnt, der St.-Dorothea- und St.-Johannes-Altar. 1400 wird eine Stiftung zum Magdalenenaltar errichtet, und 1429 war die Kirche nachweislich renovierungsbedürftig. Dann schweigen die Quellen über die Kirche für fast zwei Jahrhunderte. Unter Propst Rosolenz erfolgte um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert der Neubau der Stiftskirche. Die Kirche wurde nach Westen ausgerichtet, 14 Altäre, drei Kapellen und der Kreuzgang, wo die Konventualen begraben lagen, fielen dem damaligen Neubau zum Opfer. Das Kapitel machte darüber die Anzeige beim Seckauer Bischof und warf dem Propst Zerstörungssucht vor. Rosolenz rechtfertigte sich damit, dass nur drei Altäre der alten Kirche geweiht waren, die Kapellen gar nicht, denn sie seien armselig und nur mit Brettern gedeckt gewesen. Der Zugang zur Kirche war nach Meinung des Propstes ruinös, weil vor dem Kloster erbaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosolenz ließ sich durch die Kritik aus dem Konvent nicht beirren. Zwischen 1605 und 1629 wurde der Chor der Kirche unter Einbeziehung der Türme nach Westen verlegt, weshalb das jetzige Presbyterium zwischen die beiden Kirchtürme eingezwängt erscheint, der Eingang dafür im Osten in dem von Rosolenz errichteten kleinen Hof angelegt, das Langhaus aufgeführt und eine prächtige Ausstattung im Stil der Renaissance in Angriff genommen. Am 22. Jänner 1629 wurden der Hochaltar der hl. Katharina und zwei Seitenaltäre zu Ehren Unserer Lieben Frau (links) und des hl. Augustinus (rechts) geweiht. Ein halbes Jahr nach dem Tod des Propstes erfolgte die Weihe von sechs weiteren Altären, die den Heiligen Jakob, Andreas, Johannes Baptist, Anna und Dorothea, dem hl. Kreuz und Petrus und Paulus dediziert waren. Leider ist von dieser Einrichtung nichts mehr erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fortführung des Neubaues der Stiftskirche erfolgte erst um 1680 unter Propst Jöchlinger. Als Baumeister steht der aus Deutschlandsberg stammende Ruep Schrittwieser, ein Schüler Domenico Sciassias, fest. Das Innere wurde zu einer Wandpfeilerkirche umgestaltet, die ihre Belichtung durch seitliche Emporen erhielt. Jöchlinger und seine Nachfolger Johann Bernhard von Paumgarten (1683–1704) und Christoph Horatius Carminelli (1705–1724) ließen im Chor, im Langhaus, an der Orgelbrüstung und in den Seitenkapellen die noch vorhandene üppige Stuckierung anbringen. Sie wird der Werkstätte des Alexander Serenio, der auch in Schloss Eggenberg in Graz gearbeitet hat, und Domenico Boscho zugeschrieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stuckgerahmte Wappen weisen auf die Pröpste Jöchlinger und Paumgarten als Auftraggeber hin. Die Fresken der etwa 70 Spiegelflächen der Decke stammen von Matthias Echter und wurden 1690/1700 angebracht. Im Kirchenschiff sind sie dem Leben und der Verherrlichung des hl. Augustinus gewidmet, im Presbyterium der Kirchenpatronin Katharina. Reste der frühbarocken Bemalung aus der Zeit von Propst Rosolenz wurden anlässlich der letzten Kirchenrenovierung entdeckt, aber wieder übertüncht. Seltsamerweise wird noch 1698 dem Propst von der Landschaft eine Beihilfe von 3.000 Gulden zur Behebung der  &amp;quot;Paufölligkeit dess Gottshauss&amp;quot; gewährt. Dessen Fertigstellung war offenbar noch nicht abgeschlossen. Der heute zweigeschossige Hochaltar nimmt den gesamten Chorschluss ein, trägt die Signatur des Stainzer Tischlers Matthias Jägisch mit der Jahreszahl 1689 und wurde 1695 geweiht. Er trägt das Wappen des Propstes Paumgarten, der auch den künstlerischen Entwurf geliefert haben soll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Altarblätter, darstellend das Martyrium der hl. Katharina und ihren Triumph über den Tod, werden mit gutem Recht dem fürstlich Eggenbergischen Hofmaler Hans Adam Weissenkircher zugeschrieben. Die großen Seitenstatuen stellen die vier Päpste Silvester I., Damasaus I., Cölestin I. und Leo I. sowie die Kirchenlehrer Augustinus und Ambrosius dar, kleinere Statuen der oberen Reihe zeigen die Heiligen Agnes, Margareta, Ursula und Monika. Die Seitenaltäre an den Mauerpfeilern des Fronbogens sind dem hl. Augustinus und der Immaculata geweiht, sie wurden unter Propst Carminelli aufgestellt. Die Kapellen auf der Epistelseite sind den hl. Vierzehn Nothelfern, dem hl. Josef, dem hl. Kreuz und dem hl. Rosenkranz (früher den Armenseelen), die auf der Evangeliumseite dem hl. Johann Nepomuk, der hl. Maria vom Berge Karmel (Skapulierkapelle), der hl. Anna und dem hl. Antonius von Padua zugeeignet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Annakapelle befindet sich der figurale Grabstein des Propstes Simon Eberhard (gest. 1649), der einzige eines Propstes in der Kirche. Zwischen den Altären der hl. Anna und des hl. Antonius führte früher ein Ausgang in den Stiftshof, der 1809 vermauert und bei der letzten Restaurierung statt des Lourdes-Altars ein barockes Barbarabild erhielt. Den Altar der gegenüberliegenden Barbarakapelle hat man 1809 abgetragen und einen zusätzlichen Kircheneingang statt des vermauerten Ausgangs auf der Südseite geschaffen. Der Vierzehn-Nothelfer-Altar wurde 1906 abgebrochen, das Altarblatt von Veit Hauck ist aber noch vorhanden. In der Vierzehn-Nothelfer-Kapelle befindet sich, senkrecht eingemauert, der Wappengrabstein des Stifters Leutold von Wildon mit der Angabe des Sterbedatums. Er ist aus rotem Marmor gearbeitet und wird in die Jahre 1448/49 datiert, als man im Stift die 200-Jahr-Feier seines Todestages beging und aus diesem Anlass den ursprünglichen Grabstein durch einen neuen ersetzte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der gegenüberliegenden Kapellenwand fand der 1979 entdeckte Grabstein eines Propstes Aufstellung. Unter einer gotischen Baldachinarchitektur mit gedrehten Säulen sind im Flachrelief Infel, Krummstab und ein Wappenschild wiedergegeben, das neben dem zerbrochenen Rad der hl. Katharina auch das &amp;quot;Seeblatt&amp;quot; als Stiftswappen zeigt. Inschrift trägt der Stein keine. Da erst Propst Sigmund von Lemsitz (1453) das Pontifikalienrecht erhielt, könnte der Grabstein ihm gehören. Ein anderer 1979 gefundener gotischer Grabstein mit dem Lemsitzer Wappen wurde im Erdgeschoss des Nordturmes eingemauert. Das ist alles, was aus der mittelalterlichen Kirche übrig geblieben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Altäre besitzen eine Ausstattung von dem in der Steiermark viel gerühmten Bildhauer Veit Königer (1729–1792). Er soll auch die Kanzel der Kirche geschaffen haben. Ein großer und zwei kleinere Paramentenschränke in der Sakristei datieren um 1720. Um 1740 wurden die Kirchtürme um die Glockenstube und ein weiteres achteckiges Geschoss mit barockem Helm erhöht. Propst Johann Anton de Angelis ließ 1757 das heutige Kirchengestühl aufstellen, während das hochbarocke Chorgestühl aus der Zeit um 1700 auf der Orgelempore steht. Die derzeitige Orgel ist neueren Datums. 1978/79 fand unter Pfarrer Lorenz Möstl eine grundlegende Renovierung der Pfarrkirche im Sinne des Denkmalschutzes statt. Später ist auch eine Außenrestaurierung von Kirche und Schloss erfolgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift===&lt;br /&gt;
Das ehemalige Stift erstreckt sich auf einer nördlich des Marktes gelegenen nach Osten abfallenden Hochfläche. Im Steirischen Schlösserbuch des G. M. Vischer von 1681 ist Stainz mit drei Abbildungen vertreten. Die erste zeigt das Stift vor dem barocken Umbau, mit einer Anhäufung verschieden hoher gotischer Gebäude, die von einer Mauer umgeben sind, welche von einer Reihe größerer und kleinerer Türme besetzt ist. Nur wenige Bauteile, darunter die Kirche, sind bereits barockisiert. Wahrscheinlich bildete eine alte Stiftsansicht die Vorlage für diesen Kupferstich, den Andreas Trost signiert hat. Die beiden anderen Stiche, die ebenfalls von Trost angefertigt wurden, stellen das bereits in barockem Stil um gebaute Stift dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Abbildungen geben bis auf einige spätere bauliche Veränderungen die heutige Anlage wieder. Diese ist ein Geviert, dessen nördlichen Trakt teilweise die Kirche bildet. Mittelalterlich ist nur der niedere und schmälere Westtrakt, der bei Vischer aber dieselbe Höhe wie die übrigen Trakte hat, weil dies vielleicht im barocken Bauplan so vorgesehen war. Die Seitenlänge der Trakte beträgt etwa 80 Meter. Der Komplex umfasst einen kleineren, auf Propst Rosolenz zurückgehenden Hof und den großen fast quadratischen, dreigeschossigen Stiftshof. Beide Höfe werden durch den Prälatentrakt, der an die Kirche anschließt, getrennt. Die Arkaden des großen Hofes sind bis auf das Erdgeschoss vermauert bzw. verglast, am Westtrakt aber als gemalte Gliederung angedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Trakt befinden sich drei alte gemalte Wappen für Erzherzog Ferdinand II., den Stiftsgründer Leutold von Wildon und Propst Rosolenz, die dieser vor 1629 anbringen ließ. Auf Rosolenz geht sowohl die nach ihm benannte Stiege vom Markt zum Stift als auch der Getreidekasten gegenüber dem äußeren Stiftstor zurück. 1733 wurde vor dem Stiftsportal eine Statue der Immaculata flankiert von den Heiligen Gelasius und Patritius, die J. M. Leitner geschaffen hat, aufgestellt. Der unter Propst Jöchlinger vor dem Osttrakt angelegte barocke Garten mit einem Springbrunnen in der Mitte ist als einfacher Schlossgarten noch vorhanden. Die beiden charakteristischen achteckigen Pavillons an den Enden der Gartenterrasse wurden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hinzugefügt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Stiftsansicht, die als Ölbild des 18. Jahrhunderts im Grazer Franziskanerkluster existiert, zeigt das ehemalige Stift, wie es sich als Schloss der Grafen von Meran auch heute noch präsentiert. Das Innere des Schlosses besitzt eine Reihe von Räumen, deren Stuckdecken von einstiger barocker Pracht zeugen. Im Erdgeschoss des Südtraktes befindet sich das ehemalige Refektorium mit Stukkaturen und Malereien um 1695 bis 1700. Letztere stammen möglicherweise von Matthias Echter und stellen u.a. die &amp;quot;Hochzeit zu Kana&amp;quot;, die &amp;quot;Wunderbare Brotvermehrung&amp;quot;, das &amp;quot;Gastmahl im Hause des Simon&amp;quot; und das &amp;quot;Letzte Abendmahl&amp;quot; dar. Der ehemalige Kapitelsaal lag im Südosteck des 1. Stockes und wurde 1720 von Carlo Formentini stuckiert. Im früheren Bibliothekssaal befindet sich ein übermaltes Deckengemälde (Thema: &amp;quot;Siegeszug einer Herrscherin&amp;quot;) mit den Initialen des letzten Propstes Johann Anton de Angelis. Unter den Arkaden des großen Hofes steht der beschädigte Grabstein des Propstes Georg Christoph Purgstaller (t 1654). Das Schloss wird teils als Museum, teils als Privatwohnung der Familie Meran genützt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Pfarrkirche St. Stefan ob Stainz=== &lt;br /&gt;
Die ursprünglich romanische Kirche von St. Stefan wurde um 1500 gewölbt und ist heute eine vierjochige dreischiffige Halle. Der höhere, zweijochige Chor mit 5/ 8-Schluss und Kreuzrippengewölbe soll aus dem 14. Jahrhundert stammen. An der Ostwand des südlichen Seitenschiffes befinden sich zwei Konsolköpfe, unter deren einem sich das Wappenschild der Wildonier (Seeblatt) befindet, weshalb die Köpfe Leutold und Agnes von Wildon, die Stifter von Stainz, darstellen dürften. Im Chor befindet sich eine (Sakraments-) Nische mit Renaissance-Architekturumrahmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Vom ursprünglichen Archivgut des Stiftes ist nicht alles überliefert. Das meiste davon befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv. Die Urkunden sind in die Allgemeine Urkundenreihe eingereiht, die Akten in 25 Kartons gesammelt, Archivalien über Stainz befinden sich in der Reihe Altes Landrecht (Stainz, Stift). Auch das Diözesanarchiv Graz besitzt in fünf Kartons Akten über Stift Stainz. Ebenso existieren im Wiener Allgemeinen Verwaltungsarchiv im Archivkörper Alter Kultus (Sign. 94, Stifte, Steiermark, K 773) Akten über Stainz aus den Jahren 1782 bis 1803. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ungedruckte Quellen== &lt;br /&gt;
Archiv der Diözese Graz-Seckau (DAG): Stift Stainz, X1X b 32-36; Pfarrurkunden R 2, Nr. 183, 195,286. Steiermärkiscl1es Landesarchiv Graz: (StLA): AUR, Archiv Stainz , Stift und Herrschaft (19 Kartons). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Baupläne== &lt;br /&gt;
Die ältesten Ansichten des Stiftes dürften die Kupferstiche des Andreas Trost nach Zeichnungen G. M. Vischers in der &amp;quot;Topographia ducatus Stiriae&amp;quot; von 1681 sein. Stainz ist mit drei Ansichten vertreten, wobei die erste das Stift noch größten teils gotisch zeigt. Der Stich ist wahrscheinlich nach einer alten Ansicht im Stift entstanden. Die beiden anderen Darstellungen zeigen das umgebaute, barockisierte Stift aus östlicher und westlicher Richtung. Da die Kirchtürme bereits weit über das Kirchendach hinausragen, ihre Erhöhung aber erst Jahrzehnte später erfolgte, geben die beiden zuletzt genannten Stiche den Bauplan der Barockanlage wider. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Ölbild im Grazer Franziskanerkloster, darstellend das Stift von Süden, lehnt sich an eine der Darstellungen G. M. Vischers an, ist aber späteren Datums, wie an den Gartenpavillons erkenntlich ist, die erst im 18. Jahrhundert erbaut wurden. Eine kleine Ansicht des Stiftes um 1720 ist auf dem Antependium des Marienaltares in der jetzigen Pfarrkirche Stainz zu sehen. Sie zeigt die Kirchtürme noch vor ihrer endgültigen Erhöhung. Bei Lackner ist eine Rekonstruktion des Grundrisses der romanischen Kirche über dem Grundriss der heutigen abgebildet. Kohlbach und Lackner bieten einen Grundriss der jetzigen Kirche im Maßstab 1:750, Lackner darüberhinaus auch einen Querschnitt der Kirche und einen Grundriss von Schloss samt Kirche. Sie gehen z.T. auf Erhebungen im Auftrag des Bundesdenkmalamtes 1951 zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik== &lt;br /&gt;
===Siegel===&lt;br /&gt;
Das Siegel des Stainzer Kapitels ist ab 1297 nachzuweisen und wurde bis ins 16. Jahrhundert verwendet. Im Siegelfeld steht in Dreivierteldrehung die hl. Katharina mit dem Rad als Attribut in ihrer Rechten. Die Heilige ist gekrönt und trägt einen Heiligenschein um ihr Haupt. Mit ihrer linken Hand hält sie die Märtyrerpalme. Links und rechts von ihr sind als Symbole für die Unsterblichkeit ein beblätterter Eichenast mit Eicheln und eine Efeuranke zu sehen. Letztere wurde manchmal als Weinrebe mit Trauben gedeutet, was jedoch keinen Sinn ergibt. Die umlaufende unziale Umschrift zwischen zwei Perllinien beginnt mit dem Kreuzzeichen und wird unten durch die Heiligenfigur geteilt: &amp;quot;+ S(igillum) · CO(n)VENTVS · ECC(lesi)E · SANC/TE · KATERINE · I(n) · STEVNTZ&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1589 wurde ein weiteres Kapitelsiegel angefertigt. Im Feld ist über dem Stiftswappen die hl. Katharina mit dem Rad und der Palme dargestellt. Neben ihr ist die Datierung 1589 angebracht. Die kapitale Inschrift auf einem Band wird durch den Wappenschild unterbrochen und ist außen von einer Perlenschnur mit acht Blütchen begrenzt. Etwas später ist ein kleines, achteckiges Signet mit der Datierung 1623 in Angelegenheiten des Kapitels nachzuweisen. Es zeigt wieder die hl. Katharina, ebenso ein folgendes, jedoch undatiertes hochelliptisches Typar, das bis zur Aufhebung des Stiftes verwendet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wappen=== &lt;br /&gt;
In Rot ein silbern es Seeblatt. Dieses Wappenbild geht auf das Geschlecht der Herren von Wildon als Stifter von Stainz zurück. Später wurde anscheinend das von einem natürlichen Seerosenblatt abgeleitete Bild nicht mehr verstanden, und es sind in den Schilden manchmal Linden-, Buchen- oder Birkenblätter dargestellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Leopold von Beckh-Wiomanstetter: Das Grabmal (oder der Grabstein) Leutolds von Wildon in der Stiftskirche Stainz und die Siegel der Wildonier. In: Mittheilungen der k. k. Central-Commission für die Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XVII (1872), S. 111ff. &lt;br /&gt;
* Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark. Wien 1982, S. 489f., S. 535ff. &lt;br /&gt;
* EPITAPHIUM (...) DOMINI GEORGU SIGEFRIDI (...) IN STAINZ PRAEPOS[TI, (...) Qui pie in Domino obiit Graecij Alulo MDCLXXXIIJ. Die 7. Julij (Graetz 1683). &lt;br /&gt;
* Josef Grollinger: Jakob Rosolenz, Propst von Stainz (1596-1629). Ein Lebensbild aus der steirischen Gegenreformation. Diss. Univ. Graz. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Anton Kern: Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz 1. Leipzig 1942, Nr. 2, Nr. 121; 2 Wien 1956, Nr. 1071, 1190, 1298; 3 Wien 1967, XXIf. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Stainz. In: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1953, S. 197ff., S. 295, S. 317.&lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Stift Stainz in der Weststeiermark. Typoskript o.J. (nach 1956), Stiftsbibliothek Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
* Arnulf Kogler: Die Wildonier und die ersten Anfänge des Augustiner-Chorherrenstiftes Stainz. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 9 (1911), S. 127–155. [https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg9_Arnulf-KOGLER-Die-Wildonier-und-die-ersten-Anf%C3%A4nge-des-Augustiner-Chorherrenstiftes-Stainz.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Arnulf Kogler: Visitation und Inquisition des Stiftes Stainz. In: Blätter zur Geschichte und Heimatkunde der Alpenländer 2 (Beilage zum &amp;quot;Grazer Tagblatt&amp;quot;), (1911), S. 195ff. &lt;br /&gt;
* Arnulf Kogler: Das Ende der Stainzischen Marktgerichtsherrlichkeit. In: Blätter zur Geschichte und Heimatkunde der Alpenländer (Beilage zum &amp;quot;Grazer Tagblatt&amp;quot;), (1911), S. 129f. &lt;br /&gt;
* Walter Koschatzy: Der Baumeister des Stiftes Stainz. In: Neue Chronik zur Geschichte und Volkskunde der innerösterreichischen Alpenländer 31 (Beilage zu Nr. 17 der Südost-Tagespost), (1965), S. 3.&lt;br /&gt;
* Leopold Kretzenbacher: Zur Gründungslegende des Chorherrenstiftes Stainz. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 48 (1957), S. 175ff. &lt;br /&gt;
* Helmut Lackner: Die Pfarrkirche hl. Katharina in Stainz. Stainz, o. J. &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; &lt;br /&gt;
* Johann Losserth: Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert. In: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), S. 59, 65 u. 199. &lt;br /&gt;
* Arnold Luschin: Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters. In: Mittheilungen der k. k. Central-Commission für die Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX (1874), S. 256f. &lt;br /&gt;
* Hans Pirchegger: Beiträge zur älteren Besitz- und Rechtsgeschichte steirischer Klöster. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 38 (1947), S. 24ff. &lt;br /&gt;
* Rudolf Pitter: Beiträge zur Geschichte von Stainz. Diss. Univ. Graz. Graz 1936 (Exemplar im DAG, Nachlass Pitter). &lt;br /&gt;
* Andreas Posch: Die Widmung des &amp;quot;Stainzer Hofes&amp;quot; in Graz. In: Blätter für Heimatkunde 9 (1931), S. 1ff. &lt;br /&gt;
* Johann Rainer: Projekte zur Errichtung eines Bistums Graz. In: Römische Historische Mitteilungen 6/7 (1964), S. 114ff. &lt;br /&gt;
* Johann Rainer: Die Entwicklung der Diözesaneinteilung in der Steiermark. Mit besonderer Berücksichtigung der Zeit Karls II. und Ferdinands II. In: Innerösterreich 1564-1619 (Joannea III). Graz 1967, S. 233ff. &lt;br /&gt;
* Johann Rainer und Sabine Weiss: Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581. 1977 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX), S. 25f., S. 131f., S. 140. &lt;br /&gt;
* F. Schellauf: Stainz in Vergangenheit und Gegenwart. Stainz 1929. &lt;br /&gt;
* Elisabeth Schmölzer: Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser. Hg. vom Amt der Steiermärk. Landesregierung Graz 1993&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;, S. 340f. &lt;br /&gt;
* Anton Selak: Stainz. Ein Beitrag zur Ortsgeschichte. Stainz 1930.&lt;br /&gt;
* 1229 Stiftskirche Stainz 1979. Festschrift anläßlich der Fertigstellung der Innenrestaurierung und der Installierung einer neuen Orgel. Deutschlandsberg 1980.&lt;br /&gt;
* Trauerrede auf Johann Anton, Prälaten der regulirten Khorherrn zu Stainz in Steyermark. Gesagt von Franz Xavier Gmeiner in der Kollegiatkirche zu Stainz, den 19. August 1782. Graez 1782. &lt;br /&gt;
* O. Trummer: Das Augustiner-Chorherrenstift Stainz. Diss. Technische Hochschule Graz. Graz 1929 (Exemplar 1945 zugrunde gegangen; das Exemplar des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Graz derzeit verschollen). &lt;br /&gt;
* Georg Matthaeus Vischer: Topographia Ducatus Stiriae 1681. Hg. von A. L. Schuller. 2/405-407. Graz 1975. &lt;br /&gt;
* Renate Wagnerrieger: Architektur des Barock in der Steiermark. In: Tagungsbericht Dreiländerfachtagung der Kunsthistoriker in Graz 1972, S. 9ff. &lt;br /&gt;
* Franz Weissofner: Die letzten Chorherren des im Jahre 1785 aufgehobenen Stiftes Stainz. Unter besonderer Berücksichtigung ihrer nachmaligen Verwendung in der Seelsorge. Diss. Univ. Graz. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Hans Wilfinger: 800 Jahre Stainz 1177-1977. Neues Stainzer Heimatbuch. Stainz 1979. &lt;br /&gt;
* Herta Wlasak: Die Aufhebung des Chorherrenstiftes Stainz unter Kaiser Joseph II. aus besitzgeschichtlicher Sicht. Diss. Univ. Graz. Graz 1979. &lt;br /&gt;
* Adam Wolf: Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782-1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II. Wien 1871, S. 116ff. &lt;br /&gt;
* Georg Wolfbauer: Das Augustiner-Chorherrenstift Stainz. Erster Versuch einer kunsttopographischen Aufnahme. In: Blätter für Heimatkunde 9 (1931), S. 3ff. [https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/B_Jg9_Georg-WOLFBAUER-Das-Augustiner-Chorherrenstift-Stainz.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10632</id>
		<title>Stift St. Florian</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10632"/>
		<updated>2022-10-02T12:13:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Musik */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.2078, 14.37874&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen an der Donau]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. Florian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im Dritten Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294 (Linzer philosophisch-theologische Reihe, 11). &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39, Heft 3/4 (1992), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Univ. Wien. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florian. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
* Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift 8/3 (1932). München, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik&amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger. 367/ Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter 40, H. 3/4 (1986). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie XL VIII (1988), S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in St. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91-94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian / Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian. 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986. 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie XL VIII. 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12-15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10631</id>
		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-10-02T12:12:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Baugeschichte und Sammlungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.2078, 14.37874&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen an der Donau]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. Florian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im Dritten Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294 (Linzer philosophisch-theologische Reihe, 11). &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39, Heft 3/4 (1992), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Univ. Wien. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florian. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
* Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift 8/3 (1932). München, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik&amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger. 367/ Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter 40, H. 3/4 (1986). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie XL VIII (1988), S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in St. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91-94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian / Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian. 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986. 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie XL VIII. 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12-15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10630</id>
		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-10-02T12:04:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Bibliothek und Archiv */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.2078, 14.37874&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen an der Donau]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. Florian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im Dritten Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294 (Linzer philosophisch-theologische Reihe, 11). &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39, Heft 3/4 (1992), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Univ. Wien. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florian. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
* Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift 8/3 (1932). München, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik&amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger. 367/ Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter 40, H. 3/4 (1986). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie XL VIII (1988), S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in St. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91-94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian / Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian. 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986. 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie XL VIII. 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12-15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10629</id>
		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-10-02T12:03:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Wissenschaft */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.2078, 14.37874&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen an der Donau]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. Florian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im Dritten Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294 (Linzer philosophisch-theologische Reihe, 11). &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39, Heft 3/4 (1992), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Univ. Wien. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florian. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
* Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift 8/3 (1932). München, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik&amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger. 367/ Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter 40, H. 3/4 (1986). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie XL VIII (1988), S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in St. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91-94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian / Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian. 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986. 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie XL VIII. 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12-15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10628</id>
		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-10-02T12:01:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.2078, 14.37874&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen an der Donau]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. Florian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im Dritten Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294 (Linzer philosophisch-theologische Reihe, 11). &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39, Heft 3/4 (1992), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Univ. Wien. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florian. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
* Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift 8/3 (1932). München, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik&amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger. 367/ Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter 40, H. 3/4 (1986). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie XL VIII (1988), S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in St. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91-94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian / Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian. 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986. 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie XL VIII. 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12-15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10627</id>
		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-10-02T11:56:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Baugeschichte und Sammlungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.2078, 14.37874&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen an der Donau]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. Florian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im 3. Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294. &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39, Heft 3/4 (1992), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Univ. Wien. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florian. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
* Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift 8/3 (1932). München, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik&amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger. 367/ Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter 40, H. 3/4 (1986). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie XL VIII (1988), S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in St. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91-94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian / Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian. 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986. 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie XL VIII. 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12-15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10626</id>
		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-10-02T11:54:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Bibliothek und Archiv */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.2078, 14.37874&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen an der Donau]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. Florian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im 3. Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294. &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39, Heft 3/4 (1992), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Univ. Wien. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florian. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
* Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift 8/3 (1932). München, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik&amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger. 367/ Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter 40, H. 3/4 (1986). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie XL VIII (1988), S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in St. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91- 94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian/Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian. 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986. 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie Bd. XL VIII. 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12- 15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
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		<title>Stift Stainz</title>
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		<updated>2022-09-14T17:56:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen== &lt;br /&gt;
Bereits 1160 wird der &amp;quot;riuus Stauwenz&amp;quot;, der Stainzbach, urkundlich erwähnt. 1177 stellte Papst Alexander III. in Venedig eine Bulle an den Salzburger Erzbischof aus, in der er ihn zum Schutz der Güter des Nonnenklosters St. Georgen am Längsee in Kärnten aufforderte, dem von den Leuten des Markgrafen von Steiermark H. und R. (die Brüder Herrand und Richer von Wildon) und anderen ein &amp;quot;predium apud stawiz&amp;quot; entfremdet worden war. Die Bezeichnung &amp;quot;stawiz&amp;quot; wird einerseits aus dem Slawischen &amp;quot;stava&amp;quot; abgeleitet und soll &amp;quot;Sauergraus&amp;quot; bzw. &amp;quot;Sauerbrunn&amp;quot; bedeuten. Tatsächlich existiert bei Stainz eine Mineralquelle, die teilweise den Stainzbach speist. Der Slawist Simon Pirchegger hingegen erklärte den slawischen Namen mit dem &amp;quot;Ort, wo der Gerber seine Felle wäscht&amp;quot;, denn östlich hinter Ettendorf fließt der Zirknjtzbach, wobei Ettendorf (früher &amp;quot;Eppendorf&amp;quot;) von R. Fitter als (spätere) deutsche Bezeichnung des 1177 genannten slawischen Ortsnamens &amp;quot;stawiz&amp;quot; angesprochen wurde. Die herzogliche Bestätigung von 1233 nennt die &amp;quot;prepositura(m) in honorem sancte Catharine ... apud fluuium Stanz&amp;quot; und die päpstliche Bulle von 1248 spricht von der &amp;quot;ecclesie de Stanz ordinis sancti Augustini&amp;quot;. Dass der Ort schon 1249 &amp;quot;Steinz&amp;quot; geschrieben worden wäre, klingt unglaublich, weshalb sich die Urkunden dieses Jahres (1249 III 23 Stainz A, B) - neben anderen inhaltlichen Kriterien - als Fälschungen erweisen, weil für das Kloster noch bis etwa 1500 die Bezeichnungen &amp;quot;Steunze&amp;quot;, &amp;quot;Stanz&amp;quot;, &amp;quot;Staentz&amp;quot; oder &amp;quot;Stencz&amp;quot; üblich waren. Weitere historische Namensformen: conventus canonicorum regularum eccl(es)ie St. Katharine in Stevntz (1319); choerherns. Gatrein goetshaus datz Stevntz (1343); das würdige Gottshaus zu Stäncz (1627); Stainz, ein Styfft Canonicorum Regularium (1681). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie== &lt;br /&gt;
Herzogtum Steiermark, seit 1462 Viertel zwischen Mur und Drau, seit 1748 Kreis Graz, Markt (seit 1372), politischer Bezirk Deutschlandsberg, Bundesland Steiermark. In kirchlich-organisatorischer Hinsicht gehörte Stainz vor der Stiftsgründung zum Gebiet des Erzbistums Salzburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort lag in der Pfarre St. Stefan in Lemsitz, die sich noch im 12. Jahrhundert von der Mutterpfarre St. Laurentius in Hengsberg als Filialkirche abgetrennt hatte. Im Bereich der Pfarre St. Stefan lagen die Messkapellen St. Katharina auf dem Hügel, der später das Kloster trug, und St. Georg in Ettendorf. An die Pfarre St. Laurentius grenzte im Süden die Mutterpfarre (Groß-) St. Florian, wobei der Stainzbach die Grenze bildete. St. Laurentius wurde bei der Gründung des Bistums Seckau 1218 diesem zugeteilt, St. Florian hingegen dem 1225 neu errichteten Bistum Lavant eingegliedert. Dadurch wurde der Stainzbach Diözesangrenze. Um 1500 galt die kirchliche Einteilung: Metropolitansprengel Salzburg, Bistum Seckau, Archidiakonat des Domstiftes Seckau, zuletzt (bis 1783) Archidiakonat Hengsberg. Pfarrkirche war bis 1600 die in diesem Jahr abgebrochene Kirche St. Jakob im Markt Stainz, dann die Kanonikalkirche St. Katharina im Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Patrozinium== &lt;br /&gt;
1249 erklärte Leutold von Wildon, die Stiftung des Klosters zu Ehren der Gottesmutter Maria und der Jungfrau und Märtyrerin Katharina (von Alexandrien) errichtet zu haben. Von Maria als Patronin ist später nicht mehr die Rede. Schon die Bestätigungsurkunde Herzog Friedrichs II. von 1233 spricht nur von der Propstei zu Ehren der hl. Katharina. Ihr soll bereits jene Kapelle geweiht gewesen sein, die sich, als Eigen der Herren von Wildon, angeblich um 1200 an der Stelle des späteren Kloster befunden hat und die 1232 als zur Pfarre St. Stefan in Lemsitz gehörig erwähnt wird. Die hl. Katharina blieb durch alle folgenden Zeiten alleinige Patronin von Kirche und Kloster. Deren historische Persönlichkeit ist zwar nicht fassbar, doch war ihre Verehrung im Mittelalter weit verbreitet, denn sie galt als Fürsprecherin bei Krankheiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte=== &lt;br /&gt;
Stainz ist das dritte Stift, das in der Steiermark für Augustiner-Chorherren gegründet wurde. Ihm gingen die 1140 bzw. 1163 gegründeten Stifte [[Stift Seckau|Seckau]] und [[Stift Vorau|Vorau]] zeitlich voran, zwei weitere - Rottenmann und Pöllau - folgten im 15. Jahrhundert. Während im Früh- und Hochmittelalter die Stifte von fürstlichen oder hoch freien Familien gegründet wurden, ist Stainz bezüglich seines Gründers eine Ausnahme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Stifter war Leutold von Wildon, dessen Geschlecht zu den bedeutendsten landesfürstlichen Ministerialen in der Steiermark zählte. Leutolds Urgroßvater, Richer von Eferding, war ursprünglich hochfrei, 1120 aber schon Ministeriale von Passau. Sein Sohn und Enkel heirateten, ungeachtet ihres Status als Ministerialen der Markgrafen von Steiermark, in die Sippe der Aribonen bzw. der Freien von Gutenberg-Waldstein, sodass zu den Stammlehen, die die Familie in und um die Burg Wildon bereits besaß und wonach sie sich ab 1173 nannte, weitere ausgedehnte Besitzungen kamen, unter denen vor allem die oststeirische Herrschaft Riegersburg zu nennen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während andere bekannte Stifte nur mit einer Gründungssage dienen können, hat Stainz deren drei. Nach der ältesten Legende, die ein Zisterziensermönch des 13./14. Jahrhunderts berichtet, hätte Leutold von Wildon in Regensburg ein Mädchen kennengelernt, aber, als er ihren Namen - Katharina - erfuhr, aus Verehrung der Patronin auf eine Heirat verzichtet. Als er lange Zeit danach an einem Fuß erkrankte, der amputiert werden sollte, sei ihm in der Nacht vor der Operation die hl. Katharina erschienen, die ihn zum Dank für sein Verhalten geheilt habe. Nach der zweiten Gründungslegende stand um 1200 auf dem Hügel, auf dem dann das Stift errichtet wurde, eine Kapelle &amp;quot;St. Katharina in der Birken&amp;quot;, in deren Nähe Leutold unglücklicherweise ein Kind getötet haben soll. Aus Reue habe er später dort ein Kloster gestiftet. Eine dritte Version, 1895 in die Stainzer Pfarrchronik als aus dem Munde der letzten Chorherren gehörte Sage aufgenommen, berichtet, Leutolds Frau Agnes habe nachts im Traum eine Stimme gehört, ihr Mann könne wegen seiner allzu strengen Gerichtsbarkeit und einiger von ihm verübter Ungerechtigkeiten nicht selig werden, wenn er nicht zu &amp;quot;Katharina an der Pirka&amp;quot; eine schöne Kirche baue. Zu jener Zeit sei an der Stelle, an der sich jetzt die Kirche von Stainz erhebe, eine der hl. Katharina geweihte kleine Kapelle gestanden, mitten in einem &amp;quot;anmuthigen Pirkenhaine&amp;quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A. Kogler stellte zwischen der vom Volksmund als &amp;quot;Katharina in der Birken&amp;quot; bezeichneten Kirche und der von Herzog Friedrich II. in seiner Bestätigungsurkunde für Leutolds Gründung 1233 gebrauchten Formulierung,&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;cum Leutoldus de Wildonia ... in honore sancte Catharine virginis preposituram de nouo erexerit apud fluuium Stanz&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; einen Zusammenhang in der Weise her, dass Leutold diese Kirche (Katharina in der Birken) neu herrichtete und durch die Klostergründung von (der Pfarre) St. Stephan loslöste. Doch spricht die Urkunde nicht von einer &amp;quot;ecclesia&amp;quot; sondern nur von einer neu errichteten Propstei. R. Baravalle (1936, 1961) nahm aufgrund der Formulierung &amp;quot;in der Birken &amp;quot; an, dass die Kapelle eine ehemalige Burgkapelle gewesen sein könnte, denn &amp;quot;in der Birken&amp;quot; als Singular sei unsinnig, &amp;quot;in der Pirk&amp;quot;, also in der Burg, hingegen die einzig vernünftige Erklärung und die ethymologische Wandlung von Burg zu Birk längst bekannt und erwiesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser Burg der Wildonier werde aber in den Urkunden Leutolds, die seine Stiftung betreffen, deshalb kein Wort erwähnt, um eventuellen späteren Ansprüchen seiner Verwandten jede Grundlage zu entziehen. R. Pitter wies die Erklärungen Koglers und Baravalles 1936 als sowohl historisch als auch etymologisch unzutreffend zurück. J. Grüblinger konnte sich 1954 Pitters Ansicht nicht anschließen und lehnte - nach H. Pirchegger - die Gleichsetzung des 1177 genannten &amp;quot;predium apud Stawiz&amp;quot; mit St. Georg in Ettendorf (&amp;quot;Eppendorf&amp;quot;) ab. H. Wilfinger plädierte 1979 wieder für eine Hauptburg auf dem Stainzer Schlossberg und der darin befindlichen Burgkapelle St. Katharina, ebenso F. O. Roth. Zuletzt ließ H. Ebner (1981) die Möglichkeit einer abgekommenen Wehranlage an der Stelle des Stiftes wieder offen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Uneinigkeit in dieser Frage hängt mit der heute schlechten urkundlichen Dokumentation der Gründung zusammen, denn etliche Urkunden fehlen, andere werden bei unverdächtigem Inhalt - als Fälschungen verdächtigt. Leutold selbst sagt, er habe die Stiftung zur Sühne seiner und seiner Vorfahren Sünden errichtet, die, bei aller Vorsicht gegenüber dieser auch bei anderen Klosterstiftungen vorkommenden Begründung, so etwas wie ein Motiv anklingen lässt, das auch historisch begründbar ist: Die Wildonier hatten wieder holt kirchlichen Besitz wider alles Recht an sich gerissen oder geschädigt, wie aus der päpstlichen Bulle von 1177 und anderen Urkunden hervorgeht. Dass Leutold mit seiner Frau Agnes von Traberg (Unterdrauburg/ Dravograd) nur zwei Töchter, aber keinen Sohn hatte, mag zum Entschluss für eine Klostergründung sicher mitbestimmend gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er begann also vor 1229 in Stainz mit dem Bau eines Klosters für Augustiner-Chorherren, für das er Mönche aus dem Stift Seckau und Gerold als ersten Propst berief. Erst im Laufe der folgenden Jahre vermochte er es mit jenen Pfarren, Gütern und Einkünften auszustatten, die die Gründungsdotation bildeten. Sollte es je einen Stiftungsbrief für Stainz gegeben haben, so ist er verloren gegangen. Auch ein noch im 19. Jahrhundert bezeugtes Salbuch des Stiftes ist schon lange nicht mehr vorhanden, nur Abschriften davon gibt es. Immerhin ist eine undatierte &amp;quot;cartula&amp;quot; aus der Zeit um 1230 (nach anderen vom Jahre 1240) erhalten. In Form einer Traditionsnotiz, oder besser eines Gedächtnisprotokolls Leutolds, ist sie Ausdruck der Sorge des Stifters um die Ordnung der Besitzverhältnisse seiner Gründung, weil aus Antrieb böser Geister und Schlauheit verschlagener Menschen oft Zwistigkeiten und Betrügereien entspringen, wodurch die Güter der Guten, Gott arglos dargebracht, zerstückelt oder gar zerstört werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb ordnete Leutold mit Zustimmung seines Bruders Ulrich die Beziehungen seiner Untertanen, die auf Klostergrund lebten, zur Kirche der hl. Katharina in Stainz hinsichtlich Kirchgang, Maut, &amp;quot;Vürvanch&amp;quot; und anderer Belange. Er bestimmte, dass die Abgaben an den Kirchweihfesten der Pfarrkirchen St. Stefan in Lemsitz und St. Georg in Ettendorf an den Beauftragten des Stiftes zu entrichten, das Gerichtsgeld (genannt &amp;quot;Vürvanch&amp;quot;) aber dem Propst oder seinem Marktrichter zu leisten seien. 1232 überließ der Salzburger Erzbischof, dessen Zustimmung zur Gründung damit indirekt ausgedrückt wird, Leutold allen Grund der Kirche von Stainz und gab ihm den dafür abgetretenen Ort Gschwend (bei Kumberg) als Lehen wieder zurück. Erst 1245 genehmigte Erzbischof Eberhard II. den Tausch der salzburgischen Pfarre St. Stefan gegen Leutolds Pfarre St. Johann a. d. Feistritz (bei Herberstein), wodurch St. Stefan dem Kloster inkorporiert werden konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1247 schenkte Leutold seiner Gründung noch das Dorf Wald am Stainzbach mit 31 Huben. Zwei weitere Urkunden, die beide dasselbe Datum &amp;quot;Stainz 23. März 1249&amp;quot; (A, B) tragen und von Leutold ausgestellt worden sein sollen, wurden als Fälschungen, aber mit unverdächtigem Inhalt, angesprochen, weil gewisse in ihnen genannte Güter angeblich erst Jahre später an das Kloster gekommen sein sollen. Es handelt sich dabei um die Dörfer Stallhof, Graggerer und Grafendorf bei Stainz. Stallhof und Grafendorf werden in der Bestätigung Papst Bonifaz' VIII. (1294–1303), die nur als Transsumpt von 1473 und ohne Datum erhalten ist, nicht genannt. Es ist daher durchaus wahrscheinlich, dass diese päpstliche Güterbestätigung für Stainz vor dem 30. &lt;br /&gt;
September 1298 ergangen ist, zu welchem Datum Albert von Horneck den Hof Stallhof an Stainz verkaufte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erwähnte päpstliche Bestätigung nennt folgende Güter: Den Ort, wo die Kirche (der hl. Katharina) steht samt Zugehörungen, die Kirche St. Stefan, ein Drittel Zehent mit 53 Hofstätten in der Pfarre St. Stefan, den Markt und den Bach genannt Stainz, das Dorf Graggerer, Weingärten zu &amp;quot;Edelitz&amp;quot; (Edelz bei Stainz?), Sierling, Marhof, Eichegg (alle bei Stainz) und Vochera (bei Bad Gams), Güter in Gersdorf (bei Bad Gams), Rutzendorf, Neudorf (beide GB Stainz), &amp;quot;Reinmonstuel&amp;quot; (abgekommen?), Schwarzenschachen, Gschwend (bei Kumberg), Pichling (bei Stainz) und Maxendorf (bei Kirchbach, Oststmk.). In der Aufzählung fehlt das von Leutold geschenkte Dorf Wald (bei Stainz) und die Pfarrkirche St. Georg in Ettendorf. Mit wenigen Ausnahmen lagen alle genannten Besitzungen in der näheren oder weiteren Umgebung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dotation durch Leutold wird in der Literatur von &amp;quot;dürftig&amp;quot; bis &amp;quot;reichlichst&amp;quot; gewertet, je nachdem, mit welchem anderen Stift im Land man Stainz verglichen hat. Bedeutsam für die junge Gründung war natürlich der Besitz des unter dem Kloster gelegenen Marktes Stainz (1230 forum). Um für ihn einen Marktplatz anlegen zu können, musste auf der rechten Seite des Stainzbaches vom Bistum Lavant - der Bach war die Grenze zwischen den Bistümern Seckau und Lavant - Grund erworben werden, dessen Ausmaße aber nicht allzu groß gewesen sein können. Der erste Propst Gerold soll - nach dem Visitationsprotokoll von 1545 - aus den eigenen Reihen, drei Mönche aber, zur Verrichtung des Gottesdienstes, aus Seckau gekommen sein, das damit für die Neugründung zum Mutterkloster wurde. Der Vorauer Chorherr und Geschichtsschreiber [[Aquilinus Julius Caesar]] wusste 1777 allerdings zu berichten, dass auch Propst Gerold aus Seckau gestammt habe.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Herimannus Schachner ex religiosa palaestra sua Geroldum cum primis sociis exurgenti Canonic Stainzensium Collegia inclyto an. 1229.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Und der Autor fügt hinzu, dass das Stift in diesem oder dem vorangegangenen Jahr gegründet worden sei, wie die ihm zugänglich gemachten Urkunden gezeigt hätten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1233 erhielt die Stiftung die erste landesfürstliche Bestätigung durch Herzog Friedrich II., der gleichzeitig seinen Ministerialen erlaubte, dem Kloster Güter bis zu einem Wert von 10 Mark Friesacher Münze zuzuwenden. Die Urkunde führt die Namen der ersten Konventmitglieder an: Propst Gerold, Dechant Gerung, Kellermeister Herman sowie die Chorherren Johannes, Igno, Heimich der Jud, Richer und Hugo. 1247 bestätigte Bischof Ulrich von Seckau die in seiner Diözese gelegene Stiftung und im darauffolgenden Jahr erfolgte die Konfirmation durch Papst Innozenz IV., jedoch ohne den Besitzstand des Klosters zu nennen. Leutold von Wildon starb am 13. April 1248, nach Kogler aber erst am 29. März 1250. Er erhielt sein Begräbnis in der Stiftskirche, wo 1272 auch seine Witwe Agnes bestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
In den folgenden zwei Jahrhunderten gelang es dem Kloster, seinen Grundbesitz durch zahlreiche Schenkungen, Jahrtags-und Seelgerätstiftungen oder Ankäufe von privater Seite zu vergrößern. Von 1298 bis 1480 lassen sich etwa 80 derartige Erwerbungen nachweisen. 1365 werden im Zuge einer Stiftung die Altäre der hl. Dorothea und des hl. Johannes in der Stiftskirche erwähnt, etwa zur selben Zeit erfährt man von der Existenz des stiftischen Siechenhauses, für das der Pfarrer von St. Stefan ob Stainz dem Kloster einen Weinzehent übertrug, &amp;quot;zu ainen Trost den khrankhen herren&amp;quot;. 1400 errichtete eine fromme Frau einen Jahrtag auf dem St-Magdalena-Altar, und 1429 überließen Dechant und Kapitel dem Propst auf Lebenszeit ein Sechstel ihres Weinzehents zu St. Stefan für die Restaurierung der Kirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Pröpsten des Mittelalters ragt Sighard (1296–1298) hervor, angeblich aus der ritterlichen Familie Lemsitz stammend, die in der näheren Umgebung des Stiftes begütert war. Die Regierung des Propstes [[Peter von Eppendorf]] (1345–1362), der einem zu Ettendorf ansässigen ritterlichen Geschlecht angehörte, bedeutete die Glanzzeit des mittelalterlichen Stiftes. Ende des 14. Jahrhunderts traten im Konvent erste schwere Unstimmigkeiten auf. Ein Teil der Chorherren scheint mit Propst Berthold (1377–1397) unzufrieden gewesen zu sein, weshalb 1398 der Seckauer Bischof die &amp;quot;Stöss, krieg vnd misshelligkeit&amp;quot; zwischen dem neuen Propst [[Konrad Torseuler]] und dem früheren Propst Berthold schlichten musste. Propst Konrad entsagte seiner Würde, wofür er die Pfarre St. Stefan samt den Einkünften erhielt. Neuer Propst wurde der bisherige Pfarrer von St. Stefan, Gebhart, während Bertold die Pfarre &amp;quot;dats sand Joergen zu Stenz&amp;quot; (St. Georg in Ettendorf) erhielt, aber nicht mehr nach der Propstei streben, vielmehr Propst und Kapitel gehorsam sein sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1438 gelangte in [[Sigmund von Lemsitz]] ein sehr um sichtiger Mann zur Regierung des Stiftes. Ihm verlieh Papst Nikolaus IV. am 1. Jänner 1453 das Recht der Pontifikalien sowie die Erlaubnis, in den stiftischen Kirchen Altäre und Paramente zu weihen. Die wirtschaftliche Situation des Klosters hatte sich aber dermaßen verschlechtert, dass sich das Stift in Rom um die Inkorporierung der Pfarren Mooskirchen und Hengsberg bei Wildon bemühte. Da in dieser Zeit fünfmal der Papst wechselte, war dem Ansuchen kein Erfolg beschieden, und die Angelegenheit wurde schließlich vom Stift nicht weiter verfolgt. 1480 brachte ein verheerender Türkeneinfall erstmals den &amp;quot;Erzfeind christlichen Glaubens&amp;quot; in die Weststeiermark und damit auch vor die Mauern des Stiftes. Ob die Türken Stainz geplündert haben, ist fraglich. Schwierig gestaltete sich die Regierungszeit des Propstes [[Johannes Macher]] (1518–1533). Der „Quart&amp;quot; von 1529 fiel ein Viertel des geistlichen Grundbesitzes zum Opfer. Anlässlich der 1528 erfolgten landesfürstlichen Visitation der Klöster und Pfarren in der Steiermark konnte die Visitationskommission über den Propst und die sieben Mitglieder des Kapitels nur lapidar feststellen&amp;lt;ref&amp;gt; &amp;quot;Haben in gelauben und sunst gegeneinander khain beschwär. Innen ist guet ordnung und geystlich leben zu haldten bevolchen.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Als 1532 der schwerste Türkeneinfall in die Steiermark erfolgte, hatte Stainz das Glück, davon nicht berührt zu werden, weil es völlig abseits der Marschroute des Feindes lag, der an Graz vorbei über Leibnitz Richtung Pettau zog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformationszeit=== &lt;br /&gt;
Die folgenden Jahrzehnte brachten das Stift in arge Bedrängnis. Die Gründe dafür sind dieselben wie bei anderen Stiften und Klöstern des Landes. Die Türkenabwehr erforderte größte finanzielle Anstrengungen, die der Landesfürst auch von den geistlichen Grundherrschaften kompromisslos verlangte. 1540 tätigte König Ferdinand I. bei den Stiften des Landes eine Zwangsanleihe, die das reiche Benediktinerstift Admont mit 5.000 Gulden belastete, das &amp;quot;arme&amp;quot; Stift Stainz aber immerhin noch mit 500 Gulden betraf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reformation Martin Luthers, dessen Lehre um die Mitte des 16. Jahrhunderts neben dem Landeshauptmann Hans Ungnad weite Kreise des Adels und Bürgertums, weniger die Bauern, anhingen, wirkte sich in Stainz vorerst noch nicht so dramatisch aus wie in anderen Klöstern der Steiermark. Noch 1545 stellte eine Visitationskommission fest, Propst [[Bernhardin Ambring]] (1533–1553) und die fünf Chorherren &amp;quot;sein einess erbaren geistlichen wandels, gebrauchen sich ihrer regel Augustiner Ordenss, in Habith schwarzer Rökh, darob Sie weiss leynen Sarrokh antragen.&amp;quot; Der Gottesdienst werde nach altem Herkommen Tag und Nacht verrichtet, &amp;quot;nemblich allmorgen ein fruemess und taglich ein Hochambt sambt etlichen gesprochenen messen, auch Prim, Terz, Sechst, Non, Vesper, Complet und Mötten sambt einen Salve, so man all Sambstag und aller Unser Frawen Abendt singet.&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die unter der Herrschaft des Stiftes lebende Bevölkerung war noch ziemlich geschlossen katholisch, denn man zählte damals 1.500 Kommunikanten. Die danach eingetretene Krise des Stiftes war weitgehend durch die Zerrüttung seiner Wirtschaft bedingt. 1556 hatte König Ferdinand abermals eine sehr hohe Summe zur Finanzierung der Türkenabwehr verlangt, wovon Stainz mit 2.000 Gulden betroffen war, die das Stift nicht mehr aufzubringen vermochte, weshalb die Ämter Stallhof und Wald samt Einkünften verpfändet werden mussten. Während die landesfürstliche Klostervisitation von 1575 in Stainz neben fünf Chorherren auch zwei Konkubinen und vier Kinder vorfand, scheinen sich wenigstens die finanziellen und personellen Verhältnisse unter den Pröpsten [[Joharules Buchfink]] (1553–1563) und [[Leonhard Grasmair]] (1563–1585) soweit stabilisiert zu haben, dass 1583 noch die &amp;quot;Bruggenrnühl&amp;quot; im Markt Stainz gebaut werden konnte und Grasmair bei seinem Tode einen Konvent von neun Mitgliedern hinterließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuntius Germanico Malaspina stellte 1581 allerdings fest, dass der Propst - wie alle Chorherren - eine Konkubine hatte, jedoch froh war, sich von ihr trennen zu können, weshalb er im Amt bleiben konnte, während ein Chorherr und ein Pfarrer abgesetzt und eingekerkert wurden. Erst durch die Regierung des gänzlich unfähigen Propstes [[Sebastian Fuchs]] (1585–1596) schlitterte die Kanonie in einen völligen Niedergang, an dem weniger die &amp;quot;lutherische Häresie&amp;quot; als die lockere Lebensführung des Propstes und seine schlampige Wirtschaftsführung schuld waren. Fuchs machte bei anderen Stiften Schulden, die er nicht zurückzahlen konnte und trug dadurch zum finanziellen Ruin des Klosters bei. Der zur Visitation 1586 ins Stift geeilte Grazer Nuntius berichtete Erzherzog Karl, dass der Propst unwissend, bar jeder Kirchen- und Ordenszucht und für kirchliche Ämter ganz unwürdig, ja als Propst, Administrator oder Prokurator des Klosters untauglich sei. Der Nuntius suspendierte den Propst seines Amtes, doch da man einen geeigneten Nachfolger weder unter den Konventualen noch anderwärts fand, blieb Propst Fuchs weiter in Amt und Würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erneuerung unter Propst Rosolenz=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Fuch war es dem Konvent unmöglich, in seinen Reihen einen Nachfolger zu finden. Man wählte daher am 21. Mai 1596 den Pfarrer von Leibnitz [[Jakob Rosolenz]], der bald darauf vom Seckauer Bischof Martin Brenner bestätigt, aber erst nach einjähriger Probezeit im Juni 1597 infuliert wurde, denn er war Weltpriester. Rosolenz stammte aus dem Kurfürstentum Köln, hatte aber an der Grazer Jesuitenuniversität Philosophie und Theologie studiert und sich in der Steiermark zum Priester weihen lassen. Er wurde nicht nur zum großen geistigen und wirtschaftlichen Erneuerer seines Stiftes, sondern ist auch einer der führenden Köpfe der katholischen Gegenreformation in der Steiermark geworden, die er mit Publikationen aus seiner Feder verteidigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1598 visitierte der päpstliche Nuntius in Graz Hieronymus Graf Portia das Stift und erließ Konstitutionen und Dekrete, die als Richtlinien für die Reform durch Rosolenz dienen konnten. Dieser ging aber darüber weit hinaus, sodass sich die Konventualen über die strenge Disziplin beklagten, ohne bei Bischof Brenner etwas zu erreichen. Rosolenz brachte die stiftische Wirtschaft in kürzester Zeit wieder in Ordnung, indem er rigorose Sparmaßnahmen ergriff, Außenstände eintrieb und das Privatvermögen einzelner Chorherren einzog. Mit den erwirtschafteten Mitteln vermehrte er zum einen das Stiftsvermögen durch den Ankauf von Herrschaften, Höfen und Weingärten um ein Vielfaches. Andererseits verwendete er einen großen Teil der Einnahmen für den Umbau der Stiftskirche und Stiftsgebäude, was auf heftigen Widerstand der Chorherren stieß, die sich bei Bischof Brenner über den Propst beschwerten, er habe &amp;quot;vil Kindische Gepey&amp;quot; im Gotteshaus und in der Kirchen errichten lassen. Darüber hinaus unterstützte Rosolenz nicht nur den Landesfürsten, sondern auch die Grazer Jesuitenuniversität und die Jesuiten in Leoben mit namhaften Summen. In Radkersburg baute er sogar ein Kloster für Kapuziner. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Grazer Bistumsplan=== &lt;br /&gt;
Der Plan des Grazer Hofes, die Landeshauptstadt zum Sitz eines zweiten steirischen Bistums zu machen, dazu das Stift als Dotation zu verwenden und Rosolenz als Bischof zu installieren, führte zu einem lang andauernden und bisweilen mit Erbitterung aus getragenen Kampf des Stainzer Kapitels mit Rosolenz und dessen Nachfolger. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bistumsprojekt war am Grazer erzherzoglichen Hof schon länger ventiliert worden und sollte der katholischen Erneuerung in Innerösterreich dienen. 1611 ließ Erzherzog Ferdinand dem Erzbischof von Salzburg seinen Plan der Errichtung eines Bistums mit Sitz in Graz vortragen. Diesem sollte das Stift Stainz inkorporiert und Rosolenz erster Bischof werden. Obwohl Salzburg und der Bischof von Seckau mit der Errichtung des Bistums einverstanden waren und auch die päpstliche Zustimmung nicht ausblieb, hat Rosolenz die Rechnung doch ohne den Wirt gemacht. Denn inzwischen hatte der Inhaber des Seckauer Stuhls gewechselt, und der neue Bischof hatte große Bedenken, dass die von Rosolenz erworbenen Stiftsgüter Stainz entzogen und ohne Einwilligung der Chorherren als Dotation für das Bistum verwendet würden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den größten Widerstand aber leistete der Stainzer Konvent selbst. Er lehnte jede Umwandlung und Entfremdung der Stiftsgüter als dem Willen des Stifters, wie auch dem Gelübde der ''stabilitas loci'' eines Chorherren zuwiderlaufend ab, denn die Verwirklichung des Projektes hätte für die Konventualen die Übersiedelung nach Graz bedeutet. Kaiser Ferdinand II. ließ sich durch diese Schwierigkeiten nicht beirren, und die Verhandlungen gingen allseits weiter. Je mehr Zeit verstrich und je konkreter die Pläne wurden, desto zäher stellte sich das Stainzer Kapitel dagegen. Zuletzt appellierte es in einem Schreiben an den Apostolischen Stuhl, in dem es alle Schuld an den Auseinandersetzungen dem unbeliebten Propst zuschrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber starb Rosolenz 1629. Als Mitglied des Prälatenstandes im steirischen Landtag hat Rosolenz seine Person ganz in den Dienst der Gegenreformation gestellt. Seine politischen Funktionen als Landtagsmitglied, Beauftragter und Verordneter der Landschaft, erzherzoglicher Rat sowie von 1612 bis 1615 als Hofkammerpräsident für Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain und Görz) vervielfachten seinen Einfluss auf das öffentliche Geschehen und bedeuteten eine kaum noch zu überbietende Anerkennung seiner Fähigkeiten und das unbedingte Vertrauen in seine Person durch Erzherzog Ferdinand. Aus diesen Tätigkeiten raffte ihn am 3. März 1629 ein plötzlicher Tod. Bischof Brenner selbst führte die Leiche des Verstorbenen nach Stainz, wo er in der Stiftskirche bestattet wurde. Einen bedeutenderen Propst hat Stainz weder vorher noch nachher gehabt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod von Rosolenz war das Bistumsprojekt aber noch nicht gefallen, der Streit vielmehr prolongiert. Ein päpstliches Dekret verfügte die Übereignung der drei Stiftsherrschaften Horneck, Rohrbach und Ettendorf und von 50.000 Gulden Bargeld an die Mensa des zu errichtenden Bistums, auch gegen den Willen der Kanoniker und des Diözesanbischofs. 1631 wurde der neue Propst Dr. phil. [[Simon Eberhard]] vom Kaiser nach Wien gerufen und zum Bischof von Graz designiert. Als Dechant des Stainzer Kapitels war Eberhard ein entschiedener Gegner des Bistumsplanes gewesen, als designierter Bischof aber nahm er diese Würde ohne Widerstreben an. Ein in Rom geäußerter Einwand, dass dem neuen Bistum die ganze Propstei einverleibt werden müsse und außerdem die Zustimmung des Propstes und des Stiftskapitels erforderlich sei, brachte das Projekt schließlich doch noch zu Fall. Dass diese Ereignisse das Zusammenleben zwischen Propst und Kapitel schwer belasteten und den Frieden im Haus jahrelang nachhaltig störten, war eine nicht zu vermeidende Folge des Streites.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift in der Barockzeit=== &lt;br /&gt;
Von den Pröpsten des 17. Jahrhunderts machte sich [[Georg Seyfried Freiherr Jöchlinger]] (1666–1684) dadurch unsterblich, dass er den Neubau des Stiftes und die Barockisierung der Stiftskirche in Angriff nahm. 1669 wurde das Stift auf sein Ansuchen in die &amp;quot;Lateranensische Kongregation&amp;quot; aufgenommen, sodass sich der Propst als &amp;quot;I. Abbas Lateranensis&amp;quot; bezeichnen konnte. Dies löste sofort Befürchtungen der kirchlichen Behörden aus, das Stift könnte sich der Jurisdiktion des Ordinarius entziehen und als exemt betrachten. Propst Jöchlinger starb 1683 im Grazer Stainzerhof, ihm folgte bis 1704 [[Johann Bernhard Freiherr von Paumgarten]]. Dieser setzte die Ausgestaltung von Kirche und Kloster fort, und 1695 konnte der neue Hochaltar der Stiftskirche geweiht werden. Die Vollendung der Innenausstattung des Gotteshauses fiel bereits in die Zeit seines Nachfolgers [[Christoph Horatius Carminelli]] (1705–1724).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Aufhebung des Stiftes und Versuche zur Wiedererrichtung=== &lt;br /&gt;
Auf Amand Joseph Freiherr von Paumgarten (1724–1748) folgte schon der letzte Propst, [[Johann Anton de Angelis]] (1748–1782). Er hieß eigentlich Engel und war der Sohn eines aus Italien stammenden Leinenwebermeisters im Markt Stainz, der als &amp;quot;Engelwirt&amp;quot; auch ein Gasthaus betrieb und ein Wappen führte. Angelis dürfte der einzige gebürtige Stainzer als Stiftsvorsteher gewesen sein. Unter ihm wurden noch mehrere Seitenaltäre sowie neue Kirchenbänke aufgestellt und die Kanzel errichtet. Nicht nur der disziplinäre Niedergang im Konvent, sondern auch wirtschaftliche Fehlentscheidungen des Propstes und die ersten Anzeichen josephinischer Klosterfeindlichkeit verdüsterten de Angelis' Amtszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schlaganfälle hatten ihn zuletzt fast völlig gelähmt, weshalb 1781 der Dechant die geistliche und weltliche Verwaltung des Stiftes übernahm. De Angelis, posthum als &amp;quot;Engel der Armen&amp;quot; gelobt, starb am 28. Juli 1782, worauf die Wahl eines Nachfolgers behördlicherseits nicht mehr in die Wege geleitet wurde. Das Stift administrierte vorerst der Stiftsdechant, der aber schon nach kurzer Zeit durch einen Chorherrn ersetzt wurde. Führungsqualitäten scheinen beide nicht besessen zu haben, denn die Disziplin im Konvent sank rapide ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb trat im Februar 1785 der Vizedechant [[Georg Anton Beck]] mit dem Titel und der Würde eines Stiftsdechant an die Spitze des Stiftes, konnte aber auch nichts mehr retten. Die Aufhebung von Stainz und Pöllau war schon längst beschlossen, um dem Religionsfonds weitere Geldmittel zuzuführen. Allerdings trug der skandalöse Lebenswandel der letzten Kanoniker viel dazu bei, den Seckauer Ordinarius ebenso wie den Salzburger Erzbischof für die Aufhebung geneigt zu machen, während die staatliche Regierung die rasche Auflösung des Stiftes aus Furcht vor einem weiteren Ruin des Stiftsvermögens betrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 18. Mai 1785 erschien Kreishauptmann Wolf Graf von Stubenberg in Stainz mit dem Auftrag, das Vermögen zu revidieren, die Stiftsbeamten in Eid und Pflicht zu nehmen, die Chorherren von der Verwaltung zu entfernen und das ganze Stift mit Sequestration zu belegen. Von diesem Tag an erhielt jeder Geistliche 40 Kreuzer, der Dechant 1 Gulden zum täglichen Unterhalt. Nachdem die Vermögensaufnahme abgeschlossen war, wurde den 27 Chorherren am 16. oder 17. August 1785 die Aufhebung des Stiftes verkündet. Mitte Jänner 1786 hatten alle Chorherren das Stift verlassen, mit Ausnahme der in der Pfarre Stainz als Seelsorger tätigen. Damit hörte die Kanonie nach 550 Jahren wechselvoller Geschichte zu existieren auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schätzung des gesamten Stiftsvermögens 1785 ergab den Betrag von 784.385 Gulden 34 Kreuzern. Am wertvollsten waren die Herrschaften und Grundstücke, deren Wert über 690.000 Gulden betrug. Das Stift besaß neben fünf Weingärten bei Stainz weitere 22 Weingärten in der Untersteiermark, wovon die 14 Weingärten bei Marburg allein 38.000 Liter Wein erbrachten. Durch die Aufhebung wurde das ehemalige Stift samt seinen Besitzungen Staatsherrschaft und von Beamten zugunsten des Religionsfonds verwaltet. In der Folge dienten die Stiftsgebäude für Verwaltungszwecke, später als Kaserne, Kriegsgefangenenlager für französische Soldaten und Heereslazarett, wobei die Gebäude zusehends verwahrlosten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1802 trat eine Gruppe von Exchorherren mit einer Eingabe an das Gubernium heran, die den Wunsch nach Wiedererrichtung des Stiftes beinhaltete. Die darüber gepflogenen Erhebungen waren 1807 abgeschlossen und ergaben, dass elf Exkanoniker zur Rückkehr in ihr früheres Stift bereit waren, doch ordnete das Gubernium weitere Untersuchungen an, die im folgenden Jahr mit der Abweisung des Begehrens endeten. F. Röhrig vertrat 1979 die Meinung, dass die Wiedererrichtung des Stiftes hauptsächlich am Fehlen eines Expropstes gescheitert sei, der die Wiedererrichtung mit größerem Rechtstitel und Nachdruck hätte betreiben können. Der Hauptgrund für die definitive Ablehnung war aber doch der, dass bei einer Wiedererrichtung des Stiftes Stainz diesem der Religionsfonds den größten Teil des ehemaligen Vermögens hätte refundieren müssen, was eine Schmälerung der Fondsmittel bedeutet hätte, die der Staat nicht zulassen wollte. Im frühen 19. Jahrhundert wurde die Staatsherrschaft Stainz an einen Privaten veräußert und 1840 gelang es Erzherzog Johann, die ehemaligen Stiftsgebäude samt dem noch vorhandenen Grundbesitz anzukaufen. Seither blieben Schloss und Gut im Besitz seiner Nachkommen, der Grafen von Meran. Überregionale Bedeutung erlangte Stainz in der Gegenwart durch die im Rahmen der &amp;quot;Styriarte&amp;quot; unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt in der Pfarrkirche dargebotenen musikalischen Aufführungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konföderationen==&lt;br /&gt;
Schon früh hat sich Stainz mit anderen Klöstern gebetsverbrüdert: 1296 (nach einer anderen Quelle erst 1311) mit dem Mutterkloster Seckau, 1319 mit Rein (erneuert 1407), 1328 mit Eberndorf und 1366 mit dem Domstift Gurk. 1382 verpflichtete sich Stainz gegenüber Vorau, das in Vorau besonders gefeierte Fest des hl. Eustachius auch in Stainz zu begehen, während Vorau die Oktav der hl. Katharina besonders feiern wollte. Die eigentliche Konföderierung mit Vorau datiert aber erst von 1495, vom selben Jahr auch die Konfraternität mit Admont. Propst Jöchlinger bekannte 1675, mit zahlreichen Klöstern in der Steiermark, Kärnten, Tirol (Neustift 1467), Ober -und Niederösterreich (Herzogenburg 1401) sowie in Bayern gebetsverbrüdert zu sein. Die alte Konfraternität mit Klosterneuburg wurde 1739 erneuert.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Schule==&lt;br /&gt;
In Stainz wurde bereits im Zuge der Gründung eine Knabenschule eröffnet, wohl um den Klosternachwuchs sicherzustellen. 1247 wird ein Wildung ''scolaris'', also Schulmeister, urkundlich genannt. Interessant ist die Urkunde von 1352, mit der Otto und Diemut Vreynberger zum Dank für die liebevolle Erziehung, den vorzüglichen Unterricht und die väterliche Behandlung ihres Sohnes, die zehn Jahre gedauert hatte, dem Propst etliche Güter widmeten. 1755 wurde an allen nicht verhinderten Sonntägen durch einen Chorherrn im Beisein des Schulmeisters den Schulkindern und auch einigen Erwachsenen von der Kanzel die gewöhnliche christliche Lehr gehalten. Einen Schulmeister gab es auch in St. Stephan ob Stainz.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Karitative Tätigkeit== &lt;br /&gt;
1271 wird ein ''hospitalarius'' der hl. Katharina in Stainz erwähnt, dem der Vizedom von Leibnitz die Einkünfte von 18 Mark jährlich zur Verwendung zuwies. 1363 stiftete der Pfarrer Martin von St. Stephan dem Kloster einen Weingarten, dessen Ertrag u.a. dem Konvent-Krankenhaus dienen sollte. 1365 werden in einer Urkunde der Kuster, das Siechenhaus und die &amp;quot;sichen herren&amp;quot; erwähnt. Das Siechenhaus wurde noch 1438 von Propst Sigmund bestiftet. Auch der Armen hat man in Stainz nicht vergessen. Das Visitationsprotokoll von 1545 sagt, dass man vor Jahren jedem armen Menschen ein &amp;quot;mäßl Wein, ein laibel Brot&amp;quot; und einen Pfennig gegeben habe. Da aber so viele Arme gekommen seien, habe man sich diese Großzügigkeit nicht mehr leisten können , weshalb diese Spende jetzt nur noch an die Hausarmen, und zwar jeden Freitag, verteilt werde.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der Stifter des Klosters, Leutold von Wildon, war als Angehöriger eines im Lande hochangesehenen und vermögenden Geschlechtes durchaus in der Lage, ein Stift zu gründen und zu dotieren. 1249 nannte er folgende, von ihm selbst getätigte Schenkungen an seine Gründung: den Baugrund der Kirche, den Markt Stainz mit seinen Gründen, Äckern, Wiesen und Wäldern, die Dörfer Grafendorf und Graggerer bei Stainz, Höfe in Stallhof und Gschwendt, Huben in Schwarzenschachen und Herbersdorf und das Fischrecht im Stainzbach. Dem Salzburger Erzbischof hatte er sein Patronatsrecht über die Pfarre St. Johann in Feistritz abgetreten, damit dieser dem Stift die Mutterpfarre St. Stefan bei Stainz überlasse. Ebenso gehörte die Pfarre St. Georgen bei Ettendorf zum Stiftungsgut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich ist auch die Verfügung Leutolds, mit der er kurz vor seinem Tod dem Propst die Gerichtsbarkeit über seine und seines Bruders Ulrich Vasallen übertrug, unter diesem Aspekt zu sehen. Trotzdem wird die Dotierung durch Leutold als bescheiden bezeichnet. In der Folge kamen zwar viele Besitzungen unter verschiedensten Rechtstiteln an das Stift, zumeist in der näheren oder weiteren Umgebung gelegene Höfe, Hofstätten, Huben, Wiesen, Äcker, Weingärten, Wälder und Zehente, doch es waren meist kleine, verstreute Stücke, von denen einige noch dazu mit Seelgerätstiftungen zu Altären in der Stiftskirche belastet waren. Wirklich große Schenkungen durch die Landesfürsten, den Hochadel oder einzelne Bischöfe, wie sie andere Klöster erfahren durften, waren bei Stainz die Ausnahme, weshalb das Stift lange Zeit das kleine Kloster von Stainz blieb, wie es in einer Urkunde von 1328 heißt. Unter den namhaften Güterspenden sind die Seelgerätstiftung des Bischofs Friedrich von Seckau von 1309 über eine Mark Gülten für ein Ewiges Licht und 30 Messen, die Abtretung des Eigentumsrechtes am Schwaighof zu Ettendorf durch den Graf von Pfannberg 1323 und die Seelgerätstiftung des Pfarrers Heinrich von St. Peter im Sulmtal von 1365 hervorzuheben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint, dass die Lasten aus diesen Stiftungen für die Kanonie mitunter größer waren als der wirtschaftliche Nutzen davon. Unter Propst Wildung (1285–1296) wurde in der Steiermark der auf dem 14. allgemeinen Konzil von Lyon (1274) beschlossene Kreuzzugszehent gesammelt, der aus einem sechsjährigen Zehent aller geistlichen Einkünfte bestand. Die Kirche von Stainz und ihre Filialen St. Stefan, St. Georg in Ettendorf und die Laienkirche St. Jakob im Ort Stainz, mussten dafür ungefähr 20 1/2 Mark Grazer Münze aufbringen. Die angespannte Lage des Stiftes während des ganzen Mittelalters vermochte die Marktfreiheit des Ortes Stainz, die dieser seit der Zeit der Gründung besaß, nur wenig zu lindern. Herzog Albrecht III. räumte 1372 dem Markt Stainz dieselben Rechte ein, wie sie die landesfürstlichen Städte besaßen, worunter die Abhaltung von Märkten verstanden wurde. 1443 bestimmte Friedrich III. den Sonntag nach Pfingsten als weiteren Markttag für Stainz. Das Privileg erlaubte jedermann, 14 Tage vorher und 14 Tage nachher freien Handel zu treiben, was der ganzen Region und letztlich auch dem Stift wirtschaftlich zugute kam, die Situation des Klosters aber trotzdem nicht entscheidend verbessern konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Sigmund von Lemsitz]] (1438–1461) sah sich angeblich außerstande, mit den geringen Einkünften 50 Personen versorgen zu können, worunter neben den Konventualen auch die Stiftsangestellten zu verstehen sind. Sein Nachfolger war sogar gezwungen, einige Stiftsgüter zu veräußern. Das Stift bemühte sich daher in Rom um die Inkorporierung der reichen Pfarren Mooskirchen und Hengsberg. Obwohl Kaiser Friedrich III. und König Maximilian I. sich sehr für Stainz und sein Anliegen einsetzten und mehrere Päpste hintereinander damit befasst waren, 1489 sogar eine Bulle Innozenz' VIII. mit der Verfügung der Inkorporation erging, wurde diese dennoch nicht durchgeführt. Das Rennen machte zuletzt das Bistum Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem schon König Maximilian I. allen Klosterbesitz zu seinem Kammergut erklärt hatte, scheute sich König Ferdinand I. nicht, den Klöstern und der Pfarrgeistlichkeit über Jahrzehnte hinweg schwere Finanzlasten zur Bekämpfung der Türken aufzubürden. Infolge der &amp;quot;Quart&amp;quot; verlor Stainz 1530 das &amp;quot;Rainbach-Amt &amp;quot; in der Gemeinde Sierling (26 Untertanen mit ihren Gütern) und Grafendorf an kauflustige Adelige, ein wirtschaftlicher Schock für das wenig begüterte Stift, auch wenn Grafendorf 1553 wieder zurückgelöst werden konnte. 1537 nahm der König bei der Geistlichkeit ein Darlehen auf, wozu der Erzbischof von Salzburg in zwei Raten 6.000 Gulden, Admont 600 Gulden, Seckau 500 Gulden, St. Lambrecht 400 Gulden und das kleine Stainz 100 Gulden zahlte. Zwei Jahre später streckte Stainz wieder 100 Gulden vor, es folgte ein Zwangsdarlehen bei der innerösterreichischen Geistlichkeit, von dem Stainz mit 500 Gulden betroffen war. Schon diese Summen konnten offenbar nur durch Anleihen bei reichen Adeligen der Umgebung aufgebracht werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Ungunst der Zeit sank die Gült des Stiftes von 567 auf 428 und zuletzt auf 403 Pfund, wie die Gültschätzung des Jahres 1542 ergab. Außerdem hatte Stainz vier gerüstete Pferde für das Landesaufgebot gegen die Türken zu stellen, ebensoviel wie der Ritter Falbenhaupt, während Admont 35 gerüstete Pferde stellte. Eine weitere Forderung des Königs 1556 über 50.000 Gulden, für die die Kirche alle Güter zum Pfand setzen und Stainz 2.000 Gulden beitragen sollte, vermochte das Stift, nach Erschöpfung der Barmittel, nur durch die Verpfändung zweier Ämter an Sigmund von Wildenslein aufzubringen. Die elfjährige Regierung des Propstes Sebastian Fuchs (1585–1596) bedeutete einen Tiefststand in der wirtschaftlichen Gebarung des Stiftes. Umso deutlicher fiel der Aufstieg des Klosters zur wohlhabenden Grundherrschaft und einem der reichsten Klöster des Landes unter Propst Jakob Rosolenz (1596–1629) aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosolenz muss ein Finanzgenie gewesen sein. Seine ausgezeichneten Beziehungen zu den Seckauer Bischöfen [[Martin Brenner]] und [[Jakob Eberlein]] wie zum Landesherrn Erzherzog Ferdinand, dem späteren Kaiser Ferdinand II., dürften ihn in die Lage versetzt haben, aus seiner politischen Stellung im Hof-und Landesdienst Kapital für das herunter gewirtschaftete Stift zu schlagen. Dieser Propst hat das Stift bereichert wie keiner seiner Vorgänger. Hatte er zu Beginn seiner Regierung noch das Amt Rottenmann in der Obersteiermark veräußern müssen, kaufte er schon 1602 die Herrschaft Rohrbach (heute St. Josef) und 1604 den Edelsitz Lichtenberg, auch Stainzhofen genannt. 1612 schenkte ihm der Erzherzog den ihm gehörenden &amp;quot;Haimberhof&amp;quot; in der Stadt Graz, der zum Stadthaus des Stiftes wurde und seither &amp;quot;Stainzerhof&amp;quot; hieß. 1613 erhielt der Propst für ein Darlehen von 40.000 Gulden die Herrschaft Pettau/ Ptuj zum Pfand, 1614 wurden der Edelsitz Ettendorf, im Jahr darauf etliche Weingärten vom Freiherrn von Herberstein käuflich erworben, und 1620 schließlich kaufte Rosolenz die Herrschaft Horneck in der Südweststeiermark. Die Stiftskirche hat er im Stil der Renaissance erneuert, wovon heute fast nichts mehr zu sehen ist. Daneben hat er viel gebaut und sogar noch andere Ordensgemeinschaften und Institutionen finanziell großzügigst unterstützt. Das Geld scheint ihm nie ausgegangen zu sein, denn bei seinem Tode hinterließ er seinem Nachfolger nicht nur eine blühende Wirtschaft, sondern auch 50.000 Gulden in bar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Simon Eberhard]] (1629–1649) konnte mit den vorhandenen Geldern die Güterkäufe noch einige Jahre fortsetzen. Zu diesen Erwerbungen gehörten auch Herrschaften, die Adelige nur deshalb verkauften, weil sie als Evangelische das Land verlassen mussten: 1629 Schloss und Herrschaft Leonrod als Lehen des Stiftes St. Lambrecht, im Jahr darauf die Herrschaft Vasoldsberg, die nur vier Jahre beim Stift blieb, 1634 Schloss und Herrschaft Lankowitz und zuletzt 1648 die kleine Herrschaft Herbersdorf. Dann erfolgten keine größeren Erwerbungen mehr. Alle genannten Herrschaften, mit Ausnahme des wieder abgestoßenen Vasoldsberg, blieben bis zur Aufhebung in Stiftsbesitz. Dementsprechend betrug 1640 die Gült des Klosters 1.392 Pfund. Die Einkünfte daraus ermöglichten es den Pröpsten des 17. und 18. Jahrhunderts, Stainz in barocker Pracht erstehen zu lassen. Dies geschah mitunter auf Kosten der Untertanen, von denen das Stift zeitweise erhöhte Robot und Abgaben verlangte. 1768 reichten die Bauern ihre neun Punkte umfassenden Beschwerden direkt bei Hofe ein, wo ihnen teilweise recht gegeben wurde, während die Grazer Kreisamtsbehörde als Erstinstanz den Beschwerdeführern strengstens untersagte, sich nochmals direkt nach Wien zu wenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits verschuldete sich das Kloster im 18. Jahrhundert wieder. Verschiedene Gründe können dafür genannt werden. Die Stiftsherrschaften warfen keine Gewinne mehr ab, da ihre Bewirtschaftung durch Beamte teuer war, weshalb zuerst Kanoniker die Wirtschaft führten, bis man die Herrschaften verpachtete. Als schwerer Fehler des Propstes de Angelis erwies sich die Gewährung eines unbesicherten Darlehens an den Grafen von Plettenberg in Wien, das über 43.000 Gulden betrug, die das Stift wegen des Konkurses des Grafen nur zum kleineren Teil zurückerhielt. Außerdem war der Aufwand für Propst und Kanoniker sowie andere Ausgaben viel zu hoch. Nach dem Tod des letzten Propstes tat sich der Inventurskommissär mit der Vermögensaufnahme des Stiftes sehr schwer, da der Stiftsanwalt dazu unbrauchbar, der Hofmeister - ein Kanoniker - verreist und auch keine ordentliche Kanzlei oder Registratur vorhanden war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Aktivstand ergab über 450.000, die Passiva dagegen betrugen schon mehr als 253.000 Gulden. Der jährliche Ertrag des stiftischen Gesamtvermögens belief sich auf fast 7.900 Gulden und sollte nach Meinung des Kommissärs nicht nur ausreichen, Propst und Kapitel zu erhalten, sondern auch die Schulden allmählich zu tilgen und einige Rücklagen zu bilden. Die genannten Zahlen sind aber teilweise zu niedrig angesetzt. Die Aufhebungskommission fand Stainz als reiches Stift vor. Allein die Herrschaften Horneck, Rohrbach (St. Josef), Lankowitz und Herbersdorf samt liegenden Gütern wurden auf über 690.000 Gulden geschätzt, der Grazer Stainzerhof, renovierungsbedürftig, war 5.000 Gulden wert, genau so viel wie alle Stiftsgebäude. Dazu kamen Weingärten in Radkersburg, Marburg/ Maribor und Luttenberg/ Ljutomer, Untertanenausstände, Bargeld, Silber, Preziosen, etc. Die Aktiva betrugen über 784.000 Gulden, die Passiva 74.600 Gulden. Das Reinvermögen belief sich daher auf fast 710.000 Gulden und der jährliche Ertrag der liegenden Güter auf 27.557 Gulden, womit sich Stainz als großer Gewinn für den Religionsfonds erwies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Stift Stainz war, zumindest anfangs, gleichsam das &amp;quot;Familienkloster&amp;quot; der Wildonier. Da der Stifter keine Söhne hinterließ, nahm sich nach dem Tode Leutolds dessen Bruder, Ulrich von Wildon, der Stiftung an, deren Errichtung er seinerzeit zugestimmt hatte. Leutold bemühte sich noch zu Lebzeiten erfolgreich, seine Gründung durch die landesfürstliche und kirchliche Obrigkeit absichern zu lassen, indem er 1233 die Bestätigung durch Herzog Friedrich II., 1247 die des Seckauer Bischofs und 1249 die Papst Innozenz IV. erreichen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Genehmigung des Salzburger Erzbischofs setzt der 1232 erfolgte Eintausch des Salzburg gehörenden Baugrundes, auf dem die Katharinenkirche des Klosters gerade errichtet worden war, voraus. Nach der ersten Urkunde vom 23. März 1249, die angeblich gefälscht ist und von Pitter nach 1343 angesetzt wird, hat Leutold von Wildon dem Kloster das Privileg der Vogtfreiheit und Immunität gewährt, wozu wohl die Erlaubnis des Landesfürsten Voraussetzung war. Später erfolgten zahlreiche weitere Bestätigungen der Stiftsprivilegien, so z.B. durch Herzog Stephan von Slawonien, Statthalter König Belas IV. von Ungarn in der Steiermark (1257), König Ottokar von Böhmen (1276), König Rudolf (1277) und andere habsburgische Landesfürsten. Von diesen waren jene des Herzogs Stephan und König Ottokars von größerer Bedeutung, denn ersterer bestätigte die Vogtfreiheit und Exemtion des Stiftes und Marktes, während der böhmische König erklärte, auf freiwilliges Verlangen des Konventes den Landeshauptmann von Steiermark als Vogt für das Kloster bestellen zu wollen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die landesfürstliche Privilegienbestätigung 1356 erklärte das Kloster als unmittelbar unter des Kaisers und Reiches Schutz stehend. Vogt des Klosters war dessen Diözese das Kloster lag. Konfirmationsurkunden der Bischöfe von Seckau sind aber erst von 1494 und 1518 erhalten. Die freie Propstwahl wurde dem Stainzer Kapitel 1268 vom Bischof von Lavant ausdrücklich bestätigt. Papst Bonifaz VIII. (1294–1303) sicherte dieses Recht dem Stift neuerlich zu, unter gleichzeitiger Bestätigung des Besitzstandes. 1455 behielt sich Papst Nikolaus V. die Besetzung mehrer Abteien und Propsteien in Steiermark und Kärnten vor, darunter auch Stainz, allerdings nach den Vorschlägen des Kaisers, was gegen das freie Wahlrecht des Kapitels verstieß. Später hat das Kloster das Wahl- bzw. Postulationsrecht des Propstes stets wahren können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist als Glücksfall zu betrachten, dass die in Stainz zuletzt benützte Wahlurne von ca. 1700 erhalten geblieben ist. R. Pitter übergab sie 1935 dem Diözesanmuseum Graz. Sie ist aus Buchenholz, hat die Form eines Speisekelches und ist schwarz poliert. Aus den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts gibt es wiederholt Nachrichten über die Funktion des Propstes als Kommisär Salzburgs bei der Einführung neuer Pfarrer in ihre Pfarren. 1480 wird Propst Augustin anlässlich einer solchen Einsetzung sogar als Archidiakon von Ober- und Untersteiermark bezeichnet. Das Recht der Pontifikalien wurde dem Stainzer Propst 1453 von Papst Nikolaus V. erteilt. Das Privileg gestattete dem Propst auch, Altäre und Paramente in den eigenen Kirchen zu weihen. Als Vertreter des geistlichen Großgrundbesitzes gehörten die Pröpste zum Prälatenstand der steirischen Stände und übten als seine Mitglieder wiederholt öffentliche Funktionen aus. Schon für Mitte Februar 1457 ist die Teilnahme des Stainzer Propstes am Landtag verbürgt. Rosolenz war 1628 als erster Stainzer Prälat Mitglied des Verordnetenkollegiums des Landtages. Nach ihm auch die Pröpste Johann Bernhard und Christoph Horatius. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Auszeichnung für die Stiftsvorstände bedeutete ihre Ernennung zum landesfürstlichen Rat, welche Ehre zuerst Propst Rosolenz als Günstling Erzherzog Ferdinands zuteil wurde, später trugen die Pröpste Jöchlinger, beide Paumgarten und Carminelli den Titel &amp;quot;kaiserlicher Rat&amp;quot;. Propst Johann Bernhard von Paumgarten und seine beiden Nachfolger nannten sich zudem lateranensische Äbte, weshalb Stainz auch als Abtei bezeichnet wurde. Der Chorherr [[Joseph Maria Kreuzer]] erlangte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sogar die Würde eines Apostolischen Protonotars, die auch einer der letzten Chorherren bekleidete. Der Ort Stainz, 1230 Markt genannt, hatte schon zu diesem Zeitpunkt auch einen Marktrichter, der 1245 namentlich genannt wird. 1249 trat Leutold von Wildon mit dem Markt auch das Recht der Gerichtsausübung an das neugegründete Stift ab. Die Bestellung des Marktrichters erfolgte jedoch auf Grund freier Wahl, der Propst hatte nur ein beschränktes Mitspracherecht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aus der Zeit des Propstes [[Leonhard Grasmayr]] stammende Stainzer Marktrichterstab ist noch heute vorhanden. Die bisherige Forschung war sich nicht im klaren, ob das Stift bei seiner Gründung auch die hohe Gerichtsbarkeit über den Marktbereich erlangt habe. Denn 1597 wird von einem Landgericht und Burgfried des Marktes Stainz gesprochen, der sich etwa eine Quadratmeile ausdehnte. Der flächenmäßig viel ausgedehntere Burgfried des Stiftes hin gegen unter stand dem Landgericht Wildon, an das Schwerverbrecher nur mit dem Gürtel umfangen ausgeliefert wer den mussten, während leichtere Vergehen in Stainz abgeurteilt werden konnten. Der schon lange erhobenen Forderung der Stainzer Bürger nach Rückgabe der Gerichtsbarkeit entsprach Propst Rosolenz 1597 dadurch, dass der Stainzer Marktburgfried die Landgerichtsfreiheit haben sollte, das Stift sich aber im Marktburgfried und im Stiftsburgfried des eigenen Landgerichtes zu betragen habe. Es war also eine Delegation des Landgerichtes, das eigentlich dem Kloster als Herrn des Markt es zustand. 1694 und 1760 wurden in Stainz zwei Hinrichtungen mit dem Schwert vorgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Persönliche Zusammensetzung und zahlenmäßige Stärke eines Klosterkonventes sind Kriterien seines Gedeihens. 1332 bestand der Konvent aus dem Propst und vier Chorherren. Mitglieder des niederen Adels und wahrscheinlich auch des Bürgertums füllten damals die Reihen der Chorherren. 1358 befand sich ein Sohn des Ulrich Hagen im Kloster, 1334 werden Friedrich und [[Ulrich die Winterhofer]], 1371 [[Gottschalk der Chröczer]] als Mitglieder des Konventes genannt. Zahlreiche Stainzer Chorherren erscheinen in den Weiheregistem der Seckauer Bischöfe von 1425 bis 1507. Bis in das 17. Jahrhundert dürfte die Anzahl der Konventualen nie über zehn hinausgekommen sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die landesfürstliche Visitation 1528 fand im Stift außer dem Propst sieben Chorherren, die friedlich zusammenlebten. Auch 1545 waren Propst und Konvent &amp;quot;aineß erbaren geistlichen wandelß und wesenß&amp;quot;, lebten nach der Regel und trugen ihre schwarzen Röcke mit dem &amp;quot;weißleynen sarrokh&amp;quot; darüber. 1553 wählten fünf Chorherren, von denen einer des Schreibens unkundig war, den neuen Propst. Einige Jahrzehnte später hatte sich die Situation insofern verändert, als neben fünf Mönchen auch zwei Konkubinen und vier Kinder im Stift lebten. Das war zur Zeit der Hochblüte des Protestantismus in der Steiermark. Alle Konventualen dieser Zeit waren bürgerlicher Herkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem allgemeinen Tiefstand Ende des 16. Jahrhunderts erholte sich unter Propst Rosolenz das Stift in jeder Hinsicht ungemein rasch. 1601 schrieb Nuntius Portia den Chorherrenstiften der Steiermark ein einheitliches Ordenskleid vor, denn er hatte bemerkt, dass dieses nach Farbe und Schnitt verschieden war. Kurz bevor Rosolenz starb, lebten außer ihm bereits wieder zehn Kanoniker im Kloster, die aus der Mark Brandenburg, aus Köln, aus Linz sowie aus Krems in Niederösterreich stammten. Die Zahl der Kanoniker stieg in der Folge aber nur langsam, wenn auch stetig an. Noch 1639 betrug sie nur 13, und alle Chorherren waren bürgerlichen Standes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1666 wählten 14 Priester, zwei Diakone und ein Subdiakon den neuen Propst. Dessen Nachfolger, [[Johann Bernhard von Paumgarten]], hatte sich in den letzten Jahren seiner Regierung mit den Exzessen zweier Konventualen zu befassen, die er eigentlich wegen Untauglichkeit zum Klosterleben hätte entlassen müssen. Der eine hatte das Siegel des Propstes gefälscht und damit in Graz 2.300 Gulden ergaunert, war dann auf der Flucht gefasst und vom Stift interniert worden. Der andere hatte homophile Neigungen, denen zahlreiche junge Männer zum Opfer fielen. Er wurde im stiftischen Schloss Lankowitz eingesperrt, setzte aber auch dort sein Treiben fort. Er dürfte in der Haft gestorben sein. Schließlich verfiel der Propst selbst der Suspendierung durch den Bischof von Seckau aus Gründen der Insubordination, doch scheint diese nicht strikt exekutiert worden zu sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man 1705 zur Wahl eines neuen Propstes schritt, befand sich der Konvent in einem personellen Höchststand: Der Dechant war 40 Jahre alt und stammte aus Graz. Weitere 19 Chorherren waren Priester und alle, bis auf drei, zwischen 25 und 44 Jahre alt. Zwei Herren waren noch Diakone, einer erst Subdiakon. Dazu kam der in Lankowitz inhaftierte Chorherr, der sein Stimmrecht verloren hatte. Neun Chorherren waren von Adel, der Rest der Konventualen gutbürgerlicher Herkunft, aus dem Bauernstand stammte keiner. Elf Konventualen nannten Graz als Heimatstadt, acht kamen aus der Steiermark, jedoch keiner aus Stainz selbst, der Rest nannte Kärnten, Salzburg, Wien, Niederösterreich und Böhmen als Heimat. Das Durchschnittsalter der 24 Chorherren betrug 37 Jahre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert traten wiederholt Mitglieder landständischer Familien in das Stift ein. Darunter [[Leopold Wilhelm Graf Galler]] von Schloss Lannach, ein Graf Saurau, zwei Freiherren Jöchlinger, der eine, Georg Seyfried, wurde Propst, der andere war dessen Neffe, zwei Freiherren von Paumgarten, die beide zur Propstwürde kamen, zwei Brüder Freiherren Ottenfels aus Kärnten, ein Graf Morelli aus Graz sowie mehrere Angehörige des niederen steirischen (Beamten-) Adels. 1775 starb im Chor bei der Komplet, vom Schlag getroffen, [[Maria Karl Graf von Hainrichsperg]], letzter hochadeliger Chorherr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klagen über die damals ziemlich gesunkene Disziplin der meisten Konventualen drangen nicht nur dem Ordinarius zu Ohren, auch die staatlichen Regierungsbehörden waren hellhörig geworden. Manche Chorherren unternahmen in Begleitung von Damen aus Stainz Fahrten im Wagen oder Schlitten auf die Stiftsherrschaften und bis nach Marburg/ Maribor, besuchten Faschingveranstaltungen, frequentierten in Stainz und Graz Gasthäuser und kamen oft erst spät in der Nacht oder tagelang überhaupt nicht ins Stift. Die Konventualen trugen bis auf einen keinen Habit mehr. Trotz vieler Priester wurden an den Sonn- und Feiertagen so wenig Messen in der Stiftskirche gelesen, dass sich die Bürger von Stainz darüber beschwerten. Propst de Angelis konnte diesem Sittenverfall, trotz häufiger Ermahnungen an die Konventualen und wiederholter bischöflicher Visitationen, nicht mehr wehren, denn seine guten Absichten wurden vom Dechant durchkreuzt. Aus diesen Gründen war sowohl der Bischof von Seckau wie auch die Regierung der Ansicht, dass es besser sei, Stainz aufzuheben. Das Stift ist also auch an der Dekadenz seiner eigenen Mitglieder zugrunde gegangen. Am Tage der Aufhebung befanden sich 24 Chorherren im Stift, die bis auf drei bürgerlicher Herkunft waren und fast alle aus der Steiermark stammten. Jene, die körperlich in der Lage waren, wurden zur Ausübung der Seelsorge im Bereich des Bistums Seckau verpflichtet, unter Androhung des Verlustes ihrer staatlichen Pension im Weigerungsfalle. Als einziger von ihnen machte [[Ludwig Maximilian von Jacomini]] eine kirchliche Karriere, er wurde Domherr des Seckauer Kapitels in Graz, 1816 sogar Dompropst und saß in dieser Eigenschaft als Repräsentant des Domkapitels im Landtag. Der letzte Stainzer Exchorherr starb 1831 in Graz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Propst Johann Bernhard von Paumgarten hinterließ bei seinem Tod 1704 auch eine Bibliothek, die auf zwölf Stellagen untergebracht war. 1782 zählte man 2.520 Bände, unter denen sich die meisten &amp;quot;Hl. Vätter&amp;quot; vorfanden, aber auch die &amp;quot;Acta sanctorum&amp;quot; des Johannes Bollandus. Drei Jahre später, bei der Aufhebung, wurde festgestellt, dass sich die Bibliothek in gänzlicher Unordnung befand und kein Katalog der Bestände vorhanden war, nur ein unverlässliches Repertorium. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb konnten die Bücher auch nicht einzeln aufgenommen werden, doch gab es Werke verschiedener Disziplinen (Theologie, Jus, Geschichte etc.). Zusätzlich standen bei den Büchern noch zwei Globen. Der vernachlässigte Zustand der Bibliothek wird auf den Lebensstil der letzten Chorherren zurückgeführt, die für wissenschaftliche Betätigung wenig Interesse zeigten. Das Stift muss als Gründung des frühen 13. Jahrhunderts sicher zahlreiche Handschriften besessen haben, von denen nur ein kleiner Rest erhalten ist. Die Grazer Universitätsbibliothek besitzt fünf Handschriften aus Stainz. Eine Bibelhandschrift aus dem 13. Jahrhundert zeichnet sich durch die Qualität des Pergaments und die schöne Schrift aus. Das interessanteste Stück ist jedoch ein ''Antiphonarium Salisburgense'' vom Ende des 15. Jahrhunderts (Hs. 2 der UB Graz), das wegen seiner Größe (55 x 38 cm), seines Einbandes (brauner Lederband mit Blindpressung und Messingbeschlägen) und Buchmalerei auffällt. Es trägt auf Blatt 1 die Darstellung des hl. Augustinus und der hl. Katharina zwischen zwei Chorherren in der Tracht des 15. Jahrhunderts. Bei der Aufhebung wurden im Zimmer Nr. 35 des Stiftes neben altem Holz Graffelwerch auch alte Bücher gefunden, die nur zu verbrennen gehören. Ähnlich rigoros entschied man über die Correspondenz, wodurch viel Archivalisches zugrunde ging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bücher der Bibliothek, die Manuskripte, das (restliche) Archiv und die mathematischen Instrumente wurden 1803 der k. k. öffentlichen Bibliothek in Graz übergeben. Außer den fünf Handschriften befinden sich heute auch viele Bücher in der Grazer Universitätsbibliothek. Letztere tragen am Rücken Schildchen mit Nummern, deren höchste Zahl 3.054 ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Pfarrkirche Stainz=== &lt;br /&gt;
Über die von einigen Forschern angenommene Existenz einer ersten Kapelle zur hl. Katharina &amp;quot;in der Birken&amp;quot; vor der Gründung des Stiftes wurde schon früher gesprochen. R. Kohlbach vermutete, diese &amp;quot;Urkapelle&amp;quot; sei in ihren Grundmauern noch in einem Nebenraum des Presbyteriums der heutigen Kirche vorhanden. 1978/79 im Erdgeschoss des Nordturmes durchgeführte Restaurierungsarbeiten haben an dessen nordöstlicher Innenwand ein steingemauertes Spitzbogenportal freigelegt, das vielleicht mit der von Kohlbach an dieser Stelle vermuteten gotischen (!) Katharinenkapelle in Beziehung gebracht werden könnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wann die erste Kanonikalkirche fertiggestellt war, ist schwer zu sagen. 1232 (nicht wie behauptet 1244) wurde dem Leutold von Wildon vom Salzburger Erzbischof aller Grund und Boden um die Kirche der hl. Katharina in Stainz überlassen, womit die Existenz des Gotteshauses eigentlich feststeht. Seine Errichtung bzw. Fertigstellung hat wohl etliche Jahre gedauert, der Zeitraum dafür wird mit 1230 / 50 angegeben. Die ehemals romanische und geostete Kirche ist durch spätere Umbauten nur noch gebrochen erkennbar. Sie wurde in enger stilistischer Anlehnung an das Mutterkloster Seckau errichtet. Es wird in diesem Zusammenhang von &amp;quot;sächsischen&amp;quot; Bauformen gesprochen, die durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg in seiner Diözese verbreitet worden seien. Analog der Seckauer Maßverhältnisse wurde die romanische Kirche von Stainz rekonstruiert: An das westliche Turmpaar mit der dazwischen gelegenen Vorhalle schlossen sich sechs Langhausjoche und zwei Chorjoche mit den angefügten Apsiden an. Damit ergibt sich die Länge der romanischen Kirche, ihre Breite stand mit den beiden Westtürmen seit der Erbauung fest, wobei die Seitenschiffe die halbe Mittelschiffsbreite besaßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zwei quadratischen Westtürme und Teile des aufgehenden Mauerwerks im Schiff werden als in ihrem Kern frühgotisch bezeichnet. 1363/65 werden zwei Altäre der alten Kirche erwähnt, der St.-Dorothea- und St.-Johannes-Altar. 1400 wird eine Stiftung zum Magdalenenaltar errichtet, und 1429 war die Kirche nachweislich renovierungsbedürftig. Dann schweigen die Quellen über die Kirche für fast zwei Jahrhunderte. Unter Propst Rosolenz erfolgte um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert der Neubau der Stiftskirche. Die Kirche wurde nach Westen ausgerichtet, 14 Altäre, drei Kapellen und der Kreuzgang, wo die Konventualen begraben lagen, fielen dem damaligen Neubau zum Opfer. Das Kapitel machte darüber die Anzeige beim Seckauer Bischof und warf dem Propst Zerstörungssucht vor. Rosolenz rechtfertigte sich damit, dass nur drei Altäre der alten Kirche geweiht waren, die Kapellen gar nicht, denn sie seien armselig und nur mit Brettern gedeckt gewesen. Der Zugang zur Kirche war nach Meinung des Propstes ruinös, weil vor dem Kloster erbaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosolenz ließ sich durch die Kritik aus dem Konvent nicht beirren. Zwischen 1605 und 1629 wurde der Chor der Kirche unter Einbeziehung der Türme nach Westen verlegt, weshalb das jetzige Presbyterium zwischen die beiden Kirchtürme eingezwängt erscheint, der Eingang dafür im Osten in dem von Rosolenz errichteten kleinen Hof angelegt, das Langhaus aufgeführt und eine prächtige Ausstattung im Stil der Renaissance in Angriff genommen. Am 22. Jänner 1629 wurden der Hochaltar der hl. Katharina und zwei Seitenaltäre zu Ehren Unserer Lieben Frau (links) und des hl. Augustinus (rechts) geweiht. Ein halbes Jahr nach dem Tod des Propstes erfolgte die Weihe von sechs weiteren Altären, die den Heiligen Jakob, Andreas, Johannes Baptist, Anna und Dorothea, dem hl. Kreuz und Petrus und Paulus dediziert waren. Leider ist von dieser Einrichtung nichts mehr erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fortführung des Neubaues der Stiftskirche erfolgte erst um 1680 unter Propst Jöchlinger. Als Baumeister steht der aus Deutschlandsberg stammende Ruep Schrittwieser, ein Schüler Domenico Sciassias, fest. Das Innere wurde zu einer Wandpfeilerkirche umgestaltet, die ihre Belichtung durch seitliche Emporen erhielt. Jöchlinger und seine Nachfolger Johann Bernhard von Paumgarten (1683–1704) und Christoph Horatius Carminelli (1705–1724) ließen im Chor, im Langhaus, an der Orgelbrüstung und in den Seitenkapellen die noch vorhandene üppige Stuckierung anbringen. Sie wird der Werkstätte des Alexander Serenio, der auch in Schloss Eggenberg in Graz gearbeitet hat, und Domenico Boscho zugeschrieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stuckgerahmte Wappen weisen auf die Pröpste Jöchlinger und Paumgarten als Auftraggeber hin. Die Fresken der etwa 70 Spiegelflächen der Decke stammen von Matthias Echter und wurden 1690/1700 angebracht. Im Kirchenschiff sind sie dem Leben und der Verherrlichung des hl. Augustinus gewidmet, im Presbyterium der Kirchenpatronin Katharina. Reste der frühbarocken Bemalung aus der Zeit von Propst Rosolenz wurden anlässlich der letzten Kirchenrenovierung entdeckt, aber wieder übertüncht. Seltsamerweise wird noch 1698 dem Propst von der Landschaft eine Beihilfe von 3.000 Gulden zur Behebung der  &amp;quot;Paufölligkeit dess Gottshauss&amp;quot; gewährt. Dessen Fertigstellung war offenbar noch nicht abgeschlossen. Der heute zweigeschossige Hochaltar nimmt den gesamten Chorschluss ein, trägt die Signatur des Stainzer Tischlers Matthias Jägisch mit der Jahreszahl 1689 und wurde 1695 geweiht. Er trägt das Wappen des Propstes Paumgarten, der auch den künstlerischen Entwurf geliefert haben soll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Altarblätter, darstellend das Martyrium der hl. Katharina und ihren Triumph über den Tod, werden mit gutem Recht dem fürstlich Eggenbergischen Hofmaler Hans Adam Weissenkircher zugeschrieben. Die großen Seitenstatuen stellen die vier Päpste Silvester I., Damasaus I., Cölestin I. und Leo I. sowie die Kirchenlehrer Augustinus und Ambrosius dar, kleinere Statuen der oberen Reihe zeigen die Heiligen Agnes, Margareta, Ursula und Monika. Die Seitenaltäre an den Mauerpfeilern des Fronbogens sind dem hl. Augustinus und der Immaculata geweiht, sie wurden unter Propst Carminelli aufgestellt. Die Kapellen auf der Epistelseite sind den hl. Vierzehn Nothelfern, dem hl. Josef, dem hl. Kreuz und dem hl. Rosenkranz (früher den Armenseelen), die auf der Evangeliumseite dem hl. Johann Nepomuk, der hl. Maria vom Berge Karmel (Skapulierkapelle), der hl. Anna und dem hl. Antonius von Padua zugeeignet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Annakapelle befindet sich der figurale Grabstein des Propstes Simon Eberhard (gest. 1649), der einzige eines Propstes in der Kirche. Zwischen den Altären der hl. Anna und des hl. Antonius führte früher ein Ausgang in den Stiftshof, der 1809 vermauert und bei der letzten Restaurierung statt des Lourdes-Altars ein barockes Barbarabild erhielt. Den Altar der gegenüberliegenden Barbarakapelle hat man 1809 abgetragen und einen zusätzlichen Kircheneingang statt des vermauerten Ausgangs auf der Südseite geschaffen. Der Vierzehn-Nothelfer-Altar wurde 1906 abgebrochen, das Altarblatt von Veit Hauck ist aber noch vorhanden. In der Vierzehn-Nothelfer-Kapelle befindet sich, senkrecht eingemauert, der Wappengrabstein des Stifters Leutold von Wildon mit der Angabe des Sterbedatums. Er ist aus rotem Marmor gearbeitet und wird in die Jahre 1448/49 datiert, als man im Stift die 200-Jahr-Feier seines Todestages beging und aus diesem Anlass den ursprünglichen Grabstein durch einen neuen ersetzte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der gegenüberliegenden Kapellenwand fand der 1979 entdeckte Grabstein eines Propstes Aufstellung. Unter einer gotischen Baldachinarchitektur mit gedrehten Säulen sind im Flachrelief Infel, Krummstab und ein Wappenschild wiedergegeben, das neben dem zerbrochenen Rad der hl. Katharina auch das &amp;quot;Seeblatt&amp;quot; als Stiftswappen zeigt. Inschrift trägt der Stein keine. Da erst Propst Sigmund von Lemsitz (1453) das Pontifikalienrecht erhielt, könnte der Grabstein ihm gehören. Ein anderer 1979 gefundener gotischer Grabstein mit dem Lemsitzer Wappen wurde im Erdgeschoss des Nordturmes eingemauert. Das ist alles, was aus der mittelalterlichen Kirche übrig geblieben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Altäre besitzen eine Ausstattung von dem in der Steiermark viel gerühmten Bildhauer Veit Königer (1729–1792). Er soll auch die Kanzel der Kirche geschaffen haben. Ein großer und zwei kleinere Paramentenschränke in der Sakristei datieren um 1720. Um 1740 wurden die Kirchtürme um die Glockenstube und ein weiteres achteckiges Geschoss mit barockem Helm erhöht. Propst Johann Anton de Angelis ließ 1757 das heutige Kirchengestühl aufstellen, während das hochbarocke Chorgestühl aus der Zeit um 1700 auf der Orgelempore steht. Die derzeitige Orgel ist neueren Datums. 1978/79 fand unter Pfarrer Lorenz Möstl eine grundlegende Renovierung der Pfarrkirche im Sinne des Denkmalschutzes statt. Später ist auch eine Außenrestaurierung von Kirche und Schloss erfolgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift===&lt;br /&gt;
Das ehemalige Stift erstreckt sich auf einer nördlich des Marktes gelegenen nach Osten abfallenden Hochfläche. Im Steirischen Schlösserbuch des G. M. Vischer von 1681 ist Stainz mit drei Abbildungen vertreten. Die erste zeigt das Stift vor dem barocken Umbau, mit einer Anhäufung verschieden hoher gotischer Gebäude, die von einer Mauer umgeben sind, welche von einer Reihe größerer und kleinerer Türme besetzt ist. Nur wenige Bauteile, darunter die Kirche, sind bereits barockisiert. Wahrscheinlich bildete eine alte Stiftsansicht die Vorlage für diesen Kupferstich, den Andreas Trost signiert hat. Die beiden anderen Stiche, die ebenfalls von Trost angefertigt wurden, stellen das bereits in barockem Stil um gebaute Stift dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Abbildungen geben bis auf einige spätere bauliche Veränderungen die heutige Anlage wieder. Diese ist ein Geviert, dessen nördlichen Trakt teilweise die Kirche bildet. Mittelalterlich ist nur der niedere und schmälere Westtrakt, der bei Vischer aber dieselbe Höhe wie die übrigen Trakte hat, weil dies vielleicht im barocken Bauplan so vorgesehen war. Die Seitenlänge der Trakte beträgt etwa 80 Meter. Der Komplex umfasst einen kleineren, auf Propst Rosolenz zurückgehenden Hof und den großen fast quadratischen, dreigeschossigen Stiftshof. Beide Höfe werden durch den Prälatentrakt, der an die Kirche anschließt, getrennt. Die Arkaden des großen Hofes sind bis auf das Erdgeschoss vermauert bzw. verglast, am Westtrakt aber als gemalte Gliederung angedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Trakt befinden sich drei alte gemalte Wappen für Erzherzog Ferdinand II., den Stiftsgründer Leutold von Wildon und Propst Rosolenz, die dieser vor 1629 anbringen ließ. Auf Rosolenz geht sowohl die nach ihm benannte Stiege vom Markt zum Stift als auch der Getreidekasten gegenüber dem äußeren Stiftstor zurück. 1733 wurde vor dem Stiftsportal eine Statue der Immaculata flankiert von den Heiligen Gelasius und Patritius, die J. M. Leitner geschaffen hat, aufgestellt. Der unter Propst Jöchlinger vor dem Osttrakt angelegte barocke Garten mit einem Springbrunnen in der Mitte ist als einfacher Schlossgarten noch vorhanden. Die beiden charakteristischen achteckigen Pavillons an den Enden der Gartenterrasse wurden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hinzugefügt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Stiftsansicht, die als Ölbild des 18. Jahrhunderts im Grazer Franziskanerkluster existiert, zeigt das ehemalige Stift, wie es sich als Schloss der Grafen von Meran auch heute noch präsentiert. Das Innere des Schlosses besitzt eine Reihe von Räumen, deren Stuckdecken von einstiger barocker Pracht zeugen. Im Erdgeschoss des Südtraktes befindet sich das ehemalige Refektorium mit Stukkaturen und Malereien um 1695 bis 1700. Letztere stammen möglicherweise von Matthias Echter und stellen u.a. die &amp;quot;Hochzeit zu Kana&amp;quot;, die &amp;quot;Wunderbare Brotvermehrung&amp;quot;, das &amp;quot;Gastmahl im Hause des Simon&amp;quot; und das &amp;quot;Letzte Abendmahl&amp;quot; dar. Der ehemalige Kapitelsaal lag im Südosteck des 1. Stockes und wurde 1720 von Carlo Formentini stuckiert. Im früheren Bibliothekssaal befindet sich ein übermaltes Deckengemälde (Thema: &amp;quot;Siegeszug einer Herrscherin&amp;quot;) mit den Initialen des letzten Propstes Johann Anton de Angelis. Unter den Arkaden des großen Hofes steht der beschädigte Grabstein des Propstes Georg Christoph Purgstaller (t 1654). Das Schloss wird teils als Museum, teils als Privatwohnung der Familie Meran genützt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Pfarrkirche St. Stefan ob Stainz=== &lt;br /&gt;
Die ursprünglich romanische Kirche von St. Stefan wurde um 1500 gewölbt und ist heute eine vierjochige dreischiffige Halle. Der höhere, zweijochige Chor mit 5/ 8-Schluss und Kreuzrippengewölbe soll aus dem 14. Jahrhundert stammen. An der Ostwand des südlichen Seitenschiffes befinden sich zwei Konsolköpfe, unter deren einem sich das Wappenschild der Wildonier (Seeblatt) befindet, weshalb die Köpfe Leutold und Agnes von Wildon, die Stifter von Stainz, darstellen dürften. Im Chor befindet sich eine (Sakraments-) Nische mit Renaissance-Architekturumrahmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Vom ursprünglichen Archivgut des Stiftes ist nicht alles überliefert. Das meiste davon befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv. Die Urkunden sind in die Allgemeine Urkundenreihe eingereiht, die Akten in 25 Kartons gesammelt, Archivalien über Stainz befinden sich in der Reihe Altes Landrecht (Stainz, Stift). Auch das Diözesanarchiv Graz besitzt in fünf Kartons Akten über Stift Stainz. Ebenso existieren im Wiener Allgemeinen Verwaltungsarchiv im Archivkörper Alter Kultus (Sign. 94, Stifte, Steiermark, K 773) Akten über Stainz aus den Jahren 1782 bis 1803. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ungedruckte Quellen== &lt;br /&gt;
Archiv der Diözese Graz-Seckau (DAG): Stift Stainz, X1X b 32-36; Pfarrurkunden R 2, Nr. 183, 195,286. Steiermärkiscl1es Landesarchiv Graz: (StLA): AUR, Archiv Stainz , Stift und Herrschaft (19 Kartons). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Baupläne== &lt;br /&gt;
Die ältesten Ansichten des Stiftes dürften die Kupferstiche des Andreas Trost nach Zeichnungen G. M. Vischers in der &amp;quot;Topographia ducatus Stiriae&amp;quot; von 1681 sein. Stainz ist mit drei Ansichten vertreten, wobei die erste das Stift noch größten teils gotisch zeigt. Der Stich ist wahrscheinlich nach einer alten Ansicht im Stift entstanden. Die beiden anderen Darstellungen zeigen das umgebaute, barockisierte Stift aus östlicher und westlicher Richtung. Da die Kirchtürme bereits weit über das Kirchendach hinausragen, ihre Erhöhung aber erst Jahrzehnte später erfolgte, geben die beiden zuletzt genannten Stiche den Bauplan der Barockanlage wider. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Ölbild im Grazer Franziskanerkloster, darstellend das Stift von Süden, lehnt sich an eine der Darstellungen G. M. Vischers an, ist aber späteren Datums, wie an den Gartenpavillons erkenntlich ist, die erst im 18. Jahrhundert erbaut wurden. Eine kleine Ansicht des Stiftes um 1720 ist auf dem Antependium des Marienaltares in der jetzigen Pfarrkirche Stainz zu sehen. Sie zeigt die Kirchtürme noch vor ihrer endgültigen Erhöhung. Bei Lackner ist eine Rekonstruktion des Grundrisses der romanischen Kirche über dem Grundriss der heutigen abgebildet. Kohlbach und Lackner bieten einen Grundriss der jetzigen Kirche im Maßstab 1:750, Lackner darüberhinaus auch einen Querschnitt der Kirche und einen Grundriss von Schloss samt Kirche. Sie gehen z.T. auf Erhebungen im Auftrag des Bundesdenkmalamtes 1951 zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik== &lt;br /&gt;
===Siegel===&lt;br /&gt;
Das Siegel des Stainzer Kapitels ist ab 1297 nachzuweisen und wurde bis ins 16. Jahrhundert verwendet. Im Siegelfeld steht in Dreivierteldrehung die hl. Katharina mit dem Rad als Attribut in ihrer Rechten. Die Heilige ist gekrönt und trägt einen Heiligenschein um ihr Haupt. Mit ihrer linken Hand hält sie die Märtyrerpalme. Links und rechts von ihr sind als Symbole für die Unsterblichkeit ein beblätterter Eichenast mit Eicheln und eine Efeuranke zu sehen. Letztere wurde manchmal als Weinrebe mit Trauben gedeutet, was jedoch keinen Sinn ergibt. Die umlaufende unziale Umschrift zwischen zwei Perllinien beginnt mit dem Kreuzzeichen und wird unten durch die Heiligenfigur geteilt: &amp;quot;+ S(igillum) · CO(n)VENTVS · ECC(lesi)E · SANC/TE · KATERINE · I(n) · STEVNTZ&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1589 wurde ein weiteres Kapitelsiegel angefertigt. Im Feld ist über dem Stiftswappen die hl. Katharina mit dem Rad und der Palme dargestellt. Neben ihr ist die Datierung 1589 angebracht. Die kapitale Inschrift auf einem Band wird durch den Wappenschild unterbrochen und ist außen von einer Perlenschnur mit acht Blütchen begrenzt. Etwas später ist ein kleines, achteckiges Signet mit der Datierung 1623 in Angelegenheiten des Kapitels nachzuweisen. Es zeigt wieder die hl. Katharina, ebenso ein folgendes, jedoch undatiertes hochelliptisches Typar, das bis zur Aufhebung des Stiftes verwendet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wappen=== &lt;br /&gt;
In Rot ein silbern es Seeblatt. Dieses Wappenbild geht auf das Geschlecht der Herren von Wildon als Stifter von Stainz zurück. Später wurde anscheinend das von einem natürlichen Seerosenblatt abgeleitete Bild nicht mehr verstanden, und es sind in den Schilden manchmal Linden-, Buchen- oder Birkenblätter dargestellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Leopold von Beckh-Wiomanstetter: Das Grabmal (oder der Grabstein) Leutolds von Wildon in der Stiftskirche Stainz und die Siegel der Wildonier. In: Mittheilungen der k. k. Central-Commission für die Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XVII (1872), S. 111ff. &lt;br /&gt;
* Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark. Wien 1982, S. 489f., S. 535ff. &lt;br /&gt;
* EPITAPHIUM (...) DOMINI GEORGU SIGEFRIDI (...) IN STAINZ PRAEPOS[TI, (...) Qui pie in Domino obiit Graecij Alulo MDCLXXXIIJ. Die 7. Julij (Graetz 1683). &lt;br /&gt;
* Josef Grollinger: Jakob Rosolenz, Propst von Stainz (1596-1629). Ein Lebensbild aus der steirischen Gegenreformation. Diss. Univ. Graz. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Anton Kern: Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz. Bd. 1. Leipzig 1942, Nr. 2, Nr. 121; Bd. 2, Wien 1956, Nr. 1071, 1190, 1298; Bd. 3, Wien 1967, XXIf. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Stainz. In: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1953, S. 197ff., S. 295, S. 317.&lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Stift Stainz in der Weststeiermark. Typoskript o.J. (nach 1956), Stiftsbibliothek Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
* Arnulf Kogler: Die Wildonier und die ersten Anfänge des Augustiner-Chorherrenstiftes Stainz. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 9 (1911), S. 127ff. &lt;br /&gt;
* Arnulf Kogler: Visitation und Inquisition des Stiftes Stainz. In: Blätter zur Geschichte und Heimatkunde der Alpenländer 2 (Beilage zum &amp;quot;Grazer Tagblatt&amp;quot;), (1911), S. 195ff. &lt;br /&gt;
* Arnulf Kogler: Das Ende der Stainzischen Marktgerichtsherrlichkeit. In: Blätter zur Geschichte und Heimatkunde der Alpenländer (Beilage zum &amp;quot;Grazer Tagblatt&amp;quot;), (1911), S. 129f. &lt;br /&gt;
* Walter Koschatzy: Der Baumeister des Stiftes Stainz. In: Neue Chronik zur Geschichte und Volkskunde der innerösterreichischen Alpenländer 31 (Beilage zu Nr. 17 der Südost-Tagespost), (1965), S. 3.&lt;br /&gt;
* Leopold Kretzenbacher: Zur Gründungslegende des Chorherrenstiftes Stainz. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 48 (1957), S. 175ff. &lt;br /&gt;
* Helmut Lackner: Die Pfarrkirche hl. Katharina in Stainz. 2. Aufl. Stainz, o. J. &lt;br /&gt;
* Johann Losserth: Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert. In: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII /3 (1912), S. 59, S. 65, S. 199. &lt;br /&gt;
* Arnold Luschin: Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters. In: Mittheilungen der k. k. Central-Commission für die Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX (1874), S. 256f. &lt;br /&gt;
* Hans Pirchegger: Beiträge zur älteren Besitz- und Rechtsgeschichte steirischer Klöster. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 38 (1947), S. 24ff. &lt;br /&gt;
* Rudolf Pitter: Beiträge zur Geschichte von Stainz. Diss. Univ. Graz. Graz 1936 (Exemplar im DAG, Nachlass Pitter). &lt;br /&gt;
* Andreas Posch: Die Widmung des &amp;quot;Stainzer Hofes&amp;quot; in Graz. In: Blätter für Heimatkunde 9 (1931), S. 1ff. &lt;br /&gt;
* Johann Rainer: Projekte zur Errichtung eines Bistums Graz. In: Römische Historische Mitteilungen 6/7 (1964), S. 114ff. &lt;br /&gt;
* Johann Rainer: Die Entwicklung der Diözesaneinteilung in der Steiermark. Mit besonderer Berücksichtigung der Zeit Karls II. und Ferdinands II. In: Innerösterreich 1564-1619 (Joannea III). Graz 1967, S. 233ff. &lt;br /&gt;
* Johann Rainer und Sabine Weiss: Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581. 1977 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX), S. 25f., S. 131f., S. 140. &lt;br /&gt;
* F. Schellauf: Stainz in Vergangenheit und Gegenwart. Stainz 1929. &lt;br /&gt;
* Elisabeth Schmölzer: Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser. Hg. vom Amt der Steiermärk. Landesregierung Graz 2. Aufl. 1993, S. 340f. &lt;br /&gt;
* Anton Selak: Stainz. Ein Beitrag zur Ortsgeschichte. Stainz 1930.&lt;br /&gt;
* 1229 Stiftskirche Stainz 1979. Festschrift anläßlich der Fertigstellung der Innenrestaurierung und der Installierung einer neuen Orgel. Deutschlandsberg 1980.&lt;br /&gt;
* Trauerrede auf Johann Anton, Prälaten der regulirten Khorherrn zu Stainz in Steyermark. Gesagt von Franz Xavier Gmeiner in der Kollegiatkirche zu Stainz, den 19. August 1782. Graez 1782. &lt;br /&gt;
* O. Trummer: Das Augustiner-Chorherrenstift Stainz. Diss. Technische Hochschule Graz. Graz 1929 (Exemplar 1945 zugrunde gegangen; das Exemplar des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Graz derzeit verschollen). &lt;br /&gt;
* Georg Matthaeus Vischer: Topographia Ducatus Stiriae 1681. Hg. von A. L. Schuller. 2/405-407. Graz 1975. &lt;br /&gt;
* Renate Wagnerrieger: Architektur des Barock in der Steiermark. In: Tagungsbericht Dreiländerfachtagung der Kunsthistoriker in Graz 1972, S. 9ff. &lt;br /&gt;
* Franz Weissofner: Die letzten Chorherren des im Jahre 1785 aufgehobenen Stiftes Stainz. Unter besonderer Berücksichtigung ihrer nachmaligen Verwendung in der Seelsorge. Diss. Univ. Graz. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Hans Wilfinger: 800 Jahre Stainz 1177-1977. Neues Stainzer Heimatbuch. Stainz 1979. &lt;br /&gt;
* Herta Wlasak: Die Aufhebung des Chorherrenstiftes Stainz unter Kaiser Joseph II. aus besitzgeschichtlicher Sicht. Diss. Univ. Graz. Graz 1979. &lt;br /&gt;
* Adam Wolf: Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782-1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II. Wien 1871, S. 116ff. &lt;br /&gt;
* G. Wolfbauer: Das Augustiner-Chorherrenstift Stainz. In: Blätter für Heimatkunde 9 (1931), S. 3ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Seckau&amp;diff=10294</id>
		<title>Stift Seckau</title>
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		<updated>2022-09-14T17:53:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=in loco Seccowe dicto (1142), Secowe (1146 ), Seccowa (1147), Sechowe (1151 ), Secveve (1188), Secoe (1205), Secvve (1208), Seccovwe (1230), Sekawe (1250), Sykouia / Sykauia (1267), Sechaw (1346), Sekkawe (1364), Seccaw (1400), Sekkaw (1429)&lt;br /&gt;
|Benannt nach=slaw. &amp;quot;zegova&amp;quot; (Brandrodung, Lichtung, Schlägerung)&lt;br /&gt;
|Quelle=Norbert Allmer: Seckau 1140-1782. In: Die ehemaligen Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich und Südtirol. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg 2005, S. 503-559.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=seit 1492 Patronat der allerseligsten Mutter Gottes&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Das Seckauer Gebiet war ursprünglich Teil der Karantaner Mark, dann Teil der Steiermark; ab der Gründung 1140 unterstand das Stift dem Erzbischof von Salzburg. Durch die Errichtung der Diözese Seckau mit 22. Juni 1218 durch Papst Honorius III. wurde das Chorherrenstift Seckau gleichzeitig zum Sitz des Domkapitels und die Basilika zur Kathedralkirche des neuen Bistums erhoben. Im Zuge der Aufhebung des Seckauer Chorherrenstiftes wurde der Seckauer Bischofssitz 1786 nach Graz verlegt und dort die bisherige Jesuiten- bzw. Ägydiuskirche zur Kathedrale erhoben. Die Pfarre Seckau selbst wurde 1786 durch die josephinische Diözesanregulierung zum Bistum Leoben geschlagen. 1859 wurde die Diözese Leoben wiederum aufgehoben und der alten Seckauer eingegliedert. Das 1883 wiederbesiedelte Kloster bzw. die 1887 errichtete Benediktinerabtei Seckau liegen im Dekanat und politischen Bezirk Knittelfeld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte=== &lt;br /&gt;
Nach den drei benediktinischen Klostergründungen des 11. Jahrhunderts sollte auch die Zeit der augustinischen Klöster in der Steiermark anbrechen. Als erstes von diesen wurde 1140 das Stift Seckau gegründet, dem dann die Stifte [[Stift Vorau|Vorau]] (1163) und [[Stift Stainz|Stainz]] (1229) folgten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem väterlichen Erbe nach Hartnid von Traisen hatte [[Adalram von Waldeck]], als einer der vier Söhne, im Pittener Land Waldeck mit den Dörfern Strelz, Willendorf, Dreistetten, Wopfing, den Hof Badendorf mit drei Weingärten und Gerasdorf mit seinen Weingärten und Zubehör, den Hof am Kamp und an der Erlach sowie Starhemberg erhalten. In Oberösterreich nördlich der Donau, damals in Bawaria genannt , besaß Adalram Waltenstein mit allen Gütern auf dem Windberg, je drei Weingärten zu Aschach und Pesenbach, die Höfe Eppenberg, Erbenberg, Ottensheim und Lindham. Dazukamen noch die oststeirischen Besitzungen wie das Hauptgut Kumberg, Arndorf, Hainersdorf, mit Lebern südlich von Graz und Leutzendorf. Weiters erhielt er den ältesten Aribonenbesitz auf steirischem Boden: Feistritz (= St. Marein bei Knittelfeld), den ersten Gründungsort des Stiftes Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1060 und 1088 erwarb Hartnid für seine Kirche in Feistritz Pfarrechte und überließ dafür dem Erzbischof Gebhard von Salzburg seine Kirche St. Lorenzen zu Leistach an der Mur bei Knittelfeld. In Feistritz befand sich auch ein Herrenhof, nach welchem sich Adalram bisweilen nannte, dessen Besitz sich von Kraubath bis gegen Pöls erstreckte und von einigen Enklaven durch setzt war. Adalram war in erster Ehe mit Perchta aus dem Geschlecht der Offenberg verehelicht. Nachdem Perchta an einem 15. November kinderlos verstorben war, heiratete Adalram um 1130 abermals. Richinza, Tochter des Rudolf von Perg, der die Vogtei über das Augustiner-Chorherrenstift [[Stift St. Florian|St. Florian]] inne hatte, brachte den Besitz am Windberg im Mühlviertel als ansehnliche Mitgift in die Ehe. Außer der Tochter Benedicta, die in das Erentrudiskloster am Nonnberg in Salzburg eintrat, entsprossen der Ehe von Richinza und Adalram keine weiteren Kinder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eigentliche Anlass zur Stiftsgründung liegt im Dunkeln. Obwohl erbenlos, wollte der damals gut 50-jährige Adalram seine Besitzungen auch für die Zukunft in guten Händen wissen. Vielleicht wollte er seinen Besitz auch bloß vor dem Zugriff des Landesfürsten retten. In der Stiftungsurkunde finden sich als Gründungsanlass dort nicht näher erklärte ''delicta'', also Vergehen Adalrams, angeführt. Im Hintergrund dafür steht wohl der Totschlag Adalrams an seinem Vetter Adalbero von Feistritz um 1138, der mit Richinza die Ehe gebrochen hatte, weshalb Adalram seine Gattin verstieß. Als Sühne für seine Bluttat übergab nun Adalram am 10. Januar 1140 in Friesach dem Salzburger Erzbischof Konrad I. beinahe seine gesamten Besitzungen zur Errichtung und Ausstattung eines Klosters. Anlässlich der Propstwahl am 22. Mai 1141 in Friesach ergänzte Adalram seine Stiftung durch die Schenkung von Liegenschaften zwischen Pyhrn, Semmering und Wechsel, womit die Besitzungen in Kumberg und Hainersdorf gemeint waren. Richinza fühlte sich wegen der Vergabe ihres Heiratsgu tes durch Adalram übergangen und wollte diese Sache widerrufen wissen. Dies strengte sie in Anwesenheit ihres Gatten in einer Klage vor König Konrad III. am 15. Mai 1149 an, der sich auf dem Rückmarsch vom gescheiterten Kreuzzug in Friesach aufhielt. König Konrad bestätigte ihre Position, woraufhin nun beide Gatten, die sich schon zuvor ausgesöhnt hatten , die Stiftung jener Güter mit gesamter Hand in aller Form erneuerten und damit das Eigentumsrecht des Stiftes garantierten. Auch die Einigung wurde von König Konrad beurkundet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der erste Konvent in Feistritz-St. Marein 1140-1142=== &lt;br /&gt;
Mit 10. Januar 1140 hatte Adalram den eigentlichen Gründungsakt in Friesach vollzogen und bestimmt, dass man daselbst (in Feistritz) unter der Regel des seligen Augustinus in geistlich und kanonisch festgesetzter Weise lebt. Im Salzburger Erzbischof Konrad I., der selbst ein Augustiner-Chorherr war und sein Domkapitel in ein Chorherrenstift umgewandelt hatte, erhielt er die volle Unterstützung. Dieser schickte nun aus seinem Domstift St. Rupert die ersten sechs Chorherren, welche mit Freitag, dem 20. Juli 1140 in Feistritz eintrafen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Namen sind überliefert: Wernher (von Galler), Liupold von Travesse (= Traföß bei Mixnitz), Otto von Friesach, Adalbert von Ossiach, Rudger von Salzburg und Gerold von Eppenstein. Diese richteten sich hier ein und bauten ihr erstes Kloster wohl aus Holz. Die Tradition weiß darum, dass das Kloster im Bereich des späteren pfarrlichen Wirtschaftsgebäudes von St. Marein gestanden habe. Nach zehn Monaten war man soweit organisiert, dass sich der kleine Konvent in Wernher von Galler am 22. Mai 1141 in Friesach unter Anwesenheit von Bischof Roman von Gurk den ersten Propst wählte. Bischof Roman führte den Neugewählten in Feistritz feierlich in sein Amt ein. Unter der Führung von Propst Wernher machte man sich allerdings auf die Suche nach einer endgültigen Bleibe für den Konvent, da man mit der Situation in Feistritz nicht vollauf zufrieden war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1142 kamen die Chorherren mit Erzbischof Konrad I. darin überein, im weiter westlich und höher gelegenen Seckau jenen Ort gefunden zu haben, der ihren Vorstellungen von klösterlicher Abgeschiedenheit und geistlicher Konzentration entspreche . In Erinnerung an die ursprüngliche Errichtung des Klosters an diesem Ort, bestimmte Erzbischof Konrad, solle die Seelsorge in Feistritz fortan durch einen Seckauer Chorherren versehen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übertragung der Stiftung nach Seckau 1142=== &lt;br /&gt;
Folgende Gründungslegende ist für die Übertragung der Stiftung nach Seckau überliefert: Auf der Jagd geriet Adalram von Waldeck in undurchdringlichen Forst, wo er sich erschöpft niederließ und einschlief. Im Traum sah er die Muttergottes mit dem Jesuskind und hörte eine Stimme, die ihm sagte: &amp;quot;Hie seca! Hier fälle!&amp;quot; Er berichtete Propst Wernher von diesem wunderbaren Ereignis und untersuchte gemeinsam mit ihm den Ort. Beim Fällen des ersten Baumes fanden sie in dessen Inneren ein Muttergottesbild und verstanden darin den Fingerzeig, hier das Kloster zu errichten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Auftrag im Traum erhielt das Kloster den Namen Seckau. Erzählt die Legende auch von himmlischen Zeichen, dürfte für die Übertragung der Stiftung auf die Hochebene von Seckau doch sehr wesentlich mitgespielt haben, dass man hier einen guten Sandsteinbruch entdeckt hatte, dessen Material für die Kirchenbauten der gesamten Gegend Verwendung fand. Er sollte nicht nur jetzt, sondern auch nach der Turmsturzkatastrophe 1886 wieder das Baumaterial liefern. Eine gemauerte Kapelle dürfte eines der ersten Gebäude gewesen sein, das man errichtete. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb der Grundmauern der ehemaligen Ulrich-Liechtenstein-Kapelle fand man bei Grabungen Mauerreste einer Apsis, die von dieser ersten Kapelle stammen könnten. Mit 12. März 1143 genehmigte Papst Innozenz II. die Stiftung und zugleich die Übertragung der Propstei nach Seckau und befreite sie von allen geistlichen und weltlichen Zehentpflichten. Noch vor seinem eigenen Eintritt in das Stift Seckau bemühte sich der Gründer Adalram, die Vogteifrage einwandfrei zu lösen. Zusammen mit Propst Wernher begab er sich im Sommer 1152 nach Regensburg zum Reichstag. Auf ihr Bitten und die Mitwirkung des Salzburger Erzbischofs hin übertrug Friedrich Barbarossa dort dem steirischen Markgrafen Otakar III. die Vogteigewalt, welche zuvor Adalram als Gründer selber inne gehabt hatte. Man vereinbarte sogar auch die Möglichkeit der Aberkennung der Vogtei, sollten dafür Gründe vorliegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Es gibt keine überlieferten Daten von einer Grundsteinlegung oder vom Baubeginn der Basilika. Man geht aber kaum fehl, sieht man mit den zum Leben und Wohnen notwendigen Klosterbauten auch die Kirche im Stil der Hirsauer Bauhütte emporwachsen. Zwischen 1143 und 1146 wurde bereits ein Friedhof von Bischof Roman eingeweiht.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Erzbischof Eberhard I. (1147–1164) legte den Grundsteinund weihte vor 1152 den Altar der hl. Magdalena in der sogenannten Magdalenenkapelle. Des Weiteren ergeben sich 1159 bauliche Hinweise durch die Weihen des Petrus- bzw. Johannesaltars im Kloster. Am 16. September 1164 konnte Bischof Hartmann von Brixen die Weihe der Stiftskirche vornehmen und stellte sie unter den Schutz &amp;quot;der allerseligsten Gottesmutter&amp;quot;. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Erzbischof Konrad II. in Italien auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Marienpatrozinium hatte man wohl von der Marienkirche in Feistritz übernommen. Bischof Hartmann konsekrierte auch den Hochaltar, der das Patrozinium der Drei Heiligen Könige erhielt. Dietriumphale Übertragung ihrer Reliquien nach der Zerstörung Mailands im Sommer 1164 nach Köln zog damals alle Aufmerksamkeit auf sich. Erst nach ihrer Vollendung erhielt die Kirche im Westen zwei Türme. Seckauer Konventualen wurden schon früh in andere Chorherrenstifte gesandt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1163 gegründeten Chorherrenstift Vorau stand als erster Propst der vorherige Seckauer Dechant [[Liupold von Travesse]] bis 1185 vor. Sein Nachfolger, Propst Bernhard (1185–1202), war ebenfalls davor in Seckau als Kustos und Bibliothekar sowie Mitarbeiter der Kanzlei des letzten Traungauers, des Herzogs Otakar I., tätig. Als Propst des neu gegründeten Chorherrenstiftes Stainz wirkte der aus Seckau gekommene Gerold zwischen 1229 und 1242. Noch vor 1150 traten das Gründerehepaar Richinza und Adalram als Knversen in die Seckauer Konvente der Chorfrauen bzw. Chorherren ein. Richinza verstarb dort an einem 7. Juli unbekannten Jahres, Adalram an einem 26. Dezember zwischen 1174 und 1182. Ihre Grablegen befinden sich in der Mitte des Langhauses der Basilika, die anlässlich der Erneuerung des Bodenbelags in der Basilika 1890 entdeckt wurden. 1964 wurden die Gebeine des Gründerpaares bei der Neugestaltung der Ostpartie der Basilika zum 800-jährigen Weihejubiläum neuerlich bestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Chorfrauenstift=== &lt;br /&gt;
Seit wann hier auch Chorfrauen lebten, ist nicht genau überliefert. Vermutlich werden sie schon sehr bald ihren Gebetsdienst versehen haben, da die Gründung von Doppelklöstern üblich war. Die Gründungsurkunde spricht ja in offener Form davon, dass man daselbst unter der Regel des seligen Augustinus in geistlich und kanonisch festgesetzter Weise lebt und legt sich nicht näher fest. 1147 heißt es in einer Urkunde, dass der spätere Propst Wernher und Dechant Liupold mit weiteren Ordenspersonen beiderlei Geschlechts am 20. Juli 1140 eingetroffen seien. Das Dotationsgut zum Chorfrauenstift stammte von Richinza, die 1149 ihre Stiftung bekräftigte. Die früheste sichere Nachricht über Chorfrauen in Seckau stammt aus einer undatierten Urkunde - bisher um 1150 angenommen-, wonach Burchard von Mureck auch den Schwestern eine Schenkung zukommen ließ. In dieser Urkunde wird allerdings auch eine Schenkung für die Markuskirche in Strelzhof erwähnt, welche Bischof Hartmann aber erst 1158 geweiht hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Somit stammt die früheste Quelle zum Chorfrauenkloster erst aus 1158. Die Chorfrauen unterstanden einer Meisterin, lebten in Klausur im Nordteil der Klosteranlage und hatten regen Zulauf. Ihr Zentrum für das Chorgebet war die St-Margareten-Kapelle (heute: Bischofskapelle). Sichtbare Leistungen brachten die Kanonissen in der Mitarbeit in der Schreib- und Malschule hervor. Eine ganze Reihe an Handschriften, die sich heute in der Universitätsbibliothek Graz befinden, zeugt von ihrer Kunst und Meisterschaft. Die wirtschaftlichen Belange wurden vom Chorherrenpropst mitversehen. Es existierte nie ein eigenes Besitzverzeichnis. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitgliederzahl des Frauenklosters war bisweilen so hoch, dass Bischof Heinrich I. 1242 die Höchstzahl mit 50 und Bischof Woche 1334 die Höchstzahl auf 40 Frauen festlegen musste, damit die Chorfrauen nicht so zusammengepfercht zu leben hatten. 1488 starb die letzte Chorfrau, weshalb das Frauenstift 1491 aufgelöst wurde. Als sichtbare Erinnerungen an den Frauenkonvent in Seckau existieren noch die Grabplatte von [[Agnes Enstaler]]  und der letzte Kragstein bei der Westempore in der Basilika, der einen Nonnenkopf darstellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Brandkatastrophe 1259 und neuerliches Erstarken=== &lt;br /&gt;
Eine schwere Brandkatastrophe ereignete sich am 7. November 1259: In der kaiserlosen Zeit hatte Philipp von Ortenburg, ein Bruder des Kärntner Herzogs Ulrich, mit Hilfe seines Vetters, des Böhmenkönigs Ottokar II., den erzbischöflichen Stuhl in Salzburg an sich gerissen. Philipp, &amp;quot;der Erwählte&amp;quot;, der als Subdiakon zum Empfang der höheren Weihen nicht bereit war, hätte allzu gern einen seiner Parteigänger, Ulrich von Hautzenbichl, als Propst von Seckau gesehen. Da der Konvent jedoch zu seinem Bischof Ulrich I. (1244–1268) stand und zudem auch aus Salzburg vor dem Wüterich Philipp nach Seckau geflohene Domherren vorübergehend aufgenommen hatte, veranlasste „der Erwählte&amp;quot; den Kleriker Ludwig von Dillingen aus Rache dazu, das Stift Seckau in Brand zu stecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem die Basilika mit ihren romanischen Holzdecken in den Haupt- und Seitenschiffen ging in Flammen auf. Auch eine Laienschwester aus dem Chorfrauenstift kam dabei ums Leben. Schwer getroffen von diesen Ereignissen resignierte Propst [[Otto von Ehrenhausen]] (1256–1259) und trat in den Dominikanerorden über. Sein Nachfolger als Propst wurde [[Ortolf von Prank]] (1260–1289), der in Wilhalmus, einem Konversen, einen initiativen und guten Bauherrn und in seinem leiblichen Bruder, Herzog Ulrich von Kärnten, einen finanzkräftigen Wohltäter zur Seite hatte . Dank einer gelungenen Wirtschaftspolitik war die Erneuerung der Basilika, der Decken und des Kreuzganges mit der St-Johann -Baptist-Kapelle möglich. 1264 wurde in Seckau das Fronleichnamsfest eingeführt und im Sommer an allen Sonntagen ein Umgang mit dem &amp;quot;Gottesleichnam &amp;quot; gehalten, um Segen für Feld und Flur zu erbitten. Der Minnesänger und Landeshauptmann Ulrich von Liechtenstein und seine Gattin Perchta von Weissenstein standen in enger Beziehung zu Propst Ortolf und erwählten deshalb Seckau zum Ort einer Grabstätte für sich und ihre Familie. Ulrich begann mit dem Bau einer Kapelle in unmittelbarem Anschluss an den Kapitelsaal des Stiftes, verstarb aber bereits 1275, weshalb sein Sohn Otto den Bau fortsetzte und vollendete. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bischof Wernhard weihte diese frühgotische Kapelle am 6. Mai 1279 zu Ehren des Evangelisten Johannes und der hl. Katharina von Alexandrien. Propst [[Ulrich I. Caesar]] (1302–1304) war der Begründer des Seckauer Oblaywesens. Unter seinem Nachfolger Propst [[Christian Feistritzer]] (1304–1325) musste Bischof Wocho (1317–1334) wegen des sittlichen und wirtschaftlichen Tiefstandes des Domstiftes korrigierend eingreifen. 1320 verordnete er im Einklang mit Propst und Kapitel die Einführung neuer Statuten, die vor allem ökonomische und disziplinäre Dinge betrafen. Vom Schlag getroffen, wurde der Propst vom Bischof mit 11. Juli 1323 seines Amtes enthoben. Noch vor seinem Sterbetag (17. Juli 1325) wurde der bisherige Dechant [[Ulrich II. von Prank]] vor dem 24. April zum Propst gewählt (1325–1333). Ihm oblag es, an der Verkleinerung der steigenden Schuldenlast und der Besserung der Disziplin zu arbeiten. Deshalb benannte er acht Mitbrüder, die ein Jahr lang in anderen Klöstern leben sollten. Er ordnete die Einkünfte neu und nahm sich und seinen Aufwand nicht aus. Um der Lage schneller Herr zu werden, legte der Bischof den Chorfrauen und -herren neue Einschränkungen auf, indem die einzelnen Ämter insgesamt 156 Mark Silber zur Schuldentilgung zu leisten hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert blühte Seckau als Wallfahrtsort neben Mariazell und Straßengel auf. Aus dem ganzen Murtal kamen Prozessionen besonders am sog. &amp;quot;hübschen Mittwoch&amp;quot; (Mittwoch nach Pfingsten) nach Seckau, um das „Ursprungsbild &amp;quot; zu verehren. Papst Johann es XXII. verlieh den Gläubigen der Diözese Seckau mit 17. Dezember 1332 bei jedem Besuch des Gnadenbildes einen Ablass von 40 Tagen. Propst [[Peter Freisinger]] (1348–1380) erhielt von Papst Innozenz VI. 1359 das Recht, die Pontifikalien zu führen. War Propst [[Ulrich III. von Trapp]] (1382–1414) ein erfolgreicher Wirtschafter, kümmerte sich [[Ulrich IV. Colusser]] (1414–1436) besonders um die Vermehrung der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Blütezeit des Stiftes=== &lt;br /&gt;
In Propst [[Andreas Enstaler]] (1436–1480) erlebte Seckau einen Eiferer für die Zierde des Hauses Gottes. 1438 vollendete Hans Mitter aus Judenburg die für das Domstift in Auftrag gebrachte Glocke, 1437 wurde mit dem Bau der gotischen Kirche von St. Marein begonnen. In dieser Zeit sollte Seckau drei „Gottesplagen&amp;quot; erleben: 1466 starben vier Chorherren und in der Pfarre Seckau 700 Menschen an der Pest. Am 18. August 1478 überfielen die Seckauer Gegend durch die Steiermark ziehende Heuschreckenschwärme, die alles kurz und klein fraßen. Zuletzt drangen im August 1480 auch noch die Türken ins obere Murtal vor, konnten aber, wie die Legende erzählt, das Stift bei dem herrschenden dichten Nebel nicht finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der glänzend sten Seckauer Pröpste überhaupt war [[Johannes Dümberger]] (1480–1510). Er sorgte für die Wiederherstellung der Kirche von St. Marein, die durch die Türken großen Schaden gelitten hatte, verlieh der Basilika das Netzgewölbe und umgab das Kloster mit einer schützenden Mauer. Seine Beziehungen zu Bischof Matthias Scheit (1481–1503) verschlechterten sich hingegen zusehends. Als der Bischof gegen den Ungarnkönig Matthias Corvinus Krieg führte, wurde er 1485 verwundet und gefangen genommen. Propst Dürnberger musste ihn deshalb um 2.000 fl loskaufen. Schon im folgenden Jahr zog Scheit erneut gegen die Ungarn zu Felde, wurde wieder verwundet und gefangen. Erneut hatte ihn der Dompropst freizukaufen. Die Meinung des Dompropstes als ''archidiaconus natus'' und die des Bischofs gingen in der Frage der ''jurisdictio ordinaria'' weit auseinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich Bischof Scheit auch nicht dem päpstlichen Entscheid fügte, wurde er zuletzt abgesetzt und exkommuniziert. Der Streit sollte erst nach gut 200 Jahren mit einem Vergleich enden. Nach der Schlacht bei Mohacs von 1526 gegen die Türken musste Propst [[Gregor Schärdinger]] (1510–1531) die Kleinodien des Klosters abliefern. Der Landesherr verordnete wegen der Türkengefahr schon 1523 die Terz und danach 1528 auch noch die Quart, wurden die Klöster und Stifte doch als kaiserliche Kammergüter angesehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die geforderte Barschaft aufbringen zu können, musste Seckau 1529 etliche Güter verkaufen. Damit war ein finanzieller Aderlass geschehen, der auch für das Kunstschaffen in Seckau eine tiefe Zäsur bedeutete. Vom Türkeneinfall war Seckau 1529 auch betroffen, da die feindlichen Horden das Schloss Witschein bei ihrem Rückzug von Graz nach Untersteier in Brand steckten und vernichteten. Der Wiederaufbau der dortigen Wirtschaftsgebäude und der Weingärten, die für Seckau eine bedeutende Einnahmequelle waren, verschlang viel Geld. Mit Propst [[Leonhard Arnberger]] (1541–1560) übernahm ein guter Wirtschafter das Ruder. Nur durch Verkäufe von Gülten konnte er den Anforderungen entsprechen und Schulden tilgen. Erneut fiel am 17. August 1544 ein Heuschreckenschwarm über die Steiermark herein und verwüstete Äcker und Wiesen. Als erster verfasste Propst Arnberger einen Pröpstekatalog. Er bemühte sich sehr um privates Studium und um seinen Konvent in Zeiten der neuen Lehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation=== &lt;br /&gt;
Über die Ausbreitung einzelner Vorboten der Reformation im Seckauer Raum, wie etwa die Sekten der Geißler und Springer, der Kult der 24 Ältesten und die in der Steiermark relativ langlebige Bewegung der Waldenser ist nichts bekannt geworden. Das Einschleichen der neuen Lehre kann im Einflussbereich des Seckauer Stiftes nur schwer festgestellt werden, denn erst das Visitationsprotokoll von 1528 gibt Einblick in die neue Situation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Landesfürst Ferdinand I. und der Salzburger Erzbischof Matthäus Lang hatten sich dahin verständigt, eine kirchliche und religiöse Bestandsaufnahme vorzunehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Am 15. Juni 1528 wurde in Seckau Nachschau gehalten und der Konvent &amp;quot;des glaubens halben und in khlesterlichen wesens unsträffiich befunden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die 21 Chorherren hielten am katholischen Glauben fest, als sich in anderen Klöstern schon heftige Diskussionen ergaben. Im Rahmen der landesfürstlichen Visitation von 1544 zeigten sich aber auch hier deutliche Veränderungen, heißt es doch, dass &amp;quot;ehmals 12 priester und 6 jung herrn gewest, darneben ein bettbrueder&amp;quot; (Betbruder=Konverse). Jetzt seien hingegen nur mehr &amp;quot;11 personen und ein jung herr, aber kein bettbrueder&amp;quot; mehr vorhanden. Den personellen Tiefpunkt erreichte Seckau 1575 mit verbliebenen fünf Geistlichen. In dieser Zeit des geistigen Umbruchs ist Dechant [[Lorenz Sechtan]] zu nennen, der sich als ruhender Pol und Vorbild treu an den Ordensgelübden und der katholischen Lehre ausrichtete. [[Laurentius Spielberger]] stand als Propst (1566–1587) in guter Beziehung zu Erzherzog Karl II. und den durchwegs protestantischen Ständen, die ihn mehrmals zum Verordneten wählten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Auftrag des Erzherzogs kämpfte Spielberger 1571 gegen die neue Lehre. Aufgrund des guten Einvernehmens mit dem Stift Seckau ließ Karl II. im Dom zu Seckau seine Begräbnisstätte noch zu Lebzeiten errichten. Im Sommer 1581 führte auch der seit dem Vorjahr in Graz residierende Nuntius Germanico Malaspina in den meisten steirischen Klöstern sowie in einigen Pfarren genaue Befragungen durch. Die nunmehr vorgefundenen Zustände in Seckau waren ziemlich besorgniserregend. Propst Laurentius Spielberger lebte seit 15 Jahren mit einer Konkubine zusammen, die er unmittelbar vor Eintreffen der Visitationskommission entließ. Mit ihr hatte er sieben Kinder. Er gelobte dem Nuntis gegenüber Besserung und durfte deshalb auch im Amt bleiben. Der Konvent neige zu Trunksucht und Luxus, wie der Propst aussagte, und leiste ihm wenig Gehorsam. Einige Chorherren hätten ebenfalls Konkubinen. Zwei seiner Kanoniker wurden deshalb ihrer geistlichen Funktionen enthoben und für zwei Monate in ihren Zellen in Haft gehalten. Der Propst und die beiden Konkubinarier bekannten ihre Schuld auf den Knien vor dem Nuntius und dem anwesenden Konvent und versprachen Besserung. Nach dem gemeinsam gesungenen Psalm &amp;quot;De profundis&amp;quot; sowie weiteren Gebeten erteilte der Nuntius den drei Bußfertigen die Absolution. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Auswirkung dieser Visitation brachte die Neufassung der Seckauer Statuten mit sich, die am 13. September 1583 vom Kapitel beschlossen wurden. 1586 wurden noch weitere Ergänzungen durchgeführt. Damit hatte man nun sämtliche Bereiche des innerklösterlichen Lebens neu geregelt und die Beobachtung der Ordensregel sowie den Gehorsam gegenüber Propst und Bischof betont. Der stiftische Bibliotheksbestand dieser spannenden Zeit repräsentiert die verschiedenen geistigen Strömungen und kennt fast alle bedeutsamen Kontroverstheologen mit einem oder mehreren Werken, vorwiegend aus der Sicht der Gegner bewertet. Es gibt dort nur wenige Schriften mit ausgesprochen reformatorischem Inhalt. Entsprechend gab es auch keine Aufsehen erregenden Übertritte von Seckauer Chorherren zur neuen Lehre wie andernorts. Zwei Seckauer Chorherren wurden in dieser Zeit als Pröpste von Rottenmann postuliert: [[Laurentius Reisacher]] (1574–1575) und [[Johannes Muchitsch]] (zwischen 1578 und 1608). In St. Andrä an der Traisen lenkten gleich drei aus Seckau postulierte Chorherren das Stift: [[Johannes Zwicker]] von 1490 bis 1493, dem [[Oswald Rieger]] bis 1507 folgte, und noch [[Bonaventura Hahn]] von 1629 bis 1640. In Herzogenburg wirkte der Seckauer Dr. [[Martin Müller]] von 1621 bis 1640 als Propst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Die anbrechende neue Zeit wurde unter Propst [[Wolfgang Schweiger]] (1587–1589) in der baulichen Veränderung des Mitteltraktes des Klosterhauptgebäudes und in der Umgestaltung des ursprünglich romanischen Kreuzganges in der Formensprache der Spätrenaissance durch Bernhard de Silvo 1588 sichtbar. Schon nach wenigen Jahren resignierte Propst Wolfgang und übersiedelte in das Chorherrenstift nach St. Andrä an der Traisen. 1591 kam er von dort wieder nach Seckau zurück. 1587 begann Alexander de Verda mit dem Bau des Mausoleums für Erzherzog Karl II. und dessen Familie. 1612 konnte Sebastian Carlone mit seinen Gehilfen das Habsburgergrab vollenden, eine Manifestation des konfessionellen Absolutismus im manieristischen Stil unter Propst [[Sebastian Kueler]] (1589–1619), die die Finanzen des Klosters ziemlich erschöpft hatte. Kueler gelang es jedoch als Verwaltungsgenie, die immensen Schulden in den Griff zu bekommen und das Stift zu neuer Blüte zu führen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dankbar für seine Dienste, die er dem Lande geleistet hatte , ließen die Stände Kueler 1606 sogar eine silberne Münze prägen. Um das Geld für den Wiederaufbau der 1603 abgebrannten Prälatur aufzubringen, soll Kueler einem Alchimisten 1.000 fl zur Verfügung gestellt haben, was sowohl bei Bischof Brenner als auch bei der Regierung großes Ärgernis hervorrief. Er unter stütze eine von Papst Johannes XXI. bereits 1317 verbotene Kunst, hieß es von dort. Mit Propst[[ Anton von Potiis]] (1619–1657) erfuhr Seckau neuen inneren und äußeren Aufschwung. In Stiftsdechant [[Thomas Jurichius]] hatte er einen um den inneren Fortschritt bemühten Partner in der Leitung der Mitbrüder. Der Propst sorgte für den weiteren Ausbau des Stiftes. Er erwarb 1635 die Herrschaft Liechtenstein und kaufte 1636 den Prankmairhof in Prank sowie 1646 das Schloss Hautzenbichl neben etlichen Gütern bei Bruck an der Mur, Leoben, St. Michael, Trofaiach, Mautern und im Mürztal. Er errichtete 1625 bis 1628 den 160 m langen Westtrakt und 1640 den Kaisersaal sowie Radmeistersaal (heute Zeichensaal des Abteigymnasiums). An den vier Ecken ließ er ursprünglich mit weißem Blech gedeckte Türme und Schutzwehren errichten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Kleriker ließ Propst Potiis auch an auswärtigen Universitäten studieren. Damals erwarben sie sich akademische Lorbeeren verschiedener Fakultäten. Die erfolgreiche Tätigkeit von Propst [[Maximilian Graf Gleispach]] (1657–1700) als Verordneter im Landtag brachte es mit sich, dass Kaiser Leopold I. Seckau bei seinem Aufenthalt am 21. August 1660 zum Markt erhob und den Propst zum Geheimen Rat ernannte. Gleispach betrieb mit Energie den Exemtionsstreit, konnte aber nicht dessen Abschluss erleben. In der Bautätigkeit übertraf er trotz angeblicher Schulden von 300.000 fl sogar noch seinen Vorgänger. Propst Gleispach hatte im Leobener Baumeister Peter Franz Carlone einen kongenialen Partner für seine Vorhaben gefunden. 1658 bis 1682 setzten sie gemeinsam ihre Ideen um und gaben dem Stift ein neues Aussehen. 1660 wurde auf die Initiative und Finanzierung von Dechant [[Peter Auer]] hin auf der Hochalm für die Senner eine Kirche zu Ehren des hl. Hieronymus, des Viehpatrons, gebaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem fließenden Übergang entwickelte sich jedoch daraus ein Marienheiligtum und das Patrozinium wechselte in der Folgezeit zu &amp;quot;Maria Schnee&amp;quot; . Die Hochalmkirche ist die höchst gelegene Wallfahrtskirche in der Steiermark und wird besonders zu Mariä Heimsuchung am 2. Juli und Maria Schnee 5. August (seit der Nazizeit an den ersten Monatssonntagen im Juli und August) - heute ergänzt durch den Mutter-Anna-Tag (20. Juli) - von den Pilgern aufgesucht. Zum 300-jährigen Jubiläum wurde die Kirche 1960 gänzlich renoviert und die Wallfahrt neu belebt. 1662 gelangten die Besitzungen um Strelzhof in Niederösterreich durch Verkauf an das Neukloster der Zisterzienser in Wiener Neustadt. Für den Fall einer über die ganze Steiermark hereinbrechenden Invasion der Türken hatte Gleispach mit dem Propst von Berchtesgaden die Evakuierung des Seckauer Kapitels dorthin vereinbart. Seckauer Untertanen planten für den 27. Juli 1683 einen Aufstand gegen das Stift, der jedoch frühzeitig aufgedeckt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anstifter und Rädelsführer wurden sehr hart bestraft. 1696 erhielt das Kapitel neue Statuten. Durch den ehrenden Vergleich von Propst [[Franz Sigismund von Schrott]] (1700–1703) mit Bischof Rudolf Graf Thun am 11. Januar 1701 konnte der beinahe 200 Jahre lang dauernde Exemtionsstreit ohne Gesichtsverlust einer Seite endlich beendet werden. Die angeblich 300.000 fl Schulden aus dem langen Prozess konnte Propst [[Paul Franz Poiz]] (1703–1733) nur durch den Verkauf von mehreren Besitzungen tilgen. Er begann deshalb 1705 auch wieder mit dem Betrieb des Kupferbergwerkes in Flatschach bei Schönberg. Zum Dank für die Abwendung der 1713 wütenden Pest ließ Propst Poiz am Zellenplatz eine Mariensäule aufstellen. Der hochtalentierte DDr. [[Maximilian Mayr]] war vor seiner Wahl zum Propst (1733–1737) beim Seckauer Bischof Dominicus von Lamberg bis 1723 und danach bei dessen Beförderung auf den Passauer Bischofsstuhl als Kanzler tätig. Mit der eigenen Wahl zum Propst endete seine Tätigkeit auf höchster Ebene, um sich voll auf sein Stift konzentrieren zu können. Unter Propst [[Franz Xaver von Waiz]] (1737–1751) konnte der Konvent das 600-jährige Gründungsjubiläum begehen, zu welchem Anlass auch die Jesuitenschüler in Judenburg ein Festspiel aufführten.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Propst [[Josef Urban von Schurian]] (1751–1769) konnte trotz allem Bemühen den wirtschaftlichen Niedergang des Stiftes nicht aufhalten. Diese schwierige finanzielle Situation des Domstiftes brachte den damaligen Seckauer Bischof, Josef II. Philipp Graf von Spaur, auf den Gedanken, das Regular-Domstift Seckau in ein Säkular-Dom stift zu verändern und den Sitz in die Landeshauptstadt Graz zu verlegen. [[Johannes von Poldt]] war als letzter Propst (1770–1782) dem Säkularisierungsplan des Bischofs nicht abgeneigt und dafür noch zusätzlich bereit den Stiftsbesitz dem Meistbietenden zu verpachten, um die anstehenden Schulden tilgen zu können. Der innere Zusammenhalt und die klösterliche Disziplin hatten in diesen Jahren ziemlich gelitten, wie die Visitation von 1776 recht deutlich zeigte. Der Propst legte nun seinem Kapitel Mitte Februar 1780 in einer Kapitelsitzung den Plan zur Säkularisierung vor, wogegen die Kanoniker aber Sturm liefen. Poldt ließ in der Folge alle Kanoniker auf sein Zimmer zu einem Einzelgespräch kommen - der Widerstand blieb bestehen. Erst als er erneuten Druck ausübte und &amp;quot;diesen zu wagenden Schritt auf sein eigenes Gewissen zu nehmen wüste&amp;quot;, erhielt er die Unterschriften des Kapitels zu seinem Vorhaben. Sodann unterbreitete er dieses Vorhaben der Kaiserin Maria Theresia, deren Tod am 29. November 1780 die Ausführung dieses Plans verhinderte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für dessen Umsetzung sorgte aber Kaiser Joseph II. am 13. Mai 1782 in überraschender Weise. Die Dom- und Stiftskirche von Seckau wurde nun zur Pfarrkirche umgewandelt und die Jakobskirche abgetragen. Was nicht niet- und nagelfest war, wurde weggebracht. Ein guter Teil der Bibliothek kam nach Wien. Den Kapitularen blieb nur ihr geringes Eigentum. Jeder erhielt 100 fl für Kleidung, ein Paar silberne Messer, Gabeln und Löffeln und als Pension jährlich 300 fl. Der Prälat hingegen empfing 800 fl und der Dechant 600 fl. Am 12. August 1782 ging der Konvent auseinander. Mit der Einführung des Domkapitels in Graz wurde Poldt zum Dompropst in Graz (1786-1798) ernannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vom Religionsfonds zur Radmeister-Communität Vordernberg 1782–1883=== &lt;br /&gt;
Bei seinem Besuch in Seckau am 12. September 1810 schrieb Erzherzog Johann in sein Tagebuch: &amp;quot;Das Stift Seckau war eines der schönsten ... alles war auf einem guten Fuße und sehr ordentlich verwaltet; jetzt sind die Meierhöfe stückweise verpachtet; die Alpen ebenfalls; die Waldungen werden theils für die eigenen Hammer, theils für Vordernberg benutzt: 11.166 Joch Waldungen, 242 Äcker, 465 Wiesen, 2575 Hutweiden, 1100 Unterthanen, 600 Forst-und Zehentholden, Teiche, Mühlen und ein schönes Hammerwerk, welches jetzt getrennt verwaltet wird. Alles war in Mappen aufgenommen, Seckau im Relief in Holz; alles ist weg; die Einrichtung versteigert und verbrannt, wahrlich Spuren des Vandalismus; der unvergeßliche Kaiser Joseph wurde schlecht bedient.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass die Radmeister-Communität von Vordernberg am 3. November 1823 die „Stiftsherrschaft&amp;quot; Seckau mit einem Waldbestand von 7.400 Hektar auf dem Lizitationsweg um 125.100 fl C.M. aus dem Religionsfonds erwarb. Die Tatsache, dass man große Waldbestände für die Versorgung der eigenen Hochöfen mit Holzkohlen brauchte, war das Hauptmotiv für die Übernahme von Seckau. Auch das Patronat ging in die Hände der Radmeister-Communität über, welche nun für die dringend notwendige Restaurierung des Habsburger-Mausoleums Sorge trug.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Wiederbesiedelung durch Benediktiner 1883 und Neugründung der Abtei Seckau 1887=== &lt;br /&gt;
Durch die im Kulturkampf unter Reichskanzler Otto von Bismarck erlassenen Maigesetze vom 31. Mai 1875 wurden alle Orden in Preußen aufgehoben. Auch der 72-köpfige Konvent der Benediktinerabtei Beuron hatte nach einer neuen Heimstätte zu suchen. Abt Dr. Maurus Wolter wandte sich mit seinem besonderen Problem an Kaiser Franz Joseph in Wien, der ihm zu Hilfe kam. Gut die Hälfte des Konvents lebte nun von 1875 bis 1880 im beinahe leer stehenden Servitenkloster in Volders bei Hall in Tirol. Der Kaiser schenkte den Benediktinern sein Eigenkloster Emaus in Prag 1880, wo sich eine so gute personelle Entwicklung zeigte, dass man schon 1883 an eine Neugründung gehen musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ihm Dompropst Alois Karlon, Abgeordneter zum Reichsrat, und dessen Bruder Johann Karlon davon berichteten, bot Bischof Johann Baptist Zwerger von Seckau den Benediktinern nun das ehemalige Dom- und Chorherrenstift an der„ Wiege&amp;quot; seiner Diözese in Seckau an. Die Radmeister-Communität Vordernberg verkaufte deshalb die Herrschaft &amp;quot;Seckau&amp;quot; um 70.000 fl samt den nicht ganz 240 Hektar Grundbesitz an die Beuroner Benediktiner, wobei offiziell Dompropst Prälat Alois Karlon als Käufer auftrat. Mit 9. Juli 1883 trafen bereits die ersten Mönche ein, um den Einzug der Benediktinerkommunität vorzubereiten. Am Fest Mariä Geburt, am 8. September 1883, wurde der Geburtstag von Neu-Seckau in Gegenwart des Bischofs Zwerger, des Abtes Maurus Wolter von Beuron und der 16-köpfigen Ordensgemeinschaft gefeiert. Nach 100 Jahren wurde die Kirche wieder von klösterlichem Gesang und Gebet erfüllt. Zwischen 1885 und 1887 war das junge Priorat sogar Sitz des Beuroner Erzabtes. Nach einer kurzen Einführungsphase wurde das Kloster Seckau mit 3. Juli 1887 zur eigenständigen Abtei erhoben. Kraft eines päpstlichen Dekrets wurde die Abteikirche mit 7. Oktober 1930 ausgezeichnet und erhielt den Rang einer ''Basilika minor''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abteischule wurde am 9. Juni 1931 zum „Abteigymnasium&amp;quot; mit Öffentlichkeitsrecht ernannt. Kurz nach dem 800-jährigen Gründungsjubiläum am 10. Januar 1940 wurde die Abtei durch die Geheime Staatspolizei aufgehoben. Das Gebäude diente während des Zweiten Weltkriegs zur Ausbildung von Burschen durch die NAPOLA. Am 8. September 1945 konnte Abt Benedikt wieder sein Kloster in Besitz nehmen, auch wenn dieser Schritt durch die gesetzliche Rückstellungsverordnung erst mit 16. Juni 1947 offiziell vollzogen wurde. Zur liturgischen Erneuerung leisteten die Seckauer Mönche durch die Pflege des Choralgesangs und ihre einschlägigen Veröffentlichungen einen unverzichtbaren Beitrag. Gerade die mit der Erneuerung des Lebens aus christlichem Geist bemühte Jugendbewegung „Bund Neuland&amp;quot; schöpfte aus den Impulsen und der Spiritualität des benediktinischen Mönchtums. Die wirtschaftliche Grundlage der Abtei war von Beginn an unzureichend. Die notwendigen Umbau- und Renovierungsarbeiten besonders der 1980er Jahre bedeuteten beinahe den finanziellen Ruin. Der seit 1933 von 91 auf inzwischen 20 Mönche verkleinerte Konvent erfreut sich aber eines ausgezeichneten Rufes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konföderationen== &lt;br /&gt;
1305 standen die Seckauer Chorherren mit einem weiten Kreis an Klöstern in enger Verbindung und mit welchen sie sich geistlich verbrüdert wussten. Zunächst waren das folgende Chorherrenkonvente: Domkapitel Salzburg, Gurk, St. Andrä im Lavanttal, Klosterneuburg, Herzogenburg, St. Andrä an der Traisen, Reichersberg, Waldhausen, Berchtesgaden, Neustift bei Brixen und Oberndorf. - Zu diesen kamen auch Klöster anderer Orden hinzu: St. Peter Salzburg, Admont, St. Lambrecht , St. Paul im Lavanttal, Kremsmünster, Rein, Neuberg, Garsten, Suben, Vornbach, Baumburg, Gleink, Lambach, lndersdorf, Gars, Au, St. Zeno in Reichenhall, Heiligenkreuz, Chiemsee, Gries bei Bozen, Ranshofen , Göttweig, Dürnstein, Lilienfeld, St. Maurice, Niederaltaich, Langenzenn, Ossiach und St. Michael an der Etsch. Eine ganze Reihe an Konföderationsurkunden ist uns erhalten geblieben. Bisweilen wurden sogar bestehende Konföderationen erneuert und wiederum bestätigt: Dominikanerprovinz Österreich (1270), Franziskanerprovinz Italien (1282), Gurk (1295), Stainz (1296 ), Vorau (1302), St. Florian (1302), St. Pölten (1302), St. Nikola in Passau (1304), St. Paul im Lavanttal (1305), Stainz (1311), Rein (1319), St. Andrä an der Traisen (1330), Neustift bei Brixen (1331), St. Andrä an der Traisen (1334), Neustift bei Brixen (1336), St. Peter in Salzburg (1346), Klosterneuburg (1372), Kremsmünster (1373), St. Lambrecht (1377), Reichersberg (1377), Herzogenburg (1377), Eberndorf (1395), Waldhausen (1398), Rein (1411), Admont (mit Propst Ulrich Colusser 1414- 1436), Neuberg (1424), Rebdorf (1442), Garsten (1478), Gleink (1495), Heiligenkreuz (1495), Lambach (1495), Chiemsee (1496), Gries bei Bozen (1496), lndersdorf (1496), Ranshofen (1497), Suben (1497), Göttweig (1501), Dürnstein (1502), Lilienfeld (1502), Kremsmünster (1503), Niederaltaich (1503), Langenzenn (1509), Ossiach (1516), St. Peter in Salzburg (1517).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Karitative Tätigkeit== &lt;br /&gt;
Die Chorherren hatten sich nicht nur um die Ordensmitglieder, sondern auch um ihre anvertrauten Laien im Stift und auf den inkorporierten Pfarren zu kümmern. Die Sorge für Arme und Kranke war im Mittelalter ja vornehmlich Aufgabe der Kirche. So errichtete auch Propst Wernher in der Nähe des Stiftes ein Hospiz und ein Armenhaus mit einer dem hl. Jakob 1194 geweihten Kapelle, die bei der Abtrennung Seckaus von Kobenz 1197 Pfarr- bzw . Leutekirche wurde und es bis zur Aufhebung 1782 blieb. Bald danach wurde sie jedoch geschleift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Nekrolog des Armenspitals informiert über die einstigen Insassen vom 12. bis zum 14. Jahrhundert. Mit dem übrig gebliebenen Kapital des 1488 ausgestorbenen und 1491 aufgehobenen Chorfrauenstiftes ließ Propst Dürnberger ein Spital bauen, welches am 5. August 1502 eingeweiht wurde. Für die Insassen dieses Armenspitals galten eigene Statuten, die auf einer Holztafel aus dem 17. Jahrhundert überliefert sind. Von diesem Dürnberger-Spital ist heute nur noch die Luziakapelle als Kleinod gotischer Architektur und spätgotischer Wandmalereien erhalten. Die Reste des Spitals wurden 1912 abgerissen. Die Klosterschule (''schola interna'') besuchten nicht nur die eigenen Kleriker, sondern stand auch für Schüler offen (''schola externa''), die weltliche Berufe ergreifen sollten. Diese Schule war insofern auch ein unverzichtbarer sozialer Beitrag zur Ausbildung von Personen, die einmal hohe Verantwortung übernehmen sollten. Auch das Bruderschaftswesen ist hier zu erwähnen, zumal sich dort religiöse wie soziale Motivation trafen. U.a. sei hier etwa an die &amp;quot;Aller Christgläubigen Bruderschaft&amp;quot; in der Maria-Magdalenen-Kapelle erinnert, die Propst Haller 1377 gründete. 1480 errichtete Propst Enstaler die Liebfrauenbruderschaft zum Dank für die Befreiung aus Türkennot. 1486 wurde in der Basilika die Mariä-Opferungs-Bruderschaft eingeführt. Im 17. Jahrhundert kamen auch die Arme-Seelen- und die Sebastianibruderschaft sowie 1753 die Namen-Jesu-Bruderschaft dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Klosterschule== &lt;br /&gt;
In Seckau wurde schon früh eine Schule geführt. In einer Urkunde von 1156 wird von einem Udalricus berichtet, der einst im Kloster Seckau mit den Kanonikern erzogen, jetzt zum jungen Mann herangewachsen ist. Damit finden wir die ''schola interna'' angesprochen, welche sich als &amp;quot;Konventschule&amp;quot; um die Ausbildung des Ordensnachwuchses kümmerte. 1197 machte Erzbischof Adalbert III. für diese Schüler eine Spende (''oblatio puerorum''). Die Besucher der ''schola interna'' trugen die Tonsur wie die Chorherren. Beim gemeinsamen Gebet in der Schule wurden die Schüler mit Weihwasser besprengt. Beim Gottesdienst trugen sie eigene Umhänge und waren als Sänger der gregorianischen Choräle unverzichtbar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung jener Schüler, die weltliche Berufe ergreifen wollten, versah die ''schola externa'', welche auch außerhalb der Klausur untergebracht war. Mit der Erhebung des Stiftes zum Domstift wurde die ''schola externa'' 1218 zu einer Domschule. Ihre Schüler trugen weltliche Kleidung. 1242 wurde vom Bischof vorgeschrieben, dass die Schüler künftig nicht mehr im Kloster, sondern im Ort zu wohnen hätten. Der ''Scholasticus'' war mit der Leitung der Schule betraut und wurde direkt vom Propst eingesetzt. Ihm unterstanden der Regenschori und ein Kantor, die ihn beide in der Leitung der Domschule unterstützten. Im Chorherrn Rudolf verstarb 1289 der frühest bekannte Scholasticus. Dann ist erst wieder Michael Bruchlius 1613 genannt und danach die geschlossene Reihe der Scholastiker bis 1782. Nach 1300 scheint das Bildungsniveau gesunken zu sein, da bei der Propstwahl von &lt;br /&gt;
1383 einige Chorherren nicht einmal schreiben konnten. Zum Vergleich sei darauf hingewiesen, dass etwa in St. Lambrecht 1387 kein einziger Mönch schreiben konnte. Um 1500 gab es in Seckau diese Form der Schule nicht mehr. Die Aufgaben des Scholastikers versahen nun der Regenschori und der Kantor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Tätigkeit== &lt;br /&gt;
Einige Chorherren waren besonders talentiert bzw . wissenschaftlich interessiert. So haben 68 Seckauer Kleriker an der Universität in Graz studiert, 15 aber auch andere Universitäten besucht: jeweils ein Chorherr inskribierte in Ingolstadt, Mainz, Padua, Rom, Salzburg und Trier, drei in Dillingen und sechs in Wien. 83 der insgesamt 396 Kanoniker besuchten eine Universität, was 21 % entspricht. 15 von diesen brachten es dann sogar bis zur Doktorwürde. Was aber wissenschaftliches Arbeiten nach dem Studienabschluss betrifft, sind nur wenige Informationen bekannt. Im Steiermärkischen Landesarchiv werden einige wenige Manuskripte theologischer Abhandlungen aufbewahrt, weiters sind einige historische Werke erhalten geblieben, die einen guten Einblick zur Seckauer Geschichte liefern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leonhard Arnberger (1541–1560) verfasste den frühesten Pröpstekatalog. Propst [[Jakob Waschl]] (1560–1566) erstellte wiederum einen Katalog der Pröpste samt ihren Wappen. Die leiblichen Brüder Johannes und Thomas Jurrick aus Wittgenau, die in der latinisierten Form ihres Namens, &amp;quot;Jurichius&amp;quot;, bekannt geworden sind, haben für Archiv und Bibliothek wertvollste Arbeit geleistet. [[Thomas Jurichius]] (1589–1658) war ab 1622 Stiftsdechant und verfasste die wichtige Urkundensammlung „Chronicon sive Diplomatarium Seccoviense&amp;quot;. Seinem Bruder [[Johannes Jurichius]] (1616–1671) ist der &amp;quot;Liber benefactorum Ecclesiae Seccoviense&amp;quot;, das Wohltäterbuch der Seckauer Kirche, und der „Rapsodus seu Index Rerurn &amp;quot;, ein Archivkatalog, zu verdanken. Großartiges leistete wieder der unermüdliche [[Matthias Ferdinand Gauster]] (1699–1749), Autor des umfangreichen vierhändigen „Praesulatus Seccoviensis&amp;quot; und der „Collectanea ad Praesulatum Seccoviensem&amp;quot;. Seine Aufzeichnungen haben auch durch qualitätvolle Aquarelle dokumentarischen und kunsthistorischen Wert. Des weiteren stammen aus Gausters Feder das &amp;quot;Viridarium Rituum&amp;quot;, die vierbändigen &amp;quot;Monum entorum Seccoviensium&amp;quot; und die &amp;quot;Diarii Seccoviensis&amp;quot;. Auch der letzte Seckauer Archivar, [[Georg Scheidl]] (1750–1835), schrieb eine kompakte Geschichte der Seckauer Dompröpste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von seinem Vater hatte Adalram von Waldeck ein schönes Erbe erhalten: Waldeck im Pittener Land mit den Dörfern Strelz, Willendorf, Dreistetten, Wopfing, den Hof Badendorf mit drei Weingärten wie Gerasdorf mit seinen Weingärten und Zubehör, den Hof am Kamp und an der Erlach sowie Starhemberg. In Oberösterreich nördlich der Donau besaß er Waltenstein mit den Gütern auf dem Windberg, je drei Weingärten zu Aschach und Pesenbach, die Höfe Eppenberg, Erbenberg, Ottens heim und Lindham. Zu diesen kamen noch die oststeirischen Besitzungen Kumberg, Arndorf, Hainersdorf, mit Lebern südlich von Graz und Leutzendorf. Dazu erhielt er noch Feistritz, den ersten Gründungsort des Stiftes Seckau. Fast seine gesamten Besitzungen übergab Adalram dem Salzburger Erzbischof mit 10. Januar 1140 zur Gründung eines Chorherrenstiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet durch dieses Dotationsgut hatten sich die ersten Chorherren zunächst einmal in Feistritz einzuleben und die Grundlagen für ihr Fortkommen zu sichern. Die Befreiung von jeglichen steuerlichen Abgaben war als Erleichterung zu sehen, wie es in der Gründungsurkunde festgelegt war. Das erste Kloster stand, wie die Tradition weiß, im Bereich des späteren pfarrlichen Wirtschaftsgebäudes von St. Marein. Dieser Ort erwies sich jedoch als ungeeignet, weshalb man sich schon bald zu einem Neubeginn in Seckau entschloss. Neben dem Dotationsgut des Gründerehepaares vergrößerte sich der Besitz durch weitere Schenkungen aus weltlicher und geistlicher Hand. Seckau besorgte nun wiederum die Errichtung von Kirchen und Kapellen für seine Untertanen. In den Seelgerätstiftungen an das Seckauer Kloster trafen sich die spirituellen Interessen der Stifter mit den materiellen Hoffnungen der jungen Klosterkommunität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1170 widmete der Erzbischof auf Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Seckauer Propstes hin eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten - wahrscheinlich zur Eisengewinnung - als Unterstützung der Klöster in Seckau und Vorau. Beiden im Aufbau begriffenen Stiften war damit gut gedient. Mit 10. Februar 1171 bestätigte Papst Alexander III. den Seckauer Besitzstand, der sich seit der Gründung schon ein wenig vergrößert hatte. Der Besitzzuwachs von 1171 bis zur Anlegung des ältesten Urbars kam hauptsächlich durch Schenkungen in die ''Oblay'' zustande. Dabei handelte sich vornehmlich um Streubesitz im oberen Murtal, im Palten- und Liesingtal, im Ennstal, zwischen Leoben und Bruck, im Mürztal sowie in der Oststeiermark, bei Leibnitz und in der Untersteiermark bei Witschein. Der Besitz nördlich der Donau gelangte schon bald als Lehen in die Hände der Herren von Ort. Durch die Gründung der Diözese Seckau wurde das Chorherrenstift mit 8. Juli 1218 zum Domstift und damit auch zum Domkapitel erhoben - in seinen Besitzungen wie Rechten aber klar vom Bistum getrennt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Urbar ließ Propst Ortolf in der Zeit um 1270 verfassen. Es hält den trotz der Folgen der Brandkatastrophe von 1259 recht kompakten Klosterbesitz zwischen Judenburg und Kraubath sowie im Gebiet des Hochplateaus um Seckau fest. Von allgemein wirtschaftsgeschichtlichem Interesse sind die Leistungen der darin erwähnten &amp;quot;Schafschwaigen&amp;quot;. Die am Georgi- und Michaelifest zu leistenden Abgaben der Untertanen bestanden nur zum Teil aus Geld. Dem Grundherrn war auch durch die Abgabe von Naturalien gut gedient: Eier, Getreide, Hühner, Käse, Kraut, Kühe und Schafe. Wegen der raschen Verderblichkeit wurde die Abgabe von Fischen in eine Geldleistung umgewandelt. Die Abgaben von gewerblichen Betrieben erfolgten meistens in Geld. Für die Besitzungen in Niederösterreich gab es ein eigenes Urbar, das allerdings nicht erhalten geblieben ist. Nicht unerwähnt darf hier der Silberbergbau am Dobritsch zwischen Friesach und Hüttenberg in Kärnten bleiben. Dort konnte sich Seckau damals sehr maßgebliche Summen erwirtschaften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des wirtschaftlichen Tiefstandes des Stiftes musste Bischof Wocho (1317–1334) eingreifen. Er gab mit 23. August 1320 gemeinsam mit Propst Christian Feistritzer und Kapitelbeschluss dem Stift neue Statuten, die vor allem ökonomische und disziplinäre Dinge betrafen. Unter Propst Dietmar Cholbo (1339–1346) erreichte das Stift eine Blütezeit in geistlicher und wirtschaftlicher Beziehung. Auch Propst Ulrich III. von Trapp (1382–1414) hatte für die Wirtschaft eine glückliche Hand, sodass er als ''alter fundator'' bezeichnet wurde. Das Urbar des Stiftes St. Florian von 1373 zeigt, dass Seckau seine aus der Gründungsdotation stammenden Besitzungen nördlich der Donau bereits an das verbrüderte Chorherrenstift veräußert hatte. Für Seckau liegen aus dem 14. Jahrhundert allerdings keine Urbare oder urbarialen Aufzeichnungen vor. Die allmähliche Verdrängung der Naturalabgaben durch deren Ablöse in Geld brachte wiederum neue schriftliche Aufzeichnungen der stiftischen Untertanen mit sich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner beinahe 45-jährigen Regierunszeit sorgte Propst Andreas Enstaler (1436–1480) für viele Anschaffungen und Neuerungen im Stift und seinen Pfarren. Mit den erworbenen Gütern kam eine ganze Reihe von Untertanen in der Seckauer Gegend zum Stift. Seckau hatte damals gut 1.200 Untertanen. Die Aufzeichnungen des Stiftsarchivars Matthias Ferdinand Gauster aus dem 18. Jahrhundert machen gerade auch die Besitzveränderungen im Lauf der Jahrhunderte nachvollziehbar. Um 1400 hatte man mit dem Bergbau in Flatschach bei Knittelfeld begonnen und zunächst Gold zutage gefördert. Im Lauf der Zeit wurden aber die Kupfervorräte immer ertragreicher und bedeutungsvoller. Durch die kaiserliche Abforderung der Terz (= eines Drittels der gesamten Einkünfte eines Jahres) 1523, der Kirchenkleinodien - nach der Schlacht bei Mohacs 1526- und der Quart (= eines Viertels) 1528 hatte das Stift jedoch schwere finanzielle Herausforderungen aufgelastet bekommen und konnte sich, trotz eingelegten Protests, nur durch den Verkauf von Gülten um Bruck, im Enns-, Mürz- und Paltental über Wasser halten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1529 beließ der Kaiser jeder Kirche nur mehr einen Kelch und eine Monstranz - der Rest war abzuliefern. Der Kaiser musste alle Mittel ausschöpfen, um im Kampf gegen die Türken bestehen zu können. Vor der Quart (1528) betrug der Seckauer Besitzstand 1752 Pfd. 7 Sch. 9 Pf. - nachher (1540) waren es nur noch 1271 Pfd. und 23 Pf. Damit war das Domstift im Vergleich mit den anderen Stiften des Landes relativ am schlechtesten bestellt. Bischof [[Georg III. von Tessing]] (1536–1541} führte beim Februar-Landtag 1540 deutliche Klage über den schlechten Wirtschaftsstand seines Domstiftes. Gemäß der Gültenschätzung von 1542 wurde das Kloster mit seinen Gütern mit 2.000 fl angeschlagen. Um Schulden zu tilgen, sah sich Propst Leonhard Arnberger (1541–1560) zum Verkauf weiterer Gülten bei Bruck, im Mürztal und in Kärnten bis 1543 gezwungen. Auf den Beschluss des Prager Landtages 1542 veranlasste Propst Arnberger die Gültenschätzung des Stiftes und gab den Anstoß zur Abfassung eines neuen &amp;quot;Urbarpuech zw Seggaw 1543&amp;quot;. Das erhalten gebliebene Urbar verzeichnet keinesfalls den gesamten damaligen Besitzstand. Es muss noch weitere Urbare gegeben haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Brand der Prälatur ließ Propst Sebastian Kueler (1589–1619) sie wieder aufbauen. Er war ein Verwaltungsgenie und zahlte im Lauf der Jahre die stiftischen Schulden zurück, löste die versetzten Grundstücke wieder ein und vermehrte das Stiftsvermögen. 1603 kaufte er der Landschaft in Graz sogar noch den Rauberhof ab und schuf damit den Seckauerhof. Propst Anton von Potiis (1619-1657} brachte weitere Güter in den Stiftsbesitz. So kaufte er 1635 die Herrschaft Liechtenstein um 23.000 fl, 1636 den Prankmairhof in Prank um 10.300 fl und noch 1646 das Schloss Hautzenbichl um 10.000 fl. Georg Ludwig Graf zu Schwarzenberg schenkte 1644 dem Stift Seckau etliche Gülten. 1654 kaufte Propst Potiis das Amt St. Peter im Viertel Vogau mit Weingärten in der Südsteiermark um Luttenberg, Kerschbach, Zvwiankh und &amp;quot;Waiglstorffberg&amp;quot; um 25.000 fl. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift Seckau schürfte im kärntnerischen Gebiet um Wolfsberg nach Silber und fuhr damit bedeutende Summen ein. So war es den Pröpsten des 17. Jahrhunderts möglich, bedeutende bauliche Veränderungen vorzunehmen. Die beabsichtigte Barockisierung der romanischen Basilika fiel jedoch der drohenden Türkengefahr und den damit geringer werdenden Geldmitteln zum Opfer. Nach dem Vergleich im nahezu 200 Jahre währenden Streit mit dem Seckauer Bischof um die Rechte des ''archidiaconus natus'' war Propst Paul Franz Poiz (1703–1733) zur Tilgung der Schulden aus den enormen Prozesskosten zur leidlichen Veräußerung von Gülten und Grundherrschaften gezwungen. So hatte Seckau wieder Besitzungen abzustoßen, die erst im 17. Jahrhundert angekauft worden waren. Die grandiose Bautätigkeit der letzten Pröpste hatte das Stift allerdings in eine missliche Lage gestürzt. So nahm man auch die einst ergiebigen Arbeiten im Kupferbergwerk in Flatschach bei Schönberg 1705 wieder auf. Propst [[Josef Urban von Schurian]] (1751–1769) konnte trotz aller Bemühungen den wirtschaftlichen Niedergang des Stiftes nicht aufhalten. Die schwierige finanzielle Situation des Domstiftes brachte den damaligen Seckauer Bischof, Josef II. Philipp Graf von Spaur, nach dem Ableben von Propst Schurian auf den Gedanken, das Regular-Domstift Seckau in ein Säkular-Domstift zu verwandeln und den Sitz in die Landeshauptstadt Graz zu verlegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Mit 10. Januar 1140 hatte Adalram den eigentlichen Gründungsakt in Friesach vollzogen und bestimmt, &amp;quot;daß man daselbst (in Feistritz) unter der Regel des seligen Augustinus in geistlich und kanonisch festgesetzter Weise lebt.&amp;quot; Damit unterstanden auch die schon früher mit Eigenkirchenrecht errichteten Kirchen von Feistritz, St. Lorenzen und St. Marein bei Prank dem Salzburger Erzbischof, da sich die Regularkanoniker laut ihrem Selbstverständnis im Dienst des Bischofs wussten . Durch die 1151 erfolgte Inkorporation der Pfarre Kobenz in das Chorherrenstift Seckau wurde dem Propst die Funktion des Archidiakons übertragen, da mit der Mutterkirche St. Rupert der Sitz des Archidiakons für die obere Mark verbunden war. Ab nun nannten sich die Stiftspröpste auch &amp;quot;archidiaconi nati&amp;quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die klaglose Abklärung der Vogteifrage gab es besitzgeschichtliche Voraussetzungen: Durch die Traungauer Urkunde vom 29. November 1182 bestätigte Markgraf Otakar IV. die dem Kloster Seckau von seinem Vater verliehenen Freiheiten. Darin wird auch die Übertragung der Schirmvogtei vom Gründer Adalram auf Otakar III. beim Reichstag zu Regensburg 1152 erwähnt. Vor seinem Eintritt in das Kloster schenkte Adalram dem Markgrafen deshalb Starhemberg und das Dorf Dreistetten samt ritterlicher Mannschaft wohl als Gegengabe zur Übernahme der Vogtei für das Stift Seckau. Die Vogtei über das Stift Seckau übte also der Landesfürst seit 1152 aus. Mit der Gründung der Diözese Seckau am 22. Juni 1218 wurde das Chorherrenstift zum Domstift und damit auch das Stiftskapitel zum Domkapitel erhoben. Zwischen Domstift und Bistum wurde jedoch in den Besitzungen und Rechten klar unterschieden und getrennt. Die Wahl eines neuen Diözesanbischofs war nie Aufgabe des Seckauer Domkapitels gewesen. Der Bischof kam übrigens nur sehr selten nach Seckau. Meistens wurde er hier bloß inthronisiert und zuletzt bestattet, da die bischöflichen Funktionen gewöhnlich auf Schloss Seggau bei Leibnitz oder in Graz vollzogen wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besaßen die Pröpste zunächst keine Zeichen des sie auszeichnenden Amtes, erteilte Papst Innozenz VI. dem Propst Petrus Freisinger 1359 das Recht, die Pontifikalien zu führen. Ein unseliger Streit entbrannte 1497 zwischen Bischof Matthias Scheit und dem Dompropst als ''archidiaconus natus''. Bischof Scheit glaubte sich in Fragen der Jurisdiktion durch das Agieren des Dompropstes beschnitten. Im Bistum bestand die schwierige rechtliche Situation, dass der Bischof bloß die ihm 1218 zugestandenen Ordinationsrechte innehatte, während der Dompropst als Archidiakon im Auftrag des Erzbischofs von Salzburg die übrigen bischöflichen Rechte ausüben konnte. So besaß der Dompropst gegenüber dem Klerus auch das Synodalrecht und versammelte die Geistlichen mindestens einmal jährlich. Die Sorge um den Klerus lag damit wohl auch mehr beim Archidiakon als beim Bischof. Vor allem in Ehesachen übte er auch zusätzlich die kirchliche Gerichtsbarkeit aus. Jede Appellation ging von seinem Forum nicht etwa an den Bischof von Seckau, sondern richtete sich an den Erzbischof von Salzburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich Bischof Scheit selbst dem päpstlichen Entscheid in dieser heiklen Frage nicht fügte, wurde er abgesetzt und exkommuniziert. Die Streitsache sollte aber erst nach 200 Jahren mit einem Vergleich im Jahr 1701 zu einem Ende gebracht werden. Damit anerkannte Bischof Rudolf Graf Thun (1687-1702) die völlige Exemtion des Domstiftes. Bereits am 24. November 1498 schloss sich das Stift Seckau unter Propst Johannes Dürnberger der Lateranensischen Kongregation an, weshalb man sich nun auch hier als &amp;quot;Lateranensische Äbte&amp;quot; und &amp;quot;Lateranensische Chorherren&amp;quot; betiteln konnte . &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Seckau ist von Anfang an als gemeinständiges Kloster zu bezeichnen, war also offen für jeden. Insofern finden sich Adelige und Bürgerliche in der Kommunität beisammen, wie es auch dem Seckauer Umfeld entspricht. In den 642 Jahren seiner Existenz sind uns 396 Konventualen bekannt. Die ersten sechs Chorherren kamen 1140 aus dem Salzburger Domstift. Wie qualifiziert ihre Auswahl war, beweist der Umstand, dass drei von ihnen die Propstwürde erlangten: Wernher von Galler (1141–1196) und Gerold von Eppenstein (1196–1216) in Seckau sowie Liupold von Travesse in Vorau (1163–1185). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Seckauer Kapitel hatte zunächst nur geringe Mitgliederzahlen. Erst die Kapitelprotokolle im 15. Jahrhundert tragen zehn bis zwölf Unterschriften, wobei die Kleriker und Novizen dort nicht genannt sind. 1528 gab es etwa 21 Chorherren, während es im Rahmen der landesfürstlichen Visitation von 1544 heißt, dass &amp;quot;ehmals 12 priester und 6 jung herrn gewest, darneben ein bettbrueder&amp;quot; (=Konverse). Jetzt seien aktuell &amp;quot;11 personen und ein jung herr, aber kein bettbrueder&amp;quot; mehr vorhanden. Den personellen Tiefpunkt hatte Seckau 1575 mit verbliebenen fünf Geistlichen erreicht. Um 1700 belief sich die Zahl dann auf 28 bis 30, wie etwa das letzte Protokoll vom 13. Mai 1782 zeigt. Unter Propst Sebastian Prägartner (1531–1541) verstarb der letzte Konverse. Von den 46 bekannten Mitgliedern des 13. Jahrhunderts stammten 18 von Ministerialen ab, drei waren von bürgerlich-bäuerlicher Abkunft. Zu 25 Chorherren gibt es keine näheren Informationen. Das 14. Jahrhundert kennt 67 Kanoniker (28 Ministeriale, 14 Bürger, 21 unbekannt). Mit den 61 Chorherren des 15. Jahrhunderts trat eine Wende ein. Nun überwiegen jene der bürgerlich-bäuerlichen Herkunft, während 15 von ministerialer und acht unbekannter Abstammung sind. Mit dem 16. Jahrhundert nahmen die Adeligen immer mehr ab. Zehn Adeligen stehen 41 bürgerlich-bäuerliche Chorherren gegenüber, gesamt also 51. Von den 76 Domherren des 17. Jahrhunderts entfallen 31 auf den Adel und 45 auf Bürger. Im 18. Jahrhundert ist ein verstärkter Zustrom des neuen Adels im Kloster, ferner des reichen und studierenden Bürgertums, besonders aus Graz, zu verzeichnen. Das führte zu einer Hochblüte des klösterlichen Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 99 Domherren sind 51 adeliger und 48 bürgerlicher Herkunft. Das starke Ansteigen der Chorherren aus Graz ist vermutlich u. a. den vier angesehenen Pröpsten Schrott, Poiz, Mayr und Waiz (1700–1751) - allesamt geborene Grazer - zu verdanken. Nachdem gezählte 68 Seckauer Kleriker auch in Graz die Universität besuchten und im Seckauerhof wohnten, werden wohl auch Freundschaften mit diesen zum Eintritt in Seckau geführt haben. Bezüglich der geographischen Herkunft kann gesagt werden, dass von den gesamt 396 Kanonikern 256 aus der Steiermark abstammen. Bei 54 ist die Herkunft nicht bestimmbar, wird aber auch zumeist die Steiermark sein. Die restlichen 86 verteilen sich auf 14 Diözesen, wobei wieder aus Gurk 22 und aus Wien 26 abstammten. Die verbleibenden 38 kamen aus Aquileja, Augsburg, Bamberg, Breslau, Brixen, Hildesheim, Lavant, Magdeburg und Olmütz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Rahmen der Besiedelung hat der Gründungskonvent aus Salzburg 1140 wohl nur einzelne Bücher mitgebracht. Die Handschrift 408 der Universitätsbibliothek Graz aus der Schreibschule des Erzbischofs Arno um 800 war nachweislich darunter. Ab nun hatte man für die Vermehrung der Bibliothek selbst zu sorgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im hiesigen Skriptorium sollten Handschriften mit hervorragender Qualität entstehen, für deren Herstellung fleißige Chorfrauen und Chorherren sorgten. Bekannt unter ihnen ist der Schreiber Bernhard, der als Kustos und Bibliothekar die Schreibschule leitete und selbst viele Bücher schrieb, als Notar die Traungauer begleitete und spät er dem Stift Vorau 1185 bis 1202 als Propst vorstand. Auch in Vorau finden sich Codices mit seiner Schrift bzw. Seckauer Provenienz, wie vermutlich bei der Gründung des Stiftes Stainz 1229 Handschriften aus Seckau auch dorthin gelangten. Weitere Schreiber des 13. Jahrhunderts waren etwa Pipinus, Waltherus, Francho, Johannes, Konrad und Engelbert und Dietreich im 14. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwähnenswert sind Hs. 807, ein Graduale des 12. Jahrhunderts, welches das älteste deutsche Beispiel einer Choralnotation auf vier Zeilen bringt, während Hs. 1501 mit ihrer &amp;quot;Heinrichslitanei&amp;quot; für Germanisten von Bedeutung ist. Besondere Beachtung errang wiederum Hs. 756, welche die ältesten deutschen Kirchenlieder der Steiermark (größtenteils Übersetzungen lateinischer Hymnen und Sequenzen) enthält und auch die Überlieferung der mittelalterlichen Osterliturgie mit den frühesten deutschsprachigen Osterliedern &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot; und &amp;quot;Es gingen drei vrouwen&amp;quot; niederschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Versuch der Verbindung des Kirchenvolkes mit der liturgischen Gemeinschaft zeugt etwa auch die Seckauer Weihnachtskomplet aus dem Jahre 1345, wobei sich hier besonders auch der beliebte weihnachtliche Volksbrauch des sog. &amp;quot;Kindlwiegens&amp;quot; wiederfindet. Unter Propst Dürnberger (1480-1510) wurde das Graduale und &amp;quot;Sequentiarium Seccoviense&amp;quot;, Hs. 17, geschrieben, das mit seinen wunderbaren Initialen, Miniaturen, Ranken mit Bildern aus der Pflanzen- und Tierwelt nach der Natur, den künstlerischen Realismus des 15. Jahrhunderts wiedergibt. Die Initiale auf fol. 217v zeigt den Stiftsgründer Adalram samt Modell des Domes mit seinen beiden verschiedenen Türmen, womit dieser Abbildung baugeschichtliche Bedeutung zukommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Blütezeit der Seckauer Schreib- und Malkunst fällt in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts und hält im 13. Jahrhundert an. 71 Seckauer Handschriften des 12. Jahrhunderts befinden sich heute in der Universitätsbibliothek Graz, was auf eine erstaunlich produktive Schreibschule schließen lässt. Zu den Zimelien gehören vor allem die von den Chorfrauen erzeugten Handschriften. H. 286, ein Psalterium aus der Zeit um 1150, zeigt im Widmungsbild auf fol. 62v etwa die Stiftsgründerin Richinza und die vermutliche Meisterin Chunigundis. Hs. 287 enthält das älteste deutsche Marienlied der Steiermark, eine &amp;quot;Mariensequenz&amp;quot;, die eine Übertragung der lateinischen Sequenz &amp;quot;Ave praeclara maris stella&amp;quot; darstellt. Hs. 1505, das Gebetbuch einer Nonne, ist nicht nur eine Sammelhandschrift des 12. Jahrhunderts u. a. mit deutschen Gebeten und einem ungewöhnlichen Wurmsegen (fol. 133r). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert liefern die Chorfrauen verlässliche Kontinuität ihrer Schreibkunst und in der Technik des Federzeichnens. Bücherlegate waren willkommen. Bischof Matthias Scheit (t 1512) etwa vermachte seine umfangreiche Bibliothek mit ca. 100 Inkunabeln dem Domstift. Diese Bände wurden in Seckau rubriziert und mit Initialen versehen. Etliches davon ging im Josephinismus durch den Bibliothekar Herzl der Universitätsbibliothek in Graz verloren, da dieser aus der Scheit-Bibliothek Verkäufe an die Universitätsbibliothek in Lemberg tätigte. Nach der Aufhebung des Stiftes Seckau 1782 kamen aus Seckau 341 Handschriften, 200 Inkunabeln und rund 700 andere Druckwerke über Wien nach Graz und wurden dort der Universitätsbibliothek eingereiht. Anhand der Kataloge hatte man zunächst Spezialwerke nach Wien geholt, um sie dann aber wieder nach Graz abzugeben. Vieles ging aber gleich direkt nach Graz. Der im 18. Jahrhundert angelegte &amp;quot;Catalogus antiquus bibliothecae Seccoviensis&amp;quot; (Universitätsbibliothek Graz Hs. 2039) verzeichnet 3.178 Werke. Rund 1.300 von diesen sind heute noch erhalten. Der ehemalige Bibliotheksraum der Augustiner-Chorherren, 1660 gebaut, wurde später von den Benediktinern zu einem Refektorium umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
Nur die mündliche Tradition weiß noch davon zu berichten , dass sich das ehemalige Chorherrenkloster, von dem natürlich keinerlei Reste mehr zu entdecken sind, im Bereich des späteren Wirtschaftsgebäudes des Pfarrhofes in St. Marein befunden habe. Mit vereinten Kräften ging man an die Errichtung des Klosters in Seckau, das zunächst wohl hölzerne Gebäude erhielt. Der entdeckte Sandsteinbruch sollte das benötigte Baumaterial für die geplanten Gebäude liefern. Das erste Gotteshaus der hiesigen Chorherren war die Magdalenenkapelle, deren Altar noch vor 1152 geweiht wurde. Dieser romanische Rundbau barg im unteren Teil eine Art Gruft, im oberen Teil die Kapelle. Wenige Meter hinter der Apsis der Basilika sind heute noch ihre Mauerreste zu sehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in Seckau ordnete man die Räumlichkeiten anhand des traditionellen Grundrisses für die Errichtung von Klöstern an, wie er laut dem Schema von St. Gallen aus dem 9. Jahrhundert bekannt ist, welches auf die althergebrachte Praxis der Römerlager zurückging. Wahrscheinlich waren die Baumeister und Steinmetze für den Bau der Klosterkirche 1142 aus Sachsen gerufen worden. Die Basilika entstammt der Bauschule Hirsau (Vorbild St. Godehard in Hildesheim) mit ihrer schlichten Grundrissform (61,6 m lang), dem Wechsel von zwei Säulen mit einem Pfeiler, den drei Apsiden und zwei Türmen an der Westfront. Breite (7,90 m) und Höhe (15,87 m) der Kirche stehen zueinander im für die Hirsauer Schule üblichen Verhältnis 1:2. Erzbischof Konrad I., der ja in seinem mehrjährigen Aufenthalt in Hildesheim die dortige Kultur und Kunst kennengelernt hatte, stand wohl als Initiator für die Berufung der sächsischen Bauhütte nach Seckau im Hintergrund. Es sind uns keine Namen von Baumeistern außer den beiden Maurern (''cementarii'') Gundram und Heinrich überliefert, die hier mühsame Arbeit leisteten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf alle Fälle waren Fachleute am Werk, da man ihre romanischen Steinmetzzeichen auch in Kärnten wieder erkannte. Bischof Hartmann von Brixen weihte die Kirche und den Hochaltar am 16. September 1164. In der Basilika war auch ein Lettneraltar für die Laien errichtet worden. Erst 1601 wurde der Dreikönigsaltar mit seinen plastischen Darstellungen durch einen neuen Hochaltar ersetzt. Der eigentliche Innenraum der dreischiffigen romanischen Basilika bis zum Chor ist unversehrt erhalten und übt eine überwältigende Raumwirkung aus. Im Westen finden sich zwei quadratische Türme mit Vorhalle und im Osten drei Apsiden in einer Flucht neben einander, welche allerdings 1892 durch den Einbau eines Querschiffes verändert wurden. Der nördliche der beiden Achteckpfeiler in der Basilika trägt sechs Hochreliefdarstellungen, um deren Bedeutung lange gerätselt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reliefs gliedern sich in zwei Gruppen zu je drei Darstellungen gegen Westen und Osten. Auf der Westseite finden sich Moses, ein Bischof und ein Rind, auf der Ostseite ein Mensch mit Buch, ein Adler mit einem nackten Kauernden sowie ein Löwe abgebildet. Im Kontext der zeitgenössischen Ikonographie und der Theologie des Rupert von Deutz ergeben sich jedoch eindeutige Hinweise, dass sich hier beim Achteckpfeiler ehemals der Standort des Taufbrunnens befunden haben muss. Die vier Wesen erscheinen als symbolische Abbilder der ''principalia sacramenta'', nämlich der Menschwerdung, Passion, der Auferstehung und Himmelfahrt Christi. Das Menschwesen symbolisiert die ''incarnatio'', das Rind die ''passio'', der Löwe die ''resurrectio'' und der Ad er schließlich die ''ascensio'' Christi. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das westlich situierte Bild des Rindes weist auf den Opfertod Christi, während gegenüber Mensch, Adler und Löwe auf den Triumph Christi und die Erlangung des Heils verweisen . Der Adler symbolisiert die Himmelfahrt Christi, der die Seinen - den nackten Kauernden - mit sich zum Vater führt. Der Bischof vollzieht am Täufling die genannten Stationen christlicher Erlösung. Moses, als nachdenklich er Prophet dargestellt, nimmt auf die Taufe Bezug, indem er mit dem Stab auf das Quellwunder bzw. auf den Durchzug durch das Rote Meer verweist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achteckform des Pfeilers ist als Symbol für die Auferstehung zu deuten, während durch die Sechszahl der reliefierten Pfeilerseiten auf den sakramentalen Tod des Menschen mit Christus im Taufritus angespielt wird. Zu den bis heute erhalten gebliebenen Schätzen aus der Romanik gehört auch die berühmte Kreuzigungsgruppe aus der Zeit um 1160, die unter Propst Dürnberger um 1490 aus der Basilika entfernt und in der Pfarrkirche St. Jakob aufgestellt wurde, wo sie bis zu deren Abtragung 1786 verblieb. Danach wurde der Kruzifixus in einer Wegkapelle beim Vorwitzhof, in der Ortsgemeinde Gaal gelegen, aufgestellt. Die Assistenzfiguren wurden mit einem etwas jüngeren Kreuz vereinigt und kamen 1890 wieder an den ehemaligen Standort unter dem Triumphbogen des Mittelschiffes in der Basilika. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1930 konnte das Bundesdenkmalamt den Verkauf des &amp;quot;Gaaler Kruzifixus&amp;quot; in das Ausland gerade noch verhindern. Heute befindet sich dieses Kreuz im Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck. In die Zeit zwischen 1164 und 1181 fällt die Weihe der Margarethenkapelle an der Nordseite der Basilika. Hier verrichteten angeblich die Chorfrauen ihre Gebetszeiten. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgte die Gotisierung der Kapelle und der Patroziniumswechsel zur hl. Barbara. Mit dem Aussterben des Frauenkonvents wurde die Kapelle 1590 von Bischof Martin Brenner als Grablege der Bischöfe bestimmt und ist seither als Bischofskapelle bekannt. Brenner wollte die Bischöfe und die Landesfürsten (Habsburgermausoleurn) im Tode nebeneinander ruhen sehen, da man auch im Leben für die Erhaltung des katholischen Glaubens vereint gestritten hatte. Bischof Brenner ließ dort 1595 Porträts von 32 seiner Vorgänger im Bischofsamt ''al Fresco'' malen und mit Texten aus der Hl. Schrift versehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier befindet sich seit 1950 auch der berühmte Dreifaltigskeits- oder Mariä-Krönungs-Altar von 1489, der wahrscheinlich von einem Südtiroler Schnitzer stammt. Heute dient die Bischofskapelle als Taufkapelle. Erst nach ihrer Weihe 1164 erhielt die Kirche im Westen Türme. Den südlichen, der von der Giebelwand getrennt war und frei stand, ziert das Wappen von Propst Wernher (t 1196). Der Nordturm wurde erst unter Bischof Wocho 1333 vollendet und im vierten Stockwerk als Achteck ausgeführt, wie eine Miniatur in Hs. 17, fol. 217 belegt. Das Seckauer Gnadenbild aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts - &amp;quot;Unsere liebe Hausfrau&amp;quot; bzw. &amp;quot;Ursprungsbild&amp;quot; genannt - stellt die thronende Gottesmutter mit dem Christusknaben am Schoß in einem Alabaster- bzw. Jaderelief dar. Die Nikopoia dürfte einer venezianischen Werkstatt mit byzantinischem Vorbild entstammen und befand sich zunächst in der Chorfrauenkapelle, kam dann in den Kreuzgang bzw . wurde im Kapitelsaal über dem Eingang zur Liechtensteinkapelle aufgehängt und wurde immer viel besucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitelsaal wurde wegen des Gnadenbildes auch &amp;quot;Ursprungskapelle&amp;quot; genannt. Auf welchem Weg bzw. durch wen das &amp;quot;Ursprungsbild&amp;quot; nach Seckau kam, dafür gibt es keine Belege. Schon mit 17. Dezember 1332 wurde von Papst Johannes XXII. in Avignon ein vierzigtägiger Ablass für den Besuch des Bildes erteilt, wodurch sich Seckau zu einem wahren Wallfahrtsort entwickelte. Das Gnadenbild wurde 1789 auf den Hochaltar übertragen bzw. 1883 in der Bischofskapelle aufgestellt. 1953 wurde das Bild von Br. Bernward Schmid OSB neu gefasst und fand 1954, anlässlich des &amp;quot;Marianischen Jahres&amp;quot;, in der Sakramentskapelle den nunmehrigen Platz zur Verehrung. Nach dem Stiftsbrand vom 7. Nov. 1259 erstand das Kloster wieder auf die Initiative und gute Wirtschaftspolitik des neuen Propstes Ortolf von Prank (1259–1289) und die Tatkraft des Konversen Wilhalmus hin, der das Kloster, vor allem aber die Basilika, Decken und Kreuzgang mit St-Johann-Baptist-Kapelle (Fresken mit der Vita St. Joannis Baptistae um 1280 in 17 Szenen) aufbaute. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Autorenschaft des Freskenzyklus mit der Johannesvita kommt am ehesten der ''constructor monasterii conversus Wilhalmus'' in Frage. Beachtung verdient auch das Tympanonrelief von 1260 über dem Portal der Basilika, welches die Madonna mit dem Kind auf einem von zwei Löwen begrenzten Thron darstellt. Seit Ende des 15. Jahrhunderts befand es sich über dem Sakristeieingang, seit 1964 über dem Westportal der Basilika. Aufgrund der guten Beziehungen zu Propst Ortolf und zu den Chorherren erwählte der letzte Minnesänger, Ulrich von Liechtenstein, Seckau zum Ort einer Grabstätte für sich und seine Familie. Er begann mit dem Bau einer Kapelle in unmittelbarem Anschluss an den romanischen Kapitelsaal im Osten des Kreuzganges, verstarb aber bereits 1275, weshalb sein Sohn Otto den Bau fortsetzte und vollendete. Bischof Wernhard weihte diese frühgotische Kapelle am 6. Mai 1279. Da die Kosten für die dringend notwendige Renovierung der Kapelle und ihren reichen Freskenschmuck nicht aufzubringen waren - von Seiten des Staates bestand nach der Aufhebung des Stiftes kein Interesse - wurde 1837 durch den Verwalter der Radmeister-Communität, Leopold von Pebal, die Abtragung veranlasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pebal hatte die Kapelle zuvor wen gstens genau vermessen und dokumentieren lassen. Demnach handelte es sich bei dem Bau um einen aus drei Jochbögen bestehenden mit Rippengewölbe überspannten Raum, der nach Osten mit einem aus sieben Seiten des Zwölfecks gebildeten Chorabschluss. Innen war die Kapelle mit Fresken ausgestaltet und nach außen durch Strebepfeiler gestützt. Aus der Zeit vor 1400 stammt das Seckauer Vesperbild in der Basilika, eine Vollplastik aus Lindenholz, die in enger Verbindung mit dem Klosterneuburger Vesperbild steht. Mit Propst Andreas Enstaler (1436–1480) begann eine der produktivsten Zeiten in der Seckauer Kunstgeschichte. Trotz schwieriger Zeitumstände, wie es die drei &amp;quot;Gottesplagen&amp;quot; Türken, Pest und Heuschrecken waren, konnte er Großartiges leisten. So ließ er 1438 von Hans Mitter aus Judenburg und 1443 eine Glocke gießen, von welchen nur mehr die St.-Augustinus-Glocke erhalten ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1437 begann der Bau der spätgotischen Kirche von St. Marein durch den Admonter Baumeister Niklas Velbacher, wie die Inschrift von 1445 besagt. Geweiht wurde die Kirche aber erst 1491. Auch für die Seckauer Basilika ließ Enstaler Kunstwerke anschaffen: 1439 einen zierlichen Kronleuchter aus Bronze, der ursprünglich über dem Grabmal des Stifters, jetzt vor dem Mariä-Krönungs-Altar in der Bischofskapelle hängt; 1459 das Weihwasserbecken, ein sog. &amp;quot;Quendelstein&amp;quot;, das heute in der Vorhalle der Basilika steht; mehrere Epitaphien sind beachtenswert: der Grabstein des Bischofs Georg I. von Lembucher (1443–1446), des Bischofs Georg II. von Überacker (1452–1477), des Edlen Johannes Prancker von Prank (1450) sowie der Meisterin des Chorfrauenkonventes Agnes Enstaler (1455), der leiblichen Schwester des Propstes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert sind die beiden Seckauer Chorherren, der Maler Albert (verstorben unter Propst Andreas Enstaler) und der Steinmetz Marcus Male (t 11. April 1495 an der Pest) als Meister ihres Faches bekannt. Letzterer schuf u.a. das Netzgewölbe in der Basilika . Propst Johannes Dürnberger (1480–1510) ging als Kunstmäzen in die Geschichte ein. Er besorgte die Wiederherstellung und 1490 die Neuausstattung mit Gewölbemalereien der durch die Türken schwer beschädigten Kirche von St. Marein. Im Dom ließ er mehrere Altäre und auch eine neue Orgel mit 55 Zinnpfeifen von Meister Hans Pruner aus St. Veit an der Triesting um 1500 aufstellen, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ihren Dienst tat. Sein Wahlspruch ''Ave spes mea, Jesus et virgo Maria'' findet sich auf sämtlichen Kunstwerken seiner Zeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein markante Arbeit aus Dürnbergers Zeit ist auch das Tafelgemälde der Seckauer Gregoriusmesse von 1486, das seit 1986 im Oratorium der Abtei hängt. In der Folge des Türkensturmes rief Papst Sixtus IV. 1481 zum Kampf gegen die Feinde auf. Es wurden deshalb Kardinäle als Kommissäre zur Finanzaufbringung ausgeschickt, die 1482 auch nach Seckau kamen, wie das Gemälde zeigt. Hier wird die Lehre von Papst Gregor optisch umgesetzt, welcher betonte, dass sich Christus in der Eucharistie immer wieder als Schmerzensmann zur Sühne hingibt und sein Blut in den Kelch am Altar fließen lässt. Das Tafelbild hing wohl nicht ganz ohne Grund ursprünglich in St. Marein, das ja unter den Türken besonders zu leiden hatte. Stifter waren die Brüder Zwickl. Laurentius Zwickl war Pfarrer von St. Margarethen an der Raab, während sein Bruder Johannes als Chorherr in Seckau wirkte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Glanzstück voll Liebreiz aus Dürnbergers Schaffenszeit ist der Mariä-Krönungs-Altar oder Dreifaltigkeitsaltar, der 1950 in der Bischofskapelle seine Aufstellung fand. Interessant ist die Darstellung der drei göttlichen Personen in Menschengestalt: Drei bekrönte Häupter entstammen einem einzigen Körper mit zwei Händen, mit denen die Krönung Mariens, die direkt zum Betrachter sieht, vollzogen wird. Die Mittelgruppe wird von einem Doppelkreis mit einer Fülle von Gestalten der Heilsgeschichte umgeben. Der Altar wurde 1489 geweiht, wechselte öfters seinen Standort und diente vorübergehend 1848 bis 1893 sogar als Hochaltar. Wer dieses Kunstwerk schuf, ist unbekannt. Der Charakter dieses Schnitzwerkes und die guten Beziehungen zum Chorherrenstift Neustift bei Brixen lassen sogar einen Meister aus Südtirol (Hans Klocker, Schüler von Michael Pacher) vermuten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die plastische Gruppe &amp;quot;Vermählung der hl. Katharina&amp;quot;, die Maria mit dem Jesuskind, das der hl. Katharina von Alexandrien den Ring ansteckt, sowie den Apostel Jakobus als Pilger darstellt, verdient besonderes Augenmerk. Sie entstand um 1520 und wird dem Meister von Rabenden zugeschrieben. 1502 wurde die St.-Luzia-Kapelle im Ort eingeweiht, welche mit dem Armenspital aus dem Vermögen des aufgehobenen Chorfrauenklosters errichtet worden war. Obwohl ab 1782 als Gemeindearrest missbraucht, blieben die wunderbaren spätgotischen al-secco-Fresken über Krankheit, Leid und die helfende Caritas (u.a. hl. Elisabeth und hl. Martin) unter der Tünche erhalten und gehören heute zu den Kostbarkeiten von Seckau. 1969 erfolgte die letzte und rettende Renovierung dieser Fresken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn auch Propst Gregor Schärdinger (1510–1531) unter den Forderungen der Terz und der Quart mit großen wirtschaftlichen Einbußen zu kämpfen hatte, besorgte er dennoch einige kunstvolle Neuerungen in den Pfarren und auch im Dom. Gehören die Schnitzaltäre und Tafelgemälde, wie sie für die Pfarren und Filialen angeschafft wurden, noch ganz der Gotik an, bestellte Propst Gregor für den Dom den zierlichen Kreuzaltar 1523, der bereits den neuen Geist der Renaissance atmet. Der aus Neustift bei Brixen stammende Propst Leonhard Arnberger (1541–1560) wurde 1509 in Seckau aufgenommen. Wie auch andere Verwandte seiner Familie hatte er künstlerisches Talent und dürfte wohl vor seiner Zeit in der Stiftsführung auch als Bildhauer gearbeitet haben, gab man ihm doch den Beinamen &amp;quot;plastes&amp;quot;. Es gibt jedoch keine direkten Hinweise auf Werke aus seiner Hand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl II. von Innerösterreich (1564–1590) und seine Gemahlin Maria von Bayern erwählten sich den Seckauer Dom als standesgemäße Grabstätte. Ihre besonderen Verdienste liegen im erfolgreichen Bemühen um die Rekatholisierung ihrer Länder Steiermark, Kärnten, Krain, Görz und Istrien. Propst [[Laurentius Spielberger]] (1566–1587) konnte bei Karl II. 1580 mit seinem Vorschlag der Vision des Propheten Ezechiel (Ez 37, 1-14) als Programm zum bereits 1575 geplanten Mausoleum nicht durchdringen. Szenen aus der Passionsgeschichte nebst Bildern aus Heiligenleben und der griechischen wie römischen Mythologie kamen stattdessen zur plastischen Umsetzung. Dieses Grabmal wurde eine prunkvolle Manifestation der beginnenden Gegenreformation. Zwischen 1587 und 1611 arbeiteten eine ganze Reihe an Künstlern an diesem grandiosen Werk. Der zunächst beauftragte Baumeister Alexander de Verda vollendete die Gruft 1588, während sich dann Sebastian Carlone mit bis zu 24 Gehilfen 1589 bis 1595 um das eigentliche Mausoleum mit dem Kenotaph und die Ausgestaltung kümmerte. Endgültig fertiggestellt war das Mausoleum 1611 mit der Stuckierung der Wände. Dort sieht man obenauf Erzherzog Karl II. und seine Gattin Maria als lebensgroße Figuren am Totenbett liegend. Maria wurde jedoch nicht in Seckau, sondern im Grazer Mausoleum zur letzten Ruhe bestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Theodor Ghisi zeichnete mit seinen Gehilfen für den Decken- und Wandschmuck mit seinen Ölgemälden auf Leinwand verantwortlich. Im Ganzen ist diese Fürstenkapelle mit 50 Ganzfiguren, 150 kleineren Relieffiguren und mehr als 60 Köpfen aus Stuck und Marmor ausgestattet. Die neun Särge in der Habsburgergruft blieben bis 1827 unberührt. Der damalige Verwalter der Radmeister-Communität, Leopold von Pebal, ließ die Zinnsärge durch solche aus Zirbenholz ersetzen, um das Zinn einzuschmelzen und sich zu bereichern. 1588 wurde durch Bernhard de Silvo der romanische Kreuzgang bis auf ein kleines Stück abgebrochen und durch einen neuen im Stil der Renaissance mit zweigeschossigen Arkaden ersetzt. Bei den Renovierungsarbeiten 1966/ 67 stieß man auf diese Reste aus der Zeit der Romanik mit ihren Säulchen und Flechtwerkkapitellen, die freigelegt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1603 brannte die Prälatur ab, die Propst Sebastian II. Kueler (1589–1619) wieder aufbauen und Neubauten im Südflügel errichten ließ. Von der eigentlichen romanischen bzw. gotischen Klosteranlage ist fast nichts mehr erhalten, da die Neubauten im Renaissancestil im 16. und 17. Jahrhundert die Vorgängerbauten verdrängten. Unter Propst Andreas von Potiis (1619–1657) erstanden der &amp;quot;Huldigungssaal&amp;quot; 1620 als Repräsentationsraum mit seinem mächtigen Renaissanceluster, angeblich aus erbeuteten Türkenkanonen gegossen, sowie zwischen 1625 und 1628 der Westtrakt und der bis zum Mittelbau reichende Südflügel. 1640 wurde der &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot; errichtet, der anlässlich des Besuchs von Kaiser Leopold I. in Seckau 1660 mit Fresken der Wappen der österreichischen Erbländer geschmückt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Graf von Gleispach (1657–1700) fand im Leobener Baumeister Peter Franz Carlone einen ebenbürtigen Partner für die geplanten baulichen Vorhaben. Carlone trat 1658 seinen Dienst an und war bis zu seinem Tod 1682 für Seckau tätig. So erstanden unter seiner Führung der Umbau der östlichen Hälfte des Südflügels zu einem zweigeschossigen Bau mit ebenerdiger Klosterküche und Refektorium im Obergeschoss; Aufstockung des gesamten Ostflügels zwischen den beiden Ecktürmen im Nord-Südosten durch ein zweites Stockwerk; Umbau des Westflügels des Kreuzganges durch Aufstockung zwischen Kirche und Huldigungssaal; Errichtung des heute noch bestehenden Wirtschaftsgebäudes mit Stallungen und Meierhaus; Bau der noch bestehenden Gartenmauer; Neubau der Hoftaverne (Hofwirt); Behausung für den Hofbinder; Bau eines neuen zweigeschossigen Badehauses. 1660 wurde die Bibliothek erbaut, die heute als Refektorium Verwendung findet. Ab 1671 besorgte Carlone auch den Umbau der Westfassade und die Erhöhung der Türme der Basilika um gut fünf Meter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obenauf kamen noch ungefähr 12,5 Meter hohe Zwiebelhauben. Die Portalgestaltung führte laut Carlones Plänen der Judenburger Steinmetz Matthias Pruner durch. Aus der 1672/73 beabsichtigten Baruckbierung der Basilika wurde jedoch nichts, da die ständige Türkengefahr zu viele Geldmittel für die Abwehr verschlang, die der Kaiser vor allem den Klöstern abforderte. Die einzige Neuerung in der Basilika war also der neue Hochaltar von Sebastian Carlone, der 1601 aufgestellt wurde und 1848 weichen musste. Propst Paul Franz Poiz (1703–1733) besorgte als Kunstmäzen bzw. als Auftraggeber für spätbarockes Kunstschaffen in Seckau selbst und in den inkorporierten Pfarren umfassende Veränderungen. Zum Dank für die Abwendung der Pest wurde 1715 auch eine Votivsäule in Auftrag gegeben. Propst Maximilian Mayr (1733–1737) ließ in seiner nur kurzen Amtszeit prächtige Pontifikalien für das Domstift anschaffen und führte die Renovierung des Schlosses Hautzenbichl durch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung ging es mit dem Stiftsgebäude nach 1782 steil bergab. Soweit die Gebäude nicht in Verwendung waren, begann für die weitläufige Anlage ein rascher Verfall. Der Ostflügel aus dem 17. Jahrhundert sank nieder und musste abgetragen werden. Mit Ausnahme eines Teiles des Nordflügels, in welchem die Pfarrgeistlichkeit wohnte, des Süd- und Westflügels - letzterer diente den Beamten der Radmeister-Communität Vordernberg als Wohnung und Verwaltung, ferner war auch die Schule darin untergebracht - wurde alles dem Verfall preisgegeben. Nur zwei der ehemals vier imposanten Wehrtürme sind noch existent. Auch die frühgotische Ulrich-Liechtenstein-Kapelle musste 1837 abgetragen werden, weil sich kein Finanzier für die dringend notwendige Restaurierung fand. Der Verwalter, Leopold von Pebal, der das volle Vertrauen Erzherzog Johanns besaß, hinterging alle, störte die Grabesruhe, raubte den Schmuck der Habsburger aus dem Mausoleum, ließ die neun Zinnsärge einschmelzen und schreckte auch vor den bischöflichen Gräbern nicht zurück. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Turmsturzkatastrophe vom 26. Mai 1886 richtete alle Aufmerksamkeit auf die Abtragung auch des südlichen Turmes und die neuerliche Errichtung 1891 bis 1893 nach den Plänen von P. Pirmin Campani mit einer Höhe von 47,5 m. Als man die Basilika 1892 im Osten von 61,6 m auf 73 m verlängerte, wurde auch ein Querbau (Transept) eingezogen, um mehr Platz für den Chorraum zu schaffen. 1894 folgte dort der neoromanische Hochaltar mit dem Baldachin nach dem Vorbild von S. Giorgio in Velabro und S. Stefano in Campo Verano in Rom. Mit der Neugestaltung des Presbyteriums 1964 kam dieser Hochaltar in die Kaiserjubiläumskirche an der Reichsbrücke nach Wien am Mexikoplatz. Der Architekt Prof. Clemens Holzmeister aus Wien sorgte nun für die Neuordnung um den einfachen Tischaltar und ließ die romanische Kreuzigungsgruppe auf einem Eichenholzbalken über diesem aufhängen. In seinen Plänen waren bereits die Anordnungen des Zweiten Vatikanischen Konzils vorweggenommen. Der neue Hochaltar war ein Geschenk der Diözese Graz-Seckau und wurde am 5. September 1964 konsekriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Dank für die Gymnasialausbildung seiner beiden Söhne in Seckau schuf der Wiener Künstler Herbert Boeckl zwischen 1952 und 1960 durch die Ausmalung der Engelkapelle mit Fresken aus der Apokalypse und Heilsgeschichte eines der bedeutendsten Werke sakraler Kunst des 20. Jahrhunderts. Zum l00-jährigen Bestehen als Benediktinerkloster wurden 1980 bis 1983 umfangreiche Renovierungen an den Außenfassaden vorgenommen. Statt des bisherigen &amp;quot;Schönbrunner-Gelbs&amp;quot; schlug das Bundesdenkmalamt einen stumpfen Ocker in rötlich-braunen Farbton vor. Die sachgerechte Auffrischung des Reliefschmucks an den Arkaden des großen Hofes bedurfte besonderer Sorgfalt. Republik Österreich, Land Steiermark und die Abtei teilten sich die Kosten. Dringend notwendig ist er eine grundlegende Sanierung, wofür derzeit sehr viel Energie und Mühe aufgebracht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Sämtliche bis zur Gründung des Stiftes zurückreichenden Archivalien wurden bei der Aufhebung des Chorherrenstiftes 1782 ausgelagert und kamen nach Graz. Die Bestände wurden im Lauf der Zeit kaum beeinträchtigt. Der Katalog des 17. Jahrhunderts erwähnt Archivalien aus dem 15. Jahrhundert, die nicht erhalten geblieben sind. Das Urbar von 1474 ist etwa verloren gegangen, von dem aber wenigstens noch Auszüge durch die Arbeiten des Archivars Matthias Ferdinand Gauster erhalten blieben. Die umfangreiche Seckauer Urkundensammlung mit knapp 2.000 Stück wurde den Beständen des Diözesanarchivs Graz (Urkundenreihe II) und des Steiermärkischen Landesarchivs (allgemeine Urkundenreihe) einverleibt. Im ''Chronicon sive Diplomatarium Seccoviense'' finden sich die entsprechenden Regesten zu diesen Dokumenten. Das Steiermärkische Landesarchiv bewahrt die gesamten Bestände des Stiftsarchivs Seckau wohl geordnet und katalogisiert in 870 Schubern. Im Diözesanarchiv umfassen die Archivalien zum Chorherrenstift Seckau sechs Schachteln. Die bedeutenden Werke zur Seckauer Stiftsgeschichte aus den Federn der drei Archivare Johannes und Thomas Jurichius&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Liber benefactorum Ecclesiae Seccoviensis&amp;quot;; &amp;quot;Protocollum Capituli Seccoviensis&amp;quot; 1140–1457; &amp;quot;Rapsodus seu Index Rerum omnium&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie Matthias Ferdinand Gauster&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Praesulatus Seccoviensis&amp;quot; in vier Teilen; &amp;quot;Collectanea ad Praesulatum Seccoviensem&amp;quot;; &amp;quot;Viridarium Rituum ecclesiasticorum&amp;quot;; &amp;quot;Monumenta Seccoviensia&amp;quot; in vier Teilen; &amp;quot;Diarii Seccoviensis&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; befinden sich teils im Abteiarchiv, teils im Diözesanarchiv Graz. Dank der zahlreichen Veröffentlichungen von Benno Roth (1903–1983) zur Geschichte des Chorherrenstifts und der späteren Benediktinerabtei gehört Seckau wohl zu den wenigen Klöstern, die ihre Geschichte von der Gründung bis zur Gegenwart gewissenhaft aufgearbeitet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne== &lt;br /&gt;
Aus der ersten Zeit sind keine Darstellungen oder Pläne des Seckauer Stiftes erhalten geblieben. Die frühesten Abbildungen ab 1150 zeigen Personen aus den Herren- und Frauenkonventen. Die Initiale T und die darin enthaltene Miniatur aus Hs. 17, fol. 217v zeigt den Stiftsgründer Adalram von Waldeck mit dem Modell der Kirche in seinen Händen. Diese Darstellung aus der Zeit um 1480 hat baugeschichtliche Bedeutung, da sie nicht nur den romanischen Kirchenbau, sondern auch die beiden Türme zeigt, wobei der Nordturm bereits in der Höhe des Dachstuhls des Hauptschiffes gotisiert wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1333 erfolgte der Bau des vierstöckigen Nordturmes, dessen oberste Etage als Oktogon ausgeführt wurde. Georg Matthäus Vischer brachte 1681 in seiner &amp;quot;Topographia du catus Styriae&amp;quot; auch zwei Kupferstiche, die „DAS FÜRSTI: TVMSTYFT SECAV&amp;quot; zeigen. Das eine Mal &amp;quot;Wie es von Occidente hiemali zu sehen&amp;quot;  und das andere Mal &amp;quot;Wie es von Auffgang der Sonnen zu sehen&amp;quot;. Gerade als Druckwerk sind diese beiden Darstellungen die verbreitetsten. Man erhält einen guten Überblick zum gesamten Stiftskomplex samt Umgebung. Im Süden sind der Getreidekasten, das Dürnberger-Spital und die Leutekirche St. Jakob mit Markt zu sehen. Im Westen der Meierhof mit Wirtschaftsgebäude und auch der Hofwirt noch vor dem barocken Umbau. Im Osten die Schlösser Diernberg und Pranckh. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei lavierte Federzeichnungen aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert zeigen große Ähnlichkeit zu den Kupferstichen von Vischer. Auf dem Kupferstich &amp;quot;Die gnaden Mutter Maria Schnee auf der Hochalpen bey Sekkauin Obersteyer&amp;quot; ist auch eine Teilansicht des Westflügels des Stiftes samt Mariensäule und Markt aus der Zeit nach 1720 zu sehen. Das an der Nordwand der Vorhalle der Basilika hängende Votivbild des Dompropstes Paul Franz Poiz stellt die drei Gottesplagen (Heuschrecken, Türken und Pest) dar und trägt die Aufschrift „SVB TVVM PRAESIDIVM CONFVGIMUS SANCTAE DEI GENITRIX:&amp;quot;. Das Ölgemälde stammt aus der Zeit um 1729. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein prächtiges Thesenblatt, das der landschaftliche Kupferstecher Christof Diettel 1737 für den Chorherrn Antonius Aigentler schuf, zeigt in der oberen Hälfte das Innere des Habsburgermausoleums und darunter die Stiftsanlage aus westlicher Blickrichtung. Auch die Magdalenen-, Ulrich-Liechtenstein-Kapelle und der Karner sind zu sehen. Links und rechts umgeben sämtliche Propstwappen von der Gründung bis zum gegenwärtigen Propst Franz Xaver von Waiz das Blatt. Dem Archivar Matthias Ferdinand Gauster sind viele Aquarelle, die besonders das Innere des Domes zeigen, verdanken. Durch diese Abbildungen ist der Zustand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts anschaulich dokumentiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem 18. Jahrhundert stammt das Ölgemälde „Heilige Apostel bittet bey Gott für uns&amp;quot;, auf welchem auch das Stift abgebildet ist. Vorzügliche Aquarelle von Seckau malte Leopold Kuwasseg. Einerseits eine Stiftsansieht von Osten um 1800 und auch eine Ansicht von Südwesten mit Beschriftung „Leopold Kuwasseg 1836&amp;quot;. Eine Lithographie von S. Kölbl mit dem Text „Der Kommunität Vordernberg gehörig im Judenb.(urger) Kr.(eis)&amp;quot; stellt das Seckauer Klostergebäude dar. Die Abbildung entstammt der Kaisersuite 1832-1835. Eine weitere aquarellierte Lithographie zeigt Seckau. Sie stammt von C. Reichert, Einst und Jetzt. Album, Steiermarks sämmtliche interessante Schlösser, Burgruinen, Städte, Märkte, Kirchen und Klöster. Ein vaterländisches Bilderwerk. Graz 1863- 1866, 3 Bde. Die „Abtei U. L. Frau zu Seckau&amp;quot; im Blick von Westen nach Osten zeichnete mit Bleistift auf Papier und signierte „21. 1. 1886, Fr. Hellrigl&amp;quot;. Die Situation ist noch aus der Zeit vor der Restaurierung der Kirche und dem Anbau des Transeptes. Ein aquarellierter Holzschnitt um 1890 von Viktor Luntz zeigt die Basilika noch vor dem Anbau des Transeptes und der Westtürme. Weeser-Krell schuf eine Lithographie der Abtei Seckau von Süd nach Nord 1931.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Anton Albrecher: Die landesfürstliche Visitation und Inquisition von 1528 in der Steiermark. Graz 1997 (Quellen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 13).&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Chorherrenstifte in der Steiermark. In: In Unum Congregati 35/3-4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Karl Amon / Maximilian  Liebmann (Hg.): Kirchengeschichte der Steiermark. Graz 1993. &lt;br /&gt;
* Franz Attems / Johannes Koren: Kirchen und Stifte der Steiermark. Innsbruck 1988, S. 59–62. &lt;br /&gt;
* Nikola Barazutti: Die Seckauer Liechtensteinkapelle. In: Heft Seckau 8/32-4 (1998), S. 5ff. &lt;br /&gt;
* Harald Berger: Das Stift Seckau und die Universität Wien im Mittelalter. In: Künstliche Intelligenz in Bibliotheken. 34. Österreichischer Bibliothekartag Graz 2019. Hg. von Christina Köstner-Pemsel / Elisabeth Stadler / Markus Stumpf  (Schriften der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare, 15), S. 353–366. [https://resolver.obvsg.at/urn:nbn:at:at-ubg:3-8098 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Sebastian Bock: Österreichs Stifte unter dem Hakenkreuz. Zeugnisse und Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus 1938 bis 1945. In: Ordensnachrichten 34/4a (1995), S. 218–225. &lt;br /&gt;
* Sebastian Brunner: Ein Chorherrenbuch. Wien 1883, S. 66. &lt;br /&gt;
* Odo Burböck: Die Pfarren und ihre Entwicklung im Bereich des Dekanates Knittelfeld bis zur Gründung desselben im Jahre 1787. Diss. Univ. Graz. Graz 1966. &lt;br /&gt;
* Liselotte Caithaml: Die Schrankenarchitektur des Mausoleums in der Seckauer Basilika. In: Heft Seckau 1/43-3 (2001), S. 5ff., Forts.: Heft Seckau 11/44-4 (2001), S. 6ff.&lt;br /&gt;
* Thomas Csanády: Von rohen und kunstvollen Stichen. Pergamentvernähungen an mittelalterlichen Handschriften aus Seckau. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich 1 (2019), S. 7–19.&lt;br /&gt;
* Thomas Csanády / Erich Renhart (Hg.): Libri Seccovienses. Studien zur Bibliothek des Augustiner Chorherrenstiftes Seckau. Graz 2018.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Deuer: Die romanischen Klosterkirchen der Steiermark. Hausarbeit des Institutes für österreichische Geschichtsforschung. Univ. Wien. Wien 1980.&lt;br /&gt;
* Susanne Frursch u.a.: Zeichenstein und Wunderbaum. Österreichs Kirchen und Klöster in ihren Ursprungslegenden. Klosterneuburg 2000, S. 152f. &lt;br /&gt;
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* Johann Graus: Der Dom zu Seckau und die romanische Kunstperiode. In: Kirchenschmuck 2 (1871), Nr. 1, S. 1-3; Nr. 2, S. 17ff.; Nr 3, S. 25ff.; Nr. 4, S. 41f.; Nr. 5, S. 49ff.; Nr. 6, S. 65ff.; Nr. 8, S. 89ff. &lt;br /&gt;
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* Johann Graus: Das &amp;quot;Ursprungsbild&amp;quot; zu Seckau. In: Kirchenschmuck 11/7 (1880), S. 77–79. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Die kirchliche Kunst im Stift Seckau. In: Küchenschmuck 14 (1883), Nr. 6, S. 70ff.; Nr. 9, 9. S. 101ff., S. 108ff. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Vom roten Ornat zu Seckau. In: Kirchenschmuck 21/1 (1890), S. 15f. &lt;br /&gt;
* Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 4: Kärnten und Steiermark. Wien 1956, S. 254. &lt;br /&gt;
* Josef Hasitschka: Auf den Spuren der Rotelboten. Alte Verbindungen zwischen den Stiften Admont und Seckau. In: Da schau her 23/4 (2002), S. 3–7. &lt;br /&gt;
* Heine: Der gotische Kronleuchter in der Klosterkirche zu Seckau. In: Mitteilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale 4 (1859), S. 139f. &lt;br /&gt;
* Albert Höfer: Die Entwicklung von Kerygma und Paränese in den Seckauer Kirchweih-Sermones vom 12. bis 15. Jahrhundert. Diss. Univ. Graz. Graz 1963.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Irtenkauf: Die Weihnachtskomplet im Jahre 1345 in Seckau. In: Musikforschung 9/3 (1956), S. 257-262; &lt;br /&gt;
* Josef Andreas Janisch: Topographisch-statistisches Lexikon von Steiermark. Bd. 3. Graz 1885, S. 867–893. [https://books.google.at/books?id=6WLRAAAAMAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA866-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Gregor Keller: Abtei Seckau in Obersteiermark. Graz 1902.&lt;br /&gt;
* Festschrift zum 50-jährigen Gründungsjubiläum der Abtei Seckau. Seckau 1933. &lt;br /&gt;
* Anton Kern: Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz. Band 1. Leipzig 1942; Bd. 2. Wien 1956. &lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Festschrift der K.K. Karl-Franzens-Universität in Graz für das Studienjahr 1915/16. Graz / Wien 1916. &lt;br /&gt;
* Georg Kodolotisch: Die spätgotischen Schnitzaltäre in Steiermark. Dissertation Universität Graz. Graz 1951. &lt;br /&gt;
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* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1953, S. 133ff. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Steirische Bildhauer vom Römerstein zum Rokoko. Graz 1956, S. 439ff. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Steirische Baumeister. Tausendundein Werkmann. Graz 1961, S. 435–438. [https://diglib.tugraz.at/download.php?id=602f965619bdc&amp;amp;location=browse (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johann Krainz: Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochland. Bruck/Mur 1880, S. 72. &lt;br /&gt;
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* Michaela Kronthaler: Prägende Frauen der steirischen Kirchengeschichte. In: Christentum und Kirche in der Steiermark 5 (2000). Kehl a. Rhein 2000, S. 4f. &lt;br /&gt;
* Alois Lang: Der Prozeß des Seckauer Bischofs Matthias Scheit mit seinem Domkapitel 1497- 1512. In: Aus Archiv und Chronik 1950, S. 10-18, S. 36-44, S. 76-87, S. 104-117, S. 145-159. &lt;br /&gt;
* U. Laubert-Konietzny: Studien zur mittelalterlichen Plastik im Bereich der Südostalpen. Diss. Univ. München. München 1978. &lt;br /&gt;
* Josef Litzner: Bau- und Kunstgeschichte der Basilika und des Augustinerchorherrenstiftes Seckau. Seckauer geschichtliche Studien 2 (1934) (vorher Diss. Univ. Graz 1933). &lt;br /&gt;
* Rudolf List: Steirischer Kirchenführer Bd. 2. Graz 1979, S. 210ff. &lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz. Band 3: Nachträge und Register. Wien 1967. [http://sosa2.uni-graz.at/sosa/katalog/MAIRO.htm (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Die gotischen Bucheinbände des Stiftes Seckau. In: Codices manuscripti 1 (1975), S. 13–22. &lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Renaissance- und Barockeinbände des Stifts Seckau. In: Codices Manuscripti 1 (1975), S. 65–73.&lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Seckauer illuminierte Inkunabeln in der Universitäts-Bibliothek Graz. In: Dorn im Gebirge. Hg. von Benno Roth, S. 408–413. &lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Die Bucheinbände des Stiftes Seckau in der Universitäts-Bibliothek Graz. Graz, S. 414–429. &lt;br /&gt;
* Franz Graf von Meran: Der Prankher-Helm aus Stift Seckau. Graz 1878. [https://archive.org/details/derpranckherhel00mgoog/page/n8/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Helmut J. Mezler-Andelberg: Landesfürst und Klöster in Steiermark bis zum 13. Jahrhundert. In: Festschrift Julius Franz Schütz. Hg. von Berthold Sutter. Graz 1954, S. 437-449. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Moser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. Band 3: Steiermark. Graz 1961, S. 8892.&lt;br /&gt;
* Nicola Naderer: Eine spätmittelalterliche deutsche Professformel aus Seckau. Dipl.Arb. Univ. Graz. Graz 1998. &lt;br /&gt;
* P. Naredi-Rainer / M. Böckl: Vision und Schicksal - Herbert Boeckls Seckauer Fresken. Graz 1990. &lt;br /&gt;
* Ulrich Ocherbauer: Die Aufdeckung und Restaurierung romanischer Arkaturen im Kreuzgang des Stiftes Seckau. In: Österreichiche Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 25 (1971), S. 174–178.&lt;br /&gt;
* Michael Offenbacher: Die letzten Chorherren des im Jahre 1782 aufgehobenen Stiftes Seckau. Unter besonderer Berücksichtigung ihrer nachmaligen Verwendung in der Seelsorge. Diss. Univ. Graz. Graz 1982. &lt;br /&gt;
* Carl F. Panagl-Holbein: Demut und Pracht. Ein Blick in die Klöster- und Ordenslandschaft Österreichs. Wien 1991, S. 85ff. &lt;br /&gt;
* Johann Rainer / Sabine Weiß: Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581. Graz 1977 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 30). &lt;br /&gt;
* Michael Rainer / Thomas Rainer: Der Seckauer Achteckpfeiler und die Bedeutung seiner Figurenreliefs. Heft Seckau 9/36-4 (1999), S. 12-24. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Die Seckauer Friedhofkirche ein Stück Alt-Seckau. In: Seckauer Hefte 20 (1967), S. 13ff. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Aus der Geschichte der Doppelklöster. In: Heft Seckau 8/30-2 (1998), S. 23-26. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Das Geheimnis des Achteckpfeilers. In: Heft Seckau 9/36-4 (1999), S. 8-11. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Aus der Geschichte der Seckauer Hochalmkirche. In: Heft Seckau 11/42-2 (2001), S. 10-23. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Die Seckauer Luziakapelle. In: Heft Seckau 12/45-1 (2002), S. 15ff. &lt;br /&gt;
* Ellinor Reckenzaun: Ms. 832 der Universitätsbibliothek Graz. Ein Seckauer Codex der Romanik und sein Bildproömium. Graz 2001 (Forschungsberichte. Kunstgeschichte Steiermark, 2). &lt;br /&gt;
* Josef Riegler: Die vermeintliche Rebellion der Bauern des Mareiner Bodens gegen das Stift Seckau im Jahre 1683. In: Festschrift Gerhard Pferschy. Graz 2000, S. 565-569. &lt;br /&gt;
* J. Rohmeder: Der Meister des Hochaltars in Rabenden. Münchener Kunsthistorische Abhandlungen. Hg. vom Kunsthistorischen Seminar der Universität München. W. Braunfeld / N. Lieb: Bd. 3. München 1971. &lt;br /&gt;
* Otto Rommel: Das Seckauer Domkapitel in seiner persönlichen Zusammensetzung (1218–1782). Diss. Univ. Wien. Wien 1955.&lt;br /&gt;
* Johann Roth: Zur Besitzgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherren- und Domstiftes Seckau in Obersteiermark. Diss. Univ. Graz. Graz 1932.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Besitzgeschichte des Augustinerchorherren- und Domstiftes Seckau. Zeitraum 1140–1270. Seckau (Seckauer geschichtliche Studien, 3). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Ein Beitrag zur historisch-kritischen Untersuchung der mittelalterlichen Osterfeiern. Seckau 1935 (Seckauer geschichtliche Studien, 4). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer Gregoriusmesse. Tafelgemälde 1486. In: Blätter für Heimatkunde 18 (1940), S. 31–36. &lt;br /&gt;
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* Benno Roth: Die literarhistorische Bedeutung des ehemaligen Augustinerchorherren- und Chorfrauenstiftes Seckau. In: Blätter für Heimatkunde 22 (1948), S. 61–66. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Matthias Ferdinand Gauster. Seckauer Archivar und Stiftschronist 1699-1749. In: Aus Archiv und Chronik 1 (1948), S. 23–27. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Symbolik der Reliefs am achteckigen Pfeiler in der Seckauer Basilika. In: Jahrbuch des Abteigymnasiums Seckau 1948/49, S. 3-6. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Was weiß die Seckauer Pfarrchronik über die Habsburgergruft daselbst zu erzählen? In: Aus Archiv und Chronik 2 (1949), S. 26–31. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die ehemalige Innenausstattung der Seckauer Basilika. Seckau 1950 (Seckauer geschichtliche Studien, 9).&lt;br /&gt;
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* Benno Roth: Dompropst Johannes Dürnberger. Ein Kunstmäzen im ausgehenden Mittelalter. Seckau 1951 (Seckauer geschichtliche Studien, 10).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Seckauer Oblaywesen. In: Festschrift zur 200jährigen Bestandes des Haus-, Hof- und Staatsarchivs Wien. Band 2. Hg. von Leo Santifaller. Wien 1952, S. 197–225.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Kunst unter Dompropst Gregor Schärdinger 1510- 1531. Seckau 1952 (Seckauer geschichtliche Studien 11). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Unsere Liebe Hausfrau Die Seckauer &amp;quot;Nikopoia&amp;quot;. In: Jahresbericht des Abteigymnasiums Seckau 1953/54, S. 1–13.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Der Hochaltar der Seckauer Basilika im Wandel der Jahrhunderte. In: Jahrbuch des Abteigymnasiums Seckau 1954/55, S. 1–16. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Quellen und Bibliographie zur Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherren- und Domstiftes Seckau. Seckau 1957 (Seckauer geschichtliche Studien, 13).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Habsburger-Mausoleum in der Seckauer Basilika. Seckau 1958 (Seckauer geschichtliche Studien, 14).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Der selige Hartmann von Brixen, Konsekrator der Seckauer Basilika. In: Seckauer Hefte 21/1 (1958), S. 33–36. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Doppeljubiläum in Seckau (300 Jahre Seckauer Hochalmkirche „Maria Schnee&amp;quot; und 300-Jahr-Feier der Markterhebung). In: Seckauer Hefte 23 (1960), S. 49-55. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Spätbarockes Kunstschaffen unter den Seckauer Dompröpsten. Seckau 1961 (Seckauer geschichtliche Studien, 16). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Peter Franz Carlon als Seckauer Baumeister 1658-1682. Seckau 1962 (Seckauer geschichtliche Studien, 17). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckau. In: Steirisches Musiklexikon. Hg. von Wolfgang Suppan. Graz 1962-1966, S. 529–537. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Gründergrab in der Seckauer Basilika. Seckau 1964 (Seckauer geschichtliche Studien, 19). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckau. Geschichte und Kultur 1164-1964. Zur 800-Jahr-Feier der Weihe der Basilika. Wien 1964.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Beschlagnahme und Enteignung der Benediktinerabtei Seckau in Obersteiermark am 8. April 1940 durch die Gestapo. Seckau 1965 (Seckauer geschichtliche Studien, 20).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckauer Apokalypse und ihre Deutung. Boeckl-Fresken. Band 2. Wien 1965 (Österreich-Reihe, 139/140). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Bischof Matthias Scheit und sein Testament von 1511. Seckau 1968 (Seckauer geschichtliche Studien, 22). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Seckauer Spital und die St.-Luzia-Kapelle. Seckau 1969 (Seckauer geschichtliche Studien, 23). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Zur Ikonologie der &amp;quot;Maria stabat&amp;quot; in der Seckauer Kreuzigungsgruppe 1160/1170. In: Carinthia I 162 (1972), S. 65–94.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Pranker-Totenschilde in der Seckauer Basilika. Seckau 1973 (Seckauer geschichtliche Studien, 26). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Regesten zur Bau- und Kunstgeschichte. Seckau 1975 (Seckauer geschichtliche Studien, 27). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Basilika zu Seckau. München 1975. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Grabstätte des letzten Minnesängers Ulrich von Liechtenstein in Seckau. Seckau 1976 (Seckauer geschichtliche Studien, 28). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Benediktinerabtei Seckau. München 1976. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Zum Problem der Datierung der Seckauer Kreuzigungsgruppe. Seckau 1978 (Seckauer geschichtliche Studien, 30). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckau. Der Dom im Gebirge. Kunsttopographie vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Maria Schaffler: Romanische Miniaturmalerei aus Seckau in der Universitätsbibliothek Graz. Diss. Univ. Graz. Graz 1952. &lt;br /&gt;
* Hans Schmeja: Zu den Inschriften der Schrankenarchitektur des Habsburger-Mausoleums in der Seckauer Basilika. In: Heft Seckau, 12/47-3 (2002), S. 10ff. &lt;br /&gt;
* Severin Schneider: Abtei Seckau. In: Österreichs Museen stellen sich vor, F. 18. Hg. vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Wien 1983, 40ff. &lt;br /&gt;
* Alfred Schnerich: Leopold von Pebal (1787-1851), Anwalt von Seckau. Zur Geschichte der Denkmalpflege. In: Blätter für Heimatkunde 14/2 (1936), 24–30.&lt;br /&gt;
* Helga Schuller: Niederösterreicher im Domkapitel von Seckau während des Mittelalters. In: Blätter für Heimatkunde 48 (1974), S. 16-26. [https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/B_Jg48_Helga-SCHULLER-Nieder%C3%B6sterreicher-im-Domkapitel-von-Seckau-w%C3%A4hrend-des-Mittelalters.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Helga Schuller: Das Chorfrauenstift zu Seckau. Seine personelle und standesgemäße Zusammensetzung. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Steiermark 66 (1975), S. 65–97. [https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg66_Helga-SCHULLER-Das-Chorfrauenstift-zu-Seckau.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Michael Semff: Die Triumphkreuzgruppe im Dom zu Seckau. Studien zur Holzskulptur des 12. und 13. Jahrhunderts in den östlichen Alpenländern. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 30/31 (1977/78), S. 47–88.&lt;br /&gt;
* Anselm Sparber: Leben und Wirken des seligen Hartmann, Bischofs von Brixen. Wien 1957 (Institutum historicum Ordinis Canonicorum regularium S. Augustini, 1). &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Eine mittelalterliche Kirchweihpredigt aus dem Stift Seckau. In: Seckauer Hefte 1964, S. S. 53-66. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Die Bibliothek des Chorherren- und Domstiftes Seckau zur Zeit der Glaubensspaltung. Diss. Univ. Graz. Graz 1971. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Die Bibliothek des Chorherren- und Domstiftes Seckau zur Zeit der Glaubensspaltung. In: Seckau, der Dom im Gebirge. Kunsttopographie vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. Hg. von Benno Roth. Graz 1983, S. 373–376. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Thomas Jurichius und die Erneuerung des klösterlichen Lebens im Chorherrenstift Seckau zu Beginn des 17. Jahrhunderts. In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg zum 65. Geburtstag. Hg. von Herwig Ebner / Walter Höflechner / Othmar Pickl. Graz 1988, S. 497–499. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Benediktinerabtei Seckau. Seckau 1999. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Seckau. In: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol. Band 3. Hg. von Ulrich Faust / Waltraud Krassnig. St. Ottilien 2002 (Germania Benedictina, 3/3), S. 485–521.&lt;br /&gt;
* Manfred Straka: Verwaltungsgrenzen und Bevölkerungsentwicklung in der Steiermark 1770–1850. Graz 1978 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 31). &lt;br /&gt;
* Monika Taferner: Die Pest im Jahre 1714 und 1715 im oberen Murtal. Diss. Univ. Graz. Graz 1971. &lt;br /&gt;
* Ernst Tomek: Geschichte der Diözese Seckau, Bd. I. Graz 1917, S. 320–328. &lt;br /&gt;
* Josef Wastler: Das Mausoleum des Erzherzogs Carl II. von Steiermark in Seckau. In: Mittheilungen der K. K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale N.F. 7 (1881), S. 50–57. [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=edb&amp;amp;datum=1881&amp;amp;page=54&amp;amp;size=45 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Jakob Wichner: Beiträge zur Geschichte des Heilswesens, der Volksmedizin, der Bäder und Heilquellen in Steiermark bis inklusive 1700. In: Mitteilungen des Historischen Vereins für Steiermark 33 (1885), S. 70–73. &lt;br /&gt;
* Adam Wolf: Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Graz 1871, S. 69f. [https://books.google.at/books?id=8SdZAAAAcAAJ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Maria Würfel: Lernort Kloster Hirsau. Schwäbisch Gmünd 1998. &lt;br /&gt;
* Peter Wind: Die Entstehung des Vorauer Evangeliars in der Steiermar. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark Jahrgang 86 (1995), S. 45–61.[https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg86_Peter-WIND-Die-Entstehung-des-Vorauer-Evangeliars-in-der-Steiermark.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Josef von Zahn: Ortsnamenbuch der Steiermark im Mittelalter. Wien 1893, S. 456. [https://diglib.tugraz.at/download.php?id=532c34359e919&amp;amp;location=browse (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Schrattenthal&amp;diff=10293</id>
		<title>Stift Schrattenthal</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Schrattenthal&amp;diff=10293"/>
		<updated>2022-09-14T17:39:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Schratental (1220), Srettentall (1290), Schretental (1340), Schraettental (1441), Schratntal (1501), Schrattenthal (1652), Schrättentaal (1672)&lt;br /&gt;
|Benannt nach=slaw. &amp;quot;Creta&amp;quot; (Sumpfwiese, Au) und dt. &amp;quot;Tal&amp;quot;; volkstümliche Deutung des Namens als Tal der Schreteln oder Schratteln (Irrlichter, Sumpfgeister, Kobolde)&lt;br /&gt;
|Quelle=Gerhard Hruby u. Gerhard Tribl: Schrattenthal (1476- um 1527). In: Die ehemaligen Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich und Südtirol. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg 2005, S. 485-503.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=hl. Augustinus (ab 1784), hl. Dreifaltigkeit (bis ca. 1850), hl. Berhardin von Siena (1450-?; ab 1980 erneut)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Schrattenthal ist eine Katastralgemeinde der Stadtgemeinde (seit 1472) Schrattenthal im Gerichtsbezirk Retz, Verwaltungsbezirk Hollabrunn, Land Niederösterreich. Die Pfarre (seit 1452) Schrattenthal im Pfarrverband Zellerndorf gehört zum Dekanat Retz, Vikariat Weinviertel der Erzdiözese Wien. Die Eitzinger erwarben Schrattenthal 1434 als Maidburg-Hardegg'sches Lehen, 1448 überließen die Grafen von Hardegg Schrattenthal den Eitzingern unter der Bedingung, sich vom Landesfürsten belehnen zu lassen. 1550 wurde das Lehensband aufgehoben und die Herrschaft allodisiert. Schrattenthal gehörte als Besitz der Hardegger zum Landgericht Pulkau-Retz und wurde 1472 eigenes Landgericht. Als zur Mutterpfarre Pulkau (seit 1135 dem Schottenstift in Wien inkorporiert) eingepfarrter Ort und ab 1452 als selbständige Pfarre lag Schrattenthal bis 1784 im Gebiet der Diözese Passau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Ulrich von Eitzing, aus einem bairischen Rittergeschlecht stammend (der Ort Eitzing liegt nahe bei Ried im oberösterreichischen Innviertel), erwarb 1434 die von den Hussiten zerstörte Burg und das Dorf Schrattenthal, die er 1448 zu freiem Eigen erhielt. In der Folge ließ Ulrich - neben dem Wiederaufbau und Ausbau der Wehranlagen zu einer Wasserburg - die ebenfalls 1425 zerstörte Marienkapelle wiedererrichten.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Stiftsbrief von 1476 heißt es: &amp;quot;unser lieben Frawen Capelln zu Schretental die weiland der Edel her her Ulrich von Eitzing, unser lieber brueder und vetter dem Gott genad, von seinem aigen guet von Newen aufpawt hat.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Größe der Kirche lässt sich aufgrund eines Berichtes des Dechants vom 27. Februar 1688 bestimmen.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Die Kapellen ist inwendig von einer Mauer zu der andern 9 Klafter 12 Zoll lang, 5 Klafter 33 Zoll breit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Angaben stimmen mit den erhaltenen Grundmauerresten annähernd überein; die Marienkirche hatte eine Außenabmessung von rund 19,5 m Länge und 14 m Breite.&amp;lt;ref&amp;gt;Bereits am 21. Juli 1438 gab Papst Eugen IV. (als Dank für die Unterstützung durch Ulrich Eitzing beim Basler Konzil) &amp;quot;der Kapelle Unserer Lieben Frau zu Schrattenthal einen Ablass auf ewige Zeiten von einem Jahr und vierzig Tagen, welchen alle jene erhalten sollen, die am Mariae Verkündigungstage, mit gehöriger Vorbereitung durch Beicht und Communion sie andächtig besuchen und zu ihrer Erhaltung beisteuern würden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der Errichtung der Pfarrkirche 1450 wurde der Bau eines großen Kirchengebäudes abgeschlossen. Beide Gotteshäuser standen parallel, die Pfarrkirche war um ein Chorjoch länger als die Kapelle. Die Schiffe beider Häuser waren in ihrer gesamten Länge durch vier hohe Spitzbögen miteinander verbunden, bildeten also einen mächtigen, zweischiffigen Kirchenraum mit zwei Chören. Die Entstehungszeit zwischen 1434 und ca. 1450 sowie die Bauweise legen den Schluss nahe, dass bereits eine Doppelkirche geplant war. Es erscheint unwahrscheinlich, dass derartig hohe Verbindungsbögen mit profiliertem Maßwerk nachträglich eingebaut wurden. Beide Kirchenschiffe dürften mit ihren Westmauern in gleicher Linie abgeschlossen haben. (Diese Annahme konnte durch eine spätere Grabung bestätigt werden.) &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Mit allen Mitteln und in der ungehemmten Ausübung seiner Funktionen (als Burghauptmann, Hubmeister, Anführer der Stände und Geldgeber Kaiser Friedrichs III.) verfolgte der Eitzinger sein Ziel, nicht nur der mächtigste Mann im Land unter der Enns, sondern auch dessen Herr zu werden. Ebenso großzügig wurde von ihm der Ort Schrattenthal ausgebaut und befestigt. Nach seinem Tod (1460) erreichte sein Bruder Stephan schließlich 1472 die Verleihung des Stadtrechtes für den erklärten Herrschaftsmittelpunkt der Eitzinger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung=== &lt;br /&gt;
Die 1439 vom römisch-deutschen König Albrecht II. in den Herrenstand erhobenen Eitzinger wussten sich auch in kirchlichen Belangen das schrittweisen Loslösung aus der Schottenpfarre Pulkau. So gründete Stephan gemeinsam mit seinen Söhnen Martin und Georg sowie seinem Bruder Oswald (auf Drosendorf) am 13. Oktober 1476 bei der Kapelle Unser Lieben Frau ein Stift der regulierten Augustiner-Chorherren. Der bisherige Pfarrer Peter Achter resignierte auf die Pfarre. Eine Bestätigung der Stiftung durch den päpstlichen Legaten Alexander Bischof von Forli erfolgte 1479.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kurze Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Zur Zeit der Gründung umfasste der Konvent mit dem Propst sechs Kanoniker, die aus den Augustinerstiften [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (3), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (2) und [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] kamen. Mit der Übernahme der Seelsorge in den Pfarren Schrattenthal und Joslowitz stieg die Zahl der Chorherren auf dreizehn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klostergründung steht im Zusammenhang der sog. &amp;quot;Raudnitzer Reform&amp;quot;. Diese religiöse Erneuerungsbewegung begünstigte die Errichtung zahlreicher kleiner Stifte im böhmisch-süddeutschen Raum als Heimstätten strengen Ordensgeistes und großer Gelehrsamkeit von bedeutendem Einfluss. Mit Bezug darauf ist auch eine weitere Bereicherung religiösen Lebens zu verstehen: Stephans Sohn Martin II. führt 1494 die Bruderschaft zu Ehren der Sieben Schmerzen Mariens ein und übergibt sie mit Stiftungsurkunde vom 22. 11. 1506 in die Obhut der Augustiner-Chorherren. Gleichzeitig stattet er sie mit Einkünften und Gütern in einer Reihe von Orten im Wein- und Waldviertel aus, darunter das Dorf Ragelsdorf und zwei Baustellen in Schrattenthal. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stiftsbrief werden auch genaue Anordnungen für den kirchlichen Dienst erlassen; die seit 1452 bestehende Pfarrschule wird erweitert und hat für Gottesdienste und besondere Anlässe (wie Osterspiele) sechs Chorknaben auszubilden. Als Stiftungskurator wird die Universität Wien eingesetzt. 1511 stiftet Martin zusätzlich eine jährliche Rente von 100 Gulden. Anlässlich der Gründung der Bruderschaft hatte Martin von Eitzing eine Darstellung der Sieben Schmerzen Mariens aus Holland, dem Entstehungsland dieser frommen Verbindung, nach Schrattenthal gebracht. Das beidseitig mit der gleichen Darstellung versehene Andachtsbild war in einem der vier Verbindungsbögen zwischen beiden Kirchen angebracht bzw. aufgehängt, und trug so nachhaltig zur Bedeutung der Stadt als Wallfahrtsort bei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Marienkirche selbst stand vermutlich seit dieser Zeit eine spätgotische Statue der Maria mit dem Kind. &amp;quot;In der Mitte der Kapelle stehet der Altar mit dem Bildnuss Unser Frau&amp;quot;, heißt es in dem genannten Bericht von 1688. Gegenstand der Verehrung waren somit während dreier Jahrhunderte zwei bedeutende Darstellungen der Gottesmutter. Diese Blüte des religiösen Lebens mit ihrem besonderen Akzent der Verehrung der Sieben Schmerzen fand auch darin ihren Ausdruck, dass in Schrattenthal das älteste in Österreich außerhalb Wiens gedruckte Buch entstand. Das Andachtsbuch von den Sieben Schmerzen Mariens, verfasst von dem Dominikaner Michael Franciscus de Furno ab Insulis, wurde am 20. März 1501 in einer im Stift eingerichteten Offizin (Buchdruckerei) vermutlich von einem wandernden Buchdrucker hergestellt, angesichts des regen Wallfahrtsbetriebes wahrscheinlich in größerer Auflage. Heute sind sechs erhaltene Exemplare bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rascher Niedergang=== &lt;br /&gt;
Nachdem um 1521 Propst Myllius noch einen Neudruck des Andachtsbuches herausgegeben hatte, brachte das Eindringen der lutherischen Lehre in diesem Jahrzehnt einen plötzlichen Einbruch des (katholischen) kirchlichen Lebens mit sich. In Schrattenthal trug dazu besonders die Hinrichtung des Freiherrn Michael von Eitzing, des Bruders und Nachfolgers Martins, bei.&amp;lt;ref&amp;gt;(Nach dem Regierungsantritt Kaiser Ferdinands I. waren die Anführer der Stände, darunter Michael, in eine Falle gelockt und auf dem Hauptplatz von Wiener Neustadt 1522 enthauptet worden.)&amp;lt;/ref&amp;gt; In der nun folgenden unruhigen Zeit verließen die Chorherren das Stift oder wurden daraus vertrieben. Unter dem vermutlich letzten, namentlich nicht bekannten Propst lebten immerhin noch sieben Chorherren im Stift, aber bereits 1527 scheint Ulrich IV. das Kirchenvermögen frei verwendet zu haben. Jedenfalls wird 1534 bereits wieder mit Kaspar Greyl ein Weltpfarrer für Schrattenthal genannt. Obwohl die Eitzinger damals erst zum Teil der neuen Lehre anhingen, war der Einfluss der Reformation schon spürbar. In einem Visitationsbericht von 1544 wird vermerkt: &amp;quot;Diese Kapelle und Stift ist zu einer Kirchfahrt erhebt worden dann jährlich eine große Anzahl Volk zu Unser Frauen Tagen gekommen ist, aber jetzt allein am Tag der Kirchweih.&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätere Entwicklung=== &lt;br /&gt;
Die Niederlage der Protestanten und das gleichzeitige Aussterben (1620) der Eitzinger bedeuteten das Ende der evangelischen Pfarre und Schule in Schrattenthal. Eine Erneuerung der Propsteipfarre verhinderte aber 1621 ein Brand von Kirche und Pfarrhof; die Betreuung des Ortes erfolgte seitdem durch die Pfarrer von Obermarkersdorf, die den Kirchenschatz (Kirchengeräte und Paramente) veräußerten und sich zum Teil sogar als Pröpste bezeichneten. Im Zug der Gegenreformation und des Barock kam es zu einem neuerlichen Aufleben der Wallfahrt. Einen Hinweis liefert wiederum der Bericht aus 1688 über den damals desolaten Zustand der Kirche.&amp;lt;ref&amp;gt; &amp;quot;... dabei vor wenig Jahren nicht eine geringe Andacht der Benachbarten gewesen, auch die von Znaim wann sie mit der Procession nach Mariazell gehen noch allda zu theils ihre Andacht verrichten, neben einem Hochund Voraltar sind beiderseits sechs Altäre, jedoch ganz verwüstet, ... Die Fenster sind gänzlich ruiniert, daß der Wind und Schnee allerorten einschlagt. Das Dach ist baufällig, das Gewölb und Gemäuer also zerspalten, ... Die Kirche ist dann vom Herrschaftsbesitzer, Baron Putz von Adlersthurm, renoviert worden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1650 entwickelte sich ein Streit um die Neubesetzung bzw. die Güter der Propstei, deren Herausgabe die Grafen Strozzi als Besitzer der Herrschaft verweigerten. Die Chorherrenstifte St. Andrä und St. Dorothea sowie das Bistum Passau beanspruchten die Propstei, wogegen die Wiener Jesuiten als Kuratoren Einspruch erhoben. Schließlich wurde 1669 St. Andrä das Recht zugesprochen, die Propsteigüter zu kaufen. 1690 wurde die Propstei durch Kaiser Leopold I. dem Wiener Jesuitenkolleg inkorporiert. Bis 1715 war Schrattenthal Titularsitz eines im niederösterreichischen Landtag stimmberechtigten Propstes. Schließlich erwarb 1716 die Herrschaft Schrattenthal das frühere Stiftsgebäude um 150 Gulden. Mit diesem Jahr hörte das Stift Schrattenthal auch de iure zu bestehen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert kann die Retzer Gottesdienstordnung aus den Jahren 1720 bis 1746 als Beleg für das weitere Bestehen der Wallfahrt dienen. Für den Pfingstmontag ist dort eine Prozession nach Schrattenthal festgesetzt. Vom 16. bis zum 24. August wird alljährlich eine Wallfahrt (''Prozession ex voto'') nach Mariazell durchgeführt, als deren erste Station Schrattenthal vorgesehen ist. Als späte augustinische Spur in Schrattenthal soll der Augustiner Chorherr [[Theobald Johann Fritz]] (1777–1848) Erwähnung finden. Im Schloss als Sohn des Verwalters geboren hatte er das Gymnasium in Znaim besucht und war dann in das Chorherrenstift Klosterneuburg eingetreten. Er war Professor für Ethik und Moral an der Universität Wien sowie mehrmals Dekan der theologischen Fakultät. Eine besondere Variante des Rosenkranzgebets, der „Sieben-Schmerzen-Rosenkranz&amp;quot;, der seinen Ursprung in der oben angeführten Bruderschaft und Verehrung der Sieben Schmerzen Mariens hat, wird auch heute wieder am Schmerzhaften Freitag vor dem Palmsonntag gebetet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
Die Brüder Oswald und Stefan von Eitzing sowie die Söhne des letzteren, Martin und Georg, stifteten bei der Kapelle Unser Lieben Frau zu ihrem Seelenheil ein Chorherrenkloster nach der Regel des hl. Augustinus. Im Stiftsbrief vom 13. Oktober 1476 wurde festgehalten, dass die Güter, Holden und Einkünfte auf ewige Zeiten beim Kloster zu verbleiben haben und das Kloster maximal 13 Kanoniker beherbergen sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tag Maria Verkündigung des Jahres 1477 ging man an die Realisierung der frommen Stiftung mit der Einsetzung eines Propstes und fünf Kanoniker. Die Dotierung der Stiftung erfolgte mit den Pfarren Schrattenthal und Joslowitz, wobei die Pfarrlehen der zweitgenannten Pfarre vom Olmützer Bischof gekauft wurden. Zusätzlich erhielt die Stiftung Zuwendungen aus den Besitzungen der Schlosskirche Schrattenthal. Bei Todesfall des jeweiligen Pfarrers war vorgesehen, dass Propst und Konvent der Pfarrkirche zu unterstehen haben. Als Siegler dieses Stiftsbriefes scheinen die oben genannten Eitzinger sowie Petrus Achtler als Pfarrer von Schrattenthal auf. Nach knapp zwei Jahren erfolgte am 18. Mai 1479 die Bestätigung der Stiftung durch den päpstlichen Legaten Alexander, Bischof von Forli. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraufhin wurde das Kloster mit dem erforderlichen Personal aus zwei Chorherrenklöstern ausgestattet, nämlich mit Propst Jakob und zwei Chorherren aus Dürnstein sowie mit zwei Brüdern aus St. Dorothea in Wien. Während der kurzen Dauer von 52 Jahren wurde die Stiftung mehrmals erneuert wie beispielsweise 1506. In diesem Stiftsbrief, der zwölf Siegler ausweist, werden sämtliche Gülten und Stücke des Klosters angeführt. Darunter befinden sich Weingärten, Getreidezehent und unterschiedliche Dienste aus verschiedenen Dörfern, worunter auch Waizendorf mit vier Vierteln Weingärten genannt wird - ein Geschenk eines Ehepaares an das Kloster. In der Stadt Schrattenthal gehörten zwei Öden dem Kloster. Zusätzlich erfolgte ein Nachtrag jener Güter, die im Stiftsbrief von 1477 nicht angeführt waren. Dabei handelt es sich durchwegs um Gülten, die den Augustinern und Schotten in Wien und dem Stift Wilhering abgekauft wurden. Weiters wird die Errichtung eines Gebäudes für Propst und Konvent bei der Kirche erwähnt, sowie die entsprechende Versorgung von sieben Chorknaben mit der notwendigen Bekleidung und Verpflegung. Vogt des Stiftes sollte der jeweilige Senior der Familie Eitzing sein. Ein weiterer Stiftsbrief aus dem Jahre 1511 zeigt hinsichtlich des Besitzes nur geringe Veränderungen. Das Jahr 1529 bedeutete das Ende der Propstei in Schrattenthal , wozu gewiss die hohe Steuerbelastung aufgrund der Verteidigung gegen die Osmanen beigetragen haben könnte. Der Verkauf der Joslowitzer Lehen kann als Indiz dafür gewertet werden. Inwiefern auch der Protestantismus durch seinen geistigen Einfluss zu diesem frühen Ende beigetragen hatte, ließe sich nur aus den seit 1528 geführten Visitationsberichten erkennen, die derzeit nicht greifbar sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Einfluss des evangelischen Glaubens, dem Freiherr Christoph von Eitzing und dessen Sühne Georg und Paul anhingen, kam es 1567 mit dem Schrattenthaler Pfarrer Georg Kaiser zu einem Streit um die pfarrlichen Einkünfte . Den genannten Söhnen des Christoph von Eitzing gelang es, sich der Besitzungen von Pfarre und Propstei zu bemächtigen, wobei die Pfarre mit minderwertigen Gründen entschädigt werden sollte. Ein Jahr später verlangte Kaiser Ferdinand II. die neuerliche Dotierung von Pfarre und Propstei aus den Eitzinger Gütern und behielt sich persönlich das Patronat vor. Aufgrund der schmalen Wirtschaftsbasis der Propstei musste sie häufig die Landesanlagen (Steuern) schuldig bleiben. 1628 war die Steuerschuld auf 28.000 fl. angewachsen. Seitens der niederösterreichischen Verordneten wurde sie bis auf 5.000 fl. nachgelassen, allerdings mit einer Zahlungsverpflichtung innerhalb von vier Jahren. Damit verbunden war der Einzug bestimmter Gülten und Zehente durch die Landschaft (Stände) wegen der lange ausständigen Landesanlagen und Kontributionen durch Exekution. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst gegen Erlegung des Pfandschillings von 4.000 fl. durfte die Propstei wieder unter der Leitung eines Propstes stehen. 1630 war Propst [[Albrecht von Pranck]], Passauischer Vizeofficial und Pfarrherr zu Schrattenthal, die Ablöse der Gülten teilweise gelungen, wozu ihm aber Freiherr von Kürchberg, Passauischer Offizial, 4.000 fl. vorgestreckt hatte. 1650 erklärte sich das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien bereit, gegen Überlassung der Güter die Propstei in Schrattenthal wiederherzustellen. Diesbezüglich weist die Gülteinlage das Jahres 1656 für 71 Häuser einen Wert von 34fl. 3ß 2d aus. Aufgrund der Steuerausstände bei der Landschaft erfolgte durch deren Verordneten 1657 die neuerliche Exekution. Propst Jakob von St. Dorothea beantragte 1660 die Restituierung der Schrattenthaler Güter. Am 27. September 1662 beurkundeten die Verordneten, dass sie dem Propst Stephan von St. Andrä an der Traisen als Nachfolger der Propstei Schrattenthal wegen der Steuerschuld von 1657 die in Exekution genommenen Güter und Dienste überlassen werden. Zuvor wurde die Angelegenheit vom Kaiserhof dem Passauer Konsistorium und deren Gutachtern vorgelegt. Propst Stephan sollte nun der unmittelbare Nachfolger der Schrattenthaler Propstei sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings blieb der Propstei Schrattenthal die Ablöse um jenen Wert vorbehalten, um den sie von der Landschaft erkauft worden war. Mit Zustimmung Kaiser Leopolds I. wurden Propstei und Pfarre per Urkunde vom 18. Juni 1664 aufgrund der hohen Steuerschulden zum Verkauf freigegeben. Zwar wollte bereits Propst Jakob von St. Dorothea die Schrattenthaler Güter erwerben, was der Passauer Bischof abgelehnt hat. Am 24. März 1665 kam Propst Stephan von St. Andrä gegen eine Zahlung von 4.000 fl. in den Besitz der Schrattenthaler Gülten. Gleichzeitig zeigte der Rektor des akademischen Kollegiums der Jesuiten in Wien Interesse für den Propsteibesitz, und zwar in Form einer Schenkung. Er wandte sich an den Kaiser, der ihm seine Zusage gab, aber sich nicht mehr an die früh er gegebene Verkaufsfreigabe erinnert hatte. Propst Stephan intervenierte sofort und führte einen Prozess gegen die Jesuiten. Dieser endete 1671 durch den Tod von Propst Stephan zunächst zugunsten der Jesuiten, schließlich kam aber die Propstei St. Andrä wieder zu ihrem Recht als legitimer Nachfolger der Schrattenthaler Propstei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die endgültige Auflösung der Propstei erfolgte 1716. Aus dem Grundbuch 1667 wird ersichtlich, welche Ämter der Propstei Schrattenthal dienstbar waren: Braunsdorf (GB Hollabrunn), Fahndorf (GB Hollabrunn), Fels (GB Kirchberg am Wagram), Mitter-Retzbach (GB Retz), Nonndorf (GB Allentsteig), Riegers (GB Waidhofen an der Thaya), Tiefenbach (GB Allentsteig), Walkersdorf (GB Langenlois), Zaussenberg (GB Kirchberg am Wagram), Ziersdorf (GB Ravelsbach). Die Aufschlüsselung der Ämter nach Hausdiensten ergibt folgendes Bild: Braunsdorf (2), Fahndorf (18), Fels (5), Mitter-Retzbach (3), Nonndorf (3), Riegers (18), Tiefenbach (5), Walkersdorf (11), Zaussenberg (3) und Ziersdorf (3). Die Dienste und Abgaben in diesen Ämtern wurden von Ganz-, Halb-, Viertellehnern und 13 Hofstätten geleistet. Insgesamt beliefen sich die Gülteinnahmen auf 41 fl. 3 ß. 11 d., der Getreidezehent machte 45 Metzen aus, das entspricht etwas mehr als 3 Tonnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Errechnung erfolgte auf Grundlage der Stiftsbriefe von 1477, 1506 und 1511 sowie den Steuerakten, den Akten des Propstes Augustinus Erath, den alte Gülteinlagen VUMB, den Gülten von 1711, den Klosterratsakten sowie dem Grundbuch von 1667.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pfarren== &lt;br /&gt;
Gemäß dem Stiftsbrief erhielt das Kapitel die Pfarrkirche Schrattenthal sowie, mit Zustimmung des Bischofs von Olmütz, die Pfarrkirche von Joslowitz in Südmähren, deren Patronat Stephan von Eitzing innehatte. Gleichzeitig übernahm das Stift die Seelsorge in diesen Pfarren. 1529 verkaufte Ulrich IV. das Patronat Joslowitz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Abgesehen von dem erwähnten Andachtsbuch ist darüber nichts bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Das Stiftsgebäude=== &lt;br /&gt;
Das Stift wurde in der Nordwestecke des 1472 zur Stadt erhobenen Ortes bzw. an dessen nordwestlicher Flanke errichtet. Während die vom Stiftsgebäude eingenommene Fläche anhand des bis heute weitgehend unveränderten Grundrisses der mittelalterlichen Stadt annähernd festzustellen ist, können über Bauplan und Bauvolumen kaum konkrete Angaben gemacht werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heutigen Häuser Nr. 34, 35 und 36 sind auf dem Areal des Stiftes entstanden bzw. gehen in ihren Grundmauern auf dieses zurück. Die Anlage wurde im 18. Jahrhundert in drei Kleinhöfe unterteilt. Besonders das Haus Nr. 36 enthält nach dem denkmalpflegerischen Befund noch Teile der ursprünglichen Raumstruktur und der Bausubstanz des 16. Jahrhunderts. Dies zeigt auch die teilweise Freilegung einer frühneuzeitlichen Ritzputzquaderung unter dem josephinischen Putzdekor der Straßenfront aus dem Jahr 1786. (Vor der Wiedererrichtung der Pfarre wurden die beiden Kirchen von diesem Haus aus betreut, teilweise durch Einsiedlermönche des Waldbrüderordens. Möglicherweise bildete der nordwestliche, einschließlich zweier Rundtürme erhalten gebliebene Teil der Stadtbefestigung zugleich die Außenmauer des Stiftes, sodass auch die an die Stadtmauer angebauten Häuser Nr. 37, 63 und 74 dem ehemaligen Klosterbereich zuzurechnen sind. Inmitten der weitläufigen Burganlage von Schrattenthal befindet sich, unter dem einheitlichen Dach eines barocken Erweiterungssbaues, der sog. ,,Schafstall&amp;quot;. Dieser spätgotische Raum aus dem 15. Jahrhundert mit vier kreuzrippengewölbten Jochen auf einem Achteckpfeiler soll der Tradition zufolge als Refektorium des (rund 400 Meter entfernten) Stiftes gedient haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Kirchen=== &lt;br /&gt;
Zum Zeitpunkt der Gründung des Stiftes bestanden in Schrattenthal neben der Burgkirche St. Martin (erbaut 1436–1438) zwei räumlich verbundene und vom Herrschaftsinhaber Ulrich von Eitzing wahrscheinlich bereits als Doppelkirche geplante Gotteshäuser: die anstelle der von den Hussiten 1425 zerstörten Kapelle Unser Lieben Frau nach 1434 wiedererrichtete Marien- und Wallfahrtskirche und die um 1450 erbaute Pfarrkirche St. Bernhardin. Zwar bezieht sich der Stiftsbrief auf die Kapelle Unser Lieben Frau, die bauliche Einheit beider Kirchen hat aber zur Bezeichnung (auch) der Pfarrkirche als Propsteikirche geführt. Nach dem Stadtbrand von 1783 wurde die südliche Marienkirche abgebrochen, die Pfarrkirche erhielt eine einheitlich spätbarocke Innenausstattung. Aus der Erbauungszeit erhalten sind der netzrippengewölbte Chor mit Sessionsnische und gekehltem Portal zur sternrippengewölbten Sakristei, die kreuzrippenunterwölbte Orgelempore und der spätgotische Westturm; rotmarmorner Taufstein; Eitzinger-Grab steine 1460, 1504, 1563 und die spätgotische figürliche Grabplatte eines weiter nicht bekannten Ritters Wallwolf (?). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Andachtsbild der Sieben Schmerzen Mariens wurde nach 1784 in einem barocken Rahmen in den Hochaltar integriert. Seit der Außenrenovierung 1989 entspricht die Kirchenfassade wieder dem Erscheinungsbild der jeweiligen Bauzeit von 1450 bzw. 1784. Die spätgotische Gnadenstatue Unserer Lieben Frau mit dem Kind befindet sich heute in der Kirche des Karmelitinnenklosters in Gmunden. Die Fundamente der Marienkirche wurden 1987 im Zug eines Dorferneuerungsprojekts freigelegt; 2001 wurde aus den ergrabenen Architekturteilen im ehemaligen Kirchenraum ein Feldaltar errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Wien 1990. &lt;br /&gt;
* Raimund Oblistil: Das Augustiner Chorherrenstift Schrattenthal. Hollabrunn 1968 (Beilage zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn, 3/10).&lt;br /&gt;
* Raimund Oblistil: Die Pfarre Schrattenthal. Typoscript. o.J. &lt;br /&gt;
* Raimund Oblistil: Die Gotteshäuser Schrattenthals. Typoscript. o.J. &lt;br /&gt;
* Raimund Oblistil: Festschrift zur Fünfhundertjahrfeier der Stadterhebung. Nach den von Raimund Oblistil gesammelten Unterlagen bearbeitet von Franz Müllner und Anton Resch. Schrattenthal 1972.&lt;br /&gt;
* Österreichisches Städtebuch. 4. Bd. Wien 1982. &lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Das Pilgerbuch aus Schrattenthal. In: morgen. Kulturzeitschrift aus Niederösterreich 17 (Juni 1981). &lt;br /&gt;
* Egon Alexander Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;br /&gt;
* Theodor Wiedemann: Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Land unter der Enns. Bd 3. Prag 1882. &lt;br /&gt;
* Ralf Wittig: Fassadenuntersuchung der Pfarrkirche Schrattenthal. Typoscript. 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10292</id>
		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-09-14T17:37:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Baugeschichte und Sammlungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen a. d. D.]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. Florian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im 3. Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294. &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39, Heft 3/4 (1992), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Univ. Wien. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florian. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
* Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift 8/3 (1932). München, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik&amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger. 367/ Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter 40, H. 3/4 (1986). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie. Bd. XL VIII (1988), S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek. Bd. 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in St. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91- 94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian/Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian. 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986. 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie Bd. XL VIII. 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12- 15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10291</id>
		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-09-14T16:54:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Bibliothek und Archiv */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen a. d. D.]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. Florian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im 3. Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294. &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39, Heft 3/4 (1992), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Univ. Wien. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florian. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
* Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift 8/3 (1932). München, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik&amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger. 367/ Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter 40, H. 3/4 (1986). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie. Bd. XL VIII (1988), S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek. Bd. 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in S. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande Ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91- 94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian/Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian. 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986. 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie Bd. XL VIII. 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. von Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12- 15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10290</id>
		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-09-14T16:51:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Wissenschaft */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen a. d. D.]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. Florian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im 3. Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294. &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39, Heft 3/4 (1992), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Univ. Wien. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florin. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
* Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift. 3. F., Bd. 8. München 1932, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik&amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger. 367, Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter Jg. 40 (1986, H. 3/4). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie. Bd. XL VIII (1988), S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek, Bd. 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in S. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande Ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91- 94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian/Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian. 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986. 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie Bd. XL VIII. 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. von Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12- 15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10289</id>
		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-09-14T16:51:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen a. d. D.]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. Florian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im 3. Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294. &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Dipl.-Arb. Univ. Salzburg. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. vom Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39, Heft 3/4 (1992), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Univ. Wien. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Diplomarbeit. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florin. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
* Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift. 3. F., Bd. 8. München 1932, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik&amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger. 367, Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter Jg. 40 (1986, H. 3/4). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie. Bd. XL VIII (1988), S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek, Bd. 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in S. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande Ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91- 94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian/Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian. 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986. 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie Bd. XL VIII. 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. von Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12- 15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
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		<title>Stift Waldhausen</title>
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		<updated>2022-09-14T16:46:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=bis 1785 Diözese Passau, danach im Bereich der Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Benannt nach=Silvia Domus - Waldhausen&lt;br /&gt;
|Patrozinium=hl. Johannes der Täufer/ der Evangelist; Heute Stiftskirche Mariae Himmelfahrt und Marktkirche Johannes Baptista&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=politischer Bezirk Perg&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte=== &lt;br /&gt;
Als Gründer des Stiftes Waldhausen gilt Otto von Machland, der einer seit dem 11. Jahrhundert im östlichen Oberösterreich ansässigen Adelsfamilie entstammte. Er und sein Bruder Walchun, in dem man den Stammvater der heutigen Grafen von Clam-Martinic sieht, besaßen im unteren Mühlviertel große Besitzungen mit mehreren Burgen und Dörfern. Ottos Ehe mit Jeuta von Peilstein, einer Nichte Leopolds d. Hl. und Schwester Bischof Reginberts von Passau, war kinderlos geblieben, daher fasste er im Jahre 1141 den Entschluss, sein Stammschloss in Baumgartenberg in ein Zisterzienserkloster umzuwandeln. Da er noch andere Güter besaß, gründete er im Jahre 1147 ein weiteres Kloster zu Ehren des Evangelisten Johannes, das er mit Augustiner-Chorherren besetzte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Sitz bestimmte er seine Burg Säbnich, von der heute nur noch Ruinen auf einem steil aufragenden Felsen oberhalb des Ortes Sarmingstein zu sehen sind. Alle Rechte und Besitzungen, die mit der Burg verbunden waren, gingen auf die Ordensgemeinschaft über. Die ersten Chorherren kamen aus Wettenhausen in Schwaben, der erste Propst hieß [[Heinrich I.|Henricus]] (Heinrich). Da die Erträgnisse des wenig fruchtbaren Bodens kärglich waren, befand sich das Stift bald in finanziellen Schwierigkeiten, die Bischof Reginbert von Passau, in dessen Diözese Säbnich lag, durch Übertragung der Patronatsrechte über mehrere Pfarren und Besitzungen zu mildern versuchte; diese Gebiete lagen weit verstreut von der mährischen Grenze bis zum Lungau im Süden. Einige Zeit nach dem Tode Ottos von Machland (1148) kam es zu langdauernden Streitigkeiten zwischen Baumgartenberg und Säbnich um den Rest seiner Besitzungen. Welche Rolle dabei der Bischof Konrad von Passau, ein Sohn Leopolds d. Hl., gespielt hat, ist ungeklärt. Unwahrscheinlich erscheint die Nachricht, der Bischof habe die Chorherren von ihrem bisherigen Wohnsitz, dessen Vogteirechte Ottos Bruder Walchun übernommen hatte, vertrieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganze Gründungsgeschichte wird durch gefälschte Dokumente etwas verschleiert. Unter Propst [[Selker]] (1151–1162) zogen jedenfalls die Chorherren längs des Sarmingbaches nordwärts und gründeten auf einem Hügel ein zweites Kloster mit dem Namen Silvia Domus, das &amp;quot;Haus im Walde&amp;quot;, von dem der Ort Waldhausen seinen Namen hat. Beide Gründungen bestanden eine Zeit lang nebeneinander, bis 1161 auch der letzte Konventuale nach Waldhausen zog. Was die Mönche veranlasst hat, Säbnich zu verlassen, wissen wir nicht; vermutlich waren es das rauhe Klima und der steinige Boden . Waldhau sen übernahm die Besitzungen von Säbnich, verkaufte aber am Ende des 12. Jahrhunderts die Ländereien im Lungau an das Domkapitel von Salzburg, um mit dem Gewinn näher gelegene zu erwerben. Aus verschiedenen Quellen lässt sich erschließen, dass an dem neuen Standort von Anfang an eine Klosterschule bestanden hat, in der die Söhne und Töchter Adeliger unterrichtet wurden. Um das Jahr 1190 ist urkundlich außerdem der kurzzeitige Bestand eines Frauenklosters bezeugt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Weitere Geschichte im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit=== &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten waren die Geschicke Waldhausens recht schwankend und den Einflüssen der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Lage ausgesetzt. Zwar bekam das Stift Anfang des 13. Jahrhunderts manche Besitztümer von Adeligen, die ins Heilige Land gezogen waren; so erhielt es auch mehrere Weingärten in der Wachau. Trotzdem mussten die Chorherren schwere Zeiten erleben. Um ihnen zu helfen, befreite sie Herzog Leopold VI. im Jahre 1204 von der Futterabgabe für Pferde, wozu geistliche Grundbesitzer statt des Kriegsdienstes verpflichtet waren. Das Stift bekam auch sehr stark das Unwesen des Raubrittertums zu spüren, das in der kaiserlosen Zeit vor der Ernennung Rudolfs von Habsburg im ganzen Reich herrschte. Nur die Stiftung der von den Landesherren und anderen Adeligen hoch geschätzten Messopfer - im Verzeichnis des Stiftes finden sich Namen wie Herzog Albrecht II. und Otto von Österreich - ermöglichten in der Folge den Ausbau der bisher in trostlosem Zustand befindlichen Gebäude. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzog Albrecht II. nahm sich Waldhausens besonders an. So bestimmte er, dass das Kloster allein bei den auf der Donau vorbeifahrenden Schiffen Almosen sammeln dürfe, ein Recht, das den Chorherren immer wieder von neidischen Burgbesitzern in Donaunähe streitig gemacht wurde. Dieses Almosensammeln war deshalb recht einträglich, weil alle Schiffsleute für die glückliche Durchquerung gefährlicher Stromschnellen im Strudengau so dankbar waren, dass sie gerne und reichlich spendeten. Dafür mussten die Chorherren alle Wasserleichen, die allenfalls angeschwemmt wurden, in St. Nikola, wo sich ein von Walchun von Machland gestiftetes Hospiz befand, auf würdige Weise bestatten. Im Jahre 1230 wurde außerdem Münzbach dem Stift inkorporiert. 1349 wurde auch die Pfarre St. Georgen übernommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 14. Jahrhunderts lebte der bedeutendste Chorherr, den das Stift hervorgebracht hatte: [[Konrad von Waldhausen]] (t 1369). Der hochgebildete Mann setzte seine Arbeitskraft nicht nur im engen Rahmen des Klosters ein, sondern ging nach Prag, wo er als Hofprediger Karls IV. wirkte. Er bemühte sich schon vor Hus, den er in der Folge ebenso wie Wicliff beeinflusste, um eine Erneuerung der böhmischen Kirche, ohne jedoch den Boden der katholischen Lehre zu verlassen. Von 1359 bis 1592 hatten die Geistlichen des Konvents die niedere Gerichtsbarkeit über ihre Untertanen inne, später erhielten sie auch die hohe Gerichtsbarkeit, so dass in Waldhausen sogar Todesurteile vollstreckt wurden. &lt;br /&gt;
Verheerende Folgen hatten für Waldhausen die Hussitenkriege. Im Jahre 1428 kamen die religiösen Fanatiker auf ihren Raubzügen mehrere Male in die Gegend des Stiftes. Die Horden zerstörten das Kloster fast zur Gänze und metzelten die Chorherren nieder, soweit diese nicht geflohen waren. Schon vier Jahre später wurden die notdürftig wieder aufgerichteten Gebäude abermals überrannt und dem Erdboden gleichgemacht. Gleichzeitig wurde auch der Markt, der 1359 erstmals erwähnt wird, mit der von den Klosterleuten erbauten Pfarrkirche niedergebrannt. Die Not war eine Zeit lang so groß, dass ein in diesen Jahren amtierender Propst, [[Otto Schweinbeck]] (1414–1443), sich gezwungen sah, abzudanken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst sein Nachfolger, [[Martin Leystenfreund]] (1443–1457), konnte das klösterliche Leben wieder in geordnete Bahnen lenken. Besondere Verdienste erwarb sich dieser Propst um die Einrichtung einer Bibliothek. In dem geräumigen Saal soll es viele wertvolle Bücher gegeben haben, von denen leider fast nichts übrig geblieben ist. Auch die Schule, in der hauptsächlich Latein und Musik unterrichtet wurden, bestand wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen hatte sich das Kloster, dem es auch gelungen war, die alte Machland-Burg Säbnich instand zusetzen, mit seinen Vögten, den Nachkommen des Bruders Ottos von Machland, so überworfen, dass Kaiser Ferdinand II. Mittelsmänner einsetzte, die von nun an in seinem Namen das Stift betreuten; allerdings flossen die Vogteiabgaben von diesem Zeitpunkt an in die kaiserliche Kasse. Während der Reformationszeit, in der das Stift infolge der religiösen und politischen Wirren sehr vernachlässigt und aufs schwerste verschuldet war, verfiel auch das religiöse Leben zusehends. Ein Visitationsbericht aus dem Jahre 1561 beschreibt die traurigen Zustände: Der Propst lebte zusammen mit einer Konkubine, auch einige seiner Kapitularen nahmen Zölibatsfreiheit für sich in Anspruch. Mit scharfen Worten rügt der Bericht auch das üppige Leben und die kostbare Kleidung der Konventualen. Erst unter dem übernächsten Nachfolger des genannten Propstes, dem Prälaten [[Johannes Kögl]] (1566–1577), setzte der schon dringend nötige Umschwung ein; war doch die Zahl der Klosterbewohner inzwischen auf sechs Chorherren und vier Konkubinen gesunken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neuerlicher Bericht aus dem Jahre 1566 lobt daher besonders die Umkehr in der Haltung der Konventualen und hebt den Aufschwung im Schulwesen her vor. Die Klosterschule erreichte in der Folgezeit- unter Propst [[Hermann Parthenreuter]] (1577–1612) - sogar den absoluten Höchststand von sechzehn Zöglingen. Parthemeuter war ein äußerst erfolgreicher und weitsichtiger Ökonom, der dem Stift einige neue Besitzungen erwarb. Über seine Regierungszeit gibt es einige Informationen, weil er selbst in schlicht er und sachlicher Weise Rechenschaft darüber abgelegt hat. So wurden die Schulden weitgehend abgebaut, es konnte sogar ein ansehnliches Kapital für größere Bauvorhaben angespart werden. Der Propst errichtete nicht nur ein neues Schulgebäude, sondern auch ein eigenes Spital für alte Klosteruntertanen. Die von ihm neu gebauten Wirtschaftsgebäude fielen sehr bald einem Brand zum Opfer, der beinahe auch das Stift eingeäschert hätte. Weiters ließ Propst Hermann von 1610 bis 1612 die Marktkirche von dem Linzer Baumeister Hiob Eder erweitern, eine gelungene Mischung von Spätgotik und Renaissance. Die wirtschaftliche Lage des Stiftes hatte sich auch deshalb so sehr gebessert, weil Waldhausen von den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges weitgehend verschont blieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Barockzeit=== &lt;br /&gt;
Seine Glanzzeit erlebte das Stift unter der Regierung des Propstes [[Laurenz Voss]] (1647–1680), der als großer Bauherr in die Geschichte Waldhausens einging. Er musste zwar viele Besitztümer verkaufen, begann aber doch unter kluger Benützung der vorhandenen Mittel den großartigen Neubau der Klosteranlage. Die Stiftskirche konnte noch unter seiner Leitung errichtet, ihre Ausschmückung aber nicht abgeschlossen werden. Die Arbeiten wurden um 1650 nach Plänen von Christoph Colomba und Carlo Canevale begonnen, 1661 war der Rohbau fertig - ein tonnengewölbtes Langhaus mit Emporen. Der Weiterbau und die Ausschmückung der Kirche verzögerten sich nun durch eine neuerliche Geldknappheit, so dass die Einweihung des fertiggestellten Kirchenbaus erst am 4. Oktober 1693 stattfinden konnte. Auf dem Weg zu der neuen Stiftskirche durchschritt man nun zwei Höfe, die neuen großartigen Stiftsgebäude umfassten insgesamt 90 Zimmer, dazu kam noch ein ganzer Wirtschaftskomplex. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den aufwendigen Neubau der gesamten Anlage war aber der Konvent immer mehr in Schulden geraten. Propst [[Augustin Ochs von Solmau]] (1684–1721), der übernächste Prälat, ein prunkliebender ungarischer Adeliger, der anlässlich des Besuches Kaiser Leopolds 1. 1684 in [[Stift St. Florian|St. Florian]] in der dortigen Stiftskirche die Messe zelebrieren durfte, konnte schließlich nur unter völliger Überlastung der finanziellen Kräfte die Kirche mit prachtvollem, heute noch bewundertem Stuck- und Freskenschmuck ausstatten. Er ließ auch 1697 von Carlo Carlone die später profanierte Josephikapelle erbauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verzweifelte monetäre Lage der Kirche wurde von dem Propst streng geheim gehalten und kam nur deshalb ans Licht, weil der von Gewissensbissen gequälte Mann in schlaflosen Nächten Gott und die Heiligen laut um Hilfe anrief. Nach seinem Tod war aber der Ruin des Stiftes nicht mehr aufzuhalten, hatte doch die Schuldenlast bereits die Summe von 300.000 Gulden erreicht. Das war für Kaiser Joseph II. ein willkommener Anlass, die Verwaltung des Stiftes 1786 dem Propst von St. Florian zu übergeben, bis es am 22. Februar 1792 gänzlich aufgehoben wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Schicksal des Stiftes nach der Aufhebung=== &lt;br /&gt;
Mit der Aufhebung war es jedoch noch nicht getan, bald folgten weitere Schicksalsschläge. Die Stiftsgebäude wurden nach einer oberflächlichen Überprüfung für baufällig erklärt und zum Abbruch bestimmt. Auch die Stiftskirche sollte abgerissen werden, mit der Begründung, dass der Markt ohnedies ein geräumiges Gotteshaus besitze, das nach einer bischöflichen Visitation zur Pfarrkirche erklärt wurde; die Erhaltung zweier Kirchen komme der Diözese zu teuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Großteil der Gebäude wurde zwischen 1800 und 1810 vom österreichischen Militär geschleift, lediglich zwei Flügel der Anlage, versehen mit schönen Arkaden, blieben erhalten. Das Baumaterial schaffte man zur Ausstattung der Franzensburg nach Laxenburg. Fast alle Kunstwerke wurden verkauft, die Besitzungen des Stiftes übergab man als Dotationsgut dem Linzer Domkapitel, das Joseph II. gleichzeitig mit der Gründung der Diözese Linz errichtet hatte. Die Stiftskirche, die den äußersten Tiefpunkt erlebte, als die Franzosen im Jahre 1809 in ihr wie Vandalen hausten und sie als Pferdestall benützten, konnte nur durch die Einsicht des Hofbaudirektors Michael Riedel von Leuenstern, des Erbauers der Franzensburg, gerettet werden; er gab dem Drängen der Bevölkerung nach und rettete auch aus eigener Wertschätzung das Bauwerk vor der Spitzhacke. In den folgenden 140 Jahren verfielen aber sowohl die ehemalige Stiftskirche als auch die Marktkirche immer mehr, bis nach dem Zweiten Weltkrieg eine intensive Denkmalpflege einsetzte, die beide Gebäude wieder in ihrem ursprünglichen Glanz erstrahlen ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der ursprüngliche Besitz des Stiftes bestand aus den Gütern Ottos von Machland, die zur Burg Säbnich gehörten. Dazu kamen an Rechten das Urfahrrecht (Stegrecht) auf der Donau sowie das der Fischerei im Fluss. Außerdem schenkte Bischof Reginbert dem Stift alle Lehen, die Otto von Passau erhalten hatte. Die Güter lagen teilweise weit zerstreut, etwa von der mährischen Grenze über den salzburgischen Lungau sogar bis nach Friaul. Alle diese Schenkungen fallen in das Jahr 1147. Im 13. Jahrhundert erhielt Waldhausen auch einige Weingärten in der Wachau. Bei der Aufhebung hatte das Kloster die Patronatsrechte über 15 Pfarren und deren Erträgnisse inne. Ein reiches Stift ist Waldhausen nie gewesen. Es hatte ständig mit einem Berg von Schulden zu kämpfen, die vor der Aufhebung die gewaltige Summe von 300.000 Gulden erreichten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster stand zunächst unter der Vogtei des Walchun von Machland, des Bruders des Stifters, und seiner Nachkommen. Doch das ursprüngliche gute Einverständnis zwischen Kloster und Vögten erfuhr im Laufe der Zeit verschiedene Trübungen. Daher nahm ab dem Jahre 1544 der Kaiser selbst durch Mittelsmänner das Stift unter seine Obhut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die sozialen Verhältnisse im Stift waren sehr wechselhaft. Nach einem totalen Verfall des Klosterlebens in der Reformationszeit, in der die Zahl der Konventualen auf sechs Personen gesunken war, erreichte Waldhausen in der Folgezeit unter dem tüchtigen Propst Hermaim Parthenreuter (1577–1612) einen ansehnlichen sozialen Standard, der sogar die Einrichtung eines eigenen Spitals und eine Vergrößerung der Klosterschule ermöglichte. Zum Zeitpunkt der Aufhebung wies das Stift eine Zahl von 31 Konventualen auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Patronate und Inkorporationen== &lt;br /&gt;
Zum Zeitpunkt der Aufhebung des Stiftes gab es 15 inkorporierte Pfarren: Waldhausen, Dimbach, St. Georgen am Wald, Königswiese n, Minichdorf, St. Thomas am Blasenstein, Arbing, Mitterkirchen, Saxen, St. Nikola, Klamm, Neustadt bei Amstetten, Leobendorf, Wilfersdorf und Stetten bei Korneuburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Während seiner Administration über Waldhausen ließ Propst [[Leopold Trulley]] von St. Florian um das Jahr 1790 die Bestände von Waldhausen aufnehmen. Angeführt werden in dem Verzeichnis etwa 2.300 Bände, dazu noch verschiedene Choralbücher und alte Breviere. Der Katalog ist allerdings sehr mangelhaft und gibt keinen wirklichen Aufschluss über den tatsächlichen Bücherbestand. Nach Auskunft des jetzigen Pfarrers von Waldhausen, Karl Wögerer, umfasste die Bibliothek an die 6.000 Bände, darunter einige wertvolle Handschriften und Wiegendrucke. Die Bücher kamen ins Linzer Priesterhaus bzw. in öffentliche Bibliotheken. Eine Handschrift soll dem Stift Schlägl übergeben worden sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Ehemalige Stiftskirche ===&lt;br /&gt;
Die Reste der Klosteranlage liegen auf dem sogenannten „Schlossberg&amp;quot;, etwa einen Kilometer nördlich des Marktes Waldhausen. &lt;br /&gt;
Um 1650 hatte Propst Laurenz Voss mit dem barocken Neubau des Stiftes und der Kirche begonnen. Als Architekten des Gotteshauses werden in der kunstgeschichtlichen Literatur Carlo Canevale und Christoph Colomba genannt, doch fehlen dafür eindeutige archivalische Beweise bzw. zwingende stilistische Nachweise. Die gut erhaltene Kirche ist nach Auffassung von Hellmut Lorenz nur mangelhaft erforscht. Sie stellt jedenfalls ein frühes Beispiel der im oberösterreichischen Raum weit verbreiteten &amp;quot;Stuckkirchen&amp;quot; dar; Bauten dieses Typs stehen auch in Garsten, Schlierbach und St. Florian. Der Innenraum ist ein viellochiger Wandpfeilersaal mit Tunnenwölbung, sechs Seitenkapellen, über die sich Emporen ziehen, sowie einem eingezogenen Chor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend für das Raumbild ist die Stuckausstattung; Lorenz sagt sogar, dass das raumgestaltende Gesamtkonzept mehr von den Stuckateuren als von den Architekten erdacht wurde. Die Stuckaturen gliedern deutlich die einfachen architektonischen Grundformen; zugleich bilden sie als klares geometrisches Ordnungsprinzip die Rahmung für die Freskenfelder, besonders an der Decke des Langhauses. Der beste Beweis für die Dominanz der Stuckateure sind die Seitenaltäre; sie wirken zunächst durch ihren schwarzen Anstrich wie eingestellte Möbel, sind aber in Wirklichkeit gemauert. Außerdem finden die Altaraufsätze nahtlos ihre Fortsetzung in der Stuckdekoration der Kapellenwölbung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Stuckateure gelten nach der Überlieferung einer der vermutlichen Erbauer selbst, nämlich Christoph Colomba, und sein Bruder Giovanni Battista; letzterer wird neben Georg Hausen auch als Schöpfer der Fresken genannt. Diese offensichtliche Personalunion mag den engen Zusammenhang von Architektur und kunsthandwerklicher Ausstattung erklären. Die in geometrische Rahmungen eingefügten Gewölbefresken und zahlreiche andere Freskenfelder stellen Szenen aus der Apokalypse, Mariae Himmelfahrt, die Bekehrung des Saulus, die Marter des hl. Laurentius sowie Johannes auf Patmos dar. In entschiedenem Kontrast zur hellen Farbigkeit der Fresken und zum Weiß des Stucks und der Wände steht das Schwarz-Gold des Hochaltars und der Seitenaltäre sowie der Orgel, des Chorgestühls und der Kanzel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der wuchtige Hochaltar ist ein Werk des Passauer Tischlermeisters Paul Deniffl aus dem Jahre 1669. Die Figuren - unter anderen die Heiligen Augustinus und Ambrosius sowie Katharina und Barbara - stammen aus der Werkstatt des Passauer Bildhauers Johannes Seitz. Das ehemalige Hochaltarbild von Joachim Sandrart - eine Darstellung des Heiligen Geistes - wurde 1809 von den Franzosen zerstört und durch ein aus Fürstenfeldbruck stammendes Gemälde (&amp;quot;Tod und Himmelfahrt Mariens&amp;quot;) ersetzt. Das Aufsatzbild Sandrarts (&amp;quot;Jüngstes Gericht&amp;quot;; 1675) ist noch erhalten. Die prachtvolle, mit lieblichen musizierenden Engeln geschmückte Orgel aus dem Jahre 1677 bildet den Abschluss der einheitlichen Innenausstattung. Sie wurde erst 1956 wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt, nachdem zur Zeit der Klosteraufhebung das Pfeifenwerk verkauft worden war. Die holzgeschnitzte Kanzel, die auch aus der Erbauungszeit der Kirche stammt, zeigt zwischen den die Brüstung tragenden Puttenengeln Statuen der Evangelisten. In der östlich an den Chor angebauten Sakristei ist ein früh barockes Lavabo ebenso erwähnenswert wie ein Schutzmantelbild des hl. Augustinus mit Waldhausener Chorherren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Marktpfarrkirche=== &lt;br /&gt;
Die unter Propst Hermann Parthenreuter vom Linzer Baumeister Hiob Eder zwischen 1610 und 1620 errichtete, dem hl. Johannes dem Täufer geweihte Marktpfarrkirche geht auf ein älteres Bauwerk zurück, von dem noch Turm und Presbyterium stammen. Das Gotteshaus gehört zur sogenannten &amp;quot;Nachgotik&amp;quot;, einer Phase des Wiederauflebens gotischer Formen zu Beginn des 17. Jahrhunderts; es stellt somit eine glückliche Verbindung von Gotik und Renaissance dar. Unter Beibehaltung des netzrippengewölbten Chores wurde das Bauwerk als vierjochige, kreuzrippengewölbte Staffelkirche ausgebaut. Manche gotische Grundformen, wie die Westempore und das Sakramentshäuschen, sind in der Art der Renaissance behandelt. Den Innenraum beleuchten große gotische Fenster, während das Portal reine Renaissanceformen zeigt. Auch die Bauplastik weist diesen Übergangsstil auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Hans Blumenthal: Waldhausen im 16. Jahrhundert. In: Heimatgaue 9/3 (1928), S. 129ff.&lt;br /&gt;
* Günther Brucher: Barockarchitektur in Österreich. Köln 1983, S. 65f.&lt;br /&gt;
* Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Oberösterreich. Wien 1977.&lt;br /&gt;
* Hans Hülber: Laurentius Voss, Propst zu Waldhausen im Strudengau. In: Mühlviertler Heimatblätter 12/1 (1972).&lt;br /&gt;
* Franz Kurz: Beiträge zur Geschichte Österreichs ob der Enns. Bd. IV. Linz 1809, S. 412ff.&lt;br /&gt;
* Johann Leimhofer: Sommerfrische Waldhausen OÖ. Umgebung und Geschichte des aufgelassenen Stiftes. Steyr 1936.&lt;br /&gt;
* Hellmuth Lorenz (Hg.): Barock. München/London/New York 1999 (Geschichte der bildenden Künste in Österreich, Bd. 4), S. 244 u. 321f.&lt;br /&gt;
* Hubert Franz Xaver Müller: Gründungs- und Wirtschaftsgeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Waldhausen OÖ. bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts. Inaugural-Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1959.&lt;br /&gt;
* Franz Xaver Pritz: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulierten Chorherren des hl. Augustinus zu Waldhausen. In: Archiv für die Kunde österreichischer Geschichts-Quellen Bd. 9. Wien 1853, S. 305ff.&lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Geschichte des Stiftes Waldhausen. Vortrag 1993 (Manuskript in St. Florian).&lt;br /&gt;
* Martin Riesenhuber: Die kirchliche Barockkunst in Österreich. Linz 1924, S. 392f. und 603.&lt;br /&gt;
* H. de Verrette: Aufnahme und baugeschichtliche Daten des ehemaligen Chorherrenstiftes Waldhausen. Diss. Techn. Hochschule Wien. Wien 1936.&lt;br /&gt;
* Waldhausen im Strudengau. Ortschronik. Hg. von der Marktgemeinde Waldhausen anläßlich des 300jährigen Weihejubiläums der Stiftskirche. Linz 1993.&lt;br /&gt;
* Johannes Wimmer: Stiftskirche Waldhausen. Salzburg 1999 (Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 235).&lt;br /&gt;
* Alfred Zerlik: Konrad von Waldhausen. Oberösterreichische Heimatblätter. 2. Sonderdruck. Linz 1971.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
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		<title>Stift Vorau</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. Diss. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34–39, Heft 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati 38, Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. Dipl.arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad anno MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. 2 Bände. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark (1992), S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. und 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau. In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Seckau 1935 (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regulierten Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. Diss. Univ. Graz. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrgang), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter. In: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945. In: Geschichts­forschung in Graz. Festschrift 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz. Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10286</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-09-14T08:43:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. Diss. Univ. Graz. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34–39, Heft 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati 38, Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. Dipl.arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad anno MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. 2 Bände. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark (1992), S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. und 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau, In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Seckau 1935 (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regulierten Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. maschinengeschriebene philosophische Dissertation. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrgang), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter. In: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945. In: Geschichts­forschung in Graz. Festschrift 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz. Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10285</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-09-14T08:15:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Archiv */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. maschiniengeschriebene theologische Dissertation. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34–39, Heft 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati 38, Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. maschinengeschriebene theologische Diplomarbeit. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad anno MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. 2 Bände. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark (1992), S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. und 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau, In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Seckau 1935 (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regulierten Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. maschinengeschriebene philosophische Dissertation. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrgang), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter. In: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945. In: Geschichts­forschung in Graz. Festschrift 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz. Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10284</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-09-14T08:14:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. maschiniengeschriebene theologische Dissertation. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34–39, Heft 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati 38, Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. maschinengeschriebene theologische Diplomarbeit. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad anno MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. 2 Bände. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark (1992), S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. und 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau, In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Seckau 1935 (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regulierten Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. maschinengeschriebene philosophische Dissertation. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrgang), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau, in: FSCH. Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter, in: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945, in: Geschichts­forschung in Graz. Fsch. 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10283</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-09-14T08:10:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Bau- und Kunstgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. maschiniengeschriebene theologische Dissertation. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34–39, Heft 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati 38, Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. maschinengeschriebene theologische Diplomarbeit. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad anno MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. 2 Bände. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark (1992), S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. u. 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Ders.: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau, In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). Seckau 1935. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regul. Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. maschinengeschriebene philosophische Dissertation. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrg.), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau, in: FSCH. Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter, in: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945, in: Geschichts­forschung in Graz. Fsch. 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10275</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-09-13T07:36:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Soziale Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. maschiniengeschriebene theologische Dissertation. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34–39, Heft 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati 38, Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. maschinengeschriebene theologische Diplomarbeit. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad anno MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria. Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. 2 Bände. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark 1992, S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. u. 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Ders.: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau, In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). Seckau 1935. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regul. Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. maschinengeschriebene philosophische Dissertation. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrg.), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau, in: FSCH. Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter, in: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945, in: Geschichts­forschung in Graz. Fsch. 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10274</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-09-13T07:26:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Wirtschaftsverhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. maschiniengeschriebene theologische Dissertation. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34–39, Heft 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati 38, Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. maschinengeschriebene theologische Diplomarbeit. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderband 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. von Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark (1990), S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad ann. MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. 2 Bände. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark 1992, S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. u. 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Ders.: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau, In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). Seckau 1935. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regul. Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. maschinengeschriebene philosophische Dissertation. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrg.), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau, in: FSCH. Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter, in: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945, in: Geschichts­forschung in Graz. Fsch. 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=10273</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-09-12T18:03:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32–34. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15–17. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5–12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118–131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre. 1963, S. 132–141. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27–58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197–221, S. 469–479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. maschinengeschriebene Hausarbeit. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. maschiniengeschriebene theologische Dissertation. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 74–77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner (1980), S. 78–86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2–9.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143–152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34–39, Heft 7 (1985), S. 3–8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati Heft 3/4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 6–16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 17–20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii – 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988 (1988), S. 66–71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (1988). &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542–1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237–243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati 38, Heft 1/2 (1991), S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. maschinengeschriebene theologische Diplomarbeit. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381–393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Erg.bd. XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderbd. 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steierm. Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. v. Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner 1980, S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark 1990, S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad ann. MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Das Chorherrenstift Vorau. Wien 1928 (Österreichische Kunstbücher, 58).&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931 (Beiträge zur Kunstgeschichte Steiermarks und Kärntens, 4). &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Versuch einer Entwicklungsgeschichte. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S. 153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Sehenswürdigkeiten und Sammlungen des Stiftes Vorau. Wien 1984 (Österreichs Museen stellen sich vor, 18). [https://www.zobodat.at/pdf/Oesterr-Museen-stellen-sich-vor_18_0045-0052.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. 2 Bände. Diss. Univ. Graz. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. Dipl.-Arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark 1992, S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. u. 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Ders.: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau, In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). Seckau 1935. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regul. Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. maschinengeschriebene philosophische Dissertation. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrg.), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau, in: FSCH. Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter, in: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945, in: Geschichts­forschung in Graz. Fsch. 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Stainz&amp;diff=10272</id>
		<title>Stift Stainz</title>
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		<updated>2022-09-12T17:58:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen== &lt;br /&gt;
Bereits 1160 wird der &amp;quot;riuus Stauwenz&amp;quot;, der Stainzbach, urkundlich erwähnt. 1177 stellte Papst Alexander III. in Venedig eine Bulle an den Salzburger Erzbischof aus, in der er ihn zum Schutz der Güter des Nonnenklosters St. Georgen am Längsee in Kärnten aufforderte, dem von den Leuten des Markgrafen von Steiermark H. und R. (die Brüder Herrand und Richer von Wildon) und anderen ein &amp;quot;predium apud stawiz&amp;quot; entfremdet worden war. Die Bezeichnung &amp;quot;stawiz&amp;quot; wird einerseits aus dem Slawischen &amp;quot;stava&amp;quot; abgeleitet und soll &amp;quot;Sauergraus&amp;quot; bzw. &amp;quot;Sauerbrunn&amp;quot; bedeuten. Tatsächlich existiert bei Stainz eine Mineralquelle, die teilweise den Stainzbach speist. Der Slawist Simon Pirchegger hingegen erklärte den slawischen Namen mit dem &amp;quot;Ort, wo der Gerber seine Felle wäscht&amp;quot;, denn östlich hinter Ettendorf fließt der Zirknjtzbach, wobei Ettendorf (früher &amp;quot;Eppendorf&amp;quot;) von R. Fitter als (spätere) deutsche Bezeichnung des 1177 genannten slawischen Ortsnamens &amp;quot;stawiz&amp;quot; angesprochen wurde. Die herzogliche Bestätigung von 1233 nennt die &amp;quot;prepositura(m) in honorem sancte Catharine ... apud fluuium Stanz&amp;quot; und die päpstliche Bulle von 1248 spricht von der &amp;quot;ecclesie de Stanz ordinis sancti Augustini&amp;quot;. Dass der Ort schon 1249 &amp;quot;Steinz&amp;quot; geschrieben worden wäre, klingt unglaublich, weshalb sich die Urkunden dieses Jahres (1249 III 23 Stainz A, B) - neben anderen inhaltlichen Kriterien - als Fälschungen erweisen, weil für das Kloster noch bis etwa 1500 die Bezeichnungen &amp;quot;Steunze&amp;quot;, &amp;quot;Stanz&amp;quot;, &amp;quot;Staentz&amp;quot; oder &amp;quot;Stencz&amp;quot; üblich waren. Weitere historische Namensformen: conventus canonicorum regularum eccl(es)ie St. Katharine in Stevntz (1319); choerherns. Gatrein goetshaus datz Stevntz (1343); das würdige Gottshaus zu Stäncz (1627); Stainz, ein Styfft Canonicorum Regularium (1681). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie== &lt;br /&gt;
Herzogtum Steiermark, seit 1462 Viertel zwischen Mur und Drau, seit 1748 Kreis Graz, Markt (seit 1372), politischer Bezirk Deutschlandsberg, Bundesland Steiermark. In kirchlich-organisatorischer Hinsicht gehörte Stainz vor der Stiftsgründung zum Gebiet des Erzbistums Salzburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort lag in der Pfarre St. Stefan in Lemsitz, die sich noch im 12. Jahrhundert von der Mutterpfarre St. Laurentius in Hengsberg als Filialkirche abgetrennt hatte. Im Bereich der Pfarre St. Stefan lagen die Messkapellen St. Katharina auf dem Hügel, der später das Kloster trug, und St. Georg in Ettendorf. An die Pfarre St. Laurentius grenzte im Süden die Mutterpfarre (Groß-) St. Florian, wobei der Stainzbach die Grenze bildete. St. Laurentius wurde bei der Gründung des Bistums Seckau 1218 diesem zugeteilt, St. Florian hingegen dem 1225 neu errichteten Bistum Lavant eingegliedert. Dadurch wurde der Stainzbach Diözesangrenze. Um 1500 galt die kirchliche Einteilung: Metropolitansprengel Salzburg, Bistum Seckau, Archidiakonat des Domstiftes Seckau, zuletzt (bis 1783) Archidiakonat Hengsberg. Pfarrkirche war bis 1600 die in diesem Jahr abgebrochene Kirche St. Jakob im Markt Stainz, dann die Kanonikalkirche St. Katharina im Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Patrozinium== &lt;br /&gt;
1249 erklärte Leutold von Wildon, die Stiftung des Klosters zu Ehren der Gottesmutter Maria und der Jungfrau und Märtyrerin Katharina (von Alexandrien) errichtet zu haben. Von Maria als Patronin ist später nicht mehr die Rede. Schon die Bestätigungsurkunde Herzog Friedrichs II. von 1233 spricht nur von der Propstei zu Ehren der hl. Katharina. Ihr soll bereits jene Kapelle geweiht gewesen sein, die sich, als Eigen der Herren von Wildon, angeblich um 1200 an der Stelle des späteren Kloster befunden hat und die 1232 als zur Pfarre St. Stefan in Lemsitz gehörig erwähnt wird. Die hl. Katharina blieb durch alle folgenden Zeiten alleinige Patronin von Kirche und Kloster. Deren historische Persönlichkeit ist zwar nicht fassbar, doch war ihre Verehrung im Mittelalter weit verbreitet, denn sie galt als Fürsprecherin bei Krankheiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte=== &lt;br /&gt;
Stainz ist das dritte Stift, das in der Steiermark für Augustiner-Chorherren gegründet wurde. Ihm gingen die 1140 bzw. 1163 gegründeten Stifte [[Stift Seckau|Seckau]] und [[Stift Vorau|Vorau]] zeitlich voran, zwei weitere - Rottenmann und Pöllau - folgten im 15. Jahrhundert. Während im Früh- und Hochmittelalter die Stifte von fürstlichen oder hoch freien Familien gegründet wurden, ist Stainz bezüglich seines Gründers eine Ausnahme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Stifter war Leutold von Wildon, dessen Geschlecht zu den bedeutendsten landesfürstlichen Ministerialen in der Steiermark zählte. Leutolds Urgroßvater, Richer von Eferding, war ursprünglich hochfrei, 1120 aber schon Ministeriale von Passau. Sein Sohn und Enkel heirateten, ungeachtet ihres Status als Ministerialen der Markgrafen von Steiermark, in die Sippe der Aribonen bzw. der Freien von Gutenberg-Waldstein, sodass zu den Stammlehen, die die Familie in und um die Burg Wildon bereits besaß und wonach sie sich ab 1173 nannte, weitere ausgedehnte Besitzungen kamen, unter denen vor allem die oststeirische Herrschaft Riegersburg zu nennen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während andere bekannte Stifte nur mit einer Gründungssage dienen können, hat Stainz deren drei. Nach der ältesten Legende, die ein Zisterziensermönch des 13./14. Jahrhunderts berichtet, hätte Leutold von Wildon in Regensburg ein Mädchen kennengelernt, aber, als er ihren Namen - Katharina - erfuhr, aus Verehrung der Patronin auf eine Heirat verzichtet. Als er lange Zeit danach an einem Fuß erkrankte, der amputiert werden sollte, sei ihm in der Nacht vor der Operation die hl. Katharina erschienen, die ihn zum Dank für sein Verhalten geheilt habe. Nach der zweiten Gründungslegende stand um 1200 auf dem Hügel, auf dem dann das Stift errichtet wurde, eine Kapelle &amp;quot;St. Katharina in der Birken&amp;quot;, in deren Nähe Leutold unglücklicherweise ein Kind getötet haben soll. Aus Reue habe er später dort ein Kloster gestiftet. Eine dritte Version, 1895 in die Stainzer Pfarrchronik als aus dem Munde der letzten Chorherren gehörte Sage aufgenommen, berichtet, Leutolds Frau Agnes habe nachts im Traum eine Stimme gehört, ihr Mann könne wegen seiner allzu strengen Gerichtsbarkeit und einiger von ihm verübter Ungerechtigkeiten nicht selig werden, wenn er nicht zu &amp;quot;Katharina an der Pirka&amp;quot; eine schöne Kirche baue. Zu jener Zeit sei an der Stelle, an der sich jetzt die Kirche von Stainz erhebe, eine der hl. Katharina geweihte kleine Kapelle gestanden, mitten in einem &amp;quot;anmuthigen Pirkenhaine&amp;quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A. Kogler stellte zwischen der vom Volksmund als &amp;quot;Katharina in der Birken&amp;quot; bezeichneten Kirche und der von Herzog Friedrich II. in seiner Bestätigungsurkunde für Leutolds Gründung 1233 gebrauchten Formulierung,&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;cum Leutoldus de Wildonia ... in honore sancte Catharine virginis preposituram de nouo erexerit apud fluuium Stanz&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; einen Zusammenhang in der Weise her, dass Leutold diese Kirche (Katharina in der Birken) neu herrichtete und durch die Klostergründung von (der Pfarre) St. Stephan loslöste. Doch spricht die Urkunde nicht von einer &amp;quot;ecclesia&amp;quot; sondern nur von einer neu errichteten Propstei. R. Baravalle (1936, 1961) nahm aufgrund der Formulierung &amp;quot;in der Birken &amp;quot; an, dass die Kapelle eine ehemalige Burgkapelle gewesen sein könnte, denn &amp;quot;in der Birken&amp;quot; als Singular sei unsinnig, &amp;quot;in der Pirk&amp;quot;, also in der Burg, hingegen die einzig vernünftige Erklärung und die ethymologische Wandlung von Burg zu Birk längst bekannt und erwiesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser Burg der Wildonier werde aber in den Urkunden Leutolds, die seine Stiftung betreffen, deshalb kein Wort erwähnt, um eventuellen späteren Ansprüchen seiner Verwandten jede Grundlage zu entziehen. R. Pitter wies die Erklärungen Koglers und Baravalles 1936 als sowohl historisch als auch etymologisch unzutreffend zurück. J. Grüblinger konnte sich 1954 Pitters Ansicht nicht anschließen und lehnte - nach H. Pirchegger - die Gleichsetzung des 1177 genannten &amp;quot;predium apud Stawiz&amp;quot; mit St. Georg in Ettendorf (&amp;quot;Eppendorf&amp;quot;) ab. H. Wilfinger plädierte 1979 wieder für eine Hauptburg auf dem Stainzer Schlossberg und der darin befindlichen Burgkapelle St. Katharina, ebenso F. O. Roth. Zuletzt ließ H. Ebner (1981) die Möglichkeit einer abgekommenen Wehranlage an der Stelle des Stiftes wieder offen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Uneinigkeit in dieser Frage hängt mit der heute schlechten urkundlichen Dokumentation der Gründung zusammen, denn etliche Urkunden fehlen, andere werden bei unverdächtigem Inhalt - als Fälschungen verdächtigt. Leutold selbst sagt, er habe die Stiftung zur Sühne seiner und seiner Vorfahren Sünden errichtet, die, bei aller Vorsicht gegenüber dieser auch bei anderen Klosterstiftungen vorkommenden Begründung, so etwas wie ein Motiv anklingen lässt, das auch historisch begründbar ist: Die Wildonier hatten wieder holt kirchlichen Besitz wider alles Recht an sich gerissen oder geschädigt, wie aus der päpstlichen Bulle von 1177 und anderen Urkunden hervorgeht. Dass Leutold mit seiner Frau Agnes von Traberg (Unterdrauburg/ Dravograd) nur zwei Töchter, aber keinen Sohn hatte, mag zum Entschluss für eine Klostergründung sicher mitbestimmend gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er begann also vor 1229 in Stainz mit dem Bau eines Klosters für Augustiner-Chorherren, für das er Mönche aus dem Stift Seckau und Gerold als ersten Propst berief. Erst im Laufe der folgenden Jahre vermochte er es mit jenen Pfarren, Gütern und Einkünften auszustatten, die die Gründungsdotation bildeten. Sollte es je einen Stiftungsbrief für Stainz gegeben haben, so ist er verloren gegangen. Auch ein noch im 19. Jahrhundert bezeugtes Salbuch des Stiftes ist schon lange nicht mehr vorhanden, nur Abschriften davon gibt es. Immerhin ist eine undatierte &amp;quot;cartula&amp;quot; aus der Zeit um 1230 (nach anderen vom Jahre 1240) erhalten. In Form einer Traditionsnotiz, oder besser eines Gedächtnisprotokolls Leutolds, ist sie Ausdruck der Sorge des Stifters um die Ordnung der Besitzverhältnisse seiner Gründung, weil aus Antrieb böser Geister und Schlauheit verschlagener Menschen oft Zwistigkeiten und Betrügereien entspringen, wodurch die Güter der Guten, Gott arglos dargebracht, zerstückelt oder gar zerstört werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb ordnete Leutold mit Zustimmung seines Bruders Ulrich die Beziehungen seiner Untertanen, die auf Klostergrund lebten, zur Kirche der hl. Katharina in Stainz hinsichtlich Kirchgang, Maut, &amp;quot;Vürvanch&amp;quot; und anderer Belange. Er bestimmte, dass die Abgaben an den Kirchweihfesten der Pfarrkirchen St. Stefan in Lemsitz und St. Georg in Ettendorf an den Beauftragten des Stiftes zu entrichten, das Gerichtsgeld (genannt &amp;quot;Vürvanch&amp;quot;) aber dem Propst oder seinem Marktrichter zu leisten seien. 1232 überließ der Salzburger Erzbischof, dessen Zustimmung zur Gründung damit indirekt ausgedrückt wird, Leutold allen Grund der Kirche von Stainz und gab ihm den dafür abgetretenen Ort Gschwend (bei Kumberg) als Lehen wieder zurück. Erst 1245 genehmigte Erzbischof Eberhard II. den Tausch der salzburgischen Pfarre St. Stefan gegen Leutolds Pfarre St. Johann a. d. Feistritz (bei Herberstein), wodurch St. Stefan dem Kloster inkorporiert werden konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1247 schenkte Leutold seiner Gründung noch das Dorf Wald am Stainzbach mit 31 Huben. Zwei weitere Urkunden, die beide dasselbe Datum &amp;quot;Stainz 23. März 1249&amp;quot; (A, B) tragen und von Leutold ausgestellt worden sein sollen, wurden als Fälschungen, aber mit unverdächtigem Inhalt, angesprochen, weil gewisse in ihnen genannte Güter angeblich erst Jahre später an das Kloster gekommen sein sollen. Es handelt sich dabei um die Dörfer Stallhof, Graggerer und Grafendorf bei Stainz. Stallhof und Grafendorf werden in der Bestätigung Papst Bonifaz' VIII. (1294–1303), die nur als Transsumpt von 1473 und ohne Datum erhalten ist, nicht genannt. Es ist daher durchaus wahrscheinlich, dass diese päpstliche Güterbestätigung für Stainz vor dem 30. &lt;br /&gt;
September 1298 ergangen ist, zu welchem Datum Albert von Horneck den Hof Stallhof an Stainz verkaufte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erwähnte päpstliche Bestätigung nennt folgende Güter: Den Ort, wo die Kirche (der hl. Katharina) steht samt Zugehörungen, die Kirche St. Stefan, ein Drittel Zehent mit 53 Hofstätten in der Pfarre St. Stefan, den Markt und den Bach genannt Stainz, das Dorf Graggerer, Weingärten zu &amp;quot;Edelitz&amp;quot; (Edelz bei Stainz?), Sierling, Marhof, Eichegg (alle bei Stainz) und Vochera (bei Bad Gams), Güter in Gersdorf (bei Bad Gams), Rutzendorf, Neudorf (beide GB Stainz), &amp;quot;Reinmonstuel&amp;quot; (abgekommen?), Schwarzenschachen, Gschwend (bei Kumberg), Pichling (bei Stainz) und Maxendorf (bei Kirchbach, Oststmk.). In der Aufzählung fehlt das von Leutold geschenkte Dorf Wald (bei Stainz) und die Pfarrkirche St. Georg in Ettendorf. Mit wenigen Ausnahmen lagen alle genannten Besitzungen in der näheren oder weiteren Umgebung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dotation durch Leutold wird in der Literatur von &amp;quot;dürftig&amp;quot; bis &amp;quot;reichlichst&amp;quot; gewertet, je nachdem, mit welchem anderen Stift im Land man Stainz verglichen hat. Bedeutsam für die junge Gründung war natürlich der Besitz des unter dem Kloster gelegenen Marktes Stainz (1230 forum). Um für ihn einen Marktplatz anlegen zu können, musste auf der rechten Seite des Stainzbaches vom Bistum Lavant - der Bach war die Grenze zwischen den Bistümern Seckau und Lavant - Grund erworben werden, dessen Ausmaße aber nicht allzu groß gewesen sein können. Der erste Propst Gerold soll - nach dem Visitationsprotokoll von 1545 - aus den eigenen Reihen, drei Mönche aber, zur Verrichtung des Gottesdienstes, aus Seckau gekommen sein, das damit für die Neugründung zum Mutterkloster wurde. Der Vorauer Chorherr und Geschichtsschreiber [[Aquilinus Julius Caesar]] wusste 1777 allerdings zu berichten, dass auch Propst Gerold aus Seckau gestammt habe.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Herimannus Schachner ex religiosa palaestra sua Geroldum cum primis sociis exurgenti Canonic Stainzensium Collegia inclyto an. 1229.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Und der Autor fügt hinzu, dass das Stift in diesem oder dem vorangegangenen Jahr gegründet worden sei, wie die ihm zugänglich gemachten Urkunden gezeigt hätten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1233 erhielt die Stiftung die erste landesfürstliche Bestätigung durch Herzog Friedrich II., der gleichzeitig seinen Ministerialen erlaubte, dem Kloster Güter bis zu einem Wert von 10 Mark Friesacher Münze zuzuwenden. Die Urkunde führt die Namen der ersten Konventmitglieder an: Propst Gerold, Dechant Gerung, Kellermeister Herman sowie die Chorherren Johannes, Igno, Heimich der Jud, Richer und Hugo. 1247 bestätigte Bischof Ulrich von Seckau die in seiner Diözese gelegene Stiftung und im darauffolgenden Jahr erfolgte die Konfirmation durch Papst Innozenz IV., jedoch ohne den Besitzstand des Klosters zu nennen. Leutold von Wildon starb am 13. April 1248, nach Kogler aber erst am 29. März 1250. Er erhielt sein Begräbnis in der Stiftskirche, wo 1272 auch seine Witwe Agnes bestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
In den folgenden zwei Jahrhunderten gelang es dem Kloster, seinen Grundbesitz durch zahlreiche Schenkungen, Jahrtags-und Seelgerätstiftungen oder Ankäufe von privater Seite zu vergrößern. Von 1298 bis 1480 lassen sich etwa 80 derartige Erwerbungen nachweisen. 1365 werden im Zuge einer Stiftung die Altäre der hl. Dorothea und des hl. Johannes in der Stiftskirche erwähnt, etwa zur selben Zeit erfährt man von der Existenz des stiftischen Siechenhauses, für das der Pfarrer von St. Stefan ob Stainz dem Kloster einen Weinzehent übertrug, &amp;quot;zu ainen Trost den khrankhen herren&amp;quot;. 1400 errichtete eine fromme Frau einen Jahrtag auf dem St-Magdalena-Altar, und 1429 überließen Dechant und Kapitel dem Propst auf Lebenszeit ein Sechstel ihres Weinzehents zu St. Stefan für die Restaurierung der Kirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Pröpsten des Mittelalters ragt Sighard (1296–1298) hervor, angeblich aus der ritterlichen Familie Lemsitz stammend, die in der näheren Umgebung des Stiftes begütert war. Die Regierung des Propstes [[Peter von Eppendorf]] (1345–1362), der einem zu Ettendorf ansässigen ritterlichen Geschlecht angehörte, bedeutete die Glanzzeit des mittelalterlichen Stiftes. Ende des 14. Jahrhunderts traten im Konvent erste schwere Unstimmigkeiten auf. Ein Teil der Chorherren scheint mit Propst Berthold (1377–1397) unzufrieden gewesen zu sein, weshalb 1398 der Seckauer Bischof die &amp;quot;Stöss, krieg vnd misshelligkeit&amp;quot; zwischen dem neuen Propst [[Konrad Torseuler]] und dem früheren Propst Berthold schlichten musste. Propst Konrad entsagte seiner Würde, wofür er die Pfarre St. Stefan samt den Einkünften erhielt. Neuer Propst wurde der bisherige Pfarrer von St. Stefan, Gebhart, während Bertold die Pfarre &amp;quot;dats sand Joergen zu Stenz&amp;quot; (St. Georg in Ettendorf) erhielt, aber nicht mehr nach der Propstei streben, vielmehr Propst und Kapitel gehorsam sein sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1438 gelangte in [[Sigmund von Lemsitz]] ein sehr um sichtiger Mann zur Regierung des Stiftes. Ihm verlieh Papst Nikolaus IV. am 1. Jänner 1453 das Recht der Pontifikalien sowie die Erlaubnis, in den stiftischen Kirchen Altäre und Paramente zu weihen. Die wirtschaftliche Situation des Klosters hatte sich aber dermaßen verschlechtert, dass sich das Stift in Rom um die Inkorporierung der Pfarren Mooskirchen und Hengsberg bei Wildon bemühte. Da in dieser Zeit fünfmal der Papst wechselte, war dem Ansuchen kein Erfolg beschieden, und die Angelegenheit wurde schließlich vom Stift nicht weiter verfolgt. 1480 brachte ein verheerender Türkeneinfall erstmals den &amp;quot;Erzfeind christlichen Glaubens&amp;quot; in die Weststeiermark und damit auch vor die Mauern des Stiftes. Ob die Türken Stainz geplündert haben, ist fraglich. Schwierig gestaltete sich die Regierungszeit des Propstes [[Johannes Macher]] (1518–1533). Der „Quart&amp;quot; von 1529 fiel ein Viertel des geistlichen Grundbesitzes zum Opfer. Anlässlich der 1528 erfolgten landesfürstlichen Visitation der Klöster und Pfarren in der Steiermark konnte die Visitationskommission über den Propst und die sieben Mitglieder des Kapitels nur lapidar feststellen&amp;lt;ref&amp;gt; &amp;quot;Haben in gelauben und sunst gegeneinander khain beschwär. Innen ist guet ordnung und geystlich leben zu haldten bevolchen.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Als 1532 der schwerste Türkeneinfall in die Steiermark erfolgte, hatte Stainz das Glück, davon nicht berührt zu werden, weil es völlig abseits der Marschroute des Feindes lag, der an Graz vorbei über Leibnitz Richtung Pettau zog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformationszeit=== &lt;br /&gt;
Die folgenden Jahrzehnte brachten das Stift in arge Bedrängnis. Die Gründe dafür sind dieselben wie bei anderen Stiften und Klöstern des Landes. Die Türkenabwehr erforderte größte finanzielle Anstrengungen, die der Landesfürst auch von den geistlichen Grundherrschaften kompromisslos verlangte. 1540 tätigte König Ferdinand I. bei den Stiften des Landes eine Zwangsanleihe, die das reiche Benediktinerstift Admont mit 5.000 Gulden belastete, das &amp;quot;arme&amp;quot; Stift Stainz aber immerhin noch mit 500 Gulden betraf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reformation Martin Luthers, dessen Lehre um die Mitte des 16. Jahrhunderts neben dem Landeshauptmann Hans Ungnad weite Kreise des Adels und Bürgertums, weniger die Bauern, anhingen, wirkte sich in Stainz vorerst noch nicht so dramatisch aus wie in anderen Klöstern der Steiermark. Noch 1545 stellte eine Visitationskommission fest, Propst [[Bernhardin Ambring]] (1533–1553) und die fünf Chorherren &amp;quot;sein einess erbaren geistlichen wandels, gebrauchen sich ihrer regel Augustiner Ordenss, in Habith schwarzer Rökh, darob Sie weiss leynen Sarrokh antragen.&amp;quot; Der Gottesdienst werde nach altem Herkommen Tag und Nacht verrichtet, &amp;quot;nemblich allmorgen ein fruemess und taglich ein Hochambt sambt etlichen gesprochenen messen, auch Prim, Terz, Sechst, Non, Vesper, Complet und Mötten sambt einen Salve, so man all Sambstag und aller Unser Frawen Abendt singet.&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die unter der Herrschaft des Stiftes lebende Bevölkerung war noch ziemlich geschlossen katholisch, denn man zählte damals 1.500 Kommunikanten. Die danach eingetretene Krise des Stiftes war weitgehend durch die Zerrüttung seiner Wirtschaft bedingt. 1556 hatte König Ferdinand abermals eine sehr hohe Summe zur Finanzierung der Türkenabwehr verlangt, wovon Stainz mit 2.000 Gulden betroffen war, die das Stift nicht mehr aufzubringen vermochte, weshalb die Ämter Stallhof und Wald samt Einkünften verpfändet werden mussten. Während die landesfürstliche Klostervisitation von 1575 in Stainz neben fünf Chorherren auch zwei Konkubinen und vier Kinder vorfand, scheinen sich wenigstens die finanziellen und personellen Verhältnisse unter den Pröpsten [[Joharules Buchfink]] (1553–1563) und [[Leonhard Grasmair]] (1563–1585) soweit stabilisiert zu haben, dass 1583 noch die &amp;quot;Bruggenrnühl&amp;quot; im Markt Stainz gebaut werden konnte und Grasmair bei seinem Tode einen Konvent von neun Mitgliedern hinterließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuntius Germanico Malaspina stellte 1581 allerdings fest, dass der Propst - wie alle Chorherren - eine Konkubine hatte, jedoch froh war, sich von ihr trennen zu können, weshalb er im Amt bleiben konnte, während ein Chorherr und ein Pfarrer abgesetzt und eingekerkert wurden. Erst durch die Regierung des gänzlich unfähigen Propstes [[Sebastian Fuchs]] (1585–1596) schlitterte die Kanonie in einen völligen Niedergang, an dem weniger die &amp;quot;lutherische Häresie&amp;quot; als die lockere Lebensführung des Propstes und seine schlampige Wirtschaftsführung schuld waren. Fuchs machte bei anderen Stiften Schulden, die er nicht zurückzahlen konnte und trug dadurch zum finanziellen Ruin des Klosters bei. Der zur Visitation 1586 ins Stift geeilte Grazer Nuntius berichtete Erzherzog Karl, dass der Propst unwissend, bar jeder Kirchen- und Ordenszucht und für kirchliche Ämter ganz unwürdig, ja als Propst, Administrator oder Prokurator des Klosters untauglich sei. Der Nuntius suspendierte den Propst seines Amtes, doch da man einen geeigneten Nachfolger weder unter den Konventualen noch anderwärts fand, blieb Propst Fuchs weiter in Amt und Würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erneuerung unter Propst Rosolenz=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Fuch war es dem Konvent unmöglich, in seinen Reihen einen Nachfolger zu finden. Man wählte daher am 21. Mai 1596 den Pfarrer von Leibnitz [[Jakob Rosolenz]], der bald darauf vom Seckauer Bischof Martin Brenner bestätigt, aber erst nach einjähriger Probezeit im Juni 1597 infuliert wurde, denn er war Weltpriester. Rosolenz stammte aus dem Kurfürstentum Köln, hatte aber an der Grazer Jesuitenuniversität Philosophie und Theologie studiert und sich in der Steiermark zum Priester weihen lassen. Er wurde nicht nur zum großen geistigen und wirtschaftlichen Erneuerer seines Stiftes, sondern ist auch einer der führenden Köpfe der katholischen Gegenreformation in der Steiermark geworden, die er mit Publikationen aus seiner Feder verteidigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1598 visitierte der päpstliche Nuntius in Graz Hieronymus Graf Portia das Stift und erließ Konstitutionen und Dekrete, die als Richtlinien für die Reform durch Rosolenz dienen konnten. Dieser ging aber darüber weit hinaus, sodass sich die Konventualen über die strenge Disziplin beklagten, ohne bei Bischof Brenner etwas zu erreichen. Rosolenz brachte die stiftische Wirtschaft in kürzester Zeit wieder in Ordnung, indem er rigorose Sparmaßnahmen ergriff, Außenstände eintrieb und das Privatvermögen einzelner Chorherren einzog. Mit den erwirtschafteten Mitteln vermehrte er zum einen das Stiftsvermögen durch den Ankauf von Herrschaften, Höfen und Weingärten um ein Vielfaches. Andererseits verwendete er einen großen Teil der Einnahmen für den Umbau der Stiftskirche und Stiftsgebäude, was auf heftigen Widerstand der Chorherren stieß, die sich bei Bischof Brenner über den Propst beschwerten, er habe &amp;quot;vil Kindische Gepey&amp;quot; im Gotteshaus und in der Kirchen errichten lassen. Darüber hinaus unterstützte Rosolenz nicht nur den Landesfürsten, sondern auch die Grazer Jesuitenuniversität und die Jesuiten in Leoben mit namhaften Summen. In Radkersburg baute er sogar ein Kloster für Kapuziner. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Grazer Bistumsplan=== &lt;br /&gt;
Der Plan des Grazer Hofes, die Landeshauptstadt zum Sitz eines zweiten steirischen Bistums zu machen, dazu das Stift als Dotation zu verwenden und Rosolenz als Bischof zu installieren, führte zu einem lang andauernden und bisweilen mit Erbitterung aus getragenen Kampf des Stainzer Kapitels mit Rosolenz und dessen Nachfolger. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bistumsprojekt war am Grazer erzherzoglichen Hof schon länger ventiliert worden und sollte der katholischen Erneuerung in Innerösterreich dienen. 1611 ließ Erzherzog Ferdinand dem Erzbischof von Salzburg seinen Plan der Errichtung eines Bistums mit Sitz in Graz vortragen. Diesem sollte das Stift Stainz inkorporiert und Rosolenz erster Bischof werden. Obwohl Salzburg und der Bischof von Seckau mit der Errichtung des Bistums einverstanden waren und auch die päpstliche Zustimmung nicht ausblieb, hat Rosolenz die Rechnung doch ohne den Wirt gemacht. Denn inzwischen hatte der Inhaber des Seckauer Stuhls gewechselt, und der neue Bischof hatte große Bedenken, dass die von Rosolenz erworbenen Stiftsgüter Stainz entzogen und ohne Einwilligung der Chorherren als Dotation für das Bistum verwendet würden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den größten Widerstand aber leistete der Stainzer Konvent selbst. Er lehnte jede Umwandlung und Entfremdung der Stiftsgüter als dem Willen des Stifters, wie auch dem Gelübde der ''stabilitas loci'' eines Chorherren zuwiderlaufend ab, denn die Verwirklichung des Projektes hätte für die Konventualen die Übersiedelung nach Graz bedeutet. Kaiser Ferdinand II. ließ sich durch diese Schwierigkeiten nicht beirren, und die Verhandlungen gingen allseits weiter. Je mehr Zeit verstrich und je konkreter die Pläne wurden, desto zäher stellte sich das Stainzer Kapitel dagegen. Zuletzt appellierte es in einem Schreiben an den Apostolischen Stuhl, in dem es alle Schuld an den Auseinandersetzungen dem unbeliebten Propst zuschrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber starb Rosolenz 1629. Als Mitglied des Prälatenstandes im steirischen Landtag hat Rosolenz seine Person ganz in den Dienst der Gegenreformation gestellt. Seine politischen Funktionen als Landtagsmitglied, Beauftragter und Verordneter der Landschaft, erzherzoglicher Rat sowie von 1612 bis 1615 als Hofkammerpräsident für Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain und Görz) vervielfachten seinen Einfluss auf das öffentliche Geschehen und bedeuteten eine kaum noch zu überbietende Anerkennung seiner Fähigkeiten und das unbedingte Vertrauen in seine Person durch Erzherzog Ferdinand. Aus diesen Tätigkeiten raffte ihn am 3. März 1629 ein plötzlicher Tod. Bischof Brenner selbst führte die Leiche des Verstorbenen nach Stainz, wo er in der Stiftskirche bestattet wurde. Einen bedeutenderen Propst hat Stainz weder vorher noch nachher gehabt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod von Rosolenz war das Bistumsprojekt aber noch nicht gefallen, der Streit vielmehr prolongiert. Ein päpstliches Dekret verfügte die Übereignung der drei Stiftsherrschaften Horneck, Rohrbach und Ettendorf und von 50.000 Gulden Bargeld an die Mensa des zu errichtenden Bistums, auch gegen den Willen der Kanoniker und des Diözesanbischofs. 1631 wurde der neue Propst Dr. phil. [[Simon Eberhard]] vom Kaiser nach Wien gerufen und zum Bischof von Graz designiert. Als Dechant des Stainzer Kapitels war Eberhard ein entschiedener Gegner des Bistumsplanes gewesen, als designierter Bischof aber nahm er diese Würde ohne Widerstreben an. Ein in Rom geäußerter Einwand, dass dem neuen Bistum die ganze Propstei einverleibt werden müsse und außerdem die Zustimmung des Propstes und des Stiftskapitels erforderlich sei, brachte das Projekt schließlich doch noch zu Fall. Dass diese Ereignisse das Zusammenleben zwischen Propst und Kapitel schwer belasteten und den Frieden im Haus jahrelang nachhaltig störten, war eine nicht zu vermeidende Folge des Streites.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift in der Barockzeit=== &lt;br /&gt;
Von den Pröpsten des 17. Jahrhunderts machte sich [[Georg Seyfried Freiherr Jöchlinger]] (1666–1684) dadurch unsterblich, dass er den Neubau des Stiftes und die Barockisierung der Stiftskirche in Angriff nahm. 1669 wurde das Stift auf sein Ansuchen in die &amp;quot;Lateranensische Kongregation&amp;quot; aufgenommen, sodass sich der Propst als &amp;quot;I. Abbas Lateranensis&amp;quot; bezeichnen konnte. Dies löste sofort Befürchtungen der kirchlichen Behörden aus, das Stift könnte sich der Jurisdiktion des Ordinarius entziehen und als exemt betrachten. Propst Jöchlinger starb 1683 im Grazer Stainzerhof, ihm folgte bis 1704 [[Johann Bernhard Freiherr von Paumgarten]]. Dieser setzte die Ausgestaltung von Kirche und Kloster fort, und 1695 konnte der neue Hochaltar der Stiftskirche geweiht werden. Die Vollendung der Innenausstattung des Gotteshauses fiel bereits in die Zeit seines Nachfolgers [[Christoph Horatius Carminelli]] (1705–1724).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Aufhebung des Stiftes und Versuche zur Wiedererrichtung=== &lt;br /&gt;
Auf Amand Joseph Freiherr von Paumgarten (1724–1748) folgte schon der letzte Propst, [[Johann Anton de Angelis]] (1748–1782). Er hieß eigentlich Engel und war der Sohn eines aus Italien stammenden Leinenwebermeisters im Markt Stainz, der als &amp;quot;Engelwirt&amp;quot; auch ein Gasthaus betrieb und ein Wappen führte. Angelis dürfte der einzige gebürtige Stainzer als Stiftsvorsteher gewesen sein. Unter ihm wurden noch mehrere Seitenaltäre sowie neue Kirchenbänke aufgestellt und die Kanzel errichtet. Nicht nur der disziplinäre Niedergang im Konvent, sondern auch wirtschaftliche Fehlentscheidungen des Propstes und die ersten Anzeichen josephinischer Klosterfeindlichkeit verdüsterten de Angelis' Amtszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schlaganfälle hatten ihn zuletzt fast völlig gelähmt, weshalb 1781 der Dechant die geistliche und weltliche Verwaltung des Stiftes übernahm. De Angelis, posthum als &amp;quot;Engel der Armen&amp;quot; gelobt, starb am 28. Juli 1782, worauf die Wahl eines Nachfolgers behördlicherseits nicht mehr in die Wege geleitet wurde. Das Stift administrierte vorerst der Stiftsdechant, der aber schon nach kurzer Zeit durch einen Chorherrn ersetzt wurde. Führungsqualitäten scheinen beide nicht besessen zu haben, denn die Disziplin im Konvent sank rapide ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb trat im Februar 1785 der Vizedechant [[Georg Anton Beck]] mit dem Titel und der Würde eines Stiftsdechant an die Spitze des Stiftes, konnte aber auch nichts mehr retten. Die Aufhebung von Stainz und Pöllau war schon längst beschlossen, um dem Religionsfonds weitere Geldmittel zuzuführen. Allerdings trug der skandalöse Lebenswandel der letzten Kanoniker viel dazu bei, den Seckauer Ordinarius ebenso wie den Salzburger Erzbischof für die Aufhebung geneigt zu machen, während die staatliche Regierung die rasche Auflösung des Stiftes aus Furcht vor einem weiteren Ruin des Stiftsvermögens betrieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 18. Mai 1785 erschien Kreishauptmann Wolf Graf von Stubenberg in Stainz mit dem Auftrag, das Vermögen zu revidieren, die Stiftsbeamten in Eid und Pflicht zu nehmen, die Chorherren von der Verwaltung zu entfernen und das ganze Stift mit Sequestration zu belegen. Von diesem Tag an erhielt jeder Geistliche 40 Kreuzer, der Dechant 1 Gulden zum täglichen Unterhalt. Nachdem die Vermögensaufnahme abgeschlossen war, wurde den 27 Chorherren am 16. oder 17. August 1785 die Aufhebung des Stiftes verkündet. Mitte Jänner 1786 hatten alle Chorherren das Stift verlassen, mit Ausnahme der in der Pfarre Stainz als Seelsorger tätigen. Damit hörte die Kanonie nach 550 Jahren wechselvoller Geschichte zu existieren auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schätzung des gesamten Stiftsvermögens 1785 ergab den Betrag von 784.385 Gulden 34 Kreuzern. Am wertvollsten waren die Herrschaften und Grundstücke, deren Wert über 690.000 Gulden betrug. Das Stift besaß neben fünf Weingärten bei Stainz weitere 22 Weingärten in der Untersteiermark, wovon die 14 Weingärten bei Marburg allein 38.000 Liter Wein erbrachten. Durch die Aufhebung wurde das ehemalige Stift samt seinen Besitzungen Staatsherrschaft und von Beamten zugunsten des Religionsfonds verwaltet. In der Folge dienten die Stiftsgebäude für Verwaltungszwecke, später als Kaserne, Kriegsgefangenenlager für französische Soldaten und Heereslazarett, wobei die Gebäude zusehends verwahrlosten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1802 trat eine Gruppe von Exchorherren mit einer Eingabe an das Gubernium heran, die den Wunsch nach Wiedererrichtung des Stiftes beinhaltete. Die darüber gepflogenen Erhebungen waren 1807 abgeschlossen und ergaben, dass elf Exkanoniker zur Rückkehr in ihr früheres Stift bereit waren, doch ordnete das Gubernium weitere Untersuchungen an, die im folgenden Jahr mit der Abweisung des Begehrens endeten. F. Röhrig vertrat 1979 die Meinung, dass die Wiedererrichtung des Stiftes hauptsächlich am Fehlen eines Expropstes gescheitert sei, der die Wiedererrichtung mit größerem Rechtstitel und Nachdruck hätte betreiben können. Der Hauptgrund für die definitive Ablehnung war aber doch der, dass bei einer Wiedererrichtung des Stiftes Stainz diesem der Religionsfonds den größten Teil des ehemaligen Vermögens hätte refundieren müssen, was eine Schmälerung der Fondsmittel bedeutet hätte, die der Staat nicht zulassen wollte. Im frühen 19. Jahrhundert wurde die Staatsherrschaft Stainz an einen Privaten veräußert und 1840 gelang es Erzherzog Johann, die ehemaligen Stiftsgebäude samt dem noch vorhandenen Grundbesitz anzukaufen. Seither blieben Schloss und Gut im Besitz seiner Nachkommen, der Grafen von Meran. Überregionale Bedeutung erlangte Stainz in der Gegenwart durch die im Rahmen der &amp;quot;Styriarte&amp;quot; unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt in der Pfarrkirche dargebotenen musikalischen Aufführungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konföderationen==&lt;br /&gt;
Schon früh hat sich Stainz mit anderen Klöstern gebetsverbrüdert: 1296 (nach einer anderen Quelle erst 1311) mit dem Mutterkloster Seckau, 1319 mit Rein (erneuert 1407), 1328 mit Eberndorf und 1366 mit dem Domstift Gurk. 1382 verpflichtete sich Stainz gegenüber Vorau, das in Vorau besonders gefeierte Fest des hl. Eustachius auch in Stainz zu begehen, während Vorau die Oktav der hl. Katharina besonders feiern wollte. Die eigentliche Konföderierung mit Vorau datiert aber erst von 1495, vom selben Jahr auch die Konfraternität mit Admont. Propst Jöchlinger bekannte 1675, mit zahlreichen Klöstern in der Steiermark, Kärnten, Tirol (Neustift 1467), Ober -und Niederösterreich (Herzogenburg 1401) sowie in Bayern gebetsverbrüdert zu sein. Die alte Konfraternität mit Klosterneuburg wurde 1739 erneuert.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Schule==&lt;br /&gt;
In Stainz wurde bereits im Zuge der Gründung eine Knabenschule eröffnet, wohl um den Klosternachwuchs sicherzustellen. 1247 wird ein Wildung ''scolaris'', also Schulmeister, urkundlich genannt. Interessant ist die Urkunde von 1352, mit der Otto und Diemut Vreynberger zum Dank für die liebevolle Erziehung, den vorzüglichen Unterricht und die väterliche Behandlung ihres Sohnes, die zehn Jahre gedauert hatte, dem Propst etliche Güter widmeten. 1755 wurde an allen nicht verhinderten Sonntägen durch einen Chorherrn im Beisein des Schulmeisters den Schulkindern und auch einigen Erwachsenen von der Kanzel die gewöhnliche christliche Lehr gehalten. Einen Schulmeister gab es auch in St. Stephan ob Stainz.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Karitative Tätigkeit== &lt;br /&gt;
1271 wird ein ''hospitalarius'' der hl. Katharina in Stainz erwähnt, dem der Vizedom von Leibnitz die Einkünfte von 18 Mark jährlich zur Verwendung zuwies. 1363 stiftete der Pfarrer Martin von St. Stephan dem Kloster einen Weingarten, dessen Ertrag u.a. dem Konvent-Krankenhaus dienen sollte. 1365 werden in einer Urkunde der Kuster, das Siechenhaus und die &amp;quot;sichen herren&amp;quot; erwähnt. Das Siechenhaus wurde noch 1438 von Propst Sigmund bestiftet. Auch der Armen hat man in Stainz nicht vergessen. Das Visitationsprotokoll von 1545 sagt, dass man vor Jahren jedem armen Menschen ein &amp;quot;mäßl Wein, ein laibel Brot&amp;quot; und einen Pfennig gegeben habe. Da aber so viele Arme gekommen seien, habe man sich diese Großzügigkeit nicht mehr leisten können , weshalb diese Spende jetzt nur noch an die Hausarmen, und zwar jeden Freitag, verteilt werde.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der Stifter des Klosters, Leutold von Wildon, war als Angehöriger eines im Lande hochangesehenen und vermögenden Geschlechtes durchaus in der Lage, ein Stift zu gründen und zu dotieren. 1249 nannte er folgende, von ihm selbst getätigte Schenkungen an seine Gründung: den Baugrund der Kirche, den Markt Stainz mit seinen Gründen, Äckern, Wiesen und Wäldern, die Dörfer Grafendorf und Graggerer bei Stainz, Höfe in Stallhof und Gschwendt, Huben in Schwarzenschachen und Herbersdorf und das Fischrecht im Stainzbach. Dem Salzburger Erzbischof hatte er sein Patronatsrecht über die Pfarre St. Johann in Feistritz abgetreten, damit dieser dem Stift die Mutterpfarre St. Stefan bei Stainz überlasse. Ebenso gehörte die Pfarre St. Georgen bei Ettendorf zum Stiftungsgut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich ist auch die Verfügung Leutolds, mit der er kurz vor seinem Tod dem Propst die Gerichtsbarkeit über seine und seines Bruders Ulrich Vasallen übertrug, unter diesem Aspekt zu sehen. Trotzdem wird die Dotierung durch Leutold als bescheiden bezeichnet. In der Folge kamen zwar viele Besitzungen unter verschiedensten Rechtstiteln an das Stift, zumeist in der näheren oder weiteren Umgebung gelegene Höfe, Hofstätten, Huben, Wiesen, Äcker, Weingärten, Wälder und Zehente, doch es waren meist kleine, verstreute Stücke, von denen einige noch dazu mit Seelgerätstiftungen zu Altären in der Stiftskirche belastet waren. Wirklich große Schenkungen durch die Landesfürsten, den Hochadel oder einzelne Bischöfe, wie sie andere Klöster erfahren durften, waren bei Stainz die Ausnahme, weshalb das Stift lange Zeit das kleine Kloster von Stainz blieb, wie es in einer Urkunde von 1328 heißt. Unter den namhaften Güterspenden sind die Seelgerätstiftung des Bischofs Friedrich von Seckau von 1309 über eine Mark Gülten für ein Ewiges Licht und 30 Messen, die Abtretung des Eigentumsrechtes am Schwaighof zu Ettendorf durch den Graf von Pfannberg 1323 und die Seelgerätstiftung des Pfarrers Heinrich von St. Peter im Sulmtal von 1365 hervorzuheben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint, dass die Lasten aus diesen Stiftungen für die Kanonie mitunter größer waren als der wirtschaftliche Nutzen davon. Unter Propst Wildung (1285–1296) wurde in der Steiermark der auf dem 14. allgemeinen Konzil von Lyon (1274) beschlossene Kreuzzugszehent gesammelt, der aus einem sechsjährigen Zehent aller geistlichen Einkünfte bestand. Die Kirche von Stainz und ihre Filialen St. Stefan, St. Georg in Ettendorf und die Laienkirche St. Jakob im Ort Stainz, mussten dafür ungefähr 20 1/2 Mark Grazer Münze aufbringen. Die angespannte Lage des Stiftes während des ganzen Mittelalters vermochte die Marktfreiheit des Ortes Stainz, die dieser seit der Zeit der Gründung besaß, nur wenig zu lindern. Herzog Albrecht III. räumte 1372 dem Markt Stainz dieselben Rechte ein, wie sie die landesfürstlichen Städte besaßen, worunter die Abhaltung von Märkten verstanden wurde. 1443 bestimmte Friedrich III. den Sonntag nach Pfingsten als weiteren Markttag für Stainz. Das Privileg erlaubte jedermann, 14 Tage vorher und 14 Tage nachher freien Handel zu treiben, was der ganzen Region und letztlich auch dem Stift wirtschaftlich zugute kam, die Situation des Klosters aber trotzdem nicht entscheidend verbessern konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Sigmund von Lemsitz]] (1438–1461) sah sich angeblich außerstande, mit den geringen Einkünften 50 Personen versorgen zu können, worunter neben den Konventualen auch die Stiftsangestellten zu verstehen sind. Sein Nachfolger war sogar gezwungen, einige Stiftsgüter zu veräußern. Das Stift bemühte sich daher in Rom um die Inkorporierung der reichen Pfarren Mooskirchen und Hengsberg. Obwohl Kaiser Friedrich III. und König Maximilian I. sich sehr für Stainz und sein Anliegen einsetzten und mehrere Päpste hintereinander damit befasst waren, 1489 sogar eine Bulle Innozenz' VIII. mit der Verfügung der Inkorporation erging, wurde diese dennoch nicht durchgeführt. Das Rennen machte zuletzt das Bistum Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem schon König Maximilian I. allen Klosterbesitz zu seinem Kammergut erklärt hatte, scheute sich König Ferdinand I. nicht, den Klöstern und der Pfarrgeistlichkeit über Jahrzehnte hinweg schwere Finanzlasten zur Bekämpfung der Türken aufzubürden. Infolge der &amp;quot;Quart&amp;quot; verlor Stainz 1530 das &amp;quot;Rainbach-Amt &amp;quot; in der Gemeinde Sierling (26 Untertanen mit ihren Gütern) und Grafendorf an kauflustige Adelige, ein wirtschaftlicher Schock für das wenig begüterte Stift, auch wenn Grafendorf 1553 wieder zurückgelöst werden konnte. 1537 nahm der König bei der Geistlichkeit ein Darlehen auf, wozu der Erzbischof von Salzburg in zwei Raten 6.000 Gulden, Admont 600 Gulden, Seckau 500 Gulden, St. Lambrecht 400 Gulden und das kleine Stainz 100 Gulden zahlte. Zwei Jahre später streckte Stainz wieder 100 Gulden vor, es folgte ein Zwangsdarlehen bei der innerösterreichischen Geistlichkeit, von dem Stainz mit 500 Gulden betroffen war. Schon diese Summen konnten offenbar nur durch Anleihen bei reichen Adeligen der Umgebung aufgebracht werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Ungunst der Zeit sank die Gült des Stiftes von 567 auf 428 und zuletzt auf 403 Pfund, wie die Gültschätzung des Jahres 1542 ergab. Außerdem hatte Stainz vier gerüstete Pferde für das Landesaufgebot gegen die Türken zu stellen, ebensoviel wie der Ritter Falbenhaupt, während Admont 35 gerüstete Pferde stellte. Eine weitere Forderung des Königs 1556 über 50.000 Gulden, für die die Kirche alle Güter zum Pfand setzen und Stainz 2.000 Gulden beitragen sollte, vermochte das Stift, nach Erschöpfung der Barmittel, nur durch die Verpfändung zweier Ämter an Sigmund von Wildenslein aufzubringen. Die elfjährige Regierung des Propstes Sebastian Fuchs (1585–1596) bedeutete einen Tiefststand in der wirtschaftlichen Gebarung des Stiftes. Umso deutlicher fiel der Aufstieg des Klosters zur wohlhabenden Grundherrschaft und einem der reichsten Klöster des Landes unter Propst Jakob Rosolenz (1596–1629) aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosolenz muss ein Finanzgenie gewesen sein. Seine ausgezeichneten Beziehungen zu den Seckauer Bischöfen [[Martin Brenner]] und [[Jakob Eberlein]] wie zum Landesherrn Erzherzog Ferdinand, dem späteren Kaiser Ferdinand II., dürften ihn in die Lage versetzt haben, aus seiner politischen Stellung im Hof-und Landesdienst Kapital für das herunter gewirtschaftete Stift zu schlagen. Dieser Propst hat das Stift bereichert wie keiner seiner Vorgänger. Hatte er zu Beginn seiner Regierung noch das Amt Rottenmann in der Obersteiermark veräußern müssen, kaufte er schon 1602 die Herrschaft Rohrbach (heute St. Josef) und 1604 den Edelsitz Lichtenberg, auch Stainzhofen genannt. 1612 schenkte ihm der Erzherzog den ihm gehörenden &amp;quot;Haimberhof&amp;quot; in der Stadt Graz, der zum Stadthaus des Stiftes wurde und seither &amp;quot;Stainzerhof&amp;quot; hieß. 1613 erhielt der Propst für ein Darlehen von 40.000 Gulden die Herrschaft Pettau/ Ptuj zum Pfand, 1614 wurden der Edelsitz Ettendorf, im Jahr darauf etliche Weingärten vom Freiherrn von Herberstein käuflich erworben, und 1620 schließlich kaufte Rosolenz die Herrschaft Horneck in der Südweststeiermark. Die Stiftskirche hat er im Stil der Renaissance erneuert, wovon heute fast nichts mehr zu sehen ist. Daneben hat er viel gebaut und sogar noch andere Ordensgemeinschaften und Institutionen finanziell großzügigst unterstützt. Das Geld scheint ihm nie ausgegangen zu sein, denn bei seinem Tode hinterließ er seinem Nachfolger nicht nur eine blühende Wirtschaft, sondern auch 50.000 Gulden in bar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Simon Eberhard]] (1629–1649) konnte mit den vorhandenen Geldern die Güterkäufe noch einige Jahre fortsetzen. Zu diesen Erwerbungen gehörten auch Herrschaften, die Adelige nur deshalb verkauften, weil sie als Evangelische das Land verlassen mussten: 1629 Schloss und Herrschaft Leonrod als Lehen des Stiftes St. Lambrecht, im Jahr darauf die Herrschaft Vasoldsberg, die nur vier Jahre beim Stift blieb, 1634 Schloss und Herrschaft Lankowitz und zuletzt 1648 die kleine Herrschaft Herbersdorf. Dann erfolgten keine größeren Erwerbungen mehr. Alle genannten Herrschaften, mit Ausnahme des wieder abgestoßenen Vasoldsberg, blieben bis zur Aufhebung in Stiftsbesitz. Dementsprechend betrug 1640 die Gült des Klosters 1.392 Pfund. Die Einkünfte daraus ermöglichten es den Pröpsten des 17. und 18. Jahrhunderts, Stainz in barocker Pracht erstehen zu lassen. Dies geschah mitunter auf Kosten der Untertanen, von denen das Stift zeitweise erhöhte Robot und Abgaben verlangte. 1768 reichten die Bauern ihre neun Punkte umfassenden Beschwerden direkt bei Hofe ein, wo ihnen teilweise recht gegeben wurde, während die Grazer Kreisamtsbehörde als Erstinstanz den Beschwerdeführern strengstens untersagte, sich nochmals direkt nach Wien zu wenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits verschuldete sich das Kloster im 18. Jahrhundert wieder. Verschiedene Gründe können dafür genannt werden. Die Stiftsherrschaften warfen keine Gewinne mehr ab, da ihre Bewirtschaftung durch Beamte teuer war, weshalb zuerst Kanoniker die Wirtschaft führten, bis man die Herrschaften verpachtete. Als schwerer Fehler des Propstes de Angelis erwies sich die Gewährung eines unbesicherten Darlehens an den Grafen von Plettenberg in Wien, das über 43.000 Gulden betrug, die das Stift wegen des Konkurses des Grafen nur zum kleineren Teil zurückerhielt. Außerdem war der Aufwand für Propst und Kanoniker sowie andere Ausgaben viel zu hoch. Nach dem Tod des letzten Propstes tat sich der Inventurskommissär mit der Vermögensaufnahme des Stiftes sehr schwer, da der Stiftsanwalt dazu unbrauchbar, der Hofmeister - ein Kanoniker - verreist und auch keine ordentliche Kanzlei oder Registratur vorhanden war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Aktivstand ergab über 450.000, die Passiva dagegen betrugen schon mehr als 253.000 Gulden. Der jährliche Ertrag des stiftischen Gesamtvermögens belief sich auf fast 7.900 Gulden und sollte nach Meinung des Kommissärs nicht nur ausreichen, Propst und Kapitel zu erhalten, sondern auch die Schulden allmählich zu tilgen und einige Rücklagen zu bilden. Die genannten Zahlen sind aber teilweise zu niedrig angesetzt. Die Aufhebungskommission fand Stainz als reiches Stift vor. Allein die Herrschaften Horneck, Rohrbach (St. Josef), Lankowitz und Herbersdorf samt liegenden Gütern wurden auf über 690.000 Gulden geschätzt, der Grazer Stainzerhof, renovierungsbedürftig, war 5.000 Gulden wert, genau so viel wie alle Stiftsgebäude. Dazu kamen Weingärten in Radkersburg, Marburg/ Maribor und Luttenberg/ Ljutomer, Untertanenausstände, Bargeld, Silber, Preziosen, etc. Die Aktiva betrugen über 784.000 Gulden, die Passiva 74.600 Gulden. Das Reinvermögen belief sich daher auf fast 710.000 Gulden und der jährliche Ertrag der liegenden Güter auf 27.557 Gulden, womit sich Stainz als großer Gewinn für den Religionsfonds erwies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Stift Stainz war, zumindest anfangs, gleichsam das &amp;quot;Familienkloster&amp;quot; der Wildonier. Da der Stifter keine Söhne hinterließ, nahm sich nach dem Tode Leutolds dessen Bruder, Ulrich von Wildon, der Stiftung an, deren Errichtung er seinerzeit zugestimmt hatte. Leutold bemühte sich noch zu Lebzeiten erfolgreich, seine Gründung durch die landesfürstliche und kirchliche Obrigkeit absichern zu lassen, indem er 1233 die Bestätigung durch Herzog Friedrich II., 1247 die des Seckauer Bischofs und 1249 die Papst Innozenz IV. erreichen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Genehmigung des Salzburger Erzbischofs setzt der 1232 erfolgte Eintausch des Salzburg gehörenden Baugrundes, auf dem die Katharinenkirche des Klosters gerade errichtet worden war, voraus. Nach der ersten Urkunde vom 23. März 1249, die angeblich gefälscht ist und von Pitter nach 1343 angesetzt wird, hat Leutold von Wildon dem Kloster das Privileg der Vogtfreiheit und Immunität gewährt, wozu wohl die Erlaubnis des Landesfürsten Voraussetzung war. Später erfolgten zahlreiche weitere Bestätigungen der Stiftsprivilegien, so z.B. durch Herzog Stephan von Slawonien, Statthalter König Belas IV. von Ungarn in der Steiermark (1257), König Ottokar von Böhmen (1276), König Rudolf (1277) und andere habsburgische Landesfürsten. Von diesen waren jene des Herzogs Stephan und König Ottokars von größerer Bedeutung, denn ersterer bestätigte die Vogtfreiheit und Exemtion des Stiftes und Marktes, während der böhmische König erklärte, auf freiwilliges Verlangen des Konventes den Landeshauptmann von Steiermark als Vogt für das Kloster bestellen zu wollen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die landesfürstliche Privilegienbestätigung 1356 erklärte das Kloster als unmittelbar unter des Kaisers und Reiches Schutz stehend. Vogt des Klosters war dessen Diözese das Kloster lag. Konfirmationsurkunden der Bischöfe von Seckau sind aber erst von 1494 und 1518 erhalten. Die freie Propstwahl wurde dem Stainzer Kapitel 1268 vom Bischof von Lavant ausdrücklich bestätigt. Papst Bonifaz VIII. (1294–1303) sicherte dieses Recht dem Stift neuerlich zu, unter gleichzeitiger Bestätigung des Besitzstandes. 1455 behielt sich Papst Nikolaus V. die Besetzung mehrer Abteien und Propsteien in Steiermark und Kärnten vor, darunter auch Stainz, allerdings nach den Vorschlägen des Kaisers, was gegen das freie Wahlrecht des Kapitels verstieß. Später hat das Kloster das Wahl- bzw. Postulationsrecht des Propstes stets wahren können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist als Glücksfall zu betrachten, dass die in Stainz zuletzt benützte Wahlurne von ca. 1700 erhalten geblieben ist. R. Pitter übergab sie 1935 dem Diözesanmuseum Graz. Sie ist aus Buchenholz, hat die Form eines Speisekelches und ist schwarz poliert. Aus den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts gibt es wiederholt Nachrichten über die Funktion des Propstes als Kommisär Salzburgs bei der Einführung neuer Pfarrer in ihre Pfarren. 1480 wird Propst Augustin anlässlich einer solchen Einsetzung sogar als Archidiakon von Ober- und Untersteiermark bezeichnet. Das Recht der Pontifikalien wurde dem Stainzer Propst 1453 von Papst Nikolaus V. erteilt. Das Privileg gestattete dem Propst auch, Altäre und Paramente in den eigenen Kirchen zu weihen. Als Vertreter des geistlichen Großgrundbesitzes gehörten die Pröpste zum Prälatenstand der steirischen Stände und übten als seine Mitglieder wiederholt öffentliche Funktionen aus. Schon für Mitte Februar 1457 ist die Teilnahme des Stainzer Propstes am Landtag verbürgt. Rosolenz war 1628 als erster Stainzer Prälat Mitglied des Verordnetenkollegiums des Landtages. Nach ihm auch die Pröpste Johann Bernhard und Christoph Horatius. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Auszeichnung für die Stiftsvorstände bedeutete ihre Ernennung zum landesfürstlichen Rat, welche Ehre zuerst Propst Rosolenz als Günstling Erzherzog Ferdinands zuteil wurde, später trugen die Pröpste Jöchlinger, beide Paumgarten und Carminelli den Titel &amp;quot;kaiserlicher Rat&amp;quot;. Propst Johann Bernhard von Paumgarten und seine beiden Nachfolger nannten sich zudem lateranensische Äbte, weshalb Stainz auch als Abtei bezeichnet wurde. Der Chorherr [[Joseph Maria Kreuzer]] erlangte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sogar die Würde eines Apostolischen Protonotars, die auch einer der letzten Chorherren bekleidete. Der Ort Stainz, 1230 Markt genannt, hatte schon zu diesem Zeitpunkt auch einen Marktrichter, der 1245 namentlich genannt wird. 1249 trat Leutold von Wildon mit dem Markt auch das Recht der Gerichtsausübung an das neugegründete Stift ab. Die Bestellung des Marktrichters erfolgte jedoch auf Grund freier Wahl, der Propst hatte nur ein beschränktes Mitspracherecht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aus der Zeit des Propstes [[Leonhard Grasmayr]] stammende Stainzer Marktrichterstab ist noch heute vorhanden. Die bisherige Forschung war sich nicht im klaren, ob das Stift bei seiner Gründung auch die hohe Gerichtsbarkeit über den Marktbereich erlangt habe. Denn 1597 wird von einem Landgericht und Burgfried des Marktes Stainz gesprochen, der sich etwa eine Quadratmeile ausdehnte. Der flächenmäßig viel ausgedehntere Burgfried des Stiftes hin gegen unter stand dem Landgericht Wildon, an das Schwerverbrecher nur mit dem Gürtel umfangen ausgeliefert wer den mussten, während leichtere Vergehen in Stainz abgeurteilt werden konnten. Der schon lange erhobenen Forderung der Stainzer Bürger nach Rückgabe der Gerichtsbarkeit entsprach Propst Rosolenz 1597 dadurch, dass der Stainzer Marktburgfried die Landgerichtsfreiheit haben sollte, das Stift sich aber im Marktburgfried und im Stiftsburgfried des eigenen Landgerichtes zu betragen habe. Es war also eine Delegation des Landgerichtes, das eigentlich dem Kloster als Herrn des Markt es zustand. 1694 und 1760 wurden in Stainz zwei Hinrichtungen mit dem Schwert vorgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Persönliche Zusammensetzung und zahlenmäßige Stärke eines Klosterkonventes sind Kriterien seines Gedeihens. 1332 bestand der Konvent aus dem Propst und vier Chorherren. Mitglieder des niederen Adels und wahrscheinlich auch des Bürgertums füllten damals die Reihen der Chorherren. 1358 befand sich ein Sohn des Ulrich Hagen im Kloster, 1334 werden Friedrich und [[Ulrich die Winterhofer]], 1371 [[Gottschalk der Chröczer]] als Mitglieder des Konventes genannt. Zahlreiche Stainzer Chorherren erscheinen in den Weiheregistem der Seckauer Bischöfe von 1425 bis 1507. Bis in das 17. Jahrhundert dürfte die Anzahl der Konventualen nie über zehn hinausgekommen sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die landesfürstliche Visitation 1528 fand im Stift außer dem Propst sieben Chorherren, die friedlich zusammenlebten. Auch 1545 waren Propst und Konvent &amp;quot;aineß erbaren geistlichen wandelß und wesenß&amp;quot;, lebten nach der Regel und trugen ihre schwarzen Röcke mit dem &amp;quot;weißleynen sarrokh&amp;quot; darüber. 1553 wählten fünf Chorherren, von denen einer des Schreibens unkundig war, den neuen Propst. Einige Jahrzehnte später hatte sich die Situation insofern verändert, als neben fünf Mönchen auch zwei Konkubinen und vier Kinder im Stift lebten. Das war zur Zeit der Hochblüte des Protestantismus in der Steiermark. Alle Konventualen dieser Zeit waren bürgerlicher Herkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem allgemeinen Tiefstand Ende des 16. Jahrhunderts erholte sich unter Propst Rosolenz das Stift in jeder Hinsicht ungemein rasch. 1601 schrieb Nuntius Portia den Chorherrenstiften der Steiermark ein einheitliches Ordenskleid vor, denn er hatte bemerkt, dass dieses nach Farbe und Schnitt verschieden war. Kurz bevor Rosolenz starb, lebten außer ihm bereits wieder zehn Kanoniker im Kloster, die aus der Mark Brandenburg, aus Köln, aus Linz sowie aus Krems in Niederösterreich stammten. Die Zahl der Kanoniker stieg in der Folge aber nur langsam, wenn auch stetig an. Noch 1639 betrug sie nur 13, und alle Chorherren waren bürgerlichen Standes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1666 wählten 14 Priester, zwei Diakone und ein Subdiakon den neuen Propst. Dessen Nachfolger, [[Johann Bernhard von Paumgarten]], hatte sich in den letzten Jahren seiner Regierung mit den Exzessen zweier Konventualen zu befassen, die er eigentlich wegen Untauglichkeit zum Klosterleben hätte entlassen müssen. Der eine hatte das Siegel des Propstes gefälscht und damit in Graz 2.300 Gulden ergaunert, war dann auf der Flucht gefasst und vom Stift interniert worden. Der andere hatte homophile Neigungen, denen zahlreiche junge Männer zum Opfer fielen. Er wurde im stiftischen Schloss Lankowitz eingesperrt, setzte aber auch dort sein Treiben fort. Er dürfte in der Haft gestorben sein. Schließlich verfiel der Propst selbst der Suspendierung durch den Bischof von Seckau aus Gründen der Insubordination, doch scheint diese nicht strikt exekutiert worden zu sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man 1705 zur Wahl eines neuen Propstes schritt, befand sich der Konvent in einem personellen Höchststand: Der Dechant war 40 Jahre alt und stammte aus Graz. Weitere 19 Chorherren waren Priester und alle, bis auf drei, zwischen 25 und 44 Jahre alt. Zwei Herren waren noch Diakone, einer erst Subdiakon. Dazu kam der in Lankowitz inhaftierte Chorherr, der sein Stimmrecht verloren hatte. Neun Chorherren waren von Adel, der Rest der Konventualen gutbürgerlicher Herkunft, aus dem Bauernstand stammte keiner. Elf Konventualen nannten Graz als Heimatstadt, acht kamen aus der Steiermark, jedoch keiner aus Stainz selbst, der Rest nannte Kärnten, Salzburg, Wien, Niederösterreich und Böhmen als Heimat. Das Durchschnittsalter der 24 Chorherren betrug 37 Jahre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert traten wiederholt Mitglieder landständischer Familien in das Stift ein. Darunter [[Leopold Wilhelm Graf Galler]] von Schloss Lannach, ein Graf Saurau, zwei Freiherren Jöchlinger, der eine, Georg Seyfried, wurde Propst, der andere war dessen Neffe, zwei Freiherren von Paumgarten, die beide zur Propstwürde kamen, zwei Brüder Freiherren Ottenfels aus Kärnten, ein Graf Morelli aus Graz sowie mehrere Angehörige des niederen steirischen (Beamten-) Adels. 1775 starb im Chor bei der Komplet, vom Schlag getroffen, [[Maria Karl Graf von Hainrichsperg]], letzter hochadeliger Chorherr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klagen über die damals ziemlich gesunkene Disziplin der meisten Konventualen drangen nicht nur dem Ordinarius zu Ohren, auch die staatlichen Regierungsbehörden waren hellhörig geworden. Manche Chorherren unternahmen in Begleitung von Damen aus Stainz Fahrten im Wagen oder Schlitten auf die Stiftsherrschaften und bis nach Marburg/ Maribor, besuchten Faschingveranstaltungen, frequentierten in Stainz und Graz Gasthäuser und kamen oft erst spät in der Nacht oder tagelang überhaupt nicht ins Stift. Die Konventualen trugen bis auf einen keinen Habit mehr. Trotz vieler Priester wurden an den Sonn- und Feiertagen so wenig Messen in der Stiftskirche gelesen, dass sich die Bürger von Stainz darüber beschwerten. Propst de Angelis konnte diesem Sittenverfall, trotz häufiger Ermahnungen an die Konventualen und wiederholter bischöflicher Visitationen, nicht mehr wehren, denn seine guten Absichten wurden vom Dechant durchkreuzt. Aus diesen Gründen war sowohl der Bischof von Seckau wie auch die Regierung der Ansicht, dass es besser sei, Stainz aufzuheben. Das Stift ist also auch an der Dekadenz seiner eigenen Mitglieder zugrunde gegangen. Am Tage der Aufhebung befanden sich 24 Chorherren im Stift, die bis auf drei bürgerlicher Herkunft waren und fast alle aus der Steiermark stammten. Jene, die körperlich in der Lage waren, wurden zur Ausübung der Seelsorge im Bereich des Bistums Seckau verpflichtet, unter Androhung des Verlustes ihrer staatlichen Pension im Weigerungsfalle. Als einziger von ihnen machte [[Ludwig Maximilian von Jacomini]] eine kirchliche Karriere, er wurde Domherr des Seckauer Kapitels in Graz, 1816 sogar Dompropst und saß in dieser Eigenschaft als Repräsentant des Domkapitels im Landtag. Der letzte Stainzer Exchorherr starb 1831 in Graz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Propst Johann Bernhard von Paumgarten hinterließ bei seinem Tod 1704 auch eine Bibliothek, die auf zwölf Stellagen untergebracht war. 1782 zählte man 2.520 Bände, unter denen sich die meisten &amp;quot;Hl. Vätter&amp;quot; vorfanden, aber auch die &amp;quot;Acta sanctorum&amp;quot; des Johannes Bollandus. Drei Jahre später, bei der Aufhebung, wurde festgestellt, dass sich die Bibliothek in gänzlicher Unordnung befand und kein Katalog der Bestände vorhanden war, nur ein unverlässliches Repertorium. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb konnten die Bücher auch nicht einzeln aufgenommen werden, doch gab es Werke verschiedener Disziplinen (Theologie, Jus, Geschichte etc.). Zusätzlich standen bei den Büchern noch zwei Globen. Der vernachlässigte Zustand der Bibliothek wird auf den Lebensstil der letzten Chorherren zurückgeführt, die für wissenschaftliche Betätigung wenig Interesse zeigten. Das Stift muss als Gründung des frühen 13. Jahrhunderts sicher zahlreiche Handschriften besessen haben, von denen nur ein kleiner Rest erhalten ist. Die Grazer Universitätsbibliothek besitzt fünf Handschriften aus Stainz. Eine Bibelhandschrift aus dem 13. Jahrhundert zeichnet sich durch die Qualität des Pergaments und die schöne Schrift aus. Das interessanteste Stück ist jedoch ein ''Antiphonarium Salisburgense'' vom Ende des 15. Jahrhunderts (Hs. 2 der UB Graz), das wegen seiner Größe (55 x 38 cm), seines Einbandes (brauner Lederband mit Blindpressung und Messingbeschlägen) und Buchmalerei auffällt. Es trägt auf Blatt 1 die Darstellung des hl. Augustinus und der hl. Katharina zwischen zwei Chorherren in der Tracht des 15. Jahrhunderts. Bei der Aufhebung wurden im Zimmer Nr. 35 des Stiftes neben altem Holz Graffelwerch auch alte Bücher gefunden, die nur zu verbrennen gehören. Ähnlich rigoros entschied man über die Correspondenz, wodurch viel Archivalisches zugrunde ging. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bücher der Bibliothek, die Manuskripte, das (restliche) Archiv und die mathematischen Instrumente wurden 1803 der k. k. öffentlichen Bibliothek in Graz übergeben. Außer den fünf Handschriften befinden sich heute auch viele Bücher in der Grazer Universitätsbibliothek. Letztere tragen am Rücken Schildchen mit Nummern, deren höchste Zahl 3.054 ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Pfarrkirche Stainz=== &lt;br /&gt;
Über die von einigen Forschern angenommene Existenz einer ersten Kapelle zur hl. Katharina &amp;quot;in der Birken&amp;quot; vor der Gründung des Stiftes wurde schon früher gesprochen. R. Kohlbach vermutete, diese &amp;quot;Urkapelle&amp;quot; sei in ihren Grundmauern noch in einem Nebenraum des Presbyteriums der heutigen Kirche vorhanden. 1978/79 im Erdgeschoss des Nordturmes durchgeführte Restaurierungsarbeiten haben an dessen nordöstlicher Innenwand ein steingemauertes Spitzbogenportal freigelegt, das vielleicht mit der von Kohlbach an dieser Stelle vermuteten gotischen (!) Katharinenkapelle in Beziehung gebracht werden könnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wann die erste Kanonikalkirche fertiggestellt war, ist schwer zu sagen. 1232 (nicht wie behauptet 1244) wurde dem Leutold von Wildon vom Salzburger Erzbischof aller Grund und Boden um die Kirche der hl. Katharina in Stainz überlassen, womit die Existenz des Gotteshauses eigentlich feststeht. Seine Errichtung bzw. Fertigstellung hat wohl etliche Jahre gedauert, der Zeitraum dafür wird mit 1230 / 50 angegeben. Die ehemals romanische und geostete Kirche ist durch spätere Umbauten nur noch gebrochen erkennbar. Sie wurde in enger stilistischer Anlehnung an das Mutterkloster Seckau errichtet. Es wird in diesem Zusammenhang von &amp;quot;sächsischen&amp;quot; Bauformen gesprochen, die durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg in seiner Diözese verbreitet worden seien. Analog der Seckauer Maßverhältnisse wurde die romanische Kirche von Stainz rekonstruiert: An das westliche Turmpaar mit der dazwischen gelegenen Vorhalle schlossen sich sechs Langhausjoche und zwei Chorjoche mit den angefügten Apsiden an. Damit ergibt sich die Länge der romanischen Kirche, ihre Breite stand mit den beiden Westtürmen seit der Erbauung fest, wobei die Seitenschiffe die halbe Mittelschiffsbreite besaßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zwei quadratischen Westtürme und Teile des aufgehenden Mauerwerks im Schiff werden als in ihrem Kern frühgotisch bezeichnet. 1363/65 werden zwei Altäre der alten Kirche erwähnt, der St.-Dorothea- und St.-Johannes-Altar. 1400 wird eine Stiftung zum Magdalenenaltar errichtet, und 1429 war die Kirche nachweislich renovierungsbedürftig. Dann schweigen die Quellen über die Kirche für fast zwei Jahrhunderte. Unter Propst Rosolenz erfolgte um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert der Neubau der Stiftskirche. Die Kirche wurde nach Westen ausgerichtet, 14 Altäre, drei Kapellen und der Kreuzgang, wo die Konventualen begraben lagen, fielen dem damaligen Neubau zum Opfer. Das Kapitel machte darüber die Anzeige beim Seckauer Bischof und warf dem Propst Zerstörungssucht vor. Rosolenz rechtfertigte sich damit, dass nur drei Altäre der alten Kirche geweiht waren, die Kapellen gar nicht, denn sie seien armselig und nur mit Brettern gedeckt gewesen. Der Zugang zur Kirche war nach Meinung des Propstes ruinös, weil vor dem Kloster erbaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rosolenz ließ sich durch die Kritik aus dem Konvent nicht beirren. Zwischen 1605 und 1629 wurde der Chor der Kirche unter Einbeziehung der Türme nach Westen verlegt, weshalb das jetzige Presbyterium zwischen die beiden Kirchtürme eingezwängt erscheint, der Eingang dafür im Osten in dem von Rosolenz errichteten kleinen Hof angelegt, das Langhaus aufgeführt und eine prächtige Ausstattung im Stil der Renaissance in Angriff genommen. Am 22. Jänner 1629 wurden der Hochaltar der hl. Katharina und zwei Seitenaltäre zu Ehren Unserer Lieben Frau (links) und des hl. Augustinus (rechts) geweiht. Ein halbes Jahr nach dem Tod des Propstes erfolgte die Weihe von sechs weiteren Altären, die den Heiligen Jakob, Andreas, Johannes Baptist, Anna und Dorothea, dem hl. Kreuz und Petrus und Paulus dediziert waren. Leider ist von dieser Einrichtung nichts mehr erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fortführung des Neubaues der Stiftskirche erfolgte erst um 1680 unter Propst Jöchlinger. Als Baumeister steht der aus Deutschlandsberg stammende Ruep Schrittwieser, ein Schüler Domenico Sciassias, fest. Das Innere wurde zu einer Wandpfeilerkirche umgestaltet, die ihre Belichtung durch seitliche Emporen erhielt. Jöchlinger und seine Nachfolger Johann Bernhard von Paumgarten (1683–1704) und Christoph Horatius Carminelli (1705–1724) ließen im Chor, im Langhaus, an der Orgelbrüstung und in den Seitenkapellen die noch vorhandene üppige Stuckierung anbringen. Sie wird der Werkstätte des Alexander Serenio, der auch in Schloss Eggenberg in Graz gearbeitet hat, und Domenico Boscho zugeschrieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stuckgerahmte Wappen weisen auf die Pröpste Jöchlinger und Paumgarten als Auftraggeber hin. Die Fresken der etwa 70 Spiegelflächen der Decke stammen von Matthias Echter und wurden 1690/1700 angebracht. Im Kirchenschiff sind sie dem Leben und der Verherrlichung des hl. Augustinus gewidmet, im Presbyterium der Kirchenpatronin Katharina. Reste der frühbarocken Bemalung aus der Zeit von Propst Rosolenz wurden anlässlich der letzten Kirchenrenovierung entdeckt, aber wieder übertüncht. Seltsamerweise wird noch 1698 dem Propst von der Landschaft eine Beihilfe von 3.000 Gulden zur Behebung der  &amp;quot;Paufölligkeit dess Gottshauss&amp;quot; gewährt. Dessen Fertigstellung war offenbar noch nicht abgeschlossen. Der heute zweigeschossige Hochaltar nimmt den gesamten Chorschluss ein, trägt die Signatur des Stainzer Tischlers Matthias Jägisch mit der Jahreszahl 1689 und wurde 1695 geweiht. Er trägt das Wappen des Propstes Paumgarten, der auch den künstlerischen Entwurf geliefert haben soll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Altarblätter, darstellend das Martyrium der hl. Katharina und ihren Triumph über den Tod, werden mit gutem Recht dem fürstlich Eggenbergischen Hofmaler Hans Adam Weissenkircher zugeschrieben. Die großen Seitenstatuen stellen die vier Päpste Silvester I., Damasaus I., Cölestin I. und Leo I. sowie die Kirchenlehrer Augustinus und Ambrosius dar, kleinere Statuen der oberen Reihe zeigen die Heiligen Agnes, Margareta, Ursula und Monika. Die Seitenaltäre an den Mauerpfeilern des Fronbogens sind dem hl. Augustinus und der Immaculata geweiht, sie wurden unter Propst Carminelli aufgestellt. Die Kapellen auf der Epistelseite sind den hl. Vierzehn Nothelfern, dem hl. Josef, dem hl. Kreuz und dem hl. Rosenkranz (früher den Armenseelen), die auf der Evangeliumseite dem hl. Johann Nepomuk, der hl. Maria vom Berge Karmel (Skapulierkapelle), der hl. Anna und dem hl. Antonius von Padua zugeeignet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Annakapelle befindet sich der figurale Grabstein des Propstes Simon Eberhard (gest. 1649), der einzige eines Propstes in der Kirche. Zwischen den Altären der hl. Anna und des hl. Antonius führte früher ein Ausgang in den Stiftshof, der 1809 vermauert und bei der letzten Restaurierung statt des Lourdes-Altars ein barockes Barbarabild erhielt. Den Altar der gegenüberliegenden Barbarakapelle hat man 1809 abgetragen und einen zusätzlichen Kircheneingang statt des vermauerten Ausgangs auf der Südseite geschaffen. Der Vierzehn-Nothelfer-Altar wurde 1906 abgebrochen, das Altarblatt von Veit Hauck ist aber noch vorhanden. In der Vierzehn-Nothelfer-Kapelle befindet sich, senkrecht eingemauert, der Wappengrabstein des Stifters Leutold von Wildon mit der Angabe des Sterbedatums. Er ist aus rotem Marmor gearbeitet und wird in die Jahre 1448/49 datiert, als man im Stift die 200-Jahr-Feier seines Todestages beging und aus diesem Anlass den ursprünglichen Grabstein durch einen neuen ersetzte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der gegenüberliegenden Kapellenwand fand der 1979 entdeckte Grabstein eines Propstes Aufstellung. Unter einer gotischen Baldachinarchitektur mit gedrehten Säulen sind im Flachrelief Infel, Krummstab und ein Wappenschild wiedergegeben, das neben dem zerbrochenen Rad der hl. Katharina auch das &amp;quot;Seeblatt&amp;quot; als Stiftswappen zeigt. Inschrift trägt der Stein keine. Da erst Propst Sigmund von Lemsitz (1453) das Pontifikalienrecht erhielt, könnte der Grabstein ihm gehören. Ein anderer 1979 gefundener gotischer Grabstein mit dem Lemsitzer Wappen wurde im Erdgeschoss des Nordturmes eingemauert. Das ist alles, was aus der mittelalterlichen Kirche übrig geblieben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Altäre besitzen eine Ausstattung von dem in der Steiermark viel gerühmten Bildhauer Veit Königer (1729–1792). Er soll auch die Kanzel der Kirche geschaffen haben. Ein großer und zwei kleinere Paramentenschränke in der Sakristei datieren um 1720. Um 1740 wurden die Kirchtürme um die Glockenstube und ein weiteres achteckiges Geschoss mit barockem Helm erhöht. Propst Johann Anton de Angelis ließ 1757 das heutige Kirchengestühl aufstellen, während das hochbarocke Chorgestühl aus der Zeit um 1700 auf der Orgelempore steht. Die derzeitige Orgel ist neueren Datums. 1978/79 fand unter Pfarrer Lorenz Möstl eine grundlegende Renovierung der Pfarrkirche im Sinne des Denkmalschutzes statt. Später ist auch eine Außenrestaurierung von Kirche und Schloss erfolgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift===&lt;br /&gt;
Das ehemalige Stift erstreckt sich auf einer nördlich des Marktes gelegenen nach Osten abfallenden Hochfläche. Im Steirischen Schlösserbuch des G. M. Vischer von 1681 ist Stainz mit drei Abbildungen vertreten. Die erste zeigt das Stift vor dem barocken Umbau, mit einer Anhäufung verschieden hoher gotischer Gebäude, die von einer Mauer umgeben sind, welche von einer Reihe größerer und kleinerer Türme besetzt ist. Nur wenige Bauteile, darunter die Kirche, sind bereits barockisiert. Wahrscheinlich bildete eine alte Stiftsansicht die Vorlage für diesen Kupferstich, den Andreas Trost signiert hat. Die beiden anderen Stiche, die ebenfalls von Trost angefertigt wurden, stellen das bereits in barockem Stil um gebaute Stift dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Abbildungen geben bis auf einige spätere bauliche Veränderungen die heutige Anlage wieder. Diese ist ein Geviert, dessen nördlichen Trakt teilweise die Kirche bildet. Mittelalterlich ist nur der niedere und schmälere Westtrakt, der bei Vischer aber dieselbe Höhe wie die übrigen Trakte hat, weil dies vielleicht im barocken Bauplan so vorgesehen war. Die Seitenlänge der Trakte beträgt etwa 80 Meter. Der Komplex umfasst einen kleineren, auf Propst Rosolenz zurückgehenden Hof und den großen fast quadratischen, dreigeschossigen Stiftshof. Beide Höfe werden durch den Prälatentrakt, der an die Kirche anschließt, getrennt. Die Arkaden des großen Hofes sind bis auf das Erdgeschoss vermauert bzw. verglast, am Westtrakt aber als gemalte Gliederung angedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Trakt befinden sich drei alte gemalte Wappen für Erzherzog Ferdinand II., den Stiftsgründer Leutold von Wildon und Propst Rosolenz, die dieser vor 1629 anbringen ließ. Auf Rosolenz geht sowohl die nach ihm benannte Stiege vom Markt zum Stift als auch der Getreidekasten gegenüber dem äußeren Stiftstor zurück. 1733 wurde vor dem Stiftsportal eine Statue der Immaculata flankiert von den Heiligen Gelasius und Patritius, die J. M. Leitner geschaffen hat, aufgestellt. Der unter Propst Jöchlinger vor dem Osttrakt angelegte barocke Garten mit einem Springbrunnen in der Mitte ist als einfacher Schlossgarten noch vorhanden. Die beiden charakteristischen achteckigen Pavillons an den Enden der Gartenterrasse wurden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hinzugefügt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Stiftsansicht, die als Ölbild des 18. Jahrhunderts im Grazer Franziskanerkluster existiert, zeigt das ehemalige Stift, wie es sich als Schloss der Grafen von Meran auch heute noch präsentiert. Das Innere des Schlosses besitzt eine Reihe von Räumen, deren Stuckdecken von einstiger barocker Pracht zeugen. Im Erdgeschoss des Südtraktes befindet sich das ehemalige Refektorium mit Stukkaturen und Malereien um 1695 bis 1700. Letztere stammen möglicherweise von Matthias Echter und stellen u.a. die &amp;quot;Hochzeit zu Kana&amp;quot;, die &amp;quot;Wunderbare Brotvermehrung&amp;quot;, das &amp;quot;Gastmahl im Hause des Simon&amp;quot; und das &amp;quot;Letzte Abendmahl&amp;quot; dar. Der ehemalige Kapitelsaal lag im Südosteck des 1. Stockes und wurde 1720 von Carlo Formentini stuckiert. Im früheren Bibliothekssaal befindet sich ein übermaltes Deckengemälde (Thema: &amp;quot;Siegeszug einer Herrscherin&amp;quot;) mit den Initialen des letzten Propstes Johann Anton de Angelis. Unter den Arkaden des großen Hofes steht der beschädigte Grabstein des Propstes Georg Christoph Purgstaller (t 1654). Das Schloss wird teils als Museum, teils als Privatwohnung der Familie Meran genützt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Pfarrkirche St. Stefan ob Stainz=== &lt;br /&gt;
Die ursprünglich romanische Kirche von St. Stefan wurde um 1500 gewölbt und ist heute eine vierjochige dreischiffige Halle. Der höhere, zweijochige Chor mit 5/ 8-Schluss und Kreuzrippengewölbe soll aus dem 14. Jahrhundert stammen. An der Ostwand des südlichen Seitenschiffes befinden sich zwei Konsolköpfe, unter deren einem sich das Wappenschild der Wildonier (Seeblatt) befindet, weshalb die Köpfe Leutold und Agnes von Wildon, die Stifter von Stainz, darstellen dürften. Im Chor befindet sich eine (Sakraments-) Nische mit Renaissance-Architekturumrahmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Vom ursprünglichen Archivgut des Stiftes ist nicht alles überliefert. Das meiste davon befindet sich im Steiermärkischen Landesarchiv. Die Urkunden sind in die Allgemeine Urkundenreihe eingereiht, die Akten in 25 Kartons gesammelt, Archivalien über Stainz befinden sich in der Reihe Altes Landrecht (Stainz, Stift). Auch das Diözesanarchiv Graz besitzt in fünf Kartons Akten über Stift Stainz. Ebenso existieren im Wiener Allgemeinen Verwaltungsarchiv im Archivkörper Alter Kultus (Sign. 94, Stifte, Steiermark, K 773) Akten über Stainz aus den Jahren 1782 bis 1803. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ungedruckte Quellen== &lt;br /&gt;
Archiv der Diözese Graz-Seckau (DAG): Stift Stainz, X1X b 32-36; Pfarrurkunden R 2, Nr. 183, 195,286. Steiermärkiscl1es Landesarchiv Graz: (StLA): AUR, Archiv Stainz , Stift und Herrschaft (19 Kartons). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Baupläne== &lt;br /&gt;
Die ältesten Ansichten des Stiftes dürften die Kupferstiche des Andreas Trost nach Zeichnungen G. M. Vischers in der &amp;quot;Topographia ducatus Stiriae&amp;quot; von 1681 sein. Stainz ist mit drei Ansichten vertreten, wobei die erste das Stift noch größten teils gotisch zeigt. Der Stich ist wahrscheinlich nach einer alten Ansicht im Stift entstanden. Die beiden anderen Darstellungen zeigen das umgebaute, barockisierte Stift aus östlicher und westlicher Richtung. Da die Kirchtürme bereits weit über das Kirchendach hinausragen, ihre Erhöhung aber erst Jahrzehnte später erfolgte, geben die beiden zuletzt genannten Stiche den Bauplan der Barockanlage wider. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Ölbild im Grazer Franziskanerkloster, darstellend das Stift von Süden, lehnt sich an eine der Darstellungen G. M. Vischers an, ist aber späteren Datums, wie an den Gartenpavillons erkenntlich ist, die erst im 18. Jahrhundert erbaut wurden. Eine kleine Ansicht des Stiftes um 1720 ist auf dem Antependium des Marienaltares in der jetzigen Pfarrkirche Stainz zu sehen. Sie zeigt die Kirchtürme noch vor ihrer endgültigen Erhöhung. Bei Lackner ist eine Rekonstruktion des Grundrisses der romanischen Kirche über dem Grundriss der heutigen abgebildet. Kohlbach und Lackner bieten einen Grundriss der jetzigen Kirche im Maßstab 1:750, Lackner darüberhinaus auch einen Querschnitt der Kirche und einen Grundriss von Schloss samt Kirche. Sie gehen z.T. auf Erhebungen im Auftrag des Bundesdenkmalamtes 1951 zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik== &lt;br /&gt;
===Siegel===&lt;br /&gt;
Das Siegel des Stainzer Kapitels ist ab 1297 nachzuweisen und wurde bis ins 16. Jahrhundert verwendet. Im Siegelfeld steht in Dreivierteldrehung die hl. Katharina mit dem Rad als Attribut in ihrer Rechten. Die Heilige ist gekrönt und trägt einen Heiligenschein um ihr Haupt. Mit ihrer linken Hand hält sie die Märtyrerpalme. Links und rechts von ihr sind als Symbole für die Unsterblichkeit ein beblätterter Eichenast mit Eicheln und eine Efeuranke zu sehen. Letztere wurde manchmal als Weinrebe mit Trauben gedeutet, was jedoch keinen Sinn ergibt. Die umlaufende unziale Umschrift zwischen zwei Perllinien beginnt mit dem Kreuzzeichen und wird unten durch die Heiligenfigur geteilt: &amp;quot;+ S(igillum) · CO(n)VENTVS · ECC(lesi)E · SANC/TE · KATERINE · I(n) · STEVNTZ&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1589 wurde ein weiteres Kapitelsiegel angefertigt. Im Feld ist über dem Stiftswappen die hl. Katharina mit dem Rad und der Palme dargestellt. Neben ihr ist die Datierung 1589 angebracht. Die kapitale Inschrift auf einem Band wird durch den Wappenschild unterbrochen und ist außen von einer Perlenschnur mit acht Blütchen begrenzt. Etwas später ist ein kleines, achteckiges Signet mit der Datierung 1623 in Angelegenheiten des Kapitels nachzuweisen. Es zeigt wieder die hl. Katharina, ebenso ein folgendes, jedoch undatiertes hochelliptisches Typar, das bis zur Aufhebung des Stiftes verwendet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wappen=== &lt;br /&gt;
In Rot ein silbern es Seeblatt. Dieses Wappenbild geht auf das Geschlecht der Herren von Wildon als Stifter von Stainz zurück. Später wurde anscheinend das von einem natürlichen Seerosenblatt abgeleitete Bild nicht mehr verstanden, und es sind in den Schilden manchmal Linden-, Buchen- oder Birkenblätter dargestellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Leopold von Beckh-Wiomanstetter: Das Grabmal (oder der Grabstein) Leutolds von Wildon in der Stiftskirche Stainz und die Siegel der Wildonier. In: Mittheilungen der k. k. Central-Commission für die Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XVII (1872), S. 111ff. &lt;br /&gt;
* Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, S. 489f., S. 535ff. &lt;br /&gt;
* EPITAPHIUM (...) DOMINI GEORGU SIGEFRIDI (...) IN STAINZ PRAEPOS[TI, (...) Qui pie in Domino obiit Graecij Alulo MDCLXXXIIJ. Die 7. Julij (Graetz 1683). &lt;br /&gt;
* Josef Grollinger: Jakob Rosolenz, Propst von Stainz (1596-1629). Ein Lebensbild aus der steirischen Gegenreformation. Disseration Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Anton Kern: Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz. Bd. 1. Leipzig 1942, Nr. 2, Nr. 121; Bd. 2, Wien 1956, Nr. 1071, 1190, 1298; Bd. 3, Wien 1967, XXIf. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Stainz. In: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1953, S. 197ff., S. 295, S. 317.&lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Stift Stainz in der Weststeiermark. Typoskript o.J. (nach 1956), Stiftsbibliothek Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
* Arnulf Kogler: Die Wildonier und die ersten Anfänge des Augustiner-Chorherrenstiftes Stainz. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 9 (1911), S. 127ff. &lt;br /&gt;
* Arnulf Kogler: Visitation und Inquisition des Stiftes Stainz. In: Blätter zur Geschichte und Heimatkunde der Alpenländer 2 (Beilage zum &amp;quot;Grazer Tagblatt&amp;quot;), (1911), S. 195ff. &lt;br /&gt;
* Arnulf Kogler: Das Ende der Stainzischen Marktgerichtsherrlichkeit. In: Blätter zur Geschichte und Heimatkunde der Alpenländer (Beilage zum &amp;quot;Grazer Tagblatt&amp;quot;), (1911), S. 129f. &lt;br /&gt;
* Walter Koschatzy: Der Baumeister des Stiftes Stainz. In: Neue Chronik zur Geschichte und Volkskunde der innerösterreichischen Alpenländer 31 (Beilage zu Nr. 17 der Südost-Tagespost), (1965), S. 3.&lt;br /&gt;
* Leopold Kretzenbacher: Zur Gründungslegende des Chorherrenstiftes Stainz. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 48 (1957), S. 175ff. &lt;br /&gt;
* Helmut Lackner: Die Pfarrkirche hl. Katharina in Stainz. 2. Auflage. Stainz o. J. &lt;br /&gt;
* Johann Losserth: Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert. In: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII /3 (1912), S. 59, S. 65, S. 199. &lt;br /&gt;
* Arnold Luschin: Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters. In: Mittheilungen der k. k. Central-Commission für die Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX (1874), S. 256f. &lt;br /&gt;
* Hans Pirchegger: Beiträge zur älteren Besitz- und Rechtsgeschichte steirischer Klöster. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 38 (1947), S. 24ff. &lt;br /&gt;
* Rudolf Pitter: Beiträge zur Geschichte von Stainz. Dissertation Graz 1936 (Exemplar im DAG, Nachlass Pitter). &lt;br /&gt;
* Andreas Posch: Die Widmung des &amp;quot;Stainzer Hofes&amp;quot; in Graz. In: Blätter für Heimatkunde 9 (1931), S. 1ff. &lt;br /&gt;
* Johann Rainer: Projekte zur Errichtung eines Bistums Graz. In: Römische Historische Mitteilungen 6/7 (1964), S. 114ff. &lt;br /&gt;
* Johann Rainer: Die Entwicklung der Diözesaneinteilung in der Steiermark. Mit besonderer Berücksichtigung der Zeit Karls II. und Ferdinands II. In: Innerösterreich 1564-1619 (Joannea III). Graz 1967, S. 233ff. &lt;br /&gt;
* Johann Rainer und Sabine Weiss: Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), S. 25f., S. 131f., S. 140. &lt;br /&gt;
* F. Schellauf: Stainz in Vergangenheit und Gegenwart. Stainz 1929. &lt;br /&gt;
* Elisabeth Schmölzer: Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser. Hg. vom Amt der Steiermärk. Landesregierung Graz 2. Auflage. 1993, S. 340f. &lt;br /&gt;
* Anton Selak: Stainz. Ein Beitrag zur Ortsgeschichte. Stainz 1930.&lt;br /&gt;
* 1229 Stiftskirche Stainz 1979. Festschrift anläßlich der Fertigstellung der Innenrestaurierung und der Installierung einer neuen Orgel. Deutschlandsberg 1980.&lt;br /&gt;
* Trauerrede auf Johann Anton, Prälaten der regulirten Khorherrn zu Stainz in Steyermark. Gesagt von Franz Xavier Gmeiner in der Kollegiatkirche zu Stainz, den 19. August 1782. Graez 1782. &lt;br /&gt;
* O. Trummer: Das Augustiner-Chorherrenstift Stainz. Dissertation Technische Hochschule Graz 1929 (Exemplar 1945 zugrunde gegangen; das Exemplar des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Graz derzeit verschollen). &lt;br /&gt;
* Georg Matthaeus Vischer: Topographia Ducatus Stiriae 1681. Hg. von A. L. Schuller, 2. Graz 1975, Nr. 405-407. &lt;br /&gt;
* Renate Wagnerrieger: Architektur des Barock in der Steiermark. In: Tagungsbericht Dreiländerfachtagung der Kunsthistoriker in Graz 1972, S. 9ff. &lt;br /&gt;
* Franz Weissofner: Die letzten Chorherren des im Jahre 1785 aufgehobenen Stiftes Stainz. Unter besonderer Berücksichtigung ihrer nachmaligen Verwendung in der Seelsorge. Dissertation Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Hans Wilfinger: 800 Jahre Stainz 1177-1977. Neues Stainzer Heimatbuch. Stainz 1979. &lt;br /&gt;
* Herta Wlasak: Die Aufhebung des Chorherrenstiftes Stainz unter Kaiser Joseph II. aus besitzgeschichtlicher Sicht. Dissertation. Graz 1979. &lt;br /&gt;
* Adam Wolf: Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782-1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II. Wien 1871, S. 116ff. &lt;br /&gt;
* G. Wolfbauer: Das Augustiner-Chorherrenstift Stainz. In: Blätter für Heimatkunde 9 (1931), S. 3ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Seitenstetten&amp;diff=10271</id>
		<title>Stift Seitenstetten</title>
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		<updated>2022-09-12T17:47:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Bistum Passau, Dekanat Lorch, heute Diözese St. Pölten, Dekanat Haag, Pfarre Seitenstetten&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Sitansteten, in augia apud Sanctum Vitum&lt;br /&gt;
|Benannt nach=ahdt. Personennamen &amp;quot;Sito&amp;quot; (umstritten) oder slaw. Personennamen &amp;quot;Zitan&amp;quot;&lt;br /&gt;
|Patrozinium=St. Veit&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Markgrafschaft Ostarrichi, heute Bundesland Niederösterreich, politischer Bezirk Amstetten, Gerichtsbezirk St. Peter in der Au, Marktgemeinde Seitenstetten&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
Die Hauptquelle zur Geschichte des kurzlebigen Seitenstettner Kanonikates ist eine Passauer Traditionsnotiz. Sie berichtet, dass am 24. April 1109 die Adeligen Reginbert und sein Schwager Udalschalk zum Heil ihrer Seele ein kleines Kloster (''cella'') zu Sitansteten, wo ein gemeinsames Leben von Chorherren (''canonicorum'') eingerichtet worden ist, samt ihren Eigengütern Tulbing, Still und Heft und den übrigen Gütern oder Hörigen, die zu dem Kloster gehörten, auf den Altar des hl. Erzmärtyrers Stephanus in der Kirche von Passau übergeben haben. Bischof Ulrich sei dabei anwesend gewesen und der Vogt Ulrich habe die Schenkung übernommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Stiftungsbedingung wurde festgelegt, dass die Chorherren vom gemeinsamen Leben (''communis vite canonici'') dortselbst (in Seitenstetten) immerdar Gott dienten. Sollte aber ein Bischof oder sonst eine mächtige Person diese Stiftungsbedingung beeinträchtigen und zu einem anderen Zweck übertragen wollen, dann solle der nächste Erbe (der Stifter) (nach Passau) kommen, ein Goldstück auf den Altar legen und die gestifteten Güter als Erbe zurücknehmen, wenn das angetane Unrecht nicht innerhalb eines Jahres beseitigt würde. Zusätzlich habe Bischof Ulrich zur Ergänzung der Pfründe (''in supplementum prebende'') der Brüder die (Pfarr-) Kirche Aschbach samt dem Zehent, soweit er nicht schon zu Lehen gegeben war, übergeben. Außerdem habe Reginbert die Zehenteinhebung, die er in der Pfarre Wolfsbach zu Lehen gehabt habe, an Bischof Ulrich zurückgegeben und dieser habe sie derselben Kirche (Wolfsbach?) zum gemeinsamen Gebrauch der Chorherren verliehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum besseren Verständnis dieser Hauptquelle trägt die Gründungsgeschichte des Stiftes Seitenstetten bei, welche Abt Gundaker (1318–1324) verfasst hat. Sie spricht von Regularkanonikern und gibt die genaue Lage ihres Klosters (''cenobium Canonicorum Regularium'') zu St. Veit in der Au an. Auch die Verwandtschaft der zwei Stifter gibt sie näher an: Reginbert von Hagenau sei der Mann der Helena, einer Schwester des Stifters Udalschalk, gewesen. Dadurch lässt sich auch die Person der zwei Stifter näher bestimmen. Reginbert hatte seinen Stammsitz in Hagenau am Inn, Bezirk Braunau, Gemeinde St. Peter am Hart, besaß aber auch östlich von St. Pölten einen Sitz Hagenau in der Pfarre Böheimkirchen und weitere Güter, von denen er Tulbing in die Stiftung einbrachte. Der Stifter Udalschalk wird meistens nach seinem Sitz Still in der Pfarre Hofkirchen an der Trattnach, Bezirk Grieskirchen, benannt und hatte auch noch einen Besitz Heft in der Pfarre Gaspoltshofen, ebenfalls im Bezirk Grieskirchen in Oberösterreich. Seinen Hauptsitz aber hatte er in Seitenstetten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Näher zu bestimmen ist auch noch die Rolle, die Bischof Ulrich von Passau (1092–1121) bei der Stiftung des Kanonikates in Seitenstetten spielte. Er hatte dem Reginbert von Hagenau die Zehenteinhebung in der Pfarre Wolfsbach überlassen, obwohl dieser sonst mit Wolfsbach nichts zu tun hatte. Nun war der Zehent die damalige Form der Kirchensteuer und sollte kirchlichen Zwecken dienen. Auch Bischof Ulrich wird daher ein kirchliches Ziel verfolgt haben, als er dem Reginbert die Zehenteinhebung (''decimatio'') in Wolfsbach zu Lehen gab. Wenn Reginbert aber bei der Übergabe des errichteten Kanonikates an Passau diese Zehenteinhebung wieder zurückgab, dann war doch wohl der Zweck erfüllt, weshalb er sie erhalten hatte. Daraus ergibt sich, dass er mit dem Ertrag des Wolfsbacher Zehents das Seitenstettner Chorherrenstift erbauen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Bischof die Zehenteinhebung in Wolfsbach wieder an die Kirche von Wolfsbach verlieh, jedoch zum gemeinsamen Nutzen der Chorherren, dann ergibt sich daraus ferner, dass die Kanoniker die Seelsorge in der Pfarre Wolfsbach ausüben sollten. Dass dieses Chorherrenstift und seine Kirche denselben Patron erhielten wie die Kirche Wolfsbach, legt den Gedanken nahe, dass überhaupt der Pfarrsitz von Wolfsbach nach Seitenstetten verlegt wurde. Als 823 Ludwig der Fromme unter anderem auch Wolfsbach dem Hochstift Passau bestätigte, lag dieser Ort ungefähr inmitten seines Sprengels, der bis zur Url reichte. Als aber nach dem Ungarnsturm eine zweite deutsche Besiedlungswelle nach Süden und Westen über die Url bis an die oberösterreichische Grenze vorstieß, befand sich der Pfarrsitz beinahe am Rande seines groß gewordenen Sprengels. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Errichtung des Kanonikates in Seitenstetten als Seelsorgezentrum für die Großpfarre Wolfsbach wollte der Bischof zwei Vorteile erreichen: eine leichtere Erreichbarkeit des Pfarrsitzes von allen Seiten und eine genügende Anzahl von Seelsorgern. Die treibende Kraft bei der Gründung des Seitenstettner Chorherrenstiftes ist also sehr wahrscheinlich Bischof Ulrich von Passau gewesen. Die zwei adeligen Stifter hingegen stellten, wie die Traditionsnotiz ausdrücklich sagt, nur einen Teil ihres zeitlichen Besitzes zur Verfügung, noch dazu von Seitenstetten weit entlegene Nebengüter, deren Verwaltung für die Kanoniker schwierig gewesen sein muss. Sie dürften also eher halbherzig mitgewirkt und der Sache nicht recht getraut haben. Die Rücknahmeklausel in der Traditionsnotiz weist in diese Richtung, obwohl sie auch in anderen Stiftungsdokumenten jener Zeit vorkommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie kurzlebig das Chorherrenstift sein sollte, werden sie aber doch nicht geahnt haben. Das Jahr seines Endes kann allerdings ebenso wenig sicher angeben werden wie das Jahr seiner Gründung. Als Gründungsjahr gab man in der Barockzeit 1107 an, ohne dafür einen mittelalterlichen Beleg beizubringen. Als Jahr der Auflösung ist 1111 am wahrscheinlichsten. Am 23. August 1111 bestätigte nämlich Bischof Ulrich unter anderem auch Zehente in Amstetten, Stephanshart, Aschbach und Sindelburg nicht etwa dem nahen Chorherrenstift Seitenstetten, sondern dem entfernteren Stift St. Florian. Daraus darf man wohl schließen, dass das Kanonikat Seitenstetten nicht mehr bestand oder keine Aussicht auf ein Weiterbestehen bot. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1112 gründete dann Udalschalk allein ein Kloster für Mönche in Seitenstetten zu Ehren der Gottesmutter und stellte dafür seinen ganzen Erbbesitz in Seitenstetten und Oberösterreich zur Verfügung, alles zu seinem eigenen Seelenheil und dem seiner Vorfahren. Hier ist ein Unterschied in der Motivation bemerkbar: Bischof Ulrich und seinem Vorgänger Altmann ging es um eine Verbesserung der Seelsorge. Daher gaben sie Chorherren den Vorzug, weil diese bereit waren, am Ort ihres Klosters und in seiner Umgebung die ordentliche Seelsorge zu übernehmen, während die Benediktiner das damals noch ablehnten. Adeligen Stiftern aber kam es dar auf an, dass in ihrer Stiftung, ungestört von anderen Verpflichtungen, immerfort für ihr ewiges Heil und die Seelenruhe ihrer verstorbenen Angehörigen gebetet werde. Dafür schienen ihnen die Benediktiner besser geeignet als die Chorherren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse== &lt;br /&gt;
Die geringe Bestiftung mit liegenden Gütern hielt man wohl deshalb für ausreichend, weil die Chorherren auch aus ihrer Seelsorgearbeit Einkünfte erwarten konnten. Der Besitz von Tulbing (im Bezirk Tulln) war für das Kanonikat wertvoll, weil man dort Wein baute. Durch die Übergabe an Passau wurde das Kanonikat ein Eigenkloster dieses Hochstiftes. Als weltlichen Vertreter durften die Chorherren einen Vogt wählen, doch musste er aus der erbberechtigten Verwandtschaft der Stifter stammen. Bei der Auflösung des Kanonikates machten die drei Stifter von der Rücknahmeklausel Gebrauch und nahmen ihre Stiftungsgüter wieder an sich. Im Laufe des 12. Jahrhunderts kamen fast alle durch neuerliche Schenkungen an das Benediktinerstift Seitenstetten. Die Kirche des Chorherrenklosters wurde Filialkirche von Wolfsbach . &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Weder von der Kirche des Kanonikates noch vom Kloster selbst wurden bisher Reste gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Heinrich Koller: Bischof Ulrich von Passau und das Stift Seitenstetten. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift F. Hausmann. Graz 1987, S. 417-425. &lt;br /&gt;
* Petrus Ürtmayr / Ägid Decker: Das Benediktinerstift Seitenstetten. Wels 1955, S. 19f. &lt;br /&gt;
* Elisabeth Schuster: Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), 3. Tl. Wien 1994, 268, Nr. S. 290. &lt;br /&gt;
* Benedikt Wagner: Die Anfänge Seitenstettens. Österreichs Wiege - der Amstettner Raum. 3. Bd. Hg. von Franz Überlacker. Beiträge zur Babenbergerzeit. Amstetten/ Waidhofen a. d. Ybbs 1976, S. 45-103, bes. 5590. &lt;br /&gt;
* Benedikt Wagner: Beiträge zur Geschichte Seitenstettens. In: Seitenstetten - Udalschalks Erbe im Wandel der Zeit. Seitenstetten 1980, S. 33-141, bes. 126ff. &lt;br /&gt;
* Benedikt Wagner: Stift Seitenstetten und seine Kunstschätze. St. Pölten 1988, S. 9f. &lt;br /&gt;
* Benedikt Wagner: Seitenstetten. Germania Benedictina III-3. St. Ottilien 2002, S. 522-603, bes. S. 522f.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Seckau&amp;diff=10270</id>
		<title>Stift Seckau</title>
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		<updated>2022-09-12T17:32:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=in loco Seccowe dicto (1142), Secowe (1146 ), Seccowa (1147), Sechowe (1151 ), Secveve (1188), Secoe (1205), Secvve (1208), Seccovwe (1230), Sekawe (1250), Sykouia / Sykauia (1267), Sechaw (1346), Sekkawe (1364), Seccaw (1400), Sekkaw (1429)&lt;br /&gt;
|Benannt nach=slaw. &amp;quot;zegova&amp;quot; (Brandrodung, Lichtung, Schlägerung)&lt;br /&gt;
|Quelle=Norbert Allmer: Seckau 1140-1782. In: Die ehemaligen Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich und Südtirol. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg 2005, S. 503-559.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=seit 1492 Patronat der allerseligsten Mutter Gottes&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Das Seckauer Gebiet war ursprünglich Teil der Karantaner Mark, dann Teil der Steiermark; ab der Gründung 1140 unterstand das Stift dem Erzbischof von Salzburg. Durch die Errichtung der Diözese Seckau mit 22. Juni 1218 durch Papst Honorius III. wurde das Chorherrenstift Seckau gleichzeitig zum Sitz des Domkapitels und die Basilika zur Kathedralkirche des neuen Bistums erhoben. Im Zuge der Aufhebung des Seckauer Chorherrenstiftes wurde der Seckauer Bischofssitz 1786 nach Graz verlegt und dort die bisherige Jesuiten- bzw. Ägydiuskirche zur Kathedrale erhoben. Die Pfarre Seckau selbst wurde 1786 durch die josephinische Diözesanregulierung zum Bistum Leoben geschlagen. 1859 wurde die Diözese Leoben wiederum aufgehoben und der alten Seckauer eingegliedert. Das 1883 wiederbesiedelte Kloster bzw. die 1887 errichtete Benediktinerabtei Seckau liegen im Dekanat und politischen Bezirk Knittelfeld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte=== &lt;br /&gt;
Nach den drei benediktinischen Klostergründungen des 11. Jahrhunderts sollte auch die Zeit der augustinischen Klöster in der Steiermark anbrechen. Als erstes von diesen wurde 1140 das Stift Seckau gegründet, dem dann die Stifte [[Stift Vorau|Vorau]] (1163) und [[Stift Stainz|Stainz]] (1229) folgten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem väterlichen Erbe nach Hartnid von Traisen hatte [[Adalram von Waldeck]], als einer der vier Söhne, im Pittener Land Waldeck mit den Dörfern Strelz, Willendorf, Dreistetten, Wopfing, den Hof Badendorf mit drei Weingärten und Gerasdorf mit seinen Weingärten und Zubehör, den Hof am Kamp und an der Erlach sowie Starhemberg erhalten. In Oberösterreich nördlich der Donau, damals in Bawaria genannt , besaß Adalram Waltenstein mit allen Gütern auf dem Windberg, je drei Weingärten zu Aschach und Pesenbach, die Höfe Eppenberg, Erbenberg, Ottensheim und Lindham. Dazukamen noch die oststeirischen Besitzungen wie das Hauptgut Kumberg, Arndorf, Hainersdorf, mit Lebern südlich von Graz und Leutzendorf. Weiters erhielt er den ältesten Aribonenbesitz auf steirischem Boden: Feistritz (= St. Marein bei Knittelfeld), den ersten Gründungsort des Stiftes Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1060 und 1088 erwarb Hartnid für seine Kirche in Feistritz Pfarrechte und überließ dafür dem Erzbischof Gebhard von Salzburg seine Kirche St. Lorenzen zu Leistach an der Mur bei Knittelfeld. In Feistritz befand sich auch ein Herrenhof, nach welchem sich Adalram bisweilen nannte, dessen Besitz sich von Kraubath bis gegen Pöls erstreckte und von einigen Enklaven durch setzt war. Adalram war in erster Ehe mit Perchta aus dem Geschlecht der Offenberg verehelicht. Nachdem Perchta an einem 15. November kinderlos verstorben war, heiratete Adalram um 1130 abermals. Richinza, Tochter des Rudolf von Perg, der die Vogtei über das Augustiner-Chorherrenstift [[Stift St. Florian|St. Florian]] inne hatte, brachte den Besitz am Windberg im Mühlviertel als ansehnliche Mitgift in die Ehe. Außer der Tochter Benedicta, die in das Erentrudiskloster am Nonnberg in Salzburg eintrat, entsprossen der Ehe von Richinza und Adalram keine weiteren Kinder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eigentliche Anlass zur Stiftsgründung liegt im Dunkeln. Obwohl erbenlos, wollte der damals gut 50-jährige Adalram seine Besitzungen auch für die Zukunft in guten Händen wissen. Vielleicht wollte er seinen Besitz auch bloß vor dem Zugriff des Landesfürsten retten. In der Stiftungsurkunde finden sich als Gründungsanlass dort nicht näher erklärte ''delicta'', also Vergehen Adalrams, angeführt. Im Hintergrund dafür steht wohl der Totschlag Adalrams an seinem Vetter Adalbero von Feistritz um 1138, der mit Richinza die Ehe gebrochen hatte, weshalb Adalram seine Gattin verstieß. Als Sühne für seine Bluttat übergab nun Adalram am 10. Januar 1140 in Friesach dem Salzburger Erzbischof Konrad I. beinahe seine gesamten Besitzungen zur Errichtung und Ausstattung eines Klosters. Anlässlich der Propstwahl am 22. Mai 1141 in Friesach ergänzte Adalram seine Stiftung durch die Schenkung von Liegenschaften zwischen Pyhrn, Semmering und Wechsel, womit die Besitzungen in Kumberg und Hainersdorf gemeint waren. Richinza fühlte sich wegen der Vergabe ihres Heiratsgu tes durch Adalram übergangen und wollte diese Sache widerrufen wissen. Dies strengte sie in Anwesenheit ihres Gatten in einer Klage vor König Konrad III. am 15. Mai 1149 an, der sich auf dem Rückmarsch vom gescheiterten Kreuzzug in Friesach aufhielt. König Konrad bestätigte ihre Position, woraufhin nun beide Gatten, die sich schon zuvor ausgesöhnt hatten , die Stiftung jener Güter mit gesamter Hand in aller Form erneuerten und damit das Eigentumsrecht des Stiftes garantierten. Auch die Einigung wurde von König Konrad beurkundet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der erste Konvent in Feistritz-St. Marein 1140-1142=== &lt;br /&gt;
Mit 10. Januar 1140 hatte Adalram den eigentlichen Gründungsakt in Friesach vollzogen und bestimmt, dass man daselbst (in Feistritz) unter der Regel des seligen Augustinus in geistlich und kanonisch festgesetzter Weise lebt. Im Salzburger Erzbischof Konrad I., der selbst ein Augustiner-Chorherr war und sein Domkapitel in ein Chorherrenstift umgewandelt hatte, erhielt er die volle Unterstützung. Dieser schickte nun aus seinem Domstift St. Rupert die ersten sechs Chorherren, welche mit Freitag, dem 20. Juli 1140 in Feistritz eintrafen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Namen sind überliefert: Wernher (von Galler), Liupold von Travesse (= Traföß bei Mixnitz), Otto von Friesach, Adalbert von Ossiach, Rudger von Salzburg und Gerold von Eppenstein. Diese richteten sich hier ein und bauten ihr erstes Kloster wohl aus Holz. Die Tradition weiß darum, dass das Kloster im Bereich des späteren pfarrlichen Wirtschaftsgebäudes von St. Marein gestanden habe. Nach zehn Monaten war man soweit organisiert, dass sich der kleine Konvent in Wernher von Galler am 22. Mai 1141 in Friesach unter Anwesenheit von Bischof Roman von Gurk den ersten Propst wählte. Bischof Roman führte den Neugewählten in Feistritz feierlich in sein Amt ein. Unter der Führung von Propst Wernher machte man sich allerdings auf die Suche nach einer endgültigen Bleibe für den Konvent, da man mit der Situation in Feistritz nicht vollauf zufrieden war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1142 kamen die Chorherren mit Erzbischof Konrad I. darin überein, im weiter westlich und höher gelegenen Seckau jenen Ort gefunden zu haben, der ihren Vorstellungen von klösterlicher Abgeschiedenheit und geistlicher Konzentration entspreche . In Erinnerung an die ursprüngliche Errichtung des Klosters an diesem Ort, bestimmte Erzbischof Konrad, solle die Seelsorge in Feistritz fortan durch einen Seckauer Chorherren versehen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übertragung der Stiftung nach Seckau 1142=== &lt;br /&gt;
Folgende Gründungslegende ist für die Übertragung der Stiftung nach Seckau überliefert: Auf der Jagd geriet Adalram von Waldeck in undurchdringlichen Forst, wo er sich erschöpft niederließ und einschlief. Im Traum sah er die Muttergottes mit dem Jesuskind und hörte eine Stimme, die ihm sagte: &amp;quot;Hie seca! Hier fälle!&amp;quot; Er berichtete Propst Wernher von diesem wunderbaren Ereignis und untersuchte gemeinsam mit ihm den Ort. Beim Fällen des ersten Baumes fanden sie in dessen Inneren ein Muttergottesbild und verstanden darin den Fingerzeig, hier das Kloster zu errichten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Auftrag im Traum erhielt das Kloster den Namen Seckau. Erzählt die Legende auch von himmlischen Zeichen, dürfte für die Übertragung der Stiftung auf die Hochebene von Seckau doch sehr wesentlich mitgespielt haben, dass man hier einen guten Sandsteinbruch entdeckt hatte, dessen Material für die Kirchenbauten der gesamten Gegend Verwendung fand. Er sollte nicht nur jetzt, sondern auch nach der Turmsturzkatastrophe 1886 wieder das Baumaterial liefern. Eine gemauerte Kapelle dürfte eines der ersten Gebäude gewesen sein, das man errichtete. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb der Grundmauern der ehemaligen Ulrich-Liechtenstein-Kapelle fand man bei Grabungen Mauerreste einer Apsis, die von dieser ersten Kapelle stammen könnten. Mit 12. März 1143 genehmigte Papst Innozenz II. die Stiftung und zugleich die Übertragung der Propstei nach Seckau und befreite sie von allen geistlichen und weltlichen Zehentpflichten. Noch vor seinem eigenen Eintritt in das Stift Seckau bemühte sich der Gründer Adalram, die Vogteifrage einwandfrei zu lösen. Zusammen mit Propst Wernher begab er sich im Sommer 1152 nach Regensburg zum Reichstag. Auf ihr Bitten und die Mitwirkung des Salzburger Erzbischofs hin übertrug Friedrich Barbarossa dort dem steirischen Markgrafen Otakar III. die Vogteigewalt, welche zuvor Adalram als Gründer selber inne gehabt hatte. Man vereinbarte sogar auch die Möglichkeit der Aberkennung der Vogtei, sollten dafür Gründe vorliegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Es gibt keine überlieferten Daten von einer Grundsteinlegung oder vom Baubeginn der Basilika. Man geht aber kaum fehl, sieht man mit den zum Leben und Wohnen notwendigen Klosterbauten auch die Kirche im Stil der Hirsauer Bauhütte emporwachsen. Zwischen 1143 und 1146 wurde bereits ein Friedhof von Bischof Roman eingeweiht.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Erzbischof Eberhard I. (1147–1164) legte den Grundsteinund weihte vor 1152 den Altar der hl. Magdalena in der sogenannten Magdalenenkapelle. Des Weiteren ergeben sich 1159 bauliche Hinweise durch die Weihen des Petrus- bzw. Johannesaltars im Kloster. Am 16. September 1164 konnte Bischof Hartmann von Brixen die Weihe der Stiftskirche vornehmen und stellte sie unter den Schutz &amp;quot;der allerseligsten Gottesmutter&amp;quot;. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Erzbischof Konrad II. in Italien auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Marienpatrozinium hatte man wohl von der Marienkirche in Feistritz übernommen. Bischof Hartmann konsekrierte auch den Hochaltar, der das Patrozinium der Drei Heiligen Könige erhielt. Dietriumphale Übertragung ihrer Reliquien nach der Zerstörung Mailands im Sommer 1164 nach Köln zog damals alle Aufmerksamkeit auf sich. Erst nach ihrer Vollendung erhielt die Kirche im Westen zwei Türme. Seckauer Konventualen wurden schon früh in andere Chorherrenstifte gesandt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1163 gegründeten Chorherrenstift Vorau stand als erster Propst der vorherige Seckauer Dechant [[Liupold von Travesse]] bis 1185 vor. Sein Nachfolger, Propst Bernhard (1185–1202), war ebenfalls davor in Seckau als Kustos und Bibliothekar sowie Mitarbeiter der Kanzlei des letzten Traungauers, des Herzogs Otakar I., tätig. Als Propst des neu gegründeten Chorherrenstiftes Stainz wirkte der aus Seckau gekommene Gerold zwischen 1229 und 1242. Noch vor 1150 traten das Gründerehepaar Richinza und Adalram als Knversen in die Seckauer Konvente der Chorfrauen bzw. Chorherren ein. Richinza verstarb dort an einem 7. Juli unbekannten Jahres, Adalram an einem 26. Dezember zwischen 1174 und 1182. Ihre Grablegen befinden sich in der Mitte des Langhauses der Basilika, die anlässlich der Erneuerung des Bodenbelags in der Basilika 1890 entdeckt wurden. 1964 wurden die Gebeine des Gründerpaares bei der Neugestaltung der Ostpartie der Basilika zum 800-jährigen Weihejubiläum neuerlich bestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Chorfrauenstift=== &lt;br /&gt;
Seit wann hier auch Chorfrauen lebten, ist nicht genau überliefert. Vermutlich werden sie schon sehr bald ihren Gebetsdienst versehen haben, da die Gründung von Doppelklöstern üblich war. Die Gründungsurkunde spricht ja in offener Form davon, dass man daselbst unter der Regel des seligen Augustinus in geistlich und kanonisch festgesetzter Weise lebt und legt sich nicht näher fest. 1147 heißt es in einer Urkunde, dass der spätere Propst Wernher und Dechant Liupold mit weiteren Ordenspersonen beiderlei Geschlechts am 20. Juli 1140 eingetroffen seien. Das Dotationsgut zum Chorfrauenstift stammte von Richinza, die 1149 ihre Stiftung bekräftigte. Die früheste sichere Nachricht über Chorfrauen in Seckau stammt aus einer undatierten Urkunde - bisher um 1150 angenommen-, wonach Burchard von Mureck auch den Schwestern eine Schenkung zukommen ließ. In dieser Urkunde wird allerdings auch eine Schenkung für die Markuskirche in Strelzhof erwähnt, welche Bischof Hartmann aber erst 1158 geweiht hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Somit stammt die früheste Quelle zum Chorfrauenkloster erst aus 1158. Die Chorfrauen unterstanden einer Meisterin, lebten in Klausur im Nordteil der Klosteranlage und hatten regen Zulauf. Ihr Zentrum für das Chorgebet war die St-Margareten-Kapelle (heute: Bischofskapelle). Sichtbare Leistungen brachten die Kanonissen in der Mitarbeit in der Schreib- und Malschule hervor. Eine ganze Reihe an Handschriften, die sich heute in der Universitätsbibliothek Graz befinden, zeugt von ihrer Kunst und Meisterschaft. Die wirtschaftlichen Belange wurden vom Chorherrenpropst mitversehen. Es existierte nie ein eigenes Besitzverzeichnis. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitgliederzahl des Frauenklosters war bisweilen so hoch, dass Bischof Heinrich I. 1242 die Höchstzahl mit 50 und Bischof Woche 1334 die Höchstzahl auf 40 Frauen festlegen musste, damit die Chorfrauen nicht so zusammengepfercht zu leben hatten. 1488 starb die letzte Chorfrau, weshalb das Frauenstift 1491 aufgelöst wurde. Als sichtbare Erinnerungen an den Frauenkonvent in Seckau existieren noch die Grabplatte von [[Agnes Enstaler]]  und der letzte Kragstein bei der Westempore in der Basilika, der einen Nonnenkopf darstellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Brandkatastrophe 1259 und neuerliches Erstarken=== &lt;br /&gt;
Eine schwere Brandkatastrophe ereignete sich am 7. November 1259: In der kaiserlosen Zeit hatte Philipp von Ortenburg, ein Bruder des Kärntner Herzogs Ulrich, mit Hilfe seines Vetters, des Böhmenkönigs Ottokar II., den erzbischöflichen Stuhl in Salzburg an sich gerissen. Philipp, &amp;quot;der Erwählte&amp;quot;, der als Subdiakon zum Empfang der höheren Weihen nicht bereit war, hätte allzu gern einen seiner Parteigänger, Ulrich von Hautzenbichl, als Propst von Seckau gesehen. Da der Konvent jedoch zu seinem Bischof Ulrich I. (1244–1268) stand und zudem auch aus Salzburg vor dem Wüterich Philipp nach Seckau geflohene Domherren vorübergehend aufgenommen hatte, veranlasste „der Erwählte&amp;quot; den Kleriker Ludwig von Dillingen aus Rache dazu, das Stift Seckau in Brand zu stecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem die Basilika mit ihren romanischen Holzdecken in den Haupt- und Seitenschiffen ging in Flammen auf. Auch eine Laienschwester aus dem Chorfrauenstift kam dabei ums Leben. Schwer getroffen von diesen Ereignissen resignierte Propst [[Otto von Ehrenhausen]] (1256–1259) und trat in den Dominikanerorden über. Sein Nachfolger als Propst wurde [[Ortolf von Prank]] (1260–1289), der in Wilhalmus, einem Konversen, einen initiativen und guten Bauherrn und in seinem leiblichen Bruder, Herzog Ulrich von Kärnten, einen finanzkräftigen Wohltäter zur Seite hatte . Dank einer gelungenen Wirtschaftspolitik war die Erneuerung der Basilika, der Decken und des Kreuzganges mit der St-Johann -Baptist-Kapelle möglich. 1264 wurde in Seckau das Fronleichnamsfest eingeführt und im Sommer an allen Sonntagen ein Umgang mit dem &amp;quot;Gottesleichnam &amp;quot; gehalten, um Segen für Feld und Flur zu erbitten. Der Minnesänger und Landeshauptmann Ulrich von Liechtenstein und seine Gattin Perchta von Weissenstein standen in enger Beziehung zu Propst Ortolf und erwählten deshalb Seckau zum Ort einer Grabstätte für sich und ihre Familie. Ulrich begann mit dem Bau einer Kapelle in unmittelbarem Anschluss an den Kapitelsaal des Stiftes, verstarb aber bereits 1275, weshalb sein Sohn Otto den Bau fortsetzte und vollendete. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bischof Wernhard weihte diese frühgotische Kapelle am 6. Mai 1279 zu Ehren des Evangelisten Johannes und der hl. Katharina von Alexandrien. Propst [[Ulrich I. Caesar]] (1302–1304) war der Begründer des Seckauer Oblaywesens. Unter seinem Nachfolger Propst [[Christian Feistritzer]] (1304–1325) musste Bischof Wocho (1317–1334) wegen des sittlichen und wirtschaftlichen Tiefstandes des Domstiftes korrigierend eingreifen. 1320 verordnete er im Einklang mit Propst und Kapitel die Einführung neuer Statuten, die vor allem ökonomische und disziplinäre Dinge betrafen. Vom Schlag getroffen, wurde der Propst vom Bischof mit 11. Juli 1323 seines Amtes enthoben. Noch vor seinem Sterbetag (17. Juli 1325) wurde der bisherige Dechant [[Ulrich II. von Prank]] vor dem 24. April zum Propst gewählt (1325–1333). Ihm oblag es, an der Verkleinerung der steigenden Schuldenlast und der Besserung der Disziplin zu arbeiten. Deshalb benannte er acht Mitbrüder, die ein Jahr lang in anderen Klöstern leben sollten. Er ordnete die Einkünfte neu und nahm sich und seinen Aufwand nicht aus. Um der Lage schneller Herr zu werden, legte der Bischof den Chorfrauen und -herren neue Einschränkungen auf, indem die einzelnen Ämter insgesamt 156 Mark Silber zur Schuldentilgung zu leisten hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert blühte Seckau als Wallfahrtsort neben Mariazell und Straßengel auf. Aus dem ganzen Murtal kamen Prozessionen besonders am sog. &amp;quot;hübschen Mittwoch&amp;quot; (Mittwoch nach Pfingsten) nach Seckau, um das „Ursprungsbild &amp;quot; zu verehren. Papst Johann es XXII. verlieh den Gläubigen der Diözese Seckau mit 17. Dezember 1332 bei jedem Besuch des Gnadenbildes einen Ablass von 40 Tagen. Propst [[Peter Freisinger]] (1348–1380) erhielt von Papst Innozenz VI. 1359 das Recht, die Pontifikalien zu führen. War Propst [[Ulrich III. von Trapp]] (1382–1414) ein erfolgreicher Wirtschafter, kümmerte sich [[Ulrich IV. Colusser]] (1414–1436) besonders um die Vermehrung der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Blütezeit des Stiftes=== &lt;br /&gt;
In Propst [[Andreas Enstaler]] (1436–1480) erlebte Seckau einen Eiferer für die Zierde des Hauses Gottes. 1438 vollendete Hans Mitter aus Judenburg die für das Domstift in Auftrag gebrachte Glocke, 1437 wurde mit dem Bau der gotischen Kirche von St. Marein begonnen. In dieser Zeit sollte Seckau drei „Gottesplagen&amp;quot; erleben: 1466 starben vier Chorherren und in der Pfarre Seckau 700 Menschen an der Pest. Am 18. August 1478 überfielen die Seckauer Gegend durch die Steiermark ziehende Heuschreckenschwärme, die alles kurz und klein fraßen. Zuletzt drangen im August 1480 auch noch die Türken ins obere Murtal vor, konnten aber, wie die Legende erzählt, das Stift bei dem herrschenden dichten Nebel nicht finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der glänzend sten Seckauer Pröpste überhaupt war [[Johannes Dümberger]] (1480–1510). Er sorgte für die Wiederherstellung der Kirche von St. Marein, die durch die Türken großen Schaden gelitten hatte, verlieh der Basilika das Netzgewölbe und umgab das Kloster mit einer schützenden Mauer. Seine Beziehungen zu Bischof Matthias Scheit (1481–1503) verschlechterten sich hingegen zusehends. Als der Bischof gegen den Ungarnkönig Matthias Corvinus Krieg führte, wurde er 1485 verwundet und gefangen genommen. Propst Dürnberger musste ihn deshalb um 2.000 fl loskaufen. Schon im folgenden Jahr zog Scheit erneut gegen die Ungarn zu Felde, wurde wieder verwundet und gefangen. Erneut hatte ihn der Dompropst freizukaufen. Die Meinung des Dompropstes als ''archidiaconus natus'' und die des Bischofs gingen in der Frage der ''jurisdictio ordinaria'' weit auseinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich Bischof Scheit auch nicht dem päpstlichen Entscheid fügte, wurde er zuletzt abgesetzt und exkommuniziert. Der Streit sollte erst nach gut 200 Jahren mit einem Vergleich enden. Nach der Schlacht bei Mohacs von 1526 gegen die Türken musste Propst [[Gregor Schärdinger]] (1510–1531) die Kleinodien des Klosters abliefern. Der Landesherr verordnete wegen der Türkengefahr schon 1523 die Terz und danach 1528 auch noch die Quart, wurden die Klöster und Stifte doch als kaiserliche Kammergüter angesehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die geforderte Barschaft aufbringen zu können, musste Seckau 1529 etliche Güter verkaufen. Damit war ein finanzieller Aderlass geschehen, der auch für das Kunstschaffen in Seckau eine tiefe Zäsur bedeutete. Vom Türkeneinfall war Seckau 1529 auch betroffen, da die feindlichen Horden das Schloss Witschein bei ihrem Rückzug von Graz nach Untersteier in Brand steckten und vernichteten. Der Wiederaufbau der dortigen Wirtschaftsgebäude und der Weingärten, die für Seckau eine bedeutende Einnahmequelle waren, verschlang viel Geld. Mit Propst [[Leonhard Arnberger]] (1541–1560) übernahm ein guter Wirtschafter das Ruder. Nur durch Verkäufe von Gülten konnte er den Anforderungen entsprechen und Schulden tilgen. Erneut fiel am 17. August 1544 ein Heuschreckenschwarm über die Steiermark herein und verwüstete Äcker und Wiesen. Als erster verfasste Propst Arnberger einen Pröpstekatalog. Er bemühte sich sehr um privates Studium und um seinen Konvent in Zeiten der neuen Lehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation=== &lt;br /&gt;
Über die Ausbreitung einzelner Vorboten der Reformation im Seckauer Raum, wie etwa die Sekten der Geißler und Springer, der Kult der 24 Ältesten und die in der Steiermark relativ langlebige Bewegung der Waldenser ist nichts bekannt geworden. Das Einschleichen der neuen Lehre kann im Einflussbereich des Seckauer Stiftes nur schwer festgestellt werden, denn erst das Visitationsprotokoll von 1528 gibt Einblick in die neue Situation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Landesfürst Ferdinand I. und der Salzburger Erzbischof Matthäus Lang hatten sich dahin verständigt, eine kirchliche und religiöse Bestandsaufnahme vorzunehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Am 15. Juni 1528 wurde in Seckau Nachschau gehalten und der Konvent &amp;quot;des glaubens halben und in khlesterlichen wesens unsträffiich befunden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die 21 Chorherren hielten am katholischen Glauben fest, als sich in anderen Klöstern schon heftige Diskussionen ergaben. Im Rahmen der landesfürstlichen Visitation von 1544 zeigten sich aber auch hier deutliche Veränderungen, heißt es doch, dass &amp;quot;ehmals 12 priester und 6 jung herrn gewest, darneben ein bettbrueder&amp;quot; (Betbruder=Konverse). Jetzt seien hingegen nur mehr &amp;quot;11 personen und ein jung herr, aber kein bettbrueder&amp;quot; mehr vorhanden. Den personellen Tiefpunkt erreichte Seckau 1575 mit verbliebenen fünf Geistlichen. In dieser Zeit des geistigen Umbruchs ist Dechant [[Lorenz Sechtan]] zu nennen, der sich als ruhender Pol und Vorbild treu an den Ordensgelübden und der katholischen Lehre ausrichtete. [[Laurentius Spielberger]] stand als Propst (1566–1587) in guter Beziehung zu Erzherzog Karl II. und den durchwegs protestantischen Ständen, die ihn mehrmals zum Verordneten wählten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Auftrag des Erzherzogs kämpfte Spielberger 1571 gegen die neue Lehre. Aufgrund des guten Einvernehmens mit dem Stift Seckau ließ Karl II. im Dom zu Seckau seine Begräbnisstätte noch zu Lebzeiten errichten. Im Sommer 1581 führte auch der seit dem Vorjahr in Graz residierende Nuntius Germanico Malaspina in den meisten steirischen Klöstern sowie in einigen Pfarren genaue Befragungen durch. Die nunmehr vorgefundenen Zustände in Seckau waren ziemlich besorgniserregend. Propst Laurentius Spielberger lebte seit 15 Jahren mit einer Konkubine zusammen, die er unmittelbar vor Eintreffen der Visitationskommission entließ. Mit ihr hatte er sieben Kinder. Er gelobte dem Nuntis gegenüber Besserung und durfte deshalb auch im Amt bleiben. Der Konvent neige zu Trunksucht und Luxus, wie der Propst aussagte, und leiste ihm wenig Gehorsam. Einige Chorherren hätten ebenfalls Konkubinen. Zwei seiner Kanoniker wurden deshalb ihrer geistlichen Funktionen enthoben und für zwei Monate in ihren Zellen in Haft gehalten. Der Propst und die beiden Konkubinarier bekannten ihre Schuld auf den Knien vor dem Nuntius und dem anwesenden Konvent und versprachen Besserung. Nach dem gemeinsam gesungenen Psalm &amp;quot;De profundis&amp;quot; sowie weiteren Gebeten erteilte der Nuntius den drei Bußfertigen die Absolution. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Auswirkung dieser Visitation brachte die Neufassung der Seckauer Statuten mit sich, die am 13. September 1583 vom Kapitel beschlossen wurden. 1586 wurden noch weitere Ergänzungen durchgeführt. Damit hatte man nun sämtliche Bereiche des innerklösterlichen Lebens neu geregelt und die Beobachtung der Ordensregel sowie den Gehorsam gegenüber Propst und Bischof betont. Der stiftische Bibliotheksbestand dieser spannenden Zeit repräsentiert die verschiedenen geistigen Strömungen und kennt fast alle bedeutsamen Kontroverstheologen mit einem oder mehreren Werken, vorwiegend aus der Sicht der Gegner bewertet. Es gibt dort nur wenige Schriften mit ausgesprochen reformatorischem Inhalt. Entsprechend gab es auch keine Aufsehen erregenden Übertritte von Seckauer Chorherren zur neuen Lehre wie andernorts. Zwei Seckauer Chorherren wurden in dieser Zeit als Pröpste von Rottenmann postuliert: [[Laurentius Reisacher]] (1574–1575) und [[Johannes Muchitsch]] (zwischen 1578 und 1608). In St. Andrä an der Traisen lenkten gleich drei aus Seckau postulierte Chorherren das Stift: [[Johannes Zwicker]] von 1490 bis 1493, dem [[Oswald Rieger]] bis 1507 folgte, und noch [[Bonaventura Hahn]] von 1629 bis 1640. In Herzogenburg wirkte der Seckauer Dr. [[Martin Müller]] von 1621 bis 1640 als Propst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Die anbrechende neue Zeit wurde unter Propst [[Wolfgang Schweiger]] (1587–1589) in der baulichen Veränderung des Mitteltraktes des Klosterhauptgebäudes und in der Umgestaltung des ursprünglich romanischen Kreuzganges in der Formensprache der Spätrenaissance durch Bernhard de Silvo 1588 sichtbar. Schon nach wenigen Jahren resignierte Propst Wolfgang und übersiedelte in das Chorherrenstift nach St. Andrä an der Traisen. 1591 kam er von dort wieder nach Seckau zurück. 1587 begann Alexander de Verda mit dem Bau des Mausoleums für Erzherzog Karl II. und dessen Familie. 1612 konnte Sebastian Carlone mit seinen Gehilfen das Habsburgergrab vollenden, eine Manifestation des konfessionellen Absolutismus im manieristischen Stil unter Propst [[Sebastian Kueler]] (1589–1619), die die Finanzen des Klosters ziemlich erschöpft hatte. Kueler gelang es jedoch als Verwaltungsgenie, die immensen Schulden in den Griff zu bekommen und das Stift zu neuer Blüte zu führen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dankbar für seine Dienste, die er dem Lande geleistet hatte , ließen die Stände Kueler 1606 sogar eine silberne Münze prägen. Um das Geld für den Wiederaufbau der 1603 abgebrannten Prälatur aufzubringen, soll Kueler einem Alchimisten 1.000 fl zur Verfügung gestellt haben, was sowohl bei Bischof Brenner als auch bei der Regierung großes Ärgernis hervorrief. Er unter stütze eine von Papst Johannes XXI. bereits 1317 verbotene Kunst, hieß es von dort. Mit Propst[[ Anton von Potiis]] (1619–1657) erfuhr Seckau neuen inneren und äußeren Aufschwung. In Stiftsdechant [[Thomas Jurichius]] hatte er einen um den inneren Fortschritt bemühten Partner in der Leitung der Mitbrüder. Der Propst sorgte für den weiteren Ausbau des Stiftes. Er erwarb 1635 die Herrschaft Liechtenstein und kaufte 1636 den Prankmairhof in Prank sowie 1646 das Schloss Hautzenbichl neben etlichen Gütern bei Bruck an der Mur, Leoben, St. Michael, Trofaiach, Mautern und im Mürztal. Er errichtete 1625 bis 1628 den 160 m langen Westtrakt und 1640 den Kaisersaal sowie Radmeistersaal (heute Zeichensaal des Abteigymnasiums). An den vier Ecken ließ er ursprünglich mit weißem Blech gedeckte Türme und Schutzwehren errichten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Kleriker ließ Propst Potiis auch an auswärtigen Universitäten studieren. Damals erwarben sie sich akademische Lorbeeren verschiedener Fakultäten. Die erfolgreiche Tätigkeit von Propst [[Maximilian Graf Gleispach]] (1657–1700) als Verordneter im Landtag brachte es mit sich, dass Kaiser Leopold I. Seckau bei seinem Aufenthalt am 21. August 1660 zum Markt erhob und den Propst zum Geheimen Rat ernannte. Gleispach betrieb mit Energie den Exemtionsstreit, konnte aber nicht dessen Abschluss erleben. In der Bautätigkeit übertraf er trotz angeblicher Schulden von 300.000 fl sogar noch seinen Vorgänger. Propst Gleispach hatte im Leobener Baumeister Peter Franz Carlone einen kongenialen Partner für seine Vorhaben gefunden. 1658 bis 1682 setzten sie gemeinsam ihre Ideen um und gaben dem Stift ein neues Aussehen. 1660 wurde auf die Initiative und Finanzierung von Dechant [[Peter Auer]] hin auf der Hochalm für die Senner eine Kirche zu Ehren des hl. Hieronymus, des Viehpatrons, gebaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem fließenden Übergang entwickelte sich jedoch daraus ein Marienheiligtum und das Patrozinium wechselte in der Folgezeit zu &amp;quot;Maria Schnee&amp;quot; . Die Hochalmkirche ist die höchst gelegene Wallfahrtskirche in der Steiermark und wird besonders zu Mariä Heimsuchung am 2. Juli und Maria Schnee 5. August (seit der Nazizeit an den ersten Monatssonntagen im Juli und August) - heute ergänzt durch den Mutter-Anna-Tag (20. Juli) - von den Pilgern aufgesucht. Zum 300-jährigen Jubiläum wurde die Kirche 1960 gänzlich renoviert und die Wallfahrt neu belebt. 1662 gelangten die Besitzungen um Strelzhof in Niederösterreich durch Verkauf an das Neukloster der Zisterzienser in Wiener Neustadt. Für den Fall einer über die ganze Steiermark hereinbrechenden Invasion der Türken hatte Gleispach mit dem Propst von Berchtesgaden die Evakuierung des Seckauer Kapitels dorthin vereinbart. Seckauer Untertanen planten für den 27. Juli 1683 einen Aufstand gegen das Stift, der jedoch frühzeitig aufgedeckt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anstifter und Rädelsführer wurden sehr hart bestraft. 1696 erhielt das Kapitel neue Statuten. Durch den ehrenden Vergleich von Propst [[Franz Sigismund von Schrott]] (1700–1703) mit Bischof Rudolf Graf Thun am 11. Januar 1701 konnte der beinahe 200 Jahre lang dauernde Exemtionsstreit ohne Gesichtsverlust einer Seite endlich beendet werden. Die angeblich 300.000 fl Schulden aus dem langen Prozess konnte Propst [[Paul Franz Poiz]] (1703–1733) nur durch den Verkauf von mehreren Besitzungen tilgen. Er begann deshalb 1705 auch wieder mit dem Betrieb des Kupferbergwerkes in Flatschach bei Schönberg. Zum Dank für die Abwendung der 1713 wütenden Pest ließ Propst Poiz am Zellenplatz eine Mariensäule aufstellen. Der hochtalentierte DDr. [[Maximilian Mayr]] war vor seiner Wahl zum Propst (1733–1737) beim Seckauer Bischof Dominicus von Lamberg bis 1723 und danach bei dessen Beförderung auf den Passauer Bischofsstuhl als Kanzler tätig. Mit der eigenen Wahl zum Propst endete seine Tätigkeit auf höchster Ebene, um sich voll auf sein Stift konzentrieren zu können. Unter Propst [[Franz Xaver von Waiz]] (1737–1751) konnte der Konvent das 600-jährige Gründungsjubiläum begehen, zu welchem Anlass auch die Jesuitenschüler in Judenburg ein Festspiel aufführten.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Propst [[Josef Urban von Schurian]] (1751–1769) konnte trotz allem Bemühen den wirtschaftlichen Niedergang des Stiftes nicht aufhalten. Diese schwierige finanzielle Situation des Domstiftes brachte den damaligen Seckauer Bischof, Josef II. Philipp Graf von Spaur, auf den Gedanken, das Regular-Domstift Seckau in ein Säkular-Dom stift zu verändern und den Sitz in die Landeshauptstadt Graz zu verlegen. [[Johannes von Poldt]] war als letzter Propst (1770–1782) dem Säkularisierungsplan des Bischofs nicht abgeneigt und dafür noch zusätzlich bereit den Stiftsbesitz dem Meistbietenden zu verpachten, um die anstehenden Schulden tilgen zu können. Der innere Zusammenhalt und die klösterliche Disziplin hatten in diesen Jahren ziemlich gelitten, wie die Visitation von 1776 recht deutlich zeigte. Der Propst legte nun seinem Kapitel Mitte Februar 1780 in einer Kapitelsitzung den Plan zur Säkularisierung vor, wogegen die Kanoniker aber Sturm liefen. Poldt ließ in der Folge alle Kanoniker auf sein Zimmer zu einem Einzelgespräch kommen - der Widerstand blieb bestehen. Erst als er erneuten Druck ausübte und &amp;quot;diesen zu wagenden Schritt auf sein eigenes Gewissen zu nehmen wüste&amp;quot;, erhielt er die Unterschriften des Kapitels zu seinem Vorhaben. Sodann unterbreitete er dieses Vorhaben der Kaiserin Maria Theresia, deren Tod am 29. November 1780 die Ausführung dieses Plans verhinderte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für dessen Umsetzung sorgte aber Kaiser Joseph II. am 13. Mai 1782 in überraschender Weise. Die Dom- und Stiftskirche von Seckau wurde nun zur Pfarrkirche umgewandelt und die Jakobskirche abgetragen. Was nicht niet- und nagelfest war, wurde weggebracht. Ein guter Teil der Bibliothek kam nach Wien. Den Kapitularen blieb nur ihr geringes Eigentum. Jeder erhielt 100 fl für Kleidung, ein Paar silberne Messer, Gabeln und Löffeln und als Pension jährlich 300 fl. Der Prälat hingegen empfing 800 fl und der Dechant 600 fl. Am 12. August 1782 ging der Konvent auseinander. Mit der Einführung des Domkapitels in Graz wurde Poldt zum Dompropst in Graz (1786-1798) ernannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vom Religionsfonds zur Radmeister-Communität Vordernberg 1782–1883=== &lt;br /&gt;
Bei seinem Besuch in Seckau am 12. September 1810 schrieb Erzherzog Johann in sein Tagebuch: &amp;quot;Das Stift Seckau war eines der schönsten ... alles war auf einem guten Fuße und sehr ordentlich verwaltet; jetzt sind die Meierhöfe stückweise verpachtet; die Alpen ebenfalls; die Waldungen werden theils für die eigenen Hammer, theils für Vordernberg benutzt: 11.166 Joch Waldungen, 242 Äcker, 465 Wiesen, 2575 Hutweiden, 1100 Unterthanen, 600 Forst-und Zehentholden, Teiche, Mühlen und ein schönes Hammerwerk, welches jetzt getrennt verwaltet wird. Alles war in Mappen aufgenommen, Seckau im Relief in Holz; alles ist weg; die Einrichtung versteigert und verbrannt, wahrlich Spuren des Vandalismus; der unvergeßliche Kaiser Joseph wurde schlecht bedient.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass die Radmeister-Communität von Vordernberg am 3. November 1823 die „Stiftsherrschaft&amp;quot; Seckau mit einem Waldbestand von 7.400 Hektar auf dem Lizitationsweg um 125.100 fl C.M. aus dem Religionsfonds erwarb. Die Tatsache, dass man große Waldbestände für die Versorgung der eigenen Hochöfen mit Holzkohlen brauchte, war das Hauptmotiv für die Übernahme von Seckau. Auch das Patronat ging in die Hände der Radmeister-Communität über, welche nun für die dringend notwendige Restaurierung des Habsburger-Mausoleums Sorge trug.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Wiederbesiedelung durch Benediktiner 1883 und Neugründung der Abtei Seckau 1887=== &lt;br /&gt;
Durch die im Kulturkampf unter Reichskanzler Otto von Bismarck erlassenen Maigesetze vom 31. Mai 1875 wurden alle Orden in Preußen aufgehoben. Auch der 72-köpfige Konvent der Benediktinerabtei Beuron hatte nach einer neuen Heimstätte zu suchen. Abt Dr. Maurus Wolter wandte sich mit seinem besonderen Problem an Kaiser Franz Joseph in Wien, der ihm zu Hilfe kam. Gut die Hälfte des Konvents lebte nun von 1875 bis 1880 im beinahe leer stehenden Servitenkloster in Volders bei Hall in Tirol. Der Kaiser schenkte den Benediktinern sein Eigenkloster Emaus in Prag 1880, wo sich eine so gute personelle Entwicklung zeigte, dass man schon 1883 an eine Neugründung gehen musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ihm Dompropst Alois Karlon, Abgeordneter zum Reichsrat, und dessen Bruder Johann Karlon davon berichteten, bot Bischof Johann Baptist Zwerger von Seckau den Benediktinern nun das ehemalige Dom- und Chorherrenstift an der„ Wiege&amp;quot; seiner Diözese in Seckau an. Die Radmeister-Communität Vordernberg verkaufte deshalb die Herrschaft &amp;quot;Seckau&amp;quot; um 70.000 fl samt den nicht ganz 240 Hektar Grundbesitz an die Beuroner Benediktiner, wobei offiziell Dompropst Prälat Alois Karlon als Käufer auftrat. Mit 9. Juli 1883 trafen bereits die ersten Mönche ein, um den Einzug der Benediktinerkommunität vorzubereiten. Am Fest Mariä Geburt, am 8. September 1883, wurde der Geburtstag von Neu-Seckau in Gegenwart des Bischofs Zwerger, des Abtes Maurus Wolter von Beuron und der 16-köpfigen Ordensgemeinschaft gefeiert. Nach 100 Jahren wurde die Kirche wieder von klösterlichem Gesang und Gebet erfüllt. Zwischen 1885 und 1887 war das junge Priorat sogar Sitz des Beuroner Erzabtes. Nach einer kurzen Einführungsphase wurde das Kloster Seckau mit 3. Juli 1887 zur eigenständigen Abtei erhoben. Kraft eines päpstlichen Dekrets wurde die Abteikirche mit 7. Oktober 1930 ausgezeichnet und erhielt den Rang einer ''Basilika minor''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abteischule wurde am 9. Juni 1931 zum „Abteigymnasium&amp;quot; mit Öffentlichkeitsrecht ernannt. Kurz nach dem 800-jährigen Gründungsjubiläum am 10. Januar 1940 wurde die Abtei durch die Geheime Staatspolizei aufgehoben. Das Gebäude diente während des Zweiten Weltkriegs zur Ausbildung von Burschen durch die NAPOLA. Am 8. September 1945 konnte Abt Benedikt wieder sein Kloster in Besitz nehmen, auch wenn dieser Schritt durch die gesetzliche Rückstellungsverordnung erst mit 16. Juni 1947 offiziell vollzogen wurde. Zur liturgischen Erneuerung leisteten die Seckauer Mönche durch die Pflege des Choralgesangs und ihre einschlägigen Veröffentlichungen einen unverzichtbaren Beitrag. Gerade die mit der Erneuerung des Lebens aus christlichem Geist bemühte Jugendbewegung „Bund Neuland&amp;quot; schöpfte aus den Impulsen und der Spiritualität des benediktinischen Mönchtums. Die wirtschaftliche Grundlage der Abtei war von Beginn an unzureichend. Die notwendigen Umbau- und Renovierungsarbeiten besonders der 1980er Jahre bedeuteten beinahe den finanziellen Ruin. Der seit 1933 von 91 auf inzwischen 20 Mönche verkleinerte Konvent erfreut sich aber eines ausgezeichneten Rufes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konföderationen== &lt;br /&gt;
1305 standen die Seckauer Chorherren mit einem weiten Kreis an Klöstern in enger Verbindung und mit welchen sie sich geistlich verbrüdert wussten. Zunächst waren das folgende Chorherrenkonvente: Domkapitel Salzburg, Gurk, St. Andrä im Lavanttal, Klosterneuburg, Herzogenburg, St. Andrä an der Traisen, Reichersberg, Waldhausen, Berchtesgaden, Neustift bei Brixen und Oberndorf. - Zu diesen kamen auch Klöster anderer Orden hinzu: St. Peter Salzburg, Admont, St. Lambrecht , St. Paul im Lavanttal, Kremsmünster, Rein, Neuberg, Garsten, Suben, Vornbach, Baumburg, Gleink, Lambach, lndersdorf, Gars, Au, St. Zeno in Reichenhall, Heiligenkreuz, Chiemsee, Gries bei Bozen, Ranshofen , Göttweig, Dürnstein, Lilienfeld, St. Maurice, Niederaltaich, Langenzenn, Ossiach und St. Michael an der Etsch. Eine ganze Reihe an Konföderationsurkunden ist uns erhalten geblieben. Bisweilen wurden sogar bestehende Konföderationen erneuert und wiederum bestätigt: Dominikanerprovinz Österreich (1270), Franziskanerprovinz Italien (1282), Gurk (1295), Stainz (1296 ), Vorau (1302), St. Florian (1302), St. Pölten (1302), St. Nikola in Passau (1304), St. Paul im Lavanttal (1305), Stainz (1311), Rein (1319), St. Andrä an der Traisen (1330), Neustift bei Brixen (1331), St. Andrä an der Traisen (1334), Neustift bei Brixen (1336), St. Peter in Salzburg (1346), Klosterneuburg (1372), Kremsmünster (1373), St. Lambrecht (1377), Reichersberg (1377), Herzogenburg (1377), Eberndorf (1395), Waldhausen (1398), Rein (1411), Admont (mit Propst Ulrich Colusser 1414- 1436), Neuberg (1424), Rebdorf (1442), Garsten (1478), Gleink (1495), Heiligenkreuz (1495), Lambach (1495), Chiemsee (1496), Gries bei Bozen (1496), lndersdorf (1496), Ranshofen (1497), Suben (1497), Göttweig (1501), Dürnstein (1502), Lilienfeld (1502), Kremsmünster (1503), Niederaltaich (1503), Langenzenn (1509), Ossiach (1516), St. Peter in Salzburg (1517).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Karitative Tätigkeit== &lt;br /&gt;
Die Chorherren hatten sich nicht nur um die Ordensmitglieder, sondern auch um ihre anvertrauten Laien im Stift und auf den inkorporierten Pfarren zu kümmern. Die Sorge für Arme und Kranke war im Mittelalter ja vornehmlich Aufgabe der Kirche. So errichtete auch Propst Wernher in der Nähe des Stiftes ein Hospiz und ein Armenhaus mit einer dem hl. Jakob 1194 geweihten Kapelle, die bei der Abtrennung Seckaus von Kobenz 1197 Pfarr- bzw . Leutekirche wurde und es bis zur Aufhebung 1782 blieb. Bald danach wurde sie jedoch geschleift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Nekrolog des Armenspitals informiert über die einstigen Insassen vom 12. bis zum 14. Jahrhundert. Mit dem übrig gebliebenen Kapital des 1488 ausgestorbenen und 1491 aufgehobenen Chorfrauenstiftes ließ Propst Dürnberger ein Spital bauen, welches am 5. August 1502 eingeweiht wurde. Für die Insassen dieses Armenspitals galten eigene Statuten, die auf einer Holztafel aus dem 17. Jahrhundert überliefert sind. Von diesem Dürnberger-Spital ist heute nur noch die Luziakapelle als Kleinod gotischer Architektur und spätgotischer Wandmalereien erhalten. Die Reste des Spitals wurden 1912 abgerissen. Die Klosterschule (''schola interna'') besuchten nicht nur die eigenen Kleriker, sondern stand auch für Schüler offen (''schola externa''), die weltliche Berufe ergreifen sollten. Diese Schule war insofern auch ein unverzichtbarer sozialer Beitrag zur Ausbildung von Personen, die einmal hohe Verantwortung übernehmen sollten. Auch das Bruderschaftswesen ist hier zu erwähnen, zumal sich dort religiöse wie soziale Motivation trafen. U.a. sei hier etwa an die &amp;quot;Aller Christgläubigen Bruderschaft&amp;quot; in der Maria-Magdalenen-Kapelle erinnert, die Propst Haller 1377 gründete. 1480 errichtete Propst Enstaler die Liebfrauenbruderschaft zum Dank für die Befreiung aus Türkennot. 1486 wurde in der Basilika die Mariä-Opferungs-Bruderschaft eingeführt. Im 17. Jahrhundert kamen auch die Arme-Seelen- und die Sebastianibruderschaft sowie 1753 die Namen-Jesu-Bruderschaft dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Klosterschule== &lt;br /&gt;
In Seckau wurde schon früh eine Schule geführt. In einer Urkunde von 1156 wird von einem Udalricus berichtet, der einst im Kloster Seckau mit den Kanonikern erzogen, jetzt zum jungen Mann herangewachsen ist. Damit finden wir die ''schola interna'' angesprochen, welche sich als &amp;quot;Konventschule&amp;quot; um die Ausbildung des Ordensnachwuchses kümmerte. 1197 machte Erzbischof Adalbert III. für diese Schüler eine Spende (''oblatio puerorum''). Die Besucher der ''schola interna'' trugen die Tonsur wie die Chorherren. Beim gemeinsamen Gebet in der Schule wurden die Schüler mit Weihwasser besprengt. Beim Gottesdienst trugen sie eigene Umhänge und waren als Sänger der gregorianischen Choräle unverzichtbar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung jener Schüler, die weltliche Berufe ergreifen wollten, versah die ''schola externa'', welche auch außerhalb der Klausur untergebracht war. Mit der Erhebung des Stiftes zum Domstift wurde die ''schola externa'' 1218 zu einer Domschule. Ihre Schüler trugen weltliche Kleidung. 1242 wurde vom Bischof vorgeschrieben, dass die Schüler künftig nicht mehr im Kloster, sondern im Ort zu wohnen hätten. Der ''Scholasticus'' war mit der Leitung der Schule betraut und wurde direkt vom Propst eingesetzt. Ihm unterstanden der Regenschori und ein Kantor, die ihn beide in der Leitung der Domschule unterstützten. Im Chorherrn Rudolf verstarb 1289 der frühest bekannte Scholasticus. Dann ist erst wieder Michael Bruchlius 1613 genannt und danach die geschlossene Reihe der Scholastiker bis 1782. Nach 1300 scheint das Bildungsniveau gesunken zu sein, da bei der Propstwahl von &lt;br /&gt;
1383 einige Chorherren nicht einmal schreiben konnten. Zum Vergleich sei darauf hingewiesen, dass etwa in St. Lambrecht 1387 kein einziger Mönch schreiben konnte. Um 1500 gab es in Seckau diese Form der Schule nicht mehr. Die Aufgaben des Scholastikers versahen nun der Regenschori und der Kantor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Tätigkeit== &lt;br /&gt;
Einige Chorherren waren besonders talentiert bzw . wissenschaftlich interessiert. So haben 68 Seckauer Kleriker an der Universität in Graz studiert, 15 aber auch andere Universitäten besucht: jeweils ein Chorherr inskribierte in Ingolstadt, Mainz, Padua, Rom, Salzburg und Trier, drei in Dillingen und sechs in Wien. 83 der insgesamt 396 Kanoniker besuchten eine Universität, was 21 % entspricht. 15 von diesen brachten es dann sogar bis zur Doktorwürde. Was aber wissenschaftliches Arbeiten nach dem Studienabschluss betrifft, sind nur wenige Informationen bekannt. Im Steiermärkischen Landesarchiv werden einige wenige Manuskripte theologischer Abhandlungen aufbewahrt, weiters sind einige historische Werke erhalten geblieben, die einen guten Einblick zur Seckauer Geschichte liefern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leonhard Arnberger (1541–1560) verfasste den frühesten Pröpstekatalog. Propst [[Jakob Waschl]] (1560–1566) erstellte wiederum einen Katalog der Pröpste samt ihren Wappen. Die leiblichen Brüder Johannes und Thomas Jurrick aus Wittgenau, die in der latinisierten Form ihres Namens, &amp;quot;Jurichius&amp;quot;, bekannt geworden sind, haben für Archiv und Bibliothek wertvollste Arbeit geleistet. [[Thomas Jurichius]] (1589–1658) war ab 1622 Stiftsdechant und verfasste die wichtige Urkundensammlung „Chronicon sive Diplomatarium Seccoviense&amp;quot;. Seinem Bruder [[Johannes Jurichius]] (1616–1671) ist der &amp;quot;Liber benefactorum Ecclesiae Seccoviense&amp;quot;, das Wohltäterbuch der Seckauer Kirche, und der „Rapsodus seu Index Rerurn &amp;quot;, ein Archivkatalog, zu verdanken. Großartiges leistete wieder der unermüdliche [[Matthias Ferdinand Gauster]] (1699–1749), Autor des umfangreichen vierhändigen „Praesulatus Seccoviensis&amp;quot; und der „Collectanea ad Praesulatum Seccoviensem&amp;quot;. Seine Aufzeichnungen haben auch durch qualitätvolle Aquarelle dokumentarischen und kunsthistorischen Wert. Des weiteren stammen aus Gausters Feder das &amp;quot;Viridarium Rituum&amp;quot;, die vierbändigen &amp;quot;Monum entorum Seccoviensium&amp;quot; und die &amp;quot;Diarii Seccoviensis&amp;quot;. Auch der letzte Seckauer Archivar, [[Georg Scheidl]] (1750–1835), schrieb eine kompakte Geschichte der Seckauer Dompröpste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von seinem Vater hatte Adalram von Waldeck ein schönes Erbe erhalten: Waldeck im Pittener Land mit den Dörfern Strelz, Willendorf, Dreistetten, Wopfing, den Hof Badendorf mit drei Weingärten wie Gerasdorf mit seinen Weingärten und Zubehör, den Hof am Kamp und an der Erlach sowie Starhemberg. In Oberösterreich nördlich der Donau besaß er Waltenstein mit den Gütern auf dem Windberg, je drei Weingärten zu Aschach und Pesenbach, die Höfe Eppenberg, Erbenberg, Ottens heim und Lindham. Zu diesen kamen noch die oststeirischen Besitzungen Kumberg, Arndorf, Hainersdorf, mit Lebern südlich von Graz und Leutzendorf. Dazu erhielt er noch Feistritz, den ersten Gründungsort des Stiftes Seckau. Fast seine gesamten Besitzungen übergab Adalram dem Salzburger Erzbischof mit 10. Januar 1140 zur Gründung eines Chorherrenstiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet durch dieses Dotationsgut hatten sich die ersten Chorherren zunächst einmal in Feistritz einzuleben und die Grundlagen für ihr Fortkommen zu sichern. Die Befreiung von jeglichen steuerlichen Abgaben war als Erleichterung zu sehen, wie es in der Gründungsurkunde festgelegt war. Das erste Kloster stand, wie die Tradition weiß, im Bereich des späteren pfarrlichen Wirtschaftsgebäudes von St. Marein. Dieser Ort erwies sich jedoch als ungeeignet, weshalb man sich schon bald zu einem Neubeginn in Seckau entschloss. Neben dem Dotationsgut des Gründerehepaares vergrößerte sich der Besitz durch weitere Schenkungen aus weltlicher und geistlicher Hand. Seckau besorgte nun wiederum die Errichtung von Kirchen und Kapellen für seine Untertanen. In den Seelgerätstiftungen an das Seckauer Kloster trafen sich die spirituellen Interessen der Stifter mit den materiellen Hoffnungen der jungen Klosterkommunität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1170 widmete der Erzbischof auf Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Seckauer Propstes hin eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten - wahrscheinlich zur Eisengewinnung - als Unterstützung der Klöster in Seckau und Vorau. Beiden im Aufbau begriffenen Stiften war damit gut gedient. Mit 10. Februar 1171 bestätigte Papst Alexander III. den Seckauer Besitzstand, der sich seit der Gründung schon ein wenig vergrößert hatte. Der Besitzzuwachs von 1171 bis zur Anlegung des ältesten Urbars kam hauptsächlich durch Schenkungen in die ''Oblay'' zustande. Dabei handelte sich vornehmlich um Streubesitz im oberen Murtal, im Palten- und Liesingtal, im Ennstal, zwischen Leoben und Bruck, im Mürztal sowie in der Oststeiermark, bei Leibnitz und in der Untersteiermark bei Witschein. Der Besitz nördlich der Donau gelangte schon bald als Lehen in die Hände der Herren von Ort. Durch die Gründung der Diözese Seckau wurde das Chorherrenstift mit 8. Juli 1218 zum Domstift und damit auch zum Domkapitel erhoben - in seinen Besitzungen wie Rechten aber klar vom Bistum getrennt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Urbar ließ Propst Ortolf in der Zeit um 1270 verfassen. Es hält den trotz der Folgen der Brandkatastrophe von 1259 recht kompakten Klosterbesitz zwischen Judenburg und Kraubath sowie im Gebiet des Hochplateaus um Seckau fest. Von allgemein wirtschaftsgeschichtlichem Interesse sind die Leistungen der darin erwähnten &amp;quot;Schafschwaigen&amp;quot;. Die am Georgi- und Michaelifest zu leistenden Abgaben der Untertanen bestanden nur zum Teil aus Geld. Dem Grundherrn war auch durch die Abgabe von Naturalien gut gedient: Eier, Getreide, Hühner, Käse, Kraut, Kühe und Schafe. Wegen der raschen Verderblichkeit wurde die Abgabe von Fischen in eine Geldleistung umgewandelt. Die Abgaben von gewerblichen Betrieben erfolgten meistens in Geld. Für die Besitzungen in Niederösterreich gab es ein eigenes Urbar, das allerdings nicht erhalten geblieben ist. Nicht unerwähnt darf hier der Silberbergbau am Dobritsch zwischen Friesach und Hüttenberg in Kärnten bleiben. Dort konnte sich Seckau damals sehr maßgebliche Summen erwirtschaften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des wirtschaftlichen Tiefstandes des Stiftes musste Bischof Wocho (1317–1334) eingreifen. Er gab mit 23. August 1320 gemeinsam mit Propst Christian Feistritzer und Kapitelbeschluss dem Stift neue Statuten, die vor allem ökonomische und disziplinäre Dinge betrafen. Unter Propst Dietmar Cholbo (1339–1346) erreichte das Stift eine Blütezeit in geistlicher und wirtschaftlicher Beziehung. Auch Propst Ulrich III. von Trapp (1382–1414) hatte für die Wirtschaft eine glückliche Hand, sodass er als ''alter fundator'' bezeichnet wurde. Das Urbar des Stiftes St. Florian von 1373 zeigt, dass Seckau seine aus der Gründungsdotation stammenden Besitzungen nördlich der Donau bereits an das verbrüderte Chorherrenstift veräußert hatte. Für Seckau liegen aus dem 14. Jahrhundert allerdings keine Urbare oder urbarialen Aufzeichnungen vor. Die allmähliche Verdrängung der Naturalabgaben durch deren Ablöse in Geld brachte wiederum neue schriftliche Aufzeichnungen der stiftischen Untertanen mit sich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner beinahe 45-jährigen Regierunszeit sorgte Propst Andreas Enstaler (1436–1480) für viele Anschaffungen und Neuerungen im Stift und seinen Pfarren. Mit den erworbenen Gütern kam eine ganze Reihe von Untertanen in der Seckauer Gegend zum Stift. Seckau hatte damals gut 1.200 Untertanen. Die Aufzeichnungen des Stiftsarchivars Matthias Ferdinand Gauster aus dem 18. Jahrhundert machen gerade auch die Besitzveränderungen im Lauf der Jahrhunderte nachvollziehbar. Um 1400 hatte man mit dem Bergbau in Flatschach bei Knittelfeld begonnen und zunächst Gold zutage gefördert. Im Lauf der Zeit wurden aber die Kupfervorräte immer ertragreicher und bedeutungsvoller. Durch die kaiserliche Abforderung der Terz (= eines Drittels der gesamten Einkünfte eines Jahres) 1523, der Kirchenkleinodien - nach der Schlacht bei Mohacs 1526- und der Quart (= eines Viertels) 1528 hatte das Stift jedoch schwere finanzielle Herausforderungen aufgelastet bekommen und konnte sich, trotz eingelegten Protests, nur durch den Verkauf von Gülten um Bruck, im Enns-, Mürz- und Paltental über Wasser halten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1529 beließ der Kaiser jeder Kirche nur mehr einen Kelch und eine Monstranz - der Rest war abzuliefern. Der Kaiser musste alle Mittel ausschöpfen, um im Kampf gegen die Türken bestehen zu können. Vor der Quart (1528) betrug der Seckauer Besitzstand 1752 Pfd. 7 Sch. 9 Pf. - nachher (1540) waren es nur noch 1271 Pfd. und 23 Pf. Damit war das Domstift im Vergleich mit den anderen Stiften des Landes relativ am schlechtesten bestellt. Bischof [[Georg III. von Tessing]] (1536–1541} führte beim Februar-Landtag 1540 deutliche Klage über den schlechten Wirtschaftsstand seines Domstiftes. Gemäß der Gültenschätzung von 1542 wurde das Kloster mit seinen Gütern mit 2.000 fl angeschlagen. Um Schulden zu tilgen, sah sich Propst Leonhard Arnberger (1541–1560) zum Verkauf weiterer Gülten bei Bruck, im Mürztal und in Kärnten bis 1543 gezwungen. Auf den Beschluss des Prager Landtages 1542 veranlasste Propst Arnberger die Gültenschätzung des Stiftes und gab den Anstoß zur Abfassung eines neuen &amp;quot;Urbarpuech zw Seggaw 1543&amp;quot;. Das erhalten gebliebene Urbar verzeichnet keinesfalls den gesamten damaligen Besitzstand. Es muss noch weitere Urbare gegeben haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Brand der Prälatur ließ Propst Sebastian Kueler (1589–1619) sie wieder aufbauen. Er war ein Verwaltungsgenie und zahlte im Lauf der Jahre die stiftischen Schulden zurück, löste die versetzten Grundstücke wieder ein und vermehrte das Stiftsvermögen. 1603 kaufte er der Landschaft in Graz sogar noch den Rauberhof ab und schuf damit den Seckauerhof. Propst Anton von Potiis (1619-1657} brachte weitere Güter in den Stiftsbesitz. So kaufte er 1635 die Herrschaft Liechtenstein um 23.000 fl, 1636 den Prankmairhof in Prank um 10.300 fl und noch 1646 das Schloss Hautzenbichl um 10.000 fl. Georg Ludwig Graf zu Schwarzenberg schenkte 1644 dem Stift Seckau etliche Gülten. 1654 kaufte Propst Potiis das Amt St. Peter im Viertel Vogau mit Weingärten in der Südsteiermark um Luttenberg, Kerschbach, Zvwiankh und &amp;quot;Waiglstorffberg&amp;quot; um 25.000 fl. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift Seckau schürfte im kärntnerischen Gebiet um Wolfsberg nach Silber und fuhr damit bedeutende Summen ein. So war es den Pröpsten des 17. Jahrhunderts möglich, bedeutende bauliche Veränderungen vorzunehmen. Die beabsichtigte Barockisierung der romanischen Basilika fiel jedoch der drohenden Türkengefahr und den damit geringer werdenden Geldmitteln zum Opfer. Nach dem Vergleich im nahezu 200 Jahre währenden Streit mit dem Seckauer Bischof um die Rechte des ''archidiaconus natus'' war Propst Paul Franz Poiz (1703–1733) zur Tilgung der Schulden aus den enormen Prozesskosten zur leidlichen Veräußerung von Gülten und Grundherrschaften gezwungen. So hatte Seckau wieder Besitzungen abzustoßen, die erst im 17. Jahrhundert angekauft worden waren. Die grandiose Bautätigkeit der letzten Pröpste hatte das Stift allerdings in eine missliche Lage gestürzt. So nahm man auch die einst ergiebigen Arbeiten im Kupferbergwerk in Flatschach bei Schönberg 1705 wieder auf. Propst [[Josef Urban von Schurian]] (1751–1769) konnte trotz aller Bemühungen den wirtschaftlichen Niedergang des Stiftes nicht aufhalten. Die schwierige finanzielle Situation des Domstiftes brachte den damaligen Seckauer Bischof, Josef II. Philipp Graf von Spaur, nach dem Ableben von Propst Schurian auf den Gedanken, das Regular-Domstift Seckau in ein Säkular-Domstift zu verwandeln und den Sitz in die Landeshauptstadt Graz zu verlegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Mit 10. Januar 1140 hatte Adalram den eigentlichen Gründungsakt in Friesach vollzogen und bestimmt, &amp;quot;daß man daselbst (in Feistritz) unter der Regel des seligen Augustinus in geistlich und kanonisch festgesetzter Weise lebt.&amp;quot; Damit unterstanden auch die schon früher mit Eigenkirchenrecht errichteten Kirchen von Feistritz, St. Lorenzen und St. Marein bei Prank dem Salzburger Erzbischof, da sich die Regularkanoniker laut ihrem Selbstverständnis im Dienst des Bischofs wussten . Durch die 1151 erfolgte Inkorporation der Pfarre Kobenz in das Chorherrenstift Seckau wurde dem Propst die Funktion des Archidiakons übertragen, da mit der Mutterkirche St. Rupert der Sitz des Archidiakons für die obere Mark verbunden war. Ab nun nannten sich die Stiftspröpste auch &amp;quot;archidiaconi nati&amp;quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die klaglose Abklärung der Vogteifrage gab es besitzgeschichtliche Voraussetzungen: Durch die Traungauer Urkunde vom 29. November 1182 bestätigte Markgraf Otakar IV. die dem Kloster Seckau von seinem Vater verliehenen Freiheiten. Darin wird auch die Übertragung der Schirmvogtei vom Gründer Adalram auf Otakar III. beim Reichstag zu Regensburg 1152 erwähnt. Vor seinem Eintritt in das Kloster schenkte Adalram dem Markgrafen deshalb Starhemberg und das Dorf Dreistetten samt ritterlicher Mannschaft wohl als Gegengabe zur Übernahme der Vogtei für das Stift Seckau. Die Vogtei über das Stift Seckau übte also der Landesfürst seit 1152 aus. Mit der Gründung der Diözese Seckau am 22. Juni 1218 wurde das Chorherrenstift zum Domstift und damit auch das Stiftskapitel zum Domkapitel erhoben. Zwischen Domstift und Bistum wurde jedoch in den Besitzungen und Rechten klar unterschieden und getrennt. Die Wahl eines neuen Diözesanbischofs war nie Aufgabe des Seckauer Domkapitels gewesen. Der Bischof kam übrigens nur sehr selten nach Seckau. Meistens wurde er hier bloß inthronisiert und zuletzt bestattet, da die bischöflichen Funktionen gewöhnlich auf Schloss Seggau bei Leibnitz oder in Graz vollzogen wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besaßen die Pröpste zunächst keine Zeichen des sie auszeichnenden Amtes, erteilte Papst Innozenz VI. dem Propst Petrus Freisinger 1359 das Recht, die Pontifikalien zu führen. Ein unseliger Streit entbrannte 1497 zwischen Bischof Matthias Scheit und dem Dompropst als ''archidiaconus natus''. Bischof Scheit glaubte sich in Fragen der Jurisdiktion durch das Agieren des Dompropstes beschnitten. Im Bistum bestand die schwierige rechtliche Situation, dass der Bischof bloß die ihm 1218 zugestandenen Ordinationsrechte innehatte, während der Dompropst als Archidiakon im Auftrag des Erzbischofs von Salzburg die übrigen bischöflichen Rechte ausüben konnte. So besaß der Dompropst gegenüber dem Klerus auch das Synodalrecht und versammelte die Geistlichen mindestens einmal jährlich. Die Sorge um den Klerus lag damit wohl auch mehr beim Archidiakon als beim Bischof. Vor allem in Ehesachen übte er auch zusätzlich die kirchliche Gerichtsbarkeit aus. Jede Appellation ging von seinem Forum nicht etwa an den Bischof von Seckau, sondern richtete sich an den Erzbischof von Salzburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich Bischof Scheit selbst dem päpstlichen Entscheid in dieser heiklen Frage nicht fügte, wurde er abgesetzt und exkommuniziert. Die Streitsache sollte aber erst nach 200 Jahren mit einem Vergleich im Jahr 1701 zu einem Ende gebracht werden. Damit anerkannte Bischof Rudolf Graf Thun (1687-1702) die völlige Exemtion des Domstiftes. Bereits am 24. November 1498 schloss sich das Stift Seckau unter Propst Johannes Dürnberger der Lateranensischen Kongregation an, weshalb man sich nun auch hier als &amp;quot;Lateranensische Äbte&amp;quot; und &amp;quot;Lateranensische Chorherren&amp;quot; betiteln konnte . &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Seckau ist von Anfang an als gemeinständiges Kloster zu bezeichnen, war also offen für jeden. Insofern finden sich Adelige und Bürgerliche in der Kommunität beisammen, wie es auch dem Seckauer Umfeld entspricht. In den 642 Jahren seiner Existenz sind uns 396 Konventualen bekannt. Die ersten sechs Chorherren kamen 1140 aus dem Salzburger Domstift. Wie qualifiziert ihre Auswahl war, beweist der Umstand, dass drei von ihnen die Propstwürde erlangten: Wernher von Galler (1141–1196) und Gerold von Eppenstein (1196–1216) in Seckau sowie Liupold von Travesse in Vorau (1163–1185). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Seckauer Kapitel hatte zunächst nur geringe Mitgliederzahlen. Erst die Kapitelprotokolle im 15. Jahrhundert tragen zehn bis zwölf Unterschriften, wobei die Kleriker und Novizen dort nicht genannt sind. 1528 gab es etwa 21 Chorherren, während es im Rahmen der landesfürstlichen Visitation von 1544 heißt, dass &amp;quot;ehmals 12 priester und 6 jung herrn gewest, darneben ein bettbrueder&amp;quot; (=Konverse). Jetzt seien aktuell &amp;quot;11 personen und ein jung herr, aber kein bettbrueder&amp;quot; mehr vorhanden. Den personellen Tiefpunkt hatte Seckau 1575 mit verbliebenen fünf Geistlichen erreicht. Um 1700 belief sich die Zahl dann auf 28 bis 30, wie etwa das letzte Protokoll vom 13. Mai 1782 zeigt. Unter Propst Sebastian Prägartner (1531–1541) verstarb der letzte Konverse. Von den 46 bekannten Mitgliedern des 13. Jahrhunderts stammten 18 von Ministerialen ab, drei waren von bürgerlich-bäuerlicher Abkunft. Zu 25 Chorherren gibt es keine näheren Informationen. Das 14. Jahrhundert kennt 67 Kanoniker (28 Ministeriale, 14 Bürger, 21 unbekannt). Mit den 61 Chorherren des 15. Jahrhunderts trat eine Wende ein. Nun überwiegen jene der bürgerlich-bäuerlichen Herkunft, während 15 von ministerialer und acht unbekannter Abstammung sind. Mit dem 16. Jahrhundert nahmen die Adeligen immer mehr ab. Zehn Adeligen stehen 41 bürgerlich-bäuerliche Chorherren gegenüber, gesamt also 51. Von den 76 Domherren des 17. Jahrhunderts entfallen 31 auf den Adel und 45 auf Bürger. Im 18. Jahrhundert ist ein verstärkter Zustrom des neuen Adels im Kloster, ferner des reichen und studierenden Bürgertums, besonders aus Graz, zu verzeichnen. Das führte zu einer Hochblüte des klösterlichen Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 99 Domherren sind 51 adeliger und 48 bürgerlicher Herkunft. Das starke Ansteigen der Chorherren aus Graz ist vermutlich u. a. den vier angesehenen Pröpsten Schrott, Poiz, Mayr und Waiz (1700–1751) - allesamt geborene Grazer - zu verdanken. Nachdem gezählte 68 Seckauer Kleriker auch in Graz die Universität besuchten und im Seckauerhof wohnten, werden wohl auch Freundschaften mit diesen zum Eintritt in Seckau geführt haben. Bezüglich der geographischen Herkunft kann gesagt werden, dass von den gesamt 396 Kanonikern 256 aus der Steiermark abstammen. Bei 54 ist die Herkunft nicht bestimmbar, wird aber auch zumeist die Steiermark sein. Die restlichen 86 verteilen sich auf 14 Diözesen, wobei wieder aus Gurk 22 und aus Wien 26 abstammten. Die verbleibenden 38 kamen aus Aquileja, Augsburg, Bamberg, Breslau, Brixen, Hildesheim, Lavant, Magdeburg und Olmütz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Rahmen der Besiedelung hat der Gründungskonvent aus Salzburg 1140 wohl nur einzelne Bücher mitgebracht. Die Handschrift 408 der Universitätsbibliothek Graz aus der Schreibschule des Erzbischofs Arno um 800 war nachweislich darunter. Ab nun hatte man für die Vermehrung der Bibliothek selbst zu sorgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im hiesigen Skriptorium sollten Handschriften mit hervorragender Qualität entstehen, für deren Herstellung fleißige Chorfrauen und Chorherren sorgten. Bekannt unter ihnen ist der Schreiber Bernhard, der als Kustos und Bibliothekar die Schreibschule leitete und selbst viele Bücher schrieb, als Notar die Traungauer begleitete und spät er dem Stift Vorau 1185 bis 1202 als Propst vorstand. Auch in Vorau finden sich Codices mit seiner Schrift bzw. Seckauer Provenienz, wie vermutlich bei der Gründung des Stiftes Stainz 1229 Handschriften aus Seckau auch dorthin gelangten. Weitere Schreiber des 13. Jahrhunderts waren etwa Pipinus, Waltherus, Francho, Johannes, Konrad und Engelbert und Dietreich im 14. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwähnenswert sind Hs. 807, ein Graduale des 12. Jahrhunderts, welches das älteste deutsche Beispiel einer Choralnotation auf vier Zeilen bringt, während Hs. 1501 mit ihrer &amp;quot;Heinrichslitanei&amp;quot; für Germanisten von Bedeutung ist. Besondere Beachtung errang wiederum Hs. 756, welche die ältesten deutschen Kirchenlieder der Steiermark (größtenteils Übersetzungen lateinischer Hymnen und Sequenzen) enthält und auch die Überlieferung der mittelalterlichen Osterliturgie mit den frühesten deutschsprachigen Osterliedern &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot; und &amp;quot;Es gingen drei vrouwen&amp;quot; niederschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Versuch der Verbindung des Kirchenvolkes mit der liturgischen Gemeinschaft zeugt etwa auch die Seckauer Weihnachtskomplet aus dem Jahre 1345, wobei sich hier besonders auch der beliebte weihnachtliche Volksbrauch des sog. &amp;quot;Kindlwiegens&amp;quot; wiederfindet. Unter Propst Dürnberger (1480-1510) wurde das Graduale und &amp;quot;Sequentiarium Seccoviense&amp;quot;, Hs. 17, geschrieben, das mit seinen wunderbaren Initialen, Miniaturen, Ranken mit Bildern aus der Pflanzen- und Tierwelt nach der Natur, den künstlerischen Realismus des 15. Jahrhunderts wiedergibt. Die Initiale auf fol. 217v zeigt den Stiftsgründer Adalram samt Modell des Domes mit seinen beiden verschiedenen Türmen, womit dieser Abbildung baugeschichtliche Bedeutung zukommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Blütezeit der Seckauer Schreib- und Malkunst fällt in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts und hält im 13. Jahrhundert an. 71 Seckauer Handschriften des 12. Jahrhunderts befinden sich heute in der Universitätsbibliothek Graz, was auf eine erstaunlich produktive Schreibschule schließen lässt. Zu den Zimelien gehören vor allem die von den Chorfrauen erzeugten Handschriften. H. 286, ein Psalterium aus der Zeit um 1150, zeigt im Widmungsbild auf fol. 62v etwa die Stiftsgründerin Richinza und die vermutliche Meisterin Chunigundis. Hs. 287 enthält das älteste deutsche Marienlied der Steiermark, eine &amp;quot;Mariensequenz&amp;quot;, die eine Übertragung der lateinischen Sequenz &amp;quot;Ave praeclara maris stella&amp;quot; darstellt. Hs. 1505, das Gebetbuch einer Nonne, ist nicht nur eine Sammelhandschrift des 12. Jahrhunderts u. a. mit deutschen Gebeten und einem ungewöhnlichen Wurmsegen (fol. 133r). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert liefern die Chorfrauen verlässliche Kontinuität ihrer Schreibkunst und in der Technik des Federzeichnens. Bücherlegate waren willkommen. Bischof Matthias Scheit (t 1512) etwa vermachte seine umfangreiche Bibliothek mit ca. 100 Inkunabeln dem Domstift. Diese Bände wurden in Seckau rubriziert und mit Initialen versehen. Etliches davon ging im Josephinismus durch den Bibliothekar Herzl der Universitätsbibliothek in Graz verloren, da dieser aus der Scheit-Bibliothek Verkäufe an die Universitätsbibliothek in Lemberg tätigte. Nach der Aufhebung des Stiftes Seckau 1782 kamen aus Seckau 341 Handschriften, 200 Inkunabeln und rund 700 andere Druckwerke über Wien nach Graz und wurden dort der Universitätsbibliothek eingereiht. Anhand der Kataloge hatte man zunächst Spezialwerke nach Wien geholt, um sie dann aber wieder nach Graz abzugeben. Vieles ging aber gleich direkt nach Graz. Der im 18. Jahrhundert angelegte &amp;quot;Catalogus antiquus bibliothecae Seccoviensis&amp;quot; (Universitätsbibliothek Graz Hs. 2039) verzeichnet 3.178 Werke. Rund 1.300 von diesen sind heute noch erhalten. Der ehemalige Bibliotheksraum der Augustiner-Chorherren, 1660 gebaut, wurde später von den Benediktinern zu einem Refektorium umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
Nur die mündliche Tradition weiß noch davon zu berichten , dass sich das ehemalige Chorherrenkloster, von dem natürlich keinerlei Reste mehr zu entdecken sind, im Bereich des späteren Wirtschaftsgebäudes des Pfarrhofes in St. Marein befunden habe. Mit vereinten Kräften ging man an die Errichtung des Klosters in Seckau, das zunächst wohl hölzerne Gebäude erhielt. Der entdeckte Sandsteinbruch sollte das benötigte Baumaterial für die geplanten Gebäude liefern. Das erste Gotteshaus der hiesigen Chorherren war die Magdalenenkapelle, deren Altar noch vor 1152 geweiht wurde. Dieser romanische Rundbau barg im unteren Teil eine Art Gruft, im oberen Teil die Kapelle. Wenige Meter hinter der Apsis der Basilika sind heute noch ihre Mauerreste zu sehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in Seckau ordnete man die Räumlichkeiten anhand des traditionellen Grundrisses für die Errichtung von Klöstern an, wie er laut dem Schema von St. Gallen aus dem 9. Jahrhundert bekannt ist, welches auf die althergebrachte Praxis der Römerlager zurückging. Wahrscheinlich waren die Baumeister und Steinmetze für den Bau der Klosterkirche 1142 aus Sachsen gerufen worden. Die Basilika entstammt der Bauschule Hirsau (Vorbild St. Godehard in Hildesheim) mit ihrer schlichten Grundrissform (61,6 m lang), dem Wechsel von zwei Säulen mit einem Pfeiler, den drei Apsiden und zwei Türmen an der Westfront. Breite (7,90 m) und Höhe (15,87 m) der Kirche stehen zueinander im für die Hirsauer Schule üblichen Verhältnis 1:2. Erzbischof Konrad I., der ja in seinem mehrjährigen Aufenthalt in Hildesheim die dortige Kultur und Kunst kennengelernt hatte, stand wohl als Initiator für die Berufung der sächsischen Bauhütte nach Seckau im Hintergrund. Es sind uns keine Namen von Baumeistern außer den beiden Maurern (''cementarii'') Gundram und Heinrich überliefert, die hier mühsame Arbeit leisteten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf alle Fälle waren Fachleute am Werk, da man ihre romanischen Steinmetzzeichen auch in Kärnten wieder erkannte. Bischof Hartmann von Brixen weihte die Kirche und den Hochaltar am 16. September 1164. In der Basilika war auch ein Lettneraltar für die Laien errichtet worden. Erst 1601 wurde der Dreikönigsaltar mit seinen plastischen Darstellungen durch einen neuen Hochaltar ersetzt. Der eigentliche Innenraum der dreischiffigen romanischen Basilika bis zum Chor ist unversehrt erhalten und übt eine überwältigende Raumwirkung aus. Im Westen finden sich zwei quadratische Türme mit Vorhalle und im Osten drei Apsiden in einer Flucht neben einander, welche allerdings 1892 durch den Einbau eines Querschiffes verändert wurden. Der nördliche der beiden Achteckpfeiler in der Basilika trägt sechs Hochreliefdarstellungen, um deren Bedeutung lange gerätselt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reliefs gliedern sich in zwei Gruppen zu je drei Darstellungen gegen Westen und Osten. Auf der Westseite finden sich Moses, ein Bischof und ein Rind, auf der Ostseite ein Mensch mit Buch, ein Adler mit einem nackten Kauernden sowie ein Löwe abgebildet. Im Kontext der zeitgenössischen Ikonographie und der Theologie des Rupert von Deutz ergeben sich jedoch eindeutige Hinweise, dass sich hier beim Achteckpfeiler ehemals der Standort des Taufbrunnens befunden haben muss. Die vier Wesen erscheinen als symbolische Abbilder der ''principalia sacramenta'', nämlich der Menschwerdung, Passion, der Auferstehung und Himmelfahrt Christi. Das Menschwesen symbolisiert die ''incarnatio'', das Rind die ''passio'', der Löwe die ''resurrectio'' und der Ad er schließlich die ''ascensio'' Christi. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das westlich situierte Bild des Rindes weist auf den Opfertod Christi, während gegenüber Mensch, Adler und Löwe auf den Triumph Christi und die Erlangung des Heils verweisen . Der Adler symbolisiert die Himmelfahrt Christi, der die Seinen - den nackten Kauernden - mit sich zum Vater führt. Der Bischof vollzieht am Täufling die genannten Stationen christlicher Erlösung. Moses, als nachdenklich er Prophet dargestellt, nimmt auf die Taufe Bezug, indem er mit dem Stab auf das Quellwunder bzw. auf den Durchzug durch das Rote Meer verweist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achteckform des Pfeilers ist als Symbol für die Auferstehung zu deuten, während durch die Sechszahl der reliefierten Pfeilerseiten auf den sakramentalen Tod des Menschen mit Christus im Taufritus angespielt wird. Zu den bis heute erhalten gebliebenen Schätzen aus der Romanik gehört auch die berühmte Kreuzigungsgruppe aus der Zeit um 1160, die unter Propst Dürnberger um 1490 aus der Basilika entfernt und in der Pfarrkirche St. Jakob aufgestellt wurde, wo sie bis zu deren Abtragung 1786 verblieb. Danach wurde der Kruzifixus in einer Wegkapelle beim Vorwitzhof, in der Ortsgemeinde Gaal gelegen, aufgestellt. Die Assistenzfiguren wurden mit einem etwas jüngeren Kreuz vereinigt und kamen 1890 wieder an den ehemaligen Standort unter dem Triumphbogen des Mittelschiffes in der Basilika. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1930 konnte das Bundesdenkmalamt den Verkauf des &amp;quot;Gaaler Kruzifixus&amp;quot; in das Ausland gerade noch verhindern. Heute befindet sich dieses Kreuz im Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck. In die Zeit zwischen 1164 und 1181 fällt die Weihe der Margarethenkapelle an der Nordseite der Basilika. Hier verrichteten angeblich die Chorfrauen ihre Gebetszeiten. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgte die Gotisierung der Kapelle und der Patroziniumswechsel zur hl. Barbara. Mit dem Aussterben des Frauenkonvents wurde die Kapelle 1590 von Bischof Martin Brenner als Grablege der Bischöfe bestimmt und ist seither als Bischofskapelle bekannt. Brenner wollte die Bischöfe und die Landesfürsten (Habsburgermausoleurn) im Tode nebeneinander ruhen sehen, da man auch im Leben für die Erhaltung des katholischen Glaubens vereint gestritten hatte. Bischof Brenner ließ dort 1595 Porträts von 32 seiner Vorgänger im Bischofsamt ''al Fresco'' malen und mit Texten aus der Hl. Schrift versehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier befindet sich seit 1950 auch der berühmte Dreifaltigskeits- oder Mariä-Krönungs-Altar von 1489, der wahrscheinlich von einem Südtiroler Schnitzer stammt. Heute dient die Bischofskapelle als Taufkapelle. Erst nach ihrer Weihe 1164 erhielt die Kirche im Westen Türme. Den südlichen, der von der Giebelwand getrennt war und frei stand, ziert das Wappen von Propst Wernher (t 1196). Der Nordturm wurde erst unter Bischof Wocho 1333 vollendet und im vierten Stockwerk als Achteck ausgeführt, wie eine Miniatur in Hs. 17, fol. 217 belegt. Das Seckauer Gnadenbild aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts - &amp;quot;Unsere liebe Hausfrau&amp;quot; bzw. &amp;quot;Ursprungsbild&amp;quot; genannt - stellt die thronende Gottesmutter mit dem Christusknaben am Schoß in einem Alabaster- bzw. Jaderelief dar. Die Nikopoia dürfte einer venezianischen Werkstatt mit byzantinischem Vorbild entstammen und befand sich zunächst in der Chorfrauenkapelle, kam dann in den Kreuzgang bzw . wurde im Kapitelsaal über dem Eingang zur Liechtensteinkapelle aufgehängt und wurde immer viel besucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitelsaal wurde wegen des Gnadenbildes auch &amp;quot;Ursprungskapelle&amp;quot; genannt. Auf welchem Weg bzw. durch wen das &amp;quot;Ursprungsbild&amp;quot; nach Seckau kam, dafür gibt es keine Belege. Schon mit 17. Dezember 1332 wurde von Papst Johannes XXII. in Avignon ein vierzigtägiger Ablass für den Besuch des Bildes erteilt, wodurch sich Seckau zu einem wahren Wallfahrtsort entwickelte. Das Gnadenbild wurde 1789 auf den Hochaltar übertragen bzw. 1883 in der Bischofskapelle aufgestellt. 1953 wurde das Bild von Br. Bernward Schmid OSB neu gefasst und fand 1954, anlässlich des &amp;quot;Marianischen Jahres&amp;quot;, in der Sakramentskapelle den nunmehrigen Platz zur Verehrung. Nach dem Stiftsbrand vom 7. Nov. 1259 erstand das Kloster wieder auf die Initiative und gute Wirtschaftspolitik des neuen Propstes Ortolf von Prank (1259–1289) und die Tatkraft des Konversen Wilhalmus hin, der das Kloster, vor allem aber die Basilika, Decken und Kreuzgang mit St-Johann-Baptist-Kapelle (Fresken mit der Vita St. Joannis Baptistae um 1280 in 17 Szenen) aufbaute. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Autorenschaft des Freskenzyklus mit der Johannesvita kommt am ehesten der ''constructor monasterii conversus Wilhalmus'' in Frage. Beachtung verdient auch das Tympanonrelief von 1260 über dem Portal der Basilika, welches die Madonna mit dem Kind auf einem von zwei Löwen begrenzten Thron darstellt. Seit Ende des 15. Jahrhunderts befand es sich über dem Sakristeieingang, seit 1964 über dem Westportal der Basilika. Aufgrund der guten Beziehungen zu Propst Ortolf und zu den Chorherren erwählte der letzte Minnesänger, Ulrich von Liechtenstein, Seckau zum Ort einer Grabstätte für sich und seine Familie. Er begann mit dem Bau einer Kapelle in unmittelbarem Anschluss an den romanischen Kapitelsaal im Osten des Kreuzganges, verstarb aber bereits 1275, weshalb sein Sohn Otto den Bau fortsetzte und vollendete. Bischof Wernhard weihte diese frühgotische Kapelle am 6. Mai 1279. Da die Kosten für die dringend notwendige Renovierung der Kapelle und ihren reichen Freskenschmuck nicht aufzubringen waren - von Seiten des Staates bestand nach der Aufhebung des Stiftes kein Interesse - wurde 1837 durch den Verwalter der Radmeister-Communität, Leopold von Pebal, die Abtragung veranlasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pebal hatte die Kapelle zuvor wen gstens genau vermessen und dokumentieren lassen. Demnach handelte es sich bei dem Bau um einen aus drei Jochbögen bestehenden mit Rippengewölbe überspannten Raum, der nach Osten mit einem aus sieben Seiten des Zwölfecks gebildeten Chorabschluss. Innen war die Kapelle mit Fresken ausgestaltet und nach außen durch Strebepfeiler gestützt. Aus der Zeit vor 1400 stammt das Seckauer Vesperbild in der Basilika, eine Vollplastik aus Lindenholz, die in enger Verbindung mit dem Klosterneuburger Vesperbild steht. Mit Propst Andreas Enstaler (1436–1480) begann eine der produktivsten Zeiten in der Seckauer Kunstgeschichte. Trotz schwieriger Zeitumstände, wie es die drei &amp;quot;Gottesplagen&amp;quot; Türken, Pest und Heuschrecken waren, konnte er Großartiges leisten. So ließ er 1438 von Hans Mitter aus Judenburg und 1443 eine Glocke gießen, von welchen nur mehr die St.-Augustinus-Glocke erhalten ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1437 begann der Bau der spätgotischen Kirche von St. Marein durch den Admonter Baumeister Niklas Velbacher, wie die Inschrift von 1445 besagt. Geweiht wurde die Kirche aber erst 1491. Auch für die Seckauer Basilika ließ Enstaler Kunstwerke anschaffen: 1439 einen zierlichen Kronleuchter aus Bronze, der ursprünglich über dem Grabmal des Stifters, jetzt vor dem Mariä-Krönungs-Altar in der Bischofskapelle hängt; 1459 das Weihwasserbecken, ein sog. &amp;quot;Quendelstein&amp;quot;, das heute in der Vorhalle der Basilika steht; mehrere Epitaphien sind beachtenswert: der Grabstein des Bischofs Georg I. von Lembucher (1443–1446), des Bischofs Georg II. von Überacker (1452–1477), des Edlen Johannes Prancker von Prank (1450) sowie der Meisterin des Chorfrauenkonventes Agnes Enstaler (1455), der leiblichen Schwester des Propstes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert sind die beiden Seckauer Chorherren, der Maler Albert (verstorben unter Propst Andreas Enstaler) und der Steinmetz Marcus Male (t 11. April 1495 an der Pest) als Meister ihres Faches bekannt. Letzterer schuf u.a. das Netzgewölbe in der Basilika . Propst Johannes Dürnberger (1480–1510) ging als Kunstmäzen in die Geschichte ein. Er besorgte die Wiederherstellung und 1490 die Neuausstattung mit Gewölbemalereien der durch die Türken schwer beschädigten Kirche von St. Marein. Im Dom ließ er mehrere Altäre und auch eine neue Orgel mit 55 Zinnpfeifen von Meister Hans Pruner aus St. Veit an der Triesting um 1500 aufstellen, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ihren Dienst tat. Sein Wahlspruch ''Ave spes mea, Jesus et virgo Maria'' findet sich auf sämtlichen Kunstwerken seiner Zeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein markante Arbeit aus Dürnbergers Zeit ist auch das Tafelgemälde der Seckauer Gregoriusmesse von 1486, das seit 1986 im Oratorium der Abtei hängt. In der Folge des Türkensturmes rief Papst Sixtus IV. 1481 zum Kampf gegen die Feinde auf. Es wurden deshalb Kardinäle als Kommissäre zur Finanzaufbringung ausgeschickt, die 1482 auch nach Seckau kamen, wie das Gemälde zeigt. Hier wird die Lehre von Papst Gregor optisch umgesetzt, welcher betonte, dass sich Christus in der Eucharistie immer wieder als Schmerzensmann zur Sühne hingibt und sein Blut in den Kelch am Altar fließen lässt. Das Tafelbild hing wohl nicht ganz ohne Grund ursprünglich in St. Marein, das ja unter den Türken besonders zu leiden hatte. Stifter waren die Brüder Zwickl. Laurentius Zwickl war Pfarrer von St. Margarethen an der Raab, während sein Bruder Johannes als Chorherr in Seckau wirkte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Glanzstück voll Liebreiz aus Dürnbergers Schaffenszeit ist der Mariä-Krönungs-Altar oder Dreifaltigkeitsaltar, der 1950 in der Bischofskapelle seine Aufstellung fand. Interessant ist die Darstellung der drei göttlichen Personen in Menschengestalt: Drei bekrönte Häupter entstammen einem einzigen Körper mit zwei Händen, mit denen die Krönung Mariens, die direkt zum Betrachter sieht, vollzogen wird. Die Mittelgruppe wird von einem Doppelkreis mit einer Fülle von Gestalten der Heilsgeschichte umgeben. Der Altar wurde 1489 geweiht, wechselte öfters seinen Standort und diente vorübergehend 1848 bis 1893 sogar als Hochaltar. Wer dieses Kunstwerk schuf, ist unbekannt. Der Charakter dieses Schnitzwerkes und die guten Beziehungen zum Chorherrenstift Neustift bei Brixen lassen sogar einen Meister aus Südtirol (Hans Klocker, Schüler von Michael Pacher) vermuten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die plastische Gruppe &amp;quot;Vermählung der hl. Katharina&amp;quot;, die Maria mit dem Jesuskind, das der hl. Katharina von Alexandrien den Ring ansteckt, sowie den Apostel Jakobus als Pilger darstellt, verdient besonderes Augenmerk. Sie entstand um 1520 und wird dem Meister von Rabenden zugeschrieben. 1502 wurde die St.-Luzia-Kapelle im Ort eingeweiht, welche mit dem Armenspital aus dem Vermögen des aufgehobenen Chorfrauenklosters errichtet worden war. Obwohl ab 1782 als Gemeindearrest missbraucht, blieben die wunderbaren spätgotischen al-secco-Fresken über Krankheit, Leid und die helfende Caritas (u.a. hl. Elisabeth und hl. Martin) unter der Tünche erhalten und gehören heute zu den Kostbarkeiten von Seckau. 1969 erfolgte die letzte und rettende Renovierung dieser Fresken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn auch Propst Gregor Schärdinger (1510–1531) unter den Forderungen der Terz und der Quart mit großen wirtschaftlichen Einbußen zu kämpfen hatte, besorgte er dennoch einige kunstvolle Neuerungen in den Pfarren und auch im Dom. Gehören die Schnitzaltäre und Tafelgemälde, wie sie für die Pfarren und Filialen angeschafft wurden, noch ganz der Gotik an, bestellte Propst Gregor für den Dom den zierlichen Kreuzaltar 1523, der bereits den neuen Geist der Renaissance atmet. Der aus Neustift bei Brixen stammende Propst Leonhard Arnberger (1541–1560) wurde 1509 in Seckau aufgenommen. Wie auch andere Verwandte seiner Familie hatte er künstlerisches Talent und dürfte wohl vor seiner Zeit in der Stiftsführung auch als Bildhauer gearbeitet haben, gab man ihm doch den Beinamen &amp;quot;plastes&amp;quot;. Es gibt jedoch keine direkten Hinweise auf Werke aus seiner Hand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl II. von Innerösterreich (1564–1590) und seine Gemahlin Maria von Bayern erwählten sich den Seckauer Dom als standesgemäße Grabstätte. Ihre besonderen Verdienste liegen im erfolgreichen Bemühen um die Rekatholisierung ihrer Länder Steiermark, Kärnten, Krain, Görz und Istrien. Propst [[Laurentius Spielberger]] (1566–1587) konnte bei Karl II. 1580 mit seinem Vorschlag der Vision des Propheten Ezechiel (Ez 37, 1-14) als Programm zum bereits 1575 geplanten Mausoleum nicht durchdringen. Szenen aus der Passionsgeschichte nebst Bildern aus Heiligenleben und der griechischen wie römischen Mythologie kamen stattdessen zur plastischen Umsetzung. Dieses Grabmal wurde eine prunkvolle Manifestation der beginnenden Gegenreformation. Zwischen 1587 und 1611 arbeiteten eine ganze Reihe an Künstlern an diesem grandiosen Werk. Der zunächst beauftragte Baumeister Alexander de Verda vollendete die Gruft 1588, während sich dann Sebastian Carlone mit bis zu 24 Gehilfen 1589 bis 1595 um das eigentliche Mausoleum mit dem Kenotaph und die Ausgestaltung kümmerte. Endgültig fertiggestellt war das Mausoleum 1611 mit der Stuckierung der Wände. Dort sieht man obenauf Erzherzog Karl II. und seine Gattin Maria als lebensgroße Figuren am Totenbett liegend. Maria wurde jedoch nicht in Seckau, sondern im Grazer Mausoleum zur letzten Ruhe bestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Theodor Ghisi zeichnete mit seinen Gehilfen für den Decken- und Wandschmuck mit seinen Ölgemälden auf Leinwand verantwortlich. Im Ganzen ist diese Fürstenkapelle mit 50 Ganzfiguren, 150 kleineren Relieffiguren und mehr als 60 Köpfen aus Stuck und Marmor ausgestattet. Die neun Särge in der Habsburgergruft blieben bis 1827 unberührt. Der damalige Verwalter der Radmeister-Communität, Leopold von Pebal, ließ die Zinnsärge durch solche aus Zirbenholz ersetzen, um das Zinn einzuschmelzen und sich zu bereichern. 1588 wurde durch Bernhard de Silvo der romanische Kreuzgang bis auf ein kleines Stück abgebrochen und durch einen neuen im Stil der Renaissance mit zweigeschossigen Arkaden ersetzt. Bei den Renovierungsarbeiten 1966/ 67 stieß man auf diese Reste aus der Zeit der Romanik mit ihren Säulchen und Flechtwerkkapitellen, die freigelegt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1603 brannte die Prälatur ab, die Propst Sebastian II. Kueler (1589–1619) wieder aufbauen und Neubauten im Südflügel errichten ließ. Von der eigentlichen romanischen bzw. gotischen Klosteranlage ist fast nichts mehr erhalten, da die Neubauten im Renaissancestil im 16. und 17. Jahrhundert die Vorgängerbauten verdrängten. Unter Propst Andreas von Potiis (1619–1657) erstanden der &amp;quot;Huldigungssaal&amp;quot; 1620 als Repräsentationsraum mit seinem mächtigen Renaissanceluster, angeblich aus erbeuteten Türkenkanonen gegossen, sowie zwischen 1625 und 1628 der Westtrakt und der bis zum Mittelbau reichende Südflügel. 1640 wurde der &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot; errichtet, der anlässlich des Besuchs von Kaiser Leopold I. in Seckau 1660 mit Fresken der Wappen der österreichischen Erbländer geschmückt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Graf von Gleispach (1657–1700) fand im Leobener Baumeister Peter Franz Carlone einen ebenbürtigen Partner für die geplanten baulichen Vorhaben. Carlone trat 1658 seinen Dienst an und war bis zu seinem Tod 1682 für Seckau tätig. So erstanden unter seiner Führung der Umbau der östlichen Hälfte des Südflügels zu einem zweigeschossigen Bau mit ebenerdiger Klosterküche und Refektorium im Obergeschoss; Aufstockung des gesamten Ostflügels zwischen den beiden Ecktürmen im Nord-Südosten durch ein zweites Stockwerk; Umbau des Westflügels des Kreuzganges durch Aufstockung zwischen Kirche und Huldigungssaal; Errichtung des heute noch bestehenden Wirtschaftsgebäudes mit Stallungen und Meierhaus; Bau der noch bestehenden Gartenmauer; Neubau der Hoftaverne (Hofwirt); Behausung für den Hofbinder; Bau eines neuen zweigeschossigen Badehauses. 1660 wurde die Bibliothek erbaut, die heute als Refektorium Verwendung findet. Ab 1671 besorgte Carlone auch den Umbau der Westfassade und die Erhöhung der Türme der Basilika um gut fünf Meter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obenauf kamen noch ungefähr 12,5 Meter hohe Zwiebelhauben. Die Portalgestaltung führte laut Carlones Plänen der Judenburger Steinmetz Matthias Pruner durch. Aus der 1672/73 beabsichtigten Baruckbierung der Basilika wurde jedoch nichts, da die ständige Türkengefahr zu viele Geldmittel für die Abwehr verschlang, die der Kaiser vor allem den Klöstern abforderte. Die einzige Neuerung in der Basilika war also der neue Hochaltar von Sebastian Carlone, der 1601 aufgestellt wurde und 1848 weichen musste. Propst Paul Franz Poiz (1703–1733) besorgte als Kunstmäzen bzw. als Auftraggeber für spätbarockes Kunstschaffen in Seckau selbst und in den inkorporierten Pfarren umfassende Veränderungen. Zum Dank für die Abwendung der Pest wurde 1715 auch eine Votivsäule in Auftrag gegeben. Propst Maximilian Mayr (1733–1737) ließ in seiner nur kurzen Amtszeit prächtige Pontifikalien für das Domstift anschaffen und führte die Renovierung des Schlosses Hautzenbichl durch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung ging es mit dem Stiftsgebäude nach 1782 steil bergab. Soweit die Gebäude nicht in Verwendung waren, begann für die weitläufige Anlage ein rascher Verfall. Der Ostflügel aus dem 17. Jahrhundert sank nieder und musste abgetragen werden. Mit Ausnahme eines Teiles des Nordflügels, in welchem die Pfarrgeistlichkeit wohnte, des Süd- und Westflügels - letzterer diente den Beamten der Radmeister-Communität Vordernberg als Wohnung und Verwaltung, ferner war auch die Schule darin untergebracht - wurde alles dem Verfall preisgegeben. Nur zwei der ehemals vier imposanten Wehrtürme sind noch existent. Auch die frühgotische Ulrich-Liechtenstein-Kapelle musste 1837 abgetragen werden, weil sich kein Finanzier für die dringend notwendige Restaurierung fand. Der Verwalter, Leopold von Pebal, der das volle Vertrauen Erzherzog Johanns besaß, hinterging alle, störte die Grabesruhe, raubte den Schmuck der Habsburger aus dem Mausoleum, ließ die neun Zinnsärge einschmelzen und schreckte auch vor den bischöflichen Gräbern nicht zurück. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Turmsturzkatastrophe vom 26. Mai 1886 richtete alle Aufmerksamkeit auf die Abtragung auch des südlichen Turmes und die neuerliche Errichtung 1891 bis 1893 nach den Plänen von P. Pirmin Campani mit einer Höhe von 47,5 m. Als man die Basilika 1892 im Osten von 61,6 m auf 73 m verlängerte, wurde auch ein Querbau (Transept) eingezogen, um mehr Platz für den Chorraum zu schaffen. 1894 folgte dort der neoromanische Hochaltar mit dem Baldachin nach dem Vorbild von S. Giorgio in Velabro und S. Stefano in Campo Verano in Rom. Mit der Neugestaltung des Presbyteriums 1964 kam dieser Hochaltar in die Kaiserjubiläumskirche an der Reichsbrücke nach Wien am Mexikoplatz. Der Architekt Prof. Clemens Holzmeister aus Wien sorgte nun für die Neuordnung um den einfachen Tischaltar und ließ die romanische Kreuzigungsgruppe auf einem Eichenholzbalken über diesem aufhängen. In seinen Plänen waren bereits die Anordnungen des Zweiten Vatikanischen Konzils vorweggenommen. Der neue Hochaltar war ein Geschenk der Diözese Graz-Seckau und wurde am 5. September 1964 konsekriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Dank für die Gymnasialausbildung seiner beiden Söhne in Seckau schuf der Wiener Künstler Herbert Boeckl zwischen 1952 und 1960 durch die Ausmalung der Engelkapelle mit Fresken aus der Apokalypse und Heilsgeschichte eines der bedeutendsten Werke sakraler Kunst des 20. Jahrhunderts. Zum l00-jährigen Bestehen als Benediktinerkloster wurden 1980 bis 1983 umfangreiche Renovierungen an den Außenfassaden vorgenommen. Statt des bisherigen &amp;quot;Schönbrunner-Gelbs&amp;quot; schlug das Bundesdenkmalamt einen stumpfen Ocker in rötlich-braunen Farbton vor. Die sachgerechte Auffrischung des Reliefschmucks an den Arkaden des großen Hofes bedurfte besonderer Sorgfalt. Republik Österreich, Land Steiermark und die Abtei teilten sich die Kosten. Dringend notwendig ist er eine grundlegende Sanierung, wofür derzeit sehr viel Energie und Mühe aufgebracht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Sämtliche bis zur Gründung des Stiftes zurückreichenden Archivalien wurden bei der Aufhebung des Chorherrenstiftes 1782 ausgelagert und kamen nach Graz. Die Bestände wurden im Lauf der Zeit kaum beeinträchtigt. Der Katalog des 17. Jahrhunderts erwähnt Archivalien aus dem 15. Jahrhundert, die nicht erhalten geblieben sind. Das Urbar von 1474 ist etwa verloren gegangen, von dem aber wenigstens noch Auszüge durch die Arbeiten des Archivars Matthias Ferdinand Gauster erhalten blieben. Die umfangreiche Seckauer Urkundensammlung mit knapp 2.000 Stück wurde den Beständen des Diözesanarchivs Graz (Urkundenreihe II) und des Steiermärkischen Landesarchivs (allgemeine Urkundenreihe) einverleibt. Im ''Chronicon sive Diplomatarium Seccoviense'' finden sich die entsprechenden Regesten zu diesen Dokumenten. Das Steiermärkische Landesarchiv bewahrt die gesamten Bestände des Stiftsarchivs Seckau wohl geordnet und katalogisiert in 870 Schubern. Im Diözesanarchiv umfassen die Archivalien zum Chorherrenstift Seckau sechs Schachteln. Die bedeutenden Werke zur Seckauer Stiftsgeschichte aus den Federn der drei Archivare Johannes und Thomas Jurichius&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Liber benefactorum Ecclesiae Seccoviensis&amp;quot;; &amp;quot;Protocollum Capituli Seccoviensis&amp;quot; 1140–1457; &amp;quot;Rapsodus seu Index Rerum omnium&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie Matthias Ferdinand Gauster&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Praesulatus Seccoviensis&amp;quot; in vier Teilen; &amp;quot;Collectanea ad Praesulatum Seccoviensem&amp;quot;; &amp;quot;Viridarium Rituum ecclesiasticorum&amp;quot;; &amp;quot;Monumenta Seccoviensia&amp;quot; in vier Teilen; &amp;quot;Diarii Seccoviensis&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; befinden sich teils im Abteiarchiv, teils im Diözesanarchiv Graz. Dank der zahlreichen Veröffentlichungen von Benno Roth (1903–1983) zur Geschichte des Chorherrenstifts und der späteren Benediktinerabtei gehört Seckau wohl zu den wenigen Klöstern, die ihre Geschichte von der Gründung bis zur Gegenwart gewissenhaft aufgearbeitet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne== &lt;br /&gt;
Aus der ersten Zeit sind keine Darstellungen oder Pläne des Seckauer Stiftes erhalten geblieben. Die frühesten Abbildungen ab 1150 zeigen Personen aus den Herren- und Frauenkonventen. Die Initiale T und die darin enthaltene Miniatur aus Hs. 17, fol. 217v zeigt den Stiftsgründer Adalram von Waldeck mit dem Modell der Kirche in seinen Händen. Diese Darstellung aus der Zeit um 1480 hat baugeschichtliche Bedeutung, da sie nicht nur den romanischen Kirchenbau, sondern auch die beiden Türme zeigt, wobei der Nordturm bereits in der Höhe des Dachstuhls des Hauptschiffes gotisiert wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1333 erfolgte der Bau des vierstöckigen Nordturmes, dessen oberste Etage als Oktogon ausgeführt wurde. Georg Matthäus Vischer brachte 1681 in seiner &amp;quot;Topographia du catus Styriae&amp;quot; auch zwei Kupferstiche, die „DAS FÜRSTI: TVMSTYFT SECAV&amp;quot; zeigen. Das eine Mal &amp;quot;Wie es von Occidente hiemali zu sehen&amp;quot;  und das andere Mal &amp;quot;Wie es von Auffgang der Sonnen zu sehen&amp;quot;. Gerade als Druckwerk sind diese beiden Darstellungen die verbreitetsten. Man erhält einen guten Überblick zum gesamten Stiftskomplex samt Umgebung. Im Süden sind der Getreidekasten, das Dürnberger-Spital und die Leutekirche St. Jakob mit Markt zu sehen. Im Westen der Meierhof mit Wirtschaftsgebäude und auch der Hofwirt noch vor dem barocken Umbau. Im Osten die Schlösser Diernberg und Pranckh. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei lavierte Federzeichnungen aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert zeigen große Ähnlichkeit zu den Kupferstichen von Vischer. Auf dem Kupferstich &amp;quot;Die gnaden Mutter Maria Schnee auf der Hochalpen bey Sekkauin Obersteyer&amp;quot; ist auch eine Teilansicht des Westflügels des Stiftes samt Mariensäule und Markt aus der Zeit nach 1720 zu sehen. Das an der Nordwand der Vorhalle der Basilika hängende Votivbild des Dompropstes Paul Franz Poiz stellt die drei Gottesplagen (Heuschrecken, Türken und Pest) dar und trägt die Aufschrift „SVB TVVM PRAESIDIVM CONFVGIMUS SANCTAE DEI GENITRIX:&amp;quot;. Das Ölgemälde stammt aus der Zeit um 1729. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein prächtiges Thesenblatt, das der landschaftliche Kupferstecher Christof Diettel 1737 für den Chorherrn Antonius Aigentler schuf, zeigt in der oberen Hälfte das Innere des Habsburgermausoleums und darunter die Stiftsanlage aus westlicher Blickrichtung. Auch die Magdalenen-, Ulrich-Liechtenstein-Kapelle und der Karner sind zu sehen. Links und rechts umgeben sämtliche Propstwappen von der Gründung bis zum gegenwärtigen Propst Franz Xaver von Waiz das Blatt. Dem Archivar Matthias Ferdinand Gauster sind viele Aquarelle, die besonders das Innere des Domes zeigen, verdanken. Durch diese Abbildungen ist der Zustand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts anschaulich dokumentiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem 18. Jahrhundert stammt das Ölgemälde „Heilige Apostel bittet bey Gott für uns&amp;quot;, auf welchem auch das Stift abgebildet ist. Vorzügliche Aquarelle von Seckau malte Leopold Kuwasseg. Einerseits eine Stiftsansieht von Osten um 1800 und auch eine Ansicht von Südwesten mit Beschriftung „Leopold Kuwasseg 1836&amp;quot;. Eine Lithographie von S. Kölbl mit dem Text „Der Kommunität Vordernberg gehörig im Judenb.(urger) Kr.(eis)&amp;quot; stellt das Seckauer Klostergebäude dar. Die Abbildung entstammt der Kaisersuite 1832-1835. Eine weitere aquarellierte Lithographie zeigt Seckau. Sie stammt von C. Reichert, Einst und Jetzt. Album, Steiermarks sämmtliche interessante Schlösser, Burgruinen, Städte, Märkte, Kirchen und Klöster. Ein vaterländisches Bilderwerk. Graz 1863- 1866, 3 Bde. Die „Abtei U. L. Frau zu Seckau&amp;quot; im Blick von Westen nach Osten zeichnete mit Bleistift auf Papier und signierte „21. 1. 1886, Fr. Hellrigl&amp;quot;. Die Situation ist noch aus der Zeit vor der Restaurierung der Kirche und dem Anbau des Transeptes. Ein aquarellierter Holzschnitt um 1890 von Viktor Luntz zeigt die Basilika noch vor dem Anbau des Transeptes und der Westtürme. Weeser-Krell schuf eine Lithographie der Abtei Seckau von Süd nach Nord 1931.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Anton Albrecher: Die landesfürstliche Visitation und Inquisition von 1528 in der Steiermark. Graz 1997 (Quellen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark 13)&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Chorherrenstifte in der Steiermark. In: In Unum Congregati 35/3-4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Karl Amon / Maximilian  Liebmann (Hg.): Kirchengeschichte der Steiermark. Graz 1993. &lt;br /&gt;
* Franz Attems / Johannes Koren: Kirchen und Stifte der Steiermark. Innsbruck 1988, S. 59–62. &lt;br /&gt;
* Nikola Barazutti: Die Seckauer Liechtensteinkapelle. In: Heft Seckau 8. Jg., Nr. 32-4/98 (1998), S. 5ff. &lt;br /&gt;
* Harald Berger: Das Stift Seckau und die Universität Wien im Mittelalter. In: Künstliche Intelligenz in Bibliotheken. 34. Österreichischer Bibliothekartag Graz 2019. Hg. von Christina Köstner-Pemsel / Elisabeth Stadler / Markus Stumpf  (Schriften der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare, 15), S. 353–366. [https://resolver.obvsg.at/urn:nbn:at:at-ubg:3-8098 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Sebastian Bock: Österreichs Stifte unter dem Hakenkreuz. Zeugnisse und Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus 1938 bis 1945. In: Ordensnachrichten 34/4a (1995), S. 218–225. &lt;br /&gt;
* Sebastian Brunner: Ein Chorherrenbuch. Wien 1883, S. 66. &lt;br /&gt;
* Odo Burböck: Die Pfarren und ihre Entwicklung im Bereich des Dekanates Knittelfeld bis zur Gründung desselben im Jahre 1787. Dissertation. Universität Graz. Graz 1966. &lt;br /&gt;
* Liselotte Caithaml: Die Schrankenarchitektur des Mausoleums in der Seckauer Basilika. In: Heft Seckau, 1. Jg. (2001), Nr . 43-3/ 01, S. 5ff., Forts.: Heft Seckau, 11. Jg., Nr. 44-4/ 01, S. 6ff.&lt;br /&gt;
* Thomas Csanády: Von rohen und kunstvollen Stichen. Pergamentvernähungen an mittelalterlichen Handschriften aus Seckau. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich 1 (2019), S. 7–19.&lt;br /&gt;
* Thomas Csanády / Erich Renhart (Hg.): Libri Seccovienses. Studien zur Bibliothek des Augustiner Chorherrenstiftes Seckau. Graz 2018.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Deuer: Die romanischen Klosterkirchen der Steiermark. Hausarbeit des Institutes für österreichische Geschichtsforschung. Universität Wien. Wien 1980.&lt;br /&gt;
* Susanne Frursch u.a.: Zeichenstein und Wunderbaum. Österreichs Kirchen und Klöster in ihren Ursprungslegenden. Klosterneuburg 2000, S. 152f. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Stift St. Lambrecht 1978: Gotik in der Steiermark. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Der Dom zu Seckau und die romanische Kunstperiode. In: Kirchenschmuck 2 (1871), Nr. 1, S. 1-3; Nr. 2, S. 17ff.; Nr 3, S. 25ff.; Nr. 4, S. 41f.; Nr. 5, S. 49ff.; Nr. 6, S. 65ff.; Nr. 8, S. 89ff. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Der Dom zu Seckau. In: Mitteilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale 19 (1874), S. 61–70. [https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/meeb1874/0067 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johann Graus: Das &amp;quot;Ursprungsbild&amp;quot; zu Seckau. In: Kirchenschmuck 11/7 (1880), S. 77–79. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Die kirchliche Kunst im Stift Seckau. In: Küchenschmuck 14 (1883), Nr. 6, S. 70ff.; Nr. 9, 9. S. 101ff., S. 108ff. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Vom roten Ornat zu Seckau. In: Kirchenschmuck 21/1 (1890), S. 15f. &lt;br /&gt;
* Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 4: Kärnten und Steiermark. Wien 1956, S. 254. &lt;br /&gt;
* Josef Hasitschka: Auf den Spuren der Rotelboten. Alte Verbindungen zwischen den Stiften Admont und Seckau. In: Da schau her 23/4 (2002), S. 3–7. &lt;br /&gt;
* Heine: Der gotische Kronleuchter in der Klosterkirche zu Seckau. In: Mitteilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale 4 (1859), S. 139f. &lt;br /&gt;
* Albert Höfer: Die Entwicklung von Kerygma und Paränese in den Seckauer Kirchweih-Sermones vom 12. bis 15. Jahrhundert. Dissertation Universität Graz. Graz 1963.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Irtenkauf: Die Weihnachtskomplet im Jahre 1345 in Seckau. In: Musikforschung 9/3 (1956), S. 257-262; &lt;br /&gt;
* Josef Andreas Janisch: Topographisch-statistisches Lexikon von Steiermark. Band 3: Graz 1885, S. 867–893. [https://books.google.at/books?id=6WLRAAAAMAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA866-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Gregor Keller: Abtei Seckau in Obersteiermark. Graz 1902.&lt;br /&gt;
* Festschrift zum 50-jährigen Gründungsjubiläum der Abtei Seckau. Seckau 1933. &lt;br /&gt;
* Anton Kern: Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz. Band 1. Leipzig 1942; Band 2. Wien 1956. &lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Festschrift der K.K. Karl-Franzens-Universität in Graz für das Studienjahr 1915/16. Graz / Wien 1916. &lt;br /&gt;
* Georg Kodolotisch: Die spätgotischen Schnitzaltäre in Steiermark. Dissertation Universität Graz. Graz 1951. &lt;br /&gt;
* Georg Kodolotisch: Drei steirische Mausoleen - Seckau, Graz und Ehrenhausen. In: Innerösterreich 1564-1619. Joannea. Bd. III. Graz 1967, S. 325ff. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1953, S. 133ff. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Steirische Bildhauer vom Römerstein zum Rokoko. Graz 1956, S. 439ff. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Steirische Baumeister. Tausendundein Werkmann. Graz 1961, S. 435–438. [https://diglib.tugraz.at/download.php?id=602f965619bdc&amp;amp;location=browse (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johann Krainz: Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochland. Bruck/Mur 1880, S. 72. &lt;br /&gt;
* Josef Krassler: Der Figurenpfeiler im Seckauer Dom. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Steiermark, Sonderbd. 16. Festschrift Otto Lamprecht. 1968, S. 119-123. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Krauss: Die eherne Mark. Eine Wanderung durch das steirische Oberland Bd. 2. Graz 1897, S. 326ff. &lt;br /&gt;
* Michaela Kronthaler: Prägende Frauen der steirischen Kirchengeschichte. In: Christentum und Kirche in der Steiermark, H. 5. Kehl a. Rhein 2000, S. 4f. &lt;br /&gt;
* Alois Lang: Der Prozeß des Seckauer Bischofs Matthias Scheit mit seinem Domkapitel 1497- 1512. In: Aus Archiv und Chronik 1950, S. 10-18, S. 36-44, S. 76-87, S. 104-117, S. 145-159. &lt;br /&gt;
* U. Laubert-Konietzny: Studien zur mittelalterlichen Plastik im Bereich der Südostalpen. Phil. Dissertation München 1978. &lt;br /&gt;
* Josef Litzner: Bau- und Kunstgeschichte der Basilika und des Augustinerchorherrenstiftes Seckau. Seckauer geschichtliche Studien H. 2, 1934 (vorher phil. Dissertation Graz 1933). &lt;br /&gt;
* Rudolf List: Steirischer Kirchenführer Bd. 2. Graz 1979, S. 210ff. &lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz. Band 3: Nachträge und Register. Wien 1967. [http://sosa2.uni-graz.at/sosa/katalog/MAIRO.htm (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Die gotischen Bucheinbände des Stiftes Seckau. In: Codices manuscripti 1 (1975), S. 13–22. &lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Renaissance- und Barockeinbände des Stifts Seckau. In: Codices Manuscripti 1 (1975), S. 65–73.&lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Seckauer illuminierte Inkunabeln in der Univ.-Bibl. Graz. In: Dorn im Gebirge. Hg. von Benno Roth, S. 408–413. &lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Die Bucheinbände des Stiftes Seckau in der Universitäts-Bibliothek Graz. Graz, S. 414–429. &lt;br /&gt;
* Franz Graf von Meran: Der Prankher-Helm aus Stift Seckau. Graz 1878. [https://archive.org/details/derpranckherhel00mgoog/page/n8/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Helmut J. Mezler-Andelberg: Landesfürst und Klöster in Steiermark bis zum 13. Jahrhundert. In: Festschrift Julius Franz Schütz. Hg. von Berthold Sutter. Graz 1954, S. 437-449. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Moser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. Band 3: Steiermark. Graz 1961, S. 8892.&lt;br /&gt;
* Nicola Naderer: Eine spätmittelalterliche deutsche Professformel aus Seckau. phil. Diplomarbeit Graz 1998. &lt;br /&gt;
* P. Naredi-Rainer / M. Böckl: Vision und Schicksal - Herbert Boeckls Seckauer Fresken. Graz 1990. &lt;br /&gt;
* Ulrich Ocherbauer: Die Aufdeckung und Restaurierung romanischer Arkaturen im Kreuzgang des Stiftes Seckau. In: Österreichiche Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 25 (1971), S. 174–178.&lt;br /&gt;
* Michael Offenbacher: Die letzten Chorherren des im Jahre 1782 aufgehobenen Stiftes Seckau. Unter besonderer Berücksichtigung ihrer nachmaligen Verwendung in der Seelsorge. Dissertation Universität Graz. Graz 1982. &lt;br /&gt;
* Carl F. Panagl-Holbein: Demut und Pracht. Ein Blick in die Klöster- und Ordenslandschaft Österreichs. Wien 1991, S. 85ff. &lt;br /&gt;
* Johann Rainer / Sabine Weiß: Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581. Graz 1977 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 30). &lt;br /&gt;
* Michael Rainer / Thomas Rainer: Der Seckauer Achteckpfeiler und die Bedeutung seiner Figurenreliefs. Heft Seckau, 9. Jg. (1999), Nr. 36-4/99, S. 12-24. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Die Seckauer Friedhofkirche ein Stück Alt-Seckau. In: Seckauer Hefte, 20. Jg., 1967, H. l, S. 13ff. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Aus der Geschichte der Doppelklöster. In: Heft Seckau, 8. Jg. (1998), Nr. 30-2/98, S. 23-26. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Das Geheimnis des Achteckpfeilers. In: Heft Seckau, 9. Jg. (1999), Nr. 36-4/99, S. 8-11. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Aus der Geschichte der Seckauer Hochalmkirche. In: Heft Seckau, 11. Jg. (2001), Nr. 42-2/01, S. 10-23. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Die Seckauer Luziakapelle. In: Heft Seckau, 12. Jg. (2002), Nr. 45-1/0 2, S. 15ff. &lt;br /&gt;
* Ellinor Reckenzaun: Ms. 832 der Universitätsbibliothek Graz. Ein Seckauer Codex der Romanik und sein Bildproömium. Graz 2001 (Forschungsberichte. Kunstgeschichte Steiermark, 2). &lt;br /&gt;
* Josef Riegler: Die vermeintliche Rebellion der Bauern des Mareiner Bodens gegen das Stift Seckau im Jahre 1683. In: Festschrift Gerhard Pferschy. Graz 2000, S. 565-569. &lt;br /&gt;
* J. Rohmeder: Der Meister des Hochaltars in Rabenden. Münchener Kunsthistorische Abhandlungen. Hg. vom Kunsthistorischen Seminar der Universität München. W. Braunfeld / N. Lieb: Bd. 3. München 1971. &lt;br /&gt;
* Otto Rommel: Das Seckauer Domkapitel in seiner persönlichen Zusammensetzung (1218–1782). Dissertation Universität Wien. Wien 1955.&lt;br /&gt;
* Johann Roth: Zur Besitzgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherren- und Domstiftes Seckau in Obersteiermark. Dissertation Universität Graz. Graz 1932.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Besitzgeschichte des Augustinerchorherren- und Domstiftes Seckau. Zeitraum 1140–1270. Seckau (Seckauer geschichtliche Studien, 3). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Ein Beitrag zur historisch-kritischen Untersuchung der mittelalterlichen Osterfeiern. Seckau 1935 (Seckauer geschichtliche Studien, 4). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer Gregoriusmesse. Tafelgemälde 1486. In: Blätter für Heimatkunde 18 (1940), S. 31–36. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Besitzgeschichte des ehemaligen Augustinerchorherren- und Domstiftes Seckau 1270-1782. Seckau 1940 (Seckauer geschichtliche Studien, 7). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die literarhistorische Bedeutung des ehemaligen Augustinerchorherren- und Chorfrauenstiftes Seckau. In: Blätter für Heimatkunde 22 (1948), S. 61–66. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Matthias Ferdinand Gauster. Seckauer Archivar und Stiftschronist 1699-1749. In: Aus Archiv und Chronik 1 (1948), S. 23–27. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Symbolik der Reliefs am achteckigen Pfeiler in der Seckauer Basilika. In: Jahrbuch des Abteigymnasiums Seckau 1948/49, S. 3-6. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Was weiß die Seckauer Pfarrchronik über die Habsburgergruft daselbst zu erzählen? In: Aus Archiv und Chronik 2 (1949), S. 26–31. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die ehemalige Innenausstattung der Seckauer Basilika. Seckau 1950 (Seckauer geschichtliche Studien, 9).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Aus Seckaus Kunstgeschichte. In: Aus Archiv und Chronik 3 (1950), S. 159–169. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Dompropst Johannes Dürnberger. Ein Kunstmäzen im ausgehenden Mittelalter. Seckau 1951 (Seckauer geschichtliche Studien, 10).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Seckauer Oblaywesen. In: Festschrift zur 200jährigen Bestandes des Haus-, Hof- und Staatsarchivs Wien. Band 2. Hg. von Leo Santifaller. Wien 1952, S. 197–225.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Kunst unter Dompropst Gregor Schärdinger 1510- 1531. Seckau 1952 (Seckauer geschichtliche Studien, 11). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Unsere Liebe Hausfrau Die Seckauer &amp;quot;Nikopoia&amp;quot;. In: Jahresbericht des Abteigymnasiums Seckau 1953/54, S. 1–13.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Der Hochaltar der Seckauer Basilika im Wandel der Jahrhunderte. In: Jahrbuch des Abteigymnasiums Seckau 1954/55, S. 1–16. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Quellen und Bibliographie zur Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherren- und Domstiftes Seckau. Seckau 1957 (Seckauer geschichtliche Studien, 13).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Habsburger-Mausoleum in der Seckauer Basilika. Seckau 1958 (Seckauer geschichtliche Studien, 14).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Der selige Hartmann von Brixen, Konsekrator der Seckauer Basilika. In: Seckauer Hefte 21/1 (1958), S. 33–36. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Doppeljubiläum in Seckau (300 Jahre Seckauer Hochalmkirche „Maria Schnee&amp;quot; und 300-Jahr-Feier der Markterhebung). In: Seckauer Hefte 23 (1960), S. 49-55. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Spätbarockes Kunstschaffen unter den Seckauer Dompröpsten. Seckau 1961 (Seckauer geschichtliche Studien, 16). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Peter Franz Carlon als Seckauer Baumeister 1658-1682. Seckau 1962 (Seckauer geschichtliche Studien, 17). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckau. In: Steirisches Musiklexikon. Hg. von Wolfgang Suppan. Graz 1962-1966, S. 529–537. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Gründergrab in der Seckauer Basilika. Seckau 1964 (Seckauer geschichtliche Studien, 19). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckau. Geschichte und Kultur 1164-1964. Zur 800-Jahr-Feier der Weihe der Basilika. Wien 1964.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Beschlagnahme und Enteignung der Benediktinerabtei Seckau in Obersteiermark am 8. April 1940 durch die Gestapo. Seckau 1965 (Seckauer geschichtliche Studien, 20).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckauer Apokalypse und ihre Deutung. Boeckl-Fresken. Band 2. Wien 1965 (Österreich-Reihe, 139/140). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Bischof Matthias Scheit und sein Testament von 1511. Seckau 1968 (Seckauer geschichtliche Studien, 22). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Seckauer Spital und die St.-Luzia-Kapelle. Seckau 1969 (Seckauer geschichtliche Studien, 23). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Zur Ikonologie der &amp;quot;Maria stabat&amp;quot; in der Seckauer Kreuzigungsgruppe 1160/1170. In: Carinthia I 162 (1972), S. 65–94.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Pranker-Totenschilde in der Seckauer Basilika. Seckau 1973 (Seckauer geschichtliche Studien, 26). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Regesten zur Bau- und Kunstgeschichte. Seckau 1975 (Seckauer geschichtliche Studien, 27). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Basilika zu Seckau. München 1975. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Grabstätte des letzten Minnesängers Ulrich von Liechtenstein in Seckau. Seckau 1976 (Seckauer geschichtliche Studien, 28). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Benediktinerabtei Seckau. München 1976. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Zum Problem der Datierung der Seckauer Kreuzigungsgruppe. Seckau 1978 (Seckauer geschichtliche Studien, 30). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckau. Der Dom im Gebirge. Kunsttopographie vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Maria Schaffler: Romanische Miniaturmalerei aus Seckau in der Universitätsbibliothek Graz. Dissertation Universität Graz. Graz 1952. &lt;br /&gt;
* Hans Schmeja: Zu den Inschriften der Schrankenarchitektur des Habsburger-Mausoleums in der Seckauer Basilika. In: Heft Seckau, 12. Jg. (2002), Nr. 47-3/02, S. 10ff. &lt;br /&gt;
* Severin Schneider: Abtei Seckau. In: Österreichs Museen stellen sich vor, F. 18. Hg. vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Wien 1983, 40ff. &lt;br /&gt;
* Alfred Schnerich: Leopold von Pebal (1787-1851), Anwalt von Seckau. Zur Geschichte der Denkmalpflege. In: Blätter für Heimatkunde 14/2 (1936), 24–30.&lt;br /&gt;
* Helga Schuller: Niederösterreicher im Domkapitel von Seckau während des Mittelalters. In: Blätter für Heimatkunde 48 (1974), S. 16-26. [https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/B_Jg48_Helga-SCHULLER-Nieder%C3%B6sterreicher-im-Domkapitel-von-Seckau-w%C3%A4hrend-des-Mittelalters.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Helga Schuller: Das Chorfrauenstift zu Seckau. Seine personelle und standesgemäße Zusammensetzung. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Steiermark 66 (1975), S. 65–97. [https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg66_Helga-SCHULLER-Das-Chorfrauenstift-zu-Seckau.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Michael Semff: Die Triumphkreuzgruppe im Dom zu Seckau. Studien zur Holzskulptur des 12. und 13. Jahrhunderts in den östlichen Alpenländern. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 30/31 (1977/78), S. 47–88.&lt;br /&gt;
* Anselm Sparber: Leben und Wirken des seligen Hartmann, Bischofs von Brixen. Wien 1957 (Institutum historicum Ordinis Canonicorum regularium S. Augustini, 1). &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Eine mittelalterliche Kirchweihpredigt aus dem Stift Seckau. In: Seckauer Hefte 1964, S. S. 53-66. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Die Bibliothek des Chorherren- und Domstiftes Seckau zur Zeit der Glaubensspaltung. Dissertation Universität Graz. Graz 1971. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Die Bibliothek des Chorherren- und Domstiftes Seckau zur Zeit der Glaubensspaltung. In: Seckau, der Dom im Gebirge. Kunsttopographie vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. Hg. von Benno Roth. Graz 1983, S. 373–376. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Thomas Jurichius und die Erneuerung des klösterlichen Lebens im Chorherrenstift Seckau zu Beginn des 17. Jahrhunderts. In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg zum 65. Geburtstag. Hg. von Herwig Ebner / Walter Höflechner / Othmar Pickl. Graz 1988, S. 497–499. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Benediktinerabtei Seckau. Seckau 1999. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Seckau. In: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol. Band 3. Hg. von Ulrich Faust / Waltraud Krassnig. St. Ottilien 2002 (Germania Benedictina, 3/3), S. 485–521.&lt;br /&gt;
* Manfred Straka: Verwaltungsgrenzen und Bevölkerungsentwicklung in der Steiermark 1770–1850. Graz 1978 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 31). &lt;br /&gt;
* Monika Taferner: Die Pest im Jahre 1714 und 1715 im oberen Murtal. Dissertation Universität Graz. Graz 1971. &lt;br /&gt;
* Ernst Tomek: Geschichte der Diözese Seckau, Bd. I. Graz 1917, S. 320–328. &lt;br /&gt;
* Josef Wastler: Das Mausoleum des Erzherzogs Carl II. von Steiermark in Seckau. In: Mittheilungen der K. K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale N.F. 7 (1881), S. 50–57. [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=edb&amp;amp;datum=1881&amp;amp;page=54&amp;amp;size=45 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Jakob Wichner: Beiträge zur Geschichte des Heilswesens, der Volksmedizin, der Bäder und Heilquellen in Steiermark bis inklusive 1700. In: Mitteilungen des Historischen Vereins für Steiermark 33 (1885), S. 70–73. &lt;br /&gt;
* Adam Wolf: Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Graz 1871, S. 69f. [https://books.google.at/books?id=8SdZAAAAcAAJ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Maria Würfel: Lernort Kloster Hirsau. Schwäbisch Gmünd 1998. &lt;br /&gt;
* Peter Wind: Die Entstehung des Vorauer Evangeliars in der Steiermar. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark Jahrgang 86 (1995), S. 45–61.[https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg86_Peter-WIND-Die-Entstehung-des-Vorauer-Evangeliars-in-der-Steiermark.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Josef von Zahn: Ortsnamenbuch der Steiermark im Mittelalter. Wien 1893, S. 456. [https://diglib.tugraz.at/download.php?id=532c34359e919&amp;amp;location=browse (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Schrattenthal&amp;diff=10269</id>
		<title>Stift Schrattenthal</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Schrattenthal&amp;diff=10269"/>
		<updated>2022-09-09T11:17:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Schratental (1220), Srettentall (1290), Schretental (1340), Schraettental (1441), Schratntal (1501), Schrattenthal (1652), Schrättentaal (1672)&lt;br /&gt;
|Benannt nach=slaw. &amp;quot;Creta&amp;quot; (Sumpfwiese, Au) und dt. &amp;quot;Tal&amp;quot;; volkstümliche Deutung des Namens als Tal der Schreteln oder Schratteln (Irrlichter, Sumpfgeister, Kobolde)&lt;br /&gt;
|Quelle=Gerhard Hruby u. Gerhard Tribl: Schrattenthal (1476- um 1527). In: Die ehemaligen Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich und Südtirol. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg 2005, S. 485-503.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=hl. Augustinus (ab 1784), hl. Dreifaltigkeit (bis ca. 1850), hl. Berhardin von Siena (1450-?; ab 1980 erneut)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Schrattenthal ist eine Katastralgemeinde der Stadtgemeinde (seit 1472) Schrattenthal im Gerichtsbezirk Retz, Verwaltungsbezirk Hollabrunn, Land Niederösterreich. Die Pfarre (seit 1452) Schrattenthal im Pfarrverband Zellerndorf gehört zum Dekanat Retz, Vikariat Weinviertel der Erzdiözese Wien. Die Eitzinger erwarben Schrattenthal 1434 als Maidburg-Hardegg'sches Lehen, 1448 überließen die Grafen von Hardegg Schrattenthal den Eitzingern unter der Bedingung, sich vom Landesfürsten belehnen zu lassen. 1550 wurde das Lehensband aufgehoben und die Herrschaft allodisiert. Schrattenthal gehörte als Besitz der Hardegger zum Landgericht Pulkau-Retz und wurde 1472 eigenes Landgericht. Als zur Mutterpfarre Pulkau (seit 1135 dem Schottenstift in Wien inkorporiert) eingepfarrter Ort und ab 1452 als selbständige Pfarre lag Schrattenthal bis 1784 im Gebiet der Diözese Passau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Ulrich von Eitzing, aus einem bairischen Rittergeschlecht stammend (der Ort Eitzing liegt nahe bei Ried im oberösterreichischen Innviertel), erwarb 1434 die von den Hussiten zerstörte Burg und das Dorf Schrattenthal, die er 1448 zu freiem Eigen erhielt. In der Folge ließ Ulrich - neben dem Wiederaufbau und Ausbau der Wehranlagen zu einer Wasserburg - die ebenfalls 1425 zerstörte Marienkapelle wiedererrichten.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Stiftsbrief von 1476 heißt es: &amp;quot;unser lieben Frawen Capelln zu Schretental die weiland der Edel her her Ulrich von Eitzing, unser lieber brueder und vetter dem Gott genad, von seinem aigen guet von Newen aufpawt hat.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Größe der Kirche lässt sich aufgrund eines Berichtes des Dechants vom 27. Februar 1688 bestimmen.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Die Kapellen ist inwendig von einer Mauer zu der andern 9 Klafter 12 Zoll lang, 5 Klafter 33 Zoll breit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Angaben stimmen mit den erhaltenen Grundmauerresten annähernd überein; die Marienkirche hatte eine Außenabmessung von rund 19,5 m Länge und 14 m Breite.&amp;lt;ref&amp;gt;Bereits am 21. Juli 1438 gab Papst Eugen IV. (als Dank für die Unterstützung durch Ulrich Eitzing beim Basler Konzil) &amp;quot;der Kapelle Unserer Lieben Frau zu Schrattenthal einen Ablass auf ewige Zeiten von einem Jahr und vierzig Tagen, welchen alle jene erhalten sollen, die am Mariae Verkündigungstage, mit gehöriger Vorbereitung durch Beicht und Communion sie andächtig besuchen und zu ihrer Erhaltung beisteuern würden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der Errichtung der Pfarrkirche 1450 wurde der Bau eines großen Kirchengebäudes abgeschlossen. Beide Gotteshäuser standen parallel, die Pfarrkirche war um ein Chorjoch länger als die Kapelle. Die Schiffe beider Häuser waren in ihrer gesamten Länge durch vier hohe Spitzbögen miteinander verbunden, bildeten also einen mächtigen, zweischiffigen Kirchenraum mit zwei Chören. Die Entstehungszeit zwischen 1434 und ca. 1450 sowie die Bauweise legen den Schluss nahe, dass bereits eine Doppelkirche geplant war. Es erscheint unwahrscheinlich, dass derartig hohe Verbindungsbögen mit profiliertem Maßwerk nachträglich eingebaut wurden. Beide Kirchenschiffe dürften mit ihren Westmauern in gleicher Linie abgeschlossen haben. (Diese Annahme konnte durch eine spätere Grabung bestätigt werden.) &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Mit allen Mitteln und in der ungehemmten Ausübung seiner Funktionen (als Burghauptmann, Hubmeister, Anführer der Stände und Geldgeber Kaiser Friedrichs III.) verfolgte der Eitzinger sein Ziel, nicht nur der mächtigste Mann im Land unter der Enns, sondern auch dessen Herr zu werden. Ebenso großzügig wurde von ihm der Ort Schrattenthal ausgebaut und befestigt. Nach seinem Tod (1460) erreichte sein Bruder Stephan schließlich 1472 die Verleihung des Stadtrechtes für den erklärten Herrschaftsmittelpunkt der Eitzinger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung=== &lt;br /&gt;
Die 1439 vom römisch-deutschen König Albrecht II. in den Herrenstand erhobenen Eitzinger wussten sich auch in kirchlichen Belangen das schrittweisen Loslösung aus der Schottenpfarre Pulkau. So gründete Stephan gemeinsam mit seinen Söhnen Martin und Georg sowie seinem Bruder Oswald (auf Drosendorf) am 13. Oktober 1476 bei der Kapelle Unser Lieben Frau ein Stift der regulierten Augustiner-Chorherren. Der bisherige Pfarrer Peter Achter resignierte auf die Pfarre. Eine Bestätigung der Stiftung durch den päpstlichen Legaten Alexander Bischof von Forli erfolgte 1479.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kurze Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Zur Zeit der Gründung umfasste der Konvent mit dem Propst sechs Kanoniker, die aus den Augustinerstiften [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (3), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (2) und [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] kamen. Mit der Übernahme der Seelsorge in den Pfarren Schrattenthal und Joslowitz stieg die Zahl der Chorherren auf dreizehn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klostergründung steht im Zusammenhang der sog. &amp;quot;Raudnitzer Reform&amp;quot;. Diese religiöse Erneuerungsbewegung begünstigte die Errichtung zahlreicher kleiner Stifte im böhmisch-süddeutschen Raum als Heimstätten strengen Ordensgeistes und großer Gelehrsamkeit von bedeutendem Einfluss. Mit Bezug darauf ist auch eine weitere Bereicherung religiösen Lebens zu verstehen: Stephans Sohn Martin II. führt 1494 die Bruderschaft zu Ehren der Sieben Schmerzen Mariens ein und übergibt sie mit Stiftungsurkunde vom 22. 11. 1506 in die Obhut der Augustiner-Chorherren. Gleichzeitig stattet er sie mit Einkünften und Gütern in einer Reihe von Orten im Wein- und Waldviertel aus, darunter das Dorf Ragelsdorf und zwei Baustellen in Schrattenthal. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stiftsbrief werden auch genaue Anordnungen für den kirchlichen Dienst erlassen; die seit 1452 bestehende Pfarrschule wird erweitert und hat für Gottesdienste und besondere Anlässe (wie Osterspiele) sechs Chorknaben auszubilden. Als Stiftungskurator wird die Universität Wien eingesetzt. 1511 stiftet Martin zusätzlich eine jährliche Rente von 100 Gulden. Anlässlich der Gründung der Bruderschaft hatte Martin von Eitzing eine Darstellung der Sieben Schmerzen Mariens aus Holland, dem Entstehungsland dieser frommen Verbindung, nach Schrattenthal gebracht. Das beidseitig mit der gleichen Darstellung versehene Andachtsbild war in einem der vier Verbindungsbögen zwischen beiden Kirchen angebracht bzw. aufgehängt, und trug so nachhaltig zur Bedeutung der Stadt als Wallfahrtsort bei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Marienkirche selbst stand vermutlich seit dieser Zeit eine spätgotische Statue der Maria mit dem Kind. &amp;quot;In der Mitte der Kapelle stehet der Altar mit dem Bildnuss Unser Frau&amp;quot;, heißt es in dem genannten Bericht von 1688. Gegenstand der Verehrung waren somit während dreier Jahrhunderte zwei bedeutende Darstellungen der Gottesmutter. Diese Blüte des religiösen Lebens mit ihrem besonderen Akzent der Verehrung der Sieben Schmerzen fand auch darin ihren Ausdruck, dass in Schrattenthal das älteste in Österreich außerhalb Wiens gedruckte Buch entstand. Das Andachtsbuch von den Sieben Schmerzen Mariens, verfasst von dem Dominikaner Michael Franciscus de Furno ab Insulis, wurde am 20. März 1501 in einer im Stift eingerichteten Offizin (Buchdruckerei) vermutlich von einem wandernden Buchdrucker hergestellt, angesichts des regen Wallfahrtsbetriebes wahrscheinlich in größerer Auflage. Heute sind sechs erhaltene Exemplare bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rascher Niedergang=== &lt;br /&gt;
Nachdem um 1521 Propst Myllius noch einen Neudruck des Andachtsbuches herausgegeben hatte, brachte das Eindringen der lutherischen Lehre in diesem Jahrzehnt einen plötzlichen Einbruch des (katholischen) kirchlichen Lebens mit sich. In Schrattenthal trug dazu besonders die Hinrichtung des Freiherrn Michael von Eitzing, des Bruders und Nachfolgers Martins, bei.&amp;lt;ref&amp;gt;(Nach dem Regierungsantritt Kaiser Ferdinands I. waren die Anführer der Stände, darunter Michael, in eine Falle gelockt und auf dem Hauptplatz von Wiener Neustadt 1522 enthauptet worden.)&amp;lt;/ref&amp;gt; In der nun folgenden unruhigen Zeit verließen die Chorherren das Stift oder wurden daraus vertrieben. Unter dem vermutlich letzten, namentlich nicht bekannten Propst lebten immerhin noch sieben Chorherren im Stift, aber bereits 1527 scheint Ulrich IV. das Kirchenvermögen frei verwendet zu haben. Jedenfalls wird 1534 bereits wieder mit Kaspar Greyl ein Weltpfarrer für Schrattenthal genannt. Obwohl die Eitzinger damals erst zum Teil der neuen Lehre anhingen, war der Einfluss der Reformation schon spürbar. In einem Visitationsbericht von 1544 wird vermerkt: &amp;quot;Diese Kapelle und Stift ist zu einer Kirchfahrt erhebt worden dann jährlich eine große Anzahl Volk zu Unser Frauen Tagen gekommen ist, aber jetzt allein am Tag der Kirchweih.&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätere Entwicklung=== &lt;br /&gt;
Die Niederlage der Protestanten und das gleichzeitige Aussterben (1620) der Eitzinger bedeuteten das Ende der evangelischen Pfarre und Schule in Schrattenthal. Eine Erneuerung der Propsteipfarre verhinderte aber 1621 ein Brand von Kirche und Pfarrhof; die Betreuung des Ortes erfolgte seitdem durch die Pfarrer von Obermarkersdorf, die den Kirchenschatz (Kirchengeräte und Paramente) veräußerten und sich zum Teil sogar als Pröpste bezeichneten. Im Zug der Gegenreformation und des Barock kam es zu einem neuerlichen Aufleben der Wallfahrt. Einen Hinweis liefert wiederum der Bericht aus 1688 über den damals desolaten Zustand der Kirche.&amp;lt;ref&amp;gt; &amp;quot;... dabei vor wenig Jahren nicht eine geringe Andacht der Benachbarten gewesen, auch die von Znaim wann sie mit der Procession nach Mariazell gehen noch allda zu theils ihre Andacht verrichten, neben einem Hochund Voraltar sind beiderseits sechs Altäre, jedoch ganz verwüstet, ... Die Fenster sind gänzlich ruiniert, daß der Wind und Schnee allerorten einschlagt. Das Dach ist baufällig, das Gewölb und Gemäuer also zerspalten, ... Die Kirche ist dann vom Herrschaftsbesitzer, Baron Putz von Adlersthurm, renoviert worden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1650 entwickelte sich ein Streit um die Neubesetzung bzw. die Güter der Propstei, deren Herausgabe die Grafen Strozzi als Besitzer der Herrschaft verweigerten. Die Chorherrenstifte St. Andrä und St. Dorothea sowie das Bistum Passau beanspruchten die Propstei, wogegen die Wiener Jesuiten als Kuratoren Einspruch erhoben. Schließlich wurde 1669 St. Andrä das Recht zugesprochen, die Propsteigüter zu kaufen. 1690 wurde die Propstei durch Kaiser Leopold I. dem Wiener Jesuitenkolleg inkorporiert. Bis 1715 war Schrattenthal Titularsitz eines im niederösterreichischen Landtag stimmberechtigten Propstes. Schließlich erwarb 1716 die Herrschaft Schrattenthal das frühere Stiftsgebäude um 150 Gulden. Mit diesem Jahr hörte das Stift Schrattenthal auch de iure zu bestehen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert kann die Retzer Gottesdienstordnung aus den Jahren 1720 bis 1746 als Beleg für das weitere Bestehen der Wallfahrt dienen. Für den Pfingstmontag ist dort eine Prozession nach Schrattenthal festgesetzt. Vom 16. bis zum 24. August wird alljährlich eine Wallfahrt (''Prozession ex voto'') nach Mariazell durchgeführt, als deren erste Station Schrattenthal vorgesehen ist. Als späte augustinische Spur in Schrattenthal soll der Augustiner Chorherr [[Theobald Johann Fritz]] (1777–1848) Erwähnung finden. Im Schloss als Sohn des Verwalters geboren hatte er das Gymnasium in Znaim besucht und war dann in das Chorherrenstift Klosterneuburg eingetreten. Er war Professor für Ethik und Moral an der Universität Wien sowie mehrmals Dekan der theologischen Fakultät. Eine besondere Variante des Rosenkranzgebets, der „Sieben-Schmerzen-Rosenkranz&amp;quot;, der seinen Ursprung in der oben angeführten Bruderschaft und Verehrung der Sieben Schmerzen Mariens hat, wird auch heute wieder am Schmerzhaften Freitag vor dem Palmsonntag gebetet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
Die Brüder Oswald und Stefan von Eitzing sowie die Söhne des letzteren, Martin und Georg, stifteten bei der Kapelle Unser Lieben Frau zu ihrem Seelenheil ein Chorherrenkloster nach der Regel des hl. Augustinus. Im Stiftsbrief vom 13. Oktober 1476 wurde festgehalten, dass die Güter, Holden und Einkünfte auf ewige Zeiten beim Kloster zu verbleiben haben und das Kloster maximal 13 Kanoniker beherbergen sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tag Maria Verkündigung des Jahres 1477 ging man an die Realisierung der frommen Stiftung mit der Einsetzung eines Propstes und fünf Kanoniker. Die Dotierung der Stiftung erfolgte mit den Pfarren Schrattenthal und Joslowitz, wobei die Pfarrlehen der zweitgenannten Pfarre vom Olmützer Bischof gekauft wurden. Zusätzlich erhielt die Stiftung Zuwendungen aus den Besitzungen der Schlosskirche Schrattenthal. Bei Todesfall des jeweiligen Pfarrers war vorgesehen, dass Propst und Konvent der Pfarrkirche zu unterstehen haben. Als Siegler dieses Stiftsbriefes scheinen die oben genannten Eitzinger sowie Petrus Achtler als Pfarrer von Schrattenthal auf. Nach knapp zwei Jahren erfolgte am 18. Mai 1479 die Bestätigung der Stiftung durch den päpstlichen Legaten Alexander, Bischof von Forli. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraufhin wurde das Kloster mit dem erforderlichen Personal aus zwei Chorherrenklöstern ausgestattet, nämlich mit Propst Jakob und zwei Chorherren aus Dürnstein sowie mit zwei Brüdern aus St. Dorothea in Wien. Während der kurzen Dauer von 52 Jahren wurde die Stiftung mehrmals erneuert wie beispielsweise 1506. In diesem Stiftsbrief, der zwölf Siegler ausweist, werden sämtliche Gülten und Stücke des Klosters angeführt. Darunter befinden sich Weingärten, Getreidezehent und unterschiedliche Dienste aus verschiedenen Dörfern, worunter auch Waizendorf mit vier Vierteln Weingärten genannt wird - ein Geschenk eines Ehepaares an das Kloster. In der Stadt Schrattenthal gehörten zwei Öden dem Kloster. Zusätzlich erfolgte ein Nachtrag jener Güter, die im Stiftsbrief von 1477 nicht angeführt waren. Dabei handelt es sich durchwegs um Gülten, die den Augustinern und Schotten in Wien und dem Stift Wilhering abgekauft wurden. Weiters wird die Errichtung eines Gebäudes für Propst und Konvent bei der Kirche erwähnt, sowie die entsprechende Versorgung von sieben Chorknaben mit der notwendigen Bekleidung und Verpflegung. Vogt des Stiftes sollte der jeweilige Senior der Familie Eitzing sein. Ein weiterer Stiftsbrief aus dem Jahre 1511 zeigt hinsichtlich des Besitzes nur geringe Veränderungen. Das Jahr 1529 bedeutete das Ende der Propstei in Schrattenthal , wozu gewiss die hohe Steuerbelastung aufgrund der Verteidigung gegen die Osmanen beigetragen haben könnte. Der Verkauf der Joslowitzer Lehen kann als Indiz dafür gewertet werden. Inwiefern auch der Protestantismus durch seinen geistigen Einfluss zu diesem frühen Ende beigetragen hatte, ließe sich nur aus den seit 1528 geführten Visitationsberichten erkennen, die derzeit nicht greifbar sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Einfluss des evangelischen Glaubens, dem Freiherr Christoph von Eitzing und dessen Sühne Georg und Paul anhingen, kam es 1567 mit dem Schrattenthaler Pfarrer Georg Kaiser zu einem Streit um die pfarrlichen Einkünfte . Den genannten Söhnen des Christoph von Eitzing gelang es, sich der Besitzungen von Pfarre und Propstei zu bemächtigen, wobei die Pfarre mit minderwertigen Gründen entschädigt werden sollte. Ein Jahr später verlangte Kaiser Ferdinand II. die neuerliche Dotierung von Pfarre und Propstei aus den Eitzinger Gütern und behielt sich persönlich das Patronat vor. Aufgrund der schmalen Wirtschaftsbasis der Propstei musste sie häufig die Landesanlagen (Steuern) schuldig bleiben. 1628 war die Steuerschuld auf 28.000 fl. angewachsen. Seitens der niederösterreichischen Verordneten wurde sie bis auf 5.000 fl. nachgelassen, allerdings mit einer Zahlungsverpflichtung innerhalb von vier Jahren. Damit verbunden war der Einzug bestimmter Gülten und Zehente durch die Landschaft (Stände) wegen der lange ausständigen Landesanlagen und Kontributionen durch Exekution. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst gegen Erlegung des Pfandschillings von 4.000 fl. durfte die Propstei wieder unter der Leitung eines Propstes stehen. 1630 war Propst [[Albrecht von Pranck]], Passauischer Vizeofficial und Pfarrherr zu Schrattenthal, die Ablöse der Gülten teilweise gelungen, wozu ihm aber Freiherr von Kürchberg, Passauischer Offizial, 4.000 fl. vorgestreckt hatte. 1650 erklärte sich das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien bereit, gegen Überlassung der Güter die Propstei in Schrattenthal wiederherzustellen. Diesbezüglich weist die Gülteinlage das Jahres 1656 für 71 Häuser einen Wert von 34fl. 3ß 2d aus. Aufgrund der Steuerausstände bei der Landschaft erfolgte durch deren Verordneten 1657 die neuerliche Exekution. Propst Jakob von St. Dorothea beantragte 1660 die Restituierung der Schrattenthaler Güter. Am 27. September 1662 beurkundeten die Verordneten, dass sie dem Propst Stephan von St. Andrä an der Traisen als Nachfolger der Propstei Schrattenthal wegen der Steuerschuld von 1657 die in Exekution genommenen Güter und Dienste überlassen werden. Zuvor wurde die Angelegenheit vom Kaiserhof dem Passauer Konsistorium und deren Gutachtern vorgelegt. Propst Stephan sollte nun der unmittelbare Nachfolger der Schrattenthaler Propstei sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings blieb der Propstei Schrattenthal die Ablöse um jenen Wert vorbehalten, um den sie von der Landschaft erkauft worden war. Mit Zustimmung Kaiser Leopolds I. wurden Propstei und Pfarre per Urkunde vom 18. Juni 1664 aufgrund der hohen Steuerschulden zum Verkauf freigegeben. Zwar wollte bereits Propst Jakob von St. Dorothea die Schrattenthaler Güter erwerben, was der Passauer Bischof abgelehnt hat. Am 24. März 1665 kam Propst Stephan von St. Andrä gegen eine Zahlung von 4.000 fl. in den Besitz der Schrattenthaler Gülten. Gleichzeitig zeigte der Rektor des akademischen Kollegiums der Jesuiten in Wien Interesse für den Propsteibesitz, und zwar in Form einer Schenkung. Er wandte sich an den Kaiser, der ihm seine Zusage gab, aber sich nicht mehr an die früh er gegebene Verkaufsfreigabe erinnert hatte. Propst Stephan intervenierte sofort und führte einen Prozess gegen die Jesuiten. Dieser endete 1671 durch den Tod von Propst Stephan zunächst zugunsten der Jesuiten, schließlich kam aber die Propstei St. Andrä wieder zu ihrem Recht als legitimer Nachfolger der Schrattenthaler Propstei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die endgültige Auflösung der Propstei erfolgte 1716. Aus dem Grundbuch 1667 wird ersichtlich, welche Ämter der Propstei Schrattenthal dienstbar waren: Braunsdorf (GB Hollabrunn), Fahndorf (GB Hollabrunn), Fels (GB Kirchberg am Wagram), Mitter-Retzbach (GB Retz), Nonndorf (GB Allentsteig), Riegers (GB Waidhofen an der Thaya), Tiefenbach (GB Allentsteig), Walkersdorf (GB Langenlois), Zaussenberg (GB Kirchberg am Wagram), Ziersdorf (GB Ravelsbach). Die Aufschlüsselung der Ämter nach Hausdiensten ergibt folgendes Bild: Braunsdorf (2), Fahndorf (18), Fels (5), Mitter-Retzbach (3), Nonndorf (3), Riegers (18), Tiefenbach (5), Walkersdorf (11), Zaussenberg (3) und Ziersdorf (3). Die Dienste und Abgaben in diesen Ämtern wurden von Ganz-, Halb-, Viertellehnern und 13 Hofstätten geleistet. Insgesamt beliefen sich die Gülteinnahmen auf 41 fl. 3 ß. 11 d., der Getreidezehent machte 45 Metzen aus, das entspricht etwas mehr als 3 Tonnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Errechnung erfolgte auf Grundlage der Stiftsbriefe von 1477, 1506 und 1511 sowie den Steuerakten, den Akten des Propstes Augustinus Erath, den alte Gülteinlagen VUMB, den Gülten von 1711, den Klosterratsakten sowie dem Grundbuch von 1667.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pfarren== &lt;br /&gt;
Gemäß dem Stiftsbrief erhielt das Kapitel die Pfarrkirche Schrattenthal sowie, mit Zustimmung des Bischofs von Olmütz, die Pfarrkirche von Joslowitz in Südmähren, deren Patronat Stephan von Eitzing innehatte. Gleichzeitig übernahm das Stift die Seelsorge in diesen Pfarren. 1529 verkaufte Ulrich IV. das Patronat Joslowitz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Abgesehen von dem erwähnten Andachtsbuch ist darüber nichts bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Das Stiftsgebäude=== &lt;br /&gt;
Das Stift wurde in der Nordwestecke des 1472 zur Stadt erhobenen Ortes bzw. an dessen nordwestlicher Flanke errichtet. Während die vom Stiftsgebäude eingenommene Fläche anhand des bis heute weitgehend unveränderten Grundrisses der mittelalterlichen Stadt annähernd festzustellen ist, können über Bauplan und Bauvolumen kaum konkrete Angaben gemacht werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heutigen Häuser Nr. 34, 35 und 36 sind auf dem Areal des Stiftes entstanden bzw. gehen in ihren Grundmauern auf dieses zurück. Die Anlage wurde im 18. Jahrhundert in drei Kleinhöfe unterteilt. Besonders das Haus Nr. 36 enthält nach dem denkmalpflegerischen Befund noch Teile der ursprünglichen Raumstruktur und der Bausubstanz des 16. Jahrhunderts. Dies zeigt auch die teilweise Freilegung einer frühneuzeitlichen Ritzputzquaderung unter dem josephinischen Putzdekor der Straßenfront aus dem Jahr 1786. (Vor der Wiedererrichtung der Pfarre wurden die beiden Kirchen von diesem Haus aus betreut, teilweise durch Einsiedlermönche des Waldbrüderordens. Möglicherweise bildete der nordwestliche, einschließlich zweier Rundtürme erhalten gebliebene Teil der Stadtbefestigung zugleich die Außenmauer des Stiftes, sodass auch die an die Stadtmauer angebauten Häuser Nr. 37, 63 und 74 dem ehemaligen Klosterbereich zuzurechnen sind. Inmitten der weitläufigen Burganlage von Schrattenthal befindet sich, unter dem einheitlichen Dach eines barocken Erweiterungssbaues, der sog. ,,Schafstall&amp;quot;. Dieser spätgotische Raum aus dem 15. Jahrhundert mit vier kreuzrippengewölbten Jochen auf einem Achteckpfeiler soll der Tradition zufolge als Refektorium des (rund 400 Meter entfernten) Stiftes gedient haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Kirchen=== &lt;br /&gt;
Zum Zeitpunkt der Gründung des Stiftes bestanden in Schrattenthal neben der Burgkirche St. Martin (erbaut 1436–1438) zwei räumlich verbundene und vom Herrschaftsinhaber Ulrich von Eitzing wahrscheinlich bereits als Doppelkirche geplante Gotteshäuser: die anstelle der von den Hussiten 1425 zerstörten Kapelle Unser Lieben Frau nach 1434 wiedererrichtete Marien- und Wallfahrtskirche und die um 1450 erbaute Pfarrkirche St. Bernhardin. Zwar bezieht sich der Stiftsbrief auf die Kapelle Unser Lieben Frau, die bauliche Einheit beider Kirchen hat aber zur Bezeichnung (auch) der Pfarrkirche als Propsteikirche geführt. Nach dem Stadtbrand von 1783 wurde die südliche Marienkirche abgebrochen, die Pfarrkirche erhielt eine einheitlich spätbarocke Innenausstattung. Aus der Erbauungszeit erhalten sind der netzrippengewölbte Chor mit Sessionsnische und gekehltem Portal zur sternrippengewölbten Sakristei, die kreuzrippenunterwölbte Orgelempore und der spätgotische Westturm; rotmarmorner Taufstein; Eitzinger-Grab steine 1460, 1504, 1563 und die spätgotische figürliche Grabplatte eines weiter nicht bekannten Ritters Wallwolf (?). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Andachtsbild der Sieben Schmerzen Mariens wurde nach 1784 in einem barocken Rahmen in den Hochaltar integriert. Seit der Außenrenovierung 1989 entspricht die Kirchenfassade wieder dem Erscheinungsbild der jeweiligen Bauzeit von 1450 bzw. 1784. Die spätgotische Gnadenstatue Unserer Lieben Frau mit dem Kind befindet sich heute in der Kirche des Karmelitinnenklosters in Gmunden. Die Fundamente der Marienkirche wurden 1987 im Zug eines Dorferneuerungsprojekts freigelegt; 2001 wurde aus den ergrabenen Architekturteilen im ehemaligen Kirchenraum ein Feldaltar errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Wien 1990. &lt;br /&gt;
* Raimund Oblistil: Das Augustiner Chorherrenstift Schrattenthal (Beilage zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn, 3/10). Hollabrunn 1968.&lt;br /&gt;
* Raimund Oblistil: Die Pfarre Schrattenthal. Typoscript. o.J. &lt;br /&gt;
* Raimund Oblistil: Die Gotteshäuser Schrattenthals. Typoscript. o.J. &lt;br /&gt;
* Raimund Oblistil: Festschrift zur Fünfhundertjahrfeier der Stadterhebung. Nach den von Raimund Oblistil gesammelten Unterlagen bearbeitet von Franz Müllner und Anton Resch. Schrattenthal 1972.&lt;br /&gt;
* Österreichisches Städtebuch. 4. Bd. Wien 1982. &lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Das Pilgerbuch aus Schrattenthal. In: morgen. Kulturzeitschrift aus Niederösterreich Nr. 17 (Juni 1981). &lt;br /&gt;
* Egon Alexander Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Dissertation. Wien 1945.&lt;br /&gt;
* Theodor Wiedemann: Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Land unter der Enns. Bd 3. Prag 1882. &lt;br /&gt;
* Ralf Wittig: Fassadenuntersuchung der Pfarrkirche Schrattenthal. Typoscript. 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10264</id>
		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-09-09T08:01:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Baugeschichte und Sammlungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen a. d. D.]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. FLorian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs. Bd. 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im 3. Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294. &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Diplomarbeit. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. von Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39 (1992, Heft 3/4), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Diplomarbeit. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florin. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
* Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift. 3. F., Bd. 8. München 1932, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik&amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger. 367, Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter Jg. 40 (1986, H. 3/4). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie. Bd. XL VIII (1988), S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek, Bd. 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in S. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande Ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91- 94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian/Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian. 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986. 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie Bd. XL VIII. 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. von Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12- 15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-09-09T07:58:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Bibliothek und Archiv */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen a. d. D.]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. FLorian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs. Bd. 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im 3. Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294. &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Diplomarbeit. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. von Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39 (1992, Heft 3/4), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Diplomarbeit. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florin. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
* Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift. 3. F., Bd. 8. München 1932, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik&amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger. 367, Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm. Oberösterreichische Heimatblätter Jg. 40 (1986, H. 3/4). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie. Bd. XL VIII (1988), S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek, Bd. 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in S. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande Ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91- 94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian/Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986, 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie Bd. XL VIII 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. von Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12- 15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
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		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-09-09T07:49:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Wissenschaft */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen a. d. D.]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. FLorian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs. Bd. 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im 3. Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294. &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Diplomarbeit. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. von Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39 (1992, Heft 3/4), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jahrhundert. Diplomarbeit. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florin. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
*  Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift, 3. F., Bd. 8. München 1932, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik &amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger, 367, Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm (Oberöst. Heimatblätter Jg. 40, 1986, H. 3/4). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Ders.: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Ders.: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie. Bd. XL VIII 1988, S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek, Bd. 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in S. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande Ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91- 94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian/Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986, 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie Bd. XL VIII 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. von Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12- 15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Florian&amp;diff=10261</id>
		<title>Stift St. Florian</title>
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		<updated>2022-09-09T07:49:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=ursprünglich Diözese Passau, seit 1785 Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Der Name &amp;quot;St. Florian&amp;quot; geht auf die Bezeichnung der Begräbnisstätte des Märtyrers zurück und blieb unverändert.&lt;br /&gt;
|Benannt nach=hl. Florian&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Reisinger u.a.: St. Florian. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/ Wien 1997, S. 337-384.&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Bezirkshauptmannschaft Linz-Land&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Patrozinien==&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche bzw. ihre Vorgängerbauten bezeichneten jenen Ort, an dem sich der Legende nach die Begräbnisstätte des hl. Florian befand. So war auch der hl. Florian von Anbeginn Kirchenpatron. Anlässlich der Einführung der Augustinerregel und der Fertigstellung der romanischen Kirche weihte Bischof Altmann von Passau zwischen 1071 und 1090 fünf Altäre. Bei dieser Gelegenheit veränderte man auch das Patrozinium der Stiftskirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wurde, während der hl. Florian zweiter Patron blieb. Seit 1971 werden der hl. Florian und seine Gefährten als Patrone der Diözese Linz verehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher und wirtschaftlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Gründung=== &lt;br /&gt;
Der hl. Florian, dem Stift und Markt den Namen verdanken, war Amtsvorsteher des römischen Statthalters in Lorch, also höchster Zivilbeamter in Ufernorikum gewesen. Er wurde im Jahre 304 unter Kaiser Diokletian auf Befehl des Statthalters mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Das Martyrium ist gut bezeugt durch das Marterbuch, das nach dem hl. Hieronymus benannt ist, und durch die älteste Legende, die in Handschriften des 9. und 10. Jahrhunderts erhalten ist. Für das Begräbnis des hl. Florian gibt es keine historischen Nachrichten, sondern nur Legenden aus der Karolingerzeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an schriftlichen Quellen wird reichlich ersetzt durch das Ergebnis der Ausgrabungen, die 1952/53 in der Gruft der Stiftskirche durchgeführt wurden. Sie förderten nicht bloß eine Mauer aus der Römerzeit und eine große Menge von römischen flachen und runden Dachziegeln zu Tage, sondern auch Mauerreste und Estrichunterlagen, die in die Zeit vor dem Bau der romanischen Kirche (1071) fallen. Auch im Rahmen der Restaurierung von Stiftskirche und Krypta (1992 bis 1996) wurden alte Fundamente offengelegt (eine Dokumentation ist erst im Entstehen). Mit diesen Funden ist bewiesen, dass zur Römerzeit hier schon Gebäude vorhanden waren und dass die bauliche Tradition bis in die Römerzeit ununterbrochen fortdauert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Stürmen der Völkerwanderung begannen noch im 8. Jahrhundert auch die Bayern über die Traungrenze nach Osten vorzustoßen und das Gebiet zwischen Traun und Enns zu besiedeln. Sie nannten unseren Ort nach seiner natürlichen Beschaffenheit &amp;quot;ze Puche&amp;quot;. Durch das Zusammentreffen mit den vorhandenen Romanen wurden sie mit dem hl. Blutzeugen Florian bekannt, machten ihn zum Schutzheiligen der Ennsgrenze und gründeten zu seiner Ehre ein Heiligtum an der Stelle seines Grabes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reliquien des Heiligen sind hier nicht mehr vorhanden. Im 8. Jahrhundert erfuhr die Florianslegende folgende Erweiterung: Der Leichnam des Heiligen wurde ans Ufer geschwemmt, von einem Adler bewacht und von der Witwe Valeria auf einem Wagen mit Zugtieren hierher übergeführt und begraben. Zur Tränkung der Tiere entsprangen Quellen, die heute noch zu sehen sind. Der Adler war das Feldzeichen der römischen Legionen, an dessen Stelle Konstantin das christliche Kreuz setzte. Aus diesen beiden Zeichen ist auch das Wappen des Stiftes entstanden, das so die Erinnerungen an römisches Heidentum und erstes Christentum  bewahrt. Der Gründer des Stiftes ist nicht bekannt. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass sich am Begräbnisplatz des hl. Florian eine Priestergemeinschaft angesiedelt hat, die wohl ab dem 8. Jahrhundert mit Gütern und Stiftungen belehnt wurde. Dieses während der Ungarneinfälle von 900 bis 955 zerstörte Kloster wurde zwar von den Passauer Bischöfen wieder errichtet, verlor aber seine rechtliche Unabhängigkeit und wurde ein Eigenkloster von Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Besiedlung durch die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Eine neue Periode in der Geschichte des Stiftes beginnt mit der Einführung der Augustinerregel durch Bischof Altmann im Jahre 1071. Vorher war St. Florian ein Stift weltlicher Chorherren nach der Aachener Regel, die zum ersten Mal in einer Urkunde zur Zeit des Bischofs Richard von Passau (899–903), in der Graf Gunther dem Weltpriesterverbande in St. Florian eine Schenkung machte, erwähnt werden. Diese Tatsache wird dadurch erhärtet, dass Cod. XI 722 vom Beginn des 11. Jahrhunderts als älteste Statuten des Stiftes noch die Aachener Regel überliefert, während Cod. XI 249 vom Ende dieses Jahrhunderts schon die Regel des hl. Augustinus und die Aachener Regel ohne die Kapitel 6 bis 8, die dem Gelübde der Armut widersprechen, enthält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinerregel machte die Chorherren zu Ordensleuten und legte ihnen die Ordensgelübde auf. Da aber auch die weltlichen Chorherren ein gemeinsames Leben unter einem Oberen und in Ehelosigkeit führten, fiel besonders der Verzicht auf Privatbesitz im Gelübde der Armut als hauptsächlicher Unterschied in die Augen. Freilich wurde infolge der Geldverteilungen anlässlich der Chorfunktionen das Armutsideal nie vollkommen erreicht. Aber die Reform, die vom Geist Clunys getragen war, führte zu einem großen Aufschwung des geistlichen und religiösen Lebens. Die Klosterkirche wurde wiederhergestellt. Im Laufe von zwanzig Jahren (1071 bis 1090) weihte Bischof Altmann fünf Altäre in der neuen romanischen Kirche. Von nun an erfüllte der Chorherrenorden seine großen Aufgaben, feierlichen Gottesdienst zu halten, nach Vollkommenheit zu streben und Seelsorge zu üben. Deshalb erwarb der Orden sogleich die Pfarrrechte an der Stiftskirche und allmählich auch andere Pfarreien, die mit Chorherren besetzt werden konnten: 1109 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Peter am Wimberg|St. Peter]] und St. Johann mit Filialen, 1111 Münzbach und Wartberg, 1122 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried in der Riedmark]], 1125 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Lasberg|Lasberg]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Katsdorf|Katsdorf]], 1143 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Feldkirchen an der Donau|Feldkirchen a. d. D.]], 1151 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Marienkirchen an der Polsenz|St. Marienkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]], 1159 [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Vöcklabruck|Vöcklabruck]], 1162 St. Michael in der Wachau. So hatten die Chorherren schon bald nach ihrer Einführung in St. Florian die großen Landstriche des Mühlviertels zwischen Mühl und Rodel und zwischen Gusen und Aist von der Donau bis zum Nordwald, ferner die Umgebung des Stiftes, Teile der Wachau, die Gegend von Vöcklabruck und Wallern seelsorglich zu betreuen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Zeit wurden Pfarrgebiete getauscht, in jüngster Zeit Großpfarren im Linzer Gebiet geteilt; die Mehrzahl der 30 Pfarren gehört aber seit dem Mittelalter zum Stift. Daneben wuchs auch der zeitliche Besitz des Stiftes durch bedeutende Schenkungen der Adeligen und Freunde des Stiftes, von denen nur Eppo von Windberg genannt werden soll, der dem Stift die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Niederwaldkirchen|Niederwaldkirchen]], St. Peter und St. Johann mitsamt ihren Filialen und all seinem Besitz vom Ebersbach am Einberg bei Feldkirchen bis zur Grenze von Böhmen übergab. In den vielen Schenkungen und der liebevollen Sorge der Bischöfe von Passau liegt ein ehrenvolles Zeugnis für die Achtung, die sich die Chorherren durch Zucht, Eifer und Frömmigkeit erworben haben. Allmählich gewann das Stift eine größere Unabhängigkeit von Passau und die Befreiung von den weltlichen Vögten, so dass es bis zum Aussterben der Babenberger freie Verfügung über seinen Besitz, freie Abtwahl, die Befreiung aus dem weltlichen Gericht und von den Vögten erlangte. Die Herzöge waren nur mehr Schirmvögte des Klosters. Aus dem 12. Jahrhundert sind auch in Cod. XI 250 Statuten überliefert, die genaue Vorschriften für das Leben im Kloster, das Streben nach Vollkommenheit, den Gottesdienst und die Arbeit geben. Darin wird den Chorherren neben Studium und Abschreiben von Büchern auch Handarbeit aufgetragen. So scheint ein Ordensbruder sogar den Glockenguss geleitet zu haben, bei dem in St. Florian die erste Glocke für das Stift gegossen wurde. Aus dieser Zeit sind schöne, in der Schreibstube von St. Florian entstandene Handschriften mit ausgezeichneten Miniaturen erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die erste Blütezeit=== &lt;br /&gt;
Obwohl die politischen Verhältnisse nicht günstig waren und viel Unglück über das Stift hereinbrach, hat doch St. Florian gerade im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert ganz außergewöhnliche Leistungen zu verzeichnen. Das ist die Zeit der ersten großen Bautätigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1235 wurden Kirche und Kloster ein Raub der Flammen, aber Propst [[Bernhard]] (1224–1240) ging sofort daran, die Kirche wieder aufzubauen und zu vergrößern. Als die Chorherren den Chor über der Krypta vollendet hatten, stürzte im Jahre 1250 das Gewölbe ein. Reste dieser Kirche im Übergangsstil sind in der Krypta unter dem Hochaltar noch zu sehen. Innere Zerwürfnisse, eine strittige Prälatenwahl steigerten die Mutlosigkeit der Chorherren. Diese allgemeine Niedergeschlagenheit teilte nur die in einer an die Stiftskirche angebauten Zelle lebende Klausnerin Wilbirg nicht, obwohl nach dem Aussterben der Babenberger unsichere Zeiten angebrochen waren. Die friedliche Herrschaft Ottokars von Böhmen endete mit einem Krieg, der auch in diese Gegend wieder Kriegsheere brachte, dass selbst Wilbirg ihre Klause verlassen und in die feste Ennsburg flüchten musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1274 begann man mit dem Neubau der Kirche. Es fanden sich viele Wohltäter, die Bischöfe von Passau verliehen den Gläubigen, die hilfreiche Hände zum Kirchenbau boten, Ablässe, es wurde mit großem Eifer gebaut. So konnte Wilbirg vor ihrem Tode noch die Entstehung der neuen Kirche sehen und seit 1279 auch wieder dem Gottesdienst im Chore von ihrer Zelle aus beiwohnen. Am 11. Dezember 1289 beschloss sie ihr frommes, opferreiches Leben. Zunächst war sie bei einem Seitenaltar in der Kirche bestattet; erst viel später wurde der Sarg Wilbirgs aus der Stiftskirche in die Krypta überführt. Am 15. Juni 1291 wurde die neue Kirche von Bischof Wernhard von Passau feierlich geweiht. Eine ungeheure Volksmenge wohnte dem Feste bei. Bei dieser Gelegenheit empfingen mehrere Kleriker die Priesterweihe und einige Frauen aus der Hand des Bischofs den Schleier. Es lebten damals 24 Priester, drei Diakone, mehrere Professkleriker und Laienbrüder und einige Mitglieder des Frauenordens des hl. Augustinus im Stifte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Glasmaler Wolfhart (gest. 1330) war ein Zögling der Klosterschule, die sich damals eines ausgezeichneten Rufes erfreute und viele bedeutende Männer hervorbrachte; auch Schriftsteller und Dichter. Aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts stammen auch die zwei bedeutenden Holzstatuen des hl. Florian, die jetzt noch die Zierde der Plastikensammlung bilden. Schließlich soll noch der Geheimsekretär der Pröpste [[Einwik]] und [[Heinrich]], Albert von Gmunden, erwähnt werden. Er stiftete im Jahre 1318 die noch erhaltene Florianiglocke, reiste im Auftrage des Stiftes zweimal nach Krakau und brachte 1324 von dort Reliquien des hl. Florian und des hl. Stanislaus. Im nächsten Jahre reiste er zum Papst nach Avignon. 1318 und 1319 wurden je zwei Glocken gegossen, die bis heute erhalten geblieben sind, und 1323 der Turm der neuen Kirche vollendet. Daneben erfolgte der Neubau und 1285 die Weihe der Kirche des hl. Johannes im Markte, deren erste Weihe aus 1116 überliefert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Beanspruchung des Spitals vor den Toren des Stiftes zur Beherbergung der Fremden veranlasste Propst [[Heinrich Piber]] (1330–1350), es zu vergrößern. Dabei erhöhte er die Zahl der Pfründner von acht auf 32. Für diese umfangreiche Bautätigkeit und für die gewissenhafte Erfüllung der Ordenspflichten erntete das Haus reiches Lob der Bischöfe.&amp;lt;ref&amp;gt;So nennt Bischof Wernhard 1303 das Stift eine Leuchte des Ordensstandes, ein Vorbild religiösen Lebens, das Fremde erquickt und Einheimische tröstend erfreut, sich aller Wohlwollen erwirbt und im Dienst an den Gästen den Platz der Martha einnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dabei geriet das Stift aber in Schulden, Besitzungen wurden ihm von Laien entzogen. Zur Sicherung des Besitzes wurde 1378 das erste Urbar angelegt. Die Bischöfe suchten der Not abzuhelfen, indem sie dem Stifte die Jahreseinkünfte erledigter Pfarren zuteilten, Bischof Albrecht ordnete 1327 sogar eine Sammlung an, um es von der Last der Schulden zu befreien. Er gab allen einen Ablass, die nach Ablegung der Beichte der Not des Klosters zu Hilfe kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Reformation===&lt;br /&gt;
Die politische Lage in Deutschland während des 15. Jahrhunderts ist durch Rechtsunsicherheit, dauernde Fehden und Kriege gekennzeichnet. Wiederholt zogen feindliche Heere von Böhmen und Ungarn auch durch das heutige Österreich und plünderten die Untertanen. Dem Stift wurden hohe Brandschatzungen und andere Abgaben auferlegt. Die Hussiten fielen in Oberösterreich ein und verwüsteten die Pfarren des Mühlviertels bis in die Riedmark. Auch die österreichischen Heere, die in der Nähe lagerten, richteten großen Schaden an, indem sie die ganze Gegend plünderten. Zweimal mussten die Herren aus dem Stift flüchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1482 befahl der Kaiser, das Stift zu befestigen, was wieder große Kosten verursachte. Auf kirchlichem Gebiet wirkten sich die Reformkonzilien günstig aus. 1419, 1432, 1451 kamen Reformkommissionen nach St. Florian, die nützliche Vorschriften für das Kloster hinterließen. Ihre Untersuchungen deckten keine großen Übelstände auf. Im Gegenteil, St. Florian hatte sogar die Ehre, 1432 und 1451 in dem Chorherrn [[Wolfgang Kerspeck]] ein Mitglied der dreiköpfigen Reformkommission zur Visitation zu stellen. Mit der Visitation war der Kardinal Nikolaus von Cues betraut. Als seine Stellvertreter für die Chorherren der Salzburger Kirchenprovinz bestimmte er die Pröpste von [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] und Rohr in Bayern sowie den genannten Kerspeck von St. Florian. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesem Jahrhundert stand die Klosterschule in großem Ansehen, hatte guten Besuch und brachte bedeutende Leute hervor. 1458 erwirkte Herzog Albrecht bei Papst Pius II. den Pröpsten von St. Florian den Gebrauch der Pontifikalien (Infel und Stab), 1493 wurde das Dorf St. Florian von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben, für den Propst Peter 1521 eine umfangreiche Marktordnung erließ. Als gegen Ende des Jahrhunderts ruhigere Zeiten kamen, erfolgten große Leistungen für Kirche und Kunst. Auf den Pfarreien begann eine rege Bautätigkeit. Der Großteil der noch bestehenden Kirchen stammt aus dieser Zeit. 1518 ließ Propst [[Peter Maurer]] (1508–1545) den berühmten Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer malen, der heute die größte Sehenswürdigkeit der Stiftsgalerie ist. So hatte das Stift nochmals einen Wohlstand erworben und geistige Kräfte gesammelt, um gewappnet in die neue Zeit einzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn es kamen zwei große Gefahren über Land und Klöster. Von Osten drangen die Türken vor. Bald standen sie vor den Toren Wiens, und Streifscharen drangen selbst über die Enns, um hier zu brennen und zu plündern. Vom Westen drang der Geist der lutherischen Reformation in Österreich ein, und die Bauernerhebungen griffen von Deutschland auf Österreich über. Die Türkenkriege erforderten namentlich nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs große Opfer. Die Kirchen und Klöster mussten, außer den gewöhnlichen Steuern, 1527 die Hälfte des Kirchenschatzes und ein Drittel der Jahreseinkünfte, 1528 drei Viertel der Jahreseinkünfte, 1529 zuerst die Hälfte der Einkünfte, später den vierten Teil ihres Besitztums abliefern. 1531 sollten sie zur Bestreitung der Befestigungskosten Wiens alle goldenen und silbernen Kelche ausfolgen, doch wurde ihnen erlaubt, die noch nicht eingeschmolzenen gegen Geld abzulösen. St. Florian kam seiner vaterländischen Pflicht allzeit nach Vermögen nach. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1535 und 1541 war es sogar gezwungen, viele Besitzungen zu veräußern oder zu verpfänden, um die geforderten Auflagen entrichten zu können. Eine solche wirtschaftliche Bedrängnis ist geeignet, der religiösen Neuerung den Eingang in die Klöster zu öffnen. Unter Propst Peter konnte zwar der Protestantismus in St. Florian nicht Wurzel fassen. Jedoch war die Bevölkerung den Geistlichen so feindselig gesinnt, dass der Propst 1534 vom päpstlichen Nuntius für seine Priester die Erlaubnis erwirken musste, außerhalb des Klosters weltliche Kleidung tragen zu dürfen. Spuren des neuen Geistes traten zum ersten Mal unter [[Florian Muth]] (1545–1553) in St. Florian auf. Wohl hielt die ältere Generation am Glauben fest. Als sich aber das Stift mit jüngeren Leuten füllte, die in der Zeit der Verwirrung herangewachsen waren, wurde es anders. Propst [[Sigmund Pfaffenhofer]] (1553–1572) war den neuen Grundsätzen stark zugeneigt und schickte sogar zwei Theologiestudenten nach Wittenberg. Die kaiserliche Klosterkommission stellte 1561 verschiedene Mängel fest. Insbesondere war ein Konventuale im Stift &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; , mehrere dagegen auf den Pfarren; der Schulmeister war protestantisch. Der Propst versprach, die Anordnungen der Kommission zu erfüllen, im Kloster kein Konkubinat zu dulden und die hl. Kommunion unter einer Gestalt zu spenden. Auf den Pfarren könne er den Kelch und das Konkubinat nicht ändern, erklärte er. Von den acht inkorporierten Pfarren waren sechs mit Chorherren besetzt. 1563 befanden sich im Stift und in den Pfarren 17 Konventualen, von denen noch fünf &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;beweibt&amp;lt;/span&amp;gt; waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die päpstliche Visitation durch Kardinal Commendone 1569 besichtigte nur das Stift und stellte unter anderem fest, dass die neun Kanoniker nicht lateinisch sprechen konnten. Der Visitator ordnete die Lektüre katholischer Bücher, das Erlernen der lateinischen Sprache und den Gebrauch von Purifikatorien an. Propst Sigmund erbaute ein neues Spital bei der St.-Johannes-Kirche im Markt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden den Klöstern große Lasten in den Antizipationen aufgelegt. Sie mussten nämlich für Darlehen des Kaisers Pfand leisten und die Zinsen abdienen, zuweilen auch das Kapital zurückzahlen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es noch einmal zu einem Bauernaufstand, der auch Untertanen des Stiftes besonders im Mühlviertel erfasste. Im Großen und Ganzen hielt sich das Stift wirtschaftlich gut, war nie entvölkert und wahrte trotz der Durchdringung mit protestantischen Anschauungen das katholische Gesicht. Auf den Pfarreien gestaltete sich die Rückkehr zum katholischen Leben viel schwieriger, weil die Pfleger der örtlichen Schlösser und Burgen und selbst die Bewohnerinnen und Bewohner lange vom katholischen Gottesdienst nichts wissen wollten und oft die katholischen Pfarrer wieder vertrieben und evangelische Prediger einsetzten. Allmählich jedoch überwog auch auf dem Land wieder der katholische Glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Zeitalter der Gegenreformation und die großen Bauherren des Barock=== &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte St. Florian einen ausgezeichneten Prälaten in der Person [[Leopold Zehetners]] (1612–1646). Er war 31-jährig gewählt worden und besaß die besten Fähigkeiten, auch in diesen schweren Zeiten das Stift umsichtig zu leiten. Denn die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges, der Bauernaufstand 1626, die Durchführung der katholischen Reformation verlangten nach einem Mann von außergewöhnlicher Begabung. Propst Leopold zeigte sich diesen Anforderungen gewachsen. Er wurde der erste Landrat aus dem Prälatenstande; diese Stelle war bis dahin dem Herren- und Ritterstande reserviert gewesen. Durch sein Verdienst erlitt St. Florian im Bauernkriege keinen Schaden. Die Bauern verlangten ihn sogar als Partner zu ihren Verhandlungen. Bei vielen wichtigen Anlässen war er Verordneter der Stände. Daneben gestaltete sich seine Wirtschaftsführung so gut, dass er dem Staate öfter große Schulden erlassen konnte. Er hat auch für das Kloster und die Ausbildung der Chorherren treu gesorgt, die Bibliothek von 486 auf 3.946 Bände vermehrt und die gotische Kirche barockisiert. Er baute jenen Trakt des Stiftsgebäudes an der Südseite des Kreuzganges neu, der heute noch die Nordseite des großen Hofes bildet und durch seine Maße für den Neubau des Stiftes bestimmend wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit wie sonst nirgends in Österreich wurden Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgestaltet. St. Florian ist das letzte Kloster, das so umfassend umgestaltet wurde. Das geschah in der größten Periode der österreichischen Barockkunst. Hier ist alles barock, von den mächtigen Fronten bis zu den Einrichtungsgegenständen. Man arbeitete fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung, und das Gesamtwerk wurde so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst [[David Fuhrmann]] (1667–1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, dass er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Der mächtige Meierhof ergänzt harmonisch die Gesamtansicht des Stiftes. Der Vierkanter umschließt den einstigen Wirtschaftsbereich, wie er in einem alten Kloster als Grundherrschaft betrieben werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert einsetzende völlige Veränderung der Wirtschaftsstrukturen brachte das Ende seiner historischen Funktion. Es drohte der Verfall zur Ruine. Nach jahrzehntelanger Diskussion über einen möglichen neuen Verwendungszweck wurde mit der Widmung als Feuerwehrmuseum (eröffnet 1984 als &amp;quot;Historisches Feuerwehrzeughaus St. Florian&amp;quot;) ein glücklicher Schlusspunkt gesetzt. 1677 vegrößerte Propst Fuhrmann das Spital bei der St-Johannes-Kirche, die 1681 barockisiert wurde. Im gleichen Jahr schuf der Mailänder Carlo Carlone im Gartenpavillon des Stiftsgartens den ersten kunstvollen Barockbau. Während dieser Bautätigkeit hat das Stift im Jahre 1679 die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianer Chorherren auch &amp;quot;Lateranenser Chorherren&amp;quot;, tragen die Pröpste den Titel &amp;quot;Lateranenser Abt&amp;quot; und steht St. Florian im Genusse der Privilegien der Lateranenser Kongregation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wiens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung. Am 15. August 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau der Kirche und des Stiftes begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen, die den Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront plante. Später aber hat man ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird. Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt. Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten, gotischen erbaut. Dadurch ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1.000 Jahren schon die erste Kirche errichtet war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. Die weiteren Bauherren waren die Pröpste [[Matthäus von Weißenberg]] (1689–1700), [[Franz Claudius Kröll]] (1700–1716), [[Johann Baptist Födermayr]] (1716–1732) und [[Johann Georg Wiesmayr]] (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Carlones 1708 wurde der berühmte österreichische Baumeister Jakob Prandtauer als Bauführer berufen; aber auch ihm war die Vollendung des Werkes nicht gegönnt; denn er starb schon 1726. Ab 1725 leitete der Florianer Baupolier Jakob Steinhuber nach den vorhandenen Plänen den Bau. 1744 wurde der Bau der Bibliothek noch dem Steyrer Baumeister Gotthard Hayberger anvertraut. Der großzügigste Bauherr war Johann B. Födermayr, ein Bauernsohn aus Hohenbrunn bei St. Florian. Trotz kaiserlichen Verbotes, die Bautätigkeit fortzusetzen, verstand er es, die hervorragendsten Werke der Barockkunst in St. Florian zu schaffen: den Marmorsaal, das Sommerrefektorium und das Schloss Hohenbrunn an der Stelle, wo sein Vaterhaus gestanden hatte. Er starb gerade in dem Jahre, in dem seine großen Schöpfungen vollendet waren. Seinem Nachfolger Johann Georg Wiesmayr blieb noch die Aufgabe, mit der Ostfront und der Bibliothek den Bau zu vollenden (1751). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Georg Wiesmayr, der Sohn eines Bürgers und Gastwirts im Markt St. Florian, sorgte als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Hauses für eine gediegene Ausbildung des Nachwuchses. Das Ansehen des Stiftes war damals so groß, dass sich unter Wiesmayrs Regierung in 23 Jahren 53 Novizen um die Aufnahme bewarben, während unter seinen Vorgängern in 65 Jahren 93 eingetreten waren. Er ordnete durch kluge Statuten das Leben im Hause und auf den Pfarreien, erließ für den Gottesdienst umfangreiche Anweisungen, kaufte zur Verschönerung der Kirche die Wandlungsleuchter und neue Paramente und bestellte die Marmorkanzel aus Lilienfeld. Die Sammlungen vermehrte er durch den Ankauf der Münzensammlung des Hofdichters Karls VI., Apostolo Zeno. Groß sind seine Verdienste für die Ausstattung der Bibliothek. Er war auch im öffentlichen Leben von überragender Bedeutung. Er wurde deshalb von Kaiserin Maria Theresia mehrmals ausgezeichnet und empfing von ihr zwei wertvolle Pektorale als Zeichen ihrer Hochschätzung. Unter seiner Regierung hat das Stift eine zweite Blütezeit auf religiösem und wissenschaftlichem Gebiet erlebt, die ihm auch die innere Kraft gab, die Zeit der Aufklärung gut zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Säkularisation und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
Schon zur Zeit Maria Theresias machten sich im Staat kirchenfeindliche Bestrebungen bemerkbar. Unter Joseph II. kamen sie zum vollen Durchbruch. Die Kirche sollte der staatlichen Macht untergeordnet werden. Deshalb maßte sich der Staat auf dem Gebiete der kirchlichen Gesetzgebung Rechte an, die ihm nicht zustanden. Immerhin haben sich im Laufe der Zeit manche Änderungen als nützlich erwiesen, so die Errichtung neuer Bistümer, Pfarreien und Schulen, die Abstellung verschiedener Auswüchse und Missbräuche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die gegründeten Bistümer dotieren und die Pfarren erhalten zu können, zögerte der Kaiser nicht, Klöster aufzuheben. Papst Pius VI., der den Kaiser eigens besuchte, konnte dies nicht abwenden. St. Florian hatte die Ehre, den Papst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1782 zu beherbergen. Auch St. Florian sollte aufgehoben werden. Landrat Eybl wollte den Propst überreden, auf seine Würde zu resignieren. Aber Propst [[Leopold Trulley]] (1777–1793) ließ sich nicht beirren.&amp;lt;ref&amp;gt;Mutig antwortete er dem schlauen Unterhändler: &amp;quot;Nie werde ich zum Verräter an meiner braut werden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Propst hatte durch fünf Jahre nur die administratorische Verwaltung inne. Doch kam am 1. Oktober 1784 an das Stift die Mitteilung, seine Majestät habe angeordnet, dass das Stift nicht aufgehoben werde, sondern dass es den Überschuss an den Religionsfonds abzugeben habe, die Seelsorge weiter leisten müsse und die Kleriker nicht zu entlassen brauche. Es mussten alle Weingärten und die Lesehöfe in Krems, Kritzendorf und Königstetten verkauft werden, alles Stiftssilber (Gerätschaften, Becher etc.) im Gewicht von 711 Pfund (ca. 398 kg), der ganze Kirchenschatz im Werte von 10.142 Gulden abgeliefert werden. Damals sind wertvolle Kunstschätze zugrunde gegangen. 1811 mussten anlässlich der Silberablieferung auch die Gebrauchskelche abgegeben werden und somit Glaskelche zur hl. Messe verwendet werden. Die Filialkirchen in Samesleiten, Rohrbach und Kurzenkirchen verfielen der Aufhebung und mussten abgetragen werden. 1785 wurde das Stiftshaus in Linz beschlagnahmt und erst 1792 zurückgegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tode des Kaisers war die Gefahr überwunden. Die kommenden Herrscher bezeigten dem Stift wieder ihr Wohlwollen, Franz I. übergab Propst Leopold die Würde des Erbhofkaplans, die bislang der Abt von Garsten bekleidet hatte. Propst [[Michael Ziegler]] (1793–1823) studierte in Rom, war Bibliothekar und Novizenmeister und übte auf seine Schüler einen so nachhaltigen Einfluss aus, dass er sie nicht bloß für Frömmigkeit und Theologie, sondern auch für wissenschaftliche Tätigkeit begeisterte und so die Grundlage für das blühende wissenschaftliche Leben am Beginn des 19. Jahrhunderts in St. Florian schuf. 1809 erhielt er das Ritterkreuz des österreichischen kaiserlichen Leopoldsordens für seine vorzüglichen Verdienste. In den Franzosenkriegen kamen feindliche Heere des öfteren durch St. Florian, im Jahre 1809 wurde im Stifte ein Spital eingerichtet. In allen Räumen außerhalb der Klausur, selbst in den Kaiserzimmern und auf den Gängen, waren Verwundete und Kranke untergebracht, von denen in der Zeit vom 22. Oktober 1809 bis zum 23. April 1810 im ganzen 304 Personen gestorben sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwiegen die wissenschaftlichen Leistungen der Chorherren, vor allem auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Die &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; von St. Florian wurde begründet. Die fortschrittliche Führung der Landwirtschaft wird von den Besuchern des Stiftes in der damaligen Zeit begeistert gelobt und hat sich für die Bauern in der Umgebung ungemein nützlich ausgewirkt. [[Josef Schmidberger]] schrieb Werke von dauernder Bedeutung über Obstbau und Schädlingsbekämpfung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Zeit seit der Grundentlastung=== &lt;br /&gt;
Die letzten 150 Jahre brachten hinsichtlich der Existenzgrundlage des Stiftes wesentliche Änderungen und stellten es auf eine harte Probe. Das Stift war bis dahin in seinen Einnahmen hauptsächlich auf Gefälle der Untertanen und den Zehent angewiesen gewesen. Diese Einnahmen betrugen ungefähr 57.000 Gulden, denen Verwaltungskosten in der Höhe von 17.000 Gulden gegenüberstanden. Durch die Grundentlastung im Jahre 1848 fielen die Gefälle und der Zehent weg, es blieb aber immerhin noch der Ertrag der Grundentlastungsrente von 37.750 Gulden. Die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg machte auch diese Renteneinnahme völlig zunichte. Das Stift musste dennoch die Lasten für die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren tragen, denn auch diese warfen für das Stift nichts ab, sondern waren im Laufe der Zeit durch die staatlichen Gesetze zu einer finanziellen Last geworden. In diesen Jahren war das Stift sogar gezwungen, Kunstschätze zu verkaufen, um seinen dringendsten Aufgaben und Verpflichtungen nachkommen zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reichsdeutsche Steuergesetzgebung in den Jahren nach 1938 drohte schließlich dem Hause als Wirtschaftskörper vollends das Ende zu bereiten. Am 21. Jänner 1941 wurde das Stift von der geheimen Staatspolizei beschlagnahmt, die Chorherren mussten das Haus am 19. April verlassen; das Stift wurde samt allen seinen Besitzungen zugunsten des Reichsgaues Oberdonau enteignet. Propst Dr. [[Vinzenz Hartl]] wurde &amp;quot;gauverwiesen&amp;quot;. Die Chorherren und Kleriker, soweit sie nicht in der Pfarrseelsorge Platz fanden oder zum Wehrdienst eingezogen wurden, erhielten im Meierhof Pulgarn bei Steyregg ein bescheidenes Asyl, wo sie trotz aller Hindernisse das klösterliche Leben fortsetzen konnten. Das Haus selbst geriet durch die Enteignung in die Verwaltung des Reichsgaues Oberdonau. Es sollte zunächst ein Barockmuseum werden. Im Jahre 1942 wurde es jedoch an die Reichsrundfunkgesellschaft verpachtet. Außerdem waren das historische Forschungsinstitut des Reichsgaues Oberdonau und die Weinkellereien des Gaues hier untergebracht. Am Ende des Krieges wurde hier noch ein Sanitätspark der deutschen Wehrmacht aufgerichtet, bis schließlich am 5. Mai 1945 die amerikanischen Truppen einzogen und mit dem Armeekommando im Stifte Quartier nahmen. Propst Dr. Vinzenz Hartl starb am 10. Juni 1944 in der Verbannung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tage seiner Beerdigung im Priesterfriedhof in St. Florian wurde sein Nachfolger gewählt, Propst [[Leopold Hager]] (1944–1968). Ihm war es beschieden, mit einigen Chorherren am 24. Juni 1945 ins Stift zurückzukehren und das Haus wieder in Benützung zu nehmen. Freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden. Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift samt allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 in das Eigentum der Chorherren zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst, dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistliche und kulturelle Sendung wieder zu etablieren. Die historischen Aufgaben wurden erneut aufgenommen, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren, wieder vereinigt und aufgestellt. Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes werden treu gepflegt. In dieser Zeit des Ringens um die Existenz des Stiftes vollzog sich eine kirchliche und geistliche Erneuerung dank der &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten lateranensischen Chorherren&amp;quot;, die im Jahre 1907 gegründet worden war und deren neue Konstitutionen am 21. Mai 1940 vom Heiligen Stuhl genehmigt und im Gesamtkapitel am 20. November 1947 von Propst Leopold Hager promulgiert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von manchen der nicht unmittelbar beim Stift gelegenen Bauten (und damit auch von der Baulast) hat man sich in den letzten Jahren in der Weise getrennt, dass man diese Gebäude für eine passende und zeitgemäße Verwendung in andere Trägerschaft gab; so wurde z.B. das vom Verfall bedrohte Schloss Hohenbrunn um einen symbolischen Betrag an die oberösterreichische Jägerschaft veräußert, die darin ein Jagd- und Fischereimuseum eingerichtet hat. Das Stiftsspital St. Johann wurde an die oberösterreichische Lebenshilfe für die Betreuung von Behinderten verpachtet. Nachdem unter Propst Leopold Hager die klösterlichen und seelsorglichen Aufgaben wieder geregelt werden konnten, hat sich das Stift unter den Prälaten [[Johannes Zauner]] (1968–1977) und [[Wilhelm Neuwirth]] (seit 1977) auch wirtschaftlich konsolidiert. Die Landwirtschaft wurde den Anforderungen der Zeit gemäß auf biologisch-dynamischen Landbau umgestellt; der Forstbetrieb und das Säge- und Hobelwerk arbeiten in sinnvoller Kooperation. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen in den letzten Jahren dahin, die Substanz der Stiftsbetriebe zu sanieren und zu erhalten, das Stiftsensemble aber auch für Seelsorge im weiteren Sinn und für kulturelle Belange zu nützen bzw. zur Verfügung zu stellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit drei Landesausstellungen (&amp;quot;Die Kunst der Donauschule&amp;quot; 1965, &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; 1986, &amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf - Anton Bruckner&amp;quot; 1996) wurden wesentliche Restaurierungen und Erneuerungen durchgeführt, insbesondere die Gesamtrenovierung der Stiftskirche und der Brucknerorgel (1992 bis 1996); finanziell haben dieses große Vorhaben auch die öffentliche Hand, die Diözese und die spendenfreudige Bevölkerung ermöglicht. Die öffentliche Präsenz von St. Florian ist vor allem durch die Musikpflege gegeben (Sängerknaben, &amp;quot;Oberösterreichische Stiftskonzerte&amp;quot;, Internationales Brucknerfest, Kirchenmusik und Orgelkonzerte). Insgesamt kann man sagen, dass das Stift seelsorglich und kulturell als ein attraktives Zentrum (in der Nähe von Linz) etabliert ist. Diese Tatsache bedeutet Chance und Herausforderung. Im Dienst der Seelsorge steht die Kommunität der Chorherren vor schwierigen Aufgaben. Die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Linz hat es mit sich gebracht, dass einige Pfarren geteilt wurden bzw. werden (Kleinmünchen, [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ebelsberg|Ebelsberg]]). Weil sich der Personalstand in den letzten Jahren drastisch verringert hat, sieht man sich vor die Notwendigkeit einer Aufgabenreduzierung gestellt; die diözesane Frage, wie eine &amp;quot;Seelsorge der Zukunft&amp;quot; ausschauen kann, berührt auch die Chorherren von St. Florian am Nerv des Selbstverständnisses. Der Konvent zählt derzeit (Oktober 1996) 43 Mitglieder; 39 davon sind Priester, drei sind Kleriker mit feierlicher Profess, einer ist Chorfrater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Errungenschaften und Schulwesen== &lt;br /&gt;
Eine erste Blütezeit erlebte die Klosterschule an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. Von den Schriftstellern der Frühzeit sollen die beiden Chorherren Altmann erwähntwerden, von denen der ältere (gest. 1224) die Legende des hl. Florian und das Leben des hl. Blasius in vielen Hexametern besang, der zweite (gest. um 1300) einen metrischen Kommentar zum Hohen Lied, ein umfangreiches Werk über das kirchliche Recht, ein Gedicht über die Bedeutung der Kirchweihe und über die Aufnahme Mariens in den Himmel verfasste. Propst Einwik Weizlan (1295–1313) schrieb das Leben der Klausnerin Wilbirg, eine wertvolle Quelle über die Geschichte und das Leben in jener Zeit, und die Kirchweihchronik, die für die Baugeschichte des Stiftes von größter Bedeutung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Gegenreformation verwandelte Propst Zehetner (1612–1646) die Schule, die durch den Einfluss protestantischer Lehrer sehr an Ansehen gelitten hatte, in eine Vorbereitungsschule für die Lateinschulen in Linz oder Steyr. Die Ausbildung genoss der Ordensnachwuchs durch Hausunterricht oder auf den Universitäten in Wien, Graz, Krumau oder Ingolstadt. Propst Wiesmayr (1732–1755) legte mit dem Bau und vor allem mit der Ausstattung der Bibliothek den Grund für die späteren Leistungen der Chorherren auf dem Gebiete der Wissenschaft. Selbst ein eifriger Forscher, hinterließ er 103 handschriftliche Bände, von denen er den größten Teil eigenhändig geschrieben hatte. Während der Säkularisation mussten das Hausstudium aufgelassen und die Kleriker an das Generalseminar nach Wien geschickt werden, dafür wurde dem Stifte aufgetragen, einige wissenschaftliche Fächer besonders zu pflegen. St. Florian wählte Bibelstudium, Profangeschichte und Münzkunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1794 wurde unter Mitwirkung von Propst Michael Ziegler (1793–1823) das theologische Studium in Linz wieder eröffnet, zu dem das Stift neben finanziellen Zuschüssen auch bedeutende und berühmte Lehrer stellte. 1807 hat Kaiser Franz I. das Gymnasium in Linz dem Stifte zur Leitung und Besetzung mit Lehrkräften, die es allerdings auch besolden musste, überwiesen. Der Propst wurde zum Direktor bestellt. Sein Nachfolger Propst [[Michael Arneth]] war bis 1848 Direktor des Gymnasiums. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Wissenschaftspflege den Höhepunkt. In der Theologie sind [[Franz Freindaller]] und [[Franz von Schwinghaimb]] zu nennen. Freindaller gab schon von 1802 bis 1821 eine &amp;quot;Theologisch-Praktische Monatsschrift zunächst für Seelsorger&amp;quot; heraus, von der 34 Bände erschienen. Aus einem kleinen Dichterkreis ragen [[Josef Frener]], [[Josef Reiter]] und [[Josef Gugger]] hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Bedeutung aber erlangte St. Florian auf dem Gebiete der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Mit den Werken des Historikers [[Franz Kurz]] ist der Beginn der Geschichtsschreibung in Österreich überhaupt anzusetzen. Er ist nicht bloß als der Begründer der österreichischen Geschichtsforschung zu bezeichnen, sondern verstand es auch, St. Florian zu einer hervorragenden Pflegestätte der Geschichtswissenschaft zu machen. Hier sind besonders zu nennen: [[Jodok Stülz]], [[Josef Chmel]], der als Archivar und Vizedirektor des Haus-, Hof- und Staatsarchives in Wien das Streben des Stiftes auf den fruchtbaren Boden der Reichshauptstadt verpflanzte, [[Josef Gaisberger]] und [[Franz Pritz]], der die erste Geschichte des Landes ob der Enns schrieb. Dem Wiedereinzug der Chorherren in St. Florian nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die neuerliche Errichtung der philosophisch-theologischen Lehranstalt, die seit 1846 bestanden hatte. 1968 musste sie vorläufig aufgelassen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbrüderungen== &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden mit folgenden Stiften und Orden liegen vor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Regularkanoniker vom Lateran]], 1290&lt;br /&gt;
* [[Stift Salzburg|Domkapitel Salzburg]], 1290 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], 1297 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Nikola bei Passau|St. Nikola bei Passau]], 1297, 1451 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Seckau|Seckau]], 1302 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Waldhausen|Waldhausen]], 1306 CanReg&lt;br /&gt;
* Lilienfeld, 1320 OCist&lt;br /&gt;
* Ybbs, 1326 OSB&lt;br /&gt;
* Traunkirchen, 1334 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], 1360 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[St. Andrä an der Traisen]], 1366 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Gurk|Domkapitel Gurk]], 1368 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]], 1371 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Kloster Neustift|Neustift]], 1421 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Dürnstein|Dürnstein]], 1423 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Suben|Suben]], 1426 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], 1430 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Wittingau|Wittingau/Třeboň]], 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* Indersdorf (Bayern), 1433 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]], 1435 CanReg&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* [[Stift Vorau|Vorau]], 1444 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], 1446 CanReg &lt;br /&gt;
* Rohr (Bayern), 1452 CanReg &lt;br /&gt;
* [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael]] (Südtirol), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1455] CanReg&lt;br /&gt;
* Dominikanerprovinz, 1460&lt;br /&gt;
* Dominikanerorden, 1463 &lt;br /&gt;
* Kremsmünster, 1466 OSB&lt;br /&gt;
* Lambach, 1474 OSB&lt;br /&gt;
* [[Stift Reichersberg|Reichersberg]], 1476  CanReg&lt;br /&gt;
* Melk, 1478 OSB&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Garsten, 1481 OSB&lt;br /&gt;
* Oberndorf (Bayern), [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiASF/StFlorianCanReg/1455_V_17/charter 1488] CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Mang (Regensburg)|St. Mang (Regensburg)]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], 1497 CanReg&lt;br /&gt;
* Gleink, 1501 OSB&lt;br /&gt;
* Fuldau (Diözese Würzburg), 1502 OSB&lt;br /&gt;
* St. Michael in Neunkirchen (Diözese Bamberg), 1506 CanReg&lt;br /&gt;
* Ossiach, 1515 OSB&lt;br /&gt;
* Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen), 1536 OCist &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen noch Gebetsverbrüderungen mit den Augustiner Chorherren von Herzogenburg, Klosterneuburg, Neustift, Reichersberg, Vorau sowie den Augustiner Chorfrauen von [[Stift Goldenstein|Goldenstein]], den Zisterziensern von Schlierbach sowie den Benediktinerklöstern von Nonnberg in Salzburg, Göttweig, Lambach, St. Lambrecht, Melk, Michelbeuern, St. Peter in Salzburg, Schotten in Wien, Seitenstetten, Kremsmünster und Altenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und Archiv== &lt;br /&gt;
Die Bibliothek wurde 1745 bis 1751 erbaut und markiert den Abschluss des barocken Klosterbaues. Der Hauptsaal reicht über zwei Stockwerke, die Einrichtung wurde vom Tischler Johann Christian Jegg in den Jahren 1747 bis 1750 hergestellt. Das Deckengemälde (Architektur von Antonio Tassi, Figuren von Bartolomeo Altomonte) entstand 1747, die Idee hiefür stammt von Propst Johann Georg Wiesmayr selbst, das Konzept von Daniel Gran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Vermählung von Tugend und Wissenschaft und die aus diesem Bunde folgenden Segnungen dargestellt. Im Hauptsaal sind die zwei Disziplinen untergebracht, die in St. Florian am meisten gepflegt werden, Theologie und Geschichte. An den Saal reihen sich noch acht Räume, in denen die Bücher nach den einzelnen Wissensgebieten aufgestellt sind. Im ganzen umfasst die Bibliothek derzeit mehr als 130.000 Bände, etwa 800 Handschriften und gegen 800 Inkunabeln. Der älteste vorhandene Druck ist eine Bibel aus dem Jahre 1473. Die ältesten Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Aus der Schreibstube von St. Florian sind eine große Zahl von Handschriften erhalten, darunter mehrere mit herrlichen Miniaturen verziert, von denen wir die Messbücher des Propstes [[Heinrich von Marbach]] (1306), [[Heinrichs von Walihlinge]] (1320) und [[Friedrich Toblers]] (1340) und die berühmte Federzeichnungshandschrift der ''Biblia pauperum'' (1310) nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Verdienste um die Bibliothek erwarben sich die Pröpste Leopold Zehetner (1612–1646), der die unbedeutende Bibliothek vom Ende des 16. Jahrhunderts in jenen ungünstigen Zeiten zu einer der größten Klosterbibliotheken gestaltete, dann [[David Fuhrmann]] (1667–1689) und besonders Johann Georg Wiesmayr (1732–1755), der nicht bloß den Saal erbauen ließ, sondern ihn auch mit den wichtigsten Werken, besonders auf dem Gebiet der Theologie, ausstattete. Im 19. Jahrhundert haben Propst Michael Arneth (1823–1854) und der Bibliothekar [[Karl Eduard Klein]] viele profane Werke, besonders griechische und lateinische Klassiker und deutsche Literatur, angeschafft. Große Wohltäter der Bibliothek waren Johann Karl Seyringer, Gerichtsadvokat in Linz 1682, Wolf Baron von Ehrmann, Regierungsrat in Linz 1759, und Bischof Gregorius Thomas Ziegler von Linz (1827–1852). Von den Beständen des Archivs ist das Kopialbuch (um 1276 bis Mitte 14. Jahrhundert) besonders erwähnenswert. Die Aussteller der Urkunden - Päpste, Kaiser, Könige, Herzoge und Bischöfe - sind von fünf Miniatoren bzw. Zeichnern in kleinen Bildchen dargestellt, die die Stilentwicklung der Malerschule von St. Florian zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Laut der Urkunde vom 25. Juni 1071 stellte der Passauer Bischof Altmann die von den Ungarn zerstörten Konventmauern wieder her, weihte fünf Altäre und übergab das Kloster St. Florian den regulierten Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus. Nach dem Brand dieser romanischen Kirche im Jahre 1235 wurde hier eine neue Kirche mit Krypta im Übergangsstil erbaut. Dabei wurde das Material der früheren Kirche mitverwendet. 1250 ist die Kirche bei ihrer Vollendung wieder eingestürzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Baumeister der neuen gotischen Kirche, die 1274 begonnen und bereits 1291 geweiht wurde, hieß Meister Otto. Seine Tochter Gisela heiratete Meister Wolfhart, dem die Kirche die bunten Glasfenster verdankte. Vielleicht stammt die Rundscheibe mit der Mutter Gottes und dem Jesukind in den Sammlungen des Stiftes noch von ihm. Das Bild St. Florians im 14. und 15. Jahrhundert muss man sich ähnlich dem anderer Klosterbauten dieser Zeit vorstellen: als nördlicher Abschluss des Klosterbezirkes die Kirche - dreischiffig, überhöhter Chor und Südturm mit Keildach -, nach Süden der Konvent mit Kreuzgang und den Wirtschaftsgebäuden, der gesamte Bezirk von Wehrmauern umschlossen, die noch Platz für einen reizvollen Garten (''hortus collegii'') ließen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiefe Frömmigkeit sowie echte Kunstfreude führten unter den Pröpsten [[Kaspar Vorster]] (1467–1481), [[Leonhard Riesenschmied]] (1483–1508) und [[Petrus Maurer]] (1508–1545) zu einer kulturellen Blütezeit. Es wurden neue Chor- und Kirchenstühle angeschafft, ein neues Refektorium gebaut, der Turm erhöht, zwei Orgeln aufgestellt, 1471 eine große Glocke gegossen und alle Altäre der Stiftskirche zwischen 1458 und 1487 erneuert. Von diesen ist noch der Dreifaltigkeitsaltar des Propstes Leonhard Riesenschmied aus 1485 erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten ließ Propst Kaspar für die Kirche anfertigen: ein goldenes Bild des Erlösers im Gewicht von 12 Mark 2 Lot (3,36 kg), mit Perlen und Edelsteinen verziert, zum Preise von 1.366 Pfund Pfennig, ein großes Marienbild von 38 Mark (10,64 kg) Silber mit Vergoldung und Perlen, ein Bild der hll. Florian und Augustinus und noch ein kleines Marienbild, ein Beryllkreuz mit wertvollen Edelsteinen, Pektorale, Ringe, Messkännchen und Pastorale, alles aus Silber oder Gold. Daneben entstanden schöne Bauten, Glasfenster und andere Zieraten in der Kirche. Der von Propst Maurer in Auftrag gegebene Sebastiansaltar von Albrecht Altdorfer stand in der alten Stiftskirche einst an einem Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Es war ein schon in seinen Ausmaßen mächtiger Flügelaltar mit doppeltem Flügelpaar. Eine Weihenotiz für ihn stammt vom 26. April 1509, die erhaltene Urkundenlade für die Ablassbriefe, die zum Altarbau verliehen worden sind, trägt die Jahreszahl 1522. Die geschreinerte Altararchitektur und die geschnitzten Plastiken sind im Laufe der Zeit verlorengegangen. In Stiftsbesitz verblieben zwölf Tafeln und zwei Predellenflügel. Zwei weitere Predellenflügel befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem ersten Barockabt St. Florians Leopold Zehetner (1612–1646) wurde die Stiftskirche im Inneren weitgehend umgestaltet. Sie erhielt neue Altäre und neue Fenster. Für die künftige Bauentwicklung von besonderer Bedeutung war der Neubau der Propstei. Heute noch schließt der damals errichtete &amp;quot;Leopoldinische Trakt&amp;quot; - in ihm befanden sich einst die Prälatur, die Kunstkammer und Gastzimmer - den äußereren Stiftshof nach Norden ab. Allerdings wurde er hundert Jahre später architektonisch der Bauführung des Hochbarocks angeglichen. Der hochbarocken Bauperiode St. Florians ging 1676 bis 1685 der Neubau des Stiftsmeierhofes und 1681 bis 1685 die Errichtung eines Gartenpavillons im damaligen Hofgarten - heute Stiftsgärtnerei - voraus. Der Gartenpavillon ist von reizvoller Eleganz. Der reich stuckierte Saal im Obergeschoss und die Grotte im Erdgeschoss bezeugen die Lust am ornamentalen Spiel in der Barockkunst, sie belegen aber auch die Lebensfreude dieser Zeit. Das Werk der barocken Neugestaltung von St. Florian gelang in einer Bauzeit von 66 Jahren. Die Bauherrschaft trugen fünf Pröpste: David Fuhrmann (1667–1689), Matthäus Weißenberg (1689–1700), Franz Claudius Kröll (1700–1716), Johann Baptist Födermayr (1716–1732) und Johann Georg Wiesmayr (1732–1755). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst David ist in die Geschichte als Initiator des großen Vorhabens eingegangen. Er wählte den planenden Architekten aus - den damals im Land ob der Enns bereits bekannten Mailänder Carlo Antonio Carlone - und schloss die ersten namhaften Künstlerverträge ab. Am 15. August 1686 erfolgte die Grundsteinlegung für den Kirchenneubau, der im Chorbereich begonnen wurde. Sein Amtsnachfolger Propst Matthäus Weißenberg beauftragte mit Datum vom 12. Juli 1690 den kurfürstlich-bairischen Kammerdiener und Hofmaler Anton Gumpp sowie dessen Künstlerkollegen Melchior Steidl mit der Ausmalung der Gewölbezonen des Innenraumes der neuen Klosterkirche. Als hervorragende Persönlichkeit ist Propst Franz Claudius Kröll in die Stiftsgeschichte eingegangen. Sein Name ist am Stiftsportal verewigt. Nach dem Tode Carlones ist ihm die Entscheidung zu danken, am 11. Oktober 1708 mit Jacob Prandtauer, &amp;quot;paumeistern zu St. Pölten&amp;quot;, einen &amp;quot;contract&amp;quot; über die Fortführung des Baues geschlossen zu haben. Jakob Prandtauer stand damals im Zenit seines Lebens und Schaffens. Ihm gelang eine bis dahin ungeahnte Belebung der Baumassen, ohne sich im Ornament zu verlieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Für seine Bauaufsicht in St. Florian erhielt er jährlich ein Honorar von 160 Gulden ''sambt der kost und unterhalt für sich und sein pferd''&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den schöpferischen Anteil Carlones und Prandtauers an der Baugestalt von St. Florian ist viel geschrieben worden. Die Nahtstelle ihres beiderseitigen Schaffens ist unzweifelhaft in der Mitte der Westfront, im Torgebäude und Stiegenhaus, zu suchen. Bei Carlones Tod war der Kirchenbau weitgehend abgeschlossen, die Bauführung bis zum Stiftsportal gediehen und der Bläserturm begonnen. Prandtauer übernahm ein architektonisches Gesamtkonzept, das Anordnung und Proportion der neuen Klosteranlage in den Grundzügen festlegte. Er musste Begonnenes fortsetzen, konnte aber im Sinne seines Kunstwollens nun auch in St. Florian ganz persönliche Akzente setzen. Die Abänderungen begannen bereits bei der Endausführung des Stiegenhauses, wie Baurechnungen eindeutig belegen. Zu seinem ureigensten künstlerischen Beitrag wurde sodann der Saalbau im Verband des Südtraktes (Marmorsaal), für den er 1718 den erforderlichen &amp;quot;Riss&amp;quot; lieferte, wofür ihm 80 Gulden &amp;quot;Verehrung&amp;quot; zuerkannt wurden. Als sein persönliches Werk ist auch das Sommerrefektorium zu nennen, das durch seine vorragende Anlage die Ostfront des Stiftes dominierend belebt. Als Sonderaufgabe plante er den Bau des Jagdschlosses Hohenbrunn. Keine Verwirklichung fanden seine Entwürfe für ein neues Kirchenportal, das der fertigen Fassade vorgesetzt werden sollte, und für den Bibliotheksbau, der aus Gründen der Sparsamkeit in der späteren Ausführung vereinfacht werden musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam mit Prandtauer muss als der Barockbauherr mit höchstem Nachruhm Propst Johann Baptist Födermayr genannt werden. Prandtauers Tod 1726 folgte 1732 der Tod Propst Födermayrs. Die Planung für den Endausbau des Klosters lag damals bereits bis in die Einzelheiten fest. Der neue Stiftsvorsteher Propst Johann Georg Wiesmayr konnte die restlichen Bauaufgaben ruhigen Gewissens Prandtauers Polier Jakob Steinhuber und nach dessen tödlichem Unfall auf der Baustelle 1746 dessen Sohn Johann Michael Steinhuber übertragen. Für die Neufassung des Bauplanes zum Bibliothekstrakt wurde der Steyrer Gotthard Hayberger bestellt. Er wählte eine bescheidenere Proportion und verzichtete auf ornamentale Auszier. Das Jahr 1751 brachte den Abschluss des gigantischen Bauvorhabens. Der prunkvolle Festakt dieser Zeit war allerdings schon am 27. Oktober 1715 vorweggenommen worden, als neuerlich ein Passauer Bischof, Raimund Ferdinand Graf Rabatta, eine Kirchweihe in St. Florian vollzogen hatte. Propst Wiesmayr ist zu verdanken, dass er geistigen Höhenflug mit wirtschaftlichem Denken verband. Wie viel ihm bei aller Sparsamkeit die Gaben des Geistes wert waren, beweisen seine hohen finanziellen Ausgaben für den Ausbau der Stiftsbibliothek und der Kunstkabinette sowie der Ankauf einer wertvollen Münzsammlung. Schließlich sei er noch als Urheber und Mitverfasser der chronikalischen Schrift &amp;quot;Restauratio Ecclesiae S. Floriani martyris ... &amp;quot; mit dem deutschsprachigen Anhang &amp;quot;Vormerkungen und eingeholte Kundschaften über das Stifts- und Kirchengebäu allhier ... &amp;quot; erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Baustelle dieses Ausmaßes bewirkte für mehrere Jahrzehnte die Ansiedlung einer zahlreichen Künstlergemeinschaft in St. Florian. Sieben Stuckateure, rund 14 Bildhauer und Altarbauer, rund 26 Maler, weiters die Kunstschmiede und Ofenbauer sind für den Neubau St. Florians anzuführen. Das langgestreckte Rechteck der weitläufigen Klosteranlage wird durch Querbauten in drei Höfe gegliedert. Zwei davon schließen unmittelbar an die Kirche an und bilden auch heute noch - in Fortführung des gotischen Kreuzganggedankens - den inneren klösterlichen Bereich. Der große äußere Stiftshof, umrahmt von Stiegenhaus, Marmorsaal, Bibliothek und Leopoldinischem Trakt, bildete einst den imperialen Ehrenhof. Seine Mitte nimmt der Adlerbrunnen ein, den 1757 Johann Jakob Sattler und Simon Heußler schufen. Er versinnbildlicht die römische Tradition St. Florians. Als man 1686 an den Umbau bzw. an die Barockisierung der Stiftskirche ging, war man getragen von der Idee, dass an der Begräbnisstätte des Patrons &amp;quot;gegen die Gefahren aus dem Osten&amp;quot;, des hl. Florian, ein &amp;quot;nationales Heiligtum Österreich&amp;quot; errichtet werden sollte. Die Ausmaße der Kirche blieben dieselben wie die des gotischen Vorgängerbaues; barocke Dimensionen erhielt die Kirche durch die hochgelegenen Fenster und durch die Kuppel. Der mächtige Bau ruht auf zwölf Mauerpfeilern, denen Halbsäulen vorgelagert sind. Über den reich mit vollpastischem Stuck gegliederten weißen Wandflächen schweben die vier Gewölbe der Joche und die Kuppelwölbung, durch Scheinarchitektur und illusionistische Fresken aller Schwere entkleidet, aufgelöst in goldfarbene Malerei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1991 bis 1996 wurde die Stiftskirche einer denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Das Stiegenhaus von St. Florian gilt als eines der prominentesten Beispiele österreichischer Barockarchitektur. Es gelang, die Baumassen in unnachahmlicher Eleganz aufzulösen. Die beidseitigen Treppenaufgänge signalisieren die zwei Elemente, die in diesem Stiftsteil dominieren: die eine Stiege (&amp;quot;Prälatenstiege&amp;quot;) weist zur Prälatur, die andere (&amp;quot;Kaiserstiege&amp;quot;) zu den Kaisergemächern im zweiten Stock. Der Baukörper öffnet sich zum Hof hin zur Gänze in Arkaden. Das gesamte zweite Obergeschoss des Westtraktes wird von den sogenannten Kaiserzimmern eingenommen. Mit der Schirmvogtei des Landesherrn, derer das Stift bedurfte, war die Herbergungspflicht verbunden. Gäste in den Florianer Kaiserzimmern waren 1732 Kaiser Karl VI. mit seiner Gemahlin und 1743 Maria Theresia mit ihrem Gatten Franz von Lothringen. Im Jahre 1782 hielt sich hier Papst Pius VI. auf seiner historischen Reise zu Kaiser Joseph II. eine Nacht auf. Das Ensemble dieser Räume führt uns barocke Wohnkultur vor Augen, die sich fürstlich und theatralisch gab. Der &amp;quot;prunkende Saal&amp;quot; an der Südseite des Stiftes dokumentiert einerseits die Charakterzüge des Bauherren, des baufreudigen Propstes Johann Baptist Födermayr, andererseits einen Lieblingsgedanken des Baumeisters Jakob Prandtauer, nämlich die Gegenüberstellung von Kirche im Norden und Prunksaal im Süden als architektonische Verkörperung von geistlicher und weltlicher Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überstrahlt wird der &amp;quot;Marmorsaal&amp;quot; (auch &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot;) von dem malerischen Glanz des Deckenbildes, das den Triumph Kaiser Karls VI. über die Türken und die Segnungen des Friedens zum Thema hat. Der Entwurf stammt von Martino Altomonte, die Ausführung von seinem Sohn Bartolomeo 1723/24. Gedacht war dieser Raum ursprünglich als Speisesaal für kaiserliche Besuche. Bis zum Jahre 1938 feierte hier der Konvent jeweils am 28. August sein Augustinusfest. In der Gegenwart wird er in erster Linie als festlicher Konzertsaal verwendet. 1963 gelang eine durchgreifende Restaurierung, die erste seit der Erbauung . Den Leopoldinischen Trakt setzt nach Osten das Sommerrefektorium fort, das als einzelner Baukörper vorspringt und die Geschlossenheit des riesigen Klosterkomplexes unterbricht. Nach dem ursprünglichen Plan Prandtauers sollte es im Rahmen einer Garten- und Terrassenanlage ein ausgleichendes Gegenstück erhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert erfuhren kleinere Teile des Stiftes eine zeittypische Adaptierung (z.B. die Räume der sogenannten Sommerprälatur). Die großen Pläne eines Umbaues, die die Nationalsozialisten während der Zeit der Aufhebung des Stiftes ins Auge gefasst hatten, kamen Gott sei Dank nicht zur Ausführung. Bei den Renovierungsarbeiten in Kirche und Krypta in den letzten Jahren kamen auch Fundamente und aufgehendes Mauerwerk der Vorgängerbauten zum Vorschein. Sie sind in einigen exemplarischen Elementen konserviert. Das Stift bildet aber seit Jahrhunderten ein unverändertes Ensemble, das in seiner Geschlossenheit seinesgleichen sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Stiftssammlungen== &lt;br /&gt;
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stiftes leiden seit langer Zeit an Raummangel. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Situation wurde getan, als nach dem Ende der Oberösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Die Kunst der Donauschule 1490–1540&amp;quot; im Jahre 1965 die 14 Tafeln des Albrecht-Altdorfer-Altars nicht mehr in die &amp;quot;neue&amp;quot; Galerie im zweiten Obergeschoss des Osttraktes zurückgebracht wurden, sondern im ersten Obergeschoss des Westtraktes Aufstellung fanden. Damit waren zwar diese weltberühmten Bilder besser zugänglich geworden, die übrigen, ebenfalls bedeutenden Galeriebestände, aber aus dem Bildfeld gerückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge weiterer Überlegungen gewann unter Propst Johannes Zauner (1968–1977) die Idee eines &amp;quot;Florianiganges&amp;quot; konkrete Gestalt. Im Gangabschnitt zwischen Bibliothek und Südostecke wurde eine Dauerausstellung zu Ehren und zur Verehrungsgeschichte des hl. Florian eingerichtet. Glanzstücke sind die beiden überlebensgroßen Holzplastiken des Heiligen aus dem späten 13. Jahrhundert und dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenig später konnten die aus der Gotik und der Renaissance stammenden Glasfenster nach gründlicher Restaurierung in Wien in den südlichen Gangabschnitt vor dem Marmorsaal versetzt werden. Gegenüber dem ersten Kaiserzimmer im zweiten Obergeschoss des Westtraktes (Faistenbergerzimmer) war in der barocken Zimmerfolge das Landeshauptmannzimmer vorgesehen. Es wurde aber nie in dieser Funktion genützt und diente längere Zeit als Depotraum. 1981 wurde der prächtig stuckierte Raum restauriert. In die Mitte des Saales kam eine Großvitrine mit den schönsten und interessantesten Stücken aus der Glas- und Porzellansammlung des Stiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel mit den Vorarbeiten für die Oberösterreichische Landesausstellung 1986 &amp;quot;Welt des Barock&amp;quot; wurde das Konzept einer Neuen Galerie im ersten Obergeschoss des Westtraktes entwickelt. Zusammen mit dem schon seit 1965 verwendeten Altdorferraum konnten zehn Räume gewonnen werden. Die ersten fünf Räume nördlich der jetzigen Prälatur bildeten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die nie als solche verwendete Sommerprälatur, dann folgt die Saletta und daran schließen sich die vier Räume der früheren Barockprälatur unter den Pröpsten Klaudius Kröll und Johann Baptist Födermayr. Die für die chronologische Aufstellung vorgesehenen Objekte, Tafelbilder, Gemälde, Plastiken und Gegenstände des Kunstgewerbes, den Zeitraum vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umspannend, wurden durch die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes Wien restauriert. Die Neue Galerie wurde gemeinsam mit der Landesausstellung im April 1986 eröffnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bisherigen Galerieräume im zweiten Obergeschoss des Osttraktes werden als Sekundärgalerie gestaltet. Der zuerst als Bildersaal, nach 1750 als Rekreationsraum und seit dem 19. Jahrhundert als Mineralienkabinett verwendete Altomontesaal im Leopoldinischen Trakt steht seit Ende 1986 dem Konvent als interner Festsaal zur Verfügung. Die Mineraliensammlung sowie die übrigen naturwissenschaftlichen Sammlungen werden jetzt laufend aufgearbeitet und zugänglich gemacht. Eine wertvolle Bereicherung der Sammlungen bildet eine Schenkung, die 1993 an das Stift gekommen ist; die Witwe des bekannten Graphikers und Malers Hans Fronius (1903–1988) hat über 20 wertvolle Ölgemälde mit religiösen, besonders biblischen Themen dem Stift anvertraut; im Rahmen der Führungen können auch diese wichtigen Beispiele moderner Malerei besichtigt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikgeschichte== &lt;br /&gt;
Die Kirchenmusik wurde im Kloster immer mit begeisterter Anteilnahme gepflegt. Das Institut der Sängerknaben gibt es bereits seit Jahrhunderten; der bekannteste Sängerknabe war Anton Bruckner. Dieser Chor, der ursprünglich nur für den liturgischen Gesang und die Kirchenmusik (Oberstimmen) konzipiert war, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Knabenchor entwickelt, der durch rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland die Botschaft &amp;quot;St. Florian&amp;quot; nach außen trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer großer Bote für St. Florian ist die monumentale Orgel, die 1770 bis 1774 der Orgelbauer Franz Xaver Krismann aus Laibach für die Stiftskirche schuf. Folgende Stiftsangehörige sind als begabte Musiker und Komponisten anzuführen: [[Franz Joseph Aumann]] (1728–1797), [[Franz Kurz]] (1771–1843), [[Ignaz Traumihler]] (1815–1856) und vor allem [[Franz Xaver Müller]] (1870–1948). Als geistiger Schüler Bruckners schuf er mehrere Messen, eine Symphonie, das große Oratorium &amp;quot;Augustinus&amp;quot; und vertonte viele liturgische Texte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den internationalen Ruf St. Florians als ein Zentrum österreichischer Musik begründete Anton Bruckner, der 1824 in Ansfelden als Sohn eines Schullehrers geboren wurde. 1837 bis 1840 war er Sängerknabe in St. Florian, von wo er bleibende Eindrücke mitnahm. Von 1845 bis 1855 wirkte er hier als Lehrer und 1850 bis 1855 auch als Stiftsorganist. Während seines Linzer Aufenthaltes 1856 bis 1868 wohnte er im Stiftshause in Linz, auch in späteren Jahren kehrte er oft nach St. Florian zurück, bis er endlich 1896 unter der Großen Orgel (seither &amp;quot;Brucknerorgel&amp;quot;) in der Gruft seine letzte Ruhestätte fand. Am Ende der Folge der Kaiserzimmer wurde ein Bruckner-Gedenkzimmer mit originalem Mobiliar und verschiedenen Erinnerungsstücken neu eingerichtet. Nach einem Umbau in den Jahren 1945 bis 1951 ist die Brucknerorgel anlässlich des 100. Todestages des Komponisten und der Oberösterreichischen Landesausstellung 1996 (&amp;quot;Vom Ruf zum Nachruf&amp;quot; - Anton Bruckner) erneut einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass St. Florian auch heute noch einen &amp;quot;klingenden Namen&amp;quot; hat, verdankt es nicht zuletzt einem Mitbruder: [[Augustinus Franz Kropfreiter]]; er genießt als Organist und Komponist internationalen Ruf. Mehrere Oratorien, eine Anzahl von Messen, zahlreiche Orgelstücke, aber auch Symphonien, Lieder und vielfältige Kammermusik hat er bisher geschaffen. Wegen seiner unverwechselbaren Improvisationen auf der großen Orgel wird er allseits bewundert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohninger: Wilbirgs Grabstätte in der Stiftskirche St. Florian. In: Christliche Kunstblätter 65 (1924), S. 15-17, S. 52-54. &lt;br /&gt;
* Johannes Hollnsteiner: Die Rechtsstellung des Stiftes St. FLorian in Österreich bis in die Zeiten Rudolfs von Habsburg. Eine diplomatische und rechtsgeschichtliche Untersuchung. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 40 (1925), S. 37-108. &lt;br /&gt;
* Lothar Eckardt: Die Versuchsgrabung 1953 in der Gruft der Stiftskirche zu St. Florian. In: Oberösterreichische Heimatblätter 8 (1954), S. 187-200. &lt;br /&gt;
* Linninger, Franz: Führer durch das Chorherrenstift St. Florian. St. Florian 1962. &lt;br /&gt;
* Willibrord Neumüller: Der hl. Florian und seine &amp;quot;Passio&amp;quot;. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 1-35.&lt;br /&gt;
* Othmar Hageneder: Das Kloster St. Florian im Rahmen der spätmittelalterlichen Gerichtsverfassung des Landes ob der Enns. In: Sankt Florian. Erbe und Vermächtnis. Festschrift zur 900-Jahr-Feier 1971, S. 123-161. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Verehrung des hl. Florian im Stift St. Florian. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs. Bd. 11 (1974), S. 85-98. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte Oberösterreichs unter dem Hakenkreuz. In: Das Bistum Linz im 3. Reich. Hg. von Rudolf Zinnhobler. Linz 1979, S. 244-294. &lt;br /&gt;
* Josef Etzlstorfer: Wilbirg-Inklusin von St. Florian. Diplomarbeit. Salzburg 1983. &lt;br /&gt;
* Florian Treuner: Der heilige Florian. Regensburg 1984. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Stifte und Klöster Oberösterreichs, von der Gründung bis Josef II.; Von Josef II. bis zur Gegenwart. In: Kirche in Oberösterreich (Katholische Oberösterreichische Landesausstellung 1985). Linz 1985, S. 155-170, S. 265-275. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Wallfahrt nach St. Florian. In: Oberösterreich 36 (1986), S. 27-34; &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Welt des Barock. 1986. &lt;br /&gt;
* Hanns Kreczl: Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs Bruckner-Orchester (1942-45). Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Verrückt geliebt - Wilbirg von St. Florian. Hg. von Stift St. Florian. St. Florian 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: &amp;quot;Seelsorge vom Kloster her&amp;quot;. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 39 (1992, Heft 3/4), S. 43-53.&lt;br /&gt;
* Karl  Rehberger / Christiane u. Johannes Wunschheim: Chronik von St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Lukas Sainitzer: Die Vita Wilbirgs des Einwik Weizlan. Diss. Wien 1995.&lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian 1996. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wissenschaft===&lt;br /&gt;
* [[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905. &lt;br /&gt;
* Engelbert Mühlbacher: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Helmut Kritzinger: Die Vorgeschichte der Wiedereröffnung der Hauslehranstalt im Stift St. Florian im 19. Jhdt. Dipl.arb. Salzburg 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verbrüderungen===&lt;br /&gt;
Conföderationen des Stiftes St. Florian. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 5 (1958), S. 149-150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek und Archiv===&lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Die Handschriften der Stifts-Bibliothek St. Florin. Linz 1871. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Klosterschule von St. Florian. Entstehung, Verlauf, Ende 1071-1783. Linz 1873. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Florian. Geschichte und Beschreibung. Ein Beitrag zur Culturgeschichte Oesterreichs. Linz 1874. &lt;br /&gt;
*  Anton Julius Walter: Die echten und die gefälschten Privilegien des Stifts St. Florian und ihre Stellung in der Verfassungsgeschichte. In: Archivalische Zeitschrift, 3. F., Bd. 8. München 1932, S. 56-105. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Bibliothek, Archiv und Sammlungen des Stiftes St. Florian 1948. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 94 (1949), S. 61-99.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die romanische Buchmalerei in Oberösterreich. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 101 (1956), S. 221-250. &lt;br /&gt;
* Gerhard Schmidt: Die Malerschule von St. Florian. Graz 1962. &lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Die &amp;quot;Kirchweihchronik &amp;quot; des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 50-122. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Mittelalterliche verzierte Bucheinbände des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 183-209. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Ein Beitrag zur Vorgeschichte der &amp;quot;Historikerschule&amp;quot; des Stiftes St. Florian im 19. Jahrhundert. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 210-250. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Wiener Neustadt 1979. Die Zeit der frühen Habsburger, 367, Nr. 123. &lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die spätmittelalterliche Buchmalerei im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. In: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Festschrift Benno Ulm (Oberöst. Heimatblätter Jg. 40, 1986, H. 3/4). Linz 1986, S. 301-324. &lt;br /&gt;
* Ders.: Romanische Buchkunst aus der Stiftsbibliothek St. Florian. In: Geschichte und ihre Quellen. Festschrift Friedrich Hausmann. Hg. von R. Härtel. Graz 1987, S. 545-578. &lt;br /&gt;
* Ders.: Bibliothek und Archiv. Handschriften und Inkunabeln. In: Österreichische Kunsthistoriographie. Bd. XL VIII 1988, S. 29-92. &lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: St. Florian. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich. Hg. von der Österreichischen Nationalbibliothek, Bd. 3. Hildesheim 1996, S. 267-272.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baugeschichte und Sammlungen===&lt;br /&gt;
* Alfons Müllner: Die Krypta in S. Florian. Ein Beitrag zur Baugeschichte der Stiftskirche S. Florian im Lande Ob der Enns. Linz 1883. &lt;br /&gt;
* Albin Czerny: Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Linz 1886. &lt;br /&gt;
* Josef Fr. Lohnliger: Der Bau der Stiftskirche St. Florian im Zeitalter Wilbirgs (1231–1289). In: Christliche Kunstblätter 64 (1923), S. 24-26, S. 59, S. 91- 94, S. 118-120. &lt;br /&gt;
* Erika Doberer: Der Florianer Gartenpavillon und seine Grotte. In: Oberösterreichische Heimatblätter 10 (1956), S. 64-72. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Chorherrenstift St. Florian. 1962. &lt;br /&gt;
* Erika Doserer: Ein frühbarocker Entwurf der Florianer Gesamtanlage. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 128. &lt;br /&gt;
* Norbert Wunral: St. Florian als Aufgabe der Denkmalpflege. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 19 (1965), S. 78-89. &lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Die Kunstsammlungen des Stiftes St. Florian. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 14 (1965). &lt;br /&gt;
* Die Kunst der Donauschule 1490–1540: Kat. Oberöst. Landesausst. St. Florian/Linz 1965, S. 95-102.&lt;br /&gt;
* Georg Grüll: Die Florianer Pläne 1740- 1783. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 251-176. &lt;br /&gt;
* Johann Sturm: Die Stiftskirche von St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 277-345. &lt;br /&gt;
* Franz Windisch-Graetz: Barocke Möbelkunst in Österreich. Überblick und Forschungslage. Die Möbel des Stiftes St. Florian. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 346-396. &lt;br /&gt;
* Kürth: St. Florian 1975. &lt;br /&gt;
* Franz Winzinger: Albrecht Altdorfer. Die Gemälde. München 1975. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Albrecht Altdorfer. Licht und Farbe im Sebastiansaltar im Stift St. Florian. Graz 1978. &lt;br /&gt;
* Welt des Barock, 1986. &lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Über die Sammlungen des Stiftes. In: Stift St. Florian 1686–1986, 1986. &lt;br /&gt;
* Österreichische Kunsttopographie Bd. XL VIII 1988. &lt;br /&gt;
* Hans Fronius: Die Religiöse Sammlung. Hg. von Stift St. Florian. St. Florian 1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger: Noch immer wollen wir das Leid überdecken. Zur &amp;quot;Religiösen Sammlung - Hans Fronius&amp;quot; im Stift St. Florian. In: Blickpunkte 3/93, S. 12- 15. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Reisinger / Peter Assmann: Hans Fronius. Existenz und Rückbindung. Zum religiösen Werk. Linz 1995. &lt;br /&gt;
* Wutzel: St. Florian. 1996. &lt;br /&gt;
* Stiftskirche St. Florian. 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Musik===&lt;br /&gt;
* Leopold Hager: Die Brucknerorgel im Stifte St. Florian. Kurze Geschichte ihres letzten Umbaus 1945–1951 und Beschreibung ihres inneren Aufbaus. St. Florian 1951.&lt;br /&gt;
* Franz Linninger: Orgeln und Organisten im Stift St. Florian. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Stiftes. In: Oberösterreichische Heimatblätter 9 (1955), S. 171- 186. &lt;br /&gt;
* Leopold Nowak: Der Begriff der &amp;quot;Weite&amp;quot; in Anton Bruckners Musik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 397-412. &lt;br /&gt;
* Josef Mayr-Kern: Franz Xaver Müller und seine Stellung in der österreichischen Kirchenmusik. In: Festschrift St. Florian 1971, S. 413-420. &lt;br /&gt;
* Elfriede Wöhry: Der Musiker Augustinus Franz Kropfreiter. In: Blickpunkte 3/93, S. 22-25. &lt;br /&gt;
* Vom Ruf zum Nachruf, 1996.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Maier: Stationen des Lebens Anton Bruckners. Linz 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
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		<title>Stift Waldhausen</title>
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		<updated>2022-01-17T20:09:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=bis 1785 Diözese Passau, danach im Bereich der Diözese Linz&lt;br /&gt;
|Benannt nach=Silvia Domus - Waldhausen&lt;br /&gt;
|Patrozinium=hl. Johannes der Täufer/ der Evangelist; Heute Stiftskirche Mariae Himmelfahrt und Marktkirche Johannes Baptista&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=politischer Bezirk Perg&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte=== &lt;br /&gt;
Als Gründer des Stiftes Waldhausen gilt Otto von Machland, der einer seit dem 11. Jahrhundert im östlichen Oberösterreich ansässigen Adelsfamilie entstammte. Er und sein Bruder Walchun, in dem man den Stammvater der heutigen Grafen von Clam-Martinic sieht, besaßen im unteren Mühlviertel große Besitzungen mit mehreren Burgen und Dörfern. Ottos Ehe mit Jeuta von Peilstein, einer Nichte Leopolds d. Hl. und Schwester Bischof Reginberts von Passau, war kinderlos geblieben, daher fasste er im Jahre 1141 den Entschluss, sein Stammschloss in Baumgartenberg in ein Zisterzienserkloster umzuwandeln. Da er noch andere Güter besaß, gründete er im Jahre 1147 ein weiteres Kloster zu Ehren des Evangelisten Johannes, das er mit Augustiner-Chorherren besetzte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Sitz bestimmte er seine Burg Säbnich, von der heute nur noch Ruinen auf einem steil aufragenden Felsen oberhalb des Ortes Sarmingstein zu sehen sind. Alle Rechte und Besitzungen, die mit der Burg verbunden waren, gingen auf die Ordensgemeinschaft über. Die ersten Chorherren kamen aus Wettenhausen in Schwaben, der erste Propst hieß [[Heinrich I.|Henricus]] (Heinrich). Da die Erträgnisse des wenig fruchtbaren Bodens kärglich waren, befand sich das Stift bald in finanziellen Schwierigkeiten, die Bischof Reginbert von Passau, in dessen Diözese Säbnich lag, durch Übertragung der Patronatsrechte über mehrere Pfarren und Besitzungen zu mildern versuchte; diese Gebiete lagen weit verstreut von der mährischen Grenze bis zum Lungau im Süden. Einige Zeit nach dem Tode Ottos von Machland (1148) kam es zu langdauernden Streitigkeiten zwischen Baumgartenberg und Säbnich um den Rest seiner Besitzungen. Welche Rolle dabei der Bischof Konrad von Passau, ein Sohn Leopolds d. Hl., gespielt hat, ist ungeklärt. Unwahrscheinlich erscheint die Nachricht, der Bischof habe die Chorherren von ihrem bisherigen Wohnsitz, dessen Vogteirechte Ottos Bruder Walchun übernommen hatte, vertrieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganze Gründungsgeschichte wird durch gefälschte Dokumente etwas verschleiert. Unter Propst [[Selker]] (1151–1162) zogen jedenfalls die Chorherren längs des Sarmingbaches nordwärts und gründeten auf einem Hügel ein zweites Kloster mit dem Namen Silvia Domus, das &amp;quot;Haus im Walde&amp;quot;, von dem der Ort Waldhausen seinen Namen hat. Beide Gründungen bestanden eine Zeit lang nebeneinander, bis 1161 auch der letzte Konventuale nach Waldhausen zog. Was die Mönche veranlasst hat, Säbnich zu verlassen, wissen wir nicht; vermutlich waren es das rauhe Klima und der steinige Boden . Waldhau sen übernahm die Besitzungen von Säbnich, verkaufte aber am Ende des 12. Jahrhunderts die Ländereien im Lungau an das Domkapitel von Salzburg, um mit dem Gewinn näher gelegene zu erwerben. Aus verschiedenen Quellen lässt sich erschließen, dass an dem neuen Standort von Anfang an eine Klosterschule bestanden hat, in der die Söhne und Töchter Adeliger unterrichtet wurden. Um das Jahr 1190 ist urkundlich außerdem der kurzzeitige Bestand eines Frauenklosters bezeugt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Weitere Geschichte im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit=== &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten waren die Geschicke Waldhausens recht schwankend und den Einflüssen der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Lage ausgesetzt. Zwar bekam das Stift Anfang des 13. Jahrhunderts manche Besitztümer von Adeligen, die ins Heilige Land gezogen waren; so erhielt es auch mehrere Weingärten in der Wachau. Trotzdem mussten die Chorherren schwere Zeiten erleben. Um ihnen zu helfen, befreite sie Herzog Leopold VI. im Jahre 1204 von der Futterabgabe für Pferde, wozu geistliche Grundbesitzer statt des Kriegsdienstes verpflichtet waren. Das Stift bekam auch sehr stark das Unwesen des Raubrittertums zu spüren, das in der kaiserlosen Zeit vor der Ernennung Rudolfs von Habsburg im ganzen Reich herrschte. Nur die Stiftung der von den Landesherren und anderen Adeligen hoch geschätzten Messopfer - im Verzeichnis des Stiftes finden sich Namen wie Herzog Albrecht II. und Otto von Österreich - ermöglichten in der Folge den Ausbau der bisher in trostlosem Zustand befindlichen Gebäude. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzog Albrecht II. nahm sich Waldhausens besonders an. So bestimmte er, dass das Kloster allein bei den auf der Donau vorbeifahrenden Schiffen Almosen sammeln dürfe, ein Recht, das den Chorherren immer wieder von neidischen Burgbesitzern in Donaunähe streitig gemacht wurde. Dieses Almosensammeln war deshalb recht einträglich, weil alle Schiffsleute für die glückliche Durchquerung gefährlicher Stromschnellen im Strudengau so dankbar waren, dass sie gerne und reichlich spendeten. Dafür mussten die Chorherren alle Wasserleichen, die allenfalls angeschwemmt wurden, in St. Nikola, wo sich ein von Walchun von Machland gestiftetes Hospiz befand, auf würdige Weise bestatten. Im Jahre 1230 wurde außerdem Münzbach dem Stift inkorporiert. 1349 wurde auch die Pfarre St. Georgen übernommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 14. Jahrhunderts lebte der bedeutendste Chorherr, den das Stift hervorgebracht hatte: [[Konrad von Waldhausen]] (t 1369). Der hochgebildete Mann setzte seine Arbeitskraft nicht nur im engen Rahmen des Klosters ein, sondern ging nach Prag, wo er als Hofprediger Karls IV. wirkte. Er bemühte sich schon vor Hus, den er in der Folge ebenso wie Wicliff beeinflusste, um eine Erneuerung der böhmischen Kirche, ohne jedoch den Boden der katholischen Lehre zu verlassen. Von 1359 bis 1592 hatten die Geistlichen des Konvents die niedere Gerichtsbarkeit über ihre Untertanen inne, später erhielten sie auch die hohe Gerichtsbarkeit, so dass in Waldhausen sogar Todesurteile vollstreckt wurden. &lt;br /&gt;
Verheerende Folgen hatten für Waldhausen die Hussitenkriege. Im Jahre 1428 kamen die religiösen Fanatiker auf ihren Raubzügen mehrere Male in die Gegend des Stiftes. Die Horden zerstörten das Kloster fast zur Gänze und metzelten die Chorherren nieder, soweit diese nicht geflohen waren. Schon vier Jahre später wurden die notdürftig wieder aufgerichteten Gebäude abermals überrannt und dem Erdboden gleichgemacht. Gleichzeitig wurde auch der Markt, der 1359 erstmals erwähnt wird, mit der von den Klosterleuten erbauten Pfarrkirche niedergebrannt. Die Not war eine Zeit lang so groß, dass ein in diesen Jahren amtierender Propst, [[Otto Schweinbeck]] (1414–1443), sich gezwungen sah, abzudanken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst sein Nachfolger, [[Martin Leystenfreund]] (1443–1457), konnte das klösterliche Leben wieder in geordnete Bahnen lenken. Besondere Verdienste erwarb sich dieser Propst um die Einrichtung einer Bibliothek. In dem geräumigen Saal soll es viele wertvolle Bücher gegeben haben, von denen leider fast nichts übrig geblieben ist. Auch die Schule, in der hauptsächlich Latein und Musik unterrichtet wurden, bestand wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen hatte sich das Kloster, dem es auch gelungen war, die alte Machland-Burg Säbnich instand zusetzen, mit seinen Vögten, den Nachkommen des Bruders Ottos von Machland, so überworfen, dass Kaiser Ferdinand II. Mittelsmänner einsetzte, die von nun an in seinem Namen das Stift betreuten; allerdings flossen die Vogteiabgaben von diesem Zeitpunkt an in die kaiserliche Kasse. Während der Reformationszeit, in der das Stift infolge der religiösen und politischen Wirren sehr vernachlässigt und aufs schwerste verschuldet war, verfiel auch das religiöse Leben zusehends. Ein Visitationsbericht aus dem Jahre 1561 beschreibt die traurigen Zustände: Der Propst lebte zusammen mit einer Konkubine, auch einige seiner Kapitularen nahmen Zölibatsfreiheit für sich in Anspruch. Mit scharfen Worten rügt der Bericht auch das üppige Leben und die kostbare Kleidung der Konventualen. Erst unter dem übernächsten Nachfolger des genannten Propstes, dem Prälaten [[Johannes Kögl]] (1566–1577), setzte der schon dringend nötige Umschwung ein; war doch die Zahl der Klosterbewohner inzwischen auf sechs Chorherren und vier Konkubinen gesunken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein neuerlicher Bericht aus dem Jahre 1566 lobt daher besonders die Umkehr in der Haltung der Konventualen und hebt den Aufschwung im Schulwesen her vor. Die Klosterschule erreichte in der Folgezeit- unter Propst [[Hermann Parthenreuter]] (1577–1612) - sogar den absoluten Höchststand von sechzehn Zöglingen. Parthemeuter war ein äußerst erfolgreicher und weitsichtiger Ökonom, der dem Stift einige neue Besitzungen erwarb. Über seine Regierungszeit gibt es einige Informationen, weil er selbst in schlicht er und sachlicher Weise Rechenschaft darüber abgelegt hat. So wurden die Schulden weitgehend abgebaut, es konnte sogar ein ansehnliches Kapital für größere Bauvorhaben angespart werden. Der Propst errichtete nicht nur ein neues Schulgebäude, sondern auch ein eigenes Spital für alte Klosteruntertanen. Die von ihm neu gebauten Wirtschaftsgebäude fielen sehr bald einem Brand zum Opfer, der beinahe auch das Stift eingeäschert hätte. Weiters ließ Propst Hermann von 1610 bis 1612 die Marktkirche von dem Linzer Baumeister Hiob Eder erweitern, eine gelungene Mischung von Spätgotik und Renaissance. Die wirtschaftliche Lage des Stiftes hatte sich auch deshalb so sehr gebessert, weil Waldhausen von den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges weitgehend verschont blieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Barockzeit=== &lt;br /&gt;
Seine Glanzzeit erlebte das Stift unter der Regierung des Propstes [[Laurenz Voss]] (1647–1680), der als großer Bauherr in die Geschichte Waldhausens einging. Er musste zwar viele Besitztümer verkaufen, begann aber doch unter kluger Benützung der vorhandenen Mittel den großartigen Neubau der Klosteranlage. Die Stiftskirche konnte noch unter seiner Leitung errichtet, ihre Ausschmückung aber nicht abgeschlossen werden. Die Arbeiten wurden um 1650 nach Plänen von Christoph Colomba und Carlo Canevale begonnen, 1661 war der Rohbau fertig - ein tonnengewölbtes Langhaus mit Emporen. Der Weiterbau und die Ausschmückung der Kirche verzögerten sich nun durch eine neuerliche Geldknappheit, so dass die Einweihung des fertiggestellten Kirchenbaus erst am 4. Oktober 1693 stattfinden konnte. Auf dem Weg zu der neuen Stiftskirche durchschritt man nun zwei Höfe, die neuen großartigen Stiftsgebäude umfassten insgesamt 90 Zimmer, dazu kam noch ein ganzer Wirtschaftskomplex. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den aufwendigen Neubau der gesamten Anlage war aber der Konvent immer mehr in Schulden geraten. Propst [[Augustin Ochs von Solmau]] (1684–1721), der übernächste Prälat, ein prunkliebender ungarischer Adeliger, der anlässlich des Besuches Kaiser Leopolds 1. 1684 in [[Stift St. Florian|St. Florian]] in der dortigen Stiftskirche die Messe zelebrieren durfte, konnte schließlich nur unter völliger Überlastung der finanziellen Kräfte die Kirche mit prachtvollem, heute noch bewundertem Stuck- und Freskenschmuck ausstatten. Er ließ auch 1697 von Carlo Carlone die später profanierte Josephikapelle erbauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verzweifelte monetäre Lage der Kirche wurde von dem Propst streng geheim gehalten und kam nur deshalb ans Licht, weil der von Gewissensbissen gequälte Mann in schlaflosen Nächten Gott und die Heiligen laut um Hilfe anrief. Nach seinem Tod war aber der Ruin des Stiftes nicht mehr aufzuhalten, hatte doch die Schuldenlast bereits die Summe von 300.000 Gulden erreicht. Das war für Kaiser Joseph II. ein willkommener Anlass, die Verwaltung des Stiftes 1786 dem Propst von St. Florian zu übergeben, bis es am 22. Februar 1792 gänzlich aufgehoben wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Schicksal des Stiftes nach der Aufhebung=== &lt;br /&gt;
Mit der Aufhebung war es jedoch noch nicht getan, bald folgten weitere Schicksalsschläge. Die Stiftsgebäude wurden nach einer oberflächlichen Überprüfung für baufällig erklärt und zum Abbruch bestimmt. Auch die Stiftskirche sollte abgerissen werden, mit der Begründung, dass der Markt ohnedies ein geräumiges Gotteshaus besitze, das nach einer bischöflichen Visitation zur Pfarrkirche erklärt wurde; die Erhaltung zweier Kirchen komme der Diözese zu teuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Großteil der Gebäude wurde zwischen 1800 und 1810 vom österreichischen Militär geschleift, lediglich zwei Flügel der Anlage, versehen mit schönen Arkaden, blieben erhalten. Das Baumaterial schaffte man zur Ausstattung der Franzensburg nach Laxenburg. Fast alle Kunstwerke wurden verkauft, die Besitzungen des Stiftes übergab man als Dotationsgut dem Linzer Domkapitel, das Joseph II. gleichzeitig mit der Gründung der Diözese Linz errichtet hatte. Die Stiftskirche, die den äußersten Tiefpunkt erlebte, als die Franzosen im Jahre 1809 in ihr wie Vandalen hausten und sie als Pferdestall benützten, konnte nur durch die Einsicht des Hofbaudirektors Michael Riedel von Leuenstern, des Erbauers der Franzensburg, gerettet werden; er gab dem Drängen der Bevölkerung nach und rettete auch aus eigener Wertschätzung das Bauwerk vor der Spitzhacke. In den folgenden 140 Jahren verfielen aber sowohl die ehemalige Stiftskirche als auch die Marktkirche immer mehr, bis nach dem Zweiten Weltkrieg eine intensive Denkmalpflege einsetzte, die beide Gebäude wieder in ihrem ursprünglichen Glanz erstrahlen ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der ursprüngliche Besitz des Stiftes bestand aus den Gütern Ottos von Machland, die zur Burg Säbnich gehörten. Dazu kamen an Rechten das Urfahrrecht (Stegrecht) auf der Donau sowie das der Fischerei im Fluss. Außerdem schenkte Bischof Reginbert dem Stift alle Lehen, die Otto von Passau erhalten hatte. Die Güter lagen teilweise weit zerstreut, etwa von der mährischen Grenze über den salzburgischen Lungau sogar bis nach Friaul. Alle diese Schenkungen fallen in das Jahr 1147. Im 13. Jahrhundert erhielt Waldhausen auch einige Weingärten in der Wachau. Bei der Aufhebung hatte das Kloster die Patronatsrechte über 15 Pfarren und deren Erträgnisse inne. Ein reiches Stift ist Waldhausen nie gewesen. Es hatte ständig mit einem Berg von Schulden zu kämpfen, die vor der Aufhebung die gewaltige Summe von 300.000 Gulden erreichten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster stand zunächst unter der Vogtei des Walchun von Machland, des Bruders des Stifters, und seiner Nachkommen. Doch das ursprüngliche gute Einverständnis zwischen Kloster und Vögten erfuhr im Laufe der Zeit verschiedene Trübungen. Daher nahm ab dem Jahre 1544 der Kaiser selbst durch Mittelsmänner das Stift unter seine Obhut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die sozialen Verhältnisse im Stift waren sehr wechselhaft. Nach einem totalen Verfall des Klosterlebens in der Reformationszeit, in der die Zahl der Konventualen auf sechs Personen gesunken war, erreichte Waldhausen in der Folgezeit unter dem tüchtigen Propst Hermaim Parthenreuter (1577–1612) einen ansehnlichen sozialen Standard, der sogar die Einrichtung eines eigenen Spitals und eine Vergrößerung der Klosterschule ermöglichte. Zum Zeitpunkt der Aufhebung wies das Stift eine Zahl von 31 Konventualen auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Patronate und Inkorporationen== &lt;br /&gt;
Zum Zeitpunkt der Aufhebung des Stiftes gab es 15 inkorporierte Pfarren: Waldhausen, Dimbach, St. Georgen am Wald, Königswiese n, Minichdorf, St. Thomas am Blasenstein, Arbing, Mitterkirchen, Saxen, St. Nikola, Klamm, Neustadt bei Amstetten, Leobendorf, Wilfersdorf und Stetten bei Korneuburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Während seiner Administration über Waldhausen ließ Propst [[Leopold Trulley]] von St. Florian um das Jahr 1790 die Bestände von Waldhausen aufnehmen. Angeführt werden in dem Verzeichnis etwa 2.300 Bände, dazu noch verschiedene Choralbücher und alte Breviere. Der Katalog ist allerdings sehr mangelhaft und gibt keinen wirklichen Aufschluss über den tatsächlichen Bücherbestand. Nach Auskunft des jetzigen Pfarrers von Waldhausen, Karl Wögerer, umfasste die Bibliothek an die 6.000 Bände, darunter einige wertvolle Handschriften und Wiegendrucke. Die Bücher kamen ins Linzer Priesterhaus bzw. in öffentliche Bibliotheken. Eine Handschrift soll dem Stift Schlägl übergeben worden sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Ehemalige Stiftskirche ===&lt;br /&gt;
Die Reste der Klosteranlage liegen auf dem sogenannten „Schlossberg&amp;quot;, etwa einen Kilometer nördlich des Marktes Waldhausen. &lt;br /&gt;
Um 1650 hatte Propst Laurenz Voss mit dem barocken Neubau des Stiftes und der Kirche begonnen. Als Architekten des Gotteshauses werden in der kunstgeschichtlichen Literatur Carlo Canevale und Christoph Colomba genannt, doch fehlen dafür eindeutige archivalische Beweise bzw. zwingende stilistische Nachweise. Die gut erhaltene Kirche ist nach Auffassung von Hellmut Lorenz nur mangelhaft erforscht. Sie stellt jedenfalls ein frühes Beispiel der im oberösterreichischen Raum weit verbreiteten &amp;quot;Stuckkirchen&amp;quot; dar; Bauten dieses Typs stehen auch in Garsten, Schlierbach und St. Florian. Der Innenraum ist ein viellochiger Wandpfeilersaal mit Tunnenwölbung, sechs Seitenkapellen, über die sich Emporen ziehen, sowie einem eingezogenen Chor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend für das Raumbild ist die Stuckausstattung; Lorenz sagt sogar, dass das raumgestaltende Gesamtkonzept mehr von den Stuckateuren als von den Architekten erdacht wurde. Die Stuckaturen gliedern deutlich die einfachen architektonischen Grundformen; zugleich bilden sie als klares geometrisches Ordnungsprinzip die Rahmung für die Freskenfelder, besonders an der Decke des Langhauses. Der beste Beweis für die Dominanz der Stuckateure sind die Seitenaltäre; sie wirken zunächst durch ihren schwarzen Anstrich wie eingestellte Möbel, sind aber in Wirklichkeit gemauert. Außerdem finden die Altaraufsätze nahtlos ihre Fortsetzung in der Stuckdekoration der Kapellenwölbung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Stuckateure gelten nach der Überlieferung einer der vermutlichen Erbauer selbst, nämlich Christoph Colomba, und sein Bruder Giovanni Battista; letzterer wird neben Georg Hausen auch als Schöpfer der Fresken genannt. Diese offensichtliche Personalunion mag den engen Zusammenhang von Architektur und kunsthandwerklicher Ausstattung erklären. Die in geometrische Rahmungen eingefügten Gewölbefresken und zahlreiche andere Freskenfelder stellen Szenen aus der Apokalypse, Mariae Himmelfahrt, die Bekehrung des Saulus, die Marter des hl. Laurentius sowie Johannes auf Patmos dar. In entschiedenem Kontrast zur hellen Farbigkeit der Fresken und zum Weiß des Stucks und der Wände steht das Schwarz-Gold des Hochaltars und der Seitenaltäre sowie der Orgel, des Chorgestühls und der Kanzel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der wuchtige Hochaltar ist ein Werk des Passauer Tischlermeisters Paul Deniffl aus dem Jahre 1669. Die Figuren - unter anderen die Heiligen Augustinus und Ambrosius sowie Katharina und Barbara - stammen aus der Werkstatt des Passauer Bildhauers Johannes Seitz. Das ehemalige Hochaltarbild von Joachim Sandrart - eine Darstellung des Heiligen Geistes - wurde 1809 von den Franzosen zerstört und durch ein aus Fürstenfeldbruck stammendes Gemälde (&amp;quot;Tod und Himmelfahrt Mariens&amp;quot;) ersetzt. Das Aufsatzbild Sandrarts (&amp;quot;Jüngstes Gericht&amp;quot;; 1675) ist noch erhalten. Die prachtvolle, mit lieblichen musizierenden Engeln geschmückte Orgel aus dem Jahre 1677 bildet den Abschluss der einheitlichen Innenausstattung. Sie wurde erst 1956 wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt, nachdem zur Zeit der Klosteraufhebung das Pfeifenwerk verkauft worden war. Die holzgeschnitzte Kanzel, die auch aus der Erbauungszeit der Kirche stammt, zeigt zwischen den die Brüstung tragenden Puttenengeln Statuen der Evangelisten. In der östlich an den Chor angebauten Sakristei ist ein früh barockes Lavabo ebenso erwähnenswert wie ein Schutzmantelbild des hl. Augustinus mit Waldhausener Chorherren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Marktpfarrkirche=== &lt;br /&gt;
Die unter Propst Hermann Parthenreuter vom Linzer Baumeister Hiob Eder zwischen 1610 und 1620 errichtete, dem hl. Johannes dem Täufer geweihte Marktpfarrkirche geht auf ein älteres Bauwerk zurück, von dem noch Turm und Presbyterium stammen. Das Gotteshaus gehört zur sogenannten &amp;quot;Nachgotik&amp;quot;, einer Phase des Wiederauflebens gotischer Formen zu Beginn des 17. Jahrhunderts; es stellt somit eine glückliche Verbindung von Gotik und Renaissance dar. Unter Beibehaltung des netzrippengewölbten Chores wurde das Bauwerk als vierjochige, kreuzrippengewölbte Staffelkirche ausgebaut. Manche gotische Grundformen, wie die Westempore und das Sakramentshäuschen, sind in der Art der Renaissance behandelt. Den Innenraum beleuchten große gotische Fenster, während das Portal reine Renaissanceformen zeigt. Auch die Bauplastik weist diesen Übergangsstil auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Hans Blumenthal: Waldhausen im 16. Jahrhundert. In: Heimatgaue 1928, 3. Heft, S. 129ff.&lt;br /&gt;
* Günther Brucher: Barockarchitektur in Österreich. Köln 1983, S. 65f.&lt;br /&gt;
* Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Oberösterreich. Wien 1977.&lt;br /&gt;
* Hans Hülber: Laurentius Voss, Propst zu Waldhausen im Strudengau. In: Mühlviertler Heimatblätter 1972, Jg. 12, Nr. 1.&lt;br /&gt;
* Franz Kurz: Beiträge zur Geschichte Österreichs ob der Enns, Bd. IV. Linz 1809, S. 412ff.&lt;br /&gt;
* Johann Leimhofer: Sommerfrische Waldhausen O.Ö. Umgebung und Geschichte des aufgelassenen Stiftes. Steyr 1936.&lt;br /&gt;
* Hellmuth Lorenz (Hg.): Barock (Geschichte der bildenden Künste in Österreich, Bd. 4). München/London/New York, 1999, S. 244 u. 321f.&lt;br /&gt;
* Hubert Franz Xaver Müller: Gründungs- und Wirtschaftsgeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Waldhausen O.Ö. bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts. Inaugural-Diss. Innsbruck 1959.&lt;br /&gt;
* Franz Xaver Pritz: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulierten Chorherren des hl. Augustinus zu Waldhausen. In: Archiv für die Kunde österreichischer Geschichts-Quellen Bd. 9. Wien 1853, S. 305ff.&lt;br /&gt;
* Karl Rehberger: Die Geschichte des Stiftes Waldhausen, Vortrag 1993 (Manuskript in St. Florian).&lt;br /&gt;
* Martin Riesenhuber: Die kirchliche Barockkunst in Österreich. Linz 1924, S. 392f. u. 603.&lt;br /&gt;
* H. de Verrette: Aufnahme und baugeschichtliche Daten des ehemaligen Chorherrenstiftes Waldhausen. Diss. Techn. Hochschule Wien 1936.&lt;br /&gt;
* Waldhausen im Strudengau. Ortschronik. Hg. von der Marktgemeinde Waldhausen anläßlich des 300jährigen Weihejubiläums der Stiftskirche. Linz 1993.&lt;br /&gt;
* Johannes Wimmer: Stiftskirche Waldhausen (Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 235). Salzburg 1999.&lt;br /&gt;
* Alfred Zerlik: Konrad von Waldhausen. Oberösterreichische Heimatblätter. 2. Sonderdruck. Linz 1971.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_Vorau&amp;diff=9750</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes Vorau</title>
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		<updated>2022-01-17T20:06:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. Hg. von Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 435–438.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Zur Hauptaufgabe der Chorherren des [[Stift Vorau|Stiftes Vorau]] zählte neben dem Chor- und Altardienst von Anfang an die Seelsorge. Diese üben sie seit 1163 in einem Seelsorge­bereich aus, der sich mit dem Dekanat Vorau deckt, das derzeit von rund 20.000 Katho­liken bewohnt wird. Von den elf Pfarren des Dekanates sind nur zwei Weltpriester­pfarren: Mönichwald und Schäffern. Mönichwald wurde seit seiner Pfarrerhebung im Jahr 1163 von einem Formbacher Benediktiner betreut und seit 1806 von einem Welt­priester. Die Pfarre Schäffern fiel erst im Jahr 1806 von der Erzdiözese Wien nach lan­gen Verhandlungen zur Diözese Seckau. Schäffern ist eine Weltpriesterpfarre, doch scheinen in der langen Pfarrerliste auch einige Chorherren des Stiftes Reichersberg auf. Seit 1991 ist sie mit einem Chorherrn des Stiftes Vorau besetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dechantskirchen==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Dechantskirchen mit 2.208 Katholiken im Jahre 1993 ist eine der ältesten Pfarren der nordöstlichen Steiermark und die älteste des Dekanates Vorau. Schon im Jahr 1161 - zwei Jahre vor der Gründung des Stiftes Vorau - erhob Erzbischof Eberhard I. von Salzburg die von Archidiakon  Otakar im ungerodeten Wald errichtete Kapelle zur Pfarrkirche und wies ihr als Pfarrgebiet allen Grund zwischen den Flüssen Lafnitz und Tauchen sowie vom Wechsel bis zur ungarischen Grenze zu. Damit umfasste der Pfarrsprengel der Mutterpfarre Dechantskirchen anfänglich den Bereich der heutigen Pfarren Dechantskirchen, St. Lorenzen am Wechsel, Festenburg, Friedberg und Ping­gau. Wenn man bedenkt, wie ausgedehnt die Urpfarre Dechantskirchen war, dann ist es begreiflich, dass bei fortschreitender Rodung und Besiedlung bald Vikariatskirchen in den entfernter liegenden Dörfern errichtet werden mussten, um die Bevölkerung seel­sorglich betreuen zu können. Nach diesen Abtrennungen hat sich bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts der Umfang der heutigen Pfarre ergeben, der bis heute nur geringfügig verändert worden ist. Erst 1966 fiel ein größerer Teil an die neu errichtete Pfarre St. Josef in Rohrbach an der Lafnitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Festenburg==&lt;br /&gt;
Die kleine Pfarre Festenburg mit 518 Pfarrbewohnern (1993) hat ihren Namen vom einsam gelegenen Waldschloss Festenburg, das im Jahr 1616 vom Stift Vorau angekauft wurde und in dessen Schlosskirche seit 1786 pfarrlicher Gottesdienst gefeiert wird. Mit 1. Jänner 1786 wurde Festenburg zur Lokalkuratie erhoben. Das Seelsorgegebiet war von den Pfarren Mönichwald und St. Lorenzen am Wechsel abgetrennt worden. Seit 1892 ist Festenburg eine eigene Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Friedberg==&lt;br /&gt;
In der Stadt Friedberg, 1194 auf einem Ausläufer des Wechsel gegründet, wird bald danach auch eine Kirche erbaut worden sein, die zunächst Tochterkirche von Dechants­kirchen war, in dessen Pfarrgebiet Friedberg lag. Als Stadtkirche erhielt sie bald pfarr­liche Rechte, ja gewann so an Bedeutung, dass sie 1344 in den Quellen als Mutterkirche von Dechantskirchen und St. Lorenzen a. W. erscheint. Über das Recht der Besetzung der Pfarren Friedberg und St. Lorenzen waren die Erzbischöfe von Salzburg und die Pröpste von Vorau nicht einig, bis die Frage 1443 dadurch geregelt wurde, dass Erzbi­schof Friedrich IV. von Emmerberg beide Pfarren gänzlich dem Stift Vorau einverleib­te und den Pröpsten das Recht erteilte, die Pfarren mit Chorherren oder fremden Ordenspriestern oder mit Diözesangeistlichen zu besetzen. Friedberg hatte schon im 15. Jahr­hundert einen  Hilfspriester (=Kaplan), seit dem 17. Jahrhundert wirkten drei, zeitwei­se vier Seelsorger in der beschwerlichen, ausgedehnten Pfarre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1806 bis 1825 war Friedberg sogar ein eigenes Dekanat. Dem Dekanat von Friedberg waren die Pfarren Dechantskirchen, Festenburg, St. Lorenzen und Schäffern unterstellt. Durch die Neuerrichtung der Pfarre Pinggau 1968 verlor Friedberg mehr als die Hälfte seines Pfarr­gebietes. 1993 gehörten zur Pfarre Friedberg 2.500 Katholiken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pinggau==&lt;br /&gt;
Innerhalb der Pfarre Friedberg gab es seit der Pfarrregulierung unter Kaiser Joseph II. Bestrebungen, deren Ziel die Errichtung einer selbständigen Pfarre Pinggau war. Der Name dieses Ortes leitet sich von dem Pinkafluss ab. Erst 1968 führten die Anstrengun­gen der Pinggauer sowie der  umliegenden Ortschaften zum erwünschten Ziel: Mit 15. August wurde Pinggau zur Pfarre erhoben, deren seelsorgliche Betreuung das Stift Vorau  übernommen hat. Das Gebiet der neuen Pfarre war durch Teilung von der Pfar­re Friedberg abgetrennt worden. 1993 zählte die Pfarre Pinggau 2.704 Katholiken - mehr als Friedberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrkirche &amp;quot;Maria Hasel&amp;quot; ist ein viel besuchtes Heiligtum der Schmerzensmut­ter. Die Gnadenkirche wird 1377 zum ersten Mal urkundlich als Kirche ''unser lieben Frau­en in der Pinkha'' erwähnt und hatte schon damals drei Altäre. Der Wallfahrtsort nahm im 17. Jahrhundert unter Pfarrer [[Christoph Pratsch]], dem nachmaligen Propst, einen bedeu­tenden Aufschwung. Auch im 18. und 19. Jahrhundert suchten unzählige Marienver­ehrer aus dem Burgenland und aus Niederösterreich bei der Schmerzensmutter in Ping­gau Trost und Hilfe. Noch heute ist sie an jedem 13. des Monats das Ziel zahlreicher Gläubiger aus dem ganzen Dekanat Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==St. Lorenzen am Wechsel==&lt;br /&gt;
Das Pfarrgebiet von St. Lorenzen am Wechsel gehörte einst zur großen Mutterpfarre Dechantskirchen. Die Kirche ''in sancto Laurentio'' wird  urkundlich erstmals im Jahr 1266 genannt; man darf also im 13. Jahrhundert die Pfarrerrichtung ansetzen. Zusammen mit Friedberg wurde St. Lorenzen im Jahr 1443 endgültig dem Stift Vorau als selbständige Pfarre einverleibt. 1993 zählte die Pfarre 1.311 Katholiken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==St. Jakob im Walde==&lt;br /&gt;
Ursprünglich lag das Gebiet von St. Jakob im Sprengel der 1163 gegründeten Mut­terpfarre Mönichwald, war jedoch bald an Vorau abgetreten worden. Die Großpfarre St. Jakob erstreckte sich anfänglich über das Gebiet der heutigen Pfarren St. Jakob, Wenig­zell und Waldbach, welch letztere im Laufe der Zeit ausgeschieden und selbständig wur­den. Laut einer Urkunde von 1209 musste sich das Stift Vorau verpflichten, zu sorgen, dass ständig ein Seelsorger in St. Jakob wohne und dort wie auch in der Kapelle zu Wenig­zell den Gottesdienst besorge. Daraus ist ersichtlich, dass die Kapelle St. Jakob bereits einige Zeit bestanden hat und ihre Gründung wohl in die Zeit bald nach 1180 zurück­gehen muss. Die hochgelegene Gebirgspfarre mit 902 Pfarrangehörigen (1993) ist von der Landwirtschaft geprägt und ein beliebter Luftkurort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vorau==&lt;br /&gt;
Die im Jahr 1163 errichtete Pfarre Mönichwald bekam einen Pfarrsprengel zugeteilt, der sich weit über die heutige Pfarre Mönichwald hinaus über das Pfarrgebiet der heu­tigen Pfarren Waldbach, St. Jakob im Walde und Wenigzell erstreckte. Die Zuteilung dieses ganzen damals noch unbesiedelten Gebietes war jedoch nur von kurzer Dauer, weil im gleichen Jahr Markgraf Otakar das Stift Vorau gründete, das eben­falls Pfarrrechte in dieser Gegend anstrebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den plötzlichen Tod von Erzbischof Eberhard I. unterblieb die Beurkundung der Vorauer Pfarrgrenzen und wurde erst rund fünf Jahre später nachgeholt. Als Erzbischof Konrad II. von Salzburg am 27. Jänner 1168 in Admont die Stiftung Otakars bestätigte, wies er Vorau zugleich Pfarrgrenzen zu, durch die er den gesamten an Mönichwald zugeteilten Pfarrsprengel nun in die neu errichte­te Mutterpfarre Vorau einbezog und diese  Pfarre Vorau mit der 1161 errichteten Mut­terpfarre Dechantskirchen dem Stift Vorau inkorporierte. Diese Beurkundung wurde zur Grundlage aller  Ansprüche des Stiftes auf die späteren Kirchen in St. Jakob und Wenigzell im sogenannten Dreikapellenstreit. Die im Jahre 1202 zu Ehren des hl. Ägydius konsekrierte Marktkirche war bis 1783 die Pfarrkirche; seitdem ist der Pfarrgottesdienst in die Stiftskirche verlegt. Die Stiftspfarre Vorau zählte 1993 5.195 Pfarrmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Waldbach==&lt;br /&gt;
Waldbach, urkundlich 1250 erstmals genannt, war durch Jahrhunderte kein selb­ständiger Seelsorgeposten, sondern eine Filiale von St. Jakob im Walde. Ungefähr ab der Mitte des 17. Jahrhunderts ist ein ständiger Seelsorger in Waldbach feststellbar. Der bis­herigen Forschung zufolge wurde Waldbach im Jahr 1701 von St. Jakob abgetrennt und eine selbständige Pfarre. Es bedarf jedoch sicherlich noch einer eingehenden Untersu­chung, ob nicht eher das Jahr 1688 dafür in Frage kommt; mit diesem Jahr beginnen auch die Pfarrmatriken. 1993 zählte die Pfarre 921 Katholiken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wenigzell==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Wenigzell - die Margarethenkapelle wird erstmals 1209 urkundlich genannt - wurde anfänglich von St. Jakob aus als Filiale seelsorglich betreut. Zusammen mit St. Jakob gehörte Wenigzell seit 1168 zur Mutterpfarre Vorau. Dies wurde auch im &amp;quot;Dreikapellenstreit&amp;quot; zu Beginn des 13. Jahrhunderts bekräftigt. Wann Wenigzell eine eigene Pfarre wurde, lässt sich aus den wenigen vorliegenden Quellen nicht feststellen. An den Pfarrgrenzen wurde durch all die Jahrhunderte nichts verändert. Die Pfarre mit ihren 1.546 Katholiken wird in den Sommermonaten von vielen Gästen besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1925, S. 161f. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Stift Vorau und die Seelsorge. In: TIJC 10 (1963), S. 142-163. &lt;br /&gt;
* Soiuller: Dekanat. 1971. &lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Schutzheilige in und um Vorau. In: Festschrift Kroisleitner 1980, S. 65-73. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Dechantskirchen und Schlag. Dechantskirchen 1984, S. 75-114.&lt;br /&gt;
* Ders.: Reformation und Gegenreformation. 1987.&lt;br /&gt;
* Ders.: St. Jakob im Walde. Ein Gang durch die Geschich­te. St. Jakob 1987, S. 51-90.  &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau und die Kinderseelsorge. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 56-60.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: St. Lorenzen am Wechsel und Festenburg. St. Lorenzen a. W. 1991, S. 131-252.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: 800 Jahre Stadt Friedberg. Friedberg 1994, S. 163-274. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Wallfahrten und Prozes­sionen im Wechselgau. In: Vorauer Heimatblätter 16 (1994). &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Wenigzel - Einst und heute. Wenigzell 1996, S. 215-365.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
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		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-01-17T19:56:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32-34. &lt;br /&gt;
* Ders.: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15-17. &lt;br /&gt;
* Ders.: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5-12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18-19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118-131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre, 1963, S. 132-141. &lt;br /&gt;
* Ders.: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27-58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197-221, S. 469-479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. masch. geschr. Hausarbeit. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. masch. geschr. theol. Diss. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ders.: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 74-77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2-9.&lt;br /&gt;
* Ders.: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143-152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34-39, Heft 7 (1985), S. 3-8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati 1988, Heft 3/4, S. 21- 33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 6-16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 17-20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 66-71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542-1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237-243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati 38 (1991), Heft 1/2, S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. maschinengeschriebene theologische Diplomarbeit. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381-393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14-16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Erg.bd. XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderbd. 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steierm. Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. v. Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner 1980, S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark 1990, S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad ann. MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Vorau. 1928. &lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S.153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Sehenswürdigkei­ten. 1983. &lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. phil. Diss. 2 Bde. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. theol. Dipl.arb. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In:Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark 1992, S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau. In: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau. In: Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau. In: Der Kirchenschmuck (1900), 113ff. u. 32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau. Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Ders.: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau, In: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau. Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4). Seckau 1935. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau. Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regul. Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe. Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 - 11. Teil). Faksimile-Ausgabe. Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.: Steiermark. Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau. In: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber. Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile. In: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung. In: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau. In: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift. In: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava. Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer Volksbibel. Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273. Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau. In: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau. In: In Unum Congregati 35 (1988), Heft 3/4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek. maschinengeschriebene philosophische Dissertation. Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel. Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz. Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier? In: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt. Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia 1992 (182. Jahrg.), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau, in: FSCH. Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter, in: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945, in: Geschichts­forschung in Graz. Fsch. 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=9748</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-01-17T19:51:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Bau- und Kunstgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32-34. &lt;br /&gt;
* Ders.: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15-17. &lt;br /&gt;
* Ders.: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5-12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18-19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118-131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre, 1963, S. 132-141. &lt;br /&gt;
* Ders.: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27-58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197-221, S. 469-479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. masch. geschr. Hausarbeit. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. masch. geschr. theol. Diss. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ders.: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 74-77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2-9.&lt;br /&gt;
* Ders.: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143-152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34-39, Heft 7 (1985), S. 3-8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati 1988, Heft 3/4, S. 21- 33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 6-16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 17-20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 66-71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542-1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237-243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati 38 (1991), Heft 1/2, S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. maschinengeschriebene theologische Diplomarbeit. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381-393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14-16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Erg.bd. XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderbd. 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steierm. Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. v. Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner 1980, S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark 1990, S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad ann. MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Vorau. 1928. &lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer. Graz 1931. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1954. &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs. Vorau 1963. &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau. 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark. Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S.153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer. Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark. Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll. In: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Sehenswürdigkei­ten. 1983. &lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731. phil. Diss. 2 Bde. Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung. theol. Dipl.arb. Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88. In: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau. In: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes. In:Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717). In: Lust und Leid. Katalog Landesausstellung Steiermark 1992, S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau, in: Beiträge zur Kunde steierm. Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau, in:Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau, in: Der Kirchenschmuck (1900),113ff. u.32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau, Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Ders.: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau, in: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau, Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark, Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4), Seckau 1935. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau, Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regul. Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe, Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 -11. Teil). Faksimile-Ausgabe, Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.:Steiermark, Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau, in: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber, Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile, in: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau, in: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben, Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung, in: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau, in: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift, in: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava (Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8), Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer VolksbibeL Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273, Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau, in: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau, in: IUC 35 (1988), Heft 3/ 4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek, masch. geschr. phil. Diss., Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz: Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier?, in: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt, Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688, in: Carinthia 1992 (182. Jahrg.), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau, in: FSCH. Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter, in: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945, in: Geschichts­forschung in Graz. Fsch. 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=9747</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-01-17T19:48:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Soziale Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32-34. &lt;br /&gt;
* Ders.: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15-17. &lt;br /&gt;
* Ders.: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5-12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18-19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118-131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre, 1963, S. 132-141. &lt;br /&gt;
* Ders.: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27-58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197-221, S. 469-479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. masch. geschr. Hausarbeit. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. masch. geschr. theol. Diss. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ders.: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 74-77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2-9.&lt;br /&gt;
* Ders.: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143-152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34-39, Heft 7 (1985), S. 3-8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati 1988, Heft 3/4, S. 21- 33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 6-16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 17-20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 66-71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542-1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237-243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati 38 (1991), Heft 1/2, S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. maschinengeschriebene theologische Diplomarbeit. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381-393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14-16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Erg.bd. XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderbd. 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steierm. Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. v. Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner 1980, S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark 1990, S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad ann. MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900. In: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels. In: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart. In: Floreat canonia Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Vorau, 1928. &lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer, Graz 1931. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz (1954). &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs, Vorau (1963). &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau, 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau, 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark, Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau, in: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S.153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer, Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark, Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll, in: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Sehenswürdigkei­ten, 1983. &lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731, phil. Diss., 2 Bde., Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung, theol. Dipl.arb., Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88, in: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau, in: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes, in:Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung, in: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717), in: Lust und Leid. Kat. Landesausst. Steiermark 1992, S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau, in: Beiträge zur Kunde steierm. Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau, in:Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau, in: Der Kirchenschmuck (1900),113ff. u.32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau, Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Ders.: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau, in: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau, Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark, Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4), Seckau 1935. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau, Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regul. Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe, Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 -11. Teil). Faksimile-Ausgabe, Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.:Steiermark, Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau, in: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber, Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile, in: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau, in: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben, Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung, in: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau, in: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift, in: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava (Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8), Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer VolksbibeL Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273, Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau, in: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau, in: IUC 35 (1988), Heft 3/ 4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek, masch. geschr. phil. Diss., Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz: Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier?, in: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt, Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688, in: Carinthia 1992 (182. Jahrg.), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau, in: FSCH. Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter, in: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945, in: Geschichts­forschung in Graz. Fsch. 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=9746</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-01-17T19:46:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Wirtschaftsverhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32-34. &lt;br /&gt;
* Ders.: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15-17. &lt;br /&gt;
* Ders.: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5-12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18-19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118-131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre, 1963, S. 132-141. &lt;br /&gt;
* Ders.: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27-58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197-221, S. 469-479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. masch. geschr. Hausarbeit. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. masch. geschr. theol. Diss. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ders.: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 74-77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2-9.&lt;br /&gt;
* Ders.: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143-152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34-39, Heft 7 (1985), S. 3-8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati 1988, Heft 3/4, S. 21- 33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 6-16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 17-20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 66-71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542-1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237-243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati 38 (1991), Heft 1/2, S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. maschinengeschriebene theologische Diplomarbeit. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381-393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14-16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Erg.bd. XIII/ 4. Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel. In: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift. 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens. In: Festschrift Popelka. Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau und die Wechsellandschaft. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderbd. 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte. 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau. In: Mitteilungen des Steierm. Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau. In: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart. Hg. v. Franz Hafner. Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau. In: Festschrift Kroisleitner 1980, S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches. maschinengeschriebene Diplomarbeit. Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb. In: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau. In: Wein­kultur. Katalog der Landesausstellung Steiermark 1990, S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau. In: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad ann. MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900, in: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels, in: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren, in: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950, in: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart, in: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart, in: FLOREAT, 1988, S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Vorau, 1928. &lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer, Graz 1931. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz (1954). &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs, Vorau (1963). &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau, 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau, 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark, Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau, in: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S.153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer, Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark, Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll, in: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Sehenswürdigkei­ten, 1983. &lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731, phil. Diss., 2 Bde., Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung, theol. Dipl.arb., Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88, in: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau, in: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes, in:Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung, in: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717), in: Lust und Leid. Kat. Landesausst. Steiermark 1992, S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau, in: Beiträge zur Kunde steierm. Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau, in:Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau, in: Der Kirchenschmuck (1900),113ff. u.32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau, Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Ders.: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau, in: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau, Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark, Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4), Seckau 1935. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau, Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regul. Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe, Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 -11. Teil). Faksimile-Ausgabe, Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.:Steiermark, Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau, in: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber, Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile, in: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau, in: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben, Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung, in: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau, in: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift, in: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava (Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8), Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer VolksbibeL Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273, Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau, in: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau, in: IUC 35 (1988), Heft 3/ 4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek, masch. geschr. phil. Diss., Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz: Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier?, in: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt, Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688, in: Carinthia 1992 (182. Jahrg.), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau, in: FSCH. Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter, in: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945, in: Geschichts­forschung in Graz. Fsch. 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=9745</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-01-17T19:41:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32-34. &lt;br /&gt;
* Ders.: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15-17. &lt;br /&gt;
* Ders.: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5-12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18-19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118-131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre, 1963, S. 132-141. &lt;br /&gt;
* Ders.: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27-58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197-221, S. 469-479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. masch. geschr. Hausarbeit. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. masch. geschr. theol. Diss. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ders.: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 74-77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2-9.&lt;br /&gt;
* Ders.: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143-152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34-39, Heft 7 (1985), S. 3-8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati 1988, Heft 3/4, S. 21- 33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 6-16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 17-20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988, S. 66-71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert. In: Floreat canoni Voravii - 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163-1988, 1988. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542-1546. In: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg. Graz 1988, S. 237-243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kernstock. 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;. In: In Unum Congregati 38 (1991), Heft 1/2, S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark. In: Kirchengeschichte der Steiermark. Hg. von Karl Amon / Maximilian Liebmann. Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus. maschinengeschriebene theologische Diplomarbeit. Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter. In: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381-393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum. In: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14-16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark (MIÖG Erg.bd. XIII/ 4), Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel, in: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift, 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens, in: Festschrift Popelka, Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg, in: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau  und  die Wechsellandschaft, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderbd. 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte, 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau, in: Mitteilungen des Steierm. Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau, in: Hafner, Franz, Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart, Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau, in: FSCH. Kroisleitner, 1980, S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches, masch.geschr. Dipl.arb., Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb, in: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau, in: Wein­kultur. Kat. Landesausst. Steiermark 1990, S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau, in: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad ann. MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900, in: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels, in: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren, in: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950, in: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart, in: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart, in: FLOREAT, 1988, S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Vorau, 1928. &lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer, Graz 1931. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz (1954). &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs, Vorau (1963). &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau, 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau, 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark, Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau, in: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S.153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer, Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark, Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll, in: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Sehenswürdigkei­ten, 1983. &lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731, phil. Diss., 2 Bde., Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung, theol. Dipl.arb., Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88, in: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau, in: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes, in:Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung, in: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717), in: Lust und Leid. Kat. Landesausst. Steiermark 1992, S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau, in: Beiträge zur Kunde steierm. Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau, in:Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau, in: Der Kirchenschmuck (1900),113ff. u.32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau, Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Ders.: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau, in: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau, Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark, Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4), Seckau 1935. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau, Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regul. Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe, Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 -11. Teil). Faksimile-Ausgabe, Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.:Steiermark, Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau, in: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber, Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile, in: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau, in: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben, Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung, in: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau, in: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift, in: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava (Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8), Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer VolksbibeL Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273, Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau, in: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau, in: IUC 35 (1988), Heft 3/ 4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek, masch. geschr. phil. Diss., Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz: Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier?, in: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt, Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688, in: Carinthia 1992 (182. Jahrg.), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau, in: FSCH. Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter, in: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945, in: Geschichts­forschung in Graz. Fsch. 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Vorau&amp;diff=9744</id>
		<title>Stift Vorau</title>
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		<updated>2022-01-17T15:25:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Stephanie Zima: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1163&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Vorau. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg/Wien 1997, S. 385–468.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Thomas&lt;br /&gt;
|Adresse=47.4012, 15.88958&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Das '''Stift Vorau''' ist ein Augustiner-Chorherrenstift im Nordosten der Steiermark, das im Jahr 1163 gegründet wurde. Es befindet sich im gleichnamigen Dekanat in der Diözese Graz-Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historische Namensformen==&lt;br /&gt;
illis rivis qui vulgo Forauwa (1140); predium nostrum Vorowc dictum (1163); ab aqua videlicet que Vorowe dicitur (1163); Pernhardus prepositus Forowiensis (1196); prepositus de Vorawe (1220); in Vorowa (1243); Herbord us sartor de Vorov (1249); Gebwinus prepositus in Voraw (1252); conventus monasterii Voroensis (1267); Propst ze Vorav (1370); Varaw, Faraw, Foraw, Fara, Forau ... (15./16. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht kein Zweifel, dass sich die älteste Nennung von Vorau in der Urkunde von ca. 1140 auf den  Wasserlauf bezieht und dass Stift und Ort von dort her benannt wur­den. Wenn dt. &amp;quot;forh&amp;quot; (Föhrenbach) auszuschließen ist und man slaw. &amp;quot;bar&amp;quot; (Föhre) aus sprachlichen und siedlungsgeschichtlichen Erwägungen verwirft (Franz Eiselt), bleibt als dritte Möglichkeit die Zusammensetzung aus ahd. &amp;quot;for(a)&amp;quot; und ahd. &amp;quot;ouwa&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man diese deutsche Herkunft für Vorau an, bleibt nun die Frage offen, woher die Benennung des Baches als Vorau(bach) erfolgt sein könnte. Naheliegend und wahr­scheinlich ist: die heutige Koglerau nördlich von Rohrbach an der Lafnitz. Vor dieser Au, die bereits 1353 durch den Verkauf  des Ludwigshofes in der Au an das Stift Vorau belegt ist, fließt nämlich die Vorau in die Lafnitz, und zwar bei Beigütl. Bedenkt man noch, dass es sich bei der Koglerau um einen Teil des karolingischen &amp;quot;Wisitindorf&amp;quot; han­delt, wie Fritz Pasch nachwies, so gewinnt die Annahme der Benennung des Baches von dieser Stelle aus an Wahrscheinlichkeit. Die Bezeichnung &amp;quot;Au&amp;quot; ist also aus der Zeit der (Wieder-?) Besiedlung bis heute in Gebrauch geblieben. Damit scheint die deutsche Her­kunft des Namens Vorau, lokal und sprachlich betrachtet, recht einleuchtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgren­ze des damaligen Deutschen Reiches  und  mit ihm der Karantaner Mark, zu der Vorau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzog­tum 1180 gehört das Gebiet um Vorau zur Steiermark. Ab der Gründung unterstand das Stift mit seinen Pfarren der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründungslegende===&lt;br /&gt;
Wie viele alte Klöster hat auch Vorau seine Gründungslegende, der die bekannte Hubertussage zugrundeliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, während er in seinen Wäldern um Vorau jagte, gelangte der steiri­sche Markgraf Otakar plötzlich an eine Lichtung, in deren Mitte die erst unlängst zu Ehren des hl. Apostels Thomas geweihte Kapelle stand. Hier zeigte sich ihm im Dämmerschein der Nebelschwaden die Silhouette eines prächtigen Hirsches. Der Blick des Tieres schien ihn festzubannen, so dass er die gespannte Armbrust wieder langsam sinken ließ. Durch das geheimnisvoll einspinnende Nebeltreiben erkannte Otakar zwi­schen den weit ausladenden Geweihstangen ein leuchtendes Kreuz. Ein feiner Glocken­ton vom Dachreiter der Thomaskapelle durchbrach die Stille. Als der erstarrte Markgraf wieder auf die Waldlichtung blickte und erneut die Gestalt des Hirschen suchte, fanden seine Augen nur noch das Blätter­kleid und Beerengestrüpp des Waldes, durch das hindurch der Hirsch geflüchtet war.&lt;br /&gt;
Dieses Erlebnis war für Otakar ein Fingerzeig Gottes, sein Vorhaben, ein Kloster zu gründen, an dieser Stelle zu verwirklichen. Seinen Entschluss ließ er sofort urkundlich besiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als sechstes Kloster der Steiermark (nach Göss, Admont, St. Lambrecht, Rein und [[Stift Seckau|Seckau]]) wurde Vorau in jenem abgeschiedenen Landstrich zwischen Wechsel und Masen­berg gegründet, den nach dem Tod des Grafen Ekbert III. von Formbach-Pitten Markgraf Otakar III. von Steier erbte. Markgraf Otakar, der durch sein Erbe eine besondere Machterweiterung erhalten hatte, war nun bestrebt, die Erschließung dieser unwirtlichen und noch äußerst dünn besiedelten Landstriche vor­anzutreiben. Deshalb übergab er seinen Eigenbesitz um Vorau dem Erzbischof von Salzburg, damit hier ein Kloster der regulierten Chor­herren des hl. Augustin errichtet werde. Die im Jahr 1163 erfolgte Gründung fällt in die Zeit der Blüte der Augustiner-Chorherren in der weit ausgedehnten alten Salzburger Kir­chenprovinz. Um seinem Wunsch auch Rechtskraft zu verleihen, rief Markgraf Otakar wohl im Spätherbst des Jahres 1163 zu Fischau am Steinfeld (Niederösterreich), dem damaligen geistigen und weltlichen Vorort für diesen Landstrich, eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Herren zusammen, tat ihnen nochmals seinen Willen kund, legte ihn in einer Urkunde fest, ließ die anwesenden Zeugen namentlich beisetzen und besiegelte die Urkunde mit seinem Reitersiegel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründungsurkunde gibt die Grenzen des Stiftungsgutes an, woraus ersichtlich ist, dass es sich größtenteils um noch ungerodetes Waldland handelte. Weiters befreite in dieser Urkunde der Gründer das Stift von allen Abgaben. Trotz des Vorliegens der Gründungsurkunde ist die Gründungsgeschichte von Vorau in ein gewisses Dunkel gehüllt, fehlt doch das genaue Ausstellungsdatum. Es steht aber fest, dass die Urkunde nach der Geburt Markgraf Otakars IV., also nach dem 19. August, sicher jedoch einige Zeit vor der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald ausgestellt wurde. Im nahe­ gelegenen Mönichwald, einer Schenkung des Grafen Ekbert von Formbach an die Bene­diktiner der Abtei Formbach am Inn, die nördlich vom Wechsel-Semmering zu Glogg­nitz ein Priorat besaßen, weihte Erzbischof Eberhard am 17. Dezember 1163 in Anwe­senheit zahlreicher hochrangiger Zeugen ein zu Ehren des hl. Petrus erbautes Gottes­haus, erhob es zur Pfarrkirche und bestimmte die Grenzen der Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar danach muss Erzbischof Eberhard von Mönichwald weggezogen und unverzüglich auf den besten Verbindungswegen nach Friesach gereist sein, stellte er doch dort schon am 20. Dezember neue Urkunden aus. Die Gründungsurkunde des Stif­tes Vorau ist also wahrscheinlich im September oder Oktober 1163 ausgestellt worden, während der eigentliche Gründungsakt, auf den in der Urkunde Bezug genommen wird, in Vorau zeitlich vorher stattgefunden haben muss. Nichts weist darauf hin, dass die Akte von Fischau und Mönichwald hintereinander stattgefunden haben, die völlig anderen Zeugen in diesen beiden Urkunden sprechen sogar dagegen. Weil eine Kloster­gründung aber umfangreicher Vorarbeiten, Erhebungen und Genehmigungen bedurf­te, dürften die notwendigen Maßnahmen bereits einige Zeit zurückreichen, jedenfalls vor den Zeitpunkt der Geburt des Sohnes, die in der Überlieferung als Anlass der Stifts­gründung angesehen wird. Auch der Text der Urkunde spricht dafür, dass Markgraf Otakar III. schon vor der Zusammenkunft in Fischau Unterhandlungen mit Erzbischof Eberhard I. geführt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wir haben daher aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott im Hinblick auf unser und unserer geliebten Gattin Kunigunde Seelenheil sowie auf jenes unseres teuersten Sohnes Otakar und aller unserer Vorfahren unser Gut, Vorau genannt, kraft unserer Herr­schaftsgewalt an den Stuhl von Salzburg übergeben und mit Rat unseres Herrn Eberhard, des ehrwürdigen Erzbischofs, auf ebendem Gut nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Ordensmänner für alle Zeiten angesiedelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Anstoß zur Gründung des Chorherrenstiftes Vorau können letztendlich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden:&lt;br /&gt;
# Die bisherige Literatur sieht in Bischof Roman I. von Gurk, den Vertreter des Erz­bischofs von Salzburg, einen der Hauptakteure bei der Gründung des Stiftes. Roman, seit 1131 Bischof von Gurk, war seit 1138 bis zum Tod Erzbischof Konrads 1147 der eigentliche Regent der Metropolitankirche von Salzburg und auch der vertrauteste Rat­geber und die leitende Persönlichkeit der Erzdiözese unter dem neuen Erzbischof Eber­hard I. Er hat nicht nur 1149 das erste Kirchlein St. Thomas im Wald in Vorau geweiht, sein Name wird auch in der Gründungsurkunde, die Markgraf Otakar in Fischau aus­stellte, ausdrücklich hervorgehoben, denn er war damals der einzige anwesende Kir­chenfürst.&amp;lt;br /&amp;gt; Bischof Roman kannte schließlich die Gegend und hat den abgelegenen Gebirgskessel wohl für eine Stiftsgründung als besonders geeignet befunden. Auch dass hier ein Chorher­renstift gegründet wurde, dürfte in erster Linie auf Bischof Roman zurückgehen, denn neben den Zisterziensern waren die Chorherren damals der modernste Orden der Zeit, der sich gerade in einem mächtigen Aufschwung befand. Auch Erzbischof Konrad ließ sich von der Idee des Propstes [[Gerhoch von Reichersberg]], alle Priester zu Mönchen zu machen, begeistern und begann mit seinen in Salzburg residierenden Klerikern das gemeinsame Leben nach der Regel des großen Kirchenlehrers Augustinus mit einem Dompropst an der Spitze. Er führte die Augustinerregel auch bei der Geistlichkeit der Maria Saaler Kirche ein, und der erste Chorherrenpropst dieser Kirche, schon ab 1124 urkundlich nachweisbar, war Roman, der später als Bischof von Gurk ebenfalls von einem Chorherrenkapitel umgeben war.&amp;lt;br /&amp;gt; Roman weihte 1132 zusammen mit Erzbischof Konrad das Chorherrenstift [[Stift Chiemsee|Chiemsee]], 1133 im erzbischöflichen Auftrag das Chorherrenstift [[Stift Aue in Bayern|Aue in Bayern]], beide wohnten im Februar 1136 der Einweihung des Chorherrenstiftes [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bei, in Gegenwart Erzbischof Konrads konsekrierte Bischof Roman 1138 das Nonnenkloster in [[Stift Reichersberg|Reichers­berg]], im selben Jahr das regulierte Chorherrenstift [[Stift Beyharting|Beyharting]] in Bayern, und 1140 war er bei der Gründung des Chorherrenstiftes Seckau anwesend, die ebenfalls auf seinen Rat hin erfolgt ist. Die Gründung dieses Chorherrenstiftes erfolgte zuerst in St. Marein, musste aber drei Jahre später, weil der Ort an einer Durchzugsstraße lag und nicht die nötige Ruhe für ein religiöses Leben bot, nach Seckau verlegt werden. Roman, auf des­sen Rat hin 1161 auch Dechantskirchen zur Pfarre erhoben wurde, dürfte sich diesen Fehlschlag zu Herzen genommen haben und für die neue Chorherrenniederlassung das abgelegene Vorau ausgesucht haben.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben seiner Verbundenheit mit der Chorherrenidee darf aber nicht verges­sen werden, dass Roman auch persönliche Bindungen an diese Gegend gefesselt haben, denn die Erben der Gründerin von Gurk, der hl. Hemma, Graf Wolfrad von Treffen und seine Gattin Hemma, gehörten seit 1141 zu den größten Grundherren des Vorauer Gebie­tes. Möglicherweise hat Bischof Roman, dessen Aufgabe es eigentlich nicht war, kleine Kapel­len zu weihen, auch deshalb 1149 das Kirchlein St. Thomas eingeweiht.&lt;br /&gt;
# Ist Bischof Roman in erster Linie als der geistige Vater des Stiftes Vorau anzusehen, so bleibt der eigentliche Gründer Markgraf Otakar III. von Steier, der bedeu­tendste Fürst aus dem Geschlechte der Traungauer, der in seinem kurzen, aber taten­reichen Leben das Land Steiermark geschaffen hat. Begünstigt durch große Erbschaften, aber auch getrieben von unbändigem Herrscherwillen hat er die damals noch lose ver­bundenen Landschaften verschmolzen und die Landesherrschaft begründet. Auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Lebens vollführte er drei Klostergründungen, denn neben Vorau gründete er 1160 noch das Hospital am Semmering, womit er die Semmeringstraße öffnete, und kurz vor seinem Tod die Kartause Seitz bei Gonobitz.&lt;br /&gt;
# Den letzten Anstoß zur Gründung des Stiftes Vorau gab sicherlich die Geburt des langersehnten Erben, des nachmaligen Markgrafen Otakar IV. und späteren ersten Her­zogs der Steiermark (1180–1192), am 19. August 1163. Die Ehe Otakars III. mit Kuni­gunde, der Tochter Dietpolds III. von Cham-Vohburg, die schon vor 1146 geschlossen worden war, war also eineinhalb Jahrzehnte kinderlos geblieben.&lt;br /&gt;
# In der Gründungsurkunde wird die Geburt des Sohnes allerdings nicht erwähnt. Otakar gibt hier seiner Hoffnung Ausdruck, dass nach dem Zeugnis der Schrift durch reiche Gaben die Sünden vergeben werden, weiters Gottesfurcht und die Sorge um das Heil seiner Seele, das seiner Frau Kunigunde und seines geliebten Sohnes Otakar sowie aller Vorfahren. Man ist daher fast geneigt, in der Gründung von Vorau eine Art Sühnestiftung zu sehen, was angesichts der rauhen und durchgreifenden Natur des Mark­grafen naheliegend erscheint.&lt;br /&gt;
# Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt für die Stiftsgründung mag in den kolonisatorischen Absichten des Markgrafen gelegen sein. Das 12. Jahrhundert brachte mit der Auswei­tung der Kolonisation und dem Sieg der kirchlichen Reformbewegung eine Hochblüte der Klostergründungen. Erzbischof Konrad I. bediente sich bei seinem Erneuerungs­werk vor allem der Chorherren, die im Unterschied zu Mönchen auch in der Seelsorge tätig waren. Eine Stiftsgründung brachte auch Siedler, die die Erschließung die­ses unwirtlichen Landstriches der nördlichen Oststeiermark vorwärtstrieben, Siedler die für das ihnen zugewiesene Land Zinse und Abgaben zu entrichten hatten, die auf Umwegen wiederum dem Landesfürsten zugute kamen. Nur ein besiedeltes Land brachte Ein­nahmen.&lt;br /&gt;
# Vielleicht liegen der Stiftsgründung auch verteidigungsstrategische Aspekte zugrunde. Dem nach Osten offenen, dem Alpenwall vorgelagerten Land der östlichen Steiermark war aufrgrund seiner Beschaffenheit als Glacis der Alpen im Laufe der Geschichte ein regelrechter Tummelplatz jener Völker, die von Osten in den mittel­europäischen Raum vorstießen. Die gegen Einfälle der Magyaren errichtete Mark fand ihre Nahtstelle zum Osten schließlich in einer nordsüdlich verlaufenden Grenzlinie, die infolge Fehlens von natürlichen, geographischen Hindernissen umfangreicher Grenzsicherung bedurfte. So wurde ein von Nord nach Süd verlaufender Burgengürtel ange­legt, in dessen langer Kette vielleicht auch das Stift Vorau bei seiner Gründung als ein Glied miteingeplant war. Das im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Festung um­- und ausgebaute Stift bot seit seiner Gründung bis in die Zeit der Türken- und Kuruz­zenstürme im 18. Jahrhundert der ständig bedrängten Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte und willkommene Zufluchtsstätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufstieg und Reform im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung hat das Stift eine dreifache Aufgabe übernommen: Es sollte ein Zentrum der materiellen Kultur werden und das ihm übergebene Waldland roden, besiedeln und ertragfähig machen. Durch die Errichtung einer Klosterschule und einer Bibliothek trat es als ein Zentrum der Geisteskultur in Erscheinung. Die ersten Namen von Klosterschülern sind uns aus dem Jahr 1252 bekannt. Das Stift sollte auch ein Zentrum der Seelenkultur werden. Damit ist die geistliche Doppelaufgabe der Chorherren angedeutet: Gottesdienst durch Konventmessen und gemeinsames Chorgebet sowie Seelenheiligung durch Selbstvervollkommnung der Chorherren und durch Heiligung anderer in der Seelsorge. Die ruhige Entwicklung des noch jungen Stiftes wurde schon nach sieben Jahrzehnten jäh unterbrochen durch das unheilvolle Ereignis des 21 . November 1237, den großen Stiftsbrand, das unzweifelhaft schwerste Brandunglück in der Geschichte des Stiftes, bei dem [[Propst Bernhard II.]] ums Leben kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau des Klosters wurde durch die Wirren der Raubritterzeit erschwert. In der Nordoststeiermark wimmelte es von Grenzburgen und festen Türmen. Die darin hausenden Herren und Ritter fingen besonders nach dem Tod des letzten Babenbergers (1246) an, dem Stift und seinen Untertanen skrupellos die schwersten Schäden zuzufügen. [[Propst Gebwin]] (1243–1267) befestigte daher an der Kirchentür ein Pergamentblatt mit den Namen der Missetäter und mit Androhung kirchlicher Strafen. Als 1277 Rudolf von Habsburg das Stift in seinen besonderen Schutz genommen hatte, begannen ruhigere Zeiten. Im 14. Jahrhundert wütete mehrmals die Pest im Wechselgau, 1383 zerstörte ein Großbrand einen Teil des Stiftes, Missernten infolge großer Hitze und Trockenheit hatten Hungersnot und gänzliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1400 bereitete sich ein disziplinärer und wirtschaftlicher Niedergang vor. Dieser erreichte 1432 seinen Höhepunkt, als die Chorherren zur Selbsthilfe griffen und ihren wirtschaftlich unfähigen [[Propst Nikolaus Zink]] in einen Turm sperrten. Sofort griff der Bischof von Seckau ein, die Chorherren nahmen eine entsprechende Buße auf sich, der Propst musste abdanken, und der Erzbischof von Salzburg ernannte einen Chorherren von Berchtesgaden, [[Andreas von Pranpeck]], zum Propst von Vorau (1433–1453). Andreas erneuerte das Ordensleben mit Hilfe von Chorherren aus dem Reformstift [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]]. Diese waren in Ordenshäusern, die wegen ihrer musterhaften Disziplin in hohem Ansehen standen, ausgebildet worden. Es waren vorbildliche Ordensmänner, ebenso fromm wie wissenschaftlich gebildet, die durch Wort und Beispiel bessernd und formend auf ihre Umwelt einwirkten. Ihnen vertraute der Propst die wichtigsten Klosterämter an, aus ihnen nahm er den Dechanten. Auf solche Weise gelang es, eine vollständige innere Erneuerung des Stiftes herbeizuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders segensreich wirkten für die Reform die gelehrten Chorherren [[Johannes Jung von Dinkelsbühl]], seit 1455 erster Propst von Rottenmann, sein Freund [[Wilhelm von Wilhelmsburg]] und der verdienstvolle Bibliothekar und Dechant [[Wolfgang Voitländer]]. Die von St. Dorothea kommenden Chorherren hatten ihre Ausbildung auch an der Wiener Universität erhalten, die damals unter dem Einfluss der großen Theologen Heinrich von Langenstein, Nikolaus von Dinkelsbühl und Thomas Ebendorfer stand. Ihre Werke sind unter Propst Andreas in zahlreichen Abschriften nach Vorau gekommen. Er selbst war zwar kein Gelehrter, aber ein Freund der Gelehrsamkeit. Als Bücherliebhaber kaufte und sammelte er Handschriften und verstand es, in seinen Chorherren solche Schreiblust zu wecken, dass in Vorau gerade zu der Zeit, als das Buchschreiben durch das Buchdrucken verdrängt wurde, von einer blühenden Schreib- und Malerschule gesprochen werden kann. Unter Andreas von Pranpeck erhielten die Vorauer Pröpste 1452 vom Papst die Erlaubnis, bei feierlichen liturgischen Handlungen Infel (Mitra) und Stab (Pastorale) zu tragen. Propst Andreas gilt als zweiter Gründer des Stiftes. Sein Nachfolger [[Leonhard von Horn]] ehrte ihn, indem er 1453 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erwirkte, das ursprüngliche Stiftswappen (den Apostel Thomas vor dem Welterlöser in blauem Feld) mit dem Familienwappen der Pranpeck (dem geflügelten Greifenfuß in gelbem Feld) zu vereinigen. Unter Leonhard von Horn (1453–1493) gelangte das Stift zu hoher Blüte und zu großem Ansehen. Die stiftische Schreib- und Buchmalerschule leistete ihr Bestes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der starke Zug zur Verinnerlichung zeigte sich unter Propst Leonhard auch im Bestreben, neue Gebetsverbrüderungen einzugehen, zunächst mit anderen Klöstern oder Ordensprovinzen, aber auch mit Weltpriestern und Laien. Nachweislich erstreckt sich der Umfang auf 50 Konföderationen, die zwischen 1302 und 1521 mit der Vorauer Chorherrengemeinschaft eingegangen wurden. Die immer bedrohlicher werdenden Gefahren von Osten her nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 veranlassten Propst Leonhard 1458, sein Stift zu einer Klosterburg umzubauen. Um Kloster und Kirche wurde ein tiefer Wassergraben ausgehoben, innerhalb desselben eine hohe Wehrmauer aufgeführt und zur alten Prälatur eine Zugbrücke errichtet. Ein großer Vorhof mit einem einzigen Zugang unter dem Torturm sollte Zufluchtsstätte für Flüchtende sein. Ein großes Ereignis brachte das Jahr 1490. In Vorau konnte für die ganze Oststeiermark (zwischen Mur und Ungarn) der von Papst Innozenz VIII. ausgeschriebene Jubelablass gewonnen werden. 152.800 Pilgerinnen und Pilger kamen nach Vorau, also fast alle damaligen Oststeirerinnen und Oststeirer. Die allgemeine Begeisterung hatte große Bedeutung für das religiöse Leben und die sittliche Erneuerung des gläubigen Volkes im Viertel Vorau. Dieser Jubiläumsablass war einer der letzten Höhepunkte im ausklingenden Mittelalter. 15 Jahre später, 1504, folgte die Gründung des nahegelegenen Chorherrenstiftes in [[Stift Pöllau|Pöllau]], das von Vorau mit den ersten Chorherren beschickt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Am Ausgang des Mittelalters hatten die kirchlichen Verhältnisse etwas Überreifes und damit Reformbedürftiges und das allgemeine Bewusstsein erwartete einen Umbruch. Die gewaltige religiöse Bewegung, welche im 16. Jahrhundert die Bewohner aller deutschen Länder ergriff, hatte schon im 14. Jahrhundert in der Sekte der Waldenser auch in der Oststeiermark ihre Vorläufer. Diese war damals stark verbreitet, dürfte aber kaum bis in den Wirkungsbereich des Stiftes Vorau vorgedrungen sein. Der Beginn des Eindringens der lutherischen Lehre und ihres Gedankengutes lässt sich für Vorau nur schwer feststellen. Erst das Visitationsprotokoll von 1528 gewährt Einblick in die Lage der Kirche im Wechselbereich. Um sich nämlich über die kirchlichen und religiösen Zustände in seinen Ländern zu informieren, ordnete der König eine allgemeine Visitation an, die im Jahre 1528 in der Steiermark durchgeführt wurde. Vom 15. bis 17. Mai tagte sie in Vorau. Aufschluss geben die Aussagen der Vorauer Chorherren vor der Kommission am Freitag, dem 15. Mai. Das Vorauer Kapitel zählte 16 Chorherren und einen Kleriker und war damit im Vergleich zu den anderen Klöstern und Stiften der Steiermark keineswegs schlecht bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertroffen wurde Vorau lediglich von St. Lambrecht mit 23 und [[Stift Seckau|Seckau]] mit 21 Mitgliedern. Von diesen 16 Religiosen standen die meisten, vornehmlich die ältere Garde, offensichtlich noch treu zum katholischen Glauben. Von den Jüngeren waren aber schon einige von der neuen Lehre ergriffen. Die Verschiedenheit der Auffassungen von der richtigen Lehre führte im Stift zu Auseinandersetzungen, worunter die klösterliche Einigkeit arg litt, wie den Aussagen des Propstes, der sich als erster der Kommission stellte, deutlich zu entnehmen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Augenblick konnte er zwar gegen seine Mitbrüder nichts Nachteiliges vorbringen, obgleich sie vor einiger Zeit erst aufbegehrt, sich dann aber wieder in &amp;quot;geystliche Zuchte geben&amp;quot; hätten. Aber er fürchtete, dass dieser Aufruhr jetzt neuerlich ausbrechen könnte, und bat, ihm alle Beschwerden zur Kenntnis zu bringen, die sich auf seine Person bezögen, damit auch er dazu Stellung nehmen könne. Tatsächlich wurden auch Stimmen gegen den Propst laut. Durch Herrn [[Sebastian Schranckh]] erfuhr die Kommission, dass unlängst erst vier Kleriker wegen der &amp;quot;lutrischen Sachen&amp;quot; das Stift verlassen hätten. Der Prälat habe nichts unternommen, sie umzustimmen, sondern sich auf den Standpunkt gestellt, er wolle keinem über die Stiege nachgehen, der das Stift verlassen will. Als geizig und stur kritisierte ihn Herr Leopold, weil er mit den Kleidern sparsam umgehe und den Chorherren keine solchen geben wolle. Stur fand er den Prälaten deshalb, weil er sich bisher geweigert hätte, einem seiner Chorherren die Erlaubnis zu geben, in ein anderes Kloster überzuwechseln. Auf solche Gesuche habe der Propst stets nur geantwortet: Wer nicht bleiben will, kann jederzeit durch das stets offene Tor das Stift verlassen. Auch der Organist Herr Andreas führte &amp;quot;Beschwär&amp;quot; gegen den Prälaten, dass er wegen seiner &amp;quot;Schwachhait im Khopff&amp;quot; weder Beistand noch Hilfe erhalte, und Bruder Hans beklagte sich, zuviel arbeiten zu müssen. Wie diesen Beschwerden entnommen werden kann, bedeutete der Einbruch des Protestantismus nicht religiösen Aufschwung, sondern disziplinären Verfall. Propst Stephans entschiedenes Eintreten für die katholische Sache zog ihm die Gegnerschaft der geheimen Anhänger der Neuerung zu. Er erklärte, &amp;quot;er wyß nit, ob er seins Lebens sicher sey.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindeutig der alten Lehre hingen aufgrund des Verhörs noch elf Chorherren an, der neuen Lehre verdächtig waren zwei, die sich aber rechtfertigen konnten, gegen drei lagen schwere Beschuldigungen vor. Diese waren stark vom verheirateten lutherischen Kaplan in Thalberg beeinflusst, der ihnen lutherische Schriften ins Stift brachte. Vom Chorherrn Hans hieß es, dass er sich in der Predigt gegen Fegefeuer, Opfer und Messe geäußert habe, vom Chorherrn Lorenz, dass er gegen die Zeremonien der Kirche sei und vom Weihwasser, vom Fegefeuer und von den Heiligen nichts halte und die Messe mit der Wandlung anfangen lassen wolle. Am meisten von der neuen Lehre begeistert war der Pfarrvikar [[Kaspar von Dechantskirchen]], gegen den besonders der Stadtpfarrer [[Ambros Krampi von Friedberg]] und der Gesellpriester [[Leonhard Aschmüller von Grafendorf]] schwere Anklagen vorbrachten. Er habe dem Schlosskaplan von Thalberg das öffentliche Predigen erlaubt, obwohl dieser nur den Schlossleuten predigen dürfe. Auch nehme er keine Palmen- und Kerzenweihe vor, verwerfe die guten Werke und die Heiligenverehrung und mache sogar über die Jungfrau Maria anstößige Bemerkungen. Bei Versehgängen habe er das Sakrament wie ein Stück Brot mitgetragen und keine Glocke gehabt, da er der Meinung war, er sei keine Kuh, dass man ihm eine Glocke anhängen müsse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von der neuen Lehre angesteckten drei Chorherren sahen ihre Irrtümer ein und baten um Gnade. Die beiden Chorherren Kaspar und Hans widerriefen von der Kanzel der Stiftskirche vor einer Volksmenge feierlich ihre falschen Lehren, bereuten ihr Vergehen, bedauerten das gegebene Ärgernis und baten die Visitatoren um Barmherzigkeit und Absolution. Der Chorherr Lorenz, der die neue Lehre nicht öffentlich vertreten hatte, schwor seinen Irrtum im Zimmer des Propstes ab, worauf alle drei über besonderen Antrag der Visitationskommission vom Propst [[Johann Mistelherger von Pöllau]] absolviert wurden. Innerlich dürften jedoch einige Chorherren dem Luthertum treu geblieben sein und somit die Zersetzung des Konvents vorangetrieben haben. Auf den Tod des Propstes [[Stephan Feiner]] folgte - offenbar mangels eines Kandidaten aus den eigenen Reihen - der Pfarrer von Gratwein Dr. [[Augustin Geyer]]. Nach Ablegung der Ordensgelübde wurde er am 28. Februar 1534 durch Erzbischof Matthäus Lang zum neuen Propst von Vorau konfirmiert. Die Reduzierung des Kapitels schritt fort. Die alten Chorherren starben, die lutherisch Gesinnten verließen das Stift, und der Nachwuchs fehlte. Die Quellen geben auch Zeugnis, dass einzelne Herren, die vor der Visitationskommission mit Eifer die Namen der Freunde und Anhänger der neuen Lehre bekanntgaben und entschieden für den alten Glauben eintraten, mit der weiteren Entwicklung im Stift nicht einverstanden waren und wegzogen. Einer von diesen war Sebastian Schranckh, dem Propst Stephan ein Empfehlungsschreiben wegen seines Übertrittes in ein anderes Kloster erteilte, wie dessen eigenhändige Abschrift bezeugt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist die Tatsache erklärbar, dass das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 unter Propst Augustin nur noch zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Augustin erbat sich vom Apostolischen Nuntius in Deutschland Giovanni Marone die Erlaubnis, aus ihren Klöstern vertriebene Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er am 23. November 1542 starb, hinterließ er [[Johannes Lankes]] als einzigen Chorherren, der allerdings nicht fähig war, die Leitung zu übernehmen. Diese triste Personalsituation hatte nicht nur eine länger andauernde Vakanz, sondern auch einen regelrechten Kampf in der Nachfolgefrage um die Vorauer Propstei zur Folge. Als erster bemühte sich der Hartberger Stadtpfarrer Kaspar Plank um die vakante Propstei. Er legte bereits 1543 beim Wiener Landtag eine Fassion der Einkünfte des Stiftes vor, wozu er vom Kaiser ermächtigt war. In dieser Gültenschätzung bezeichnete sich Plank als ''erwellter brobst zu Voraw'', siegelte die Einlage aber überraschenderweise mit seiner eigenen ''petschafft unnd hanndschrift, anstat des gotshauß''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Aussage der Vorauer Chronik blieb ihm aber die Zustimmung von Salzburg versagt, denn Administrator [[Ernst von Bayern]] bestellte kraft des Devolutionsrechtes am 24. April 1544 bis auf Widerruf einen Administrator in der Person des Pöllauer Chorherrn [[Wolfgang Praithofer]]. Damit scheint König Ferdinand nicht einverstanden gewesen zu sein, der seinen Kandidaten, den Propst von Rottenmann Georg Ritzinger zum Propst von Vorau befördern wollte und ihn anscheinend anlässlich der im März 1545 in Vorau vorgenommenen Visitation durch die Kommissäre Kaspar Plank, Baron Kaspar von Herberstein, Christoph Resch, Vizedom der Steiermark, und Balthasar von Teuffenbach investieren ließ. Administrator Ernst von Bayern versagte ihm aber die Konfirmation, worauf Ritzinger sich schließlich zurückzog und in Vorau als Pfarrer wirkte. Außer der vermeintlichen Regelung der Nachfolgefrage wurde von der Kommission auch noch eine Bilanz über die wirtschaftliche Situation des Stiftes gezogen, die ähnlich der personellen die traurige Lage des Stiftes aufzeigt. Der Umsicht und dem Eifer des Administrators [[Wolfgang Praithofer]], der am 6. April 1551 von Ernst von Bayern als Propst konfirmiert wurde, gelang es allmählich, in die stiftische Wirtschaftsführung einigermaßen Ordnung zu bringen. Da aber die personelle Krise bei der Stagnation der Ordensberufe nicht ohne weiteres zu beheben war, dürfte Praithofer aus seinem Mutterstift [[Stift Pöllau|Pöllau]] einige Chorherren für etliche Jahre nach Vorau geholt haben, um mit ihnen die Zeit bis zum Eintritt neuer Ordensmitglieder zu überbrücken. Nachweisbar erscheint zum Beispiel der Pöllauer Dechant [[Johannes Mandl]] anlässlich der Verleihung des ''titulus mensae'' an [[Rupert Lackner]] im Jahr 1549 als Dechant von Vorau, eine nette Gegenleistung des Pöllauer Stiftes für die von Vorau übersiedelten Gründungskonventualen. Vermutlich gelang es aber auch Propst Praithofer nicht, seine Zielvorstellungen auch nur annähernd zu verwirklichen, weil er bereits fünf Jahre nach seiner Ernennung zum Propst auf sein Amt resignierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihm folgte im selben Jahr der erst 1548 in Wien zum Priester geweihte, in der Ernennungsurkunde Praithofers zum Propst von Vorau (datiert vom 6. April 1551) aber bereits als ''senior'' bezeichnete [[Oswald Reibenstain]]. Wie jung müssen erst die damals zwei oder drei weiteren Mitbrüder gewesen sein, die ihn einstimmig zum neuen Propst wählten. Die am 20. August 1593 von Bischof Brenner vorgenommene Visitation zeigt, dass sich Reibenstains Nachfolger Propst [[Zacharias Haiden]] erfolgreich bemüht hatte, den wirtschaftlichen Zustand des Stiftes zu heben. Als Ökonom fand er darum das Lob des Bischofs, doch wurde er hinsichtlich der Klosterzucht und der Erfüllung der geistlichen Verpflichtungen getadelt. Nun entzog der Erzbischof dem Vorauer Kapitel die freie Propstwahl und bestellte einen Chorherren aus [[Stift Berchtesgarden|Berchtesgade]], [[Johann Benedikt von Perfall]]. Mit ihm übernahm ein geistig und geistlich hochstehender Oberer die Leitung des Stiftes, der dessen vollständige moralische wie auch materielle Regeneration durchsetzen konnte. Er wurde auch endlich Herr der schon über ein halbes Jahrhundert andauernden stiftischen Personalkrise, indem sich während seiner Prälatur die Anzahl der Kapitelmitglieder verdoppelte, so dass er bei seinem Tod 1615 acht Chorherren zurückließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Benedikts Erneuerungswille zeigt sich nicht nur in der Wiederherstellung der vielfach schadhaften Klostergebäude, in der Erbauung des Glockenturmes (1597) und der Hebung der Zahl der Stiftsmitglieder, sondern auch in der Sorge für ein würdiges Gotteshaus und einen anziehenden Gottesdienst. Das Sakristeiinventar, das nach seinem Ableben vom Erzpriester Grassherger und dem Grazer Stadtpfarrer Georg Hammer am 10. Juli 1615 aufgenommen wurde, erwähnt sehr häufig den Ankauf von Pretiosen durch den verstorbenen Propst. Im Sinne des Tridentinums sorgte er auch für die Anlegung der Matrikenbücher, welche mit dem Jahr 1596 beginnen und zu den ältesten der Steiermark zählen. Die Gegenreformation setzte sich also verhältnismäßig rasch durch, wenn es auch naturgemäß noch einige Zeit dauerte, bis der gewünschte Erfolg überall erreicht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Glanzperiode des Stiftes===&lt;br /&gt;
Unter Perfalls Nachfolger, dem 1584 zu Havelberg in Brandenburg geborenen [[Dani­el Gundau]], fand die Reform trotz der Ungunst der Zeit - es wütete der Dreißigjährige Krieg - ihre  Fortsetzung. Propst Gundau war bemüht, eine geregelte Tagesordnung einzuführen, die wesentlich im Dienste der Liturgie stand und einen sehr guten Einblick in den damaligen klösterlichen Tagesablauf gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war die Zeit des Wiederaufblühens des katholischen Lebens in der Steiermark unter der starken Führung der von den Habsburgern berufenen Jesuiten. Das Stift gelangte zu mäßigem Wohlstand. Es kaufte den Edelmannsitz Klaffenau bei Hartberg (1607) sowie die Schlösser und  Herrschaften [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Festenburg|Festenburg]] (1616), [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Friedberg|Friedberg]] (1635) und Peggau (1654). Das etwa noch vorhandene protestantische Schlosspersonal wanderte ab. Der ganze Wechselgau war wieder katholisch. Um zeitgemäße Wohnungen und eine starke Grenzfestung gegen die Türken zu schaffen, wurde das Stift umgebaut: 1619 bis 1635 das sogenannte Vorgebäude und die Klausur, 1660 bis 1662 die Kirche, 1688 bis 1730 die Prälatur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Woher nahm das Stift das nötige Geld? Es führte eine musterhafte Wirtschaft. Viele Kandidaten aus begüterten Familien brachten eine namhafte Mitgift ins Stift. Auch betrieb das Stift eine segen- und gewinnbringende Geldwirtschaft. Es wurde zur siche­ren Sparkasse für die gefährdete Oststeiermark. Den Geldeinlegern zahlte es drei Pro­zent Zinsen und lieh das Kapital zu vier Prozent an den Staat weiter. Mit dem einen Pro­zent konnte man nach einigen Jahrzehnten eine Prälatur bauen. So konnte das Stift trotz der schweren Zeiten die Baukosten decken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Ableben des Propstes Daniel Gundau 1649 konnte der Seckauer Bischof [[Johann Markus von Altringen]] gute Erfolge nach Salzburg berichten. &amp;lt;ref&amp;gt; Nämlich, dass &amp;quot;das Closter Vorau, so wol in geistlichen als weltlichen Sachen wol disponirt seie, das daselbst der Dechandt, auch noch drey oder mehr Subiecta geeignet seien und gewählt werden könnten&amp;quot;. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ihm folgte der gebürtige Vorauer [[Matthias Singer]] (1949–1662).&lt;br /&gt;
Neben einer asketischen Lebensweise wurde nun auch die Bildung der ansässigen Chorherren forciert.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist wohl das höchste Lob, das die Stifts­chronik einem Ordensobern spenden kann, wenn sie von Propst Matthias schreibt: &amp;quot;Unter diesem Prälaten blühten empor Frömmigkeit und Wis­senschaft, besonders aber die Liebe.&amp;quot; Wie sehr dem Propst daran gelegen war, dass der Geist der Frömmigkeit im Stift herrsche, zeigt schon die Tatsache, dass er gleich nach seiner Wahl den heiligmäßi­gen [[Michael Toll]] zum Stifts­dechanten ernannte, dem die Überwachung der Disziplin anvertraut war.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Freund der Wissenschaften bereicherte Matthias die Bibliothek durch Ankauf zahlreicher theologischer und profaner Werke. Er ließ Urkunden des Stiftes in zwei Kopi­albüchern zusammenschreiben, die über 100 Urkunden von 1161 bis 1650 enthalten, deren Originale vielfach nicht mehr vorhanden sind. Der Propst verstand es, bei den jungen Chorherren solchen Studieneifer zu wecken, dass die meisten akademische Grade erwarben. 1651 errichtete er im Stift eine Apotheke, die in den folgenden Jahren weiter ausgestattet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter allen Stiftspröpsten hat sich Matthias Singer durch den Bau der Stiftskirche das schönste Denkmal gesetzt. Die alte gotisierte Basilika passte wegen ihres altertümlichen Aussehens schlecht zum neuen Stiftsgebäude; auch war sie wegen eingebauter Altäre und Kapellen eng und winkelig. Sie wurde deshalb 1660 abgebrochen. Die Einweihung erlebte Propst Matthias nicht mehr. Erst 46 Jahre alt, verstarb er am 3. Juli 1662 plötzlich. Unter seinem Nachfolger [[Michael II. Toll]] (1662–1681) stand die Ordensdisziplin im Mittelpunkt des geistigen Lebens, sowohl im Stift selbst als auch in den angehörigen Pfarreien. Tolls Nachfolger [[Christoph Pratsch]] (1681–1691) zeichnete sich als großer Marienverehrer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kunstsinnige Prälat [[Philipp Leisl]] (1691–1717) zählt zu den glanzvollsten Gestal­ten unter den Vorauer Stiftspröpsten. Er vergab die Aufträge für die Kirchenausstattung. Die größere Ver­herrlichung Gottes, die vollkommenere Heiligung seiner Mitbrüder, die wirksame För­derung des Seelenheiles der Gläubigen waren die leitenden Gesichtspunkte seines Stre­bens.&amp;lt;ref&amp;gt; Zeitgenossen ließen unter sein von Johann Cyriak Hackhofer gemaltes Porträt schreiben: &amp;quot;Virtutum et doctrinae omnium antecessorum suorum compendium,a pietate temp­lum vivum, a doctrina viva bibliotheca.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Regierungszeit dieses Prälaten blieb aber auch von Heimsuchungen nicht ver­schont. Zur Fortsetzung des Türkenkrieges wurde vom Prälatenstand ein hohes Darle­hen begehrt. Um die das Stift Vorau treffenden 7.975 Gulden zahlen zu können, musste Leisl Geld aufnehmen. Am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Stift schwer unter den ständig einbrechenden Kuruzzen zu leiden. Sorgenvolle Tage brachte den Vorauern das Pestjahr 1713. Vom 30. September bis zum 5. Dezember raffte die Seuche 38 Personen hinweg, unter ihnen der jugendliche Chorherr und Pestpriester [[Wilhelm  Graf Strassoldo]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung des Propstes [[Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) ist ähnlich der Leisls durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das umfassendste und kostspieligste Projekt war wohl der Bau des West- und Nordtraktes der Prälatur mit der Ausstattung der Stiftsbiblio­thek, mit denen die barocke Bauphase des Stiftes einen krönenden Abschluss fand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der drohenden Aufhebung unter Joseph II. bis zur tatsächlichen unter Hitler===&lt;br /&gt;
Wenn Vorau auch nie zu den reichen Stiften des Landes gehört hat, so erfreute es sich doch beim Ableben des Propstes Webersberg eines Wohlstandes, der früher und spä­ter kaum erreicht wurde. Was Webersberg am Ausbau des Stiftes nicht mehr vollenden konnte, wurde von seinem Nachfolger [[Lorenz II. Leitner]] (1737–1769) nachgeholt: die Fertigstellung der Prälaturräume und der Bibliothek und die Ausstattung des Musik-­ und Betchores der Stiftskirche. Unter Leitner stieg die Zahl der Stiftsmitglieder, die Novizen und Scholastiker (Philosophen und Theologen mit Pro­fess) mitgerechnet, auf 55. Obschon dieser Propst auch in wirtschaftlicher Hinsicht ganz auf der Höhe war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam einer Wirtschaftskrise entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leitner regierte das Stift in einer Zeit des geistigen Umbruchs. In den höheren Gesellschaftskreisen machten sich unter dem Einfluss einer  religionskritischen Philo­sophie kirchenfeindliche Strömungen immer stärker bemerkbar. Im Geistesleben setzte sich langsam eine Überbetonung des Wissens gegenüber dem Glauben durch, es war die Zeit des Rationalismus, der Aufklärung. Im geistlichen Leben droh­ten Veräußerlichung und Verflachung sich durchzusetzen, ein Überwuchern der Volks­frömmigkeit gegenüber dem liturgischen Leben. Propst Leitner hatte ein feinfühliges Gespür für die drohenden Gefahren.&amp;lt;ref&amp;gt; In einem Kapitel des Jahres 1760 ermahnte er seine Untergebenen eindring­lich zu einem gewissenhaften Ordensleben und beklagte am Schluss seiner Rede ''diese für den Ordensstand so traurigen Zeiten, in denen die Religiosen ebenso häufig wie offen als faule Bäuche und nutzlose Landeslasten ausgegeben werden und ihr Verschwinden herbeigesehnt wird.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte sich gegen das immer stärker werdende Drängen und Fordern einer neuen Zeit gestemmt. Er setzte 1767 die Länge der Jahresexerzitien von zehn auf drei Tage herab. Wie er schon früher die für die Chorherren ganz zentrale Stellung des Chordienstes ein wenig hatte zurücktreten las­sen, indem er den Betchor vom Hochaltar weg auf den Musikchor verlegt hatte,so zeig­te er sich in den letzten Jahren seines Lebens geneigt, Matutin und Laudes vor Sonn-­ und Feiertagen auf den Vorabend zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Vorau zu einem Ort der Wissenschaftspflege. Zeitlich am Beginn die­ser Reihe von Vorauer Autoren  wissenschaftlicher Druckwerke steht Dr. [[Eusebius Kendlmayr]] (gest. 1716).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm erschien 1691 das Exerzitienbuch ''Canonica reformatio homi­nis veteris'', dem er 1707 in Wien die Schrift ''Devotio in honorem passionis et mortis Jesu Christi'' und dann noch ''Epitome viri ecclesiastici, quid ei cavendum et agen­dum'' folgen ließ.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bedeutender Gelehrter war auch [[Johann Zunggo]] (gest. 1771). Sein Hauptwerk ist die erste Geschichte des Augustinerordens ''Historiae generalis  et specialis de ordine canonicorum regularium S. Augustini prodomus''(2 Bde.,Regensburg 1742–1745). Zwei weitere Schriften beschäftigten sich mit dem Stift Pöllau (Graz 1750). Anzuführen bleibt noch seine ''Vita venerabilis servi Dei Thomae a Kempis'' (Venedig 1762). Für das Stift Vorau ist er überdies wichtig geworden durch den Entwurf des Aufstellungsplanes für die neue Stiftsbibliothek, durch die Anlage der Bandkataloge und zweier Verzeichnis­se mit den Titelkopien der Handschriften und Wiegendrucke. Sein starkes antiquari­sches Interesse stand wohl auch Pate bei der Ausgestaltung seines Alterswerkes, eines dreibändigen Antiphonars, das er nach Art mittelalterlicher Prunkbände mit Buchma­lereien schmückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Schriftstellern begegnen uns Vertreter der beiden seit den Anfängen des Stif­tes ausgeprägten Hauptrichtungen des gelehrten Lebens zu Vorau: einerseits die der Seelsorge dienende Erarbeitung von Hilfs- und Erbauungsliteratur, andererseits die Beschäftigung mit der Geschichte.&lt;br /&gt;
Das Werk Zunggos wurde in gewisser Weise fortgeführt von Dr. [[Julius Pranz Guß­mann]] (gest. 1776), der als Gelehrter hohes Ansehen genoss. In sechs Jahren erarbeitete er den ersten wissenschaftlichen Vorauer Handschriftenkatalog. Aus seiner Feder erschie­nen mehrere Schriften zu Fragen der Philosophie, Theologie, des Ordensrechtes und der Ordensgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt in der Reihe der Vorauer Geschichtsforscher stellt zweifellos Dr. [[Aquilin Julius Caesar]] dar (gest. 1792), weil er aus dem Umkreis der Beschäftigung mit der Vergangenheit seines Ordens hinaustrat und die Geschichte der Steiermark zu seinem Arbeitsgebiet machte. Seine ''Annales ducatus Styriae'' (3 Bde., 1768–1777, Bd. 4 als Handschrift in der Österreichischen Nationalbibliothek) und seine ''Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthum Steyermarks'' (7 Bde., 1786–1788) stel­len in der steirischen Geschichtsforschung eine Epoche für sich dar, besonders was die strenge Orientierung an einem umfassenden Studium aller erreichbaren Quellen betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Franz Sales I. Freiherrn von Taufferer]] (1769–1810) erlebte das Stift einen bedauerlichen Niedergang. Die josephinische Zeitströmung wirkte sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend aus. Die staatlichen Maßnahmen gegen die ''tote Hand'', die Verpachtung der Stiftsgründe infolge der teilweisen Aufhe­bung der Robot und die großen Geldopfer zur Zeit der Franzosenkriege zerrütteten die Wirtschaft des Stiftes derart, dass es sich trotz umfangreicher Verkäufe nicht über Was­ser halten konnte. Propst Taufferer soll an Bargeld 30 Kreuzer hinterlassen haben. Dazu drohte dem Stift seit 1782 die Aufhebung. Das große Ansehen des Propstes als Gründer und Leiter der Hauptschule, die von Dechant [[Remigius Ebner von Ebenthal]] (1776–1801) eifrig gestützte Disziplin im Stift und geförderte Seelsorge auf den Pfarren sowie der große Einfluss des gelehrten Historikers Aquilin Julius Caesar dürften am wirksamsten beigetragen haben, dass die Aufhebung des Stiftes unterblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende Beschluss der Regierung ließ Vorau als einziges Chorherrenstift in Steiermark bestehen, während die Chorherren von Pöllau, [[Stift Stainz|Stainz]] und [[Stift Rottenmann|Rottenmann]] 1785 ihre Klöster verlas­sen mussten, mit einer ärmlichen Pension abgefertigt wurden und mitansehen mussten, wie Klostergut verkauft wurde und wie manches wert­volle Denkmal der Wissenschaft und Kunst zugrunde ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit hatte das Stift auf dem Sektor Schule viel zu bieten. Propst Taufferer gilt als der große Schulmann. Schon als junger Chorherr war er zum  Mitglied der Gymna­sialprüfungskommission in Graz ernannt worden, und im Jahr 1778 richtete er im Stift eine Hauptschule ein, der bald darauf auch noch die Führung eines Präparandenkurses zur Heranbildung von Volksschullehrern folgte. Taufferer verschaffte den Schülern unentgeltlich die nötigen Lehrbehelfe, stellte Prämien bereit und gab mehreren armen Schülern Kost und Unterkunft im Stift. Da das Stift die vier Hauptschullehrer selbst besoldete, wurde deren Bestellung und Bestätigung dem Stiftspropst überlassen. Schon 1788 anerkannte die Schulbehörde, dass die Hauptschule Vorau die besteingerichtete in ganz Innerösterreich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein  Nachfolger Propst [[Franz Sales II. Knauer]] (1811–1837) gründete 1812 im Stift ein Gymnasium, das bis 1817 weitergeführt wurde. Er hatte selbst trotz seines vorgerück­ten Alters lebhaftes Interesse für wissenschaftliches Streben. Um solches auch bei seinen Untergebenen zu wecken und um der Schule zu dienen, legte er eine Sammlung von Mineralien, Münzen, physikalischen Geräten und Altertümern an und hielt den Bestand in Katalogen fest, die er zum Teil selbst schrieb. Nach dem Tod des wirtschaftlich tüchtigen Propstes Knauer gelang es Propst [[Gott­lieb Kerschbaumer]] (1838–1862), die josephinische Geistesrichtung zu brechen; es kam zur Erneuerung des Ordenslebens. Der fromme Propst förderte auch unermüdlich eine zeitgemäße Seelsorgetätigkeit und führte so das Stift geistig und wirtschaftlich gefestigt in die Zeit des Liberalismus. Propst Kerschbaumer richtete eine feste Tagesordnung ein, stellte  die Klausur wieder her, drang auf tägliche Betrachtung, geistliche Lesung, Silen­tium und Pflege der Studien, führte die jährlichen Exerzitien wieder ein und traf Anord­nungen über den Verkehr der Chorherren mit der Außenwelt, damit die Ehre des Stif­tes und seiner  Mitglieder nicht Schaden leide. Zur Zeit der notwendigen Entspannung sollten sich seine Chorherren zu gemütlicher Unterhaltung zusammenfinden. Um die­ser ein standeswürdiges Niveau zu sichern, ließ er eine Kegelbahn und Schießstätte bauen und ein Billardzimmer zweckmäßig einrichten und regte darüberhinaus durch Förderung von Musik und Gesang auch höhere Interessen an. Im Chorgebet und in der Konventmesse sah er nicht bloß eine von der Kirche vorgeschriebene, sondern den Vor­auer Chorherren auch stiftungsgemäß obliegende Verbindlichkeit, die nach Möglichkeit erfüllt werden müsse. Propst Gottlieb Kerschbaumer war ein Reformator. Das Stift hat bis zur Jahrhundertwende, vielleicht sogar länger, von seinem Idealismus gezehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Dr. [[Eusebius Rößl]] resignierte bereits kurze Zeit nach seiner Wahl. Doch folgten ihm glücklicherweise zwei langlebige Prälaten, deren Wirken die Ent­wicklung des Stiftes bestimmend beeinflusste. Der eine war [[Isidor Allinger]] (1866–1903), der letzte starke Mann, der die Vorauer Infel trug, der Wahrer des stiftischen Ansehens zur Zeit des herrschenden Liberalismus und dessen wenig kirchenfreundlicher Gesin­nung. Der andere war [[Prosper Berger]] (1920–1953), der die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie überwinden musste, zu der in den österreichischen Stiften einsetzenden Erneuerungsbewegung positiv Stellung nahm, die gewaltsame Aufhebung des Stiftes zur Zeit des erzwungenen Anschlusses Österreichs an Deutschland durchleiden musste und nach der Zerstörung des Stiftes während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges bis zu seinem Lebensende materiell und geistig aufbauend tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Berger ließ 1920 das elektrische Licht einführen, baute eine stiftseigene Hoch­quellenwasserleitung und eine Dampfsäge in Bruck an der Lafnitz, um eine vorteilhaf­te Holzausbeute zu erzielen und war wie schon seine Vorgänger bemüht, das wissen­schaftliche Streben unter den Chorherren anzuregen und zu fördern. Er ließ von [[Pius Fank]] den Archivbestand ordnen und katalogisieren und von demselben eine volks­tümliche Stiftsgeschichte schreiben (1925, 2. erw. Aufl. 1959), subventionierte die Mono­graphie des Malers Johann Cyriak Hackhafer (1931) und ließ auf Stiftskosten 1936 den von Pius Fank in über zehnjähriger Arbeit verfassten Handschriftenkatalog drucken. Sei­nem energischen Eingreifen war es zu danken, dass es 1928/29 zum Neubau der Straßen Rohrbach-Vorau und Rohrbach-Waldbach-Wenigzell kam. Zudem machte er sich um das Wohl der Bevölkerung (Gründung und Ausgestaltung der Sparkasse des Mark­tes Vorau, Sorge für standesgemäße Wohnungen etc.)ebenso verdient wie auf dem Gebiet der Seelsorge und der Liturgiepflege. Wohl enthüllte im Herbst 1938 der Gauleiter Uiberreither persönlich das steinerne Denkmal für den Historiker Ottokar Kernstock im Markt, das ihm noch das vaterländische Österreich errichtet hatte, doch dem Stift, aus dem er hervorgewachsen war, war der Untergang geschworen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1940 wurde das Stift, das über fast 800 Jahre hin als kulturelles Zentrum des Wech­selgaues alle Stürme überstanden hatte, vom NS-Regime mit der fadenscheinigen Phra­se, es sei nicht mehr zeitgemäß, erstmals in seiner Geschichte aufgehoben, beschlagnahmt und enteignet. Das Stift hieß nun &amp;quot;Burg  Vorau&amp;quot; und wurde Parteischule (NAPOLA).&amp;lt;ref&amp;gt; Der damalige SS-Obersturmbannführer vermerkte am  19. April 1940 im Goldenen Gedenkbuch des Stiftes: ''Nun ist aber Schluss. Dafür bürgt der Treuhänder des Stiftes Vorau Hubert Erhart, SS-Obersturmbannführer.''&amp;lt;/ref&amp;gt; Schwer hatte Stift Vorau unter den Sendlingen der Gestapo zu leiden: Die Chorherren wurden gauverwiesen, zahlreiche Gemälde religiöser Thematik  verbrannt und der Bibliothek 6.000 Bände entwendet. Der von den damaligen Machthabern geplante Schlussstrich in der Stiftsgeschichte unterblieb, denn dank der Fügung Gottes war es nur ein &amp;quot;Interregnum&amp;quot; von relativ kurzer Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift seit 1945===&lt;br /&gt;
Als einziges steirisches Stift bekam Vorau die grausame Wucht des Zweiten Welt­krieges unmittelbar zu spüren. Abwechselnd von deutschen und  russischen Soldaten besetzt, erlitt es verheerende Schäden. Im April 1945 wurde das Stift durch russische Brandbomben in Brand gesteckt. Völlig ausgestorben, ein Bild des Grauens und der Ver­wüstung, so bot sich das Stift den im Sommer 1945 aus ihrer Verbannung zurückkeh­renden Chorherren. Doch mit viel Mut und Energie, vor allem aber mit Gottvertrauen, ging damals Propst Prosper Berger mit seinen Getreuen an den Wiederaufbau seines Heimes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgebäude südlich des Torturms, das Maierhaus, die Werkstatt, die Wäscherei und die gesamten Wirtschaftsgebäude mit den Stallungen waren niedergebrannt. Am Hauptgebäude waren drei Ecktürme ausgebrannt. Die übrigen Stiftsgebäude waren durch ca. 70 Granattreffer arg beschädigt. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Rechtsverhältnisse noch vollkommen ungeklärt waren. Der gesamte, im Jahr 1940 beschlagnahmte Stiftsbesitz ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges in das Eigentum des Landes Steiermark über. Am 1. Mai 1946 wurde Propst Prosper Berger als Treuhän­der eingesetzt und erst am 4. Juni 1947 erfolgte die Rückgabe des gesamten Stiftsbesit­zes an die Vorauer Chorherren. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde sofort nach dem Ende des Krieges mit den dringendsten Arbeiten begonnen. Der Finanzierung des Wiederaufbaues diente 1951 der Verkauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg samt Grund­besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Wiederaufbau des Stiftes konnte von Propst Bergers Nachfolger [[Gil­bert Prenner]] (1953–1970) durch die einsetzende Hochkonjunktur auf dem Holzsektor beschleunigt fortgesetzt und mit großen finanziellen Opfern vollendet werden. Für ihn und alle seine Mitbrüder hätte es wohl keinen schöneren und treffenderen Abschluss der ganzen Wiederherstellungsarbeiten geben können als die 800-Jahr-Feier des Stiftes im Jahr 1963. Alle Kriegsspuren waren beseitigt, das Stift stand wiederum in seiner alten Pracht und Schönheit da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Zeit wirtschaftlicher Besserstellung bemühte sich Propst [[Rupert Kroisleitner]] (seit 1970) mit künstlerischem Spürsinn um den baulichen Feinschliff des Stiftes. Zu den größten Arbeiten unter Kroisleitner zählen unter ande­rem der neue Marmorfußboden in der Sakristei (1971) und der  Umbau der Verwal­tungskanzleien. Im Jahre 1977 wurde, finanziert aus Eigenmitteln des Stiftes, ein klei­nes, aber modernes Bildungshaus eröffnet. 16 Zweibettzimmer, eine Hauskapelle, ein Clubraum und drei mit allen erforderlichen audiovisuellen Geräten ausgestattete Vor­tragssäle stehen zur Verfügung. 1977 bis 1995 fanden hier 1.970 Veranstaltungen mit ca. 71.000 Teilnehmern statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen großen Erfolg brach­te die 1981 aus Anlass des 250. Todestages des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer ver­anstaltete Ausstellung. Der Abschluss der jahrelangen Außenfassadenerneuerung am ganzen Stiftsgebäude gab erfreulich Anlass, das 825-Jahr­-Jubiläum des Stiftes im Jahr&lt;br /&gt;
1988 in dankbarer und feierli­cher Weise zu begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als nach 1122 die Kolonisation der Oststeiermark einsetzte, dürfte Graf Ekbert II. von Formbach etwa 1130/40 auf dem schönsten und ebensten Siedlungsboden des ganzen Vorauer Gebietes, der &amp;quot;Kring&amp;quot;, als erstes Siedlungszentrum einen Meierhof errichtet haben. Dieser Urmeierhof der Grafen von Formbach wurde wahrscheinlich aufgelassen, als Graf Ekbert III. von Formbach auf dem Vorauer Stiftshügel 1149 die erste Burg mit Mei­erhof erbaut hat, die zeitlich deshalb auf dieses Jahr festgelegt werden kann, da damals Bischof Roman von Gurk die Eigenkirche der Burg, die Thomaskapelle, eingeweiht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem  Tode Ekberts III. 1158 fiel sein gesamter Besitz an seinen Erben Markgraf Otakar III. von Steier, der der erste Fürst des von ihm geschaffenen Landes Steiermark wurde und 1163 das Chorherrenstift Vorau gründete. Für die ersten Chorherren des Stiftes stand gewiss die Schaffung der materiellen Basis im Vordergrund, wenn ihnen  auch die geistliche Betreuung der noch nicht allzu zahl­reichen Kolonisten anvertraut war. Eine gewisse Unterstützung boten die Bestimmun­gen der Gründungsurkunde, dass die Chorherren von jeder Abgabe einer Steuer, sogar unter dem Titel der  Vogtei, sowie auch von jedem Zoll befreit waren und für ihr Stift freien Handel hatten. Als erstes Stiftsgebäude diente offenbar die Burg des Grafen Ekbert, als erste Stiftskirche die Thomaskirche in der Nähe der­selben. Dass das Gebäude bewohnbar war, geht auch daraus hervor, dass das Stift im Jahre 1168 den Bischof Ulrich von Halberstadt beherbergen konnte, wozu Erzbischof Konrad für dessen Unterhalt und Unterstützung die Zehente der Pfarren Hartberg, Wal­tersdorf, Pöllau und Feistritz (= St. Johann bei Herberstein) zugewiesen hatte. 1170 wid­mete dann Erzbischof Adalbert von Salzburg diese Zehente aus Verehrung zum hl. Tho­mas zum Bau der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zehenteinnehmer Hirzelo und die anderen Zehenteinnehmer, die sich damals in der Pfarre befanden, wurden davon verständigt. Gleich­zeitig widmete der Erzbischof für den Kirchenbau über Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Propstes von Seckau eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten, wahrscheinlich zur Eisengewinnung. Bereits 1172 konnte die Gruftkapelle durch Erzbischof Adalbert eingeweiht werden. Die zweite Kirche in Vorau anstelle der alten Thomaskapelle war eine romanische Basilika, deren Bau noch einige Zeit gedau­ert haben dürfte. Diese Kirche wurde durch den Brand von 1237 zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirtschaftskraft des Stiftes Vorau beruhte anfänglich im wesentlichen auf der Eigenwirtschaft um das Stift und den Abgaben der Untertanen der einzelnen Ämter. Das Stift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Kultivierung jenes Landstriches, über den sich seine grundherrschaftlichen Befugnisse erstreckten. Unter Mitwirkung des Grundherrn wurden die Bauerngüter mit Grund und Boden von solcher Güte und Größe ausgestattet, dass eine Familie ernährt und der Fortbestand gesichert werden konnte. Die Untertanen waren vorwiegend Bauern, die Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und Vieh­wirtschaft betrieben und in einem Treueverhältnis verpflichtet waren, ihrem Grund­herren für das Nutzungsrecht und für Schutzfunktionen Abgaben und Dienste zu leisten. Die Abgaben richteten sich im allgemeinen nach Größe, Lage und Beschaffenheit von Hof und Grund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Abgaben hatten die untertänigen Bauern auch Arbeitslei­stungen am Hofe des Grundherrn (Frondienst) zu erbringen. Die Handdienste umfassten hauptsächlich die übliche Erntehilfe als Schnitter und Mäher bei der Getreide- und Heuernte, als Helfer bei der Feldarbeit und beim Bauen und Instandhalten der Wege. Bei den Spanndiensten unterschied man den Pflugdienst vom Fuhrdienst. Die Unterta­nen in der Nähe des Klosters wurden vielfach für den Transport von Wein, Getreide und Holz herangezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Otakar teilte dem neuen Stift aus dem Erbe der Grafen von Formbach zwei große Besitzkomplexe zu, einerseits das Gebiet zwischen Lafnitz und Voraubach bis zum Einödbach, worauf sich heute der Markt Vorau und die Gemeinde Riegersbach zur Gänze sowie der größte Teil der Gemeinde Vornholz  und ein kleiner Teil der Gemein­de Schachen befinden, andererseits den ganzen früheren Gerichtsbezirk Friedberg mit Ausnahme jener Güter, die bereits im Besitz anderer Grundherren waren. Es waren dies hauptsächlich Spital am Hartberg, das den Johannitern gehörte, und das Gebiet am Lim­bach, das schon seit der Karolingerzeit Besitz des Erzbischofs von Salzburg war, weiters zwei Huben in Dechantskirchen, die um 1155 an Admont gekommen waren.&lt;br /&gt;
Das riesige Ausstattungsgut, das damals erst wenig besiedelt war, konnte das neue Stift nicht zur Gänze behalten. Es ist anzunehmen, dass der Ausbruch neuer Grenzkämpfe mit Ungarn die Ursache dafür war, dass das Stift die grenznahen Gebiete des Friedber­ger Bezirkes, faktisch den ganzen Bezirksbereich, für Befestigungszwecke an den Lan­desfürsten abtreten musste, wofür es im Jahre 1184 von diesem die Dörfer Lafnitz und Mühldorf bei Feldbach erhielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum abgetretenen Grenzgebiet gehörte auch die heuti­ge Katastralgemeinde Reinberg, da hier am Zusammenfluss von Lafnitz und Vorau die Anlage einer Burg erforderlich war. Das Stift konnte von diesem Besitz nur einen weit von der Grenze entlegenen Wald, der sich oberhalb von Friedberg bis zum Wechsel erstreckte und von der Tauchen bis zum oberen Limbach reichte, zurückbehalten, den es im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts roden ließ und wo das Amt Schwaighof mit 88 Untertanen eingerichtet wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts umfasste die­ses Amt bereits 114 Untertanen, da zu den Stammhöfen zahlreiche Söldner oder Keusch­ ler dazugekommen waren. Das junge Stift Vorau besaß also am Ende des 12. Jahrhun­derts hauptsächlich den ersten Abschnitt des Stiftungsgutes von 1163 mit dem Gut Vorau als Wirtschaftszentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Erwerbung der Dörfer Lafnitz und Mühldorf verfügte nun das Stift auch über genügend Untertanen, die bzw. deren Nachkommen die Rodung in den noch unge­rodeten Waldgebieten vorantreiben konnten. Bereits um 1200 war für die gewerbliche Versorgung der angewachsenen Bevölkerung die Anlage  eines Marktes notwendig geworden, der vermutlich von Propst Bernhard am Fuße des Klosters gegründet wurde. Dass die damals errichtete Marktkirche (1202 konsekriert) das Ägydiuspatrozinium der Ägydiuskirche von Lafnitz (St. Ilgen) erhielt und Namen auch auf Zuwanderer aus der Feldbacher Gegend hinweisen, zeigt die Bedeutung dieser beiden Erwerbungen. Das Stift führte die Rodung und Siedlung im 13. Jahrhundert auf dem Gründungsgut wei­ter und erschloss in dieser Zeit alle noch unbesiedelten Waldgebiete. Nördlich von Vorau gründete vermutlich Propst Rüdiger (1238–1242) die offenbar nach ihm benannte Waldhufensiedlung Riegersbach (aus&amp;quot;Rudigersbach&amp;quot;), wohin er sich nach seiner Abset­zung zurückzog.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist naheliegend, dass Vorau seinen Stiftungsbesitz zu erhalten und auszubauen trachtete. Das Stift hat sehr früh auch auswärtigen Besitz erworben. Das frühe­ste Beispiel dafür ist der Erwerb des Gutshofes Guntarn in der Nähe von Graz (heute St. Leonhard), den ein Ministerale Herzog Otakars im Jahre 1185 an das Stift schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bemühte sich das Stift natürlich, in der näheren Umgebung Fuß zu fassen. Schon um 1200 besaß es Besitz in und bei Wenigzell, 1242 bereits  ein Haus in Wiener Neustadt. In der Zeit Herzog Friedrichs II. des Streitbaren, besonders nach dessen Tod 1246, wurde das Stift von den Adeligen der  Umgebung schwer geschädigt, doch ver­mochten einige schließlich ihr Unrecht durch Widmungen wieder gut zu machen. Dadurch kam das Stift zu Besitzungen in der Umgebung im Gebiete von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob]], [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #Waldbach|Wald­bach]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau # St. Lorenzen am Wechsel|St. Lorenzen]]. Als auswärtige Vorauer Besitzungen sind 1265 Windischpöllau (= Pöllau bei Gleisdorf), Oberstorcha bei Feldbach, Mühldorf bei Feldbach und Frutten bei St. Anna genannt. Nur selten ist die Erwerbung urkundlich belegt, daher ist auch meist unbekannt, ob diese durch Widmung, Stiftung, Tausch oder Kauf erfolgt ist. Auch im 14. und 15. Jahrhundert waren die Besitzerwerbungen von den umliegenden Adeli­gen, besonders von den Herren von Kranichberg, von Walsee und von Krumbach am wichtigsten, da sie dem Stiftsgut anlagen. Vieles war nur vorübergehend im Besitz des Stiftes. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Besitz in Kraubath in der Ober­steiermark, in Fresen, in Wintersdorf bei St. Ruprecht und in Völkermarkt in Kärnten erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Gesamtüberblick über die Stiftsherrschaft ist erstmals im Zinsregister von 1445 zu finden, wenn hier auch nicht alles, wie z.B. das große Amt Schwaighof, angeführt wurde. Damals gehörte zum Stift als erstes Amt der ganze Markt Vorau, dessen 86 Bür­ger ihren Geldzins zu Georgi und Michaeli dienten, außerdem Weisatdienste in Form von Käse und Eiern zu den &amp;quot;Hochzeiten&amp;quot; des Jahres, das ist zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das größte Amt war das des Simon Raster mit 97 Untertanen, das die späteren Ämter Schachen und Vomholz umfasste und dieselben Verpflichtungen wie das Amt Vorau zu erfüllen hatte. Viele Untertanen in diesem Amt leisteten auch Forstrechte in Form von Käse und Hühnern. Weiters hatten die Untertanen dieses Amtes am Aschermittwoch Fischpfennige, am Jakobitag Graspfennige und dreimal im Jahr Taidingspfennige zu geben. Zur Bauzeit hatte das Amt dreimal im Jahr zehn Pflüge und jährlich elf Wein­fuhrwagen zu stellen. Zur Mahdzeit waren 60 Mahder, zum Mistbreiten 27 Mistbreiter zu stellen, die auch Holz schlagen mussten. Zins- und Krautholz dienten 26, Zäune hat­ten 47 Untertanen dieses Amtes zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dritte Amt war das des Amtmannes Romelhofer, das spätere Amt Riegersbach, mit 60 Untertanen, die ebenfalls zu Georgi und Michaeli Gelddienste und zu allen &amp;quot;Hoch­zeiten&amp;quot; Weisatdienste in Form von Käse und Eiern leisteten. Auch die Untertanen die­ses Amtes &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;dienten Forstrechte in Form von Käse und Hühnern &amp;lt;/span&amp;gt;. Sie hatten sechs Wein­fuhrwagen zu stellen,dreimal l3 Pflüge im Jahr, 13 Wagen, die von der Wiese in Mönich­wald das Heu zu fahren hatten, 13 Wagen, die Sagbloche zu schlagen hatten, und 50 Mahder, wovon der Amtmann drei für sich verwenden konnte. Weiters hatte das Amt 51 Faschinghühner zu liefern, wovon der Amtmann drei behalten konnte, zu Jakobi 52 Graspfennige zu entrichten sowie 70 Pfennige und 3 Heller Fischpfennige am Ascher­mittwoch und 54 Taidingpfennige zu zahlen, die dem Richter gebührten. 32 Untertanen des Amtes hatten jeder ein Fuder Krautholz und ein Fuder Zinsholz zu dienen, 19 davon hatten auch Zäune zu machen, 16 dienten Wieslämmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte Amt war das des Amtmannes Hans auf dem Stein, das spätere Puchegg, mit 32 Untertanen und Geldzinsen zu Georgi und Michaeli. Elf Untertanen dieses Amtes, das erst allmählich vom Stift erworben wurde, dienten ihre Weisatkäse zu Jakobi. Mah­der hatte das Amt 25 zu stellen, wovon dem  Amtmann drei zustanden, Pflüge sieben dreimal im Jahr, Weinfuhrwagen drei, Heufuhrwagen drei, Mistbreiter ebenfalls drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als fünftes Amt wird genannt das Amt des Hans an der Wiese, später Amt Reibers­dorf (Pfarre Grafendorf) mit 21 Zinsenden zu Georgi und weniger zu Michaeli. Sieben Untertanen dienten Käse zu Pfingsten, ebenfalls sieben Haarpfennige (= Flachspfenni­ge) zu Michaeli, vier Weinfuhrpfennige, d.h. sie hatten die Weinfuhrpflicht in Geld abgelöst, sieben auch Holzpfennige. Vogthafer gaben 13 Untertanen zu Weihnachten, Vogthühner neun zur Kirchweih, Steuer 19 zu Weihnachten in Geld. Das Amt hatte zehn Mahder und 14 Heufänger zur Wiese des Peter in der Au zu stellen und zwei Wagen, die Weinstecken nach Hartberg zu fahren hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste Amt war das des Posch in Greith, später Amt Siebenbirken genannt. In diesem Amt zinsten 23 Untertanen zu Georgi, weitere sechs am St.-Gilgen-Tag von Wie­sen. Die Steuer zahlte man zu Martini (21 Holden), Ostereier gaben 19 Untertanen, Pfingstkäse und Weihnachtskäse 21. Zur Weinlese hatten 13 Untertanen je ein Leshuhn nach Hartberg zu liefern, im Fasching hatten zwölf Untertanen je ein Faschinghuhn zu dienen. 21 Untertanen zahlten Weinfuhrpfennige, ebenfalls 21 Untertanen das March­futter, das zur Weinlese fällig war. Zum Lesen hatten die Siebenbirkener von der Wiese in Siebenbirken ein Fuder Heu nach Hartberg zu fahren, weiters waren drei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu bringen. Am Margaretentag waren die Tagwerkpfennige fäl­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als siebentes Amt ist genannt das des Amtmannes zu Lebing, das in die Kammer gehörte (1497 zum Amt an der Zeil). Es zinsten hier 13 Untertanen zu Georgi Geldzin­se, elf zu Michaeli, elf gaben die Weisatzinse in Geld zu Ostern, Pfingsten und Weih­nachten, zehn Wiesenpfennige, zehn im Fasching je ein Faschinghuhn. Das Amt hatte zwei Mahder und sechs Heufänger zu stellen und zwei Wagen zum Weinsteckenfahren nach Hartberg. Das Amt des Nikel zu St. Lorenzen hatte 14 Untertanen, die zu Georgi Geldzinse lei­steten, drei davon auch zu Michaeli. Die Käsedienste zu Pfingsten waren in Geld abgelöst. Das Amt hatte zwölf Mahder auf die Au nach Mönichwald zu stellen. Es gab damals noch ein zweites Amt St. Lorenzen, das jene Güter umfasste, die im Jahre 1429 vom Kaplan von Maria Lebing eingetauscht worden waren. Es waren dies sieben Untertanen, die hauptsächlich zu Georgi Geldzinse gaben. Ein achter zinste zu Georgi in die Kammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großes Amt war das Amt Lafnitz mit 32 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli den gleichen Zins in Geld entrichteten. Ostereier hatten 30, Weisatkäse zu Pfingsten oder Geld dafür 29 zu geben, Weinfuhrpfennige zu Michaeli ebenfalls 29. 58 Hühner waren je zur Hälfte zu Weihnachten und im Fasching fällig. Weiters hatten zwei Wagen Wein­stecken nach Hartberg zu fahren und waren zwölf Mahder und 17 Heufänger zum Peter in der Au zu stellen. Zehn Untertanen gehörten in das Amt, das ehemals zur Oblai gehört hatte, das nur Geld diente (später zum Amt Schachen), zwei Untertanen gab es in der Stadt Hartberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt Geiseldorf des Heinrich Schneider hatte damals neun Untertanen mit Geld­zins. In Kraubath in der Obersteiermark waren fünf mit reinem Geldzins. Das Amt Mai­erhafen in der Pfarre Pöllau, das Streugüter in der Pöllauer Gegend umfasste, hatte zwölf Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse leisteten, aber auch Hühner und Eier zu liefern hatten. Das Amt St. Jakob (später Waldbach) umfasste (1448) 16 Untertanen, die zu Georgi und Michaeli Geldzinse dienten, aber auch Faschinghühner. Im Amt des Hans zu Wenigzell gab es in diesem Jahr 18 Untertanen.Sie zinsten zu Georgi und Micha­eli in Geld, einzelne Hühner, Käse und Weinfuhrpfennige. Propst Leonhard von Horn (1453-1493) legte sich einen wohldurchdachten Haus­haltsplan zurecht. Er konnte mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund rechnen. Davon mussten aufgewendet werden für Besoldungen 130 Pfund, für die Küche 200 Pfund, für die Bewirtschaftung der Äcker und Weingärten 120 Pfund, der Rest von 150 Pfund konnte für sonstige Bedürfnisse verwendet werden. Das Vertrauen, das man zum Stift und zu seinem Propst hatte, zeigte sich auch darin, dass man ihm bedeutende Vermögens­werte zur Bedeckung kirchlicher Stiftungen anvertraute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Gesamtaufstellung stellt das Zinsregister des Stiftes aus dem Jahre 1497 dar. Hier sind auch alle schon 1445 genannten Ämter mit ihren Abgaben angeführt. Als Nr. 5 folgt das Amt des Andrä in Rechberg später Rechberg genannt(= das 1465 erwor­bene Amt in der Grub). Dann folgen die Ämter Wenigzell, St. Jakob mit Waldbach, St. Lorenzen, das große Amt Schwaighof, das Amt an der Zeil mit Lirnbach und Lebing, das Amt Lafnitz, das Amt Reibersdorf mit Erdwegen, das Amt Siebenbirken, das Amt Geiseldorf, das Amt Maierhofen bei Pöllau, das Amt Fresen, das Amt Hartl bei Für­stenfeld (1483 gestiftet), Frutten, Mühldorf, Storcha, Windischpöllau, Winterdorf, das Amt Sernriach und schließlich Hainfeld in Niederösterreich und Kraubath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte des Stiftes waren zwar bedeutend, aber es lasteten darauf auch zahl­reiche Verpflichtungen, wie vor allem die Erhaltung des Stiftes und  der inkorporierten Pfarren. Nach einer Aufstellung des Propstes Virgil aus dem Jahre 1506 waren im Win­ter im Stift täglich 92 Personen zu speisen, ohne Zimmerleute, Maurer und Roboter, im Sommer noch viel mehr. Damals gab es im Stift 28 Professbrüder. Die Küche brauchte wöchentlich einen Ochsen, im Sommer mehr, alle drei Wochen zwei halbe Fass Wein, da jedes Hausgesind ein Viertel Wein am Tag erhielt. Das für die Fasttage nötige Öl musste gekauft werden ebenso wie das Schmalz, da das Stift damals noch keine Schwaig hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift setzte seine Erwerbungen weiterhin fort. 1516 hatte das Stift eine Gült von 563 Pfund 3 Schilling und 8 Pfennig erreicht. Im Leibsteuerverzeichnis von 1527 sind die gesamten Vorauer Untertanen noch ein­mal mit ihren Angehörigen und ihrem Gesinde aufgezeichnet: 71 im Markt Vorau, 51 im Amt Schachen, 43 im Amt vor dem  Holz (Vornholz), 55 im Amt beim Markt Vorau (= Riegersbach), 44 im Amt Puchegg, 106 im Amt Schwaighof, 41 im Amt Prätis bei Pöl­lau, elf im Amt Maierhofen bei Pöllau, 26 im Amt Wenigzell, 21 im Amt bei St. Jakob im Wald, 23 im Amt bei St. Lorenzen, sieben im  Amt an  der Zeil, 16 zu Lebing, 15 zu Kroisbach, 24 zu Reibersdorf, 33 zu Lafnitz, 29 im Amt Siebenbirken, fünf in Geiseldorf,&lt;br /&gt;
116 in Hartl bei Fürstenfeld, acht in Sernriach, acht in Fresen, 17 in Windischpöllau, 14 in Mühldorf, 13 in Storcha, 23 in Frutten, acht in Winterdorf. Weiters sind 37 Hofleute des Stiftes Vorau genannt, darunter ein Schulmeister, ein Kämmerer, ein Schaffer, ein Kürschner, ein Müller, ein Steinmetz, ein Pfister(= Bäcker), ein Pfisterknecht, vier Bau­knechte, ein Oxner, ein Badheizer, ein Torwart, ein Mesner, zwei Marstallerknechte, ein Schmied, ein Schmiedbub, ein Kellerknecht, ein Schneider, ein Sigknecht, ein Koch, ein Gesindekoch, ein Küchenknecht, ein Fleischhacker, ein Zimmermann, ein Wachter, ein Weingartenknecht, ein Bader sowie die Meierin und vier Dirnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, for­derte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die &amp;quot;Quart&amp;quot;, da, wie diese Maßregel im Landtag vom 17. Juni 1529 von den Vertretern der Geistlichkeit begründet wurde, die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christ­lichen Glaubens gegründet worden seien. Das Stift Vorau musste damals dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, das große Amt Schwaighof bei Fried­berg samt dem Wald bei Friedberg und dem  Getreidezehent um Thalberg (= 71 Pfund 1 1/2 Pfennig) verkaufen, dem Maximilian Steinpeiß auf Eichberg das Amt Lafnitz  mit Lebing (=22 Pfund 4 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Stiftshofmeister Erasmus Drachsler 27 Pfund 4 Schilling 19 Pfennig, dem Bernhard von Teuffenbach auf Obermaierhofen das Amt Geiseldorf ( = 3 Pf und 2 Schilling 15 1/2 Pfennig), dem Georg Winkler, Herrn auf Hainfeld bei Feldbach, die Ämter Mühldorf und Storcha bei Feldbach (= 16 Pfund 2 Schilling 26 Pfennig), später noch an Hans Haymer das Amt Frutten. Alles musste weit unter  dem wirklichen Wert abgestoßen werden. Auch zahlreiche Stücke aus der stifti­schen Schatzkammer mussten veräußert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift besaß nachher nur mehr 401 Pfund 4 Schilling 18 1/2 Pfennig. Es war aber im Gefolge der Quart zu weiteren Abverkäufen gezwungen und besaß 1542 schließlich noch 363 Pfund 12 1/2 Pfennig. Von diesen Besitzungen konnte das Stift nur wenig zurückerwerben. Nach dem Urbar von 1557 besaß das Stift die Ämter Markt Vorau, vor dem Holz (Vornholz), vor dem Schachen (Schachen), Riegersbach, Puchegg, Wenigzell, Maierhofen, Siebenbirken, Erdwegen und Reibersdorf, Windischpöllau, Hainfeld in Nie­derösterreich, St. Jakob und Waldbach, St. Lorenzen und schließlich Frutten, weiters zwei Häuser in Hartberg und zahlreiche Bergrechte bei Storcha, Windischpöllau und in der Pfarre Hartberg. Das Stift konnte sich im 16. Jahrhundert lange nicht erholen, zumal es durch die Reformation auch in seiner geistlichen Existenz gefährdet war, da es fast keinen Nachwuchs hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 17. Jahrhundert, das Zeitalter der Gegenreformation und katholischen Restaura­tion, brachte dem Stift neuen Aufschwung, religiös wie auch wirtschaftlich. Unter Propst Perfall begannen wieder die Erwerbungen. 1604 kaufte Perfall von Hans Ruprecht von Saurau auf Festenburg eine Alm auf dem  Wechsel, 1610 von demselben das Amt Pöll und acht Bürger zu Anger, nachdem er 1607 bereits den Edelmannssitz Klaffenau bei Hartberg angekauft hatte. Im Jahre 1605 erlitt die Stiftsherrschaft schwere Schäden durch die Haiducken, wobei 33 Untertanen abgebrannt und viele ausgeraubt wurden. 18 Per­sonen wurden weggeführt, weiters 46 Pferde und 140 Stück Hauptvieh. Perfalls Nach­folger Daniel Gundau kaufte 1616 von Andreas Siegmund Freiherrn von Saurau das Schloss und die Herrschaft Festenburg mit den Ämtern Festenburg, Schafferhof und Gallbrunn, 1620 von der Penkin den adeligen Sitz und Hof Vatersdorf (heute Lie­benau, 1648 wieder abgestoßen). Die bedeutendste Erwerbung war der Kauf von Schloss und Herrschaft Friedberg von den Saurauschen Erben im Jahre 1635 mit den Ämtern Wenigzell, Vorau und St. Lorenzen. 1637 wurde ein Haus in Graz erworben (Vorauer Hof). Beim Tode des Propstes Daniel Gundau, des &amp;quot;zweiten Gründers&amp;quot;, im Jahre 1649 stand das Stift wirtschaftlich wieder in höchster Blüte. 1638 betrug die Gült bereits 637 Pfund 5 Schilling 17 1/2 Pfennig, also mehr denn je. Dieser Gültenstand wurde später nicht mehr erreicht, da wieder Besitz abgestoßen wurde, doch kaufte Propst Matthias Singer 1654 die große Herrschaft Peggau, die allein eine Gült von 261 Pfund 6 Schilling 1/2 Pfennig umfasste, aber gesondert im Gültbuch eingetragen war, weiters von Paul Hartmann von Eibiswald die Ämter Semriach und Breitenau, womit der absolute Höhe­punkt der Grundherrschaftliehen Ausdehnung des Stiftes erreicht war.Später gab es nur mehr geringfügige Änderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem 17.Jahrhundert betrieb das Stift auch die Intensivierung des Weinbaues. Die nördliche Lage des Stiftes Vorau im unmittelbaren Einflussbereich der kalten Wechselwinde ließ im näheren Umkreis des Stiftes keinen Weinbau entstehen. Das nächstgele­gene Weinbaugebiet war um Hartberg, wo bereits für das Jahr 1147 Weinbau urkund­lich belegbar ist, widmete doch damals Markgraf Otakar dem Kloster Rein neben ande­ren Gütern  einen Weingarten bei Hartberg, der im Jahr 1326 an das Stift Vorau fiel. Die früheste Zusammenstellung des stiftischen Weingartenbesitzes stammt  erst aus dem Beginn der Neuzeit: Das im Auftrag Ferdinands I. erstellte Stiftsinventar von 1542 nennt 13 Weingärten in der Pfarre Hartberg, zwei Weingärten in der Pfarre Pöllau und vier, die im damaligen ungarischen Gebiet lagen, insgesamt also 19 Weingärten in noch rela­tiver Stiftsnähe. Um den regional eng zusammenliegenden Weingartenbesitz auch öko­nomisch rationell bearbeiten zu können, erwarb Propst Andreas von Pranpeck im Jahr&lt;br /&gt;
1446 einen Hof in Hartberg, von dem aus die Betreuung der Weingärten erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war man bestrebt, in den Besitz der von Ertrag und Qualität weitaus besseren Weingärten um Radkersburg und Luttenberg zu kommen und kaufte dort nach Möglichkeit an. Zu diesen kamen noch der 1709 ange­kaufte große Weingarten in Straßgang bei Graz, einer in Gedersberg und einer am Leib­rutzer Kogel. Einen guten Ein- und Überblick über den stiftischen Weingartenbesitz bringt das nach dem Tod des Propstes Lorenz Josef Leitner am 13. Juni 1769 aufgestell­te Inventar, das neben der namentlichen Nennung der einzelnen Weingärten auch ihren damaligen Schätzwert angibt. Der Gesamtschätzwert aller Weingärten belief sich auf 13.025 Gulden.&amp;lt;ref&amp;gt;Danach vermerkten die Schätzkommissäre: &amp;quot;Bei den Weingärten läßt sich deshalb kein Ertrag bestimmen, weil deren Ertrag jährlich viel zu ungleich ist und die Weingär­ten in den letzten Jahren eher einen Schaden als einen Nutzen gebracht haben, weshalb sie nur nach der Schätzung der Herrschaft, zu der sie dienstbar sind,angeschlagen wurden.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst die ab dem Jahr 1728 erhaltenen jährlich abgefassten und in Buchform gebunde­nen Rechnungsbücher des im Vorauer Hof in Graz amtierenden Hofmeisters, der auch die stiftischen Weingärten verwaltete, bringen einen näheren Einblick in die Erträge. Den Kellerrechnungen des Vorauer Hofes zufolge erreichte der Verkauf an versemede­nen Weinen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seinen höchsten Stand (1730 muss ein Rekordjahr gewesen sein), ging ab 1740 enorm zurück und spielte später nur noch eine unbedeutende Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Stift angesichts der drohenden Aufhebung einem wirtschaftlichen Zusam­menbruch zusteuerte, wurden die um Hartberg liegenden Weingärten am 30. Mai 1785 durch Versteigerung abgestoßen. Am 16. Juni 1785 folgte der Verkauf der zwei Wein­gärten in Straßgang bei Graz und Gedersberg und am 23. März 1786 die Versteigerung und der Verkauf der zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg. Das wenige, was noch verblieb, wurde bis 1802 verkauft. Der letzte Ankauf eines Weinberges erfolgte 1852 in Mellingberg bei Marburg. Infolge der politischen Veränderungen durch den&lt;br /&gt;
Ersten Weltkrieg musste er 1933 verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Landwirtschaft im Stiftsbereich war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stabil, fast unverändert. Neben Korn und Hafer, Kraut und Rüben gab es auch etwas Weizen und Gerste, Erbsen und Bohnen, aber noch immer keine Kartoffeln. Vom Obstbau konn­te kaum gesprochen werden. Im Stift versuchte man  Fischzucht in Forellen- und Karp­fenteichen, die aber bald wieder aufgelassen wurden. Die Chorherren aßen an ihren 144 Fasttagen des Jahres 10.000 Schnecken. Die Bauern hielten natürlich auch Hühner, das Stift darüber hinaus auch etwas Enten und Gänse. Eine für uns heute fast unvorstellba­re Bedeutung für die Ernährung hatten damals Rüben und Kraut. Sie kamen als eigene Richt oder Speise, mit Grammelschmalz gekocht und mit Hammelfleischstücken ver­mischt, auf den Tisch und wurden mit Brot gegessen. 1774 erntete das Stift 28 Fuhren oder 280 Wecht Rüben. An Kraut wurden im gleichen Jahr heimgeführt zehn Fuhren mit rund 4.600 Krautköpfen oder Göpeln. Davon wurde die Hälfte eingeschabt und in Bottichen aufbewahrt,  die Hälfte aber wurde &amp;quot;überbrennt&amp;quot; und in die Krautaller (Krautallach) gepresst. Dieses in der ganzen Gegend sehr beliebte und gesunde &amp;quot;Grua­ benkraut&amp;quot; wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kuruzzeneinfälle von 1704 bis 1707 brachten wieder große Schädigungen. Nach der Tabelle vom 3. Jänner 1708 wurden zwei Weingarthäuser abgebrannt, 58 Unterta­nen einmal, 15 dreimal abgebrannt, ebenso zwei untertänige Mühlen mit einem Urbarzins von 25 Pfund 15 Pfennig. Die Schäden der  Herrschaft betrugen 149 Gulden 30 Kreuzer, die der Untertanen 4.026 Gulden. 13 Untertanen wurden erschlagen oder verschleppt, ebenso fünf  Dienstboten, zwei wurden erschossen, ein Kind ver­brannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Ableben des Propstes Webersberg (1736) besaß das Stift außer dem noch vor­handenen Stiftungsgut um Vorau die Herrschaften Festenburg, Friedberg und Peggau, das Gut Klaffenau, in Graz den Vorauerhof und das Rekreationshaus in Geidorf, vier Mühlen, 30 Weingärten, &amp;quot;Wildtpaann und Reissgejäder&amp;quot; um  Vorau, Festenburg, Friedberg und Peggau, an &amp;quot;Fisch-Wässern&amp;quot; den Ferchenbach Vorau, ein Ferchnbächl bei Festenburg und das Fischwasser an der Murvon Badl bis Siebenbrunn, den Weintaz im Bezirk Vorau, Mautrechte in Vorau und Peggau sowie den Wein- und Getreidezehent in Söchau. An Mobilien sind im Inventar von 1736 u.a. erwähnt: über 250 &amp;quot;gemalene Bilder&amp;quot;, von denen nur dürftige Reste noch vorhanden sind; das gleiche gilt für die aufgezählten kirchli­chen Geräte und Paramente, die barocken Zimmermöbel, das Küchengeschirr (1.525 Pfund aus Messing, Metall, Kupfer, Zinn, Eisen und Blech) und das &amp;quot;Silbergeschmeidt&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Von der Bibliothek heißt es: &amp;quot;An solcher ist nicht nur nichts abgängig, sondern es seynd viele neue Bücher geschafft worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pröpste Leisl, Webersberg, Leitner und auch noch Taufferer haben für die zeitgemäße Bereicherung des Bücherbestandes jederzeit volles Verständ­nis gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obschon Propst Lorenz Josef Leitner (1737–1769) in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfahrener und kluger Mann war, steuerte doch unter ihm das Stift langsam, haltsam einer Wirtschaftskrise zu. Der Türkenkrieg (1737–1739), der Österreichische Erb­folgekrieg sowie die Schlesischen Kriege (1740–1748)  und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) zwangen Kaiserin Maria Theresia, den Ländern und auch den Klöstern hohe Kriegssteuern aufzuerlegen. Schon 1737 musste das Stift 1.200 Gulden zahlen; die jähr­liche Steuersumme wurde später wesentlich höher und belastete schwer die Stiftskasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsherrschaft umfasste nach dem Theresianischen Kataster 1753 folgende Ämter: Markt Vorau (79 Untertanen), Schachen (53), Vornholz (56), Riegersbach (74), Puchegg (66), Rechberg (20), Wenigzell zum Kloster (46), Wenigzell auf Friedberg (76), Waldbach (29), Festenburg (37), St. Lorenzen zum Kloster (30), St. Lorenzen auf Friedberg (14), Rai­deggendorf (vier), Siebenbirken (30), Reibersdorf (45), Oberbuch (41), Unterbuch (36), Maierhofen (21), Hartl bei Fürstenfeld (19), Windischpöllau (25), Frutten (30), GaUbrunn (60), Schafferhof  (23) und  Pöll (zwölf). Diese Untertanen hatten damals folgende Lei­stungen zu erbringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) an Herrenforderungen (Stift): 1.430 Gulden&lt;br /&gt;
b) an Zinsgetreide: 3 Viertels Maßl Weizen, 56 Viertel 2 Maßl Korn, 148 Viertel 2 Maßl Hafer, 1 Viertel 1 3/4 Maßl Linsen&lt;br /&gt;
c) an Kleinrechten: 92 Kälber (gegen 30 Kreuzer Vergütung), 207 Schafe (gegen 15 Kreu­zer Vergütung), 28 Lämmer, 208 Hennen, 129 Hendl, 9.657 Eier, 80 Kapaune, 226 Pfund  Haar(= Flachs)&lt;br /&gt;
d) an Robot: 2.292 Tage Fuhrrobot mit ein Paar Ochsen, 877 Tage mit zwei Paar Ochsen, 24 Tage mit drei Paar Ochsen, weiters 3.937 Tage Handrobot (teils mit, teils ohne Kost), 9.970 Tage widerrufliche Handrobot mit Kost (in Geld abgelöst), 40 Stück Sagbloche schneiden, 479 1/2 Pfund Flachs spinnen, 18 Gulden 45 Kreuzer Gespunstgeld, 128 Tage Jagdrobot, 68 Gulden Jagdgeld.&lt;br /&gt;
Dazu kamen noch die Erträgnisse des Bergrechts und  des Zehents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Versuch, dem Stift durch Bergbau eine neue Einnahmequelle zu verschaffen, schlug fehl. Zwischen 1739 und 1770 wurden die Chorherren immer wieder von voreili­gen Fachleuten aufgemuntert, nach Erz zu graben. In der Hoffnung, ergiebige Gold-, Sil­ber-, Blei- und Eisenerze zu finden, wurden umfangreiche Grabungen bei der Trem­melmühle (heute Hummelmühle) und in der Rotleiten (Amt Puchegg), beim Kammer­holz (Amt Vorau), im Buchwald (Amt  Riegersbach), am Prinzkogel bei Rettenegg und in der Taschen bei Peggau vorgenommen. Nach langem Schwanken gab man die Berg­bauversuche schließlich auf, die dem Stift keinen Gewinn gebracht, wohl aber 20.000 Gulden gekostet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geldquelle floss noch immer reichlich und hielt das Stift über Wasser: die Opfer der Ordenskandidaten, von denen viele bedeutendes Vermögen besaßen, das sie aus Liebe zur persönlichen Armut dem Stift vermachten. Auf diese Weise erhielt das Stift unter Propst Leitner über 100.000 Gulden. Doch auch diese Geldquelle musste versiegen, als 1771 ein staatliches Gesetz das Recht der Klöster, Vermögen zu erwerben, stark beschränkte und  sich unter dem Einfluss einer klosterfeindlichen Zeitströmung immer weniger Kandidaten zur Aufnahme meldeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren  der  Unsicherheit vor der drohenden Aufhebung erhielt Propst Tauffe­rer 1785 das kaiserliche Dekret, das den Weiterbestand des Stiftes sicherte und jedem Chorherrn 220 Gulden 4 Kreuzer zum jährlichen Unterhalt zuwies. Der Propst, dem man nur mehr den Titel Administrator zuerkannte, erhielt von der Regierung den Auftrag, die Tilgung der Schulden ernstlich ins Auge zu fassen. Verschiedene mit den Kloster­aufhebungen zusammenhängende Gerüchte veranlassten die Gläubiger des Stiftes, ihre Kapitalien aufzukünden. Die Untertanen zeigten sich vielfach säumig in der  Zahlung der Zinse, so dass das Stift bald große Rückstände einzufordern hatte, von denen aber der größte Teil ohne große Härte nicht eingefordert werden konnte. Durch das Robot­patent des Jahres 1778 war es den Untertanen möglich geworden, die Robotleistungen gegen Geldzahlungen abzulösen. Die dadurch notwendig gewordene Umstellung der Stiftswirtschaft misslang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um in dieser misslichen Lage Schulden zahlen und sich über Wasser halten zu kön­nen, entschlossen sich der Propst und das Kapitel, von der Regierung gedrängt, zu ver­kaufen, was sich, wie man meinte, am ehesten ohne schlimme Folgen für die Zukunft losschlagen ließ. So wurden von 1785 bis 1802 verkauft: alle 17 Weingärten, die das Stift noch besaß; an Vieh neun Pferde, 111 Stück Rinder, 52 Schweine; ferner das Silberzeug, die Rüstkammer, alle entbehrlichen Möbel und der größte Teil der Wirtschaftseinrich­tung in Vorau, Festenburg, Klaffenau, Peggau und im Vorauerhof zu Graz, das Garten­haus in Geidorf bei Graz, die 15 Joch messende Koglerauwiese an der Lafnitz, die Stifts­apotheke und das Stiftsspital im Markt Vorau, das sicher seit dem 17.Jahrhundert bestan­den und vielen alten Stiftsdienstboten als Altersheim und armen Vorauern als Armen­haus einen sorgenfreien Lebensabend gesichert hatte. Für die Stiftischen Dienstboten wurde vom Stift auch weiterhin gesorgt, aber die Armen mussten nun als Aushalter oder  Einleger von Haus zu Haus gehen. Die Verpachtung der Stiftsgüter erwies sich als nachteilig. Man kehrte nach und nach wieder zur Selbstbewirtschaftung zurück, doch schenkte man den  weltlichen Verwal­tern, die nicht immer uneigennützig das Wohl des Stiftes vor Augen hatten, zu viel Ver­trauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sehr schweren Jahrzehnten brachte Propst Franz Sales Knauer (1811–1837) wie­der Ordnung in die Wirtschaftsführung. Dabei kamen ihm sein klares Urteil, sein unbeug­samer Wille, sein praktischer Sinn und seine große Erfahrung sehr zustatten. Mit fester Hand beseitigte er die Misswirtschaft einzelner Beamter und führte eine geordnete Ver­waltung der Stiftsgüter durch. Um die Schulden zahlen zu können, verkaufte er 1823 um 26.900 Gulden den Vorauerhof in der Rauhergasse in Graz. 1832 kaufte das Stift Vorau das Gut Mönichwald, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Kloster Formbach in Bayern gehört hatte und nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 Staatsgut gewor­den war. So kamen die Herrschaftsrechte über  Mönichwald, das sind die Katastralge­meinden Schmiedviertel und Karnerviertel, bis zur Grundentlastung an das Stift Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger Gottlieb Kerschbaumer (1838–1862) war wiederum ein so tüchtiger Ökonom, dass er den Stiftsbesitz vermehren und eine bedeutende Bautätigkeit entfalten konnte. Über 78.000 Gulden wurden unter ihm für Grundkäufe ausgegeben. So kaufte er 1842 das &amp;quot;Schlössl&amp;quot;in Friedberg (1905 verkauft), 1847 das Missarhaus in Pinggau (1873 verkauft), den &amp;quot;Pfarrhof&amp;quot; in Rainberg und die Geierwiese, 1851 den Rannachbauern bei Peggau, 1852 den Mellingbergweingarten bei Marburg (1933 verkauft) und die Hacken­schmiede samt Wohnhaus, die im 18. Jahrhundert verkauft worden war, 1854 den  Rochettweingarten am Ring bei Hartberg (1905 verkauft) und 1861 die Festenburger Taverne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung der Grundherrschaften 1848 nahm dem Stift viele Sorgen und viel Ärger ab und brachte den Untertanen die ersehnte Freiheit, aber auch  eine ganz neue Selbstverantwortung. Die Ablösung der Naturalgiebigkeiten, von Robot und Zehent sowie die Ablösung der Holzrechte (bis auf einen bescheidenen Rest von Waldservitu­ten) gingen ziemlich glatt vor sich, doch führten, wie Propst Gottlieb es voraussagte, die Zahlung der Grundablösungsquote und die wirtschaftlich notwendige Umstellung auch für die Bauern sehr schwere Jahre und Jahrzehnte herbei. Für die Herrschaft Vorau erhielt das Stift Vorau ein Entschädigungskapital von 147.030 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Mönichwald 11.570 Gulden 20 Kreuzer, für die Herrschaft Peggau 56.628 Gulden, für die anderen Gülten kleinere Beträge. Dem Stift blieb wie allen anderen Grundherren nur die Eigenwirtschaft und der Waldbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im 19. Jahrhundert immer notwendigere Umstellung der Landwirtschaft wurde vom Stift durch die schon vor 1830 gegründete Filiale der  Landwirtschaftsgesellschaft angeregt,die unter der Leitung des Stiftshofmeisters bis zum Ersten Weltkrieg viel Segen stiftete. Besonders Kartoffel- und Obstbau wurden gefördert. Dazu kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts die vom Stift stark unterstützte Gründung der Sparkasse im Markt&lt;br /&gt;
Vorau. Die Einführung des Kunst- und Mineraldüngers ermöglichte den Kleeanbau, den verstärkten Kartoffelanbau und damit den Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft. Der vermehrte Getreideanbau bewirkte eine bessere Schonung des Waldes als Lieferanten von Waldstreu und eine gesunde Trennung der Landwirtschaft von der Forstwirtschaft wurde angebahnt. Es war ein bedeutsamer Fortschritt, als um 1900 das Stift neben dem Hofmeister oder Ökonom einen eigenen Forstmeister anstellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endete eine florierende Wirtschaftsphase. Vollends drängten aber die Folgen des Krieges, der Rückgang der Einnahmen, vor allem aber die dem Krieg folgende Geldentwertung das Stift an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Das Stift verlor durch die vollständige Entwertung der Grundablö­sungskapitalien 57 Prozent seines jährlichen Einkommens. Die damit gegebene Krise erreichte um 1925 ihren  Höhepunkt und führte wieder zum Verkauf von Kunstschät­zen und wertvollen Büchern. Erst der Ende der zwanziger Jahre von Propst Prosper Ber­ger durchgesetzte Anschluss des Wechselgaues an die Verkehrsstraßen bzw. Eisenbah­nen der Oststeiermark brachte neuen Aufschwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zur neueren Wirtschaftsgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Jahre  zwischen 1930 und 1940 brachten für das Stift nach den schweren Jahren 1927 bis 1929 eine wirtschaftliche Konsolidierung trotz geringer wirtschaftlicher Tätig­keiten (Errichtung des Sägewerks 1936).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Enteignung des Stiftes Vorau am 19. April 1940 und der Ausweisung der Chor­herren aus dem Stiftsgebäude wurden dem Orden der Chorherren alle wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Die Betreuung des ehemaligen Stiftsgutes erfolgte bis zum Kriegs­ende beamtenmäßig. Nach Kriegsende im Mai 1945 kamen die Chorherren aus den diver­sen Aufenthaltsorten wieder zurück und übernahmen mit großem Einsatz, aber ohne Geld, die Reste des zum Teil stark zerstörten, abgebrannten Stiftsgebäudes. Rechtlich wurde der Besitz 1947 an die Chorherren restituiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre der Amtszeit des Propstes Berger waren ausgefüllt mit dem Wie­deraufbau der Gebäude, der Beschaffung von Geldmitteln und einer Erneuerung der Ordensgemeinschaft. Es wurden in dieser Zeit auch viele Grundstücke um einen Sozi­alpreis an Mitarbeiter und andere Interessenten abgegeben. Propst Gilbert Prenner führ­te den begonnenen Wiederaufbau weiter und vollendete diesen im Jahre 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftlich wurden kleinere Nutzungen der Gebäude vorgenommen, die jedoch außer einem Deckungsbeitrag kaum Erträge einbrachten. Gleichzeitig standen Reno­vierungsarbeiten an den Kirchen und denkmalgeschützten Objekten an. Die Landwirtschaft wurde als Viehwirtschaft betrieben. Gerade die Milchwirtschaft ist sehr  personalintensiv, so dass die Kosten bald sehr hoch waren. 1969 wurden sowohl in Vorau als auch in Peggau die Rinder abverkauft und es ergab sich sehr bald die bes­sere Möglichkeit der Verpachtung der landwirtschaftlichen Flächen an Bauern: zuerst für eine  Pachtperiode von fünf Jahren an auswärtige Interessenten, seit über 20 Jahren an die Bauern aus Vorau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Anfängen der siebziger Jahre wurde ein besonderes Augenmerk auf die Pro­duktionsbetriebe gelegt. So wurde das Sägewerk in Bruck an der  Lafnitz ausgebaut, die Arbeitsabläufe stark mechanisiert und der Einschnitt erhöht. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Säge gut amortisiert und auch einen Gewinn und eine gute Auswer­tung des Holzes erbracht. Die Schnelllebigkeit in der Sägeindustrie überholte jedoch innerhalb von zehn Jahren die Erneuerung, und wurde, obwohl als einer der ersten Betriebe, so doch mindestens um zwei Jahre zu spät mit Ende 1984 das Sägewerk still  gelegt. Inzwischen sind beinahe alle forsteigenen Sägewerke außer Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Bereich ist ab 1970 der Straßenbau im Sinne des Erschließungspro­grammes weiter vorangetrieben worden. Damals war als Ziel vielfach  ca. 40 lfm pro Hektar angestrebt worden. Eine verstärkte und verfeinerte Erschließung der Waldfläche erfolgte erst in den Jahren nach 1992, als die Kahlhiebe im gesamten Betrieb eingestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1960 bis 1963 zur 800-Jahr-Feier des Stiftes reno­viert. Hier wurden die Deckenfresken gereinigt, die Altäre  teilweise neu gefasst und die Einheitsfarbe aus dem 19. Jahrhundert von den Säulen  bei den Seitenaltären entfernt. In einem über zehn Jahre reichendem Konzept wurden die Fassaden der Gebäude saniert, wobei die Hauptfassade in der jetzigen Farbgestaltung im Jahre 1987 die Fassung erhielt.&lt;br /&gt;
Untersuchungen an der Hauptfassade durch zwei vom Propst beauftragte Restaura­toren und durch das Denkmalamt sollten Klarheit schaffen über den Zustand der alten bzw. nach dem Krieg 1945 ausgebesserten Putzflächen. Der alte Putz und der Stuckde­kor sollten im wesentlichen nur konserviert und  geschützt werden. Gleichzeitig war auch das früheste Farbkonzept der Fassade festzustellen. Der Farbbefund ergab, dass der Mörtelstuckdekor von ca. 1730 in Vierfarbigkeit angelegt wurde. So waren alle plasti­schen Architekturglieder in gebrochenem Weiß gefasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dazwischenliegenden Null­flächen an der Hauptfassade waren mit einem warmen Lichtgrau versehen. Die Null­flächen an den Außentürmen und  vermutlich auch an den Kirchtürmen sowie an den Eckrisaliten neben der Kirchenfassade (erste Fensterachse) waren hingegen mit einem hellen Beige herausgefasst. Die Innenflächen der Hauptfriese (Bänder), die Flächen unter den Fenstern und Bandwerkgebilde zwischen den Fensterachsen waren mit einem kräf­tigen Rosa bemalt. Der Farbton Ockergelb (letzte  Fassung) kam in der ursprünglichen Ausführung nicht vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach intensiven Gesprächen wurde folgende Vorgangsweise bei der Restaurierung beschlossen: Es sollte erstens der noch bestehende Originalstuck von allen Übermalun­gen und losen Kalkschichten mechanisch freigelegt und abgedeckt werden, zweitens die nicht mehr reparierbaren Nullflächen und  Plomben vorsichtig abgeschlagen werden; dazu kamen noch Stuckergänzungen. Der Entscheidung für die historische Farbgebung gingen lange Diskussionen voraus. Da die beiden Außentürme bereits zuvor die gewohn­te ockergelbe Färbung erhalten hatten, wollte man hier nachträglich keine Änderung mehr  vornehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Gesicht der stiftischen Front bringt auch die Intention des Ordens zum Aus­druck. Die Rosabänder deuten das bin­dende und verbindende Element in diesem Hause an. Es wird der Versuch des Zusam­menhaltens, einer inneren Geschlossenheit veranschaulicht.&lt;br /&gt;
Vor dem  Schlussanstrich der Fassaden wurden die Nutzungen der Gebäude und Räume festgelegt und Umgestaltungen vorgenommen. Dies bewirkte eine Verbesserung der Wohnungen für die Mieter und der Zimmer für die Chorherren. In den Jahren 1975 bis 1977 wurde im Prälaturtrakt ein Bildungshaus eingebaut, das der pastoralen, der menschlichen, wissensmäßigen und kulturellen Weiterbildung dienen soll. Seit 20 Jah­ren ist dieses Haus in Betrieb und wird auch als Tagungshaus angenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erweiterung und der Ausbau der Haushaltungsschule mit Internat in einem vor­gelagerten Gebäudetrakt auf ca. 2.400 m2  Nutzfläche brachte eine  langfristige Nutzungsmöglichkeit dieser Fläche. Fast 100 Schülerinnen besuchen diese Einrichtung, wobei über 60 auch im Internat wohnen können. Die Schule ist an das Land Steiermark vermietet und bringt für die Gebäudeerhaltung einen erfreu­lichen Deckungsbeitrag. Die Zahl der Dienstnehmer hat sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark reduziert. Waren es im Jahre 1970 90 Personen, die im Stift ihre Arbeit verrichteten, im Jahre 1980 noch 78 Mitarbeiter, so sind 1995 nur noch 37 ständige Dienstnehmer beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist zum größten Teil auf die Schließung des Sägewerkes (1984) und auf die Ver­änderung des Arbeitsvorganges in der Forstwirtschaft zurückzuführen. Heute werden für die Schlägerung und Bringung Leistungen von Dritten zugekauft Das Diktat der all­gemeinen wirtschaftlichen Situation und hier vor allem die Gegebenheiten des schwan­kenden Marktes in der Forstwirtschaft macht sich im Stift Vorau besonders bemerkbar, da es in der Hauptsache von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft abhängig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit vielen Jahren wird versucht die Einnahmen aus der Gebäudeverwaltung best­möglich zu erhalten bzw. zu erhöhen. Die Bezüge aus der Tätigkeit in der Pastoral sind eine wichtige Einnahmsquelle, die nicht vernachlässigt werden kann. Erträge aus Bestandsverträgen mit Gemeinden, die Parkflächen, Sportplätze usw. betreffen, sind ebenfalls für das Stift notwendig. Erlöse aus Grundverkäufen für öffent­liche und private Bauten sind teilweise wieder in Grund und Wertpapiere veranlagt, teilweise auch in die Erhaltung der Bausubstanz investiert worden.Es wird für die Zukunft noch genauer  als bisher geplant werden  müssen, manches wird neu bzw. nicht mehr vom Betrieb finanziert werden können. Vor allem für die inkorporierten Pfarren  werden die Beiträge gekürzt und so manche Arbeiten zurück­gestellt werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Wenn hier ein Überblick über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Vorauer Stifts­kapitels im Laufe der über 800 Jahre seines Bestehens versucht  wird, sei darauf hinge­wiesen, dass ab 1500 nur die Religiosen mit Profess und Priesterweihe gezählt sind, also nicht die Novizen und Kleriker, die den Stand deutlich erhöhen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der 1163 erfolgten Gründung des Stiftes Vorau stellte das ebenfalls noch junge Chorherrenstift Seckau seinen Klosterdechanten Liupold von Traföß (bei Mixnitz) als ersten Propst zur Verfügung, während vier weitere Chorherren, höchstwahrscheinlich in Begleitung einiger Laienbrüder, direkt aus dem Domstift Salzburg an Vorau abge­treten wurden. Die erste genaue Zahl der Stiftsmitglieder ist aus dem Jahr 1267 bekannt, als nach der Resignation des Propstes Gebwin Dechant Berthold und die zwölf Chor­herren den Salzburger Domherrn Bernhard zum Propst ihres Stiftes postulierten. Über den Wahlakt wurde eine schriftliche Urkunde verfasst, die die Namen des ältesten bekannten Wahlkapitels überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den tiefgehenden Zeitstürmen des 14. Jahrhunderts - Avignonesisches Exil, Großes Schisma usw. - blieb auch das Stift Vorau nicht unberührt. Als Propst Marquard 1343 starb, hinterließ er 17 Chorherren, die Lorenz von Hofkirchen zum Nachfolger bestellten. Vermutlich ist der 1349/50 grassierenden Pest die Reduzierung der Kapitel­mitglieder zuzuschreiben, weil bei der am 23. August 1358 stattgefundenen Kapitelver­sammlung nur 14 Religiosen genannt werden. In diesem ältesten Kapitelprotokoll wer­den erstmals die Familiennamen der Chorherren mitgeteilt. Nach dem Tod des 1493 verstorbenen Propstes Leonhard zählte das verwaiste Kapitel 26 Chorherren, und Propst Virgil Gambs führt in seiner 1506 aufgestellten Gültenschätzung an, dass er 28 Religio­sen (&amp;quot;Professprueder&amp;quot;) zu versorgen habe, eine Zahl, die zwei Jahre vorher noch wesentlich höher war, zogen doch 1504 sechs bis acht Chorherren in das neu gegründete Stift Pöl­lau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auftreten Martin Luthers durch das Anschlagen seiner Ablassthesen an der Schlosskirche zu Wittenberg (1517) brachte eine Bewegung ins Rollen, die auch im Stift innerhalb kurzer Zeit rege Auseinandersetzungen auslöste. Zu den 16 Chorherren und einem Diakon, die sich 1528 der Visitationskommission stellten, können noch vier weitere Kleriker gezählt werden, die erst kurz zuvor als Anhänger der Lehre Luthers das Stift verlassen hatten. Ihnen müssen in den nächsten Jahren weitere gefolgt sein, weil nun das Stift in Gefahr kam auszusterben und sich 1539 außer  Propst Augustin Geyer nur mehr zwei Chorherren im Stift befanden. Propst Geyer erbat sich zwar die Erlaub­nis, Mitglieder anderer Orden aufzunehmen, doch niemand scheint sich gemeldet zu haben, denn als er 1542 starb, hinterließ er ein einziges Stiftsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese für das Stift größte Personalkrise hielt die ganze zweite Hälfte des 16. Jahr­hunderts an - 1585 gab es vier Chorherren - und wurde erst durch die zielstrebige Arbeit des Propstes Benedikt von Perfall behoben, unter dem sich die Anzahl der Kapitelmit­glieder verdoppelte. Propst Benedikt hinterließ bei seinem Tod 1615 acht Chorherren, die aus ihrer Mitte den jungen Dechant Daniel Gundau zum neuen Propst wählten. Die­ser war um genügenden Ordensnachwuchs bemüht, weckte besonders in und um Vorau Berufe und ließ durch die Jesuiten in Graz für die richtige Vorbereitung auf das Ordens­leben sorgen. Unter ihm stieg die Zahl der Chorherren von acht auf 23 (im Jahre 1649), von denen schon 1635 die meisten gebürtige Vorauer waren. Bei der Propstwahl im Jahre 1681 zählte das Kapitel bereits 27 Mitglieder - eine Zahl, die in den nächsten Jahren unter&lt;br /&gt;
Propst Philipp Leisl eine weitere Aufstockung erfuhr. Schon 1704 sah sich Leisl von 40, 1712 von 47 Stiftsmitgliedern, die Novizen mitgerechnet, umgeben. &lt;br /&gt;
Immerhin zählten im Todesjahr Leisls (1717) 36 Chorherren zum Stiftskapitel. Unter seinem Nachfolger Sebastian Grafen von Webersberg stand das Stift auf dem  Höhepunkt seines  Ruhms, was sich auch in der Zahl der Stiftsmitglieder niederschlug: 1736 gehörten 46 Chorher­ren dem Stiftskapitel an, von denen noch im selben Jahr acht dem Stift Rottenmann gänz­lich abgetreten wurden. Rechnet man dazu noch die Novizen und Jungherren, so darf man die Zahl der Religiosen um 1735 mit etwa 55 annehmen. Propst Webersberg hin­terließ nach seinem Tod 37 Chorherren, die 1737 im ersten Wahlgang Lorenz Josef Leit­ner zum neuen Propst wählten. Dieser ließ 1754 einen Katalog aller Stiftsmitglieder (mit den wichtigsten Daten) drucken - der früheste derzeit bekannte -, nach dem das Stiftskapitel damals 42 Chorherren zählte. Der anlässlich der Propstwahl von Franz Sales Frei­herrn von Taufferer 1769 gedruckte &amp;quot;Catalogus&amp;quot; führt 35 Chorherren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durch mehr als 150 Jahre in ruhmvollem Glanz dastehende Stift erlebte unter Propst Taufferer (1769–1810) einen bedauerlichen Niedergang; eine Folge der josephi­nischen Zeitströmung, die sich in materieller und disziplinärer Hinsicht schädigend und zersetzend auswirkte und auch das Stiftskapitel schrumpfen ließ. Seit 1800 ist man über die Anzahl der Kapitelmitglieder aufgrund der jährlich aufgestellten Listen (&amp;quot;Effektiver Stand  ...&amp;quot;) und der gedruckten Personalschematismen der Diözese Graz-Seckau gut informiert. Im Zeitraum von 1803 bis 1900 stieg die Zahl von 21 auf 30 Mitglieder, bis 1990 sank sie auf 20, im Jahre 1997 zählt das Stift 20 Priester zuzüglich zwei Kleriker mit feierlicher und zwei mit einfacher Profess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer den Anfängen in Salzburg und Seckau findet man im Archiv des Stiftes für die Zeit bis 1600 nur wenige Unterlagen über die Herkunft seiner  Mitglieder. Seit 1600 lie­gen von allen Chorherren (mit Ausnahme dreier) genaue geographische Angaben vor, woher sie stammen. Eine Nachschau zeigt auf, dass das personelle Haupteinzugsgebiet des Stiftes Vorau die gesamte Oststeiermark bildete. Stiftischer Nachwuchs kam aus allen Bundesländern, außer Salzburg und Vorarlberg. Im selben Zeitraum haben in der Vorauer Gemeinschaft Chorherren aus acht Nationen gelebt. Das 19. Jahrhundert war das bunteste, bildeten doch Herren aus sechs Ländern die Stiftsgemeinschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Haus jeweils fünf Nationalitäten vertreten, während es nur noch drei im 20. Jahrhundert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoch ist die Anzahl der aus Graz stammenden Chorherren, im 18. Jahrhundert waren es sogar 40. Dies führt Pius Fank zum Teil auf die große Anziehungskraft zurück, die für die Grazer Jugend von den hochangesehenen, aus Graz stammenden Pröpsten Leisl und Webersberg ausging. Neben den Pröpsten spielt auf jeden Fall auch die Gemein­schaft der Mitbrüder - und da wiederum das Juniorat - eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Begegnungen, Bekanntschaften und Freundschaften mit den Vorauer Kleri­kern in Graz, wo sie bis 1932 studiert haben (seither in Innsbruck), hat die Gemeinschaft für so manchen Studienkollegen interessant werden lassen, so dass sich dieser um die Aufnahme in den Orden in Vorau beworben hat. Es sind vor allem jene Freundschaften, die es verständlich machen, weshalb Mitbrüder aus anderen Bundesländern oder anderen Nationen nicht in jene Klöster eingetreten sind, die ihrer Heimat näher lagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem gewissen Rahmen anziehend werden auch die Chorherren gewirkt haben, die neben der seelsorglichen Arbeit noch schriftstellerisch tätig waren und auch jene, die für besondere Aufgaben freigestellt waren. Hier ist eine ganze Reihe von Mitbrüdern anzuführen: Dr. Eusebius Kendlmayr (gest. 1716), Johann Zunggo (gest. 1771), Dr. Mar­cellin Simbinelli (gest. 1774), Dr. Julius Franz Gußmann (gest. 1776), Dr. Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Eduard  Domainko  (gest. 1850), Theophilus Kerschbaumer  (gest. 1862), Gottfried Schreitter (gest.1872), Franz Sales Prugger (gest. 1887), Theodorich Lam­pel (gest. 1911), Augustin  Rathafer (gest. 1916), Eberhard Höfler (gest. 1927), Dr. Otto­kar Kernstock (gest. 1928), Clemens Holzheu  (gest. 1962) und Pius Fank (gest. 1976).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufschlussreich wäre auch eine Untersuchung, aus welchen sozialen Verhältnissen die Chorherren stammten. Den weitaus größten Teil nehmen dort die aus bäuerlichen Familien Hervorgegangenen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die mittelalterliche Bau- und Kunstgeschichte des Stiftes ist infolge der geringen Quel­lenlage bis heute nicht hinreichend geklärt und bedarf noch  ausführlicher Untersu­chungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Chorherren mit ihrem Propst Liupold 1163 in Vorau eintrafen, um die Klostergründung ins Werk zu setzen, fanden sie dort an sakralen Bauwerken ledig­lich das kleine Thomaskirchlein vor, welches 1149 vom Bischof Roman von Gurk geweiht worden war. Sie erbauten die für das klösterliche Gemeinschaftsleben nötigen Räum­lichkeiten. Dabei verwendeten sie ein Bauschema, das der Benediktinerorden im 9. Jahr­hundert entwickelt hatte und das bis ans Ende des Mittelalters beherrschend blieb. Dem­nach sind südlich der Klosterkirche um einen quadratischen Hof die Gebäude mit gemeinsamem Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal, Küche, Keller und Vorratsräu­men angelegt und durch einen den Hof einfassenden Kreuzgang miteinander verbun­den. Dazu gab es noch die Prälatur und Gebäude für die Klosterschule, die Kranken und die Klosterwirtschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hauptaufgabe der Chorherren war das Lob Gottes im feierlichen Chordienst mit Messe und Gebet. Dadurch wurde der Kirchenchor mit Altar und Allerheiligstem zum Mittelpunkt ihres klösterlichen Lebens und Wirkens. Hier versammelten sie sich allnächtlich zum ''officium nocturnum'', sechsmal am Tag, um das Chorgebet zu ver­richten. Und schließlich bildete die Konventmesse am Vormittag den Höhepunkt der täglichen Gotteshuldigung. Verständlich, dass für einen so intensiven Chordienst ein ent­sprechend geräumiges Gotteshaus nötig wurde. Das kleine Thomaskirchlein konnte diese Anforderungen nicht erfüllen und schon 1170 begann man mit dem Neubau einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika mit flacher Holzdecke in der Art des Gurker Domes. Das Gotteshaus war 40 bis 50 m lang und hatte eine Zweiturmfassade im Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil das Stift nicht reich dotiert war, konnte der Bau der Stiftskirche nur langsam vor­anschreiten. ''Um das fromme Bemühen des Propstes Liupold und seiner Brüder im neugegründeten Stift etwas zu unterstützen'', schenkte Erzbischof Adalbert von Salzburg den Vorau­er Chorherren seinen Zehenthof in Grafendorf, der - offenbar samt dem Zehent, der dem Erzbischof zustand - ein jährliches Einkommen von 10 Mark sicherte. Zur Beförderung des Kirchenbaues (''ad structuram basilice'') überließ der Erzbischof im gleichen Jahr den Vorauern den Zehent, den sein Onkel Konrad II. dem Stift zum  Unterhalt des Bischofs Ulrich von Halberstadt überlassen hatte. Dieser war papsttreu geblieben, beim Kaiser in Ungnade gefallen und darum nach Vorau geflohen. Zu Mariä Himmelfahrt 1172 weil­te der Erzbischof in Vorau, um die Krypta zu Ehren des hl. Paulus zu weihen. Sie muss ziemlich geräumig gewesen sein, weil sie später drei Altäre barg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 6. Dezember 1202 weihte Bischof Markus von Beirut einen Magdalenenaltar, am 25. Dezember 1228 Bischof Karl von Seckau einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und des Apostels Jakobus, beide in der Oberkirche. Diese ruhige Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den großen Stiftsbrand am&lt;br /&gt;
21. November 1237. Bei diesem Brand wurden Stift und Kirche schwerstens beschädigt und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Vermutlich dürfte bei der Eindeckung der Stiftskirche die alte Holzdecke durch Gewölbe ersetzt worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser ersten, also jedenfalls noch dem romanischen Stile angehörenden Kirche folg­te ein gotischer Neubau, der unter Abt Gebwin am 25. Oktober 1257 durch Bischof Ulrich von Seckau eingeweiht wurde. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus aber erst unter Geb­wins zweitem Nachfolger Konrad II. (1282–1300).&amp;lt;ref&amp;gt; Von ihm  berichtet die Stiftschronik &amp;quot;Gebürtig aus Salzburg, tat er viel Gutes in der Kirche,er kaufte viele Bücher und ließ sie schrei­ben.&amp;quot; Der Chronist fährt  dann etwas dunkel fort: &amp;quot;Monasterium a crucifixo usque ad finem testudine texit.&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; Das neu erbaute Münster besaß beim Regierungsantritte Konrads außer dem Hochaltare noch drei andere Altäre: je einen zur Rechten und zur Linken dessel­ben, am 9. September 1259, und  einen dritten am Lettner, den 5. Oktober 1266 einge­weiht. Bis dorthin, also bis zum sogenannten Triumphtor, dem westlichen Chorschlus­s, von dessen Höhen ein Kruzifix herabhing, scheint die Kirche völlig eingewölbt und eingedeckt gewesen zu sein, während man das Schiff (''a crucifixo usque ad finem''), ver­mutlich aus Mangel an Geldmitteln, nur mit einem Notdach versehen hatte. Im Jahr 1266 war von Bischof Almerich von Lavant ein Kreuzaltar unter dem Predigtstuhl (''sub pulpitu'') geweiht worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Konrad errichtete noch drei Altäre, die am 7. Dezem­ber 1298 durch Bischof Ulrich II. von Seckau konsekriert wurden: einen Petrusaltar zur Linken und einen Altar zu Ehren der beiden großen Salzburger St. Rupert und St. Vir­gil zur Rechten. Das können gewöhnliche Seitenaltäre gewesen sein, aber auch Altäre im Abschluss der Seitenschiffe. Der dritte Altar, St. Michael geweiht, befand sich ''inter turres'', die Türme mussten also damals auch schon erbaut gewesen sein. Am 8. Dezem­ber 1298 wurde noch ein Annenaltar geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit war die Innenausstattung der Stiftskirche aber noch nicht zu Ende. Laut den Originaldedikationsschriften im Cod. 99 weihten weiterhin noch: Über besonderen Auftrag des Erzbischofs Friedrich III. Bischof Wocho von Seckau am 25. Oktober 1324 eine Kapelle mit dem Altar der hl. Elisabeth, zwei Tage später gleich drei Altäre in der Gruft, hier also wohl soviel wie Unterkirche, je einen zu Ehren der Apostel Andreas, Petrus und Paulus. Sodann am 14. Oktober 1330 Bischof Dietrich von Lavant eine Augustinuskapelle, am 14. Juli 1335 einen Hl.-Geist-Altar ''juxta sepulchrum fundato­ ris'', am 7. April 1338 Bischof Rudolf von Waizen einen Speis- oder Sakramentsaltar (''al­tare viaticum''), am 18. November 1371 Bischof Blasius von Milo einen Altar zu Ehren der hl. Magdalena und einen Altar zu Ehren der hl. Bartholomäus, Nikolaus, Rupert und Virgil. Diese Weihen lassen den beständigen Ausbau des Stiftskomplexes erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1384 wurde das Stift jedoch von einem neuerlichen Großbrand heimgesucht und teil­weise zerstört. Ein wirtschaftlicher aber auch disziplinärer Niedergang führte in den fol­genden Jahrzehnten zu einer Krise des stiftischen Lebens, die erst durch die Berufung des Andreas von Pranpeck aus Berchtesgaden als Propst nach Vorau (1433-1453) been­det wurde. Mit seinem mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Stiftes Berchtesgaden mit­gebrachten bedeutenden väterlichen Erbe konnte er die ruinenhaft aussehenden Stifts­gebäude neu bedachen und ausbessern, sie mit der notwendigen Einrichtung versehen und die Schuldenlast, die er übernehmen musste, nach und nach tilgen. Neu aufgebaut wurden ein gewölbtes Dormitorium und die Infirmarie, vergrößert wurde die Prälatur. Keine Ausgaben scheute der Propst für die Verschönerung und würdige Ausstattung der Stiftskirche. Durch  ihn erhielt sie wertvolle liturgische Gefäße, Gewänder und Bücher, darunter eine Monstranz im Wert von 170 Gulden, zwei große Fahnen und neue Ornate. Die heute noch am Turm hängende kleine Glocke kaufte Andreas 1447 laut Inschrift.&amp;lt;ref&amp;gt;''O Rex glorie Jesu Christe veni cum pace MCCCCXLVII'' &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von seinem Nachfolger Leonhard von Horn (1453–1493) wurde das Kloster wegen der Ungarn- und Türkeneinfälle noch stärker befestigt und mit Wassergräben, Wehr­mauern und Basteien zur Fluchtburg für die Bevölkerung der Umgebung ausgebaut. Reste dieser Wehranlagen sind an der Südwestseite heute noch zu sehen. In dieser Zeit wurde auch der rechte Turm mit einem spätgotischen Uhrengeschoss und Keildach ver­sehen. Unter Propst Leonhard entstanden drei Altäre: ein Altar zu Ehren Mariä Heim­suchung an der Südseite der Kirche, ein Sebastianialtar auf der Nordseite unter der Front der Prälaturkapelle und ein Laurentiusaltar. Sie wurden im Juni 1466 geweiht. Propst Ulrich II. von Weiz (1496–1499) erbaute unter dem Turm eine Agneskapel­le und einen Allerheiligenal­tar, die Bischof Matthias Scheit von Seckau am 3. Okto­ber 1498 konsekrierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter Propst Virgil Gambs (1500–1507) gab es baulich keinen Stillstand, wie der Gültschätzung von 1506 zu entnehmen ist. Dieser schloss nämlich Propst Virgil die Bitte an, man möge doch den Umständen, dass das Stift Vorau an der ungarischen Grenze liege und es ihm auf­erlegt sei, Land und Bevölke­rung vor jeglichem Schaden zu beschirmen, Rechnung tragen und ihn, da er ohnehin trotz der Einnahmen mit der Verköstigung vieler Leute ''swärlich beladen'' sei, mit weite­ren Ausgaben verschonen. Derzeit habe er allein im Win­ter außer dem Konvent, bestehend aus 28 Chorher­ren, noch täglich 92 Perso­nen, vor allem Zimmerleute, Maurer, Roboter und Hilfsar­beiter, zu speisen, ''der in Sum­mer vil mer werden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert stürzte die von Martin Luther ausgehende Reformationsbewegung die katholische Kirche des Landes in eine schwere Krise. Auch Stift Vorau war davon betroffen; sein Ordensleben kam fast zum Stillstand und erholte sich erst am Ende des Jahrhunderts, als die katho­lische Gegenreformation, unterstützt von den habsburgischen Landesfürsten, den Erz­herzögen Karl und Ferdinand, dem Willen zur Erneuerung und zu neuen Ausdrucks­energien zum Durchbruch verhalf. Erster Beweis für den Aufschwung in Vorau war der Neubau des linken Kirchenturmes durch Propst Benedikt von Perfall (1594–1615) im Jahre 1597. Im Stiftsarchiv liegt noch ein Einnahmenverzeichnis für den Bau dieses Glockenturmes auf.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Kosten für den Turmbau beliefen sich auf 712 Gulden, wovon 457 - rund zwei Drit­tel - von den stiftischen Untertanen aufgebracht wurden und das letzte Drittel zu Lasten des Stiftes ging, das zusätzlich noch die Kost bereitzustellen hatte. Zieht man die Beschaf­fung des Baumaterials mit den damals möglichen Transportmitteln und die Zahl der am Turmbau beschäftigten Personen sowie die uns leider unbekannte Länge der Bauzeit in Betracht,  dann kann der Aufwand für die Kost nicht gerade gering ausgefallen sein. Auch das Visitationsprotokoll von 1617 hält seine Erbauung von Grund auf im Jahre 1597 fest: &amp;quot;Anno 1597 turrim novam,in qua campanae, magnis sumptibus ex fundamentis con­struxit.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erbauer des Turmes verewigte sich an der Westfront ober dem gekoppelten Rund­bogenfenster mit den Buchstaben ''I. B. A. P. P. V.''&amp;lt;ref&amp;gt; Aufgelöst: l(ohannes B(enedictus) a P(erfall) P(raepositus) V(oraviensis) &amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Nordseite trägt in gleicher Höhe die Jahreszahl 1597, und die an der Ostseite angebrachten Initialen ''I H O'' dürften sich auf den Namen des ''O(pifex)'' beziehen, über den leider keine Quelle Aufschluss gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seinem gekoppelten Rundbogenfenster und dem kräftigen Konsolgesims gehört der Glockenturm noch dem Stil der Spätrenaissance an. Künstlerisch verdichteten sich die neuen Energien, die zum glanzvollen Wiedererstarken der Kirche führten, im Barock­stil. Er wird zum Kunststil der katholischen Gegenreformation und erlangte darüber hinaus gerade im süddeutsch-österreichischen Raum nach und nach eine derart volks­tümliche Breitenwirkung, dass er das Aussehen der Städte und Märkte, Kirchen und Schlösser heute noch weitgehend prägt. Im Stift Vorau stellt sich diese Entwicklung beispielhaft dar. Innerhalb von nicht ganz 50 Jahren, der Regierungszeit der beiden tüchti­gen Pröpste Daniel Gundau und Matthias Singer, wurden Stift und Kirche fast völlig neu erbaut, wurde zum Teil bereits 400 Jahre Bestehendes abgebrochen und damit der mit­telalterliche Baubestand, ausgenommen nur den Uhrturm und die Wehranlagen, voll­ständig kassiert. Es ist dies die zweite große Bauphase des Stiftes. Damals entstand Vor­aus frühbarocker Baukörper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Bedrohung aus dem Osten sah sich Propst Daniel Gundau (1619–1649) noch mehr genötigt, die aus dem Mittelalter stammenden, nicht mehr zeitgemäßen Klo­stergebäude zu einer starken Festung umzubauen. So ließ er 1619 das langgestreckte Vorgebäude in zwei Geschossen aufführen. Dieses Jahr nennt die Inschrift über dem Toreingang&amp;lt;ref&amp;gt; ''16 D(aniel) P(ropst) Z(u) V(orau) 19''&amp;lt;/ref&amp;gt;, desgleichen die zwei hofseitig datier­ten Portale.&lt;br /&gt;
Südlich der Kirche ließ Propst Gundau zwischen 1625 und 1635 an der Stelle meh­rerer älterer Wohnbauten das dreigeschossige Klausurgebäude als völlig einheitlichen Neubau um einen quadratischen Innenhof errichten. Die drei Flügel der Klausur wer­den durch kreuzgewölbte und in den Hof offene, geräumige Bogengänge verbunden; an der Außenseite ist im Westen ein quadratischer, im Osten ein sechseckiger Eckturm angefügt. Die Klausurgitter stammen von den Vorauer Schlossern Georg Hollaus (1843) und Alfred Fast (1982). Den Hof schmücken eine um 1700 geschaffene Sandsteinplastik des hl. Augustinus an der Kirchenwand (in vollem bischöflichen Ornat mit Bischofsstab, Mitra und dem brennenden Herzen in der Hand) sowie der 1370 gegrabene, 15 m tiefe Brunnen mit sechseckiger Steineinfassung; die reich geschmiedete eiserne Brunnenlau­be wurde um 1635 aufgesetzt. Hier befinden sich die Wohnungen der Chorherren, der Kapitelsaal und das Refektorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Gundaus Nachfolger Matthias Singer (1649–1662) ließ in der erstaunlich kur­zen Zeit von drei Jahren, nämlich 1660 bis 1662, die neue Stiftskirche anstelle der abge­brochenen alten aufführen. Ihr Baumeister war der Graubündner Domenico Sciassia aus Roveredo (gest. 1679 in Graz), die dominierende Persönlichkeit des Frühbarocks in der Steiermark. Unter Berücksichtigung der belassenen Turmbauten verbreiterte Sciassia die neue Anlage an der Nordseite, dort wo also nichts angebaut war, um 1,5 m, so dass sich dadurch der ganze Bau gegenüber der Eingangshalle etwas aus der Achse verschob. Die Maße betrugen 62,5 m in der Länge, 21 m in der Breite und 17 m in der Höhe. Vom Typus her ist der Bau eine Wandpfeilerkirche mit Emporen, das heißt eine geräumige ein­schiffige Halle mit flacher Stichkappentonne, die an beiden Seiten von je vier zwischen Wandpfeilern liegenden Kapellen mit darüber befindlichen Emporen begleitet wird. Das Grundmuster zu diesem in den katholischen Ländern sehr verbreiteten Bauschema bot die Kirche Il Gesu in Rom (1568 begonnen). Im süddeutschen Raum wurde es erstmals in der 1597 vollendeten Michaelskirche in München angewendet; für Österreich muss dazu der 1614 begonnene Salzburger Dom angegeben werden. Der Vorteil lag in einer wesentlichen Raumvereinheitlichung, die dennoch die Unterbringung mehrerer Altäre zuließ. Dem Langhaus fügt Sciassia eine Art Vierung an, die um vier Stufen erhöht liegt, aber von außen nicht erkennbar ist. Auf eine Kuppel verzichtete er; das Presbyterium schloss er gerade ab. Die Fassade, damals ja noch vom Prälaturumbau umschlossen und daher ohne vollgültige Schauseitenfunktion, beließ Sciassia sehr einfach und ungeglie­dert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 15. November 1691 wurde, noch nicht ganz 30 Jahre alt, der aus Graz gebürtige Advokatensohn Johann Philipp Leisl zum neuen Stiftspropst gewählt. Mit Leisl setzt die dritte große Bauperiode in Vorau ein. Um 1700 wurde das Vorgebäude gegen Süden ausgebaut und insgesamt um einen Schüttboden erhöht. Die Flügel rechts und links vom Torturm verstärkte man durch je ein vortretendes Stiegenhaus mit Dacherker. Die zwei an den Ecken  vorspringenden Sechsecktürme sind mit einer Zwiebelkuppel abge­schlossen (1980 neu mit Kupferblech eingedeckt). Um 1700 erhielt auch der Torturm sein achteckiges Obergeschoss aufgesetzt, das über einem Kuppeldach eine zierliche, kupferbeschlagene Laterne trägt, die wieder eine Zwiebelkuppel krönt. Mit seinen 38 Metern erreicht der Torturm die größte Höhe unter den noch erhaltenen 15 Türmen des Stiftes. Das mächtige, eisenbeschlagene Holztor (1679) und die Spitzen des Fallgitters sind die letzten Erinnerungen daran, dass hier eine bedrängte Grenzbevölkerung bei Einfällen kriegerischer Horden eine letzte Zufluchtsstätte finden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters ließ Leisl an dem von seinem Vorgänger begonnenen Prälaturtrakt weiter­bauen. Für die Ausschmückung der Kirche verstand er es, Matthias Steinl, einen der besten Wiener Hofkünstler, zu engagieren. Er entwarf den prachtvollen Hochaltar, wofür der Hauptchor der Kirche um 10 m verlängert  wurde. Der Hochaltar hat riesige Ausmaße, 17 m Höhe und 11 m Breite. Dass dieser kolossale Aufbau architektonisch über­sichtlich und gefällig gegliedert wurde, ist das Verdienst von Matthias Steinl, dass die einzelnen Teile jeder für sich ebenmäßig, edel, überzeugend ausfielen, das der  aus­führenden Maler, Bildhauer und Tischler. Der Zentralgedanke liegt im Patroziniumge­heimnis: Mariens Aufnahme in den Himmel. Nach Art einer gotischen Schreingruppe füllen den rechteckigen Mittelraum über dem Tabernakel die zwölf Apostel, die ver­wundert den Sarg der Gottesmutter umstehen, denn er ist leer. Ein mächtiger freischwe­bender Engel über ihren Häuptern gemahnt, die Blicke aufwärts zu lenken, wo von Engelshänden getragen, von Rosen rahmend umwunden, Maria als Gemälde empor­schwebt, um von der wieder plastisch gestalteten Dreifaltigkeit ehrend, von seligen Gei­stern jubelnd empfangen zu werden. Das ganze Riesenwerk ist in Holz ausgeführt, in dunklen und helleren Tönen marmoriert und mit Vergoldungen der Ornamente an den Sockeln und sonstigen Flächen, der von Putten gehaltenen Blumenketten, der Vasen, Kapitelle und Säulenbasen verschwenderisch ausgestattet; mit Ausnahme der unbe­kleideten Körperteile sind auch alle figuralen Plastiken vergoldet,was selbstredend auch vom Tabernakel gilt. Das Gemälde der ''Assunta'' ist ein gelungenes Werk Anto­nio Belluccis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Anlage der Seitenräume, den tiefen Bet- und Orgelchor und das teilweise Überdecken der Chorfenster durch den Hochaltar ist die Beleuchtung des Kirchenrau­mes eine gedämpfte, die den Glanz des Goldes keineswegs aufdringlich hervortreten läßt. Erinnert man sich außerdem der farbenreichen Malereien, welche alle Mauerflächen überziehen: würde an den plastischen Werken nicht das Gold die beherrschende Note sein, es müsste der Gesamteindruck in ein buntes Chaos zerflattern; so aber läßt das Gold in der milden Beleuchtung die Farben der Fresken zugunsten einer großzügigen, ein­heitlichen Wirkung zurücktreten und wird selbst andererseits durch die überwiegend warmen Töne der Wände und Wölbungen der satten koloristischen Grundstimmung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hochaltar füllt den halbkreisförmigen Schluss des Presbyteriums zur Gänze aus. An beiden Seiten sind kleine Kredenzaltäre zur Aufstellung gekommen, welche den vollen, aufrauschenden Akkord des Hauptaltares leise abklingen lassen. Die Gemälde dieser Altäre stellen den Apostel Thomas und den Markgrafen Otakar dar; die Skulp­turen weibliche Personifikationen von Tugenden. In engem stilistischen Zusammenhang mit der Gruppe der drei  Altäre stehen die in den Ecken des  Vierungsraumes aufgestellten vier überlebensgroßen vergoldeten Holzstatuen von Bischöfen, die mangels anderer Attribute nicht näher benannt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ihrem Entwurf nach gleichfalls als ein Werk Steinls angesehene Kanzel wurde 1706 errichtet. An der geschweiften, mit vergoldetem Schnitzwerk  übersponnenen Brüstung von rechteckiger Grundform sind ebenso wie an der Wandung der Treppe monochrome Malereien biblischer Szenen in Medaillons angebracht; an der Rückwand ist zwischen den allegorischen Verkörperungen der Heiligen Schriften des Alten und des Neuen Testamentes das von milder Hoheit verklärte Bild Christi als Weltenheiland zu sehen; auf dem Schall­deckel schwebt zwischen posaunenblasenden Engeln die Gestalt von Gottvater. Das Ganze ist von gesättigter Pracht und harmonischer Vollendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Zeit wimmelte es in den stiftischen Quellen nur so von Bildhauern und Malern, die man darin bislang vergeblich suchte. Die von Städten und  Kunstzentren weit abgelegene Stiftung des Markgrafen Otakar wird beinahe ein von ernstzunehmen­den Künstlern belebter &amp;quot;Hof&amp;quot;, der den Ruf von Admont, St. Lambrecht und Seckau über­strahlt. Eine lange Liste von Namen wie Andreas Straßgietl, Matthias Zisser, Gabriel Niedermayr, Franz Caspar, Servilian Haas, Karl Ritsch, Jakob Seer, Josef Graffenstein etc. könnte aufgezählt werden, die Vorau damals jenen Glanz verliehen, der noch heute  erstrahlt. Nicht zuletzt muss noch der Name des Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhafer (1685-1731) genannt werden, zählt er doch zu den bedeutendsten Freskanten der Stei­ermark. Als Hofmaler des Stiftes schuf er zwischen 1708 und 1731 eine Fülle von Kunst­werken, von denen die Sakristei als sein Meisterwerk gelten  darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Wänden der Sakristei erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi, die wohl kaum von der Hand Hackhofers, sondern unter seiner Anleitung eher von seinen Schülern stammen: &amp;quot;Fußwaschung&amp;quot;, &amp;quot;Letztes Abend­mahl&amp;quot;,&amp;quot;Jesus am Ölberg&amp;quot;,&amp;quot;Geißelung&amp;quot;, &amp;quot;Dornenkrönung&amp;quot;, &amp;quot;Jesus trägt das Kreuz&amp;quot;und &amp;quot;Kreuzigung&amp;quot;. Einen verbindenden ruhigen Sockel für diese Darstellungen schafft die kunstvoll verzierte Vertäfelung aus Nussholz mit zart gravierten Zinneinlagen (1716). Der Darstellung der Leiden Christi auf Erden (Passionsszenen an den Wandfeldern) steht an der Decke die Verherrlichung Christi beim Jüngsten Gericht gegenüber. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteiles thront Christus auf dem Regenbogen, der sich über einen ausgedehnten, kreisrunden Leerraum wölbt. Um diesen von einem Kranz golde­ner   Wolken abgesteckten Frei­raum schließt sich der Kreis der streng radial angeordneten Schar der Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetender Engel. Je weiter sich das Auge die Decke entlang zur Westwand wendet, umso mehr verliert der Raum an natürlicher Helligkeit. Engel   tragen die Leidenswerk­zeuge Christi und das Kreuz, das wie ein Pfeil zur westlichen Wand weist, und grelle Blitze zucken aus finsteren Gewitterwolken, die an der Westwand in das in eine rötlichbraune Dämmerung getauch­te Bild des &amp;quot;Höllenshuzes&amp;quot; über­gehen. Dieses wohl bekannteste Werk Hackhafers zeigt umgeben von Flammen, teuflischen Gestal­ten und anderen höllischen Unge­heuern den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Unmäßigkeit, Hoch­mut, Trunksucht, Verleumdung etc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich war Steinl dem kunstsinnigen Propst Philipp Leisl bei der Auswahl der  Freskenmaler für die Aus­schmückung der Kirche behilflich. Erstmals in der Steiermark wurde in dieser Kirche ab 1700 eine Freskenausschmückung sämtlicher Wände und Gewölbe ohne Felderstuck angewandt. Das umfassende Programm dieses überreichen Freskenschmuckes ver­herrlicht in drei einander ergänzenden Themenkreisen Jesus Christus als Erlöser der Welt und &lt;br /&gt;
verdankt vier Künstlern seine Ausführung: Karl Ritsch, Josef Graffenstein, Johann Kaspar Waginger und Karl Unterhuber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es würde nicht überraschen, wenn Propst Leisl den Künstler Steinl auch mit der archi­tektonischen Neugestaltung des noch immer unfertigen Stiftskomplexes betraut hätte. Von der Prälatur war ja erst der Osttrakt aufgemauert. Tatsächlich existiert im Stiftsarchiv von Vorau ein Stich der ganzen Anlage, der Steinl als Erfinder angibt. Er zeigt eine im Sinne des Spätbarock völlig zentrierte Anlage mit der Kirche als Mittelachse, an ihrer Südseite die Klausur, im Norden die gleichgestaltete neue Prälatur und vor der barocki­sierten Westfront der Kirche die mit ihr einen inneren Vorhof bildende alte Prälatur. Die langgestreckten Vorgebäude mit dem äußeren Torturm lagen parallel zu diesem Kom­plex und umschlossen den großen äußeren Vorhof. Doch blieb dieser Stich ein Ideal­entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Propst Leisls Nachfolger Graf von Webersberg (1717-1736) ließ das Prälaturgebäude von den Vorauer Baumeistern M. Zisser und A. Straßgietl fertigstellen und bezog in des­sen Westtrakt seine Wohnung. Man hielt sich dabei an die Größe und Bauweise der Klau­sur mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden im Hof und einem geräumigen sechseckigen Eckturm. Das alte Prälaturgebäude aber ließ Webersberg abreißen. Auch eine Begradi­gung der Vorbauten erfolgte nicht mehr. Jedoch  betrieb Webersberg die Ausgestaltung der Bibliothek des neuen Prälaturtraktes. Sie reicht mit einer Länge von 27 m über zwei Stockwerke und beherbergt heute 18.500 Bände.  Vorauer Tischler fertigten die mit reichen Rocailleschnitzereien verzierten Schränke. Außerdem schmücken Malereien und zarter Stuck die Wände und  Decken. Auch einige Zimmer und Gänge in der Prälatur und die gesamte Hoffront von Prälatur und Klausur wurden mit einer dezen­ten Stuckverzierung aus &amp;quot;Bandlwerk&amp;quot;-Arrangements versehen. So bot sich der breitge­lagerte Stiftkomplex nun endgültig in jener Ganzheit dar - spätere Bauten sind kaum  erwähnenswert - wie sie dem Gestaltdenken des 18. Jahrhunderts entsprach und auch bei den anderen zahlreichen Klöstern Süddeutschlands und  Österreichs angestrebt wurde: in symmetrischer Gleichgewichtigkeit um eine Mitte, in straffer Zusammenfas­sung der Baukörper als Sinnbild einer wohlgeordneten Welt, die sich wiederum als Spie­gelung jener höheren gottgewollten Ordnung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der im Nordtrakt des Prälaturhofes untergebrachte, freskengeschmückte 27 m lange und zwei Stockwerke hohe Bibliothekssaal zählt zu den attraktivsten Sehenswürdig­keiten für die Stiftsbesucher. Die Bibliothek besitzt 415 Handschriften, die seit dem Ankauf eines Handschriftenfragmentes im Jahr 1990 nun bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, 206 Inkunabeln und etwa 40.000 Drucke (ab 1500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 415 Handschriften sind nach dem Vorauer Handschriftenkatalog vier Fünf­tel mittelalterliche: eine fällt in das 9., zwei fallen in das 11., 40 ins 12., über 70 ins 13., über 50 ins 14., über 170 ins 15. Jahrhundert. Auch sind die mit Miniaturen versehenen Handschriften in der Minderzahl gegen jene, welche nur Initialen aufzuweisen haben. Das älteste Bücherverzeichnis entstand um das Jahr 1200 und ist in der Handschrift&lt;br /&gt;
17 (fol. 183 v) zu finden. Knapp vier Jahrzehnte nach der Klostergründung besaß das Stift rund ein halbes Hundert Bücher. Dazu kommen noch die privaten Bücher der Chorherren und die Handbibliothek des Propstes. In dem erwähnten Verzeichnis dominieren liturgische, biblische und theologische Bücher, Behelfe für die Seelsorge und das klösterliche Leben, Lebensbeschreibungen von Heiligen, aber auch offensichtliche Lernbehelfe wie Ovid, Cato und Boetius sind vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim großen Stiftsbrand im Jahre 1237 wurde die ganze romanische Anlage des Klo­sters ein Raub der Flammen. Der damalige Propst Bernhard II. (1235-1237) stürzte sich in die schon brennende Sakristei und warf Urkunden, Kodizes und andere Schätze durch das Sakristeifenster ins Freie. Er übersah in seinem Eifer, dass er von den Flammen ein­geschlossen wurde, und kam im Feuer um. Von den geretteten Handschriften nimmt der unter dem Namen  &amp;quot;Vorauer Hand­schrift&amp;quot; bekannte Sammelband aus dem 12. Jahrhundert (Cod. 276) den ersten Platz ein. Es handelt sich um die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen, zusammen­gebunden mit den lateinischen ''Gesta Friderici'' Ottos von Freising. Der umfangreichere deutsche Teil der Handschrift bringt mit der Kaiserchronik die erste Weltchronik in deut­scher Sprache. Die Dichtung beginnt mit der Gründung Roms und wird dann in zwei Teilen zur biographischen Darstellung der Geschichte der römischen Kaiser von Caesar bis Konstantin  VI. und der mittelalterlichen Kaiser von Karl dem Großen bis Konrad III. Mit der Kreuzpredigt des hl. Bernhard von Clairvaux bricht das Werk Ende 1146 ab. Im Anschluss an die 19.000 Verse umfassende Kaiserchronik und das Alexanderlied des Pfarrer Lamprecht bringt der Kodex zahlreiche Dichtungen geistlichen Inhalts aus der Zeit von 1050 bis 1150, darunter die Vorauer Genesis, die Vorauer Sündenklage, die Gedich­te der Frau Ava.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu anderen bedeutenden Klosterbibliotheken Österreichs besitzt Vorau eine erstaunlich große Zahl an mittelalterlichen Handschriften und Textfragmenten in deutscher Sprache. Erstaunlich deshalb, weil bis tief in die Neuzeit hinein das religiöse und wissenschaftliche Schrifttum die tragenden Säulen einer klösterlichen Bücher­sammlung der lateinischen Sprache vorbehalten sind. Bei den ''Textus germanici'' und den ''Poemata ger­manica'' (Fank, Catalogus, 1936, 249 u. 269) findet der Germanist, was ihn besonders angeht: Das ''Büchlein von der Liebhabung Gottes'' (Cod. 155 u.&lt;br /&gt;
163), das Gedicht ''Frewt euch liebe Seelen'' (Cod. 6), die Nibelungenbruch­stücke aus Cod. 138 etc. Cod. 118 A ent­hält die 1877 von Schönbach		veröffentlichten Wigaloisfragmente und Cod. 178 des Zister­ziensers Andreas Kurzmann deutsche Übersetzung des ''Speculum humanae salvationis''. Nicht 		unerwähnt bleiben darf in die­sem Zusammen­hang die ''Vorauer Novelle'' (Cod. 412). Diese Erzählung handelt von zwei Jünglingen, die aus den bergenden Klostermauern aus­brechen, sich der schwarzen Kunst verschreiben	und fortan ein Sündenle­ben führen. Während der eine beim Herannahen seines Todes verstockt bleibt, will der andere Buße tun. Er bit­tet deshalb den unbelehr­baren Freund, er möge ihm nach dem Tod erscheinen und von seinen Erlebnissen im Jenseits berichten­ - eine erste Gestaltung des ''Faust''-Stoffes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche der frühen Handschriften sind her­kunftsmäßig nach Seckau zu verweisen, von wo aus die Besiedlung der neuen Stiftung teilweise erfolgte. Die Handschriften sind überhaupt reich an Eintra­gungen und Hinweisen, die das Anwachsen der Sammlung erkennen las­sen. Man kann allerdings, wenn 	auch gelegentlich vereinzelte Stücke angefer­tigt worden sein mochten, bis ins 15. Jahrhundert für Vorau keine Schreibschule nachweisen. Die meisten Handschriften gelangten durch Kauf oder Schen­kung in die Bibliothek. Vom Markgrafen Otakar IV., dem späteren ersten Herzog der Steiermark und Sohn des Stiftsgründers, rührt ein Psalterium (Cod. 261) her. Durch das Vermächt­nis des Pfarrers Ulrich von Hartberg kamen Ende des 12. Jahrhunderts die Handschrif­ten 4 (2 Bde.) und 341 in die Bibliothek, und der Priester Wernher von Lind bei Zeltweg gab das Missale Cod. 21. In der zweiten Hälfte  des 13. Jahrhunderts waren die Pröpste Bernhard III. (1267–1282) und Konrad II. (1282–1300) besonders an der Vermehrung der Bibliothek interessiert. Beide Pröpste waren vor ihrer Berufung Domherren in Salzburg und brachten einzelne Handschriften von dort mit und ließen andere in Salzburg herstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Multos comparavit libros et scribi fecit&amp;quot; berichtet der Biograph Konrads. Um 1300 legte der Kustos und spätere Propst Dietrich in Cod. 342 abermals ein Inventar des Kirchen­schatzes und der Bücher an. Sicher handelte er dabei im Einvernehmen mit dem Propst, der bald danach resignierte. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse zeigt eine Zunahme um etwa 60 Handschriften, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass der 1200 ausgewiesene Bestand durch den Stiftsbrand im Jahre 1237 sicherlich dezimiert worden ist. Noch heute trägt Cod. 274 deutliche Brandspuren. Übertroffen aber wird die prächtige Ausstattung der Paulusbriefe von den herrlichen Evangelistenbildern des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot;, das dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts angehört (Cod. 346). Diese Kostbarkeit steht als einzige aller Handschriften noch heute in Verwendung: sie dient den Vorauer Klerikern bei der Ablegung der Gelüb­de, wenn sie die Schwurfinger auf den Johannesprolog legen. Ein Salzburger Missale (Cod. 332) vermachte Ende des 13. Jahrhunderts Pfarrer Konrad von Birkfeld dem Stift, und dem Pfarrer Heinrich von Wenigzell ist die Handschrift 174 zu verdanken. Im Jahr 1332 vollendete der Vorauer Chorherr Gottfried das von ihm verfasste ''Lumen animae'' (Cod. 130). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Vermerken lassen sich nur wenige Erwerbungen des 14. Jahrhun­derts feststellen, umso zahlreicher und vielfältiger werden diese Nachrichten im 15. Jahr­hundert. Unter Propst Andreas von Pranpeck (1433–1453) wurde die Bibliothek durch Kauf und Anfertigung besonders liturgischer Handschriften bereichert. Drei Handschriften (Cod. 1,3,7) die Erhard Grutsch de Marchegg, Kaplan in Hainburg, dem Stift St. Doro­thea in Wien vermacht hatte, kaufte der Propst im Jahre 1446. Es gelang ihm weiters, eine Schreib- und Buchmalschule ins Leben zu rufen, deren künstlerisch bedeutendsten Leistungen die Handschriften 254, 255 und 260 darstellen. Mit seinem Namen bleibt auch das kunsthistorische Hauptstück aus dem 14. Jahrhundert, das vierbändige Riesenanti­phonar (Cod. 259) verbunden, das eine der interessantesten Odysseen in der Vorauer Buchgeschichte aufweist. Dieses gewichtige Stück im Sinne des Wortes (jeder Band ist 59 cm hoch, 16 cm dick und wiegt 22 kg) wurde 1363 im Kloster Vysehrad bei Prag geschrieben. Als das Kloster in den Hussitenkriegen zerstört wurde, kam die Hand­schrift nach Wien, wo sie auf dem Jahrmarkt zum Kauf angeboten wurde. Dort erwarb Propst Andreas um 1435 um billiges Geld dieses Riesenwerk und brachte es unter vie­len Mühen nach Vorau. Nach Jahren wollten die Vorauer Chorherren das Werk den ursprünglichen Besitzern zurückerstatten, doch ließen diese durch einen Boten erklären, dass sie es im Stift belassen. Nun schritt man in Vorau zu einer Umarbeitung des Textes, um ihn für die Benützung am Ort brauchbar zu machen, gehörte doch Vorau zur Salz­burger Erzdiözese. An diesem Verbesserungswerk, das zwei Jahre (1496–1498) in Anspruch nahm und ein Unikum darstellt, beteiligten sich mehrere Chorherren. Viele Seiten wurden herausgenommen, dafür andere eingefügt, Initialen herausgeschnitten und auf neu beschriebene Blätter geklebt,  vieles sorgsam  ausradiert und neu über­schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Handschriften (134, 366, 367, 145) gelangten durch Wolfgang Voitländer in die Bibliothek und Pfarrer Petrus Pranpek aus Böheimkirchen hinterließ die Handschriften 152, 176 und 282. Vorbesitzer der Handschriften 59, 138, 150 und 131 war Caspar Flew­ger, der uns in Cod. 150 das Verzeichnis seiner Büchersammlung hinterlassen hat. Die angeführten Stücke kamen durch den Odenburger Kaplan Johann Nef nach Vorau. Eine Reihe von Handschriften spendete Leonardus Frisching vel Rasoris de Leoben im Jahre 1476 (Cod. 112, 127, 199, 221, 250, 306, 313, 362, 373).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachfolger von Propst Andreas, [[Leonhard von Horn]] (1453–1493), hatte das Inter­esse seines Vorgängers an Buch und Wissenschaft übernommen; unter ihm wurden ungefähr 50 Kodizes geschrieben bzw. gekauft. In diese Zeit fällt auch die im Jahre 1467 fertiggestell­te Vorauer Volksbibel, die mit ihren insgesamt 559 Miniaturen nicht nur die mit Abstand reichst bebilderte Vorauer Handschrift, sondern im Vergleich mit den noch rund 100 erhaltenen deutschsprachigen Historienbibeln mit dieser gewaltigen Fülle von Bildern die am umfangreichsten ausgestattete ist und als ein hervorragendes Beispiel der urwüchsig fri­schen, volkstümlichen Illustrationskunst Beachtung verdient. Nicht unerwähnt bleiben mögen in diesem Zusammenhang die zahlreichen, vom Vorauer Buchbinder Jacobus in den Jahren 1474 bis 1478 angefertigten gotischen Blindstempeleinbände. An fremden Handschriften besitzt Vorau nur zwei, die beide dem 14. Jahrhundert angehören: eine italienische Dekretalenhandschrift mit hübschen kleinen Miniaturen (Cod. 153) und eine französische Bibel (Cod. 59). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die revolutionären Folgen der Erfindung des Buchdruckes schränkten die Herstel­lung von Handschriften auf ein Minimum ein, ja waren vielfach sogar der Anlass, bereits Bestehendes zu zerstören. So manche Vorauer Handschrift ist uns nur deshalb erhalten geblieben, weil sie im 15. bis 17. Jahrhundert als Makulatur zum Neubinden von Büchern verwendet wurde, wofür viele Bände in der Stiftsbibliothek Zeugnis geben. Nicht unbe­gründet schrieb deshalb ein verständiger Bibliothekar des 17. Jahrhunderts in den Cod. 275, aus dem über 40 Folioblätter herausgeschnitten wurden: ''Quid fecisti, frater idiota, quod hunc librum Decretalium glossatum ita perdideris?''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Verluste erlitt die Samm­lung durch Abgänge in andere Bibliotheken: 1549 gelangten vier Handschriften durch Wolfgang Lazius in die Wiener Hofbibliothek, weitere Kodizes liegen unter anderem in Budapest, in der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek in Graz, im Stift Reichersberg, eine Papierhandschrift in der Studienbibliothek in Klagenfurt. Der im Laufe der Jahrhunderte stark angewachsene Bücherschatz des Stiftes machte den Neubau eines Bibliothekssaales notwendig, den man im Nordtrakt des unter Propst [[Franz Sebastian Graf von Webersberg]] (1717–1736) aufgeführten Prälaturtraktes unter­brachte. 1730 wurde mit künstlerischem Feingefühl mit der Ausstattung des 24 m langen und zwei Stockwerke hohen gewölbten Raumes begonnen. Bereits 1731 war der Handschriftenraum vollendet, der nur ein Stockwerk hoch und vom Bibliothekssaal über eine an der Westwand geschickt angebrachte Doppelwendeltreppe erreichbar ist. Die­ser Raum, in dem bis 1912 die Handschriften und Inkunabeln aufgestellt waren - aus Sicherheitsgründen hat man sie damals in einen feuer-und einsturzsicheren Raum ver­lagert - wurde von J. B. Bistoli stuckiert, von Josef Georg Mayr, einem jugendlichen Vor­auer Künstler, ausgemalt und erhielt vornehme Bücherschränke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des Bibliothekssaals gab Anlass zur Neuaufstellung, Nummerierung und erst­maligen Beschreibung der Handschriften durch den Bibliothekar Julius Franz Gußmann, eine Arbeit, die im Jahre 1733 abgeschlossen wurde. Durch den vom Vorauer Chorherrn Pius Fank in zehnjähriger umfassender Arbeit erstellten Handschriftenkatalog, den das Stift 1936 aus Eigenmitteln drucken ließ, ist seither der Vorauer Handschriftenbestand für alle Welt erschlossen. Seine Drucklegung ist letztlich auch die Ursache dafür, dass diese Sammlung von Manuskripten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bearbeitung und Erschließung des mittelalterlichen Handschriftenschatzes sei­ner Bibliothek widmete das Stift Vorau gerade in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufmerksamkeit durch die Faksimilierung mehrerer Kodizes. So wurde bereits im Jahr 1953 die in der ''Vorauer Handschrift'' (Cod. 276) enthaltene Kaiserchronik in Faksimi­le (gegenüber dem Original um ein Drittel verkleinert) aufgelegt, ihr folgten 1958 die deutschen Gedichte aus demselben Kodex. 1983 wurde von Ferdinand Hutz der künst­lerisch kostbarste Schmuck des &amp;quot;Vorauer Evangeliars&amp;quot; (Cod. 346), die vier ganzseitigen Evangelistenbilder und die dazugehörigen Incipit-Seiten, mit zwölf Faksimile wieder­gaben und einführendem Text allgemein zugänglich  gemacht, vom  gleichen Autor erschien 1986 eine Faksimilewiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus der &amp;quot;Vor­auer Volksbibel&amp;quot; von 1467 (Cod. 273). Das große Interesse, das dieses Werk hervorge­rufen hat, bewog das Stift Vorau zur Faksimilierung der ganzen Volksbibel, die in vier Teilbänden erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer aber die Vorauer Stiftsbibliothek besucht oder als Forscher Einblick in die Vorauer Handschriftensammlung nimmt, möge sich von jenem Chronogramm (1731) leiten lassen, das im Kreuzgang des Prälaturhofes über dem mächtigen Portal des Biblio­thekseinganges angebracht ist: ''IngreDere absqVe MorIs, pLaCltls Laetaberis horIs. Vt sapIens fIas saepIVs Ito VIas''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Über die Frühzeit des Archives ist so gut wie nichts bekannt. Der heutige Bestand reicht bis in die Gründungszeit zurück, doch sind zahlreiche Archivalien bei Bränden und verschiedenen Unglücks­fällen verloren gegangen. So wurde infolge der Stiftsbrände von 1237 und 1384 der größ­te Teil der Prälatur zerstört. 1584, ein Jahr vor dem Tod des Propstes Oswald Rei­benstain, brach in der Prälatur neuerlich Feuer aus, das wiederum wertvolle Urkunden und Akten vernichtete. Sein Nachfolger Zacharias Haiden ersuchte den Salzburger Erz­bischof im März 1588 um eine neuerliche Bestätigung der Privilegien, da ''dieselben Pri­vilegia aber vor etlichen Jaren in ainer Prunst undergangen''. Auch der Neubau der Prälatur 1727 und die drohende Aufhebung des Stiftes unter Joseph II. 1782 bis 1784 setzten dem stiftischen Aktenbestand zu. Nachdem die Aufhebung des Stiftes als unumgänglich erschienen war, vernichtete Propst Taufferer sämtliche Akten des Archives. Bereits 1765 waren ein etliche Kisten &amp;quot;mit alten Schriften&amp;quot; nach Wien abgeliefert worden. Nur die Hand­schriften und Urkunden des Archives, die Taufferer ordnen ließ, entgingen der Vernichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kriegsjahr 1945 fügte auch der Urkundensammlung einen schmerzlichen Verlust zu. Alle Urkunden waren seit der Neuordnung des Archives im Jahr 1924 durch Pius Fank in speziell angefertigten, tragbaren und verschließbaren Urkundenkästen aus Holz sorgfältig unterge­bracht. Die SS, die damals das Stift besetzt hielt, schaffte im April 1945 alle Urkun­denkästen aus Sicherheitsgründen nach Birkfeld, wo sie im Schlosshof von Birkenstein vor den herannahenden Russen liegengelassen wurden. Als man sie nach Kriegsende wieder fand, war eine Lade samt Inhalt dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Inhalt die­ser Lade umfasste immerhin alle 57 Stück Originalpergamenturkunden und eine Papier­kopie für den Zeitraum von 1541 bis 1599. Was für diese Zeit an Urkundentexten noch vorhanden ist, entstammt Abschriften und Kopialbüchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Aufbau des Archives machten sich mehrere Vorauer Chorherren als Archi­vare verdient; so Aquilin Julius Caesar (gest. 1792), Franz Stierl (gest. 1835), der junge Ottokar Kernstock in den Jahren 1872 bis 1877 und besonders Augustin Rathafer (gest. 1916). Pius Fank ordnete von 1920 bis 1924 provisorisch das Archiv und legte einen Katalog an. Eine Neuordnung nach den durch Kriegsereignis­se bedingten Schäden konnte Pius Fank  1969 zum Abschluss bringen. Ferdinand Hutz, von 1974 bis 2006 als erster Laie Archivar und Bibliothekar des Stiftes Vorau, ordnete 1979 das von Propst Prosper Berger (1920–1953) angelegte sogenannte Prälaturarchiv in das Stiftsar­chiv ein und und ordnete 1987/88 den umfangreichen Kernstocknachlass. Zudem wurden die Räumlichkeiten des Archivs während des Ausbaus des Bildungshauses 1976/77 neu adaptiert und zeitgemäß unter Belassung des noch guten alten Mobiliars einge­richtet. Zu den wichtigsten Beständes des zählen:&lt;br /&gt;
# '''Urkunden'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die rund 950 Urkunden - davon ca. 350 Originalpergamenturkunden - erstrecken sich über den Zeitraum von 1161 bis 1863. Die älteste ist eine auf das Jahr 1161 datierte Gründungsurkunde der Pfarre Dechantskirchen. Auf einer Urkunde von 1451 findet sich eigenhändige Unterschrift von Johannes Capistran. Der Text vieler im Original verlorener Urkunden blieb in mehreren frühneuzeitlichen Kopialbüchern sowie im ''Protocollum antiquissimum'' erhalten, die Urkundenab­schriften vom 15. bis 18. Jahrhundert enthalten.&lt;br /&gt;
# '''Akten'''&amp;lt;br /&amp;gt;Die große Fülle der vorhandenen Akten ist in Schubern und Laden untergebracht und durch den von Pius Fank abgefassten Katalog zeitsparend zugänglich. Sehr umfangreich ist der Aktenbestand zum Pfarrschulwesen im Dekanat Vorau und zur 1654 angekauf­ten Herrschaft Peggau (nördlich von Graz).&lt;br /&gt;
# '''Handschriften'''&amp;lt;br /&amp;gt; Die vielen historischen Handschriften wie Inventare, Urbare, Zinsregister, Steuerbücher, Chroniken usw. beinhalten alle Bereiche und dokumentieren die Geschichte seit dem 15. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die Vorauer Zinsregister aus den Jahren 1445, 1450 und 1497, das alte Gerichtsprotokoll (ab 1604) sowie die von Augustin Ratho­fer abgefassten Chroniken, Urkunden- und Gedenkbücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
=== Namensgebung===&lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Mittelalterliche Flurnamen im Markt Vorau. In: Vorauer Heimatblätter 8 (1986), S. 32-34. &lt;br /&gt;
* Ders.: &amp;quot;Vorau&amp;quot;- ein deutscher Name. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 15-17. &lt;br /&gt;
* Ders.: Vorau und Stiefing. Zur Frage slawischer Namen im Wechselgebiet. In: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 5-12.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Der Name Vorau in Österreich. In: Vorauer Heimatblätter 13 (1991), S. 18-19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Pius Fank: Das Chorherrenstift Vorau und sein Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Graz 1925. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: Das Chorherren­stift Vorau in den Jahren 1938 bis 1945. In: 800 Jahre, 1963, S. 118-131. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Wer hat das Stift geret­tet? In: 800 Jahre, 1963, S. 132-141. &lt;br /&gt;
* Ders.: Singendes Beten im Stift Vorau. In: Singende Kirche, 11. Jg.(1964), S. 133-135.&lt;br /&gt;
* Helmut Mezler-Andelberg: Aquilin Julius Cae­sar und die Anfänge der steirischen Landesgeschichtsschreibung. In: Zeitschrift des Historischen Verei­nes für Steiermark 57 (1966), S. 27-58. &lt;br /&gt;
* Schuller: Dekanat. 1971, S. 197-221, S. 469-479. &lt;br /&gt;
* Alois Pötz: Die kultur­geographische Bedeutung des Stif­tes Vorau. masch. geschr. Hausarbeit. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Zeit der Reformation und Gegenreformation. masch. geschr. theol. Diss. Graz 1977. &lt;br /&gt;
* Ders.: Stift Vorau. Drehscheibe der oststeirischen Erwachsenenbildung. In: Steirische Berichte 2 (1978).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Fank: Das Stift Vorau - seine Bedeutung für die heutige Zeit. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 39-47. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Das Stift Vorau - eine Herausforderung. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 48-49. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 50-53. &lt;br /&gt;
* Gilbert Prenner: 19. April 1940. Zur Aufhe­bung des Stiftes Vorau vor 40 Jahren. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 74-77.  &lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissen­schaftspflege im Stift Vorau. In: Festschrift Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zacharias Haiden und das Ringen um die Vorauer Propstwürde. In: Blätter für Heimatkunde 55 (1981), S. 2-9.&lt;br /&gt;
* Ders.: Das Gymnasium im Stift Vorau 1812-1817. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 75 (1984), S. 143-152. &lt;br /&gt;
* Hartmann Lorenz: Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges in Vorau im  April und Mai 1945. 2 Teile. In: Vorauer Heimatblätter, Heft 6 (1984), S. 34-39, Heft 7 (1985), S. 3-8. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation. 1986.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Reformation Pfarren. 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark.In: In Unum Congregati 1988, Heft 3/4, S. 21- 33.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zur Gründung und Gründungsurkunde des Stiftes Vorau, in: FLOREAT, 1988, S. 6-16. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Gründungssage des Stiftes Vorau, in: FLOREAT, 1988, S. 17-20.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rechberger: 20 Jahre Vorauer Bibelwoche, in: FLOREAT, 1988, S. 61. &lt;br /&gt;
* Peter Riegler: Das Bildungshaus Vorau, in: FLOREAT, 1988, S. 66-71.&lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Orden und Stift in unserem Jahrhundert, in: 825 Jahre, 1988. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Der Streit um die Vorauer Propstwürde 1542-1546, in: Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg, Graz 1988, S. 237-243. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ottokar Kemstock, 1989. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Briefmarke &amp;quot;Stift Vorau&amp;quot;, in: IUC 38 (1991), Heft 1/2, S. 63. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Klöster- und Ordensgeschichte der Steiermark, in: Amon, Karl / Liebmann, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz 1993, S. 59f., S. 63, S. 165f. etc.&lt;br /&gt;
* Markus Johann Riegler: Das Stift Vorau in der Zeit des Nationalsozialismus, masch. geschr. theol. Dipl.arb., Innsbruck 1994. &lt;br /&gt;
* Maximilian Liebmann: Ottokar Kernstock, der mißbrauchte Dichter, in: Zeitschrift des  Historischen Vereines für Steiermark 85 (1994), S. 381-393. &lt;br /&gt;
* Franz Rechberger: Propst Rupert Kroisleitner. Zum silbernen Propstjubiläum, in: Vorauer Heimatblätter 17 (1995), S. 14-16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftsverhältnisse===&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Siedlungsgeschichte der Oststeiermark (MIÖG Erg.bd. XIII/ 4), Innsbruck 1941.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wechsel, in: Zeitschrift des Historischen Ver­eines für Steiermark 49 (1958), S. 83-110. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Chorherrenstift, 1959.&lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Das Ausstattungsgut des Stiftes Vorau, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 51 (1960), S. 27-36. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Gun­tarn-St. Leonhard. Zur ältesten deutschen Besiedlung des Grazer Bodens, in: Festschrift Popelka, Graz 1960, S. 141-156. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Burg und Herrschaft Reinberg, in: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereins 9 (1960), S. 33-38. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Nochmals der Rodungsblock der 100 Huben zwischen Masenberg und Wech­sel, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 52 (1961), S. 155-161. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die historische Landschaft des südwestlichen Wechselgebietes, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 54 (1963), S. 312-343. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Vorau  und  die Wechsellandschaft, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für die Steiermark, Sonderbd. 13 (1967), S. 83-88. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Kultur-  und  Wirtschaftsgeschichte, 1969. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die ältesten urbarialen Aufzeichnungen aus dem Stiftsarchiv Vorau, in: Mitteilungen des Steierm. Landesarchivs 26 (1976), S. 33-39.&lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Die Vorauer Stiftshöfe in Graz, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 9 (1977), S. 45-71. &lt;br /&gt;
* Fer­dinand Hutz: Zur Forstwirtschaft des Stiftes Vorau, in: Hafner, Franz, Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart, Wien 1979, S. 348-351. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die Grundherrschaft des Chorherrenstiftes Vorau, in: FSCH. Kroisleitner, 1980, S. 89-95. &lt;br /&gt;
* Fritz Posch: Die ältesten Siedlungszen­tren des Vorauer Beckens, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 77 (1986), S. 59-66. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Einkommensfunktion des Forstbetriebes für das Stift Vorau und Analyse des forstlichen Produkti­onsbereiches, masch.geschr. Dipl.arb., Boku Wien 1988. &lt;br /&gt;
* Karl Reiss: Das Stift Vorau als Wirtschaftsbetrieb, in: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 14-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Stift Vorau und der Weinbau, in: Wein­kultur. Kat. Landesausst. Steiermark 1990, S. 167-176. &lt;br /&gt;
* Franz Eiselt: Von Krautgärten, Krautsiedlern und &amp;quot;Krautallern&amp;quot;. Der Einfluß klösterlicher Agrarkultur am Beispiel des Stiftes Vorau, in: Blätter für Heimat­kunde 68 (1994), S. 105-118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Catalogus ornnium D. D. Canonicorum in collegiata regulari ecclesia Yoraviensi existentium ad ann. MDCCLIV. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1871. &lt;br /&gt;
* Catalogus collegii canonicorum regularium Lateranensium ordinis S. P. Augustini Voravii in Stiria, Graecii 1908.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Liste der verstorbenen Vorauer Chorherren seit 1900, in: Vorauer Heimatblätter 5 (1983), S. 16-17 und in: fUC (1988), Heft 3/4, S. 53-55. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die numeri­sche Zusammensetzung des Vorauer Stiftskapitels, in: Vorauer Heimatblätter 6 (1984), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Schematismus der Vorauer Chorherren, in: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 28-29.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1950, in: Vorauer Heimatblätter 10 (1988), S. 34. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart, in: Vorauer Hei­matblätter 10 (1988), S. 30-33. &lt;br /&gt;
* Nor­bert Allmer: Woher bist Du? Zur geographischen Herkunft der Vorauer Chorherren von 1600 bis zur Gegenwart, in: FLOREAT, 1988, S. 45-52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Vorau, 1928. &lt;br /&gt;
* Robert Meeraus: Johann Cyriak Hackhofer, Graz 1931. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz (1954). &lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme in Vorau und anderen Stiften Österreichs, Vorau (1963). &lt;br /&gt;
* Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl Wien 1966. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau, 1959. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Vorau, 1968. &lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark, Graz 1973. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein Verzeichnis alter Glasgemälde und kirchlicher Altertümer aus dem Stift Vorau, in: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz 17 (1981), S.153-156. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Cyriak Hackhofer. Ausstellungsführer, Vorau 1981. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Die Oststeiermark, Salzburg 1981.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ignaz Gottlieb Kröll, in: Blätter für Heimatkunde 57 (1983), S. 113-118. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Sehenswürdigkei­ten, 1983. &lt;br /&gt;
* Christine Weeber: Der Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhafer 1675-1731, phil. Diss., 2 Bde., Graz 1987. &lt;br /&gt;
* Anton Allmer: Das Freskenprogramm der Stiftskirche Vorau. Beschreibung und  Versuch einer Deutung, theol. Dipl.arb., Innsbruck 1987. &lt;br /&gt;
* Rupert Kroisleitner: Zur Stiftsfassade 1987/88, in: Vor­auer Heimatblätter 10 (1988), S. 40. &lt;br /&gt;
* Peter Krenn: Zur Baugeschichte des Stiftes Vorau, in: Vorauer Heimat­blätter 10 (1988), S. 9-14.&lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zum Bau des Vorauer Glockenturmes, in:Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 27-30. &lt;br /&gt;
* Roland Schäffer: Das Vorauer &amp;quot;Kaiserbild&amp;quot; Friedrichs III. Zur Datierung und Deutung, in: Blätter für Heimatkunde 65 (1991), S. 31-38.  &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Johann Philipp Leisl, Propst von Vorau (1691-1717), in: Lust und Leid. Kat. Landesausst. Steiermark 1992, S. 265-270.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Matthias Pangerl: Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau, in: Beiträge zur Kunde steierm. Geschichtsquellen 4 (1867), S. 85-137. &lt;br /&gt;
* Ottokar Kernstock: Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau, in:Der Kirchenschmuck 7 (1876), S.6ff. &lt;br /&gt;
* Theoderich Lampel: Ein Antiphonar aus dem Chorherrenstift Vorau, in: Der Kirchenschmuck (1900),113ff. u.32 (1901), S. 14ff. &lt;br /&gt;
* Ders.: Die Incunabeln und Früh­drucke bis zum Jahre 1520 der Bibliothek des Chorherrenstiftes Vorau, Wien 1901. &lt;br /&gt;
* Ders.: Ein Evangeliar aus dem Stift Vorau, in: Der Kirchenschmuck  33 (1902), S. 62-71. &lt;br /&gt;
* Paul Huberl: Die illumi­nierten Handschriften in Steiermark. I. Teil: Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau, Leipzig 1911, S. 161ff.&lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark, Graz 1916. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter (Seckauer Geschichtliche Studien, Heft 4), Seckau 1935. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Catalogus Voraviensis seu codices manuscripti bibliothecae canoniae in Vorau, Graecii 1936. &lt;br /&gt;
* Die Kaiser-Chronik des regul. Chorherrenstiftes Vorau in Steiermark (Hs. 276/1). Vollständige Faksimile-Ausgabe, Graz 1953. &lt;br /&gt;
* Die deutschen Gedichte der Vorauer Handschrift (Kodex 276 -11. Teil). Faksimile-Ausgabe, Graz 1958. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Möser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. III Bd.:Steiermark, Graz 1961, S. 93ff.&lt;br /&gt;
* Otto Mazal: Gotische Blindstempeleinbände aus dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau, in: Gutenberg-Jahrbuch 1967, S. 252-260. &lt;br /&gt;
* Pius Fank: Die Vorauer Handschrift, ihre Entstehung und ihr Schrei­ber, Graz 1967. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Katalog der Drucke von 1520 bis 1600 im Chorherrenstift Vorau. 6 Teile, in: Gutenberg-Jahrbuch 1977-1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Zwei unbekannte Handschriften des Seckauer Bischofs Ulrich von Albeck in der Stiftsbibliothek Vorau, in: Codices manuscripti 6 (1980), S. 59-60. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Das Vorauer Evangeliar. Mit 12 Faksimile-Wiedergaben, Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Codex 582 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien ein Vorauer Nekrolog? Eine Richtigstellung, in: Codi­ces manuscripti 9 (1983), S. 89-90. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein bisher unbekanntes Druckwerk eines Burgenländers in der Stiftsbibliothek Vorau, in: Burgenländische Heimatblätter 46 (1984), S. 135-138. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Eine neu aufgefundene Vorauer Handschrift, in: Codices manuscripti 10 (1984), S. 149-152. &lt;br /&gt;
* Kurt Schacks (Hrsg.): Die Dichtungen der Frau Ava (Wiener Neudrucke. Neuausgaben und Erstdrucke deutscher literarischer Texte, Bd. 8), Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Vorauer VolksbibeL Faksimile-Wiedergabe aller 51 Seiten des Buches Exodus aus dem Codex 273, Graz 1986. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Die Handschriften des Chorherren­stiftes Vorau, in: Imagination 1 (1986), Heft 1, S. 17-20. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Faksimile aus dem Stift Vorau, in: IUC 35 (1988), Heft 3/ 4, S. 75-77. &lt;br /&gt;
* Friedrich Mielke: Die Zwillingswendeltreppe im Augustiner-Chorherren­stift Vorau, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 79 (1988), S. 167-186. &lt;br /&gt;
* Helga Hensle-Wlasak: Der Bilderschmuck im Codex 259 der Vorauer Stiftsbibliothek, masch. geschr. phil. Diss., Graz 1988. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Geburt und Kindheit Jesu in der Vorauer Volksbibel Graz 1989. &lt;br /&gt;
* Vorauer Volksbibel Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat des Codex 273 aus dem Besitz der Stiftsbibliothek Vorau. 4 Teile. Interimskommentare von Ferdinand Hutz: Graz 1989-1993. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Gibt es eine &amp;quot;Vor­auer&amp;quot; Osterfeier?, in: Sursum corda. Variationen zu einem liturgischen  Motiv. Für Philipp Harnoncourt, Graz 1991, S. 472-476. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Hutz: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688, in: Carinthia 1992 (182. Jahrg.), S. 383-387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Gerhard Pferschy: Wissenschaftspflege im Stift Vorau, in: FSCH. Kroisleitner, 1980, S. 78-86. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Ottokar Kernstock als Historiker und Gelehrter, in: Blätter für Heimatkunde 63 (1989), S. 33-37. &lt;br /&gt;
* Ferdi­nand Hutz: Der Verlust an Pergamenturkunden des Stiftsarchives Vorau im Kriegsjahr 1945, in: Geschichts­forschung in Graz. Fsch. 125-Jahr-Jubiläum des Instituts für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Graz 1990, S. 305-310.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Stephanie Zima</name></author>
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